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Dieses Thema hat 36 Antworten
und wurde 5.735 mal aufgerufen
 Schauspieler/-innen
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Tarzan Offline



Beiträge: 851

13.12.2016 19:30
#31 RE: Renate Ewert Zitat · antworten

Zwei Tage später, am 16. Dezember 1966, berichtet die Frankfurter Neue Presse neue Details zum Fall unter der Überschrift „Renate Ewert hatte 2.000 Mark“: „Wenn heute, Freitag, im Krematorium des Münchner Ostfriedhofes die Trauerfeier für die 33jährige Schauspielerin Renate Ewert beendet ist, beginnt für die Münchner Staatsanwaltschaft erst eine schwierige Ermittlungsarbeit. Der Vater Renate Ewerts hat eine Untersuchung über die Umstände gefordert, die zum Tode seiner Tochter führten… Der Münchner Oberstaatsanwalt… dazu: ,Herr Ewert ist selbst zu uns gekommen. Er hat uns gesagt, er habe seiner Tochter kurz vor ihrem Tod 2.000 Mark überwiesen. Obwohl unsere ersten Ermittlungen ergaben, dass keine strafbare Handlung vorliegt, müssen wir diese Angaben natürlich sorgfältig nachprüfen.‘ Auch Renate Ewerts Managerin bestätigte, dass die Schauspielerin einige Tage vor ihrem Tode „einen größeren Betrag“ von ihren Eltern überwiesen bekam. Was mit den 2.000 Mark geschehen ist, wusste am Donnerstag niemand zu sagen…“.

Reiner Boller (2016)

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Tarzan Offline



Beiträge: 851

17.12.2016 09:46
#32 RE: Renate Ewert Zitat · antworten

Neue Meldungen im Fall Ewert sind dann erst wieder nach den Feiertagen Anfang 1967 festzustellen.
Am 6. Januar 1967 schreibt wieder die Frankfurter Neue Presse: „Der Tod der 33jährigen Filmschauspielerin Renate Ewert am 4. Dezember ist immer noch voller Rätsel. Wie die Staatsanwaltschaft München mitteilte, sind nach den bisherigen Ermittlungen noch drei Möglichkeiten offen: entweder ist Renate Ewert an den Folgen eines dauernden Arzneimittelmissbrauchs gestorben oder sie starb an der fahrlässigen Einnahme einer Überdosis von Medikamenten oder sie hat Selbstmord begangen. Für eine unterlassene Hilfeleistung oder ein Verschulden Dritter hat der Staatsanwalt bisher keine Anhaltspunkte gefunden… Inzwischen hat eine der engsten Freundinnen der Verstorbenen, die Schauspielerin Erika Remberg, in einem Brief aus Madrid den Hintergrund weiter aufgehellt. Renate habe an Tablettensucht gelitten. Sie – Erika Remberg – habe immer wieder ihre Quellen durch Androhung von Anzeigen bei der Polizei verschüttet, aber Renate habe immer wieder neue zu finden gewusst. Ende Juni vorigen Jahres sei sie bereits eine ,menschliche Ruine‘ gewesen. Später habe Renate nur noch telefonisch allnächtlich stundenlang mit der Freundin verkehrt, um sie nicht sehen zu lassen, wie zerfallen, zerbrochen, gealtert sie ausgesehen habe. Sie habe auch versprochen, nach Berlin zu fliehen und sich herauszureißen aus ihrer Einsamkeit und Verkapselung. Erika Remberg zog das bittere Fazit: ,Renate ist gestorben an gebrochenem Herzen und an der plötzlichen Unfähigkeit ihres ausgemergelten kleinen Körpers, dem Gift zu widerstehen, das sie ihm jahrelang in unvorstellbaren Dosen zugeführt hatte.‘“

Reiner Boller (2016)

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Tarzan Offline



Beiträge: 851

18.12.2016 13:10
#33 RE: Renate Ewert Zitat · antworten

Die Tragik des Falls zeigt sich am weiteren Schicksal der Eltern. Nachdem die Staatsanwaltschaft im Mai 1967 mitteilt, Renate Ewert wäre an einer Überdosis Schlaftabletten gestorben und niemand könne letztlich für ihren Tod beschuldigt werden, nimmt Vater Paul Ewert im November 1967 selbst eine Überdosis Schlaftabletten und stirbt an den Folgen.
Schließlich vermeldet die Stuttgarter Zeitung am 18. März 1969: „Helene Ewert, die Mutter der vor zwei Jahren freiwillig aus dem Leben geschiedenen Schauspielerin Renate Ewert, hat sich in Hamburg das Leben genommen. Wie die Polizei am Montag mitteilte, ist die 58jährige Frau am Wochenende durch eine Überdosis Schlaftabletten in ihrer Hamburger Wohnung gestorben. Nach dem Tod Renate Ewerts im Dezember 1966… hatte auch ihr Vater, der Hamburger Getreidemakler Paul Ewert, den Tod gesucht. In einem Abschiedsbrief, der neben der Toten gefunden wurde, schrieb Helene Ewert, dass sie nach dem Tode ihrer Tochter und ihres Mannes auch nicht mehr weiterleben wolle.“
Die Tragödie der Familie Ewert begann allerdings bereits schon im Kriegsjahr 1943, wie ein Bericht der Neuen Welt am Sonnabend, 27. Dezember 1966, beleuchtet: „Zehn Jahre alt war Renate Ewert, als sie mit Mutter und Bruder im letzten Kriegsjahr aus dem ostpreußischen Königsberg flüchten musste. Bei 25 Grad Kälte, unter ständigem Beschuss, erlebte sie zugleich mit einem unübersehbaren Heer deutscher Flüchtlinge Hunger, Not und Tod. Das allerschlimmste Erlebnis für die sensible kleine Renate war es jedoch, dass sei mit ansehen musste, wie ihre heißgeliebte, schöne Mutter Russen hilflos in die Hände fiel. In ihrem Versteck – einer alten, baufälligen Mühle – waren sie entdeckt worden… Renates Mutter, Helena von Wilkocewska, ist russisch-polnischer Abstammung, der Vater, Getreidehändler Paul Ewert, ist Ostpreuße…“.
Über Renate Ewert heißt es da weiter: „Das aparte, rassige Gesicht, die Mischung aus Melancholie und Lebensfreude, die sie gerade auf Männer später so anziehend wirken ließ, verdankte sie zweifellos ihrer teils slawischen Abstammung. Schon an dem Kind Renate fiel der Gegensatz der unerhört intensiv blauen Augen zu den rötlichen Haaren auf und ließ voraussehen, dass aus dem kleinen Mädchen Renate einmal eine attraktive Frau werden würde. Über Lübeck führte sie der Weg nach Hamburg. Hier blieb die Familie Ewert… Zunächst hieß es jedoch, nach Kriegsende noch weitere vier Jahre auf den Vater zu warten, der in Gefangenschaft war. Bis zu ihrem vierzehnten Lebensjahr war Renate Ewert ausschließlich mit der Mutter zusammen gewesen. Kein Wunder, dass sei bis zuletzt besonders ihrer ,Mammi‘ in abgöttischer Liebe zugetan war…“.

Reiner Boller (2016)

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Tarzan Offline



Beiträge: 851

22.12.2016 20:23
#34 RE: Renate Ewert Zitat · antworten

Renate Ewert, über deren schauspielerische Karriere hier in diesem Forum schon ausführlich geschrieben wurde, hatte ihr Filmdebüt in 08/15 II. TEIL (1955). Damals suchte die Produktion lange Zeit verzweifelt nach einer Darstellerin für die Rolle der „Barbara Brucks“. In den Studios der Filmgesellschaft weilte gerade die junge Nachwuchsdarstellerin Renate Ewert zu Besuch. Sie hatte schon eine beachtliche Theaterkarriere hinter sich und war bereits als Synchron-Sprecherin mit dem Film in Berührung gekommen. Vor der Kamera hatte sie jedoch noch nicht gestanden. Regisseur Paul May sah sie und hatte den rettenden Gedanken: Probeaufnahmen! Als diese am nächsten Tage aus der Kopieranstalt kamen, brauchte die verblüffte Renate Ewert nur noch einzuwilligen, in München zu bleiben und in die Dreharbeiten Hals über Kopf hineinzuspringen. Sie tat es überschwänglich und spielbesessen.

Bald wurde aus diesem ,Sternchen‘ ein wirklicher ,Star‘, denn schauspielerische Intensität brachte die ehrgeizige Ostpreußin genügend mit, dazu eine tiefgreifende, ausbaufähige künstlerische Basis. 1952 hatte Renate Ewert Schauspielunterricht in Hamburg genommen und zwei Jahre später mit großem Erfolg die Abschlussprüfung bestanden. Dann erspielte sie sich ihre ersten Sporen an der Kleinen Komödie der Hansestadt. Ein weiteres Mal packte sie das Glück am Schopf, als sie mit dem Ensemble des „Grünen Wagens“ auf Gastspielreise gehen durfte und somit gewissermaßen auf den Spuren einer großen Komödianten-Vorfahrin, der Caroline Neubert, wandelte.

1958 steht Renate Ewert aber aufgrund eines Prozesses gegen den Filmproduzenten Günter Matern im Rampenlicht...

Reiner Boller (2016)

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Havi17 Offline




Beiträge: 2.928

23.12.2016 23:41
#35 RE: Renate Ewert Zitat · antworten

Ich finde es schon ausgesprochen mutig, daß Du in diesem Forum über die
Tragik Renate Ewerts Leben und Ableben berichtest. Vielen Dank

Gruss
Havi17

Tarzan Offline



Beiträge: 851

24.12.2016 11:05
#36 RE: Renate Ewert Zitat · antworten

1958 steht Renate Ewert aber aufgrund eines Prozesses gegen den Filmproduzenten Günter Matern im Rampenlicht. Dieser Aspekt wurde bislang noch nicht beleuchtet. Damals ging es um einen Vertrag der Schauspielerin mit dem Produzenten, der ihre Gagen kassierte und ihr dann ihre vertraglich vereinbarten Monatsgehälter von 500 Mark im ersten Jahr bis zu 1500 Mark im dritten Jahr auszahlte. Außerdem erhielt Renate Ewert für ihre Filme Honorare bis zu 4000 Mark pro Film. Dank ihrer gestiegenen Popularität ist die Akteurin Anfang 1958 aber nicht mehr mit dem Vertrag einverstanden. Ihr Anwalt formuliert es wie folgt: „Ein derartiges Verfahren wird in der Branche als ,Menschenhandel‘ bezeichnet.“ Es geht natürlich um Geld. Bei einer Gage von inzwischen 15.000 DM für ihren letzten Film NACHTS IM GRÜNEN KAKADU und erwarteten Gagensteigerungen von bald 30.000 DM, würden ihr aufgrund des abgeschlossenen Vertrages mit dem Filmproduzenten lediglich 7.500 DM verbleiben (und 22.500 DM für Günter Matern). Aufgrund einer fehlenden Möglichkeit, das Vertragsverhältnis zu lösen, bezeichnet Ewerts Anwalt den Vertrag als „sittenwidrig“. Produzent Matern hingegen wirft Renate Ewert „Undankbarkeit“ vor und meint: „Als ich mit Renate Ewert den Vertrag gemacht habe, um sie als Filmschauspielerin herauszubringen, hatte sie fast kein Einkommen. Ich habe Tausende ausgegeben, für Bilder, Garderobe und Publicity. Erst dann habe ich sie 1955 herausstellen können. Im zweiten Halbjahr 1955 hat Renate Ewert 3.000 Mark verdient, 1956 bereits 18.000 Mark und 1957 immerhin 38.000 Mark. Jetzt, da sie glaubt, es geschafft zu haben, will sie von dem Vertrag nichts mehr wissen.“
Der bekannte Münchner Journalist „Hunter“ stellt sich in seiner Stellungnahme (Abendzeitung, 11. Januar 1958) übrigens hinter den Produzenten Matern. „Ich finde es sehr einfach, mit vollem Magen und 38.000 Mark Verdienst im Jahr seinen Entdecker zu verklagen. Als der Magen noch leer war, fand das angehende Schauspielkücken, besser gesagt ihr Erziehungsberechtigter, nichts dabei, den Vertrag mit Matern zu unterzeichnen. Denn er gab ja eine Sicherheit. Ein monatliches Einkommen. Was wäre gewesen, wenn Renate Ewert nie einen Film gemacht hätte? Dann hätte Matern weiterzahlen können, fünf Jahre lang, genau wie es im Vertrag steht. Materns ,Verträge‘ haben auch nichts mit ,Managerverträgen‘ im üblichen Sinn zu tun. Managerverträge kennen kein Risiko. Der Agent muss an den Schauspieler keine Monatsgagen zahlen. Matern zahlt aber. Ich möchte nicht wissen, wo Renate Ewert und ein paar andere Entdeckungen von Günter Matern, wie Elma Karlowa, Erika Remberg und Ann Smyrner, heute wären ohne ihn… Wenn seine Nase richtig war und er aus unbekannten Mädchen Stars machte, dann soll er auch daran verdienen, zumindest so lange, wie es im Vertrag steht…“. Wie der „Menschenhandel mit jungen Talenten“ (Stuttgarter Nachrichten, 7. Februar 1958) ausgegangen ist, wäre sicher ein Thema für einen anderen Artikel.

Hiermit endet nun die kleine Renate-Ewert-Zeitreise anläßlich des 50. Jahrestages ihres Todes. Vielleicht hat es die ein oder andere neue Info gebracht. Über Renate Ewert und andere deutsche "Starlets" lohnt sich bestimmt auch eine umfassendere Lektüre. Evtl. einmal ein Projekt für die Zukunft.

Reiner Boller (2016)

Jan Offline




Beiträge: 1.164

24.12.2016 16:33
#37 RE: Renate Ewert Zitat · antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #35
Ich finde es schon ausgesprochen mutig, daß Du in diesem Forum über die
Tragik Renate Ewerts Leben und Ableben berichtest. Vielen Dank

Dem Dank schließe ich mich vorbehaltlos an. Das waren sehr informative Texte. Gerne mehr davon!

Aber: Wieso mutig? Als Hintergrundbericht zu einer waschechten Wallace-Darstellerin passt das hier, finde ich, durchaus genau richtig hinein!

Gruß
Jan

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