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Dieses Thema hat 16 Antworten
und wurde 3.234 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Seiten 1 | 2
Joe Walker Offline




Beiträge: 755

16.07.2010 10:03
#16 RE: 0 Uhr 15 Zimmer 9 (1949) Zitat · Antworten

Zitat von Joachim Kramp im Beitrag #1
Aus dieser Zeit gab es noch mehr interessante, aber wenig erfolgreiche Kriminalfilme wie "Blockierte Signale", "Verführte Hände", "Schuss durchs Fenster", "Gesucht wird Majora", "Mordprozess Dr. Jordan", "Das Geheimnis des hohen Falken", "Der Unheimliche (Die Tat des Anderen)", "Mord in Belgesund (Fünf unter Verdacht)", "Lambert fühlt sich bedroht (Das Haus im Nebel)", "Der Schatten des Herrn Monitor", "Die Dame in Schwarz", "Falschmünzer am Werk", "Gift im Zoo", "Die Spur führt nach Berlin" oder "Banditen der Autobahn". Der eine oder andere davon ist ja bereits "aufgetaucht".

Demnächst erscheint bei 3L mit "Mordprozess Dr. Jordan" einer der von dir erwähnten Filme aus der Frühzeit des Nachkriegskrimis auf DVD. Vielleicht ganz interessant für Krimifans.

Gruß
Joe Walker

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

03.07.2016 20:45
#17 RE: 0 Uhr 15 Zimmer 9 (1949) Zitat · Antworten



0 Uhr 15 Zimmer 9

Kriminalfilm, BRD 1949. Regie: Arthur Maria Rabenalt. Drehbuch: Gerhard T. Buchholz. Mit: Cornell Borchers (Maria Mertens), Peter Pasetti (Kellner Wiegler), Maria Schanda (Bertha Leutner), Raimund Schelcher (Martin Leutner), Ethel Reschke (Cordy Czoch), Walter Franck (Konsul Pallant), Roma Bahn (Baronin von Rottach), Ernst Waldow (Fälscher Lipinsky), Justus Ott (August Zühlke), Arthur Schröder (Graf Lorringk) u.a. Uraufführung: 28. April 1950. Eine Produktion der Comedia-Film München im Schorcht-Filmverleih München.

Zitat von 0 Uhr 15 Zimmer 9
Das ehrwürdige Turfhotel Leutner beherbergt am Tag vor dem mit Spannung erwarteten Pferderennen eine illustre Gästeschaft, unter die sich auch der zwielichtige Konsul Pallant mit seiner Gefolgschaft gemischt hat. Der Sohn der Inhaberin hat sich darauf eingelassen, Funksprüche für Pallant zu empfangen, bei denen es sich angeblich um „legale Tipps“ für Wettfreunde handelt. In Wahrheit plant Pallant einen großen Betrug mit gefälschten Dollar-Banknoten, an dem ihn allerdings ein gewiefter und erpresserischer Kellner zu hindern versucht ...


Auch wenn es manchmal scheint, als hätten die Uhren früher anders getickt, so behält die Idee eines in Echtzeit ablaufenden Kriminalfalls bis heute einen modernen Reiz. Die Schilderung illegaler Machenschaften und brennender Eifersucht im edlen Hotel mag dem Betrachter dann allerdings doch etwas antiquiert vorkommen, denn „0 Uhr 15 Zimmer 9“ versäumt es, mit einem Aufmerksamkeit erregenden Aufhänger zu starten und konzentriert alles Spannende auf die letzten zehn Minuten, auf die man von Seiten des Titels und durch die geradlinige Erzählform zwangsläufig „hinarbeitet“. Bis sich die Ereignisse überschlagen, verwendet Artur Maria Rabenalts Film viel Zeit auf das Schmieden halbausgeführter Pläne und das Überhören mysteriöser Andeutungen, auf hysterische Szenen und Anschuldigungen aus enttäuschter Liebe.

Ein Hotel als zentraler Schauplatz ist für Filme aus den 1930er und 1940er Jahren kein ausgefallenes Setting, erlaubt es doch eine reine Studioproduktion ohne Außenaufnahmen, ohne dass sich alle Anwesenden kennen müssen. Rabenalt heftet sich von Anfang an nah an seine Darsteller und lässt ihnen keine Privatsphäre, was dem in der Öffentlichkeit stets mitklingenden Gefühl, sich auf dem Präsentierteller zu bewegen, Rechnung trägt. Man sieht immer sofort, wer welche Schlechtigkeit im Schilde führt – insofern ist „0 Uhr 15 Zimmer 9“ von einem Mitratekrimi so weit entfernt wie nur möglich. Spannender gestalten sich die Fragen, wer einen verstohlenen Blick auf die verbotenen Dollars wirft, die vertraulichen Verhandlungen überhört oder sein Wissen für welche Gegenleistung weitergibt.



Zwischen betrügerischen Gästen, dem unverschämten Kellner und den in ihrem Stolz gekränkten Besitzern bleibt dem Zuschauer nur Cornell Borchers als Identifikationsfigur. Sie verkörpert den perfekten Frauentyp der Vierzigerjahre, der im Krieg geduldig auf den Verlobten gewartet und ihn trotz Verwundung nicht aufgegeben hat, in Privat- und Berufsleben anpackt und dem mahnenden Zeigefinger ihres Liebsten nur dort ernsthafte Widerworte entgegenstellt, wo seine Aussagen geradeheraus ehrabschneidend werden. Raimund Schelcher gelingt ein differenziertes Porträt eines durch seine Kriegsverletzung psychisch angeschlagenen Mannes, dessen Minderwertigkeitskomplexe ihn unbeherrscht, aber auch selbst angreifbar machen. Daraus weiß der Gauner des Films Nutzen zu schlagen, der von Walter Franck in der ihm eigenen Selbstsicherheit dargestellt wird.

Zitat von Eisgekühlte Bezirke, Der Spiegel, 19/1950, S. 37
Man hielt [Cornell Borchers] für die ideale Verkörperung eines deutschen Fräuleins. [...] Bei Arthur Maria Rabenalt hatte sie debütiert. Der verpflichtete die je zweisemestrige Medizinstudentin und Schauspielelevin, aus Ostpreußen gebürtig, in Hannover großgeworden, nach Probeaufnahmen sofort als Mädchen Irene für seinen Comedia-Film „Martina“. [...] Martina wurde dann Jeanette Schulze und Cornell Borchers spielte die Rolle ihrer Schwester, die einer höchst seriösen, gütigen Ärztin. Seitdem ist Cornell Borchers auf diesen Typ der blond-braven, studierten, leicht frigiden Frauen festgelegt. Ihre Konkurrenzlosigkeit in diesen eisgekühlten Bezirken ist ihr persönliches Glück. In dem Kriminalfilm „Null Uhr 15, Zimmer 9“ (sic!) sollte ihr in einigen Szenen mit Walter Frank (sic!) der Eispanzer schmelzen. Das lag ihr gar nicht. „Ich bin eben keine erotische Schauspielerin“, klagte Cornell. Das trug ihr den Spitznamen „Eisente“ ein.


Nicht nur Walter Franck, auch Peter Pasetti bemüht sich um Cornell Borchers und bringt mit seiner unverkrampften Offenheit Schwung in die manchmal etwas leblose Atmosphäre des Films. Die große Wendung seiner Rolle kommt allerdings ebenso wie der Showdown vorhersehbar und wie ein Zitat aus ähnlich gelagerten deutschen und internationalen Vorbildern. So verpufft der Effekt, den „0 Uhr 15 Zimmer 9“ zu erzielen versucht, zumal sich die Regie wenig Mühe gibt, den ungewöhnlichen Echtzeit-Effekt inszenatorisch zu betonen. Unterm Strich bleibt der Gesamteindruck eines behäbigen Experiments zurück, das der Comedia-Film kaum den benötigten Publikumserfolg eingebracht haben dürfte (O-Ton des Produzenten Heinz Rühmann: „Kein Film fand Anklang.“).

Eine gut aufgelegte Besetzung scheitert an einem verworrenen Drehbuch und einer wohl durch die wenig prosperierenden Umstände der Zeit im Allgemeinen und der Comedia-Film im Speziellen angeschlagenen Regie. „0 Uhr 15 Zimmer 9“ wirkt angestaubter als viele NS-Kriminalfilme, zeugt aber immerhin von der im Nachhinein vielleicht als zu idealistisch erkennbaren Risikobereitschaft der Filmemacher in der unmittelbaren Nachkriegszeit. 2,5 von 5 Punkten.



Die DVD von Magic Picture: Für die geschilderte Ausgangslage und das Alter des Films kann sich der Transfer, auch wenn er von Helligkeitsschwankungen betroffen ist, durchaus sehen lassen. Die Filmkörnung kommt deutlich heraus – hier wurde also nicht übermäßig gefiltert. Den Ton fand ich durchwegs verständlich, auch wenn man sicher schon Besseres gehört hat. Der auf der DVD enthaltene Bonusfilm „Spiegel der Massen“ hat eher Wochenschau- bzw. Dokumentarfilm-Charakter und steht mit dem Hauptfilm inhaltlich nicht in Verbindung. Die Trailerschau umfasst diverse Titel des Magic-Picture-Outputs. Leider bekommt der Käufer keine schriftlichen Informationen zur Entstehungsgeschichte des Films oder der offenbar schwierigen Restauration – der Platz, den ein Booklet einnehmen könnte, wird von einer Werbebroschüre beansprucht.

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