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Dieses Thema hat 34 Antworten
und wurde 3.248 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
Seiten 1 | 2 | 3
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.472

26.12.2013 14:56
#31 RE: "Die Puppe" Zitat · antworten



Teil 2

Zitat von Francis Durbridge: Die Puppe
"Begreifen Sie denn nicht, was ich in den vergangenen Wochen durchgemacht habe?" Peter konnte nicht verhindern, dass seine Stimme beinahe ärgerlich klang. "Jeden Tag ... wirklich jeden Tag, habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, was aus Ihnen geworden sein könnte. Ich habe pausenlos an Sie gedacht ..."


Die ungünstige Einteilung der Handlung in zwei Abschnitte (statt in drei) beschert dem deutschen Publikum ein unausgewogenes Sehvergnügen, da der zweite Teil sich deutlich in die Länge zieht. Bereits der erste Cliffhanger wurde zu unspektakulär in Szene gesetzt. Die sich fast völlig auf das Gefühlsleben von Peter Matty konzentrierende Geschichte wird dadurch zusätzlich geschwächt. Ohnehin häufen sich die Momente, in denen Matty wegen du Salle fast den Verstand zu verlieren droht, zunehmend. Als Tiefpunkt sei die Taxifahrt genannt, in der der "Held" zu Boden geht und sich einem wütenden Taxifahrer und staunenden Passanten ausgesetzt sieht. Alle Ereignisse scheinen an ihm abzuprallen, so wird auch das Auffinden der Leiche von Linda Braithwaite nebensächlich abgehandelt und die anscheinend so wichtige Puppe ebenfalls bald vergessen. Peter Matty geht es einzig und allein darum, Phyllis du Salle zu sehen. Er fleht und bettelt am Telefon und spannt sein gesamtes näheres Umfeld für sich ein. Während Mortimer Brown und Max Lerner auch im zweiten Teil äußerst blass bleiben, kristallisiert sich Claude Matty als wichtige Figur heraus. Stand der stille Musiker neben seinem impulsiven Bruder bisher im Hintergrund, so kann er diesmal Akzente setzen. Geoffrey "Sherlock" Whitehead entspricht damit dem Bild, das sich der Krimifreund von ihm gemacht hat: besonnen, abwägend und kritisch, nicht leicht zu begeistern.

Spoiler

Zitat von Francis Durbridge: Die Puppe
"Es war erstaunlich, wie sehr sich ein Gesicht verändern konnte. Phyllis du Salle war noch immer eine schöne Frau, doch das Mädchen mit dem reizenden Lächeln, das ihn am Flugplatz von Genf bezaubert hatte, gab es nicht mehr. Ihre Augen musterten ihn hart und kalt."


Zwei Morde sorgen dafür, dass mehr Tempo in die Geschichte kommt, wobei zumindest der Tod von Mrs. Cassidy überflüssig erscheint. Dümmer hätte man es wohl nicht anstellen können, als die Haushälterin gerade im Fotoladen zu töten, damit der Verdacht, Mortimer Brown sei in das Komplott verwickelt, bestätigt wird. Das titelgebende Element erweist sich als vollkommen irrelevant und der schmierige Max Lerner soll der große Unbekannte George Delta sein? Claude Matty erhält durch widersprüchliche Handlungen Profil und steigt in den Kreis der Verdächtigen auf, was der Geschichte gut tut und von der Haupttäterin ablenkt, die natürlich Mrs. du Salle ist. Nach "Der Fall Salinger" steht erneut eine Frau als eiskalte Verbrecherin da; eine Frau, deren Ausstrahlung den männlichen Hauptdarsteller beeindruckt hat. Anders als im Fall von Tim Frazer steht Peter Matty am Ende jedoch wirklich vor den Scherben seiner Illusion und kann die Wahrheit kaum verkraften. Leider wird der finale Selbstmord von Phyllis nur beiläufig gezeigt, wer einmal kurz blinzelt, bekommt ihn gar nicht mit. Kann es sein, dass man die große Bühne am Ende nur männlichen Tätern zugesteht und sich Frauen diskret und unauffällig aus der Affäre ziehen sollten? Die Erläuterungen der Polizei überzeugen nicht in allen Punkten und übertünchen manchen unausgereiften Handlungszweig aus dem ersten Teil. Lobend erwähnt seien hier noch einmal die deutschen Synchronstimmen, vor allem jene von Friedrich Schoenfelder auf Sir Arnold Wyatt, auch die Kostüme der Darsteller gefallen durch Farbwahl und exzentrische Details (vor allem im Fall von Claude Matty und Phyllis du Salle).

Insgesamt vergebe ich nach der Erstsichtung jedoch nur 3 von 5 Punkten, obwohl mir der Roman, der doch nur eine Niederschrift des Drehbuchs ist, sehr gut gefallen hat.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.213

26.12.2013 21:09
#32 RE: "Die Puppe" Zitat · antworten



Francis Durbridge: Die Puppe – Teil 2 (The Doll)
Teil 2 des TV-Mehrteilers, GB 1975. Regie: David Askey. Drehbuch: Francis Durbridge. Mit: John Fraser (Peter Matty), Anouska Hempel (Phyllis du Salle), Geoffrey Whitehead (Claude Matty), Cyril Luckham (Sir Arnold Wyatt), Derek Fowlds (Max Lerner), Roger Milner (Mortimer Brown) u.a.

Zitat von Die Puppe – Teil 2
Peter Matty hat in einem Fotogeschäft ein Bild von Phyllis gefunden. Ihn trifft jedoch bald der Schlag, als ihm der Besitzer erklärt, es handele sich um die vor zwei Jahren verstorbene Tochter Sir Arnold Wyatts. Matty versucht alles, um Phyllis erneut zu begegnen. Als er sie dann in einem Taxi überrascht, kommt es zu einer Szene, für die Matty festgenommen wird. In seiner Abwesenheit durchwühlt jemand seine Wohnung ...


Nach der Lektüre des Threads lag es nahe, den zweiten Teil von „Die Puppe“ in zwei Sichtungshälften zu splitten, um annähernd wieder das von der BBC beabsichtigte Dreiteiler-Format zu erreichen. Wie ich aus Georgs Informationen, dass im Original alle 52 Minuten ein Cliffhanger zu finden war, schlussfolgere, müssten dies die Endpunkte der ursprünglichen Drei-Folgen-Aufteilung gewesen sein:

Ende 1. Teil: Lüge Mortimer Browns, Phyllis sei seit zwei Jahren tot
Ende 2. Teil: Peter Matty trifft am Tatort der Ermordung von Mrs. Cassidy ein

Nachdem wir bereits festgestellt hatten, dass Pidax „Die Puppe“ von der Laufzeit her eigentlich locker auch auf eine Einzel-DVD hätte pressen können, verwundert es, warum das Label nicht auch die englische Schnittfassung mit an Bord nahm. Wenn man den Kaufpreis mit einer zweiten Disc um immerhin fünf Euro steigert, hätte man die Mühe investieren, das Volumen voll auskosten und wahlweise deutsche und englische Schnittfassung zur Auswahl auf je einer DVD im Doppel-Packet bereitstellen können. Dass das Material dafür vorlag, beweist die Tatsache, dass sowohl deutsche als auch englische Spänne auf den DVDs enthalten sind.

Zum eigentlichen Mehrteiler:
Die spannendste Figur der „Puppe“, Phyllis du Salle, ist im zweiten Teil leider nur in einer kurzen Szene zu sehen, ebenso wie die wenigen Spannungshöhepunkte des ersten Teils (die Puppe, die düsteren Geschehnisse in der Vergangenheit) weitgehend ohne Erwähnung blieben. [Wenn ich von erstem, zweitem oder drittem Teil spreche, meine ich die englische Folgenaufteilung.] Lediglich die Geschichte mit dem Foto wird nennenswert ausgebaut, erreicht jedoch ihr Ziel nicht in einem ähnlichen Maße wie andere Clous, die Durbridge im Laufe seiner Karriere streute.
Wie eigentlich immer bei Durbridge bekommt der Zuschauer das Gefühl, dass so ziemlich jeder außer Peter Matty in die Machenschaften um Phyllis du Salle verstrickt ist. Ganz sicher kann man dies für Sir Arnold und Mortimer Brown behaupten. Letzterer zeichnet sich nicht nur durch eine Verbrechervisage allerunterster Güte aus, sondern ist sicher auch für den Hintermann, den man jetzt – vielleicht – zum ersten Mal am Telefon hörte, ein idealer Handlanger. Einen Verdacht werfe ich auch auf Mattys Bruder Claude, der Peter nicht traut und bisher eigentlich völlig überflüssig für die Geschichte war.
Generell muss jedoch meine Kritik von Teil 1 aufrechterhalten bleiben, dass das Konglomerat von Vorfällen im Heute und Gestern zu wenig greifbar ist bzw. es kein eigentliches „Hauptverbrechen“ als Aufhänger für das Publikum zu geben scheint. Wenn am Ende von Teil 3 jemand in Handschellen abgeführt wird, werde ich, wenn die letzte Folge nicht noch ganz besonders herausragend gerät, nur mit den Schultern zucken und mich fragen, warum das ganze Brimborium mit Puppen und Autos, Strafzetteln und Zahnärzten jetzt eigentlich nötig war ...

Gubanov Offline




Beiträge: 15.213

27.12.2013 17:38
#33 RE: "Die Puppe" Zitat · antworten



Francis Durbridge: Die Puppe – Teil 3 (The Doll)
Teil 3 des TV-Mehrteilers, GB 1975. Regie: David Askey. Drehbuch: Francis Durbridge. Mit: John Fraser (Peter Matty), Anouska Hempel (Phyllis du Salle), Geoffrey Whitehead (Claude Matty), Cyril Luckham (Sir Arnold Wyatt), Derek Fowlds (Max Lerner), Roger Milner (Mortimer Brown) u.a.

Zitat von Die Puppe – Teil 3
Von hier an überschlagen sich die Ereignisse. Mehrfach muss Peter Matty Urteile, die er sich über verschiedene an seinem Rätsel beteiligten Personen gebildet hat, überdenken. Der mysteriöse Mr. Osborne entpuppt sich als weniger zwielichtig als gedacht und bringt ihn sogar wieder mit Phyllis zusammen. Auf diese Weise erfährt Matty weitere Informationen, stolpert aber schon bald über einen toten Freund ...


Der dritte Teil der Originalfassung, der in der deutschen Übertragung mit Teil 2 zusammengefasst wurde, bringt ein deutlich höheres Tempo in die Geschehnisse um Phyllis du Salle. Nachdem die Handlung nun endlich beginnt, einen Sinn zu ergeben, fallen einige der überkandidelten Fallen, in die Peter Matty in den ersten beiden Folgen tappte, nicht mehr so negativ auf, sondern passen ganz gut ins Gesamtbild.
Auch wenn „Die Puppe“ für mich einer der schwächeren Durbridges bleibt, kann er doch leicht Mehrteiler wie „Ein Mann namens Harry Brent“ oder „Das Messer“ hinter sich lassen. „Die Puppe“ hat den genannten Teilen ein angenehmes Flair voraus, das häufig am oder auf dem Wasser und in dörflicher Umgebung angesiedelt ist. Charaktere wie Sir Arnold Wyatt und Phyllis du Salle bringen eine edle Note in die sonst eher einfach und ohne großen künstlerischen Anspruch heruntergedrehte Produktion. Loben möchte ich ebenfalls die deutsche Synchronisation, die sehr gelungen daherkommt und ein wenig übertüncht, dass das ZDF mit seiner seltsamen Sendeaufteilung der „Puppe“ einen Teil der Wirkung nahm.
Dem Zeitgeist geschuldet sind die großteils nachlässig besetzten Männerrollen, bei denen man sich die Wunder direkt vorstellen kann, die ein Friseur und ein geschmackvollerer Kostümbildner an ihnen hätte vollbringen können. Darin muss ich auch eindeutig Geoffrey Whitehead einschließen, der eher wie ein Hippie-Gespenst als wie ein international gefragter Pianist aussieht und in den von Percy Lister erwähnten Kostümen eher wie eine sich sträubende Modepuppe wirkt. Diese Kritik mag unwichtig erscheinen – in einem so auf Dialogen und Kleinigkeiten fixierten Metier wie Durbridge zählen aber die wenigen optischen Eindrücke umso mehr.

Eine recht überzeugende, wenn auch bei Durbridge nicht zum ersten Mal gesehene Auflösung rundet das kantige Bild des Mehrteilers „Die Puppe“ ein wenig ab, kann jedoch nicht zur Gänze verbergen, dass es sich bei dem Durbridge’schen Spätwerk nicht um einen der Höhepunkte seiner Karriere handelt. Der stellenweise unangenehme Zeitgeist in der recht simplen BBC-Verfilmung tut sein übriges dazu, einigen Figuren ihr volles Potenzial zu verwehren. Auch die titelgebende Puppe hätte mehr im Vordergrund stehen müssen. 3 von 5 Punkten.

schwarzseher Offline



Beiträge: 374

20.04.2014 10:28
#34 RE: "Die Puppe" Zitat · antworten

Für meinen Geschmack irgendwie zu "seicht" aufgezogen.Vielleicht liegt es auch an den schon sehr oft verwendeten "Verstrickungen"zB. vertauschtes Bild/Matty unglaubwürdig usw.Es fehlen eindeutig die Hochspannungsmomente.Die Morde werden mehr nebensächlich abgehandelt.Für die namensgebende Puppe gilt wohl das gleiche.Zu viel Matty/du Salle zuwenig "Messer im Rücken " Alles schon mal von Durbridge verwendet - nur eben besser.
Dagegen ist zB " Das Messer " mit H.Krüger ( mit Titelsong )wohl um einiges spannender.
Man bleibt am Ende etwas ratlos zurück , schlecht ? nein,aber auch nicht wirklich gut. ( im Vergleich zu den mir bekannten Durbridge )

patrick Offline




Beiträge: 2.900

30.03.2018 21:02
#35 RE: "Die Puppe" Zitat · antworten

Ich habe versucht,"Die Puppe" auf YouTube zu schauen, sah mich aber nach gefühlten 180, tatsächlich aber nur 45 Minuten, gähnender Langeweile dazu gezwungen, das Trauerspiel zu beenden. Das wenige, was ich dazu schreiben kann, ist leider alles andere als schmeichelhaft, den es stimmte hier einfach rein gar nichts. Der Film kam nach einer tapfer durchgestandenen 3/4-Stunde nicht einmal ansatzweise in Fahrt. Als Draufgabe gibt's dann noch eine stinklangweilige Atmo mit unattraktiven blassen Farben und Darstellern, die man sofort wieder vergisst. Wenn jemand unter Schlafproblemen leidet, sei ihm dieser "Reißer" empfohlen, der nicht viel mehr Unterhaltungswert bietet, als dem Gras beim Wachsen zuzusehen, wobei auch dieser Vergleich hinkt, denn Letzteres hat wenigstens noch eine satte Farbe. Krimi-Freunden kann ich hier nur heftigst abraten.

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