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Dieses Thema hat 103 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Edgar007 Offline




Beiträge: 2.338

15.10.2009 07:10
#76 RE: "Intercontinental Express" (BRD 1965, 13 Folgen) mit Heinz Drache Zitat · Antworten

Hier kann ich Barnaby voll und ganz zustimmen. Einzig das Rauchen, das damals tatsächlich einfach dazu gehörte, hat mich persönlich nicht gestört. (Ich bin Nichtraucher!)

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.431

15.10.2009 10:38
#77 RE: "Intercontinental Express" (BRD 1965, 13 Folgen) mit Heinz Drache Zitat · Antworten

Zitat von Barnaby
Erst durch die Beiträge hier im Forum bin ich auf den Intercontinental-Express gestoßen und habe mir nun endlich mal alle Folgen angesehen. Ich kann mich an keine TV-Ausstrahlung in den Siebzigern erinnern, vielleicht gab es tatsächlich keine Wiederholungen dieser Serie?

Für den Fan von Eisenbahnfilmen ist die Anschaffung ein „Muss“, wird doch eine Bundesbahn-Welt von vor über vierzig Jahren gezeigt, die es so heute nicht mehr gibt. Wem sagt der Begriff „Schreibabteil“ noch was oder die Dienstfrau? Bahnsteigsperren und Gepäckträger sind in der Serie auch des öfteren zu sehen. Mir haben die Folgen schon aus diesem Grund sehr gefallen, haben alle Episoden doch ihren eigenen Charme und man hat beim Anschauen fast das Gefühl, dass der Sitz unter einem rattert.

Der Inhalt der einzelnen Folgen war unterschiedlich spannend, mit Edgar-Wallace-Krimis auf keinen Fall vergleichbar, wenngleich auf der Rückseite des Schubers mit dessen Name wohl (Kauf-)Interesse geweckt werden soll. Es wird hier jedoch, liest man noch einmal nach, nur die düstere Schwarz-Weiß-Optik mit E.W. in Verbindung gebracht, was nun eigentlich gar nichts heißt.

Heinz Drache spielt leider nur in der letzten Folge (Der Kronzeuge) mit als Kommissar, der versucht, einen Mordverdächtigen zu überführen. Hier ist ein guter Spannungsbogen aufgebaut, wenn sich der Zug dem Tunnel nähert, an dessen Ende der (angebliche) Mord passiert sein soll. Besonders interessant ist hier als nostalgische Requisite das Schreibgerät der Polizeisekretärin. Spannend ist auch die Folge „Schwester Nanni“. Hier hätte fast Erik Ohde als Kommissar auftreten können. Zum Glück konnte hier ein Mord aber noch rechtzeitig verhindert werden. Als weiteren Favoriten nenne ich noch die Geschichte der alten Dienstfrau Neumann, die durch ihr gutes Gehör ein Zugunglück verhindern kann. Der Faktor Komik wird in der „Reise nach Rom“ durch die beiden exaltierten ältlichen Schwestern Alma und Hermine gut bedient, deren Rollen wunderbar besetzt sind. Hier hätte ich gerne gesehen, wie die Fahrt in Italien weitergegangen ist. Irgendwie musste ich entfernt an „Arsen und Spitzenhäubchen“ denken. Insgesamt steigerten sich die Folgen nach einem recht braven Anfang doch sehr in der Qualität. Da es eine Vorabendserie war, kann ein Vergleich mit langen Spielfilmen schlecht hergestellt werden.

Was mir unangenehm auffiel: Es wird ständig und überall kräftig gequalmt. Das gehörte wohl zum Gefühl der Zeit einfach dazu.

Kein großes Kino, aber ein nett anzusehendes Zeitdokument der sechziger Jahre mit guten Schauspielern!


Bitte Platz nehmen zum zweiten Abendessen -

Barnaby




Ich schmeiß mich weg, jetzt gibt es schon Leute, die das Rauchen in Filmen stört!
Was machste, wenn sich in Filmen jemand übergibt?

DanielL Offline




Beiträge: 3.776

16.10.2009 10:44
#78 RE: "Intercontinental Express" (BRD 1965, 13 Folgen) mit Heinz Drache Zitat · Antworten

Hier muss ich mal etwas Kritik zu der Serie äußern. Zwar gibt es Nostalgie für Eisenbahnromantiker und zweifellos auch immer mal wieder interessante Gastauftritte, doch insgesamt war mein Eindruck zu der Serie relativ ernüchternd. Sicherlich darf man die Erwartungen an eine solche Vorabendserie mit geringer Laufzeit nicht zu hochschrauben, aber überzeugt hat mich die Serie dennoch nicht - der Vergleich mit Wallace ist fast absurd, da es nun wirklich kaum Schnittstellen zu den Wallace-Filmen gibt (Nur weil Heinz Drache in einer Folge erscheint oder die Serie aus den 60ern kommt?). Ich stecke jetzt nach ca. der Hälfte der Folgen fest und kann als Fazit nur sagen, das selten wirklich Spannung aufkommt. Zum einen, weil in der kurzen Folgenzeit kaum zu dramaturgischen Höhepunkten kommt und zum Anderen nagt der Zahn der Zeit an der Serie, weil es sich oft um unaufgeregte Bagatellgeschichten dreht, die mich einfach nicht mehr vom Hocker reißen. Zeitlosigkeit und kurzweilige Unterhaltung sind Faktoren, die auch einer s/w-Krimiserie aus den 60ern nicht automatisch in die Hände fallen, auch wenn die Umverpackung verständlicherweise zu suggerieren versucht, man habe es mit einem Genreklassiker á la Durbridge oder Wallace zu tun. Wer sich diese Einbußen bewusst macht, erlebt eine nostalgische Serie, die ihren Platz heute als privates Vorprogramm oder als Beiprogramm zum Frühstück etc. etc. findet. Nett, aber eben nicht mehr!

Gruß,
Daniel

Jan Offline




Beiträge: 1.431

16.10.2009 12:50
#79 RE: "Intercontinental Express" (BRD 1965, 13 Folgen) mit Heinz Drache Zitat · Antworten

Zitat von eastmancolor

Was machste, wenn sich in Filmen jemand übergibt?


...oder erschossen wird...

Gruß
Jan

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

18.10.2009 14:49
#80 RE: "Intercontinental Express" (BRD 1965, 13 Folgen) mit Heinz Drache Zitat · Antworten

Bei "Intercontinental Express" handelt es sich ebenso um eine Vorabendserie wie bei "Gestatten, mein Name ist Cox". Ich denke, man sollte es der Aufschrift auf der Box nicht übel nehmen, dass Vergleiche mit "Stahlnetz" und "Durbridge" gezogen werden. Das ist auch bei "Cox" der Fall. Jeder will eben für sein Produkt bestmöglich werben und da sich die meisten Käufer vorab informieren, kann man doch ungefähr abschätzen, was einen erwartet.
Bei mir liegen die DVDs immer wieder einmal im Player, gerade gestern habe ich mir erneut "Die Reise nach Rom" angesehen, die zu meinen Favoriten zählt. Humorvoll, nah am Leben, mit listigen Kniffen und überraschenden Wendungen präsentieren sich uns die großen Schauspieler der Sechziger Jahre, deren Mitwirken in den kurzen Episoden nicht selbstverständlich ist. Es sind Ausschnitte aus dem Alltag der Eisenbahn-Angestellten, der Reisenden und der Bahnpolizei - Geschichten, die das Wesentliche erzählen und bei denen man, wie es Barnaby so treffend formuliert hat, eine Fortsetzung wünschen würde. So wäre es z.B. interessant zu erfahren, ob sich Schwester Nanni und Dr. Harro anfreunden, sind sie doch beide getäuscht worden und durch den Betrug miteinander bekannt geworden.

Barnaby Offline




Beiträge: 312

18.10.2009 18:58
#81 RE: "Intercontinental Express" (BRD 1965, 13 Folgen) mit Heinz Drache Zitat · Antworten

Zitat von Jan

Zitat von eastmancolor

Was machste, wenn sich in Filmen jemand übergibt?


...oder erschossen wird...

Gruß
Jan




Dann würd ich sagen: Nun hat sichs ausgeraucht!

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

10.06.2010 20:35
#82 RE: "Intercontinental Express" (BRD 1965, 13 Folgen) mit Heinz Drache Zitat · Antworten

Obwohl ich alle Episoden der Reihe schon mehrmals gesehen habe, kam die englische Fassung der Folge "Reise an die Grenze" erst letzte Woche zum Zug. Ich hatte eigentlich erwartet, statt der deutschen Dialoge nur eine englische Synchronisation zu bekommen und war dann sehr überrascht, als ich merkte, dass einige Stellen deutlich verändert waren. Nicht nur die Gespräche der Reisenden wichen in einigen Passagen deutlich vom Original ab, sondern es gab sogar einige neue Szenen bzw. Änderungen im Schnitt. Die Unterhaltung zwischen der kranken Florence (Margot Trooger) und ihrem Mann Robert (Heinz Weiss) stimmt weitgehend mit der deutschen Fassung überein. Unterschiede ergeben sich am Ende nach dem gescheiterten Selbstmordversuch der Frau. Florence und Robert sitzen zum Schluss nebeneinander im Abteil und sie fasst zum ersten Mal Mut, dass die Operation erfolgreich sein könnte, während er sagt, er werde eine Weile in Kopenhagen bleiben, um bei ihr zu sein. In der englischen Fassung fehlt diese Szene. Größere Änderungen ergaben sich mit dem frischvermählten Paar, das in der deutschen Fassung viel mehr Szenen erhält (gemeinsames Essen der mitgebrachten Reste der Hochzeitstafel) und vor allem in den Dialogen und Handlungen des Paares Marion Jacob und Kurd Pieritz. In der englischen Synchronisation wirkt die junge Frau weniger naiv und ihr Gespräch mit Claude Farell verläuft anders. Während sie in der deutschen Fassung am Schluss aussteigt, um den Gegenzug zu erreichen, wird dies in der englischen Fassung weniger deutlich gezeigt und die Dialoge weichen stark voneinander ab. Selbst die Übergabe des Warenmusters (das Gewürzkästchen) ist nicht identisch. Zudem gibt es in der englischen Version der Folge eine neue Szene mit Gerd Haucke, der sich im Restaurant mit einer blonden Frau unterhält. In der deutschen Fassung geht er auf eine Brünette zu. Es würde mich interessieren, ob es solche Unterschiede auch bei den anderen Folgen der Serie gibt. Weiß jemand, ob "Intercontinental - Express" in England oder Frankreich ebenfalls auf DVD erschienen ist? Die Serie soll laut Booklet im Ausland sehr erfolgreich gewesen sein.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.128

09.10.2011 22:41
#83 RE: "Intercontinental Express" (BRD 1965, 13 Folgen) mit Heinz Drache Zitat · Antworten



Intercontinental Express: Die Puppe mit dem Porzellankopf
Episode 2 der TV-Kriminalserie, BRD 1966. Regie: Peter Zadek. Drehbuch: F.P. Ignor, Christian Bock. Mit: Günther Schramm, Ellen Farner, Katharina Matz, Rolf Schimpf, Ulrike Hoffmann, Stephan Kinkele, Vadim Glowna, Ilse Bally u.a. Erstsendung: 18. April 1966, NDR.

Heute Abend bin ich zum ersten Mal an Bord des „Intercontinental Express“ von Gyula Trebitsch gestiegen. Der Zug, der im Hamburger Hauptbahnhof abfuhr, nahm einen kleinen Jungen mit, der auf die Jagd nach Bankräubern gehen darf. Diese Art von Verbrechensbekämpfung wurde von Jahre zuvor in der „Stahlnetz“-Folge „Bankraub in Köln“ einer Truppe von Kindern zugesprochen, hier jedoch lebt sie nicht nur aus der zufälligen Beobachtung, sondern der Cleverness des kleinen Peter. Als ihn Günther Schramm, seines Zeichens jener halbseidene Zeitgenosse, nicht mehr aus dem Abteil herauslassen will, weil Peter Beweise für seine Schuld entdeckt hat, zerbricht der Junge den Kopf einer Porzellanpuppe, um Aufmerksamkeit zu erregen und eine andere erwachsene Person in das Abteil zu locken.
Es ist ungewöhnlich, Günther Schramm in der Rolle eines Verbrechers zu sehen. Obwohl er sich gegen ein alleinreisendes Grundschulkind wendet, wirkt er keineswegs besonders bösartig oder gefährlich, was dem leichten, unprovokanten „Vorabend-Tenor“, den ich von der Reihe erwartet hatte, sehr zuträglich ist. „Die Puppe mit dem Porzellankopf“ überzeugt deshalb vor allem dadurch, weil sie einen zum Schmunzeln und zum Nachdenken darüber bringt, wie der kesse Dreikäsehoch (Stephan Kinkele in der leider einzigen Rolle seiner „Karriere“) sich aus seiner misslichen Lage befreien und heil am Ziel seiner Reise ankommen kann.





Intercontinental Express: Der Kronzeuge
Episode 13 der TV-Kriminalserie, BRD 1966. Regie: Allan A. Buckhantz. Drehbuch: F.P. Ignor. Mit: Heinz Drache, Robert Graf, Gisela Fackeldey, Marlene Schwartz u.a. Erstsendung: 11. Juli 1966, NDR.

Eine wesentlich ernstere und gediegenere Stimmung nimmt die Folge „Der Kronzeuge“ für sich in Anspruch. Dies liegt sicher an den Auftritten der beiden großen Mimen Heinz Drache und Robert Graf als Ermittlerfigur und Mordverdächtiger, der in dem Abteil, aus dem seine Schwester zu Tode stürzte, endgültig überführt werden soll. Es scheint sich um einen der wenigen Fälle im Rahmen von „Intercontinental Express“ zu handeln, in denen tatsächlich ein Todesfall zur Debatte steht, wenngleich er in der Folge nicht zu sehen ist.
Die Wortduelle zwischen Drache und Graf gestalten sich spannend, markant und emotional. Drache zeigt eine kalte, zynische und von seinen Folgerungen überzeugte Seite, glaubt nicht an eine mögliche Unschuld Grafs. In dieser Hinsicht und weil ich gerade vor kurzer Zeit diesen in „Zu viele Köche“ gesehen habe, wo er den Staatsanwalt Tolman spielte, möchte ich anregen, dass es auch möglich gewesen wäre, die Rollen der beiden Darsteller zu vertauschen. Graf konnte den Arm des Gesetzes ebenso überzeugend verkörpern wie Drache zwielichtige Gestalten (siehe etwa „Der Hund von Blackwood Castle“).
Die Spannung der Folge spitzt sich analog zum Ansteuern des Tunnels, in dessen Umgebung der Todesfall sich zutrug, merklich zu. Einzig als enttäuschend würde ich einstufen, dass die Verfolgungsjagd, die am Ende noch eingebaut wurde, nicht konsequent zu Ende geführt wird (Wird Graf Draches Worte hören und umkehren oder seinen Fluchtversuch sogar mit dem Leben bezahlen?). Da es sich um die letzte Folge und Szene der Serie „ICE“ handelt, könnte ich mir vorstellen, dass das Finale besonders jemanden, der die Episoden in chronologischer Reihenfolge gesehen hat, eher enttäuscht.

Cora Ann Milton Offline



Beiträge: 5.110

10.10.2011 18:10
#84 RE: "Intercontinental Express" (BRD 1965, 13 Folgen) mit Heinz Drache Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov
Eine wesentlich ernstere und gediegenere Stimmung nimmt die Folge „Der Kronzeuge“ für sich in Anspruch. Dies liegt sicher an den Auftritten der beiden großen Mimen Heinz Drache und Robert Graf als Ermittlerfigur und Mordverdächtiger, der in dem Abteil, aus dem seine Schwester zu Tode stürzte, endgültig überführt werden soll.

Einzig als enttäuschend würde ich einstufen, dass die Verfolgungsjagd, die am Ende noch eingebaut wurde, nicht konsequent zu Ende geführt wird (Wird Graf Draches Worte hören und umkehren oder seinen Fluchtversuch sogar mit dem Leben bezahlen?).


Vielen Dank für die Rezension! Stimme voll und ganz zu!

Ein immens spannendes Psycho-Duell zwischen Heinz Drache und Robert Graf, in dem die beiden Darsteller eine grandiose Vorstellung abliefern. Robert Grafs früher Tod war ganz sicher ein herber Verlust für den deutschen Film.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.128

12.10.2011 23:08
#85 RE: "Intercontinental Express" (BRD 1965, 13 Folgen) mit Heinz Drache Zitat · Antworten



Intercontinental Express: Reise an die Grenze
Episode 1 der TV-Kriminalserie, BRD 1966. Regie: Claus Peter Witt. Drehbuch: F.P. Ignor. Mit: Margot Trooger, Claude Farell, Heinz Weiss, Marion Jacob, Kurd Pieritz, Michael Berger, Gert Haucke, Günter Lüdtke u.a. Erstsendung: 4. April 1966, NDR.

Während es sich sicher um die Folge mit der breitesten Prominenz in der Besetzungsliste handelt, überzeugt „Reise an die Grenze“ aus inhaltlicher Perspektive leider überhaupt nicht. Wäre dies die erste Folge der Serie, die ich gesehen hätte, wäre ich wohl an weiteren Episoden nicht interessiert gewesen. Einzig eine klassische Dreiecksgeschichte, über die der Zuschauer seit den ersten Minuten der Episode informiert ist, lässt Stammdrehbuchautor Fred Ignor am Ende platzen, alle anderen Handlungsstränge werden konsequent fallen gelassen. Weder erfährt man, was es mit dem frisch vermählten Pärchen auf sich hatte, das kurz vor der dänischen Grenze den Zug verlässt, noch begleitet man das Schicksal von Heinz Weiss und Margot Trooger weiter. Letztere reiht sich in die Riege der neurotischen Frauenfiguren dieser Folge ein und lamentiert ständig über eine bevorstehende Operation, die nur in Kopenhagen ausgeführt werden kann und ihr eine Kopfnarbe verursachen wird, wenngleich ihr eigentliches Wehwehchen im Bein angesiedelt ist. Merkwürdige Chirurgie, die die Dänen da betreiben!
Natürlich wird all dem zum Trotz bereits hier in „Reise an die Grenze“ das größte und bestimmendste Element aller „Intercontinental Express“-Folgen deutlich: Die Hauptrolle spielt der Eisenbahnzug mit seinen althergebrachten Abteilen, den DB-Stickereien auf den Kopflehnen, den Schiebefenstern, Schaffnern und Mitreisenden, die vertrauensselig alle Details ihrer Fahrten an Fremde herausposaunen. Schöne, heile, alte Welt.





Intercontinental Express: Schwester Nanni
Episode 11 der TV-Kriminalserie, BRD 1966. Regie: Wieland Liebske. Drehbuch: F.P. Ignor. Mit: Edith Schultze-Westrum, Helmut Oeser, Peter Dornseif, Gerda-Maria Jürgens, Kurt Klopsch, Walter Feuchtenberg u.a. Erstsendung: 27. Juni 1966, NDR.

Die alte Krankenschwester Nanni ist auf dem Weg, ihren Herzallerliebsten zu treffen, den sie bislang nur aus Briefen kennt. Edith Schultze-Westrum verleiht ihrem Charakter zugleich etwas Sehnsüchtiges und etwas Naives. Die Szenen, in denen sie dem obligatorischen Betrüger, der hinter solcherlei Kontaktaufnahmen steht, anheim fällt, gestalten sich etwas arg wortreich und schmierig, dies wird aber ausgeglichen, als – wie aus heiterem Himmel – der eigentlich von ihr angehimmelte Dr. Harro, über die Vorkommnisse nicht informiert, auf die Szene tritt. Hat man einmal die Pille geschluckt, dass der unbeteiligte Doktor rein zufällig im selben Zug reist, so kann man sich getrost der Frage widmen, wie es zwischen ihm und Schwester Nanni weitergehen wird, betreten und verlassen beide Protagonisten die Szenerie doch als Einzelgänger.
Für den Humor neben der um eine bereits von den Zeitungen ausgeschlachtete Todesfolge an Eisenbahntrassen sorgt Gerda-Maria Jürgens, ein echtes Hamburger Original mit Vorliebe für nervenraubende Neugier und Tratschfreudigkeit. Mit ihrer teils mürrischen, teils ereifernden Art „bereicherte“ sie auch schon zahlreiche „Stahlnetz“-Folgen. Hier merkt man den Trebitsch’schen (= Hamburger) Produktionshintergrund besonders deutlich.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.128

14.10.2011 19:16
#86 RE: "Intercontinental Express" (BRD 1965, 13 Folgen) mit Heinz Drache Zitat · Antworten



Intercontinental Express: Frau Neumann
Episode 10 der TV-Kriminalserie, BRD 1966. Regie: Cas W. van den Berg. Drehbuch: Christian Bock. Mit: Marga Maasberg, Helmut Schneider, Karin Heym, Jöns Anderson, Hans Jürgen Janza u.a. Erstsendung: 20. Juni 1966, NDR.

Schon mehrfach wurden in diesem Thema Fragen zur Genrezuordnung von „Intercontinental Express“ aufgeworfen. Während es sich in den meisten Fällen tatsächlich um mehr oder minder harmlose Kriminalunterhaltung im typischen Vorabendserienstil handelt, beweist die Episode „Frau Neumann“, dass auch komplett unkriminelle Handlungen durchaus eine reizvolle Spannung aufbauen können. Frau Neumann ist eine alte Dienstfrau, die nach Jahrzehnten auf Schienen zum Altersdienst ins Büro abkommandiert werden soll – ihr Chef muss ihr die traurige Nachricht ausgerechnet an seinem Geburtstag überbringen.
Liebevolle Details und die Begeisterung der Schauspieler sorgen dafür, dass man sich gut in die Geschichte einfühlt. Marga Maasbergs Enthusiasmus sticht in fast schon überschwänglicher Form heraus, aber auch Helmut Schneider sieht man nicht alle Tage in einer so positiven Rolle wie dieser. Natürlich deutet sich auch hier ein Unglück an, das jedoch dank der Erfahrung von Frau Neumann verhindert werden kann. Die alte Dame darf zum Dank weiter als Dienstfrau mitreisen.





Intercontinental Express: Anschluss Karlsruhe
Episode 3 der TV-Kriminalserie, BRD 1966. Regie: Horst Balzer. Drehbuch: F.P. Ignor. Mit: Peter Neusser, Bruno Vahl-Berg, Tatjana Iwanow, Raymond Joob, Benno Gellenbeck, Eva Gross, Emmy Juelich u.a. Erstsendung: 25. April 1966, NDR.

Im Gegensatz zur vorangehenden Folge steht hier eindeutig das kriminalistische Moment im Vordergrund. Es geht für die Verhältnisse der Eisenbahnserie sogar recht tätlich zu, wenn Peter Neusser, der einen entflohenen Sträfling spielt, seinem alten Kameraden (auch er arbeitete früher im „Intercontinental Express“) mit einem großen Schraubenschlüssel droht, ihn zu allem Überfluss fesselt und knebelt und ganz nebenbei noch einen leichten und einen schweren Diebstahl begeht.
Am Ende muss er jedoch feststellen, dass er sich überschätzt hat und dass die Bahn unterdessen mit einem neuen Kursplan seine Flucht vereiteln konnte. Peter Neusser stellt die Überraschung und Verzweiflung glaubhaft dar, sodass „Anschluss Karlsruhe“ wohl zu den gelungensten Folgen dieses kleinen Sixties-Panoptikums zählt. Änderungen im Fahrplan können sich also tatsächlich auch einmal positiv auf die Fahrgäste auswirken – man lernt doch immer wieder dazu ...

Gubanov Offline




Beiträge: 16.128

16.10.2011 15:21
#87 RE: "Intercontinental Express" (BRD 1965, 13 Folgen) mit Heinz Drache Zitat · Antworten



Intercontinental Express: Die Reise nach Rom
Episode 6 der TV-Kriminalserie, BRD 1966. Regie: Peter von Dieckhoff. Drehbuch: Christian Bock. Mit: Flory Jacobi, Erna Nitter, Günther Jerschke, Benno Hoffmann, Kerstin de Ahna, Erwin Laurenz, Helmuth Kolar u.a. Erstsendung: 16. Mai 1966, NDR.

Und wieder gibt es eine Exkursion in andere Genres: In „Die Reise nach Rom“ wird das Geschehen zwar durch die Umtriebe einer Schmugglerbande bestimmt, doch die Oberhand hat eindeutig das Komödiantische und Groteske, was sich an den beiden Schwestern Alma Meier und Hermine Schulze bestens ablesen lässt. Diese beiden sind Prototypen alter Schachteln: redselig, wissbegierig, verschroben, verspielt und verklemmt. Als sie an die zwei Kokainschmuggler Trestow und Ötzmann, denen vorab der Überbringer abgesprungen ist, geraten, sollen sie in Form eines Spiels ein Päckchen mit „Kopfschmerzpulver“ über die deutsch-österreichische Grenze transportieren.
Der wahre Humor liegt nicht in der Handlung als solcher, die sich routiniert und ohne Wendungen abwickelt, sondern in der Situationskomik der Darsteller. Vor allem die Gesichter von Jerschke und Hoffmann sind oftmals Gold wert und zeigen, dass diese beiden Wallace-Darsteller („Die toten Augen von London“ respektive „Zimmer 13“) nicht nur Talent als Polizeiarzt und Posträuber, sondern auch als Comedians haben. Am Ende stimmt, was Alma Meier anfügt: Die Schmuggler sind meist sympathischer als die Zollbeamten. So ist es fast schon schade, dass die Reise doch bei Rosenheim ein abruptes Ende findet. Nun ja, immerhin ist den beiden Schwestern noch ein schöner Aufenthalt in Rom zu wünschen.





Intercontinental Express: Gepäckfach 454
Episode 8 der TV-Kriminalserie, BRD 1966. Regie: Jerry G. Macc. Drehbuch: F.P. Ignor. Mit: Walter Wilz, Hans Irle, Adeline Wagner, Gerlach Fiedler, Jochen Blume, Lutz Schwiers u.a. Erstsendung: 6. Juni 1966, NDR.

Die Rückseite der DVD-Box wirbt mit „düsterer Optik, die an Edgar-Wallace-Filme erinnert“. Sicher kann sogar der, der die Serie noch nicht kennt, mit gesundem Menschenverstand einschätzen, wie viel Ähnlichkeit wirklich zwischen den Eisenbahnaufnahmen und dem Bild von Karl Löb und Ernst W. Kalinke besteht. Besser wäre man damit gefahren, auf den Wallace-Hintergrund der Schauspieler zu verweisen, denn auch hier gibt es wieder eine Begegnung mit einem „German Grusel“-Mimen: Walter Wilz ist dieses Mal nicht als in die Irre geführter Landjüngling, sondern als tougher Inspektor zu sehen. Diese Rolle steht ihm durchaus und so bietet er eine gelungene Abwechslung.
Erneut wird Rauschgift thematisiert, dieses Mal jedoch wesentlich dramatischer, was in einem actionreichen und bildlich dann doch wieder sehr interessanten Finale kulminiert, das an der Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal (Kaiser-Wilhelm-Kanal) bei Rendsburg stattfindet. Das kühne Konstrukt und der nordische Wind unterstützen die Wagnisse der Ermittler auf metaphorische Weise.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.128

13.04.2012 19:44
#88 RE: "Intercontinental Express" (BRD 1965, 13 Folgen) mit Heinz Drache Zitat · Antworten



Intercontinental Express: Was kosten Sie, Herr Kommissar?
Episode 4 der TV-Kriminalserie, BRD 1966. Regie: Lothar Kompatzki. Drehbuch: F.P. Ignor. Mit: Carl Heinz Schroth, Hanns Fitze, Richard Haller, Dina Berger u.a. Erstsendung: 2. Mai 1966, NDR.

Züge sind Sinnbilder für Freiheit. Man kann sich in Hintertupfingen hineinsetzen und in der weiten Welt wieder aussteigen. Trotzdem sind sie eine enge, abgeschlossene Welt für sich. Die räumliche Einschränkung innerhalb eines Zuges kommt in „Was kosten Sie, Herr Kommissar?“ gut zur Geltung, zumal Carl Heinz Schroth als Betrüger und Grenzflüchtling seine Reise keineswegs in Freiheit, sondern in Polizeibegleitung unternimmt. Er, der über eine Zeitspanne von 68 Jahren vor der Kamera stand und u.a. in dem Edgar-Wallace-TV-Film „Das Geheimnis von Lismore Castle“ auftrat, liefert sich mit den Beamten, die ihn sicher verwahren sollen, ein gelungenes Psycho-Duell. Um Bestechung geht es, um Erfindungsreichtum und die Beeinflussung von Gedanken sowie Ver- bzw. Misstrauen. Das dankbarere, weil dümmere seiner beiden Opfer, als Polizist natürlich chronisch unterbezahlt, wird von der „blauen Hand“ Richard Haller gespielt, den man somit endlich einmal nicht nur als finsteren und stummen Ady-Berber-Ersatz zu sehen bekommt.
Die düstere, schattenreiche Schwarzweißfotografie der Folge ist sehr gekonnt und trotz Standardteam eines der besseren Beispiele innerhalb der Serie. Stellenweise fühlt man sich an den amerikanischen Film Noir erinnert. In der kommenden Episode soll das wieder anders werden.





Intercontinental Express: Die goldene Gitarre
Episode 5 der TV-Kriminalserie, BRD 1966. Regie: Lothar Kompatzki. Drehbuch: Christian Bock. Mit: Marquard Bohm, Uwe Stiefvater, Monika Schütze, Rosemarie Lücke, Frank Straass u.a. Erstsendung: 9. Mai 1966, NDR.

Nanu, eine neue „Intercontinental Express“-Folge blendet auf und es sind nirgendwo Schienen im Bild. Ein Fluchtversuch aus einem „Jugendhof“ (heute würde man JVA sagen) wird dargestellt und damit erstmals im Rahmen der Serie das Gelände der deutschen Bahn verlassen. Man kann sich jedoch in dem Moment beruhigt zurücklehnen, in dem man bemerkt, dass hinter dem Grundstück ebenfalls eine Eisenbahntrasse verläuft (rund 34’000 Kilometer Länge hat das deutsche Streckennetz zum heutigen Zeitpunkt). Die Flucht der beiden jungen Männer findet also in bewährtem Ambiente statt.
Eine Besonderheit jedoch stellt die Besetzung dar: Bekannte Namen sind zum ersten Mal nicht mit von der Partie. Es gibt trotzdem zwei einprägsame Hauptdarsteller, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Marquard Bohm eher verwegen erscheint (ein wenig erinnert er an einen Schmalspur-Cumberbatch mit kleinkriminellen Ambitionen – an dieser Stelle sei übrigens auf die „Rediscovered Railway Mysteries“ hingewiesen, die der Holmes-Darsteller 2010 mit ähnlicher Thematik wie „Intercontinental Express“ einsprach), gibt Uwe Stiefvater, der ebenso wie Kinderdarsteller Stephan Kinkele kein professioneller Darsteller war, sondern nur zur Einmalverwertung von Gyula Trebitsch angeheuert wurde, einen gutmütigen Musiker. Die Kombination dieser beiden Charaktere ist leider so ziemlich das Einzige, was „Die goldene Gitarre“ sehenswert macht. Spannender, glaubwürdiger und optisch gefälliger geht es in anderen Episoden der Reihe zu. Folgerung: Schnell in den Rückzug einsteigen und abdampfen!

Gubanov Offline




Beiträge: 16.128

14.04.2012 13:41
#89 RE: "Intercontinental Express" (BRD 1965, 13 Folgen) mit Heinz Drache Zitat · Antworten



Intercontinental Express: Zwei im falschen Zug
Episode 7 der TV-Kriminalserie, BRD 1966. Regie: Konrad Wagner. Drehbuch: Heinz Pauck. Mit: Franz Rudnik, Verena Wiet, Barbara Stanyk, Karl-Heinz Gerdesmann, Fritz Suppan, Gerhard Hartig, Katharina Treller, Brigitte Climent u.a. Erstsendung: 23. Mai 1966, NDR.

Merkwürdig, welche Routen einige Züge nehmen! Obwohl das Ziel der Reise Basel ist, ließ es sich Produktionsfirma Studio Hamburg nicht nehmen, eine Konservendurchsage einzuspielen, in der von einer Fahrt ausgehend vom heimischen Hauptbahnhof über Lübeck und Rødby die Rede ist.
Franz Rudnik, offizieller Doppelgänger von Friedrich Georg Beckhaus, zählt zu den interessanteren Charakteren, denen man in den kurzen 25-Minuten-Episoden an Bord des „Intercontinental Express“ begegnet. Eigentlich ist in dem luxuriösen Zug gar kein Platz für einen kleinen Angestellten wie ihn, doch einmal weltmännisch zu leben und weder auf Konventionen noch auf die knappe Kasse schielen zu müssen, das ist der Traum, den er sich zu erfüllen gedenkt. Die Episode lebt von den Fettnäpfchen, in die er mangels Erfahrung tritt, und dem Aufbäumen gegen einen Vorgesetzten, der die Regel, alles müsse immer völlig korrekt ablaufen, auf jeden außer sich selbst anwendet. In dieser Rolle sieht man den Studio-Hamburg-Veteranen Karl-Heinz Gerdesmann, dessen markantes Auftreten bereits mehrere „Stahlnetz“-Episoden bereicherte und den man später auch in „Dem Täter auf der Spur“ wiedersehen sollte.
Regisseur Konrad Wagner bediente im Laufe seiner Karriere verschiedenste Fachgebiete und war nicht nur in der Spielleitung, sondern auch als Drehbuchautor sowie selbst als Darsteller oder Synchronsprecher (z.B. auf Walter Rilla in „Der Teufel kam aus Akasava“) tätig.





Intercontinental Express: Kurswagen nach Zürich
Episode 9 der TV-Kriminalserie, BRD 1966. Regie: Cas W. van den Berg. Drehbuch: Christian Bock. Mit: Renate Küster, Marlene Rahn, Wolfram Schaerf, Friedrich Schütter, Manfred Reddemann, Harry Tagore u.a. Erstsendung: 13. Juni 1966, NDR.

Wie auch bei Episode 7 lohnt ein Blick auf den Regisseur: Durch die Herstellung als Koproduktion mit der amerikanischen Columbia-Tochter Screen Gems, die im Vorspann als GmbH beschrieben wird, liest man in den Stabangaben von „Intercontinental Express“ zumeist nicht die üblichen deutschen Namen (eine Ausnahme bildet v.a. die von Claus Peter Witt inszenierte Pilotfolge), sondern begegnet wie in Episode 8 dem späteren Erotikfilmer Jerzy Macc (amerikanisiert als Jerry G. Macc) oder hier in „Kurswagen nach Zürich“, holländisch angehaucht, Caspar van den Berg, der sich ebenfalls quer durch alle Aufgaben arbeitete und hauptsächlich im Schnittraum vorzufinden war.
Der Folge tut das keinen Abbruch, im Gegenteil. Eine frische Art der Inszenierung begegnet einem auf diesem „Kurswagen nach Zürich“, der zwar eine vorhersehbare Geschichte auftischt, sich damit aber in guter Gesellschaft befindet. Wolfram Schaerfs Schurke wird mustergültig gespielt; er ist ein typisches Beispiel für den sich selbst überschätzenden Frauenheld, der trotzdem sympathisch wirkt und dem man ein Entkommen mit Brummern und Klunkern wünschen würde, zumal einem die Bestohlene – da nicht im Zug – nie unter die Augen kommt. Als ein sehr charakteristisches, aber auch ein wenig verbissenes Ermittlerduo erweisen sich Friedrich Schütter und die spätere Lestrade-Synchronstimme Manfred Reddemann.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.128

15.04.2012 20:38
#90 RE: "Intercontinental Express" (BRD 1965, 13 Folgen) mit Heinz Drache Zitat · Antworten



Intercontinental Express: Des Rätsels Lösung
Episode 12 der TV-Kriminalserie, BRD 1966. Regie: Frank Winterstein. Drehbuch: F.P. Ignor. Mit: Sabine Bethmann, Ingeborg Lüscher, Ivan Desny, Charles Brauer, Kurt A. Jung, Fritz Suppan, Ilona Schütze, Kurt Schmidt-Mainz u.a. Erstsendung: 7. Juli 1966, NDR.

Beinahe glaubt man sich in einer „fünfte Kolonne“-Episode wiederzufinden statt im „Intercontinental Express“. Spione und Agenten sind dieses Mal mit dem Zug unterwegs, der sich für derlei mondäne Geschöpfe natürlich als Fortbewegungsmittel anbietet. Ivan Desny, glatter Charmeur und damit immer verdächtig, gibt auch hier einen Schurken von Format, wohingegen einem Charles Brauer mit Oberlippenbärtchen und am Kopf angewachsenem Hut sowie vor allem jener nervtötend aufgeregte Franzose mit ebenso fest umklammerter Kamera schon bei der ersten Betrachtung die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Sabine Bethmann macht sich da wesentlich besser – ihre Hausweibchenart aus „Scotland Yard jagt Dr. Mabuse“ mottete sie als weiblicher Null-Null-Sieben dankenswerterweise ein. Dass die agentischen Handlungen trotzdem eher für ein Schmunzeln sorgen, liegt an dem etwas plumpen Script von Dauerautor Fred Ignor. Seinen Humor bezieht es nicht, wie eigentlich beabsichtigt, aus der klamaukigen deutsch-französischen Völkerverständigung, sondern vielmehr aus Naivitäten wie der ständig wiederholten Ausweisung „Ich möchte gern mein Apartment vermieten“. Neben dem Komfort beim Reisen hat wohl auch die Gutgläubigkeit der Fernsehzuschauer seit den 1960er Jahren stark abgenommen, sodass „Des Rätsels Lösung“ stellvertretend für das Phänomen steht, dass „Intercontinental Express“ und damalige Vorabendserien allgemein nur mehr unter dem Banner des Zurückfallenlassens in nostalgische Traumzustände genossen werden können.





Intercontinental Express: Reise an die Grenze (Englische Version)

Es ist eine schöne Gelegenheit, die ARD-Video den Käufern der DVD-Edition bietet: einen Blick in die amerikanische Fassung der Pilotfolge werfen zu können, die parallel zur deutschen, aber eben in anderen Takes und Einstellungen sowie – wenn man auf die Richtigkeit der Abspänne vertraut – unter einem anderen Regisseur entstand. Witts Platz übernahm bei „Reise an die Grenze“, deren englischer Übersetzungstitel leider nirgends erwähnt wird, der Amerikaner Allan A. Buckhantz, dessen „klangvoller“ Name deutschen Freunden der Serie aus „Der Kronzeuge“ bekannt ist.
Die Geschichte bleibt auch in der leicht abgewandelten amerikanischen Fassung die schlechteste der gesamten Reihe. Drei Stadien von Beziehungen werden einander gegenübergestellt; danach ist man keinen Deut schlauer als vorher. Was möchte uns die Episode sagen? Bei Screen Gems war man sich da wohl auch nicht so sicher und fügte noch rasch den weisen, aber verloren wirkenden Schlusskommentar „For the time of a journey, a speeding train is its own universe“ ein. Immerhin, so stellt man beruhigt fest, bekommt Margot Trooger, deren Rolle wirklich unerträglich nörgelnd ausfällt, von Heinz Weiss ihr Fett eindeutiger weg als in der scheinheiligeren deutschen Version. Wie gut, dass man ihr Universum mit dem Abspann wieder verlassen darf ...

Zum Abschluss darf ich sagen, dass mich „Intercontinental Express“ mehr überzeugt hat, als ich für möglich gehalten hätte. Sicher erscheinen die meisten Storys heute wie realitätsferne Relikte, doch sie gewinnen gerade durch diese Exzentrik ihre Liebenswürdigkeit. Nur sollte niemand dem DVD-Cover glauben, wenn es Namen wie Wallace oder Durbridge ins Feld führt. 3,5 von 5 Punkten mit einer besonderen Empfehlung für Eisenbahnfreunde gibt es insgesamt. Im Detail sieht mein Ranking der Episoden wie folgt aus:

Platz 01 (5,0 Punkte): Folge 02 – Die Puppe mit dem Porzellankopf
Platz 02 (5,0 Punkte): Folge 10 – Frau Neumann
Platz 03 (4,5 Punkte): Folge 09 – Kurswagen nach Zürich
Platz 04 (4,0 Punkte): Folge 03 – Anschluss Karlsruhe
Platz 05 (4,0 Punkte): Folge 07 – Zwei im falschen Zug
Platz 06 (4,0 Punkte): Folge 13 – Der Kronzeuge
Platz 07 (3,5 Punkte): Folge 04 – Was kosten Sie, Herr Kommissar?
Platz 08 (3,5 Punkte): Folge 06 – Die Reise nach Rom
Platz 09 (3,5 Punkte): Folge 12 – Des Rätsels Lösung
Platz 10 (3,0 Punkte): Folge 08 – Gepäckfach 454
Platz 11 (3,0 Punkte): Folge 11 – Schwester Nanni
Platz 12 (3,0 Punkte): Folge 05 – Die goldene Gitarre
Platz 13 (2,5 Punkte): Bonusfolge – Reise an die Grenze (Englische Version)
Platz 14 (2,0 Punkte): Folge 01 – Reise an die Grenze

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