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Dieses Thema hat 156 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Gubanov Offline




Beiträge: 14.505

20.11.2011 14:07
#151 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Staffel 13, Episode 01:

Three Act Tragedy (nicht synchronisiert)


Mit: David Suchet, David Yelland. Als Gaststars: Martin Shaw, Kimberley Nixon, Art Malik, Suzanne Bertish, Anastasia Hille, Ronan Vibert, Kate Ashfield, Jane Asher u.v.a. Regie: Ashley Pearce. Drehbuch: Nick Dear. Erstsendung: 03.01.2010.

Zitat von Three Act Tragedy
Crow’s Nest, Loomouth, Cornwall. Sir Charles Cartwright, ein großer Theaterschauspieler, der sich von der Bühne verabschiedet hat, gibt eine Cocktailparty und hat viele Bekannte aus London, darunter Hercule Poirot, eingeladen. Ausgerechnet der harmloseste der Gäste, Reverend Babbington, fällt, nachdem er von seinem Cocktail genippt hat, tot zu Boden. Handelt es sich um einen natürlichen Tod oder um Mord? Die Antwort gibt ein zweiter Todesfall bei einer ganz ähnlichen Party, bei der fast jeder Gast der ersten Zusammenkunft wieder anwesend ist. Daraufhin lädt schließlich auch Poirot selbst zum Sherrytrinken ...


Nachdem die britische „Poirot Collection 8“ nun schon seit Januar in meiner Sammlung steht und ich jede der Folgen mindestens dreimal ausgiebig betrachtet habe, ist es nun an der Zeit, höchst offiziell einige Eindrücke festzuhalten. Die 13. Staffel nimmt nach dem Ausfall „Appointment with Death“ das etablierte Rezept, die Christie-Stoffe respektvoll und behutsam den heutigen TV-Gepflogenheiten anzupassen, dankenswerterweise wieder auf. In jedem der vier neuen Fälle kommen dabei beeindruckende und wunderbar gelungene Ergebnisse heraus. Hier, bei „Three Act Tragedy“, ist das umso verdienstvoller, weil die Buchvorlage, obwohl aus einem der ganz wenigen zu einem so späten Zeitpunkt in der Serie noch verbliebenen Klassiker-Jahrgänge, nicht wirklich zu Christies stärksten Arbeiten gehört.

Zitat von „Three Act Tragedy“ bei Mystery Mile, Link
Three Act Tragedy is a magnificent piece of television drama; it is in my view the best of the Poirot series to date (which is, as I have said before, a very large claim) and demonstrates once again the near miraculous nature of Suchet’s work in turning such a two-dimensional character into a three-dimensional one. In so doing he provides new insights into Christie’s work in terms of both its strengths and limitations. Sometimes the adaptations fail and point up a book’s strengths; sometimes, as here, they triumphantly succeed and point up a particular book’s weakness.


Es stört beim Ansehen gar nicht, dass Poirot x-fach mit dem Zug durch England und Frankreich reist, um nach einem oder zwei Interviews wieder an den Tatort oder nach Whitehaven Mansions zurückzukehren. Im Gegenteil: Der dynamische Eindruck, den „Three Act Tragedy“ auf diese Weise hinterlässt, bildet den idealen Kontrapunkt zu der ansonsten sehr betonten Theatralik des Streifens. Die Bühnenbildner und insbesondere Kameramann Peter Greenhalgh haben dafür gesorgt, dass der die Handlung bestimmende Grundgedanke des Schauspielens, der Illusion und des klassischen Theaters in jeder Szene präsent ist. Man wirft Blicke durch runde Wandlöcher, bekommt die dramatis personae als „cast“ vom Spielleiter Sir Charles Cartwright vorgestellt und begegnet wichtigen Gegenständen, so etwa einem Telefon, einer Zeitung und Poirots legendären Spielkarten, die ihm bei der Lösung schon so manchen Falles geholfen haben, herausgestellt vor schwarzem Hintergrund.
Ein besonderes Schmankerl ist der erste coroner’s inquest, der von einem einzigen Schauspieler gestemmt wird. Darüber hinaus fällt vor allem die häufig das Bild prägende Spiegelsymmetrie auf. Derart stilsicher und auch poirot-gerecht fällt die Inszenierung selten aus. (Als Regisseurin begegnen wir übrigens Ashley Pearce wieder, die bereits viele der inhaltlichen Schwächen der „Appointment“-Verfilmung mit ihrer charakteristischen Handschrift kaschierte und mit „Mrs McGinty’s Dead“ einen düsteren und stimmungsvollen Erstling zuwege brachte.)

Zitat von „Three Act Tragedy“ bei AgathaChristie.com, Link
Visually, Three Act Tragedy keeps up the Poirot tradition of presenting period details in a stylish and artistic way. The art direction of this episode ranks among the series’ best efforts to date, with a fantastic blend of color, artwork, and natural scenery. From the picturesque coastline to the vivid murals to the stylish stage sets, the series’ creative team has distinguished itself with its efforts.


Vor dem Hintergrund von Crow’s Nest an der kornischen Küste oder dem schicken, altehrwürdigen Londoner Theater könnte man vermuten, dass die Darsteller nur eine untergeordnete Rolle spielen. Man liegt damit, Gott sei Dank, falsch: Vor allem die Verpflichtung Martin Shaws (uns wohl am ehesten bekannt als Sir Henry Baskerville in der Ian-Richardson-Verfilmung) als alternder Theaterstar zählt zu den größten Stärken der Episode. Er spielt seinen Part einfühlsam, aber dennoch so dominant, dass man ihm die jahrelangen Erfahrungen an englischen Bühnen voll und ganz abnimmt. Die für die Lösung zentrale Liebesgeschichte zwischen ihm und der jungen und unentschlossenen Egg (Kimberley Nixon) macht ihn menschlich und rücksichtslos zugleich. Eine weitere Person, die besonders hervorsticht, ist Kate Ashfield als Miss Muriel Wills. Die Krimiautorin mit strenger Dreißigerjahrefrisur sieht den Kriminalfall als eine Art reale „Weiterbildung“ für die Stücke an, die sie – im Gegensatz zur mutigen Frau Christie – unter dem männlichen Pseudonym Anthony Astor auf die Spielpläne bringt.

Sowohl die Augen als auch die grauen Zellen werden an „Three Act Tragedy“ ihre Freude haben. Von Monte Carlo (eingefleischte Poirot-Fans werden ein Sekundenfitzelchen Archivmaterial aus „The Mystery of the Blue Train“ entdecken) über die englische Südwestküste bis in den Norden nach Yorkshire zieht sich das Band der dreiaktigen Tragödie, der vor allem Martin Shaw ein glaubwürdiges Gesicht verleiht. 5 von 5 Punkten.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.375

26.12.2011 13:05
#152 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

BEWERTET: "Alibi" (Originaltitel: The Murder of Roger Ackroyd) Erstsendung: 2. Januar 2000
Episode 1 Collection 8 (polyband)



"Ich wünschte, Hercule Poirot hätte sich niemals von seinem Beruf zurückgezogen und wäre nie hierhergekommen, um Kürbisse zu züchten...."

Das Geständnis des Mörders in seinem kleinen "Journal", dem Tagebuch, das Poirot in der Rahmenhandlung studiert, zieht sich wie ein roter Faden durch den Film, der Poirot im Ruhestand zeigt; in King's Abbot, einem bezaubernden Dorf, das die Sehnsucht nach der englischen Scholle in jedem empfindsamen Charakter wachruft und die Akribie, mit der die Engländer ihre Gärten bearbeiten, verständlich macht. Selbst hier zeigt sich, dass der Belgier Poirot im Grunde immer ein Fremder bleiben wird. Sein Kampf mit dem Kürbis, der durch die Luft fliegt und vor den Füßen seines Nachbarn landet, veranschaulicht, dass der berühmte Detektiv in einer gepflegten Stadtwohnung viel besser aufgehoben ist. Sein Verlangen nach krimineller Stimulation seiner kleinen grauen Zellen kann freilich auch auf dem Lande befriedigt werden.
Drei mysteriöse Todesfälle erfordern Poirots Mitarbeit bei der Aufklärung durch die Polizei, die in der Person von Chief Inspector Japp das alte Band zur Vergangenheit wiederherstellt. Die Begrüßung der beiden Freunde ist herzlich und weist bereits darauf hin, dass der Aufenthalt Poirots in der Landgemeinde nicht von langer Dauer sein wird. Nachdem der Detektiv sowohl mit dem Mordopfer Roger Ackroyd, als auch mit dem Täter befreundet war, bleibt ihm am Ende nur der stilvolle Rückzug ins Berufsleben. Immerhin ist Whitehaven Mansions immer noch in seinem Besitz.
Der Kriminalfall wartet mit den klassischen Zutaten eines altmodischen Schmökers auf: Selbstmord durch eine Überdosis Schlaftabletten; ein Abschiedsbrief, der auf geheimnisvolle Weise verschwindet; ein historischer Dolch, der den Familienpatriarchen tötet; heimliche Eheschließung zwischen jungen, aber mittellosen Leuten und das Spiel mit der Zeit, das Alibis schafft oder vernichtet. Das Ensemble verwirrt den unkundigen Zuseher ein wenig durch die physische Ähnlichkeit von Roger Ackroyd und Dr. Sheppard, ebenso wie man den Privatsekretär Raymond und den jungen Ralph zunächst verwechselt. Eine Zweitsichtung bietet sich hier geradezu an.

"In King's Abbot gibt es nur zwei bedeutende Häuser. Das eine ist King's Paddock, das Mrs. Ferrars von ihrem verstorbenen Gatten erbte. Das andere, Fernly Park, gehört Roger Ackroyd. Ackroyd hat mich seit jeher interessiert, denn er war der Inbegriff eines englischen Landjunkers."

Das frische Grün, die alte Bausubstanz, die engen Gassen und die Fabrik mit ihren dampfenden Kesseln und bunten Chemikalien machen viel von der Gemütlichkeit aus, die "Alibi" verströmt. Die moderne Synchronisation wirkt ein wenig befremdlich, besonders an die neue Stimme von Hercule Poirot muss man sich erst gewöhnen.
Seine Worte "Ich bringe dich um!" zum Kürbis, der nicht wachsen will, klingen ohne die Stimme von Klaus Höhne etwas schrill, doch bis am Ende des Films hat man sich an das neue Timbre gewöhnt.
Erfreulich stimmt das wie immer hochwertig gestaltete Booklet, das von Karoline Bendigs Fachwissen profitiert. Ein Bonus, auf den man in den englischen Boxen verzichten musste.

Peter Offline




Beiträge: 2.743

27.07.2013 08:56
#153 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #58
Staffel 08, Folge 02:

Lord Edgware Dies (nicht synchronisiert)





SPOILER – Nur weiterlesen, wer den Film gesehen hat!

Einen Abstrich muss man aber in Bezug auf die Dinnerszene vornehmen. Es ist einfach nicht fair gegenüber dem Zuschauer, Helen Grace (Jane Wilkinson) bei der Party zu filmen, bei der eigentlich Imitatorin Carlotta Adams in Form von Fiona Allen anwesend war, und diese dann erst in der Auflösung so zu zeigen. Und dass man den Unterschied zwischen den beiden Damen auch ohne dreifachen Zoom und Slowmotion erkennt, sollen die beiden hier verlinkten Bilder beweisen:
http://files.homepagemodules.de/b140640/f20t16p72n1.png



Doch was bleibt sonst noch zu sagen? Eine exzellente Vorlage, eine handfeste Umsetzung mit Pfiff, Spannung, Humor, Düsternis und einer erneuten Meisterleistung David Suchets. Was dieser Mann anpackt, gelingt. Für den in Spoiler-Tags bemangelten Umstand gibt es nichtsdestotrotz saftigen Punktabzug. Das macht unterm Strich: 4 von 5 Punkten.



Und noch ein Peter, der spoilert:
Habe den Film gestern gesehen, ohne den Stoff vorher zu kennen. Am Ende musste ich doch mal kurz durchatmen und sagen, dass ich mich mit dem beim Mitraten in dieser Form vorher schon ausgeschlossenen Imitatorentrick schon ganz ordentlich reingelegt fühlte. Großes Aber: Ich habe es dennoch genossen und sofort verziehen.
Harte Regelverletzung bei einem Whodunit - aber eine, die ich mir gern gefallen ließ. Gut, dass ich nun keine Bewertung augrübeln muss. Oder vielleicht doch: Ein fetter voller Punktabzug bei einer ansonsten herrlich perfekten Vorstellung ein Spur zu viel. Vielleicht 0,65 Punkte, die wir freundschaftlich auf einen halben Punkt Abzug abrunden......

Lord Low Offline




Beiträge: 361

13.02.2017 22:45
#154 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Ich hätte auf jeden Fall eine Frage zur Folge "The ABC Murders". Dort spielt eine Szene im Kino. Gibt es den Film, der dort gezeigt wird, wirklich oder hat man das nur für die Folge gedreht?

Editiert von Gubanov am 13.02.2017, 22:55 Uhr - Beitrag in bestehendes Thema integriert

Gubanov Offline




Beiträge: 14.505

13.02.2017 22:56
#155 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Ich habe deine Frage in den Episodenbesprechungs-Thread integriert.

Laut IMDb stammen die verschiedenen Sequenzen, die in "The ABC Murders" im Kino zu sehen sind, aus Alfred Hitchcocks "Nummer siebzehn" und aus "Black Limelight". Während der erstgenannte mit Entstehungsjahr 1932 gut passt, wurde "Black Limelight" erst 1939 und damit eigentlich drei bis vier Jahre zu spät für die ABC-Handlung gedreht.

Lord Low Offline




Beiträge: 361

14.02.2017 00:04
#156 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #155
Ich habe deine Frage in den Episodenbesprechungs-Thread integriert.

Laut IMDb stammen die verschiedenen Sequenzen, die in "The ABC Murders" im Kino zu sehen sind, aus Alfred Hitchcocks "Nummer siebzehn" und aus "Black Limelight". Während der erstgenannte mit Entstehungsjahr 1932 gut passt, wurde "Black Limelight" erst 1939 und damit eigentlich drei bis vier Jahre zu spät für die ABC-Handlung gedreht.


Danke für die Antwort!

Lord Low Offline




Beiträge: 361

14.02.2017 16:31
#157 RE: David Suchet ist Hercule Poirot - Episodenbewertungen Zitat · antworten

In der Episode "One, Two, Buckle My Shoe" hab ich einen kleinen Fehler entdeckt:

Als der Zahnarzt tot auf dem Boden liegt, sieht man sehr deutlich, wie sich die Augen des Schauspielers bewegen.

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