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Dieses Thema hat 976 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Blap Offline




Beiträge: 1.128

27.02.2012 16:40
#301 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

IMHO ist die putzige Helga hier (fast) nicht austauschbar. Sicher könnte jede halbwegs begabte und attraktive Frau diesen Part übernehmen, doch kaum einer Darstellerin traue ich diesen herrlichen Mix aus Unschuld und Saustück zu. Wenn nicht Helga Anders, dann die göttliche Lina Romay! Meine persönliche Sicht auf die Folge ist eben Anders, betrachtet durch die gierigen Augen eines sexualisierten Greises.

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Vom Ursprung her verdorben

Prisma Offline




Beiträge: 7.574

27.02.2012 16:43
#302 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Mit einer Besetzung von Lina Romay hätte wohl auch Jess Franco Regie führen müssen. Ich habe nach dem Beitrag auch überlegt und mir fielen höchstens Mascha Gonska oder Andrea Rau ein ... allerhöchstens.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

27.02.2012 18:41
#303 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Jesus meets Derrick. Der Teufel kam aus München. Eine herrliche Vorstellung!

Andrea Rau, Mascha Gonska... Hm, naja... Zumindest halbwegs vorstellbar.

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Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

28.02.2012 01:17
#304 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #300
Sehr interessanter Beitrag, @Gubanov! Bei "Kaffee mit Beate" hat man es mit einer derartig starken Episode zu tun, dass man leichte Ansätze von Kritik obligatorisch ausblendet, gerade bei den Schauspielern. Allerdings sehe ich persönlich keine Willkür-Besetzung oder eine beliebige Austauschbarkeit bei Helga Anders. Wen hättest Du Dir denn alternativ vorstellen können?

Danke. Was die Besetzung angeht, so bin ich mit den Ringelmann-Mädchen nicht allzu firm, daher keine lange Vorschlagsliste von mir. Die einfachste Variante wäre, die Schauspielerinnen von Beate und Helga zu tauschen. Würde wahrscheinlich für mich genauso funktionieren. Und wenn Mascha Gonska genannt wird, sollte auch Kristina Nel nicht unerwähnt bleiben. Eigentlich wollte ich aber auch gar keine Umbesetzungsdiskussion anheizen (nötig ist sie ja schließlich nicht wirklich), sondern nur hervorheben, dass bei mir eher andere Schauspieler "den Funken haben überspringen lassen", was aber zuvorderst der Anlage der Rollen geschuldet ist.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

04.03.2012 13:24
#305 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

BEWERTET: "Solo für Margarete" (Folge 47)
mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Horst Buchholz, Lisa Kreuzer, Jacques Breuer, Susanne Beck, Siegurd Fitzek, Elisabeth Neumann Viertel, Karl Heinz Peters, Andreas Seyferth, Wulf Kessler, Willy Schäfer u.a. - Regie: Michael Braun

Nachts auf einer Münchner Ausfahrtsstraße. Drei Männer laden in der Nähe einer Brücke einen schweren Gegenstand ab und fliehen dann vor einer Polizeistreife, mit der sie sich eine wilde Verfolgungsjagd liefern. Trotz Warnschüssen kann der Wagen nicht gestoppt werden. Kurz darauf wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie ist mit einem Messerstich ins Herz getötet worden. Bald darauf stellt sich heraus: Margarete Wenk, eine Grafikstudentin, wohnte zur Untermiete und verehrte den Gitarristen Alexis. Hat er etwas mit ihrem Tod zu tun? Kann der Mörder in seinem Umfeld gefunden werden?

Die 47. Folge der Reihe "Derrick" weist einige Parallelen zu "Tod eines Fans" auf. Es scheint, als habe Michael Braun die Grundstory ausreizen und vertiefen wollen, indem er den Kontext durch die Schattenseiten der Branche plakativer gestaltete. Horst Buchholz wirkt mit seinen 45 Jahren als Gitarrist einer Rockgruppe zunächst ein wenig befremdlich - Rolling Stones hin oder her - und lässt an den alternden Elvis Presley denken, der sicher vor allem aufgrund seiner Drogenprobleme als Vorbild diente. Lisa Kreuzer ist eigentlich ebenfalls zu alt, um einen Plattenstar anzuhimmeln und zudem nicht der Typ dafür. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass der "Bruder" Jacques Breuer 23 Jahre jünger ist als Horst Buchholz, dann runzelt man schon mal kritisch die Stirn. Lässt man jedoch all diese Zeitfaktoren außer Acht, so erlebt man ein Ensemble, das sich gewissenhaft mit seinen Rollen auseinander gesetzt hat und -gerade im Fall von Buchholz- alles gibt, um Glaubwürdigkeit zu vermitteln.
Ein Wiedersehen gibt es auch mit Susanne Beck (geb. 1947). Die Hamburgerin spielte in "Yellow He" die titelgebende Hauptrolle und ist seitdem der Schrecken jeder vornehmen Gesellschaft. Hier hält sie sich ein wenig zurück und darf im Finale gar eine entscheidende Aussage machen. Aus der dumpfen Musikertruppe ragt allenfalls Andreas Seyferth heraus, der mit seiner toupierten Schmalztolle geradezu verwegen wirkt. Die Folge legt ordentlich Tempo vor und zeigt eine härtere Gangart, die sich in brachialer Gewalt entlädt. Die Täter bleiben deshalb nicht lange im Dunkeln, nur das Motiv erschließt sich dem Zuseher nicht gleich. Dafür darf Stephan Derrick seinen Mitarbeiter Harry Klein diesmal ungeniert an die Wand drängen. Zunächst sarkastisch, mit Taschenspielertricks und körperlicher Präsenz Bedrohung aufbauend, nähert er sich dem Objekt des Interesses: Alexis. Umso verwunderlicher erscheint, dass er von einer "tiefen Liebe" zwischen dem heroinsüchtigen Musiker und der Grafikstudentin spricht und am Ende gar wohlwollend eine sich anbahnende Zuneigung zwischen Alexis und Ursula fördert. So viel Blauäugigkeit passt nicht zu dem sachlichen Ermittler, der doch aus seiner langjährigen Berufserfahrung um die zerstörerischen Elemente einer solchen Beziehung weiß. "Seien Sie nicht so naiv, Herr Derrick!"
Die Szene, die dem Mord vorangeht und in einer raffiniert ausgeleuchteten Rückblende gezeigt wird, erinnert an den "Grauroten Morgen" aus "Der Kommissar", wobei sie in ihrer Dramatik schon wieder unfreiwillig komisch wirkt. Am Spiel der drei maßgebenden Akteure Buchholz/Kreuzer/Breuer ist nichts auszusetzen. Der klare Blick von Breuer, dessen Gesicht in seiner Intensität leuchtet; das verhaltene Lauern der seriösen Kreuzer und die dunklen Abgründe, die in Buchholz schlummern und jederzeit nach oben gelangen können, ergeben eine interessante Episode, die jederzeit aus dem Ruder laufen könnte. Bevor die Sause jedoch überschwappt, greift Commander Michael Braun ein. Oder, um es an seinen Erfolg "Raumpatrouille Orion" anzulehnen: Man kann der Supernova ausweichen und sich nach Genuss der Episode in die Kälteschlafkammern zurückziehen.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

04.03.2012 13:26
#306 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 8 (Folgen 106-120)

Folge 115 - Ein Spiel mit dem Tod (Deutschland 1984)

Wer tötete Georg Hossner? Bruder Holzbein oder der Muschimann?

Martin Kussloff (Rudolf Wessely) ist ein Einbrecher alter Schule, mit handwerklichem Geschick verschafft er sich Zugang zu noblen Anwesen, öffnet Tresore ohne grössere Mühe. Bei seinem letzten Einbruch springt jedoch plötzlich die Alarmanlage des Hauses an, Kussloff verlässt überstürzt das Gelände und kann mit seinem PKW flüchten. Am nächsten Tag liest der Gauner in der Zeitung einen erschreckenden Bericht. In dem Haus in das er in der Nacht eingestiegen ist, wurde offenbar ein Mord verübt, es wird vermutet ein Einbrecher habe den Hausherrn Georg Hossner erschossen. Glaubwürdig versichtert Kussloff seiner Tochter Lena (Verena Peter) nichts mit dem Mord am Hut zu haben, seine Tochter glaubt ihm, schliesslich wurde ihr Vater bei seinen Raubzügen noch nie gewalttätig, besitzt keine Schusswaffe. Derrick stösst bei der Rekonstuktion des Tathergangs auf Widersprüche, die Befragung der anderen Haubewohner bringt allerdings keine brauchbaren Erkenntnisse. Die Witwe Agnes Hossner (Kristina Nel) wirkt überspannt, Ulrich (Wolf Roth), der Bruder des Opfers, lebt in den Tag hinein. Im Gartenhaus wohnt der Angestellte Herr Muschmann (Edwin Noel), welcher ein enger Mitarbeiter des Ermordeten war. Derweil will Lena ihren Vater zu einem Geständnis drängen, damit zumindest der Mordverdacht aus der Welt geschafft werden kann. In ihrer Verzweiflung sucht die junge Frau Derrick und Klein auf, in der Wohnung des Verdächtigen finden die Beamten die Leiche Martin Kussloffs, der Einbrecher wurde mit einem gezielten Stich ins Herz getötet...

Rudolf Wessely als Einbrecher mit Anstand, keine Gewalt, kein Vandalismus. Freilich ein Klischee (na und?), "gute" Einbrecher und Panzerknacker gibt es nicht, fragt die Opfer ihrer Taten. Wessely zeigt den Ganoven glaubwürdig als gebrochenen Charakter, gewissermaßen süchtig nach seinem Job, nicht dazu in der Lage seine handwerklichen Fähigkeiten legal zum Einsatz zu bringen. Verena Peter redet ihrem Vater ins Gewissen, stellt die besorgte und überforderte Tochter sehr sympathisch dar, abseits von Gezeter und hysterischen Keifereien. Kristina Nel bleibt schwammig, eine hohle Hülse. Über den von Wolf Roth gespielten Ulrich Hossner erfahren wir vor allem das er eine Beinprothese trägt und keiner Arbeit nachgeht. Wie seine Schwägerin eine seltsam leere Person, daran ändert auch ein (wenig überraschendes) Liebesgeständnis nichts (naja, ganz so dünn bleibt das Brett nicht, Ansätze von Arroganz und Verletzlichkeit werden später auf das Charakterskelett modelliert). Ähnliches gilt für Edwin Noel, wobei sein Herr Muschmann sogar noch glatter durchs Szenario flutscht. Uwe Dallmeier sehen wir als Wirt einer zwielichtigen Kneipe, eine sehr starke Vorstellung, knarzig und kernig, letztlich mit Gespür für Recht und Unrecht. Volker Bogdan macht uns in einer kleinen Nebenrolle den Mann für die groben Arbeiten. Übrigens sehen wir endlich wieder eine Frau an Derricks Seite, dargestellt von der attraktiven Margot Medicus.

"Ein Spiel mit dem Tod" kann zwar lediglich einen mittelprächtig konstruierten Kriminallfall aufbieten, aber das "Drumherum" sorgt für eine knappe Stunde herrlicher Unterhaltung. Horst Tappert zeigt einmal mehr seine Klasse, als väterlicher Beschützer, Schreck der kleinen und grossen Gauner, aufmerksamer Ermittler und kultivierter Liebhaber. Der Blick ins Privatleben des Oberinspektors bindet den Zuschauer noch enger an den liebenswerten Charakter, die gemeinsamen Szenen mit Margot Medicus werden stets von beruflichen Pflichten eingeholt, was zu humorigen und nahezu tragisch-romantischen Momenten führt. Natürlich darf eine Prise Chauvi nicht fehlen: "Für die meisten Männer ist der Beruf ein Teil ihres Lebens". Tappert haut einige Knüller raus, auch abseits der Chauviebene, grandios! Die Folge startet mit dem detailreich inszenierten Einbruch, sofort ziehen Spanung und Atmosphäre den Betrachter in ihren Bann. Nach der Vorstellung der Bewohner des Einbruchhauses rätseln wir bereits wer seine Hände in diesem Spiel in Blut getaucht hat, in diese Gedankengänge hagelt der Mord am "freundlichen" Einbrecher, das tragische Ende einer gescheiterten Existenz (fünf Taler ins Phrasenschwein). Regisseur Theodor Grädler kann sich auf die Qualität seiner Schauspieler verlassen, die das durchschnittliche Drehbuch (bezogen auf die Story, die Dialoge sind sehr stark) durch ihre Präsenz in den Hintergrund drängen. Es macht einfach jede Menge Spass Derrick und Klein bei ihrer Arbeit zu beobachten, Vollsuhle für den Fan! Frank Duval liefert gute Arbeit ab, kein nervenaufreibendes Geplärre wie in "Keine schöne Fahrt nach Rom" (114).

7,5/10 (gut bis sehr gut)

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Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

04.03.2012 13:30
#307 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



Derrick: Solo für Margarete

Episode 47 der TV-Kriminalserie, BRD 1978. Regie: Michael Braun. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Horst Buchholz (Alexis), Susanne Beck (Celia), Lisa Kreuzer (Margarete / Ursula), Jacques Breuer (Ruff), Elisabeth Neumann-Viertel (Frau Ellweg), Siegurd Fitzek (Liebs), Karl-Heinz Peters (Arzt), Wulf Kessler (Polizist) u.a. Erstsendung: 4. August 1978, ZDF.

Zitat von Derrick: Solo für Margarete
Unter einer Brücke findet man die Leiche eines Mädchens. Drei Männer haben sie abgelegt und sind dann in einem Opel geflüchtet. Einer Verfolgungsjagd mit einem Streifenwagen konnten sie trotz Karambolage entkommen – und so liegt es nun an Derrick, den Fall zu klären. Erste Hinweise führen ihn in einen Klub, in dem die Rockband um den Gitarristen Alexis auftritt.


„Es ist beinahe unfassbar, wie schlecht manche Reinecker-Drehbücher sind“, schreibt Jan und trifft damit des Pudels Kern. Wie Reinecker auf die Idee kam, dass eine so dünne und ereignisarme Geschichte eine einstündige TV-Folge tragen könne, ist mir ein einziges Rätsel: Mit dem anfänglichen Autorennen soll wohl ein Funken Bewegung in die sonst so träge Folge kommen, vergessen wird dabei allerdings, wie dumm sich die Täter anstellen, wenn sie sich mit ihrer Fahrweise ganz von selbst bei einem vorüberfahrenden Streifenwagen verdächtigen. Die „gestellten Spuren“ reißen an diesem Punkt aber nicht ab: Es wohl darauf anlegend, gefasst zu werden, dringen die bösen Buben in die Wohnung des Mordopfers ein und rauben – jawohl – ein Plakat (!). Das ist nicht nur inkonsequent (auch Derrick wundert sich über die zugehörigen Schallplatten: „Weiß der Teufel, warum sie die hiergelassen haben“) – natürlich merkt die Vermieterin auch gleich, was fehlt. Voilà – da ist die Verbindung zwischen Margarete und Alexis!

Sobald die Band in den Fokus gerät – ihre Mitglieder vom unschuldigen ZDF-Team hergerichtet wie ein Spektrum von Fünfzigerjahre-Rockabilly bis Brotherhood of Man –, schläft der Drive der Geschichte dann völlig ein, unterstützt von der wenig rockigen, eher trancehaften Musik von Klaus Doldinger, der mit seinen Klängen wohl weder Geldbeutel noch Geschmack der Produktion traf (nur eine weitere Folge: „Der Untermieter“, 1981). Horst Buchholz erhält den größten Fokus, dreht auch mustergültig durch, darf spontan heulen, schreien, zusammenbrechen, Augen aufreißen – das übliche Programm der Reinecker-Emotionen eben. Interessanter fiel für meinen Geschmack schon der Auftritt seines Filmbruders Jacques Breuer aus, der einerseits unbeholfen jungenhaft herüberkommt und es andererseits doch faustdick hinter den Ohren hat. Schon in seinem ersten Gespräch mit Derrick stellt er fest, wie wenig dieser doch vom Geschäft verstehe, und als Schlussakkord darf man gar vermuten, dass er für die Rauschgiftversorgung der gesamten Gruppe verantwortlich ist.

Die Abhandlung des schwierigen Drogen-Themas gerät nicht über das übliche Maß an Plattitüden hinaus, Derrick hält sich aber vornehm von moralischen Wertungen fern. Er brauche lediglich Informationen, um sich ein Bild der Beteiligten zu machen, belehrt und schwärzt aber niemanden an. Auch abseits der Moralfrage überzeugt seine Leistung ganz besonders. Allein wie Tappert ein einfaches „Ja“ oder „Nein“ so interpretieren kann, dass es perfekt zum Charakter des Oberinspektors passt, hebt mein Vergnügen an „Solo für Margarete“.

Ein Kracher, ein Totalaussetzer – gemischte Bilanz bisher für Edition 4! Dass das „Solo“ nicht funktioniert, liegt hauptsächlich an Reineckers schwachem Script mit lascher Story und exaltierten und doch höchstens scherenschnittartigen Charakteren. Zum Unglück der Doppel-Besetzungen habe ich mich schon bei „Johanna“ geäußert, dieser Kritikpunkt bleibt natürlich auch bei Lisa Kreuzer erhalten. Immerhin – eine Versöhnung soll zum Abschluss ja nicht fehlen – darf Susanne Beck sich trotz ähnlicher Rolle überlegter und vernünftiger äußern als noch unter Herrn Brynych. 2 von 5 Punkten.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

04.03.2012 23:34
#308 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 8 (Folgen 106-120)

Folge 116 - Ein Mörder zu wenig (Deutschland 1984)

Gier ist auch (k)eine Lösung

Walter Kramer (Wolfgang Wahl) überredet seinen Freund und Arbeitskollegen Alois Bracht (Dirk Dautzenberg) einen Lottoschein auszufüllen. Kramer soll den Wisch für Bracht abgeben, Bracht vergisst jedoch seinen Namen auf dem Tippschein einzutragen. Als Kramer seine von ihm getrennt lebende Frau Marianne (Karin Baal) aufsucht, schickt er den gemeinsamem Sohn Holger (Andreas Voss) zur Lotto-Annahmestelle. Da auf einem Tippschein die Daten des Spielers fehlen, trägt der Junge ohne böse Absicht Name und Anschrift seines Vaters im Adressfeld ein. Als Alois Bracht wenige Tage später in die Zeitung schaut, traut er zunächst kaum seinen Augen, seine Zahlen wurden tatsächlich gezogen! Es gibt keinen Zweifel, denn er tippte sein eigenes Geburtsdatum und das seiner verstorbenen Frau. In freudiger Erregung berichtet er seinem Stiefsohn Alfons (Volker Eckstein) von dem bevorstehenden Geldsegen. Längst hat Walter Kramer den Volltreffer ebenfalls festgestellt, eiskalt lässt er den aufgeregten Alois abblitzen, schliesslich stehe Brachts Name nicht auf dem Los, ergo kein Gewinn. Nachdem weitere Tage verstrichen sind, fällt dem Arbeitgeber Kramers dessen unentschuldigtes Fehlen unangehm auf. Die verständigte Ehefrau des Vermissten sucht widerwillig dessen Wohnung auf, dort findet sie die Leiche ihres Gatten vor. Bei der ersten Durchsuchung der Räumlichkeiten fällt Derrick die Gewinnbenachrichtung der Lottogesellschaft in die Hände. Eineinhalb Millionen Mark sind ein verdammt starkes Mordmotiv!

Da ist er wieder, der knuffige Grummler Dirk Dautzenberg. Vor Freude fährt er mit seinem Rad fast in ein Auto, alles kein Problem, die Begeisterung über den unverhofften Reichtum verdrängt alle Sorgen. Dautzenberg meistert das Umschalten von freudiger Erregung zu schäumender Wut souverän, gleiches gilt für die drauf folgende Depression. Ganz anders (aber nicht weniger stark) Wolfgang Wahl, der nicht eine Sekunde daran denkt seinem "Freund" den Gewinn zu überlassen, den Zaster zumindest zu teilen. Geradezu vor Gier geifernd und lechzend verteidigt er seine Ansprüche, jahrelange Verbundenheit ist plötzlich nichts mehr wert. Karin Baal hat eine interessante Rolle erwischt. Zunächst mutet sie durchschnittlich, regelrecht unscheinbar an. Fassade? Tarnung? Ein Wandel der nach dem Gewinn einsetzt? Oder entfesselt der Gewinn lediglich bisher schlummernde "Talente"? Volker Eckstein wird gern als "Psychobübchen" besetzt, diesmal bleibt er jedoch erstaunlich bodenständig, normal und beherrscht. Hans Brenner schleicht als neugieriger Schleimbeutel umher, nervt seinen Nachbarn Kramer mit aufdringlicher, unangenehmer Indiskretion.

Was macht Geld mit Menschen? Wird der brave Bürger ohne Vorwarnung zur Bestie? Ein Sechser im Lotto, der grosse Traum eines Volkes, hier als Trip in die Hölle der Verdorbenheit angelegt. Alte Freunde werden über Nacht zu Feinden, zu lästigen Insekten. Was will uns der Autor damit sagen? Gebt dem Pöbel nicht zu viel Kohle in die Hand? Naja, ich möchte Herbert Reinecker keine fiesen Absichten unterstellen. Der Titel "Ein Mörder zu wenig" könnte nicht treffender gewählt sein, akute Spoilergefahr verbietet mir weitere Äußerungen dazu. Da sich das Drehbuch und Regisseur Alfred Vohrer Zeit zur Vorstellung der wichtigen Figuren nehmen, fällt es dem Zuschauer nicht schwer deren Gedankengänge und Triebfedern zu erkennen. So kommt die Auflösung kaum als grosse Überraschung daher, versetzt dennoch einen kleinen Stich, löst vielleicht gar Gefühle zwischen sadistischer Schadenfreunde und eiskaltem Entsetzen aus, manchmal kommt das Böse eben doch davon, sogar wenn der Ermittlungsbeamte den klangvollen Namen Stephan Derrick trägt (oder...? Überprüft es auf eigene Faust!). Bereits mehrfach beklagte ich den fehlenden Popanz in den späten Arbeiten des von mir sehr geschätzen Alfred Vohrer. Erneut bleibt Vohrer in dieser Disziplin zurückhaltend, lässt zum Ausklang der Handlung ganz kurz einen kleinen Saubratz von der Leine. Schaut genau hin, Derrick muss seine Sklaven nicht ansprechen, ein Fingerschnippen genügt und der Abschaum wird abgeführt. So funktionert die moderne Führung von Mitarbeitern.

7/10 (gut)

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Vom Ursprung her verdorben

Gubanov ( gelöscht )
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05.03.2012 16:37
#309 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



Derrick: Lissas Vater

Episode 48 der TV-Kriminalserie, BRD 1978. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Ullrich Haupt (Georg Hassler), Christine Wodetzky (Elsa Hassler), Heinz Bennent (Ludwig Heimer), Anne Bennent (Lissa), Bruno Hübner (Herr Zubringer), Dieter Prochnow, Thomas Astan, Helen Vita u.a. Erstsendung: 25. August 1978, ZDF.

Zitat von Derrick: Lissas Vater
„Ich werde euch alle umbringen!“ – Mit dieser Drohung versetzt Ludwig Heimer seine geschiedene Frau, deren neuen Ehemann und seine Tochter Lissa in Angst. Nicht lang darauf fallen wirklich Schüsse vor dem Haus von Georg und Elsa Hassler – getötet wird aber, anscheinend durch einen Irrtum, ein Mitarbeiter von Herrn Hassler. Jeder ist sich nun sicher, wer der Täter sein muss – doch warum verhält sich Lissa so merkwürdig?


Die Besprechung enthält Spoiler.

Manchmal wirkt es sich gar nicht nachteilig auf die Handlung aus, wenn man trotz Whodunnit-Struktur eigentlich schon ganz genau weiß, wer der Mörder ist. So ging es mir nämlich – da decken sich meine Eindrücke mit denen fast aller anderer Rezensenten – gestern auch: Zu eindeutig sind die Verdachtsmomente gegen Heimer, nie im Leben kann es sich bei ihm um den wahrhaft Schuldigen handeln. Trotzdem surrt die Folge „Lissas Vater“ nur so vor Spannung – und das beginnt schon vor dem Mord. Urgestein Alfred Vohrer gelingt es mit einigen wenigen Worten, Gesten und Handgriffen, jedes Fenster (und davon gibt es im Umfeld der Familie Hassler genügend) zur potenziellen Gefahrenquelle zu stilisieren und mittels bebender Musik von Frank Duval Ängste vor dem heraufzubeschwören, was sich hinter Vorhängen oder im Dunkel der Nacht verstecken möge.

Nachdem die Schüsse gefallen sind, hält sich das Niveau der Anspannung, das nun auf das Mädchen Lissa übergeht, die von Anne Bennent fast stumm und dennoch ungemein ausdrucksstark angelegt wird. Die damals 15-Jährige bietet eine angenehme Alternative zu den üblichen Reinecker-Töchtern, die zumeist mindestens drei Jahre älter und damit für den männlichen Zuschauer hochoffiziell „beachtenswert“ ausfallen. Anne Bennent kommt auch ohne dieses Attribut gut zurecht und überflügelt in puncto Nachhaltigkeit sogar ihren Vater Heinz, der hier die Rolle des abgewiesenen ersten Ehemanns spielt. Er hat seine starken Momente vor allem zu Anfang – im Zwiegespräch mit Derrick merkt man dann zu eindeutig, in welche Richtung die Fahnen zeigen.

Bleiben Christine Wodetzky – eindringlich und glaubhaft, aber nicht unbedingt liebenswert – und Ullrich Haupt. Haupt, der zu meinen Derrick-Lieblingsgaststars zählt, legt seine Rolle fast schon ein wenig überspitzt an: Vor allem die Art, zu sprechen, wenn sein Georg Hassler aufgeregt ist, tönt manchmal etwas zu theatralisch, zu hölzern. Für den Part an sich hätte man allerdings wahrscheinlich kaum einen besseren Mimen finden können, was nicht zuletzt das Bild beweist, über dem der Abspann läuft.

Reinecker, dem nachgesagt wird, seine Drehbücher würden graduell an Qualität verlieren, liefert ein Script, das – wie schon angemerkt – den einigermaßen erfahrenen Zuschauer kaum hinters Licht führen kann, trotzdem aber mit einigen netten Einfällen überzeugt. So wird auf kleine Hinweise wie das offene Fenster im Kinderzimmer zunächst nicht eingegangen, was jedem die Möglichkeit gibt, selbst Kombinationen anzustellen und den Charakteren immer einen Schritt voraus zu sein. Auch der Nebenplot mit dem Taxiunternehmen wird früh angekündigt und erst später aufgerollt, bis sich am Ende Stück an Stück fügt. Man denkt noch einmal zurück und stellt erst jetzt fest, dass gerade die Szene im Auto, die oben abgebildet ist, zu den Schlüsselmomenten der Folge zählt, weil Lissa hier mit dem Mörder das einzige Mal völlig allein ist. Auf wessen Initiative hingegen der wunderbare Moment zurückgeht, in dem Lissa schutzsuchend Derrick umarmt und dieser, unerfahren in solchen Dingen, absolut irritiert und überfordert dreinschaut, kann wohl nicht mehr geklärt werden.

Neben einem erinnerungswürdigen Cast und der schicken Villa in Grünwald überzeugt „Lissas Vater“ vor allem durch die routinierte Regie von Alfred Vohrer. Statt buntem Schabernack braut er einen ernstzunehmenden Thriller, dem aber auch kriminalistische Indizien und gute Momente für Stephan und Harry nicht abgehen. 4,5 von 5 Punkten.

Prisma Offline




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05.03.2012 16:50
#310 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



STIFTUNGSFEST (Folge 3)

mit Horst Tappert, Fritz Wepper
Gäste: Siegfried Lowitz, Andrea Rau, Bruno Dietrich, Herbert Fleischmann, Ulrich Haupt, Claudia Butenuth u.a.




Bereits innerhalb von gerade einmal drei Folgen stellte man bei "Derrick" die unterschiedlichsten Motive und Facetten des Verbrechens vor: pathologische Sexualdelikte, Mord aus Berechnung und Kalkül und in "Stiftungsfest" schließlich Totschlag in einer überaus alltagstauglichen Situation mit einer fatalen Kettenreaktion. Die Stärke der Folge zeigt sich nicht zuletzt anhand der Tatsache, dass diese Situation (abgesehen von einem Todesfall natürlich) Jedem vielleicht ein wenig bekannt vorkommt und deswegen einen hohen Alltagstransfer widerspiegelt. Es wird sehr gut dargestellt, wie die allgegenwärtige Ausgelassenheit und Freude, plötzlich das Gesicht des schlimmsten Alptraums bekommt, wie aus langjährigen Freunden Gegner und sogar Feinde werden, wie das Leben innerhalb einer Minute nicht nur für das Opfer, sondern auch für den Täter vorbei sein kann. Verfeinert wurde das Ganze schließlich mal wieder mit einer Besetzung der A-Kategorie.

Die Tragödie nach Zufalls- oder Schicksalsprinzip spielt sich in einem abgelegenen, bürgerlichen Gasthof, vor unscheinbarer winterlicher Kulisse ab, was könnte dort schon außergewöhnliches passieren? Die Sangeskollegen haben mit ihren Familien und Freunden einen unbeschwerten, heiteren Abend geplant, die Bier- und Schnapslaune transportiert Ausgelassenheit, alle Sorgen und Probleme wurden an der Garderobe abgegeben. Es wird gealbert, gesungen, getanzt und vor allem getrunken, es verspricht eine unvergessliche Nacht zu werden, was sich auch bewahrheiten wird, doch leider in einer fatalen Umkehrreaktion. Siegfried Lowitz als August Bark steht ganz im Mittelpunkt dieser Folge, wo er nur kann, heizt er die Stimmung dynamisch an, man bekommt den Eindruck, dass sich nicht nur er an diesem Abend gut 25 Jahre jünger fühlt, sondern auch einige seiner Freunde. Für den Höhepunkt der Feierlaune sorgt schließlich die reizende Andrea Rau mit ihrem Tanz auf dem Vulkan bis die Luft brennt. Ihre Irene, die mit Barks Sohn liiert ist, erweist sich als perfekte Projektionsfläche bei den anwesenden Herren, für die hemmungslos freigelassenen Fantasien, die sich mittlerweile bis unter die Decke stapeln. Andrea Rau vereint das Bild der Heiligen, der Unschuldigen und der Verführerin und des Objekts wie keine Zweite, ihre Attraktivität und ihre Unbekümmertheit lassen Bark für einen kurzen Moment zu viel den Verstand verlieren, die Nacht findet ihr entsetzliches Ende mit einer Toten. Fortan sieht man die Stimmung in einem anderen Extremum, Siegfried Lowitz spielt bemerkenswert auf. Bark verliert an Haltung, trotzdem sucht er verzweifelt nach Mitteln und Wegen, um sich aus diesem immer enger werdenden Schraubstock zu befreien. Man sieht es ihm förmlich an, dass er bis zuletzt daran glaubt, einen Ausweg zu finden um an einen normalen Alltag anknüpfen zu können. Als schließlich auch noch sein Sohn, der von Bruno Dietrich sehr eingängig interpretiert wird, verdächtigt und belastet wird, erscheint die Zwickmühle in der er sich befindet aussichtslos zu sein. Es wird ganz erstaunlich verdeutlicht, dass in einer solchen Dramatik immer noch eine gute Portion mehr Druck hinzukommen kann. Die eigene Haut retten, den eigenen Sohn beschützen, das Gesicht vor Familie und Freunden wahren, gegenüber des resoluten Derrick nicht noch auffälliger zu erscheinen... Lowitz vermittelt die hochgradige Verzweiflung ausgezeichnet. Als dann auch noch Irenes Vater auftaucht, den Ulrich Haupt spielt, und der die Beteiligten über jeden Verdacht erhebt, sieht man ihn immer wieder kurz vor dem Zusammenbruch. Und darauf setzt auch Derrick. Er wartet ab, seine Erfahrung sagt ihm, dass einem Täter der kein Mörder ist, irgendwann die Luft ausgehen wird. Die Gespräche zwischen Ermittler und Täter, mit ihren indirekten Angeboten wirken hier sehr interessant, das Finale überzeugt in der Verdeutlichung des nahe liegenden Endes einer ausweglosen Situation.

In dieser Folge ist man als Zuschauer direkt am Geschehen beteiligt, da das Setting nicht in so weiter Ferne liegt. Dichte Aufnahmen lassen einen buchstäblich den Schnaps und den Rauch riechen, ebenso wie die eiskalte Luft außerhalb, die Emotionen sind greifbar und regen weitgehend zur Selbstreflexion an, das Katz und Maus-Spiel wird mit fortlaufender Zeit nicht nur für Bark, sondern auch für den Zuseher immer unerträglicher, so dass man förmlich auf eine Lösung wartet, egal wie diese letztlich aussehen wird. Außerdem bleibt man ein wenig nachdenklich zurück, wenn man sich die Konsequenzen und Reaktionen der Familie, der Freunde und Bekannten ausmalt. Besonders gelungen war die Präsentation der Ermittlungsarbeit, die einige subtile Komponenten veranschaulichen konnte. Insgesamt sehr gelungen dieses "Stiftungsfest", die Darsteller tun das Übrige hervorragend dazu.

Nachträglich noch ein paar interessante Informationen zu der Schauspielerin Andrea Rau, die in dieser dritten Derrick-Folge einen bleibenden Eindruck hinterlassen konnte, aber auch hier die fast übliche Verwendung fand, wenn auch in seriöserem Rahmen ...

"Andrea Rau ist ein gutes schlechtes Beispiel dafür, wie schnell man in der hiesigen Filmszene in eine Schublade geschoben wird und wie hartnäckig ein Stigma haften bleiben kann. Noch Anfang 1982 war in der bundesrepublikanischen Boulevardpresse von dem »Film-Nackedei« oder dem »Ex-Nackedei« die Rede, nachdem Andrea Rau eine Fehlgeburt erlitten hatte. Dabei war sie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr in Sexfilmen aufgetreten. Doch das Ende der sechziger Jahre vom Stern verpasste Etikett »Deutschlands liebstes Ausziehpüppchen« blieb kleben. Neue Rollen dagegen blieben erst einmal aus, nachdem Andrea Anfang der siebziger Jahre symbolisch erklärt hatte, sie nähme jetzt ihren BH und ginge (sie trug nämlich nie einen). Den deutschen Sexfilm fand sie »geschmacklos und entsetzlich unästhetisch«, und damit hatte sie schon weitgehend Recht.
Andrea Rau (89-56-89), 1948 in Stuttgart geboren, besuchte schon im Alter von sieben Jahren die Ballettschule, stand mit neun Jahren schon in Aufführungen auf der Bühne. Später arbeitete sie am Stuttgarter Ballett unter John Cranko, spielte in Musicals wie »Kiss Me Kate« und »Can-Can« mit. Den Bundesrepublikanern wurde Andrea zunächst als »Anita« bekannt: Ende der sechziger Jahre erschien das Fotomodell unter diesem Namen in zahlreichen Bildergeschichten der satirischen Zeitschrift Pardon. Von Juni bis Dezember 1968 zierte sie jedes Titelblatt der Zeitschrift - stets nackt. Die Auflage stieg in dieser Zeit von 105000 auf 351000 Exemplare; in den sechs Monaten davor war nur eine Auflagensteigerung von 34000 Stück zu verzeichnen gewesen.
In die Schlagzeilen geriet Andrea Rau zum ersten Mal, als sie Ende 1968 mit einem lauten Knall aus einem »Knebelvertrag« mit den Pardon-Herausgebern Bärmeier und Nikel ausstieg. Die beiden Herren hatten ihr großzügig ein Monatsgehalt von 750 DM (brutto) und 250 DM Ausbildungsbeihilfe gewährt; dafür durfte Andrea von anderen Einnahmen, etwa aus Filmrollen, ein Drittel an Bärmeier und Nikel abführen. Und just in diesem Jahr nahm Andreas Filmkarriere ihren Anfang. Ulrich Schamoni holte sie für den von seinem Bruder Peter produzierten Ulkfilm Quartett im Bett vor die Kamera.
Die Erotik, die Andrea in ihren Filmen ausstrahlte, hatte nichts Verbotenes, Verdorbenes, Verwerfliches an sich. Ihr ganzes Sein signalisierte, dass Sex eine unkomplizierte, muntere und saubere Sache sein konnte. [...] Bedauerlicher war schon eher, dass die sechs Sexfilme in denen Andrea Rau 1969 zu sehen war, die schlimmsten Vorurteile über das Genre nur bestätigen konnten. Alt-»meister« wie Franz Antel (Frau Wirtin bläst auch gern Trompete) oder Rolf Olsen (Das Stundenhotel von St. Pauli) lieferten den leider üblichen Routine-Schund ab. Erst 1971 konnte man Andrea Rau wieder in einem Werk von Rang sehen: Blut an den Lippen des Belgiers Harry Kümel war ein ebenso eleganter wie romantisch-mystischer Horrorfilm voller geheimnisträchtiger Erotik. [...] Andreas Bemühen, ins seriöse Schauspielfach überzuwechseln, scheiterte zunächst an fehlenden (Film-)Rollen. So sah man sie Mitte der siebziger Jahre in einigen Fernseh-Rollen, zum Beispiel »Sergeant Berry« und »Es muss nicht immer Kaviar sein«. [...]" [Pioniere und Prominente des modernen Sexfilms, erschienen bei Goldmann Magnum, 1983]

Percy Lister Offline



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11.03.2012 12:51
#311 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

BEWERTET: "Lissas Vater" (Folge 48)
mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Ullrich Haupt, Christine Wodetzky, Heinz Bennent, Anne Bennent, Thomas Astan, Dieter Prochnow, Bruno Hübner u.a. - Regie: Alfred Vohrer

Der Geschäftsmann Hassler und seine Frau werden von Heymann, dem ersten Ehemann von Frau Hassler, mit dem Tod bedroht, da er seine Tochter Lissa nicht sehen darf. Als nach einer abendlichen Geschäftsbesprechung Hasslers Mitarbeiter Schröder erschossen wird, deutet alles darauf hin, dass Heymann seine Drohung wahrgemacht und im Dunkeln den falschen Mann erwischt hat. Doch galt der Anschlag wirklich Hassler? Und was weiß Lissa, die oben am Fenster stand und alles beobachtete?

Wieder einmal vermengt Herbert Reinecker schmackhafte Zutaten früherer Erfolge und präsentiert einen spannenden Fall, dessen Lösung keinen aufmerksamen Zuseher wirklich überraschen dürfte. Zu schnell verrät sich der Mörder, zu offensichtlich werden alle Register gezogen, um einen labilen Alkoholiker in den Fokus der Polizeiermittlungen zu rücken. Was in den Siebziger Jahren als unangenehme Belästigung empfunden wurde, darf heute unter dem Begriff "Stalking" strafrechtlich verfolgt werden. Herr Heymann wäre frühzeitig aus dem Verkehr gezogen worden und Herr Schröder würde vielleicht noch leben. So aber spitzt sich die Situation zu und kulminiert in einer Hinrichtung im vornehmen Münchner Villengrün. Dort residieren die kühle Christine Wodetzky und ihr pragmatischer Gatte Ullrich Haupt. Die Leipzigerin Wodetzky (1938-2004) ist dem Krimifreund vor allem aus den populären Serien "Der Kommissar", "Derrick" und "Der Alte" bekannt und verkörpert dort stets die undurchsichtige Frau, die geheime Liebschaften pflegt und deretwegen mancher Mord begangen wird. Hier leiht sie ihr klassisches Profil einer besorgten Mutter, deren Tochter zwischen zwei Vätern steht. Die Schweizerin Anne Bennent (geb. 1963) ist auch im wirklichen Leben die Tochter von Heinz. Die mehrsprachige Theatermimin, die unter anderem in München, Stuttgart, Wien und Paris auftrat, bleibt in "Lissas Vater" in einer Rolle im Gedächtnis, die wie eine Weiterentwicklung ihrer Ilse Kempe (in "Fährt der Zug nach Italien?" aus dem "Kommissar", 1975) wirkt. Sie ist introvertiert und von der Gewalt, die sie beobachtet hat, in eine Schockstarre versetzt worden, aus der sie niemand herausholen kann. Eine interessante Nebenrolle hält das Drehbuch für Thomas Astan (geb. 1942) bereit. Der Darsteller brach seine Schauspielkarriere Ende der Achtziger Jahre zugunsten eines Theologie-Studiums ab und wurde 1996 zum katholischen Priester geweiht. Ende der Neunziger Jahre ging er nach Berlin, wo er sich um die Künstlerseelsorge und die Unterstützung von Straßenkindern kümmert. Alfred Vohrer setzt ihn in dieser Folge erneut im gehobenen Milieu ein, wo er wegen Habgier zu Tode kommt. Stephan Derrick zeigt nach seinen sentimentalen Regungen in "Solo für Margarete" hier deutlich mehr Biss und fordert Ulrich Haupt und Heinz Bennent in scharfen Verhören heraus. Er nimmt die Dinge nicht als gegeben an und verlässt sich auf seine Zweifel, die ihm signalisieren, dass jemand versucht, ihm den perfekten Mord zu liefern. Wenn er merkt, dass man ihn auf freche Weise hintergehen will, wird er zur schnaubenden Bestie und steht kurz davor, seinen Gegner an die Wand zu drücken. Dass dies nicht geschieht, ist vor allem Harry Klein zuzuschreiben, der den seriösen Kriminalbeamten ohne Fehl und Tadel immer wieder zur Mäßigung ermahnt. Der durchdachte Mordplan wird in seiner Vollkommenheit von der Beobachtung einer befangenen Zeugin bedroht, die sich ein zweites Mal mit der Unzulänglichkeit eines Erziehungsberechtigten konfrontiert sieht und sich verzweifelt in die tröstenden Arme des Oberinspektors flüchtet.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

11.03.2012 14:15
#312 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



Derrick: Der Spitzel

Episode 49 der TV-Kriminalserie, BRD 1978. Regie: Zbynek Brynych. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Klaus Behrendt (Henze), Götz George (Georg Lukas), Ute Willing (Inga), Kornelia Boje (Maria Singer), Stefan Behrens (Burkhardt), Ulli Kinalzik (Rosse), Karl-Maria Schley (Edmund Singer), Horst Sachtleben (Josef Hossbach) u.a. Erstsendung: 22. September 1978, ZDF.

Zitat von Derrick: Der Spitzel
Der verdeckte Ermittler Hossbach alarmiert die Polizei, weil er einen geplanten Einbruch in ein Antiquitätengeschäft vermutet. Tatsächlich steigen drei Gangster in derselben Nacht noch in den Laden ein. Ihr Raubzug wird jedoch durch die Tochter des Besitzers gestört – es kommt zu einer überstürzten Flucht, auf der Hossbach, der der Frau zuhilfe kommen will, erschossen wird. Derrick bedient sich eines weiteren Spitzels, um die Verantwortlichen zu finden.


Nach einer Pause von nicht weniger als zwölf Folgen meldet sich der flotte Böhme wieder zurück zum Dienst bei der Münchner Kripo. Indes: Man merkt es kaum. Ein Lacher von George, ein paar Zeilen aus „Rivers of Babylon“, aber sonst eine handfeste Inszenierung ohne Spielereien, etwas wehmütig und zukunftsängstlich. „Der Spitzel“ beginnt zwar in einer Kneipe, verweilt aber nicht lang dort, sondern schildert die privaten Umgänge dreier sehr unterschiedlicher Ganoven. Da wäre Henze, ein gespaltener Mann, der nicht weiß, wo er hingehört. Nur eins ist sicher: nicht zu den Autoritäten. Er ist in jeder Hinsicht ein kleiner Fisch, doch gerade das macht ihn menschlich. Seine Komplizen Lukas und Burkhardt wirken wesentlich ausgebuffter, routinierter und kälter. Sie bleiben deshalb, obwohl von Götz George und Stefan Behrens gespielt, eher eindimensional und uninteressant, während sich der hauptsächliche Fokus der Episode auf die väterlichen Gefühle, die Henze für die junge Inga hegt, verlagert.

Reinecker schildert diese Nebengeschichte, die Ablenkung vom einfachen Affektmord verschafft, aber sich zugleich oft ein wenig zu weit von der Krimischlagseite entfernt, mit großer Detailverliebtheit und Intensität, was Brynych mit einer überraschend ruhigen und angenehmen Bildsprache unterstreicht (an dieser Stelle soll auch einmal erwähnt werden, welch ein Bildqualitätssprung wieder gegenüber den Folgen des dritten Box-Sets zu beobachten ist). „Der Spitzel“ besticht hierbei vor allem durch gelungenen Einsatz von Licht und Schatten, zu sehen etwa im Treppenhaus der Singers, das einmal düster bei Nacht und einmal tagsüber in hartes, weißes Licht getaucht erscheint. Ähnliches gilt für die ruinenartige Basketball-Halle, die den perfekten Schauplatz für einen aufregenden Countdown bietet. Überhaupt ist der Schlusseindruck von „Der Spitzel“ sehr gelungen und ich möchte Blap widersprechen: Derricks abschließendes Versprechen, sich um Inga zu kümmern, bis Henze wieder aus dem Gefängnis ist, hat etwas väterlich Gutmütiges, was sowohl Horst Tappert als auch Stefan Derrick sehr gut zu Gesicht steht. Das Mädchen soll schließlich nicht so enden wie seine Mutter, die in einer Minirolle von einer sichtlich gealterten Kai Fischer mit scheußlicher roter Lockenperücke gespielt wird. Ab Mitte der Sechzigerjahre hatte sich Fischer, übrigens ebenfalls eine Böhmin, mehr und mehr aus dem Kino ins TV-Geschäft verlagert, wo sie erste Erfolge mit der woman detective-Serie „Die Karte mit dem Luchskopf“ feierte.

Mit einem etwas ausgeklügelteren Verbrechen wäre eine wirklich gelungene Episode aus „Der Spitzel“ geworden. Diese 49. Folge überzeugt zwar trotzdem, allerdings liegt das eher an dem ziemlich schmuckhaften und umfangreichen Drumherum, das nur in vereinzelten Momenten nach Brynych tönt. 3,5 von 5 Punkten.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

11.03.2012 23:06
#313 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 8 (Folgen 106-120)

Folge 117 - Angriff aus dem Dunkeln (Deutschland 1984)

Ariane, des Oberinspektors hübsches Weiblein und Helferlein

Seit kurzer Zeit erhält Ute Reiners (Birgit Doll) merkwürdige Anrufe, die junge Frau ist zunehmend beunruhigt. Ihre Freundin Conny (Babett Arens) bedindet sich während einem der befremdlichen Anrufe gemeinsam mit Ute in deren Wohnung, Ute verabredet ein sofortiges Treffen mit dem rätselhaften Anrufer vor ihrem Wohnhaus. Im Treppenhaus treffen die Freundinnen auf einen zuvorkommenden Nachbarn (Balduin Baas), der die verängstigten Damen vor die Türe begleitet. Seltsam, vor dem Haus ist keine Menschenseele zu sehen. Conny verabschiedet sich, doch kurz bevor sie in ihr Auto einsteigen kann, wird sie von einem anderen PKW angefahren, erliegt wenig später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Utes Nachbar beobachtet den Vorfall, er glaubt an eine Tat mit Vorsatz. Derrick und Klein suchen Ute Reiners auf, verstört berichtet sie von den Anrufen, in Anwesenheit der Beamten klingelt erneut das Telefon. Auf der Strasse abermals Ruhe, doch plötzlich wird auf Ute geschossen, der/die Täter flüchten unerkannt. Nun ist jeder Zweifel ausgeräumt, Ute Reiners soll getötet werden! Nachforschungen fördern zunächst keinerlei erkennbares Motiv ans Tageslicht...

Gern und ausdauernd lobe ich die Qualitäten der in der Reihe aufspielenden Darsteller. Diesmal gibt es einen (selten vorkommenden) Anlass zu meckern. Birgit Dolls Darbietung gleitet mir hier und da zu sehr in hysterische Überzogenheit ab, zumindest ist der Anlass dazu nicht immer gegeben, wirken die Ausbrüche teils unfreiwillig komisch. Die ruhigen Momente meistert Frau Doll solide, daher genug der negativen Kritik. Derricks neue Freundin Ariane erfreute mich bereits in "Ein Spiel mit dem Tod" (115), sie scheint sich inzwischen gut mit der Arbeit ihres Liebhabers arrangiert zu haben. Margot Medicus ist eindeutig eine Bereicherung, leider kam es nicht zu weiteren Auftritten, sehr schade. Der von mir geschätzte Anton Diffring taucht in einer Nebenrolle auf, spielt einen ausgebrannt und gehetzt wirkenden Charakter. Eva Kotthaus sehen wir als verbitterte Ehefrau Diffrings, der blasse Eberhard Harnoncourt kommt als Söhnchen daher. Konrad Georg huscht (zu selten) durchs Bild. Willy "Berger" Schäfer geht einmal mehr in seinem Sklaventum auf, immerhin darf er einer Dame aus der Jacke helfen. Horst Tappert und Fritz Wepper sind auf bewährten Bahnen unterwegs, Tappert ganz der väterliche Freund, Klein der ritterliche Beschützer.

"Angriff aus dem Dunkeln" zerfällt in zwei Teile. In der ersten Hälfte ist fröhliches Rätselraten angesagt, der zweite Abschnitt widmet sich den Motiven der Fieslinge, allerdings ohne den betreffenden Charakteren mehr Spielzeit vor der Kamera zu gewähren. Gerade der zweiten Hälfte hätte ein wenig mehr Konzentration auf die Bösewichte gut zu Gesicht gestanden, da sich die Arbeit der Ermittler nicht mehr sonderlich packend gestaltet. So wird das Potential eines Anton Diffring kaum genutzt, Charakterkopf Konrad Georg bleibt eine fies aus der Wäsche glotzende Randnotiz. Kurzzeitig flackert Atmosphäre in den nächtlichen Strassen des winterlichen München auf, auch davon hätte ich gern mehr gesehen. Frank Duval liefert (für seine Verhältnisse) recht düster klingende Sounds ab, für mich eine seiner besseren Arbeiten. Regisseur Jürgen Goslar entlockt dem "soliden Mittelklassedrehbuch" eine unterhaltsame Folge, mit wenigen Änderungen hätten sich deutliche Verbesserungen erzielen lassen. Der Fairness halber darf nicht unerwähnt bleiben, dass ich freilich nicht beurteilen kann, welche Möglichkeiten/Freiheiten Goslar in dieser Hinsicht hatte.

6,5/10 (oberste Mittelklasse)

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Vom Ursprung her verdorben

Georg Offline




Beiträge: 3.228

12.03.2012 18:30
#314 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Zitat von Blap im Beitrag #313
Der Fairness halber darf nicht unerwähnt bleiben, dass ich freilich nicht beurteilen kann, welche Möglichkeiten/Freiheiten Goslar in dieser Hinsicht hatte.

Soviel ich weiß, konnte er schon Änderungswünsche einbringen und auch mal seine Wunschbesetzung mit Tricks bei Ringelmann durchdrücken, in dem er ihm einredete, Ringelmann hätte die Person einige Wochen zuvor selbst vorgeschlagen. ;-)

Blap Offline




Beiträge: 1.128

12.03.2012 19:09
#315 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Zitat von Georg im Beitrag #314
Soviel ich weiß, konnte er schon Änderungswünsche einbringen und auch mal seine Wunschbesetzung mit Tricks bei Ringelmann durchdrücken, in dem er ihm einredete, Ringelmann hätte die Person einige Wochen zuvor selbst vorgeschlagen. ;-)

Also war der Einfluss des Regisseur eher gering, schade. Motto: Auftragsarbeit ist besser als keine Arbeit.

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