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Dieses Thema hat 21 Antworten
und wurde 1.911 mal aufgerufen
 Giallo Forum
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Gubanov Offline




Beiträge: 15.394

15.09.2013 12:49
#16 RE: Der Mann ohne Gedächtnis (1974) Zitat · antworten

„Der Mann ohne Gedächtnis“ belegt mit 59,75 von 70 Punkten Platz 05 von 35 im Giallo-Grandprix 2013. Der Film wurde also mit durchschnittlich 4,27 Punkten pro Person bewertet. Unter zwölf Teilnehmern erhielt er fünf Top-Ten-Nominierungen.

Anzahl der abgegebenen Bewertungen: 8
mit 60,38 Punkten auf Platz 15 in der Kategorie Stil (Inszenierung und Bild)
mit 56,88 Punkten auf Platz 11 in der Kategorie Schock und Provokation
mit 56,00 Punkten auf Platz 16 in der Kategorie Plot und Spannung
mit 61,25 Punkten auf Platz 04 in der Kategorie Darsteller
mit 63,00 Punkten auf Platz 06 in der Kategorie Musik
mit 61,25 Punkten auf Platz 14 in der Kategorie Giallo-Faktor
mit 59,50 Punkten auf Platz 07 in der Kategorie Freie Wertung
Gehe zum IMDb-Eintrag / OFDb-Eintrag

tilomagnet Offline



Beiträge: 507

23.01.2014 17:43
#17 RE: Der Mann ohne Gedächtnis (1974) Zitat · antworten

Dieser Beitrag enthält Spoiler.

Dieser Film hat ein großes Problem und einen großen Pluspunkt ...

Das Problem: Die Auflösung riecht man spätestens ab der Hälfte 10 Meilen gegen den Wind. Der nette hilfsbereite Onkel von nebenan hat in solchen Filmen immer Dreck am Stecken. Leider sehr vorhersehbar.

Der Pluspunkt: Senta Berger überstrahlt in diesem Film alles und liefert eine famose Leistung ab.

Auch die Musik und die schönen Schauplätze wissen zu gefallen. Als Spannungskrimi aber nur leidlich überzeugend und es geht halt so aus, wie man sichs erwartet hat. Schade. Die Platzierung im Grand Prix deswegen für mich gut und gerne 10 Plätze zu hoch. Da hat dieser Streifen viel, viel Besseres hinter sich lassen können. 3/5 Punkten gibts von mir.

Editiert von Gubanov am 23.01.2014 um 20.40 Uhr, Spoilerwarnung eingefügt

Georg Offline




Beiträge: 2.918

23.01.2014 19:50
#18 RE: Der Mann ohne Gedächtnis (1974) Zitat · antworten

Dein Problem teile ich und genau dieses Problem (die Vorhersehbarkeit) ist auch ein Grund, warum ich ein "Problem" mit dem Film habe. Aber bitte bei einem derartigen Spoiler das vorher kennzeichnen. Es gibt noch Leute, die die Produktion nicht kennen!

tilomagnet Offline



Beiträge: 507

23.01.2014 20:04
#19 RE: Der Mann ohne Gedächtnis (1974) Zitat · antworten

Touche! Leider kann man den Beitrag nicht mehr editieren. Wenn man sich über Spoiler ärgert, sollte man aber prinzipiell nicht allzu tief in die Bewertungsthreads einsteigen! Dann geht man auch unvoreingenommen an den Film.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.514

01.08.2015 14:17
#20 RE: Der Mann ohne Gedächtnis (1974) Zitat · antworten

BEWERTET: "Der Mann ohne Gedächtnis" (L'uomo senza memoria) (Italien 1974)
mit: Senta Berger, Luc Merenda, Umberto Orsini, Bruno Corazzari, Duilio Cruciani, Anita Strindberg, Rosario Borelli, Manfred Freyberger, Tom Felleghy u.a. | Drehbuch: Ernesto Gastaldi | Regie: Duccio Tessari

Der Engländer Edward, genannt Ted, hat bei einem Autounfall sein Gedächtnis verloren. Nachdem in seinem Apartment in London jemand ermordet wird, der ihn auf gemeinsame illegale Geschäfte hinweist, reist er nach Portofino. In einem Telegramm wird ihm mitgeteilt, dass dort seine Frau Sara lebe. Diese wird seit geraumer Zeit von Einbrüchen heimgesucht, irgendetwas scheint in ihrer Wohnung versteckt zu sein. Teds ehemaliger Komplize bedrängt das Ehepaar und als mehrere Anschläge auf sein Leben verübt werden, bleibt nur mehr die Flucht nach vorn....



Die stilsichere Eleganz von Duccio Tessaris Thriller wird von hellen, freundlichen Farben dominiert, wobei Blau in allen Tönen, vor allem in der schmeichelhaften azurnen Variante inszeniert wird. Das flammende Rot von Senta Bergers Haaren, das Grün der Pinienhaine über den Klippen und das blasse Grau der Pflastersteine unterstreichen die Harmonie der Umgebung, in die das Verbrechen zwar unvermittelt, aber aus einem nachvollziehbaren Grund hereinbricht. Der vorbelastete männliche Held ist Auslöser für eine Kette von Gewalttaten, da er sich für finanzielle Annehmlichkeiten auf einen lebensgefährlichen Handel eingelassen hat. Aufgrund der weitgehenden Ahnungslosigkeit seiner Ehefrau liegt der Suspense des Films nicht nur darin, wie er sich aus dieser Zwickmühle befreien wird, sondern vor allem, ob die fragile, auf kurzer Bekanntschaft beruhende Ehe den Belastungen standhalten wird.

Senta Berger zeichnet eine unabhängige Frau, deren zwei Verehrer (ein Sportarzt und der zehnjährige Nachbarsjunge) ihre Einsamkeit durchbrechen und ihr Leben auflockern. Beide stellen keinerlei Anziehung in sexueller oder emotionaler Hinsicht dar. Erst die Rückkehr ihres Ehemanns bringt Sara aus der Fassung und lässt sie schwanken. Da sie sich jedoch nicht über seinen Charakter und seine Zuverlässigkeit im Klaren ist, gibt sie dem Wunsch nach Nähe allerdings nicht nach. Tessari kreiert eine subtile Erotik, die sich aus Distanz und Rückzug ergibt und durch Gianni Ferrios Filmmusik noch unterstrichen wird. Die Kultivierung der Sehnsucht scheint die Erfüllung zu fürchten, da die Realität selten mit den Erwartungen und Träumen der Personen mithalten kann. Statt sich auf finstere Gestalten zu konzentrieren, setzt der Regisseur auf taghelle, offene Schauplätze, um der Gefahr zu begegnen. Hinter den Aktionen steht kein verrückter Triebtäter, sondern nüchternes Kalkül, sich die Summe von einer Million Dollar anzueignen.



Der Film wird gern mit dem Einsatz der Kettensäge beworben, was seiner Unaufdringlichkeit jedoch nicht gerecht wird. Vor allem lebt er vom Zwiespalt, in dem sich die von Luc Merenda verkörperte Figur befindet; der Beschaulichkeit von Saras Umfeld und dem Wunsch nach einer Auszeit vom Alltag, der jedoch zu keiner Minute Aussicht auf Erfolg beschienen wird, da sie auf Selbstbetrug und Kriminalität begründet ist. Die Beziehung zwischen Sara und Ted ist im Grunde ein Traumbild, das am hellen Tage erscheint und jene Augenblicke memoriert, die in der Erinnerung der Frau erhalten geblieben sind. Die Antwort auf die Frage nach Beständigkeit und Zukunft der Verbindung bleibt der Film schuldig. Mit fragenden Blicken entlässt er nicht nur seine Hauptdarsteller, sondern vor allem das Publikum. Je nach Grad der romantischen Vorstellungen seiner Zuschauer, findet jeder für sich selbst eine Antwort.

Pittoresker Thriller mit einem überzeugenden Ensemble, wobei vor allem Senta Bergers feinfühliges Spiel hervorsticht. Einige Logikfehler sorgen für minimalen Punkteabzug, vermindern jedoch nicht den Wohlfühlfaktor, der sich wie ein himmelblaues Band durch den ganzen Film zieht. 4,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.003

24.11.2015 21:31
#21 RE: Der Mann ohne Gedächtnis (1974) Zitat · antworten

Der Mann ohne Gedächtnis (I 1974)

Regie: Duccio Tessari
Darsteller: Senta Berger, Luc Merenda, Umberto Orsini, Bruno Corazzari u.a.


Nach "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" der bis dato zweite Giallo, mit dem ich mich nahezu völlig einverstanden zeigen kann. Und das aus folgenden Gründen:

Senta Berger meistert die Hauptrolle in dieser Produktion ganz ausgezeichnet. Optisch eine Augenweide, lässt sie es nicht darauf beruhen, sondern punktet mit Charme und präzisem Schauspiel. Eine absolut reife Leistung, sie stiehlt dem restlichen Cast mit Leichtigkeit die Show. Luc Merendas Spiel empfand ich als zweckdienlich, man nimmt seiner Figur durchaus ab, dass sie eine dunkle Vergangenheit hat. Ansonsten ist mir noch Bruno Corazzari positiv aufgefallen, den ich - "natürlich" - noch vom "Halbmond" kannte.

Die Inszenierung bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau. Die zugegebenermaßen quantitativ überschaubaren, in ihrer Qualität aber umso bemerkenswerteren Spannungssequenzen bleiben in Erinnerung, insbesondere der Gebrauch von Zeitlupe erweist sich als äußerst effektvoll. Kamera, Musik, Schauspiel, alles sehr stilvoll gehalten. Und das ist auch der Hauptgrund, warum mir dieser Film im Vergleich zu vielen anderen Gialli zusagte: er ist durch und durch stilvoll und opfert diesen Aspekt nicht für übermäßige unmotivierte Zurschaustellung nackten Fleischs (z.B. "Stecknadel"), übermäßig explizite Gewalt (z.B. "Stecknadel") oder aber mäßige Figurenzeichnung und z.T. dümmliche Dialoge (z.B. "Vier Fliegen").

Auch wenn aufgrund der wenig vorhandenen Darsteller die Täterfrage überschaubar ist - und so zwangsläufig auch in gewissem Maße vorhersehbar wird - fand ich die Auflösung stimmig. Die ein oder andere Spannungssequenz mehr - zwischendrin wird es bei allem Wohlfühlfaktor dann doch etwas gemächlich - und es hätte sogar die Höchstwertung geben können.

Konsequent stilvoller Giallo mit einer herausragenden Senta Berger und erstklassiger Inszenierung, dem es bisweilen etwas an Tempo mangelt. 4,5/5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.394

09.02.2018 21:52
#22 RE: Der Mann ohne Gedächtnis (1974) Zitat · antworten

Ich habe den Film gestern wieder gesehen. Es dürfte sich mittlerweile nicht nur um den Giallo handeln, der am häufigsten bei mir im Player lag, sondern um den, der mir über all die Jahre persönlich am besten gefällt. Die melancholisch-romantische Stimmung bei gleichzeitig absolut faszinierendem Rätselraten um Teds Identität macht diesen Film zu einer hochinteressanten Mischung aus hartem Krimi und anspruchsvollem Drama. Das wird auch durch die Darsteller, allen voran Senta Berger und Luc Merenda, unterstützt. Sie tasten sich nach Teds krimineller Vergangenheit, langer Abwesenheit und seinem Gedächtnisverlust wieder vorsichtig und etwas skeptisch aneinander heran und werden gleichzeitig auf eine spannende Belastungsprobe gestellt. Die Dynamik zwischen den Charakteren wurde von @Percy Lister exzellent beschrieben.

Ein Gedicht sind auch Musik und Schauplätze. Sie sorgen für das unglaublich elegante, zeitlose Flair dieses Films, der nicht brutal-bestialisch, sondern gediegen und zurückhaltend wirkt. Vornehm, aber nicht intellektuell - eine grundsympathische und einladende Mischung. Eventuelle Längen merke ich daher gar nicht, weil ich einfach unfassbar gern in das Flair des "Puzzle"-Spiels eintauche und gern Zeit mit seinen Charakteren verbringe. Ich fühle mich dabei fast wie der 10-jährige Luca, der Senta Berger und ihre Abenteuer anhimmelt.

Großes Kino und daher nochmal mein Prädikat für "Der Mann ohne Gedächtnis":

Zitat von Gubanov im Beitrag Bewertet: "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" (1971, 31)
mein absoluter Über-Super-Duper-Wohlfühl-Knuddel-Lieblings-Giallo

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