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Dieses Thema hat 976 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Gubanov ( gelöscht )
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14.01.2014 22:57
#676 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Deine Voraussage hat sich erfüllt, Georg.



Derrick: Das Piräus-Abenteuer

Episode 165 der TV-Kriminalserie, BRD 1988. Regie: Zbynek Brynych. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Ute Christensen (Hanna), Beatrice Richter (Lydia), Jürgen Heinrich (Dr. Stein), Peter Neusser (Sanders), Holger Petzold (Herwig), Sabi Dorr (Roland), Henry van Lyck (Sundermann), Peter Bertram (Barkellner) u.a. Erstsendung: 1. Juli 1988, ZDF.

Zitat von Derrick: Das Piräus-Abenteuer
Aufgeregt meldet sich Harrys Reisebekanntschaft am Telefon: Sie fürchte um ihr Leben, sagt die Stewardess Hanna, seit sie aus Gefälligkeit einem Meeresbiologen versprach, einen Koffer aus Griechenland nach Deutschland zu „schmuggeln“. Weil sie Zweifel an dem Freundschaftsdienst bekommen hatte, hatte sie den Koffer geöffnet, darin Rauschgift entdeckt und es entsorgt. Nun scheut sie die Konsequenzen des Dealerrings ...


Noch ein Drogen-„Derrick“? Ja, noch einer, aber kein dröger. Dankenswerterweise rückte Herbert Reinecker in „Das Piräus-Abenteuer“ nicht die Gesellschaftsproblematik Drogenkonsum mit ihren schmutzigen Folgen in den Fokus, sondern machte dem „Abenteuer“ im Titel alle Ehre: Es geht in erster Linie um die Todesangst der Stewardess Hanna und die mit Nachdruck und Kaltschnäuzigkeit ausgeführten Reaktionen der Kriminellen, die die kesse Dame mit ihrem Verhalten brüskierte.

Den ewigen „Derrick“-Fans in den Niederlanden entging es übrigens nicht, dass sich ihr deutscher Lieblingsermittler nur allzu gern mit Heroin, Kokain und Co. befasste. Im Oktober 2013 ging folgende Meldung durch die Nachrichten:

Zitat von „Niederländische Polizei setzt Spür-Ratten ein“ auf RP-Online.de
Sie heißen Derrick, Magnum oder Poirot und sind die neuesten Mitarbeiter der niederländischen Polizei: Ratten, die Schießpulver-Rückstände und Drogen erschnüffeln können. Vor allem um Zeit und Geld zu sparen, trainiert die Polizei die Nagetiere seit zwei Jahren in Rotterdam. [...] Die Ratten „brauchen kaum zehn bis 15 Tage, um einen bestimmten Geruch von anderen zu unterscheiden“, sagt [die Projektleiterin], während sie Derrick aus seinem großen Käfig nimmt und in den kleineren „Arbeitskäfig“ setzt. Während der Trainingseinheit werden an der Seite des Käfigs vier kleine Tee-Eier angebracht, von denen eins Rückstände von Schießpulver enthält. Gerade mal zwei Sekunden braucht der braun-schwarze Derrick, um das richtige Ei ausfindig zu machen. Als Belohnung gibt es ein Klicken und einen Sonnenblumenkern.


Mit der gleichen Intuition widmet sich der menschliche Ermittler seinen Aufgaben. Und die geraten wahrlich dringend, denn auch wenn es erst am Ende zu einem Mord kommt, so pegelt sich die Spannung auf einem verdammt hohen Level ein. Nicht unschuldig dürfte daran Zbynek Brynych sein, der – das muss ich neidlos anerkennen – so gut wie überhaupt nicht mehr an seine holprigen Anfangsjahre erinnert und durch langjährige Vertragsarbeit fürs ZDF angenehm „weichgespült“ wurde, ohne dabei sein Gespür für Timing zu verlieren.

Auf der Darstellerseite ist „Das Piräus-Abenteuer“ wie alle Folgen, in denen es um Harrys Bekanntschaften geht, eine klare Win-Situation für die Schauspielerinnen. Ute Christensen, die in „Auf Motivsuche“ noch auf halber Strecke vom Bildschirm verschwand, erhielt eine große Rolle zugesprochen, die sie charismatisch, wenn auch häufig (den Umständen entsprechend) hysterisch meistert. Noch überzeugender fand ich Beatrice Richter, der es gelang, durch Overacting gewisse feine Nuancen, die Verbündete zu Verdächtigen machen, zu verdecken.

Ähnlich wie in der „Motivsuche“ generiert sich der Unterhaltungsfaktor aus einer hohen Zahl bewaffneter Gefahrenszenen, ohne dabei aber das Köpfchen, das für die Behauptung gegen erfahrene Drogenkriminelle erforderlich ist, zu vernachlässigen. Zumindest meistens, denn die eine große Lücke, wer denn nun der Mittelsmann in Piräus war und ob man ihn noch belangen konnte, bleibt leider offen.

Gegen den Sprint, den Brynych mit den Folgen 163 bis 165 einlegte, ist wirklich kaum etwas einzuwenden: Hier liegt exzellente Fernsehunterhaltung auf hohem Niveau vor. „Das Piräus-Abenteuer“ besticht durch großen Nervenkitzel, ohne dabei (wie z.B. „An einem Montagmorgen“) die intelligenten „Derrick“-Grundsätze zu verraten. 4,5 von 5 Punkten.



Wie bereits angedeutet, bin ich mit den Episoden aus Box 11 hochzufrieden. Tatsächlich ist sie im Bewertungsdurchschnitt mit der hervorragenden Box 4 gleichauf (beide Male 4,13 Punkte pro Episode), was nur noch von den bärenstarken Einstiegsfolgen getoppt wird. Mit einem solchen Durchmarsch der Folgen 151 bis 165 war dabei eigentlich gar nicht zu rechnen, nachdem Box 10 in meinem kleinen Ranking die rote Laterne einnimmt (lediglich 3,67 Punkte pro Folge).

Über die Hälfte der Fälle ist mit 5 oder 4,5 Punkten im Spitzenfeld angesiedelt. Mein persönlicher Favorit ist das durchgeknallte Familiendrama „Die Nacht des Jaguars“, dicht gefolgt vom im gleichen Genre angesiedelten „Mordfall Goos“. Abgesehen von der dümmlichen Klischeefolge „Mordträume“ enthalten die 15 Episoden kaum Gründe, wie so oft in der „Derrick“-Vergangenheit gegen Herbert Reinecker zu lästern – im Gegenteil stellt er seinen Einfallsreichtum mit ungewöhnlichen Plotkonstruktionen unter Beweis. Horst Tappert dagegen manifestiert seinen Ruf als unfehlbare, noble und doch greifbare Lichtgestalt.

Platz 01 | ★★★★★ | Folge 153 | Die Nacht des Jaguars (Goslar)
Platz 02 | ★★★★★ | Folge 158 | Mordfall Goos (Wirth)
Platz 03 | ★★★★★ | Folge 163 | Auf Motivsuche (Brynych)
Platz 04 | ★★★★★ | Folge 151 | Absoluter Wahnsinn (Tappert)

Platz 05 | ★★★★☆ | Folge 164 | Da läuft eine Riesensache (Brynych)
Platz 06 | ★★★★☆ | Folge 165 | Das Piräus-Abenteuer (Brynych)
Platz 07 | ★★★★☆ | Folge 157 | Nur Ärger mit dem Mann aus Rom (Ashley)
Platz 08 | ★★★★☆ | Folge 156 | Koldaus letzte Reise (Wirth)

Platz 09 | ★★★★★ | Folge 161 | Eine Reihe von schönen Tagen (Becker)
Platz 10 | ★★★★★ | Folge 159 | Fliegender Vogel (Becker)
Platz 11 | ★★★★★ | Folge 152 | Der Tote auf der Parkbank (Grädler)

Platz 12 | ★★★☆★ | Folge 154 | Ein Weg in die Freiheit (Erhardt)

Platz 13 | ★★★★★ | Folge 155 | Nachtstreife (Haugk)
Platz 14 | ★★★★★ | Folge 162 | Kein Risiko (Weidenmann)

Platz 15 | ★★☆★★ | Folge 160 | Mordträume (Erhardt)

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

16.01.2014 13:30
#677 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

DERRICK Collector’s Box 12 (Folgen 166 bis 180, 1988-89)





Derrick: Die Stimme

Episode 166 der TV-Kriminalserie, BRD 1988. Regie: Helmuth Ashley. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Ernst Jacobi (Dr. Lothar Lippert), Christoph Eichhorn (Walter Lippert), Gerlinde Locker (Ruth Lippert), Lambert Hamel (Arnold Lippert), Roswitha Schreiner (Inge Lippert), Eva Brumby (Frau Wolf), Sky Dumont (Hofner), Irina Wanka (Anita Drehwitz) u.a. Erstsendung: 22. Juli 1988, ZDF.

Zitat von Derrick: Die Stimme
Dr. Lippert kennt nur ihre Stimme: Die Anruferin, die ihren Namen nicht nennt, warnt ihn vor einem Anschlag auf sein Leben. Tatsächlich peitschen noch am gleichen Tag Pistolenkugeln durch die Luft. Zuerst entgeht Lippert seinen Angreifern, beim zweiten Mordversuch wird er leicht verletzt. Da meldet sich die Anruferin erneut. Der eigenbrödlerische Firmenleiter beginnt, sie in sein Herz zu schließen ...


Würden „derrick“-intern Darwin Awards verliehen, so hätte Dr. Lippert eine Nominierung schon so gut wie in der Tasche. Obwohl der Mann mehrere Mordanschläge relativ unversehrt überlebt, verhält er sich beinah so lebensmüde und „schicksalsprovozierend“, dass ein paar professionellere Killer sicher für sein Ausscheiden aus dem Genpool gesorgt hätten. Zunächst ist es noch verständlich, dass Lippert wenig auf den seltsamen Anruf gibt, später jedoch sorgt sein unvorsichtiges Handeln für einige Kopfschüttelmomente. Interessant an dieser Einschätzung ist, dass man die Gefahr, die über ihm schwebt, mit größerer Prägnanz hätte verbildlichen können, was aus den Aktionen des Geschäftsmannes eine beträchtliche Spannung generiert hätte. Ob für das weitgehende Fehlen derselben Herbert Reinecker verantwortlich ist (wie die User im „Derrick“-Forum urteilen) oder doch eher die milde Inszenierung Helmuth Ashleys, dürfte wohl Ansichtssache bleiben.

Der Episodentitel „Die Stimme“ weckt natürlich Assoziationen zum Wallace-Klassiker „Die seltsame Gräfin“ und Klaus Kinskis unvergesslich gehauchtem „Ich bin es. Die Stimme.“ Nachdem auch die „Gräfin“ nicht zu den grandiosen Spannungshighlights der Reihe zählt, ist es wohl eine süße kleine Ironie, dass auch das Reinecker-Pendant nicht nur Stärken aufweist. Die Gespräche zwischen Lippert und der Stimme des Mädchens erscheinen zunächst überkandidelt und unrealistisch, der Twist in den letzten Sekunden der Folge (die dann auch mit einem einprägsamen Schlussbild endet) bietet aber z.B. einen zufriedenstellenden Erklärungsansatz für die Gespräche darüber, Menschen allein anhand ihrer Stimmen einzuschätzen.

Eine kleine Meisterleistung verzeichnet die – welch ein Zufall! – aus „Die seltsame Gräfin“ bekannte und als Theaterschauspielerin und Schauspiellehrerin renommierte Eva Brumby. Der eigentlich undankbare Part der Haushälterin steigt in ihren fähigen Händen nicht nur zu einer Hauptverdächtigen auf, sondern lässt auch tief blicken auf die Enttäuschung der Köchin über die gesellschaftliche Isolation ihres Arbeitgebers, die wohl in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass sie ihren Rehrücken nun nicht mehr an die große festliche Glocke hängen kann.

Festzustellen bleibt, dass ein wenig Biss nicht nur für Frau Wolfs Rotkraut, sondern auch für eine „Derrick“-Folge unverzichtbar ist und „Die Stimme“ zu wenig davon aufweist. Während vor allem Jacoby und Brumby sehr überzeugend spielen, enttäuschen die lapidare Regie, das eher harmlose Drehbuch und das inhaltlich etwas harsch abgeschnittene Ende. 3 von 5 Punkten.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

17.01.2014 19:35
#678 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



Derrick: Das Ende einer Illusion

Episode 167 der TV-Kriminalserie, BRD 1988. Regie: Günter Gräwert. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Cornelia Froboess (Helga Weinert), Gerd Anthoff (Erich Rieger), Günther Ungeheuer (Rudolf Schowenke), Hanno Pöschl (Ulrich Schowenke), Marion Kracht (Paula Bertram), Klaus Abramowsky (Randy Schröder), Hans Zander, Michael Gahr u.a. Erstsendung: 12. August 1988, ZDF.

Zitat von Derrick: Das Ende einer Illusion
Von ihrem Arbeitgeber wird das Amüsiermädchen Helga Weinert auf den Kunden eines Spielclubs angesetzt. Erich Rieger sei ein hoffnungsloser Spieler, der, wenn er schon Geld am laufenden Band verspielen muss, wenigstens an die hauseigenen Spieltische gebunden werden soll. Helga freundet sich mit Rieger an und versucht, dessen trostloses Privatleben umzukrempeln. Da geschieht ein Mord an Riegers Bruder.


Die Besprechung enthält Spoiler.

Dem „Ende einer Illusion“ wird für gewöhnlich angelastet, es handele sich um eine extrem langwierige Episode. Das stimmt auch unumwunden, denn man kann nicht behaupten, Günter Gräwert habe mit einem Hang zu Temporeichtum inszeniert. Im Gegenteil: Alles, was hier geschieht, wird in einer bestenfalls „unaufgeregten“ Geschwindigkeit präsentiert. Das schlägt sich auch darin nieder, dass Stephan und Harry erst nach 24 Minuten auf dem Bildschirm auftauchen, obwohl der Mord an Riegers Bruder durchaus ohne größere Vorbereitung geschieht und sich die lange Vorgeschichte auf andere Prioritäten konzentriert. Dabei ist es für „Derrick“ nicht einmal ungewöhnlich, den Ermittlern eine eher kleinere Rolle zuzugestehen:

Zitat von Ricarda Strobel: Herbert Reinecker – Unterhaltung im multimedialen Produktverbund, Carl Winter UV Heidelberg, 1992, Seite 150
In „Derrick“ werden die Vorgeschichte und der Mord sehr viel ausführlicher dargestellt (17 Prozent der Sendezeit gegenüber 7 Prozent beim „Kommissar“). „Der Kommissar“ dagegen legt deutlich mehr Gewicht auf die Nachforschungen des Kommissars und auf die Auflösung des Falles, die Überführung und / oder das Geständnis des Täters (72 Prozent gegenüber 51 Prozent bzw. 14 gegenüber 7 Prozent). Anders als im „Derrick“ gibt es im „Kommissar“ die Zwischenbilanzen im Kommissariat, die 14 Prozent der zur Verfügung stehenden Zeit einnehmen. „Derrick“ zeigt stattdessen die weiteren Aktivitäten der Täter (10 Prozent der Zeit) und die Jagd auf die Täter (13 Prozent). Im Vergleich zu der sehr stark auf die Person des Kommissars konzentrierten Vorgängerserie legt „Derrick“ demnach schon quantitativ den Akzent eher auf die Verbrechen und die Verbrecher. Die Auseinandersetzung zwischen Derrick und den Tätern erscheint in ihrem Ausgang offener und damit insgesamt etwas realistischer.


Tatsächlich liegt der Fokus der Episode ganz eindeutig auf Helga Weinert, die immerhin als Instrument verbrecherischer Kreise fungiert. Cornelia Froboess gelingt es erneut, ihrem Charakter eine emotionale Tiefe zu verleihen, die man in anderen Darstellungen dieser Art nicht findet. Genau das ist auch der Grund, weshalb die gewagte Konstruktion der Episode, deren Titel immerhin schon einen gewissen spoilerhaften Charakter hat, überhaupt aufgeht. Nur weil man sich voll auf Helgas Seite schlägt und ihre Vermutungen über die Skrupellosigkeit ihres Bosses sowie den „guten Kern“ in Erich Rieger unreflektiert übernimmt, kommt die Auflösung als Überraschung und Schlag in die Magengrube. Die Tatsache, dass Helga in Rieger nur das gesehen hat, was sie als romantische Person in unromantischem Lebensumfeld in dem Mann sehen wollte, ist die bittere Illusion, von der der Titel spricht. Sie sorgt dafür, dass die weitgehend spannungsarme Episode am Ende wie aus dem Nichts an Fahrt aufnimmt und in einem mehr als ansehnlichen Finale gipfelt.

Eventuelle Inkohärenzen in Erich Riegers Verhalten kann ich dabei nicht entdecken. Für einen Charakter wie Rieger waren die Taten sicher keine perfide geplanten Täuschungsmanöver, sondern unumgängliche Notwendigkeiten, die ihn selbst haben verzweifeln lassen. Problematisch ist einzig, welches Bild Herbert Reinecker damit von Spielsüchtigen zeichnet, weil er sie in einem schweren Stadium schlicht mit Mördern gleichsetzt. Diese Spitzfindigkeit fällt jedoch nur bei nachträglicher Analyse auf und zerstört durchaus nicht den positiven Eindruck, der sich in den letzten Minuten der Episode aufgebaut hat und mit der offenbar eigens für die Thematik von „Ende einer Illusion“ komponierten Schlussmusik von Dieter Kawohl ausklingt.

Ein schwieriger „Derrick“, weil hier nicht allzu viel von „Derrick“ übrig bleibt. Im Prinzip ist es eher ein Helga-Weinert-Krimi, der durch die glänzende Leistung der Froboess über sein eigenes, stark mit Längen behaftetes Niveau herausgehoben wird und nur wegen dieser starken Identifikationsfigur nicht an der eigentlich naheliegenden Täterfigur scheitert. 3,5 von 5 Punkten. Günther Ungeheuer als Nachtclubchef ist übrigens auch nicht zu verachten.

Gubanov ( gelöscht )
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20.01.2014 14:35
#679 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



Derrick: Mord inklusive

Episode 168 der TV-Kriminalserie, BRD 1988. Regie: Helmuth Ashley. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Philipp Moog (Kranz), Anja Schüte (Anita), Beate Finckh (Ria), Christoph Waltz (Schumann), Tobias Hoesl (Diener), Peter von Strombeck (Breuer), Alice Treff (Frau von Wedel), Ellen Frank (Frau Viuda) u.a. Erstsendung: 19. August 1988, ZDF.

Zitat von Derrick: Mord inklusive
Konrad Breuer wurde mit dem Tod bedroht, wenn er nicht am Coup seiner Freunde teilnimmt. Sofort meldet er sich bei der Polizei: „Wenn mir etwas zustößt, halten Sie sich an Roland Kranz“, sagt er, als könne er in die Zukunft blicken. Am darauffolgenden Morgen werden Stephan und Harry an den Isarkanal gerufen, wo Breuers Auto aus dem Wasser gefischt wird. Darin: seine Leiche.


Auch wenn die Reihe „Derrick“ zum Zeitpunkt der Ausstrahlung dieser Folge bereits 14 Jahre im Abendprogramm des ZDF lief, so gelang es den allermeisten Episoden doch immer noch, spannend, unterhaltsam und frisch zu wirken. Dieser Verdienst ist in erster Linie Horst Tappert und Fritz Wepper zuzuschreiben, die es sich in den Jahren in ihre Rollen so eingelebt hatten, dass Tappert bekannte:

Zitat von Katrin Hampel: Das große Derrick-Buch, Henschel Verlag Berlin, 1995, S. 128
„Ich bin Derrick – mehr kann sich ein Schauspieler nicht wünschen. Die Wahrheit, Recht und Gesetz – all das verkörpert Derrick, all das will ich auch verkörpern. Derrick ist ein Stück von mir. Derrick hat wie ich Selbstdisziplin, will Maßstäbe für die Gerechtigkeit setzen.“


Bei allem Verantwortungsbewusstsein der Beteiligten ließ es sich nicht vermeiden, hin und wieder Fälle durchrutschen zu lassen, die wie ein Aufguss schon gesehener Folgen wirkten – inspirationslos, bieder, langwierig. Eine solche Situation zeichnet sich bei „Mord inklusive“ ab: Einen widerspenstigen Ganoven zum Schweigen zu bringen, eine Gruppe verwöhnter Jugendlicher bei ihrem (natürlich auffälligst angeprangerten) amoralischen Verhalten zu ertappen, Vorträge über die Verbesserung der Welt einzubauen und Derrick nicht zum Verfechter von Paragrafen, sondern von Lebensstil werden zu lassen – all das ist kalter Kaffee, den Reinecker schon in anderen Fällen mehrfach aufgegossen hatte.

Was „Mord inklusive“ nicht leichter verdaulich macht, sind die Schneckentempo-Inszenierung Helmuth Ashleys und die Dominanz der Jungschauspieler. Im Jahr 1988 merkt man doch, wie sich die Garde der Akteure alter Schule langsam verabschiedet und einer Riege von Darstellern Platz macht, die, wenn sie nicht gerade eine überragende Rolle bekommen, austauschbar und uninteressant auftreten. Peter von Strombeck, Philipp Moog, Christoph Waltz, Anja Schüte, Beate Finckh, Tobias Hoesl – in dieser Ballung ist die Besetzung des Nachwuchses etwa so interessant wie die Wasserstandsmeldung von Magdeburg.

Die offenbar als besonders angedachte Sideline, Harry einen größeren Part am Geschehen einzuräumen, ging nicht gerade mustergültig auf. Auch das liegt daran, dass es sich Reinecker zu einfach machte: Außer der simplen Formel Harry + Frau = Wow fiel dem Autor wohl nichts Sinnvolles zur Einbindung des zweiten Mannes der Serie ein. Manchmal verwundert es da nicht, dass Fritz Wepper von Zeit zu Zeit nah daran war, seine Verpflichtung wegen Unterforderung aufzukündigen.

Lediglich laue Unterhaltung bietet „Mord inklusive“, eine moralgeschwängerte Folge, die in allen Belangen unspektakulär daherkommt. Die dumpfe philosophische Note verleitete mich dazu, die zweite Hälfte der Folge nur noch übers Bügelbrett hinweg zu betrachten. So ist „Mord inklusive“ immerhin praktisch für die Haushaltsführung. 2,5 von 5 Punkten.

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.513

04.03.2014 13:43
#680 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Lange hat's gedauert - endlich habe ich mich durch die vierte Collector's Box gekämpft. Wobei "gekämpft" in diesem Zusammenhang viel zu negativ klingt - es war mir angesichts des beinahe durchgehend hohen Niveaus der Folgen 46 bis 60 vielmehr eine Freude. Drei Episoden dürfen sich in meiner Rangliste gar über die Höchstwertung freuen.

1. Kaffee mit Beate (Vohrer) - 5 von 5 Punkten
2. Abitur (Grädler) - 5 von 5 Punkten
3. Die Puppe (Grädler) - 5 von 5 Punkten
4. Der L-Faktor (Ashley) - 4,5 von 5 Punkten
5. Tandem (Brynych) - 4,5 von 5 Punkten
6. Die verlorenen Sekunden (Vohrer) - 4,5 von 5 Punkten
7. Ute und Manuela (Ashley) - 4 von 5 Punkten
8. Anschlag auf Bruno (Grädler) - 4 von 5 Punkten
9. Besuch aus New York (Ashley) - 4 von 5 Punkten
10. Schubachs Rückkehr (Grädler) - 4 von 5 Punkten
11. Lena (Grädler) - 4 von 5 Punkten
12. Lissas Vater (Vohrer) - 4 von 5 Punkten
13. Der Spitzel (Brynych) - 3,5 von 5 Punkten
14. Ein unheimliches Haus (Vohrer) - 3,5 von 5 Punkten
15. Solo für Margarete (Braun) - 3 von 5 Punkten

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

05.03.2014 09:52
#681 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Ich hatte mich schon gefragt, ob wir von dir nochmal etwas Derrickiges zu hören bekommen. Schön, dass du Box 4 nun "durchgestanden" hast. Ich habe diese Box als eine sehr starke in Erinnerung und du bestätigst diesen Eindruck ebenfalls mit sehr hohen Punktzahlen. Deinem Favoriten würde wohl auch niemand widersprechen. Aber wir teilen sogar die gleiche rote Laterne ...

Würde mich freuen, in Zukunft auch wieder ein paar (meinetwegen auch kurze) Kommentare zu den Folgen zu lesen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

18.05.2014 21:13
#682 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

BEWERTET: "Die Nacht des Jaguars" (Folge 153)
mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Doris Schade, Hans Korte, Volker Kraefft, Christiane Krüger, Christian Kohlund, Uschi Buchfellner, Nino Korda, Wilfried Klaus u.a. - Regie: Jürgen Goslar

Gilla Trabuhr wird erwürgt neben einer Telefonzelle aufgefunden. Ihr Ehemann wollte die Scheidung, seine Mutter unterstützte ihn darin. Nur sein Bruder findet versöhnliche Worte für eine Frau, deren Ausstrahlung so manchen Mann verzaubert und in intime Beziehungen mit ihr treten ließ. Derrick öffnet sich ein Anwesen, in der die Kultur der Azteken ebenso eine Rolle spielt wie die strengen Reinheitsgebote von Frau Trabuhr, die für sich das Recht beansprucht, die Ordnung wiederherzustellen....

Nach einer längeren "Derrick"-Pause, die ich mit Wiederholungen verkürzte, sollte "Die Nacht des Jaguars" den Faden dort wieder aufnehmen, wo ich ihn vor einem gefühlten halben Jahr liegengelassen hatte. Plötzlich schien mir jedoch nicht nur Stephan Derrick unerbittlicher zu sein, nein, auch Harry Klein, der großzügige ewige Junge im Team, hatte reinecker'sche Züge angenommen und verurteilte Frauen, die allein ausgingen, ohne ihren Männern zu sagen, wohin.
Er rügt die in sich ruhende Christiane Krüger mit strengem Blick und man spürt die unterdrückte Empörung der beiden Männer. Doch bald schon werden sie von einer Frau abgelöst, die ihre Einstellung nicht nur ihrer Familie aufoktroyiert, sondern anscheinend jedem, der mit ihr in Berührung kommt. Neben Doris Schade beginnt ein sonst so unbekümmerter Mann wie Volker Kraefft zu stottern, schlottern Hans Korte die Knie und selbst der Rebell Christian Kohlund wird zahm und gibt seinen Widerstand auf, weil er merkt, dass es sinnlos ist, sich mit der von einer fixen Idee beherrschten Frau zu streiten. Wird Gilla Trabuhr zunächst als 'Engel von Schwabing', dessen Liebe es auf Krankenschein gibt, verklärt, so zeigt Goslar am Ende eine ernüchternd unoriginelle Phantasie, die dem Zuseher nur ein Gähnen entlockt. Nein, da ist kein Mysterium, es ist nur die übliche billige Nummer. Die Umstände, die zu einer Eheschließung zwischen der freizügigen Gilla und dem gesetzten Archäologen führten, erscheinen fragwürdig, ebenso die Einbindung des Masseurs in die Familienbelange der Trabuhrs. Die lähmende Langeweile, die von der Familienvorsteherin zum Lebensmotto erhoben wurde und nicht nur ihr selbst, sondern auch den anderen Hausbewohnern die Frischluftzufuhr abschneidet, sorgte wohl im übertragenen Sinn für den Sauerstoffmangel, der das Gehirn ihres Dieners ausschaltete. Die Selbstgerechtigkeit der Matriarchin lässt den Drehbuchautor wie einen Mabuseschen Schatten hinter ihr auftauchen und zeugt von der Gefährlichkeit fixer Ideen und mangelnder Empathie. Eine anstrengende Folge, die ohne die guten Darstellerleistungen unausweichlich zum Untergang verurteilt worden wäre, so jedoch immer noch die Ausrede geltend machen kann, sie sei "wie ein Schiff, das die Leuchtfeuer nicht beachtet hatte" - um Doris Schade das letzte Wort zu lassen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

25.05.2014 15:17
#683 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

BEWERTET: "Ein Weg in die Freiheit" (Folge 154)
mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Michael Degen, Loni von Friedl, Christoph Eichhorn, Ulli Philipp, Volker Lechtenbrink, Jessica Kosmalla, Ben Becker, Claus Peter Seifert, Henry van Lyck u.a. - Regie: Gero Erhardt

Der Prokurist des Geschäftsmannes Ewald Potter wird in dessen Büro erschossen. Bald schon vermutet Derrick, dass es sich um eine Verwechslung des Opfers gehandelt haben muss, vor allem, als spätnachts ein Mordanschlag auf Potter verübt wird. Dessen Sohn verhält sich verdächtig, erhält aber von seinen Freunden ein Alibi. Trotzdem glaubt der Oberinspektor an eine Beteiligung der jungen Musiker, die mit Ewald Potter einen handfesten Krach hatten....

Nach einem spannenden Auftakt flacht die Handlung ab, sobald sie sich in die privaten Gefilde des Lokalbesitzers Potter begibt. Wieder einmal bekommen wir es nicht mit der 'goldenen', sondern mit der in Herbert Reineckers Anschauung 'verlorenen' Jugend zu tun. Christoph Eichhorn ist das Paradebeispiel für den am Leben verzweifelten, gescheiterten jungen Mann, dessen Eltern ihn nicht verstehen und der nur im Kreise gleichgesinnter rebel without a cause Verständnis findet. Um dies zu verstärken, kommt Eichhorn fast vollständig ohne Dialogsätze aus; Volker Lechtenbrink übernimmt für ihn das Reden, was er immer gerne tut. Selbst Derrick scheint langsam genug von diesen zickigen Jugendlichen zu haben, müde rasiert er sich im Büro und sein Gesicht drückt Erschöpfung aus. Im Gegensatz zum "Kommissar", wo junge Leute und ihre Refugien noch authentisch wirkten, bleiben Kosmalla, Becker und Eichhorn blass, geben leere Worthülsen ab und sehen gelangweilt in die Kamera. Derweil werten Derrick und Klein Gipsabgüsse von Fußabdrücken aus. Das Drehbuch wirkt wie eine Blaupause von Reineckers früheren, saftigeren Vorlagen für Kriminalfolgen. So löblich die Wahl eines neuen Tötungsmotivs auch ist, bleibt die Aufklärung des Falls uninteressant und ohne Widerhall beim Zuschauer.

Offensichtlich steckt die Serie in Box 11 in einer Krise, was nach hundertfünfzig Folgen verständlich ist. Nach den stürmischen Anfängen, in denen der Oberinspektor je nachdem, wer gerade auf dem Regie-Stuhl saß, entweder patzig oder süffisant sein durfte, sind (fast) alle Situationen durchgespielt. Routine macht sich breit und sorgt für eine statische Atmosphäre, in der es besonders darauf ankäme, dass Reinecker seinen Figuren Leben einhaucht. Die schönen Winterszenen, in denen Derrick zu Beginn von einem Sandler an den Bordsteinrand gedrängt wird (die private Welt des Oberinspektors wird immer rarer), lockern die Geschichte ein wenig auf, verhindern aber nicht, dass man die Folge nicht so bald wiedersehen möchte - zu langweilig bleibt sie unterm Strich trotz großer Namen wie Degen und von Friedl.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

25.05.2014 15:28
#684 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Zitat von Percy Lister im Beitrag #683
Selbst Derrick scheint langsam genug von diesen zickigen Jugendlichen zu haben, müde rasiert er sich im Büro und sein Gesicht drückt Erschöpfung aus. Im Gegensatz zum "Kommissar", wo junge Leute und ihre Refugien noch authentisch wirkten, bleiben Kosmalla, Becker und Eichhorn blass, geben leere Worthülsen ab und sehen gelangweilt in die Kamera. Derweil werten Derrick und Klein Gipsabgüsse von Fußabdrücken aus. Das Drehbuch wirkt wie eine Blaupause von Reineckers früheren, saftigeren Vorlagen für Kriminalfolgen.

Auch wenn ich eine solche pauschale "Früher war bei Reinecker alles besser"-Haltung nicht unterschreiben würde, dürfte der lustlose Ausdruck in Derricks Gesicht ein echtes Zeichen der Unzufriedenheit Horst Tapperts mit den Drehbüchern Reineckers sein. So ungefähr um diese Zeit herum legte der Hauptdarsteller doch hin und wieder einmal ein Veto gegen die überbordenden Moral- und (Un-)Sinndialoge ein. Eine von solchen Betrachtungen geprägte Episode hast du gleich als nächste noch vor dir; dann bessert sich das Sehgefühl ab Folge 156 wieder. Ich hoffe, du bleibst beharrlich bei der Sache.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

04.07.2014 21:03
#685 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

BEWERTET: "Nachtstreife" (Folge 155)
mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Hans Brenner, Witta Pohl, Frank Hoffmann, Ankie Beilke, Karin Thaler, Herbert Bötticher, Anton Diffring, Bernd Herberger, Monika Georg, Peter Weiss u.a. - Regie: Dietrich Haugk

Polizeiermittler Marx vom Rauschgiftdezernat arbeitet einen jungen Kollegen ein, der die Praxis kennenlernen soll und seine Kenntnisse bisher nur theoretisch erworben hat. Eine Unachtsamkeit bei der Observierung eines verdächtigen Autos kostet dem jungen Beamten das Leben, er wird von zwei Gangstern niedergeschossen. Marx gibt sich die Schuld am Tod des Mannes und schlägt die Ratschläge von Oberinspektor Derrick in den Wind. Er glaubt, den Mörder durch eine Hinhaltetaktik überführen zu können und übersieht dabei, dass er als Zeuge in Lebensgefahr schwebt. Bald schon gibt es einen Mordanschlag auf Marx' Familie....

Es ist immer problematisch, wenn ein Darsteller, der auf einen bestimmten Rollentyp festgelegt ist, plötzlich die Seiten wechselt. Hans Brenner steht für den kompromisslosen Einzelgänger, der sich seinen Weg zur Not auch freischießt und dessen Umgebung von Fusel und Zigarettenrauch durchtränkt ist. Die ersten Minuten der Folge muten deshalb genretypisch an: Brenner wieder einmal in einem zweifelhaften Lokal, weitab vom gesellschaftlichen Aufstieg. Im Prinzip ändert die Tatsache, dass Brenner diesmal auf der Seite des Rechts steht, wenig daran, dass er ein Underdog ist, der sich überall durchbeißen muss und dessen unberechenbare Emotionen jene Personen auf Trab halten, die sich freiwillig oder unfreiwillig mit ihm befassen. Ohnehin bevölkern die Chargen der Kriminalunterhaltung eine Episode, die wieder einmal die Unabkömmlichkeit von Oberinspektor Derrick zeigt, der selten eine Nacht durchschlafen kann und dessen ständige Verfügbarkeit für gescheiterte Kollegen, Augenzeugen oder potenzielle Opfer ihn weit mehr in Anspruch nimmt als es sein Beruf eigentlich vorsieht. Das Milieu, in dem die Folge spielt, wird beherrscht von einem Klima der Einschüchterung und der Abhängigkeit. Männern, denen man weder im Finstern noch bei Tageslicht begegnen möchte, bereichern den voraussehbaren Plot mit ihrer fragwürdigen Präsenz. Zeugen, die zunächst aus Angst schweigen, setzen nach einer Bedrohung ihres Lebens und eindringlicher Worte von Seiten des Oberinspektors alles auf eine Karte und liefern die Verbrecher ans Messer.

Witta Pohl als pragmatische Ehefrau von Brenner findet sich ebenso in einer selbst gewählten, sich später als unklug erweisenden Situation als Partnerin eines Gefahr anziehenden Mannes wieder wie Ankie Beilke. Die Familie als Ort der Zuflucht und Hort der Geborgenheit wird hier ebenso in Frage gestellt wie die Verlässlichkeit jahrelanger Berufserfahrung. Die überzeichnete Figur des Beamten Marx erreicht beim Zuseher jedoch nicht den Effekt einer verständnisvollen Anteilnahme, sondern sorgt für reichlich peinliche Momente. In Nebenrollen sehen wir Bernd Herberger in einer neuen Rolle als seriöser, aber noch nicht gefestigter Staatsdiener und Karin Thaler als nettes Mädchen ohne Reinecker-Komplexe.

Percy Lister Offline



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05.07.2014 15:54
#686 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

BEWERTET: "Koldaus letzte Reise" (Folge 156)
mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Peter Ehrlich, Liane Hielscher, Klaus Herm, Thomas Piper, Nicolas Lansky, Wim Roil u.a. - Regie: Franz Peter Wirth

Martin Koldaus erster Weg nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis, wo er zwanzig Jahre wegen Mordes gesessen hat, führt ihn in einen Biergarten, wo seine ehemalige Freundin Franziska als Kellnerin arbeitet. Sie ist inzwischen mit einem Mann verheiratet, der sich nicht nur regelmäßig betrinkt, sondern sie auch sonst schlecht behandelt. Nach einer gemeinsam verbrachten Nacht beschließt Franziska, ihren Mann zu verlassen, allerdings unter der Bedingung, dass Martin mit seinem alten Gewerbe endgültig Schluss macht. Er verspricht es, wird jedoch von seinem neuen Auftraggeber getötet. Was dieser nicht weiß: Franziska hat ihn gesehen und ist somit eine wichtige Zeugin für die Mordkommission....

Die Ansicht, dass ein Strafgefangener auch nach seiner Entlassung der Unterwelt zugeneigt bleibt und Gefahr läuft, erneut in krumme Geschäfte verwickelt zu werden, bestätigt sich bei Reinecker des öfteren. Alte Gewohnheiten wieder aufzunehmen und für schnelles Geld leicht empfänglich zu sein, gehören zu den Schwächen der ehemaligen Häftlinge. Peter Ehrlich kann durch sein abgebranntes Aussehen viel zu dem schalen Bild beitragen, das sich zu Beginn der Folge abspielt: Eine aufgewärmte Romanze, ein wenig schmuddelig und dennoch spießig, läutet eine Episode ein, die sich erneut mit dem Thema Zeugenschutz beschäftigt, bei dem die Betreffenden selbst dafür sorgen, dass sie in Gefahr geraten. Derrick predigt sich wieder einmal den Mund fusselig, aber gegen den Wunsch nach Sühne kommt er nicht an. Der Selbstjustizgedanken durchzieht viele der insgesamt 281 Folgen der Erfolgsserie und wird auf unterschiedliche Weise geäußert. Selten verlassen sich Hinterbliebene auf die Polizei, auch nicht, wenn sie so vertrauenserweckend aussieht wie unser Oberinspektor.

Klaus Herm steigt innerhalb der Serie kontinuierlich ab. Seine Schüchternheit hat er abgelegt; die Larmoyanz ist einer unhöflichen, ruppigen Aufsässigkeit gewichen. Liane Hielscher hält dem ihre anpackende, direkte Art entgegen, die der Oberinspektor mit gleichbleibender Freundlichkeit versieht. Sie ist die treibende Kraft der Episode, die sich insgesamt jedoch als mittelmäßig erweist. Dazu trägt auch das wenig geheimnisvolle Spiel um Thomas Piper bei, da eine echte Bedrohung im Hinterhalt bleibt.

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09.07.2014 20:47
#687 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

BEWERTET: "Nur Ärger mit dem Mann aus Rom" (Folge 157)
mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Sieghardt Rupp, Siegfried Rauch, Burkhard Driest, Uschi Buchfellner, Hans-Georg Panczak, Horst Sachtleben u.a. - Regie: Helmuth Ashley

Stephan und Harry sitzen bei einem gemütlichen Abendessen im Hotel, als Harry am Nebentisch einen gesuchten Mörder erkennt, der auf der internationalen Fahndungsliste steht. Arthur Dribald ist mit schwerem Einbruchsgerät aus Frankfurt gekommen und plant nun, bei einem renommierten Forschungsinstitut Geheimdokumente zu entwenden. Seine Auftraggeber sind von der präzisen Durchführung des Einbruchs überzeugt, zweifeln aber dennoch an seiner Zuverlässigkeit, da sie wissen, dass Dribald zwei Laster hat: Alkohol und Sexaffären. Hier liegt die Chance für die Polizei, Dribald aus seinem Versteck zu locken....

Die Besetzung der Rolle des Arthur Dribald mit Burkhard Driest ist in mehrfacher Hinsicht gelungen. Erstens erfüllt er durch Sprechweise und Aussehen alle Voraussetzungen, die ein dumpfer, leicht abzulenkender Beauftragter eines kriminellen Unternehmens mitbringen muss, zweitens weist seine Vita alle Punkte auf, die nicht nur die Figur Dribald schmierig und brutal wirken lässt, sondern auch den Schauspieler. Nach seinem Banküberfall Mitte der Sechziger Jahre wurde er im Februar 1980 in den USA vor Gericht gestellt, weil er eine Schauspielkollegin vergewaltigt hatte. Unter diesem Aspekt bekommen die Szenen mit der Nötigung des Gefängniswärters und dem in Wiederholungsschleife abgespielten Videoband der entführten Ehefrau des Beamten eine besonders beklemmende Note und zeigen, wie treffend manchen Darstellern ihre Rollen auf den Leib geschrieben werden. Durch den Einsatz der Herren Rupp und Rauch wird verhindert, dass der lange vorbereitete Plan aus dem Ruder läuft, beweist aber auch die These, dass viele Köche den Brei verderben und ein fehlerhaftes Glied in der Kette das Ganze aus der Fassung bringen kann. Die Arbeit der Polizei und die Handlungen der Täter verlaufen durch die perfekt choreografierten München-Aufnahmen in paralleler Eintracht und bringen vor allem in der ersten halben Stunde reichlich Tempo und Spannung mit sich. Durch die kluge Zusammenarbeit der Opfer mit dem Büro der Mordkommission erscheint die Geschichte nicht so ausweglos wie andere Drehbuchvorlagen, die sich des gleichen Themas annehmen. In besonders nachhaltiger Weise werden die Fehler betont, die Dribald macht und die nicht nur ihn der Polizei ausliefern, sondern auch einen seiner Auftraggeber. Die Episode zeigt, wie menschliche Beziehungen angreifbar machen (siehe Raimund Jakobs, der durch Bedrohung seiner Frau erpressbar wird) und unkontrollierte Emotionen (siehe Arthur Dribald, der sich an den Aufnahmen von Rita Jakobs aufgeilt) die Fähigkeit einschränken, Stolperfallen zu erkennen und zu vermeiden.

Die private Seite des eingespielten Paares Stephan und Harry hat dazu geführt, dass immer der eine den anderen auf Hinweise aufmerksam macht, die von beruflichem Interesse sind. Arbeit und Freizeit sind zu einer Einheit verschmolzen, bei der die Grenzen fließend sind. So passiert es dann eben, dass Derrick noch genussvoll seine Erdbeeren löffelt, während Harry schon einen zu verhaftenden Verbrecher im Visier hat. Diese gestörten Abende sind bereits ein running gag der Serie, wobei Harry mehr und mehr die Rolle eines (Ehe-)Partners einnimmt, der den anderen ungern mit anderen Personen bzw. Verpflichtungen teilt. Die Verlässlichkeit des Teams sorgt für eine intensive Ermittlungsarbeit, die den Fall in den absoluten Mittelpunkt stellt. War die Figur Harry Klein beim "Kommissar" noch darauf bedacht, an einem Samstag früher Feierabend zu machen, um in Schwabing auszugehen, so ist der Inspektor mittlerweile ständig für seinen Freund und Kollegen, den ihm übergeordneten Oberinspektor, zu erreichen.

Percy Lister Offline



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13.07.2014 14:43
#688 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

BEWERTET: "Mordfall Goos" (Folge 158)
mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Martin Held, Martin Benrath, Irene Clarin, Robert Atzorn, Will Danin, Liane Hielscher, Wega Jahnke, Beatrice Richter, Gernot Duda, Holger Petzold, Philipp Moog, Thomas Kylau, Mathias Eysen, Gundi Grand u.a. - Regie: Franz-Peter Wirth

Konsul Goos hat zwei Söhne, von denen er erwartet, dass sie die Familientradition fortführen und ein arbeitsreiches und distinguiertes Leben führen. Gregor ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und erfüllt alle Voraussetzungen des Vaters, Thomas hingegen hat sich die Sympathie des Patriarchen durch seine Ehe mit der ehemaligen Artistin Ingrid Malente verscherzt. Seine zweite Frau ist weitaus jünger als er und durch ihre Vergangenheit beim Zirkus für den Konsul nicht standesgemäß. Als sie als alleinige Erbin ihres Mannes in dessen Testament eingesetzt werden soll, wird sie während eines Ausritts mit ihrem Pferd angeschossen. Thomas vermutet einen Anschlag aus den Reihen der Familie, doch diese weist alle Anschuldigungen empört von sich. Da wird ein zweites Mal auf Ingrid geschossen....

Die Kombination von Altbewährtem und neuen Elementen sorgt für die Rückkehr zu einem neckisch-heiteren Umgang im Büro der Mordkommission und Ermittlungen in zwei unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, wobei nicht sofort klar ist, von welcher Seite eine stärkere Gefahr ausgeht. Mit der Verpflichtung von Martin Held setzt man auf die Disziplin, das Standesbewusstsein und den Gehorsam, den Familienoberhäupter bedeutender Traditionalisten von ihren Nachkommen erwarten. Konflikte ergeben sich zwangsläufig aus der Tatsache, dass zuweilen ein Mitglied einer solchen Dynastie aus der Reihe tanzt und sich durch eigenmächtiges Handeln innerhalb seiner Sippe unbeliebt macht. Martin Benrath obliegt die Aufgabe, den gebeutelten Mann zu spielen, der sich an seine Frau klammert und zwischen Hass und Verzweiflung schwebt. Der zynische Robert Atzorn, kalt wie ein Fisch, fügt sich perfekt in die Atmosphäre der großen Erwartungen, die er mit leichter Hand erfüllt. Die Parellelwelt trägt das Gesicht von Will Danin, der sinnigerweise auf den Namen Bruno hört und damit ein höchst verdächtiger Bursche ist. Philipp Moog als Vertretung für Berger bringt frischen Wind in die Serie und Fritz Wepper einmal mehr auf die Palme. Dieser duldet keine Rivalen neben sich, schon gar nicht, wenn es darum geht, besser auszusehen oder schneller auf Hinweise zu reagieren.

Die Spannung wird geschickt konstant gehalten, indem das Pulver nicht gleich zu Beginn verschossen wird, sondern sich die Ereignisse zuspitzen und in einem Finale kulminieren, das sowohl eine Überraschung, als auch eine Ernüchterung mit sich bringt. Die sehr klassische Geschichte weiß zu unterhalten, obwohl tausendmal erzählt, vermag sie doch durch die Stereotypisierung der Charaktere auf bekannte Strickmuster zurückzugreifen, die sich der Zuschauer nach so vielen Folgen der Serie erwartet.

Percy Lister Offline



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13.07.2014 15:09
#689 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

BEWERTET: "Fliegender Vogel" (Folge 159)
mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Dana Vavrova, Christiane Hörbiger, Claude Oliver Rudolph, Stefan Reck, Roswitha Schreiner u.a. - Regie: Wolfgang Becker

Die junge Bettina wird nach ein paar Monaten aus dem Gefängnis entlassen, wo sie wegen Hehlerei eine Haftstrafe verbüßte. Oberinspektor Derrick verhofft sich Hinweise auf ihren Komplizen Horst Wilke, dem das Mädchen hörig ist und für den sie bei vermögenden Männern Wertobjekte auskundschaftete. Bei einem Einbruch kam es zu einem Mord, den Wilke begangen hat, den man ihm bisher jedoch nicht nachweisen konnte. Derrick beschließt, Bettina bei einer befreundeten Ärztin und Psychologin unterzubringen, um sie aus der emotionalen Abhängigkeit zu Wilke zu befreien. Doch dieser lässt nicht locker....

Süchte jeder Art sind bei Herbert Reinecker ein beliebtes Thema. Der Mensch ist schwach und anfällig für Anreize und äußere Einflüsse, die ihn aus der Bahn werfen. Nicht immer geht es um die Klassiker Rauschgift und Alkohol, manchmal spielen auch subtilere Abhängigkeiten eine Rolle. Hörigkeit ist eine besonders teuflische Form der Vereinnahmung, da sie nicht sofort ersichtlich wird und man nicht stationär dagegen behandelt werden kann. Sie hat für den Betreffenden weitreichende Folgen, die von finanziellem Ruin über Prostitution bis hin zum Selbstmord alle Varianten einer Zerstörung annehmen kann. Dem Nutznießer juristisch beizukommen ist schwer, was Folge 159 zu einer heiklen Angelegenheit macht. Hier treten Gefühle zu Tage, die die Polizei zu Statisten werden lässt und denjenigen die Bühne überlässt, die ebenfalls Emotionen ins Spiel bringen: Christiane Hörbiger und Stefan Reck. Der Kampf um die weitgehend stumme Dana Vavrova, eine bekannte Charakterdarstellerin, wird verbissen, aber sympathisch geführt, wobei besonders die Geschwister Reck und Schreiner ein unbeschwertes Bild 'normaler' junger Leute zeigen. Wenn Bettina in diesem Umfeld leben würde, könnte man sie bald nicht mehr von ihnen unterscheiden und sie würde sich nahtlos einfügen, was prinzipiell ihre Labilität betont und auf mangelnde Eigenständigkeit hinweist. Natürlich hat sie es hier mit wohlmeinenden Menschen zu tun, aber der Schritt in die nächste vorgezeichnete Lebenslage ist bereits getan. Wieder einmal wird die Gefährdung der Frau als Spielball der Männer in den Mittelpunkt gestellt. Die Ausbeutung von Leib und Seele als Thema innerhalb der Reihe rückt Wolfgang Becker nachhaltig in den Fokus, wobei zwiespältige Reaktionen hervorgerufen werden. Dem Symbol des fliegenden Vogels als indirekter Hilferuf fehlt das eindringliche Aufbegehren gegen eine Situation, die Bettina zur Marionette von Wilke degradiert. Wolfgang Becker, der nicht für leise Töne, sondern Dynamik bekannt ist, verlagert den Konflikt deshalb auf die Familie der Ärztin und überlässt es Reck, sich zu wehren und aus der Lähmung auszubrechen.
Der Kontrast mit den Mitgliedern der Heilsarmee (in München?) wirkt unfreiwillig komisch, was daran liegt, dass Religion in einem kriminellen Umfeld stets durch unbeirrt an das Gute im Menschen glaubende Personen als fragwürdig weltfremd präsentiert wird. Nicht immer gleichen Sympathieträger wie der junge Geistliche in "Die Nächte des Kaplans" (Folge 273) diesen Konflikt aus.

Percy Lister Offline



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27.07.2014 20:46
#690 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

BEWERTET: "Mordträume" (Folge 160)
mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Mathieu Carriere, Constanze Engelbrecht, Karl Renar, Manfred Seipold, Jocelyne Boisseau, Uschi Ploner, Robert Jarczyk u.a. - Regie: Gero Erhardt

Beim Billardspiel erzählt der Polizeipsychologe Derrick von einem Fall, der ihm keine Ruhe lässt: Max Binder, ein Mann, dessen Frau bei einem Unfall mit Fahrerflucht getötet wurde, träumt jede Nacht davon, Menschen zu töten. Er zieht mit dem Augenzeugen des Autounfalls von Lokal zu Lokal, um die Fahrerin ausfindig zu machen und sie zu bestrafen. Der Oberinspektor wittert Mord und schaltet sich in die Ermittlungen ein. Ganz offensichtlich verspricht sich der Radfahrer von seiner Funktion als Zeuge Vorteile und genießt es, sich aushalten zu lassen. Er scheint dabei eigene Pläne zu verfolgen, die es der Polizei noch schwerer machen, die angekündigte Sühnetat zu verhindern....

Nachdem viele Motive und Handlungsstränge in fast einhundertsechzig Folgen bereits behandelt wurden, präsentiert "Mordträume" überraschend einen Plot, der erfrischend neu anmutet, da er einerseits auf ein in der Zukunft (und in der Phantasie des potenziellen Mörders) spielendes Verbrechen hinarbeitet und andererseits einen Verkehrsunfall zum Auslöser macht, dass Oberinspektor Derrick von der Mordkommission sich mit der Sache beschäftigt. Mathieu Carriere bringt die Hartnäckigkeit eines Bluthundes mit, der seiner Fährte unablässig folgt und dabei nicht nur unerbittlich gegen alle in Frage kommenden Personen, sondern auch gegen die eigene Familie ist. Karl Renar gibt den Schmarotzer, der sich am gefüllten Honigtopf gütlich tut und für den die Jagd durch Münchens Nachtleben ewig so weitergehen könnte. Kann man Carrieres Handlungen großzügig betrachtet noch als Ausdruck seines Schmerzes über den Verlust der geliebten Frau verbuchen, so bewegen Renar eindeutig selbstsüchtige Motive. Die Sorge, es könne etwas Fürchterliches passieren, verlagert sich von der Aggression Carrieres zu der stillen Gleichmütigkeit Renars, der unter dem Deckmantel der Rache Niederträchtiges vorhat. Constanze Engelbrecht wird in den Augen der beiden Männer entmenschlicht und zu einer Zielscheibe der Vernichtung gemacht. Dabei zeigt die Frau in ihren wenigen Szenen, wie sie die Unfallnacht seelisch verfolgt und widerlegt damit die These Carrieres von der kaltblütigen Mörderin auf vier Rädern. Zwischendurch sorgt die Einblendung der Bilder der sanften Französin Boisseau, wie zerbrechlich das Glück ist und dass es keine Garantie auf Beständigkeit gibt. Im Gegensatz zu den abstoßenden Bildern eines wütenden Carriere und eines anmaßenden Renar stehen neue Einblicke in die Freundschaft von Stephan und Harry, die stets auch in privaten Momenten mit bereits geschehenen oder geplanten Verbrechen in Berührung kommen. Ihre Meinungsverschiedenheiten sorgen für die dringend benötigte Auflockerung der Anspannung, die allein von Carrieres verbissenem Gesichtsausdruck ausgeht. Das Finale ist ein wenig peinlich und nicht recht glaubwürdig, aber wohl den Erwartungen des Publikums geschuldet. Ein, zwei Sätze von Derrick hätten der Situation hier gutgetan.

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