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Dieses Thema hat 933 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

08.04.2011 16:44
#91 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

EINE ROSE IM MÜLL

Unheimlich und mit einer fast fiebernden Spannung schildert diese Episode das Drama um das Verschwinden des jungen Studenten Michael Rothaupt, der als LKW-Fahrer für eine Müllfirma jobbt. Auf einer einsamen Landstraße nimmt er eines Nachts eine Anhalterin mit. Als er per Funk in ein auf der Strecke liegendes Landgasthaus zitiert wird, bittet er Marion Diebach, zu Fuß weiterzugehen - er werde sie später wieder auflesen. Doch dann rast der LKW an ihr vorbei, ohne noch einmal anzuhalten … Nachdem ihre Vermisstenanzeige keinen Erfolg bringt, wendet sich Marion an Oberinspektor Derrick. Er fährt mit ihr zu Ermittlungen aufs Land, besucht den Gasthof und die Müllhalde, die Rothaupt ansteuern sollte. Deponieverwalter Minge verhält sich auffallend nervös …

Günter Gräwert setzt Reineckers gut durchdachte Geschichte fast makellos um, schafft es mit nur einfachen Mitteln, anhand geschickter Schnitte und Kameraeinstellungen (z.B. durch die Fenster des Deponiehäuschens) die unheimliche Spannung und die menschliche Tragödie des Drehbuchs adäquat umzusetzen, charakterisiert in kleinen Szenen und fast unauffälligen Abläufen die handelnden Akteure, ihre Sehnsüchte, Ängste und Beweggründe. Die spätwinterlichen, meist ländlichen Schauplätze verströmen bei Tag und Nacht eine latent bedrohliche, unruhige Stimmung – vom Waldgebiet und der Landstraße, wo die Geschichte ihren Anfang nimmt über den Dorfgasthof bis hin zur weitläufigen Mülldeponie und dem dazugehörigen Häuschen, in dem der Deponieverwalter und seine Frau leben. Gräwert gelingt es auch auf sehr drastische Weise zu zeigen, was Mord doch für ein hässliches und gemeines Verbrechen ist.

Horst Tappert überzeugt einmal mehr als freundlicher, verständnisvoller Ermittler, der Sonntagsruhe und Feierabend opfert, um auf Spurensuche zu gehen, wir erhalten außerdem die seltene Gelegenheit, Harrys Wohnzimmer zu begutachten, in Gastrollen Beatrice Richter als hartnäckige, leicht geschwätzige junge Frau, der das Schicksal des freundlichen Studenten keine Ruhe lässt – man erfährt wenig über sie, nicht mal, woher sie in jener verhängnisvollen Nacht kam; Hans Häckermann wachsen seine kriminellen Machenschaften über den Kopf, bis er am Ende nur noch ein Häufchen Elend ist (bezeichnend und intensiv die Szene, wie er schwitzend ein Stück Brot zerkrümelt); Diana Körner versteht es, ihre weiblichen Vorzüge gewinnbringend einzusetzen; Charles Brauer bleibt als ihr Komplize etwas blass; Uwe Dallmeier setzt als menschenfreundlicher, einfacher Wirt einen angenehmen positiven Akzent; Renate Grossers Auflehnung gegen das trostlose Leben an der Müllkippe wird ihr Verhängnis.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

11.04.2011 11:37
#92 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 3 (Folgen 31-45)

Folge 37 - Via Bangkok (Deutschland 1977)

Jakob Renz (Thomas Holtzmann) verdient seine Brötchen als Orchestermusiker, er kehrt nach rund zwei Monaten von einer Tournee durch Asien zurück. Nach einem rätselhaften Telefonanruf verlässt der Cellist am Abend die Wohnung, fährt mit dem von seiner Tochter Helga (Cornelia Froboess) ausgeliehenen Auto davon. Der kleine Ausflug nimmt kein gutes Ende, Jakob Renz wird von zwei Männern brutal zusammengeschlagen, wenig später verstirbt er im Krankenhaus. Derrick wird schnell klar, dass Helga Renz die Ermittler nicht mit ihrem gesamten Wissen über den Vorfall versorgt, stets wird die kranke und ans Bett gefesselte Mutter (Gustl Halenke) als Ausrede vorgeschoben. Immerhin ergibt sich eine erste Spur, als Franz Rosska (Christian Wolff) Kontakt zu Helga aufnimmt. Rosska war ein Kollege des Verstorbenen, sein Verhalten erscheint zunehmend verdächtiger...

Cornelia Froboess steht im Mittelpunkt dieser Folge. Ihre Darbietung passt sehr gut zu der tristen Stimmung, die sich durch die gesamte Spieldauer von "Via Bangkok" zieht. Christian Wolff überzeugt als gestresster Bursche, der dem Ermittlungsdruck nicht viel entgegenzusetzen vermag. Derrick und Klein kommen sehr sachlich daher, was ebenso wie das Spiel von Conny Froboess perfekt mit der Ausrichtung dieser Episode harmoniert. Über die restliche Besetzung lässt sich nicht viel schreiben, die Nebenrollen sind unscheinbar angelegt.

Theodor Grädler inzenierte diese Folge (nahezu) ohne Effekthascherei und Schnickschnack. Für meinen Geschmack eine Spur zu sachlich, denn der Plot ist leicht durchschaubar, hätte von einer flotteren Inszenierung deutlich profitieren können. Das Finale bietet zwar keine überraschende Auflösung an, poltert aber mit einer recht wüsten Schiesserei über den Bildschirm. Mich stört es keineswegs, wenn Derrick ab und an zur Waffe greift, doch in diesem Fall hätte man die ruhig-triste Stimmung besser konsequent durchhalten sollten. So muten die letzten Minuten fast ein wenig befremdlich an, auch wenn der Score schon zuvor kurzzeitig aufhorchen lässt. Insgesamt eine nicht ganz stimmige Folge, die Fans aber trotzdem zu unterhalten versteht.

6/10 (obere Mittelklasse)

***

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Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.455

17.04.2011 20:21
#93 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Zitat von Blap im Beitrag #67
Folge 21 - Kalkutta (Deutschland 1976)

Günther Stoll ist wieder als Helferlein am Start.

Sehr gerne lese ich Deine Derrick-Rezensionen, Blap! Aber hier ist Dir ein kleiner Fehler unterlaufen - Stoll spielt in "Kalkutta" überhaupt nicht mit. Nur der Richtigkeit halber ...

Grüße, Marmstorfer

Blap Offline




Beiträge: 1.128

19.04.2011 19:59
#94 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Moin Marmstorfer,

in der Tat, der gute Günther ist in dieser Folge wirklich nicht dabei. Warum ich "ihn in diese Episode gelogen habe"? Da hat mir meine Erinnerung wohl einen kleinen Streich gespielt, und / oder der Wunsch war Vater des Gedanken.

Danke für den Hinweis.

Gruß
Das Blap™

***

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Blap Offline




Beiträge: 1.128

20.04.2011 15:44
#95 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 3 (Folgen 31-45)

Folge 38 - Inkasso (Deutschland 1977)

Achim Breiteck (Wolfgang Müller) möchte seine Arbeitslosenunterstützung aufbessern, in einer guten Wohngegend bietet er seine Dienste als Autowäscher an. Als ihn eine Frau per Gegensprechanlage in das Haus von Herrn Rombach bittet, findet der entsetzte Wagenwäscher die Leiche des Hausherrn in der Garage vor. Für Derrick ist schnell klar, dass Achim Breiteck nichts mit dem Mord zu tun hat, die Ermittlungen führen umgehend in eine andere Richtung. Irene Rombach (Monika Gabriel) hat für ihren ehemaligen Gatten nur noch Verachtung übrig, das Paar trennte sich vor einiger Zeit, Irene nahm ihre Karriere als Fotomodell wieder auf. Allerdings steht Frau Rombach ganz offen zu ihrer Abneigung, macht keinen Hehl aus ihrer nicht vorhandenen Trauer über den gewaltsamen Tod ihres geschiedenen Mannes. Der Fall zieht Kreise, denn die zur Tat verwendete Schusswaffe, kam auch in einem anderen Mordfall zum Einsatz, der bisher ebenfalls nicht aufgeklärt werden konnte. Obschon nicht auf den ersten Blick erkennbar, besteht offenbar eine Verbindung zwischen den Todesfällen. Sollte Derrick mit seinen Vermutungen auf der richtigen Fährte sein, ist das Leben eines weiteren Mannes in grosser Gefahr...

Erneut kann man auf ein starkes Ensemble bauen. Niemand spielt sich in den Vordergrund, doch jeder Mitwirkende versteht es zu überzeugen. Karl Walter Diess sehen wird als Apotheker unter Druck, Monika Gabriel als vermeintlich kaltherziges Model. Joachim Wichmann kämpft mit einem schweren Verlust, Lisa Kreuzer agiert mit kalter und fanatischer Präsizion. Dirk Galuba muss erstaunlicherweise nicht als Bösewicht herhalten, "Sachsenklinik Oberschwester" Jutta Kammann ist auch mal wieder mit von der Partie. Tappert und Wepper nehmen sich ein wenig zurück, ernsthafte Ermittlungsarbeit statt flotter Sprüche.

Trotz des Blicks in die Welt der Models, darf man in hier keine frivolen Ausschweifungen erwarten, zumal der Bereich nur am Rande gestreift wird. Diese von Helmut Ashley inszenierte Folge, darf man getrost zu den "seriösen" Episoden der frühen Derrick-Phase zählen. Damit geht (leider) auch der Verzicht auf freche Dialoge und sonstigen Popanz einher. Immerhin bringt der gewählte Titel "Inkasso" einen Hauch von Zynismus ins Spiel. Der Score von Frank Duval ist ohne Zweifel (überwiegend) recht kitschig, tönt aber trotzdem (oder gerade deswegen) sehr angenehm aus den Lautsprechern. Mir fehlt ein wenig der "Drive", doch insgesamt bin ich zufrieden mit "Inkasso". Vermutlich hat die Folge noch mehr Potential, welches sich erst nach einer erneuten Sichtung erschliesst.

6,5/10

***

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Blap Offline




Beiträge: 1.128

22.04.2011 23:21
#96 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 3 (Folgen 31-45)

Folge 39 - Tote im Wald (Deutschland 1977)

Hans Beck (Martin Lüttge) schiebt sein mit einer Blumenkiste bepacktes Fahrrad über den Waldweg, als er auf den aufgeregten Forstarbeiter Lohmann (Max Griesser) trifft. Hektisch berichtet Lohmann von einem Leichenfund in der Nähe, er leiht sich Becks Drahtesel aus, um schnellstmöglich vom nächsten Telefon aus die Polizei zu verständigen. Die Identität der jungen Frau ist schnell ermittelt, es handelt sich um eine Austauschschülerin aus England. Derweil wird Hans Beck von einem unguten Gefühl ergriffen. Vor einigen Jahren sass er eine Haftstrafe in Nürnberg ab, da er damals eine junge Frau angefallen haben soll. Seine Ehefrau Lore (Gaby Dohm) ahnt nichts von dem dunklen Fleck in der Vergangenheit ihres Mannes. Beck schickt seinen guten Freund Manfred Donk (Günther Neutze) ins Rennen, da er sich vor dem Zusammentreffen mit den Ermittlern fürchtet. Freilich wirft Becks Vorgeschichte kein gutes Licht auf ihn. Tatsächlich nimmt Derrick den Vorbestraften genau unter die Lupe, doch der erfahrene Kriminalist konzentriert sich nicht ausschliesslich auf Beck...

Diese Folge führt uns raus aufs Land, mitten im Sommer in den schönen Wald vor den Toren Münchens. Leider ist der Plot zu rasch durchschaubar. Scheint bei manchen Derrick-Folgen die knappe Stunde Spielzeit zu kurz bemessen, hat man hier Mühe die letzten Minuten überhaupt noch sinnvoll zu füllen. Die per Rückblick recht detailliert geschilderte Tat, wirkt fast ein wenig "unrund rangeklatscht". Glücklicherweise ist auf die Schauspieler einmal mehr Verlass, auf diese Weise wird manche Scharte ausgewetzt. Martin Lüttge gelingt eine überzeugende Darbietung, gleiches gilt für seine Filmgattin Gaby Dohm. Die beste Leistung zeigt Günther Neutze, der als widerlicher Schleimbeutel durch das Szenario glibbert. Herrlich auch die kleinere Rolle von Udo Thomer, der einen recht simpel gestrickten Fahrer spielt.

Erneut entstand unter der Regie von Helmuth Ashley eine bodenständige und seriöse Folge. Wenn man Derrick schon "popanztechnisch" völlig ausbremst, dann sollte man bitte zumindest ein cleveres Drehbuch in der Hinterhand haben, was in diesem Fall nicht der Fall ist (Welch umwerfender Wortwitz, Herr Blap. Setzen!). Da das Ensemble stark agiert -man kann es nicht oft genug betonen- und Horst Tappert stets seine "grandiose Grundpräsenz" in die Waagschale wirft, wird der Serienverehrer letztlich durchaus zufriedengestellt. Trotzdem bleibt ein unbestimmtes Gefühl zurück, dass bei dieser Folge einiges an Potential verschenkt wurde.

6/10 (obere Mittelklasse)



Folge 40 - Der Fotograf (Deutschland 1978)

Alwin Merz (Bruno Dietrich) rennt panisch durch das nächtliche München, drei wenig freundliche Gestalten sind ihm hart auf den Fersen. Auf dem Bahnsteig der U-Bahn endet die Jagd, die Häscher schlagen ihre Beute brutal zusammen, werfen den wehrlosen Mann anschliessend vor die einfahrende Strassenbahn. Das Mordopfer war als Fotograf tätig, als Derrick und Klein seine Geschäfträume aufsuchen, werden sie unvermittelt in eine heftige Schiesserei verwickelt. Das Atelier wurde von den schiesswütigen Burschen durchwühlt, Derrick fällt pornographisches Bildmaterial ins Auge. Auf den Bildern ist auch Inge Merz zu sehen, die Ehefrau von Andreas (Herbert Mensching), dem Bruder des Ermordeten. Offenbar wusste Andreas Merz nichts von den pikanten Umtrieben seiner nahen Verwandtschaft, zu allem Überfluß werden die Eheleute von einem unbekannten Anrufer bedroht. Die Ermittlungen führen Derrick zu einem Geschäftsmann namens Blodin (Jürgen Goslar), der seinen Zaster mit fragwürdigen Club verdient. Freimütig bekennt er sich zu seinen Kontakten mit dem Toten, ein klares Motiv ist jedoch nicht erkennbar...

Und gleich die nächste von Helmuth Ashley inszenierte Folge. Nun hat man schmackhafte Zutaten in einer passenden Rezeptur vereint, der Auftakt tritt sogar ordentlich aufs Gaspedal. Ein ruppiger Mord, gefolgt von einer wüsten Ballerei, Harry verabschiedet ins Krankenhaus, eine Kugel trifft seinen Arm. So fällt in dieser Folge die Rolle von Willy Schäfer etwas grösser als üblich aus, er vertritt gewissermaßen Fritz Wepper als zweiten Mann. Leider war der von mir sehr geschätzte Günther Stoll schon damals nicht mehr dabei, er verstarb bereits im Januar 1977, ergo müssen wir uns mit Schäfer begnügen. Angenehmerweise kommt Derrick wieder ein wenig bissiger rüber, als in der vorherigen von Ashley gedrehten Folge. Es gibt also (noch) mehr als die "grandiose Tappert-Grundpräsenz" zu bestaunen.

Während bei Folge 39 die Schauspieler den ein wenig schwachbrüstigen Plot tragen mussten, begegnen sich in dieser Episode alle Komponenten auf Augenhöhe. Daher erscheint mir die obige Bemerkung von der "passenden Rezeptur" zutreffend. Hervorheben möchte ich Jürgen Goslar als schmierigen Kriminellen, sowie Herbert Mensching als überforderten Ehemann und Bruder. Auf wenige weitere Mitwirkende gehe ich nicht ein, die Spoilergefahr erscheint mir zu gross. Der Score von Frank Duval tönt angenehm, manchmal vielleicht eine Spur zu unscheinbar, wird er nicht immer punktgenau zum Einsatz gebracht. Helmuth Ashley ist mit "Der Fotograf" eine gute Folge gelungen, zur Spitzengruppe kann dieser Beitrag allerdings nicht aufschliessen.

7/10 (gut)

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Blap Offline




Beiträge: 1.128

23.04.2011 23:07
#97 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 3 (Folgen 31-45)

Folge 41 - Tod eines Fans (Deutschland 1978)

Die Karriere des Popstars Harry Dugan (Tommi Piper) läuft gut. Nach einem ausverkauften Konzert vor begeisterten Fans, will er sich Harry in seinem Hotelzimmer ein wenig frisch machen. Als er in seinem Bett die Leiche einer jungen Frau findet, kann der Sänger seinen Manager nicht erreichen und gerät in Panik. Beim Versuch die Tote aus dem Zimmer zu entfernen, wird Harry ausgerechnet von einem Reporter erwischt. Wegen der recht klaren Lage des Falls, wird Harry Dugan zunächst in Untersuchungshaft genommen, er beteuert jedoch vehement und nahezu verzweifelt seine Unschuld. Derrick befragt die engsten Vertrauten des Verdächtigen, den umtriebigen Manager Oskar Heckel (Wolfgang Wahl), den Garderobier Günther Orkel (Werner Schulenberg), sowie den Fahrer Ingo Grasser (Stefan Behrens). Besonders Grasser scheint nicht so ganz mit seinem Wissen rausrücken zu wollen, doch die Ermittlungen laufen nach kurzer Zeit in eine weitere Richtung. Das Mordopfer war eine glühende Verehrerin des Stars, was ihren Freund Konrad Peiss (Christian Kohlund) suspekt erscheinen lässt. Peiss scheint allerdings nicht als Tatverdächtiger zu taugen, steckt womöglich doch eine Person aus Dugans direkten Umfeld hinter der Tat...???

Alfred Vohrer führte bei dieser Folge Regie, die mit einem starken Drehbuch und einer tollen Besetzung punkten kann. Schon der Auftakt sorgt für gute Laune, Tommi Piper trägt mit kerniger Stimme "Born to be wild" vor. Obschon der Klassiker von Steppenwolf seltsam "schnulzig-verwurstet" aus den Boxen rumpelt, macht diese Fassung wirklich Spass. Überhaupt spielt Tommi Piper sehr gut auf, da er neben der Schauspielerei auch musikalisch aktiv war, ist ihm die Rolle gewissermaßen auf den Leib geschneidert. Kaum weniger interessant sind die "Zuarbeiter" Pipers ausgeführt, Wolfgang Wahl macht als Manager ordentlich Druck, Werner Schulenberg kommt leicht tuntig daher, Stefan Behrens wirkt wenig vertrauenerweckend. Christian Kohlund sehen wir als Sunnyboy mit Rotzbremse, Hannes Messemer als erfolgreichen Unternehmer und knarzigen Vater Kohlunds. Sämtliche Nebenrollen fügen sich gut in das stimmige Gesamtbild ein.

Dank der gut erdachten Geschichte, kann Alfred Vohrer den Popanz im Keller versauern lassen. Aber Vohrer wäre nicht Vohrer, wenn er nicht wenigstens ein paar typische Duftmarken setzen würde, dafür liebe ich diesen (oft sträflich unterschätzten) Regisseur! So wirkt die Inszenierung des "Popstars" durchweg glaubwürdig, der Auftritt ist toll gefilmt, die hysterischen Fans sorgen für Schmunzler. Werner Schulenberg fügt die homoerotischen Zwischentöne ein, die man von Vohrer kennt und erwartet, die stets zusätzliche Würze in die Arbeiten des Filmemachers bringen. Das Drehbuch streut geschickt diverse Verdachtsmomente, die Auflösung ist schlüssig aber nicht unbedingt besonders kreativ erdacht. Was solls, klassische Motive passen letztlich immer. Eine starke Folge, danke Alfred!

7,5/10 (gut bis sehr gut)



Folge 42 - Abendfrieden (Deutschland 1978)

Jakob Stanz (Vitus Zeplichal) will seiner Großtante eine erfreuliche Nachricht überbringen, die alte Dame soll in der Seniorenresidenz Abendfrieden wohnen. Das Haus wird von dem Schwesternpaar Helene (Inge Birkmann) und Margarete Schübel (Alice Treff) geleitet, die wenig erfeut über den unerwarteten Besucher sind. Stanz bekommt seine Verwandte nicht zu Gesicht, angeblich sei sie in einem anderen Haus untergebracht. Zu seiner Verärgerung ist dieses Anwesen nicht auffindbar, selbst der örtlichen Polizei ist das Haus kein Begriff. Wenig später wird Jakob Stanz vor einer Gastwirtschaft überfahren und verstirbt, der Fahrer des Wagens flüchtet unerkannt. Derrick trifft im Haus Abendfrieden auf schrullige aber freundliche Senioren, die man sich kaum als Täter vorstellen mag. Hingegen erregt Alfons Ullmann (Thomas Fritsch) die Aufmerksamkeit des Ermittlers, hatte der junge Mann eine Verabredung mit Jakob Stanz, die in der beim Tatort gelegenen Kneipe stattfinden sollte...???

Nach dem herrlich erfrischenden Vohrer-Einschub, bekommen wir es nun wieder mit einer von Helmuth Ashley inszenierten Episode zu tun. Die Stars dieser Folge sind ohne Zweifel die Betreiber und Bewohner der namensgebenden Seniorenresidenz, die zwischen liebenswert-schrullig, nervös-ängstlich und abwartend-berechnend pendeln. Inge Birkmann stellt den abgeklärten Teil des Geschwisterpaares dar, Alice Treff gibt sich unsicher bis dezent panisch. Rudolf Schündler und Harry Hardt sehen wir als knuffige Kauze, es wäre müßig an dieser Stelle alle Vertreter der älteren Generation aufzuzählen. Thomas Fritsch gibt den arroganten Jungspund, Dietlinde Turban die hoffnungsvolle Nachwuchsmusikerin.

Freilich ist die Triebfeder der alten Herrschaften offensichtlich, lässt sich ihr Katz- und Mausspiel leicht durchschauen. Trotzdem bietet die Auflösung eine kleine Überraschung, die ich als durchaus gelungen bezeichnen möchte. Auch diesmal ist Helmuth Ashley kein Höhepunkt der Reihe gelungen, aber als unterhaltsame und sympathische Folge geht "Abendfrieden" ohne Zweifel durch.

6,5/10 (oberste Mittelklasse)

***

Vom Ursprung her verdorben

Blap Offline




Beiträge: 1.128

24.04.2011 23:02
#98 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 3 (Folgen 31-45)

Folge 43 - Ein Hinterhalt (Deutschland 1978)

Auf einer Landstrasse ereignet sich ein grauenvoller Unfall, hinter dem Steuer des Autos verbrennt ein Mensch. Der Wagen gehört de ansässigen Ärztin Dr. Marta Schwenn (Ruth Leuwerik), doch ein von ihr beauftragter Fahrer lenkte den Wagen. Alles deutet auf einen minutiös geplanten Anschlag hin, bei dem die falsche Person zu Tode kam. Dr. Schwenn tritt per Telefon mit ihrem Bruder Albert Kolpe (Traugott Buhre) in Kontakt, den sie seit Jahren nicht mehr gesprochen hat. Albert will seiner Schwester nicht zur Seite stehen, doch sein Sohn Bruno (Hans-Georg Panczak) macht sich umgehend auf den Weg zu seiner Tante. Brunos Motive sind nicht ehrenhaft. Vielmehr nutzt der junge Mann die unerwartete Gelegenheit, um seine Tante mit Ablehnung und Verachtung zu überschütten. Derweil stellen Derrick und Klein fest, dass die Ärztin im Umland nicht bei allen Patienten und Einwohnern beliebt ist. Besonders die Famlie Borsch ist nicht gut auf Dr. Schwenn zu sprechen. Der Unfall wurde mit einem gefällten Baum aus dem Wald des Landwirts herbeigeführt, den Unbekannte gezielt auf der Strasse platzierten. Ferner war Bauer Borsch (Toni Berger) der erste Zeuge am Ort des Unfalls, und sein Zorn auf Dr. Schwenn ist kein Geheimnis...

Schon Folge 41 (Tod eines Fans) inszenierte Alfred Vohrer überraschend seriös. In dieser Hinsicht geht Episode 42 sogar noch einen Schritt weiter, Vohrer verzichtet völlig auf Schlüpfrigkeiten oder sonstigen Popanz. "Ein Hinterhalt" ist der eindrucksvolle Beleg dafür, dass Alfred Vohrer auch als bodenständiger Regisseur rundum zu überzeugen vermag. Die zentralen Charaktere werden von Ruth Leuwerik, Traugott Buhre und Hans-Georg Panczak großartig gespielt. Ein Familiendrama mit genug Substanz für einen abendfüllen Spielfilm. Aufgrund der massiven Präsenz des "tragischen Trios", bleibt den übrigen Mitwirkenden nur der Part des schmückenden Beiwerks, abgesehen vom wie immer erstklassigen Horst Tappert. Nora Minor soll nicht unerwähnt bleiben, und auch Toni Berger liefert als aufbrausendes Landei eine gute Vorstellung ab. Lediglich die Darbietung von Antischauspieler Hans(i) Kraus spottet jeder Beschreibung, geht als klare Fehlbesetzung durch. Heiner Lauterbach ist in einer kleinen Rolle zu sehen.

Dank der punktgenauen Arbeit von Alfred Vohrer und des guten Drehbuchs, wird die Geschichte trotz der überschaubaren Spielzeit nicht oberflächlich erzählt. Die Auflösung ist bitter und traurig, kommt aber teilweise als kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont daher. Alfred Vohrer kann auch ernsthaft, selbst ewige Skeptiker sollten bei dieser Folge keinen Grund zur Kritik finden. Bekanntlich schätze ich den "wüsten Vohrer" sehr, doch mir gefällt auch diese Seite des Regissseurs.

7,5/10 (gut bis sehr gut)



Folge 44 - Stein's Tochter (Deutschland 1978)

Die neunzehnjährige Schülerin Cosima Stein (Katerina Jacob) ist mit dem deutlich älteren Alexander Bork (Hartmut Becker) verlobt, der zusammen mit einem Typen namens Pohlmann (Hans Zander) eine angesagte Discothek betreibt. Nach einem fröhlichen Abend bringt Bork seine Verlobte nach Hause. Cosima lebt noch bei ihrem Vater, dem Lehrer Oswald Stein (Thomas Holtzmann), der gleichzeitig auch ihr Klassenlehrer ist. Plötzlich fallen zwei Schüsse, Alexander bricht tödlich getroffen zusammen. Derrick und Klein finden Cosima völlig aufgelöst vor, auch ihr Vater ringt mühsam um Fassung. Bei den Ermittlungen ergeben sich zahlreiche Verdachtsmomente. Oswald Stein hatte keine hohe Meinung von seinem Schwiegersohn in spe, lässt aber auch kein gutes Haar an seinen Schülern, die laut seiner Meinung einen schlechten Einfluss auf seine Tochter ausüben. Heinz Betzky (Markus Boysen), ein Klassenkamerad Cosimas, rückt in den Mittelpunkt der Nachforschungen, denn der Ermordete spannte ihm Cosima vor einem halben Jahr aus. Finanziell profitiert Pohlmann vom Ableben seines Teilhabers, die ertragreiche Discothek fällt nun vollständig in seinen Besitz.

"Stein's Tochter" beginnt frisch und fröhlich. Die damals sehr hübsche Katerina Jacob, tanzt verliebt und ausgelassen zu den Klängen von "Don't let me be misunderstood". Der Song zieht sich wie ein roter Faden durch die Folge, passt trotz teils offenkundig gegensätzlicher Stimmung immer "irgendwie" in das Geschehen. Die Stars dieser Episode sind Katerina Jacob, Thomas Holtzmann und Markus Boysen. Jacob stürzt von ihrer Wolke hinuter, wird brutal in einen Höllenschlund gerissen. Ihre Darbietung ist kraftvoll und packend. Markus Boysen gibt den vordergründig obercoolen Jungspund, hinter dessen glatter Fassade sich echte Gefühle verstecken. Den Vogel schiesst jedoch Thomas Holtzmann ab, der sich locker den Preis für den "schrecklichsten Lehrkörper des Landes" verdient. Als Oswald Stein dämonisiert er seine Schüler regelrecht, hält sie für verantwortungslose, haltlose und ruchlose Ungeheuer.

Wolfgang Becker konnte bei dieser Folge auf ein solides Drehbuch zurückgreifen, lediglich die Auflösung ist (für meinen Geschmack) eine Spur zu geradlinig. Der ewig währende Konflikt der Generationen wird interessant beleuchtet, die Einblicke sind teils befremdlich, nahezu erschreckend. Von wem der wahre Schrecken ausgeht? Findet es bitte selbst heraus! Eine starke Folge, die Lust auf mehr, mehr, meeehr macht...!

7/10 (gut)

***

Vom Ursprung her verdorben

Blap Offline




Beiträge: 1.128

25.04.2011 23:30
#99 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 3 (Folgen 31-45)

Folge 45 - Klavierkonzert (Deutschland 1978)

Die Ehe von Robert (Peter Fricke) und Luisa van Doom (Maria Schell) ist von Hass und tiefer Verachtung füreinander geprägt. Eines Abends wird Frau Kling (Ursula Ludwig), die Haushälterin der van Dooms, durch ein geschlossenes Fenster im Haus der zerstrittenen Eheleute erschossen. Sofort verdächtigt Luisa van Doom ihren Gatten, doch der bekannte Pianist gab zur Tatzeit ein Konzert. Tatsächlich spricht einiges gegen Robert, der einst als junger Mann von seiner wohlhabenden Frau gefördert wurde. Seine Gattin behaart auf ihrem Verdacht, gegenüber Derrick und Klein spricht sie von einem Auftragsmord, bei dem das falsche Ziel zu Tode kam. Robert hat seit einiger Zeit ein Verhältnis mit der hübschen Isabella (Iris Berben), doch Luisa stimmte einer Scheidung nicht zu, ein starkes Motiv. Welche Rolle spielt Van Dooms Manager Ostrow (Eric Pohlmann), der nicht mit seinem Wissen rausrücken mag...???

"Klavierkonzert" wirft ein beeindruckendes Staraufgebot in die Waagschale. Peter Fricke überzeugt als zerknirschter Musiker, der den immer stärkeren Druck kaum noch ertragen kann. Maria Schell gelingt eine konsequent unsympathische Darstellung, die souverän zwischen Kälte, Hass und hysterischen Ausbrüchen pendelt. Eric Pohlmann passt vortrefflich in die Rolle des zielstrebigen Managers (damals noch als "Agent" bezeichnet). Der junge Sky du Mont wirkt reichlich klapprig, ihm fehlt es noch ein wenig an Profil, obschon seine Leistung ansprechend geraten ist. Iris Berben hat eine etwas undankbare Rolle erwischt, mehr als die oberflächlich anmutende Geliebte wird ihr nicht abverlangt. Jutta Speidel sorgt für ein wenig Wärme, gibt allerdings auch Rätsel auf, wirkt zunehmend berechnend. Übrigens gefällt mir Jutta Speidel in dieser Derrick-Folge sehr gut, nie war sie hübscher, sie stellt sogar Iris Berben locker in den Schatten.

Helmuth Ashley liefert einen gut gelungenen Beitrag ab, der mit tollen Schauspielern und einer soliden Story ausgestattet ist. Die Auflösung mag nicht unbedingt die ganz grosse Überraschung sein. Doch zuvor werden geschickt diverse Verdachtsmomente gestreut, die den möglichen Täterkreis nicht auf lediglich ein, zwei Personen reduzieren.

7/10 (gut)

Die dritte Derrick-Box sorgte für durchweg gute bis sehr gute Unterhaltung, der übliche Standard wurde (fast) nie verfehlt, letztlich hatte jede Folge ihre Reize. Meine Lieblinge aus diesem Set:

• Folge 33 - Offene Rechnung (Alfred Vohrer)
• Folge 34 - Tod des Wucherers (Zbynek Brynych)
• Folge 41 - Tod eines Fans (Alfred Vohrer)
• Folge 43 - Ein Hinterhalt (Alfred Vohrer)



... und weil es so schön ist, geht es sofort mit der vierten Box weiter:


Derrick - Collector's Box 4 (Folgen 46-60)

Folge 46 - Kaffee mit Beate (Deutschland 1978)

Beate Schill (Helga Anders) und ihre Freundin Helga (Johanna Elbauer) warten aufgeregt auf ihren Vorsprechtermin, die jungen Schauspielerinnen hoffen auf ein Engagement beim Theater. Weil Helga besonders nervös ist, gibt Beate ihr eine mit Alkohol gefüllte Praline. Auf dem Weg zur Bühne bricht Helga zusammen, wenig später verstirbt sie im Krankenhaus. Beate ist ausser sich, niemals würde sie ihrer Freundin nach dem Leben trachten. Die Laboruntersuchung bestätigt derweil den grausigen Verdacht, die Pralinen waren tatsächlich vergiftet. Die gefüllten Süssigkeiten lagen am Morgen in Beates Zimmer, sie weiss nicht wer der "edle" Spender ist. Offenbar galt der Mordanschlag nicht Helga, doch wer ist daran interessiert Beate zu töten? Derrick hat eine zündende Idee. Die junge Frau lebt in einem Zimmer in einer grossen Wohnung, gewissermaßen in einer "ganz besonderen" Wohngemeinschaft. Glücklichweise ist momentan ein Zimmer frei, Harry "darf" sich als verdeckter Ermittler verdingen, nur Beate wird über seine wahre Identität informiert. Die Vermieterin Frau Pacha (Agnes Fink) mutet ein wenig seltsam an, berichtet aber freimütig darüber, dass alle Bewohner ganz besonders in die liebenswerte Beate vernarrt seien...

Hui, diese Folge brennt ein regelrechtes Feuerwerk ab, die Charaktere sind herrlich überzeichnet, teils geradezu grotesk. Helga Anders sehen wir als vermeintlich naives Mädchen, welches sich mehr und mehr als die personifizierte Verführung entpuppt. Zumindest übt sie auf ihre Mitbewohner massive Anziehungskraft aus, selbst Harry kann sich nur schwer den Reizen der jungen Schönheit entziehen. Agnes Fink spielt als neugierige Vermietin toll auf, Tilly Lauenstein übertrumpft sie in der Disziplin Schrulligkeit sogar noch. Klaus Herm sehen wir als Herrn Pacha, den unscheinbaren Bruder von Agnes Fink. Peter Pasetti wird von Tilly Lauenstein umgarnt, die er barsch abbügelt, während er sich gleichzeitig nach Beate verzehrt. Christian Quadflieg sieht als junger Bursche den neuen Mitbewohner als gefährlichen Konkurrenten. Horst Tappert hat in "Kaffee mit Beate" wenig zu tun, während dieser Folge darf Fritz Wepper den grössten Teil der Arbeit erledigen.

Unglaubliche Dinge spielen sich hinter der gutbürgerlichen Fassade ab. Ein Wohngemeinschaft die äussert bizarr anmutet, man lausche den herrlichen Dialogen, sehe sich die befremdlichen Fratzen an. Wenn man einem Derrick-Regisseur eine besonders skurrile Folge zutraut, dann ist es sicher Alfred Vohrer. Doch mit dem üblichen (von mir geliebten) "Vohrer-Popanz" hat "Kaffee mit Beate" gar nicht so viel zu tun, von wenigen erotischen Momenten abgesehen. Wenn man sich auf dieses ungewöhnliche Treiben einlassen kann, sind etliche Schenkelklopfer garantiert! Bei genauem Hinsehen wird die Tragik der einzelnen Figuren sichtbar, die in Verbindung mit den sehr skurrilen Auswüchsen, zu einem reizvollen und auf eigenwillige Art faszinierenden Erlebnis wird. Gern hätte man diesen Beitrag in Spielfilmlänge ausführen dürfen! Als Kriminalfall macht der Stoff nicht viel her, dazu ist die Auflösung zu vorhersebar. Die Stärken dieser Geschichte sind die schrillen Charaktere, die unter der hochklassigen Regie von Alfred Vohrer erblühen!

Als übliche Folge bewertet: 7/10 (gut). Als bizarrer Ausflug bewertet: Unfassbar und grandios!

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Vom Ursprung her verdorben

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

26.04.2011 17:33
#100 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

EIN KOFFER AUS SALZBURG

Eine abwechslungsreiche und mit hohem Tempo erzählte Geschichte um die Jagd nach einem brutalen Mörder und seine Hintermänner, in Alfred Weidenmanns erfahrenen und sicheren Regie bestens aufgehoben. Er treibt das Geschehen fast atemlos voran, vom Mord an einer Frau des Reinigungspersonals auf dem nächtlichen Münchner Hauptbahnhof und die Verfolgung des Täters im Bahnhofsgelände und in den umliegenden Kneipen, Hinterhöfen und Hausfluren über Observierungen im frühlingshaften München bis hin nach Salzburg und wieder zurück. In all dem Wirbel und der aufgeladenen Atmosphäre gelingt es Weidenmann aber immer, auch leise Momente einzufügen, die dadurch noch intensiver nachwirken. Die Szenerie wirkt durchwegs authentisch und von einer lebendigen, phantasievollen Kamera eingefangen.

Nicht nur das Geschehen ist abwechslungsreich und lässt einen kaum Atem holen, verblüffend auch das fast unüberschaubare Darstellerensemble dieser Folge, die fast verschwenderisch gut und auch in kleinsten Rollen prominent besetzt ist. Erfreulich und erschreckend zugleich das Wiedersehen mit Max Eckard als Ehemann der Toten, der merklich gealtert und ungesund aussieht, in seiner Darstellung aber immer wieder alte Klasse aufblitzen lässt. Er sorgt – z.T. im Zusammenspiel mit Liane Hielscher – für einige berührende Augenblicke. Jacques Breuer zeigt glaubhaft Verwirrung und Unverständnis über die Tatsache, dass Derrick den Mörder seiner Mutter – der eiskalte und skrupellose Ralf Schermuly - vorläufig auf freiem Fuß lässt. Traugott Buhre und Friedrich Joloff werden als kriminelle Drahtzieher leider unter ihrem Wert verkauft. Auf Seiten des Gesetzes neben dem lakonischen Günther Stoll u.a. Konrad Georg, Rainer Basedow und Hans Jürgen Diedrich, witzig, jedoch nicht ganz logisch der Auftritt von Kurt Jaggberg, der in seiner „Tatort“-Rolle als Wiener Bezirksinspektor Wirz plötzlich in Salzburg ermittelt. In kleineren Rollen u.a Thomas Braut, Wolfried Lier, Andrea L’Arronge, Herbert Tiede und Rosl Mayr als resolute Wirtin.

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01.05.2011 12:29
#101 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 4 (Folgen 46-60)

Folge 47 - Solo für Margarete (Deutschland 1978)

Finstere Gestalten laden neben einer Strasse die brisante Ladung ihres Fahrzeugs ab. Als sie sich mit ihrem PKW entfernen wollen, verlieren sie beim Anblick eines Polizeiwagens die Nerven. Trotz einer wüsten Verfolgungsjagd können die Verdächtigen entkommen. Wenig später scheint die Ursache für die Flucht geklärt zu sein, man findet am Ausgangspunkt der Hatz die Leiche einer jungen Frau. Zunächst ist die Identität der Toten nicht feststellbar, doch nach einem Zeitungsaufruf meldet sich eine ältere Dame. Margarete Wenk (Lisa Kreuzer) wohnte bei der Anruferin zur Miete. Als Derrick und Klein die Wohnung aufsuchen, müssen sie die alte Dame aus einer misslichen Lage befreien, sie wurde von maskierten Gaunern überfallen. Die Burschen durchwühlten Margaretes Zimmer, erneut entkommen die Täter unerkannt. Eine erste Spur führt die Ermittler in einen Club, in dem der Gitarrist Alexis (Horst Buchholz) mit seiner Band Abend für Abend vom Publikum gefeiert wird. Alexis gibt bei der Befragung an, dass ihm Margarete nicht bekannt sei. Als Ursula Wenk (Lisa Kreuzer) bei Derrick auftaucht ist die Überraschung gross, denn sie sieht ihrer Schwester äusserst ähnlich. Derrick erkennt sofort die unverhoffte Chance, er konfrontiert den schwer drogenabhängigen Alexis mit Ursula Wenk...

Nach den Folgen 41 (Tod eines Fans) und 45 (Klavierkonzert), steht erneut ein Musiker im Zentrum der Ermittlungen. Der Kriminalfall rückt in den Hintergrund, die Auflösung dürfte nahezu jeder Zuschauer erahnen. In erster Linie schildert "Solo für Margarete" das Drama um einem talentierten Musiker, der vom Heroin nahezu aufgefressen wird. Horst Buchholz gelingt eine überzeugende Vorstellung, obschon er nicht ganz die Qualität eines Tommi Piper erreicht, der in Folge 41 brilliant aufspielte. Lisa Kreuzer passt auf den ersten Blick nicht in die Rolle einer "Rockmusikerbraut", doch letztlich entpuppt sich ihre Besetzung als mutige Lösung abseits der gängigen Klischees. Jacques Breuer sehen wir als überforderten Bruder und Manager des Stars. Susanne Beck konnte in Folge 30 (Yellow He) einen bleibenden Eindruck hinterlassen, hier muss sie sich jedoch mit einer kleineren Nebenrolle begnügen. Diverse Fratzen runden das solide Ensemble ab, schauspielerisch gibt es kaum ernsthafte Kritikpunkte. Zwar gehe ich meist nicht auf die (immer gute) Leistung von Horst Tappert ein -weil es auf Dauer ermüdend wäre- doch an dieser Stelle ist es wieder an der Zeit für ein besonderes Lob. Wie Tappert souverän von "dezent schelmisch" zu "aufrichtig mitfühlend" oder "natürlich autoritär" umschaltet, das ist schon aller Ehren wert, großartig!

Wer auf ein schwer zu knackendes Kriminalrätsel hofft, der ist bei dieser Folge an der falschen Adresse. Mir gefällt der Drift in Richtung "Psychologisches Drama", auch die Entscheidung Lisa Kreuzer entgegen der Erwartungshaltung zu besetzten halte ich für clever. Wenig kreativ und reichlich abgeschmackt kommt jedoch der Blick auf die Rockmusiker daher, bei dem Autor Herbert Reinecker dann doch noch mit Anlauf in die Klischeefalle latscht. Der Soundtrack zu "Solo für Margarete" ist rockig und stimmungsvoll geraten, besser hätte man diese Aufgabe kaum lösen können, beide Daumen zeigen klar nach oben. Michael Braun macht seinen Job als Regisseur sehr ordentlich, die Schwachstellen im Drehbuch gehen nicht auf seine Kappe. Ich mag diese Folge, vermutlich wegen der tollen "Spät-Siebziger-Atmosphäre" & dem starken Score.

7/10 (gut). Mit ein wenig mehr Mut und Fingerspitzengefühl des Autors, hätte "Solo für Margarete" eine grandiose Spitzenfolge werden können!



Folge 48 - Lissas Vater (Deutschland 1978)

Elsa Hassler (Christine Wodetzky) wird immer wieder von ihrem geschiedenen Ehemann Ludwig Heimer (Heinz Bennent) belästigt, vom dem sie sich vor einigen Jahren wegen dessen Alkoholsucht trennte. Längst ist Elsa wieder verheiratet, auch ihre Tochter Lissa (Anne Bennent) hat den neuen Mann ihrer Mutter als Vater akzeptiert. Georg Hassler (Ulrich Haupt) ist ein wohlhabender Geschäftsmann, die Familie bewohnt ein dementsprechend großzügiges Anwesen. Eines Abends bittet Hassler seinen Mitarbeiter Schröder (Thomas Astan) zu sich nach Hause. Da Heimer erneut Drohungen ausgesprochen hat, will Hassler seine Frau und Lissa nicht alleine lassen, die anfallenden Arbeiten lassen sich mit Schröder auch in den eigenen vier Wänden erledigen. Als sich der Mitarbeiter auf den Heimweg macht fallen Schüsse, Schröder wird von drei Kugeln tödlich getroffen. Sofort fällt der Verdacht auf Ludwig Heimer, der offenbar in seinem Wahn den falschen Mann erschossen hat...

Erneut bekommen wir es mit einer Art Drama zu tun, welches den Kriminalfall ein wenig an den Rand drängt. In diesem Fall geht die Rechnug leider nicht auf, denn wenn schon der Täter ohne Schwierigkeiten für den Zuschauer erkennbar ist, sollte man zumindest wirklich interessante Charaktere am Start haben. Zwar sind die Leistungen der Schauspieler überwiegend solide, doch fehlt es an echter Tiefe und Wiedererkennungswert. Ullrich Haupt nimmt man den aalglatten Unsympathen ab, Christine Wodetzk finde ich eine Spur zu anstrengend. Heinz Bennent hat nicht die Chance seinen Part ansprechend auszugestalten, es reicht nur zum eher plump gezeichneten Hauptverdächtigen. Anne Bennent spielt ein extrem verstörtes Kind, was freilich zur Handlung passt, das Rätselraten aber sehr schnell aushebelt.

"Lissas Vater" zieht (zu) vorhersehbar seine Kreise. Da die die Folge aber auch nur eingeschränkt als fesselnde Charakterstudie funktioniert, haben wir es mit einem unterdurchschnittlichen Derrick Beitrag zu tun. Trotz einiger Kritikpunkte, gibt es genügend positive Eindrücke, die die Folge vor dem Sumpf der absoluten Mittelmäßigkeit bewahren. Sehr positiv ist mir diesmal die Musik von Frank Duval aufgefallen, die sich überwiegend abseits seiner üblichen Ergüsse bewegt. Alfred Vohrer inszenierte mit Routine, bringt trotz des schwachen Drehbuchs passable Unterhaltung auf den Bildschirm.

6/10 (obere Mittelklasse)

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Blap Offline




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02.05.2011 11:31
#102 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 4 (Folgen 46-60)

Folge 49 - Der Spitzel (Deutschland 1978)

Zivilfahnder Hossbach (Horst Sachtleben) beobachtet den einschlägig bekannten Einbrecher Georg Lukas (Götz George), der sich in den Augen des Beamten auffällig verhält. Hossbach ist sich absolut sicher, Lukas wird noch in dieser Nacht seinem illegalen Job nachgehen. Unbemerkt heftet sich der Ermittler an die Fersen des Gauners, die Verfolgung endet in der Nähe eines Ladenlokals. Tatsächlich sind drei vermummte Gestalten in das Gebäude eingedrungen, doch der Inhaber des Geschäftes hat bereits die Polizei alarmiert. Als die Täter überstürzt die Flucht ergreifen, wird Hossbach während eines Handgemenges erschossen. Das Einbruchsopfer Edmund Singer (Karl-Maria Schley) kann keine hilfreichen Angaben machen, auch die Aussage seiner Tochter Maria (Kornelia Boje) gibt nicht viel her. Der Fall scheint eine harte Nuss zu werden. Immerhin bekommt Derrick von einem Kollegen den Tipp, sich an den als Zuträger bekannten Henze (Klaus Behrendt) zu wenden. Zwar hält Derrick nicht viel von Spitzeln, doch momentan drängt sich keine andere Option auf...

Zbynek Brynych wurde mit der Inszenierung dieser Folge betraut. "Der Spitzel" bietet einen interessanten Kriminalfall, beleuchtet aber auch die Umtriebe des Kleinkriminellen Henze. Klaus Behrendt spielt als ängstlich-unterwürfiger Schleimbeutel sehr überzeugend, Götz George kommt als aalglatter Widerling ebenfalls erstklassig rüber. Stefan Behrens mutet im direkten Vergleich ein wenig unscheinbar an, seine Rolle gibt allerdings nicht viel her. Kornelia Boje liegt sich als widerborstige Tochter mit ihrem Vater in den Haaren, der von Karl-Maria Schley verkörpert wird. Ute Willing soll nicht unerwähnt bleiben, sie hat sehr starke Szenen mit Klaus Behrendt. In einer Nebenrolle sehen wir Ulli Kinalzik, der (wie so oft) einen äusserst unangenehmen Zeitgenossen darstellt.

Sicher drängt die recht ausführliche Zeichung der Figur Henze die Ermittlungen teils an den Rand, doch "Der Spitzel" verliert nie den kriminalistischen Teil der Handlung aus den
Augen. Henze will dem jungen Mädchen Inga (Ute Willing) eine Perspektive bieten, obwohl seine Möglichkeiten sehr bescheiden sind. Das aus schwierigen Familienverhältnissen stammende Kind, bringt den guten Kern des kleinen Ganoven zum Vorschein. Letztlich müssen sich alle Beteiligten der knallharten Realität stellen, das Ende hat dem zum Trotz ein wenig Hoffnung in der Hinterhand. Derricks beschliessende Worte passen perfekt zum Bild, welches der geneigte Zuschauer von ihm hat. Vielleicht hätte man die "finale Milde" einfach ersatzlos streichen sollen, aber da spricht wohl der alte Griesgram aus mir.

7/10 (gut)



Folge 50 - Die verlorenen Sekunden (Deutschland 1978)

Die Näherin Frau Leubel (Elfriede Kuzmany) wird von ihrer Chefin Cornelia Haupt (Maria Sebaldt) damit beauftragt, umgehend per Taxi ein maßgeschneidertes Kleid an eine gute Kundin namens Frau Kwien auszuliefern. Als Frau Leubel bei der Kundin klingelt, wird sie von einem unfreundlichen Mann barsch abgewiesen. Erneutes energisches Gehämmer gegen die verschlossene Tür, bringt die Frau unvermittelt in grösste Lebensgefahr, denn sie wird in die Wohnung gezogen und gewürgt. Frau Leubel überlebt ohne ernsthafte körperliche Schäden, steht aber nach dem schrecklichen Erlebnis unter Schock, kann den Täter nicht beschreiben. Damit nicht genug, denn in der Wohnung geschah tatsächlich ein Mord, Frau Kwien fiel dem Unbekannten zum Opfer. Handelt es sich um einen tragischen Raubüberfall auf die wohlhabende Dame? Oder hatte jemand Interesse daran Frau Kwien zu beseitigen? Vor kurzem wurde ihre Ehe mit Herrn Kwien (Hans Korte) geschieden, laut dessen Angaben verlief diese Trennung jedoch sachlich und friedlich...

Zu Beginn sorgte diese Folge für herzhaftes Gelächter meinerseits. Elfriede Kuzmany spielt ihre Figur schon vor dem Anschlag auf ihr Leben sehr überzogen, kam mir sofort extrem hektisch, ja regelrecht hysterisch vor. Wenn sie zunächst mit zickiger Stimme verkündet das Kleid wieder mitzunehmen, sich dann aber auf dem Absatz umdreht, um völlig durchgedreht gegen die Wohnungstür der Kundin zu hämmern... Da bleibt kein Auge trocken, ich konnte mich während der gesamten Folge nicht beruhigen. Freilich wurde die Rolle keinesfall lustig angelegt, nur hat diese Darbietung bei mir sämtliche Lachreflexe aktiviert (es tut mir fast ein bißchen leid). Muhahaha, bitte nicht schon wieder! Contenance! Louise Martini sehen wir als Liebchen des geschiedenen Herrn Kwien, der von Hans Korte sehr unsympathisch dargeboten wird, beide liefern eine gute Vorstellung ab. Herbert Herrmann ist als Luftikus unterwegs, Maria Sebaldt als emsige Chefin der amüsanten Frau Leubel. Erna Sellmer stellt die resolute Tante Frau Leubels dar, Uwe Dallmeier spielt den versoffenen Gatten der Näherin.

Zunächst scheint "Die verlorenen Sekunden" leicht durchschaubar. Die Auflösung ist zwar tatsächlich keine Sensation, vermag aber doch mit einer gelugenen Wendung zu überzeugen. Nebenher wird das wenig erbauliche Privatleben der wichtigsten Zeugin beleuchtet, die mit einem ständig betrunkenen Kerl verheiratet ist. Keine Ahnung wie Alfred Vohrer (immerhin mein Lieblingsregisseur der Reihe, den ich auch abseits von Derrick sehr schätze) die wahnsinnigen Szenen mit Elfriede Kuzmany erlebt hat, ich hätte bei den Dreharbeiten gern Mäuschen gespielt. Derrick unterhält mich immer wieder auf angenehme Art und Weise, ein massiver Lachanfall ist allerdings kein Standard. So wird aus dieser ansonsten fast ein wenig unscheinbaren Folge, letztlich doch ein ganz besonderer Ausritt in den (eigenen?) Wahnsinn.

6,5/10 (oberste Mittelklasse) + unzählige Lachflashpunkte!

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Blap Offline




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07.05.2011 23:47
#103 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 4 (Folgen 46-60)

Folge 51 - Ute und Manuela (Deutschland 1978)

Egon Sebald (Louis Potgieter) haut in der Discothek auf die Pauke. Nach dem ihm der DJ Bescheid gibt, dass bei seinem Auto noch das Licht brennen soll, eilt Sebald kurze Zeit später in die Tiefgarage. Umgehend ist der Bursche genervt, denn offensichtlich hat sich jemand einen Scherz erlaubt. Plötzlich wird er niedergeschossen, wenig später findet sein Freund Russa (Werner Asam) den Leichnam. Vor ein paar Stunden hatte Sebald seine Freundin Manuela (Monika Baumgartner) brutal zusammengeschlagen, die junge Frau hätte folglich gute Gründe für die Tat. Jedoch gibt die Sozialarbeiterin Ute (Cornelia Froboess) der verängstigten Manuela ein Alibi, nimmt die junge Frau ein paar Tage bei sich auf, da sie aus schwierigen Familienverhältnissen stammt. Derrick fühlt Ute auf den Zahn, doch diese lässt sich nicht von ihrer Aussage abbringen...

Cornelia Froboess dominiert diese Folge als mutige Sozialarbeiterin, sie zeigt eine grossartige Leistung. Ihr hübsches Gesicht verbirgt sie hinter der hässlichsten Brille aller Zeiten, vermutlich sollte eine sozial engagierte Frau nicht attraktiv wirken. Monika Baumgartner gelingt als misshandeltes Mädchen ebenfalls eine gute Vorstellung, Martin Semmelrogge gibt in einer Nebenrolle ihren Bruder. Gisela Uhlen sehen wir als Mutter der von Froboess dargestellten Figur, die mit der Berufswahl ihrer Tocher nicht besonders glücklich ist. Werner Asam ist als widerlicher Charakter unterwegs, auch sein Spiel ist ohne Fehl und Tadel. Thomas Braut brüllt sich als gewalttätiger Vater von Baumgartner und Semmelrogge durchs Szenario.

Diese von Helmuth Ashley inszenierte Folge bietet keinen besonders aufregenden Kriminall an, punktet stattdessen aber mit stark gespielten, kantigen und intensiven Charakteren. Der Blick in das Umfeld der jungen Tatverdächtigen ist ernüchternd bis erschreckend. Die konsequente Einsatzfreudigkeit der von Cornelia Froboess dargebotenen "guten & resoluten Seele", bleibt trotz der schon fast schrullig-fanatischen Zeichnung stets glaubwürdig. Dank des sehr stark agierenden Ensembles, ist "Ute und Manuela" eine gute und unterhaltsame Folge geworden.

7/10 (gut)



Folge 52 - Abitur (Deutschland 1978)

Der freundliche und hilfsbereite Assessor Werner Hofer (Peter Dirschauer), erteilt dem kurz vor dem Abitur stehenden Robert Becker (Michael Wittenborn) Nachhilfestunden. Robert soll Medizin studieren, denn sein Vater (Hans Quest), der als Landarzt tätig ist, will ihm die Praxis übergeben. Leider ist Rober kein besonders begabter Schüler, er droht am Numerus clausus zu scheitern. Hofer wird von Dr. Becker ins Gebet genommen, noch stärker legt sich jedoch seine Tochter Adelheid (Agnes Dünneisen) für ihren Bruder ins Zeug. Adelheid macht Hofer eindeutige Angebote, wenn er im Gegenzug Einfluss auf den Notendurchschnitt ihres Bruders nimmt. Empört und genervt lehnt Werner Hofer ab, in seiner Aufregung überfährt er einen jungen Mann. Der Blick zurück erweist sich nicht so schrecklich wie befürchtet, denn das Unfallopfer scheint sich bereits wieder aufzurappeln. Trotzdem flüchtet der überforderte Assessor in Panik. Als man den Überfahrenen kurze Zeit später tot auffindet, wittert die durchtriebene Adelheid ihre Chance. Bei der Leichenschau kann die Todesursache nicht eindeutig dem Unfall zugeordnet werden, eine untypische Verletzung weckt den Instinkt Derricks. Während Derrick und Klein die Ermittlungen aufnehmen, bahnt sich hinter den Kulissen eine Tragödie an...

Wie gehabt kann auch die Folge mit guten Darstellerleistungen glänzen. Dabei ist der "eigentliche" Fall eher nebensächlich, diesmal steht ein Drama um Erpressung und Verzweiflung im Zentrum der Ereignisse. Peter Dirschauer driftet mehr und mehr in Richtung Abgrund. Agnes Dünneisen spielt die verdorbene Göre mit eisiger Präzision, hinter der freundlichen Fassade wohnt die skupellose Boshaftigkeit ohne jegliches Unrechtsbewusstsein. Michael Wittenborn wird von den Ereignissen überrollt, ist den Anforderungen seines Umfelds nicht gewachsen. Hans Quest wirkt im Vergleich zu seiner weiblichen Brut nahezu harmlos, "betriebsblind" sollte eine zutreffende Umschreibung sein. Dietlinde Turban taucht gegen Ende der Folge auf, kann aber kaum mehr als Angst und ein paar Tränen zeigen.

Für Derrick und Klein beginnt diese Folge mit einem lustigen Kegelabend. Besonders für Harry und die anderen Kollegen ein fröhlicher Abend, denn ihr Derrick "darf" sich als "Kegelaufsteller" betätigen. Doch nach diesen kleinen Schmunzlern zu Beginn, entwickelt sich "Abitur" zu einer bitteren Pille, in deren Finale man völlig auf abschwächende Nettheiten verzichtet. Ich mag die fiese Konsequenz dieser Folge sehr, Frank Duval hat den Abspann mit melancholischen Klängen perfekt unterlegt. Sucht man nach einem Kritikpunkt, so könnte man eventuell bemängeln, dass der Zuschauer kaum eine Chance hat den Mordfall selbst aufzuklären. Ich habe dies nicht als Störfaktor empfunden, da das Drama um den Assessor und die Arzttocher den Reiz dieser Folge ausmacht.

7,5/10 (gut bis sehr gut)

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Blap Offline




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08.05.2011 23:05
#104 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 4 (Folgen 46-60)

Folge 53 - Der L-Faktor (Deutschland 1979)

Der angesehene Biochemiker Professor Waldhoff (Herbert Mensching), wird von seiner Mitarbeiterin Dr. Irmgard Minz (Katja Rupé) nach Hause begleitet. Waldhoff informierte seine Ehefrau Agnes (Gisela Peltzer) zuvor telefonisch darüber, dass er die Kollegin mitbringt. Im Anwesen der Waldhoffs wartet ein erschreckender Anblick auf den Professor und Dr. Minz, Agnes Waldhoff wurde Opfer eines Raubmordes. Für den Professor ist sofort klar, seine Frau kann nur von Michael Bruhn (Wolfgang Müller) getötet worden sein, er teilt Derrick diese Vermutung selbstverständlich mit. Agnes Waldhoff pflegte seit einigen Monaten eine freundschaftliche Beziehung zu Michael Bruhn, griff dem vorbestraften Mann ein wenig unter die Arme. Michael kann für die Tatzeit jedoch ein Alibi vorweisen, sein Bruder Heinz (Mathieu Carrière) bestätigt die Anwesenheit in der gemeinsamen Wohnung. Derrick und Klein betrachten die Aussagen der Brüder zwar mit grosser Skepsis, zweifeln jedoch trotzdem an Michaels Schuld...

Herbert Mensching überzeugt als kaltherziger Wissenschaftler, der die Bewunderung seiner Mitarbeiter ohne Skrupel für seine Zwecke mißbraucht. Katja Rupé wird in ihrer Rolle nicht sonderlich gefordert, erfreut aber mit ihrem hübschen Erscheinung. Gisela Peltzer gewährt das Drehbuch leider nicht genügend Freiraum, um der "eigentlich" interessanten Figur Agnes Waldhoff mehr Tiefe zu verleihen. Wolfgang Müller passt gut in die Rolle des simpel gestrickten Sündenbocks, Mathieu Carrière erweist ist hartnäckige und unbeugsame Stütze für seinen Bruder. Amadeus August stellt einen Mitarbeiter des Professors dar, der sich für die Kollegin Dr. Minz interessiert.

Diese von Helmuth Ashley inszenierte Folge, präsentiert uns ein nicht allzu interessantes Beziehungsdrama. Immerhin reitet man nicht auf dem Klischee der gelangweilten Hausfrau herum, die ein Abenteuer mit einem deutlich jüngeren Liebhaber sucht. In diversen Rückblicken erfährt der Zuschauer mehr über die Freundschaft zwischen dem Mordopfer und dem Verdächtigen, die nichts mit sexuellen Ausschweifungen zu tun hatte, sondern auf einer völlig anderen Basis erblühte. Erneut sind die schauspielerischen Leistungen einwandfrei, aber die Charaktere packen mich nicht, die Auflösung ist sowieso von Anfang an offensichtlich. Wenn der Kriminalfall schon in die zweite Reihe gedrängt wird, sollte man den Charakteren bitte mehr Tiefe verleihen, als es in diesem Fall passiert ist. Das gute Ensemble trägt sicher nicht die Verantwortung, für die lediglich gehobene Mitteklasse der Folge, die im "Derrick-Universum" zu den schwächeren Beiträgen zählt (Trotzdem passable Unterhaltung bietet).

6/10 (obere Mittelklasse, inkl. Fanbonus)



Folge 54 - Anschlag auf Bruno (Deutschland 1979)

Bruno Kerk (Dieter Schidor) ist geistig behindert, der junge Mann lebt bei seinen Eltern Oskar (Peter Ehrlich) und Martha (Doris Schade), sein Bruder Helmut (Volker Eckstein) wohnt ebenfalls noch in der elterlichen Wohnung. Bruno ist ein freundlicher und harmloser junger Mann, der seit seiner Kindheit in die Nachbarstochter Gerda (Michaela May) verliebt ist. Inzwischen fühlt sich Gerda jedoch zunehmend von Bruno bedrängt, in ihrem Leben ist kein Platz mehr für den ehemaligen Sandkastenfreund. Eines Abends folgt Helmut der jungen Frau, die mit ihrem Freund Ernst (Gunther Beth) eine Discothek besucht. Als Gerda sich kurz frischmachen will, bittet sie Helmut um ein Gespräch bezüglich Bruno, Ernst bekommt nichts davon mit. Helmut gesteht der überraschten Gerda sein Begehren, in seinem Auto will er über das Mädchen herfallen. Gerda gerät in Panik, Helmut tötet sie beim Versuch ihre Schreie und Gegenwehr zu unterbinden. Seinen Eltern gesteht Helmut unter Tränen die schreckliche Tat, Vater und Sohn brüten einen widerwärtigen Plan aus. Für alle Welt wird klar sein, dass Bruno die schreckliche Tat begangen hat, doch der ist aufgrund seiner Verfassung nicht schuldfähig...

Die Regie dieser Folge wurde Theodor Grädler übertragen. "Anschlag auf Bruno" mutet wie ein Brückenschlag zu den ganz frühen Folgen der Reihe an, denn der Zuschauer kennt den Täter von Anfang an. Hier ist ganz klar Dieter Schidor der Star, der den geistig eingeschränkten Bruno grossartig verkörpert. Seine Darbietung wirkt zu jeder Sekunde glaubwürdig, nie aufgesetzt, unglaubwürdig oder gar peinlich. Volker Eckstein hat den undankbaren Part des unsympathischen Bruders erwischt, Peter Ehrlich gerät als Vater in eine unglaublich schwierige Lage. Doris Schade fungiert als Gewissen der Familie, gewissermaßen als moralische Instanz. Michaela May passt gut in die Rolle der unbeschwerten jungen Frau, die mit der Nähe eines alten Freundes nichts mehr anfangen kann/will. Herbert Strass sehen wir als Vater des Mordopfers, für dessen Geschmack der vermeintliche Täter viel zu sanft angepackt wird. Grosses Lob gebührt Horst Tappert, der auch ohne Worte viel von Derricks Gemütszustand sichtbar werden lässt.

Einmal mehr rückt der Kriminalfall in den Hintergrund, "Anschlag auf Bruno" tischt uns ein bitteres Familendrama auf. Freilich mangelt es bei dieser Konstellation an Überraschungsmomenten, doch dank der erstklassigen Leistung von Dieter Schidor bleibt diese Folge in Erinnerung. Immerhin, ganz ohne eine kleine Wendung geht der Fall nicht zu Ende, da nicht die Person für den Zusammenfall des Lügenkonstruktes sorgt, von der ich den entscheidenden Anstoss erwartete. Fast wäre mir die Erwähung von Heiner Lauterbach durch die Lappen gegangen, der in einer kleineren Nebenrolle zu sehen ist.

6,5/10 (oberste Mittelklasse) ...vielleicht noch ein halbes Bonuspünktchen wegen Dieter Schidor.

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Blap Offline




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09.05.2011 09:53
#105 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Zitat von Blap im Beitrag #104
Seine Darbietung wirkt zu jeder Sekunde glaubwürdig, nie aufgesetzt, unglaubwürdig oder gar peinlich.

Ach was...

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