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Dieses Thema hat 15 Antworten
und wurde 1.118 mal aufgerufen
 Giallo Forum
Seiten 1 | 2
kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

18.02.2008 12:33
Der schöne Körper der Deborah (1967/68) Zitat · antworten

Il dolce corpo di Deborah

Ich arbeite mich gerade durch meine noch nicht gesehenen Filme - dabei stieß auf diesen Film, den mir mal jemand auf DVD gebrannt hatte. Das Bild war überraschenderweise recht scharf, allerdings sind die hellen Flächen überstahlt und am Ende gibt es ein paar Bildstörungen (graue Streifen).

Der Film selbst hat mir sehr gut gefallen, auch wenn es kein typischer Giallo ist! Die Handlung baut sich schön langsam auf, Morde gibt es sehr wenige, viel wichtiger ist, wer wen belügt und wer was über wen weiß! Ein Paar, das in den USA geheiratet hat, macht seine Hochzeitsreise in die Heimat des Ehemanns in die Schweiz. Dort beschuldigt ihn ein Bekannter, für den Selbstmord einer jungen Frau verantwortlich zu sein, und droht, seine Frau umzubringen. Das Paar füchtet nach Italien in eine gemietete Villa. Ihr Nachbar, ein Künstler, scheint sie zu beobachten und auch der Bekannte taucht wieder auf ... Das Ende ist richtig genial - erst wird ein Plan vereitelt, um dann dem Publikum zu zeigen, dass auch dieser Schritt nur Teil eines anderen Plans war (ich will hier nicht zu viel verraten ...).

Die Besetzung ist sehr gut - allen voran Carroll Baker und Jean Sorel, wobei auch Luigi Pistilli und George Hilton als undurchsichtige Figuren überzeugen! Wer aufgrund des Titels viel nackte Haut und Sleaze erwartet, wird wohl enttäuscht sein (der Film ist von 1967!). Wer einen spannenden Film mit glungener Kamerafüherung und Musik sehen will, sollte sich "Der schöne Körper der Deborah" nicht entgehen lassen!

Auch hier wäre eine DVD-Veröffentlichung überfällig.

4,5 von 5 Punkten von mir.

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

Mike Pierce ( gelöscht )
Beiträge:

18.02.2008 12:35
#2 RE: Der schöne Körper der Deborah (1967/68) Zitat · antworten

Hört sich interessant an.

Enrico Rosseni Offline




Beiträge: 124

18.02.2008 14:37
#3 RE: Der schöne Körper der Deborah (1967/68) Zitat · antworten

Spannend würde ich den Film nicht unbedingt nennen, eher interessant. Stellenweise ist er aber doch ziemlich zäh. Die Geschichte fand ich eher beiläufig. Was an dem Film überzeugen kann, ist die melancholische Stimmung, die er aus der Kombination von Aufnahmen und Score bezieht.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

18.02.2008 14:45
#4 RE: Der schöne Körper der Deborah (1967/68) Zitat · antworten

Ich brauche in einem Film nicht ununterbrochene Action. Mir ist ein langsam erzählter, stimmungsvoller Film oft lieber. Die Spannung entsteht hier dadurch, dass man bei keinem der Beteiligten sagen kann, wo er steht. Die Rollen sind für mich optimal besetzt und der Score passt perfekt zu den Bildern.

Ich habe allerdings auch schon von anderen gehört, denen der Film zu langweilig war ...

Ich schaue mir jedenfals lieber dreimal nacheinander "Der schöne Körper der Deborah" an als einmal "Todeskreis Libelle"! (Dazu muss ich demnächst noch etwas schreiben, denn der hatte mich sehr enttauscht!).

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

Enrico Rosseni Offline




Beiträge: 124

18.02.2008 14:51
#5 RE: Der schöne Körper der Deborah (1967/68) Zitat · antworten

Action ist natürlich auch nicht gleich Spannung. Diese entsteht aus einer sich immer weiter aufbauenden Story mit entsprechenden Entwicklungen und Wendungen. Wenn dir alleine das Nicht-einordnen-Können der Charaktere ausreicht, ist das ja auch in Ordnung. Mir reicht das leider überhaupt nicht aus. Gerade bei diesem Film driftet das ganze doch schon recht nah an ein Drama, was ich persönlich nicht sonderlich mag. Was Bild und Musik anbetrifft, sind wir uns dann ja auch einig, dass diese für eine gute Atmosphäre sorgen.

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

23.08.2009 08:58
#6 RE: Der schöne Körper der Deborah (1967/68) Zitat · antworten

SPOILER enthalten!

Ein wunderbarer Giallo, der sehr ruhig, aber dennoch atemberaubend erzählt wird. Eine Intrige, die irgendwie an die Geschichte von DAS GESICHT IM DUNKELN erinnert - nur dass hier die Frau um ihr Vermögen gebracht werden soll. Die Musik stammt - ebenso wie bei GESICHT - von Nora Orlandi. Ein Film, der einmal mehr beweist, dass für eine ausgezeichnete Story nicht immer Action gebraucht wird.

Joachim.

Janek Offline




Beiträge: 1.852

24.10.2013 12:49
Der schöne Körper der Deborah (1967/68) Zitat · antworten

Der schöne Körper der Deborah

(1968)
Regie: Romolo Guerrieri



Handlung (enthält Spoiler):

Die kürzlich Vermählten Deborah (Carroll Baker) und Marcel (Jean Sorel) sind auf dem Weg nach Genua. Dort begegnen sie Philip (Luigi Pistilli), der ein alter Bekannter von Marcel ist. Er beschimpft Deborah's Mann als Mörder, weil dieser angeblich damals eine gewisse Suzanne (Ida Galli) im Stich ließ, was zu ihrem Selbstmord führte. Wenig später versucht Philip sogar Deborah zu töten und wird von Marcel scheinbar ermordet. Während Marcel Tickets besorgen muß, um das Land so schnell wie möglich zu verlassen, wird Deborah überraschend von Philip und Suzanne überfallen. Erst jetzt wird der reichen Amerikanerin klar, worauf ihr Mann es wirklich abgesehen hat. Die Mittäter haben die Anweisung erhalten, es wie einen Selbstmord aussehen zu lassen.

Kommentar:

Im Jahr 1968 entstand ein äußerst interessanter Giallo Beitrag des Regisseurs Romolo Guerrieri. Er drehte mit diesem Giallo einen eher unkoventionellen Giallo der in der sogennaten "Prä-Argento" Phase entstand, also der Phase bevor Dario Argento durch seinen Film "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" (1969) das Genre maßgeblich prägte und somit dem Giallo Genre seinen ganz speziellen Stempel aufdrückte. Dazu muss allerdings angemerkt werden, dass Argento selber mit dem Film "Die Neunschwänzige Katze" (1971) den zweiten Teil seiner Tier Triologie den konventionellen Weg des Giallo Film verließ und einen Atmosphärisch und auch vom Erzähltempo her ganz anderen Film schaffte. Einer dieser speziellen Filme lieferte eben Romolo Guerrieri ab, der zuvor einige Western drehte, in den 70gern mit "Love Infero" noch einen zweiten Giallo, auch mit dem Französischen Schauspieler Jean Sorel und später dann noch einige Euro Crime Filme beisteuerte. Insgesamt brachte er es auf 14 Filme.

Die Story zu diesem Giallo lieferte der Italienische Drehbuchautor Ernesto Gastaldi. Seine Handschrift zieht sich durch den gesamten Film, die vielen falschen Fährten und dramaturgischen Kniffe, die auch inszenatorisch geschickt den Zuschauer an der Nase herumführen sind die typischen Merkmale für Gastaldis augeklügelte Drehbücher, die zwar bei näherer Betrachtung einige Logik Löcher in Sachen Stringenz und Kontinuität aufweisen, aber trotzdessen glänzend unterhalten. Ernesto Gastaldi perfektionierte später seine Drehbücher, dabei enstanden Giallo Referenz Werke wie "Der Killer von Wien" (1971) oder auch "Die Farben der Nacht" (1971).

Die weibliche Hauptrolle in diesem Giallo spielt die Amerikanische Schauspielerin Caroll Baker, die mit Umberto Lenzi einige Giallo Filme drehte, die alle eher auf "Thriller" bzw. "Mystery-Thriller" Ebene angelegt waren und ebenfalls keine "typischen" Vertreter des Genres sind wie zum Beispiel Lenzis Giallo "Paranoia" (1969). An ihrer Seite spielt als ihr Ehemann Jean Sorel der auch in anderen Gialli wie "Malastrana" (1972) von Aldo Lado zu sehen ist. Der Cast wird orginell und für das Giallo Genre Prominent von Luigi Pistilli, George Hilton und der schönen Ida Galli ergänzt. Diese Charaktere, die von ihnen gespielt werden, spielen innerhalb der Story aber eher eine Nebenrolle.

Insgesamt konzentriert sich die Story ganz auf die Beziehung von Marcel (Jean Sorel) und Deborah (Caroll Baker), die nach und nach, aber doch eher gemächlich in ein Netz aus seltsamen Verstrickungen hineingeraten, die die Vergangenheit Marcels betreffen. Die anscheinend seelisch labile Deborah folgt ihm wiederwillig, steht ihm aber doch jederzeit bei. Marcel allerdings fängt immer mehr an, sich in die Vergangenheit hineinzusteigern, denn seine vorherige Freundin Suzanne (Ida Galli) soll sich wegen ihm umgebracht haben....

Mehr sollte man von der Story auch nicht wissen, da diese in sich doch sehr verstrickt ist. Dabei nimmt sich der Film aber Zeit für viele Inszenatorische Einfälle und bringt uns Stellenweise die "Swinging 60´s" näher, zeigt im Gegegsatz dazu aber auch die Welt der Reichen und Schönen, in der nur Geld eine Rolle spielt. Dies wird im Film in jeder Szene klar. Dekadenz spielt eine wichtige Rolle. Das Verhältnis was Marcel und Deborah führen ist nicht das eines normalen Paares. Nein; es ist das Verhältnis einen gut situierten Pärchens, denen es auf Äußerlichkeiten ankommt. Nicht nur das Deborah am Tag bis zu 4 mal ihre Kleidung wechselt, nein auch wenn die Hüllen zwischen den beiden fallen, sind es doch nur die Körper, die sich lieben, die begehrt werden. Missverständnisse oder auch Meinungsverschiedenheiten werden durch einen Kuss für nichtig erklärt und ist man angespannt legt man sich bei einem guten Glas Champangnar zu Bette, natürlich nur in eleganten Hotels mit exquisiter Ausstattung, die vor Schwere und Dekadenz nur so strotzt. Deborah zieht Marcel mit sich, oder ist es doch umgekehrt ? Wer folgt wem ? Wer behält eigentlich die Nerven ? Ein ständiges Ungleichgewicht durchzieht das Beziehnungsleben der beiden, welches einzig durch das Verschmelzen beider Körper zu einem Verbindung findet und beide auch als einziges bindet.

Leben, Lieben ... Sterben ...!

Doch wenn das Böse zwischen die beiden tritt und dies ist definitv ihre Vergangenheit, obwohl wir eigentlich nur Marcels Vergangenheit kennen, treten die beiden die Flucht an, vor seiner Vergangeheit, seiner Angst. Sie fliehen von Genf aus an die Riviera und bleiben doch Rastlos. Durch nach außen hin "gespielte" Fröhlichkeit versuchen sich die Zwei in Träume von Lust und Leidenschaft zu flüchten, sind jedoch beide in ihren Gedanken gefangen und finden keinen Ausweg, immer wieder sind es die Berührungen,- Deborahs Körper, Marcels Hilflosigkeit, die sie fliehen lassen...Immer wieder, binden sie sich erneut; durch die Körperliche Liebe. Zur Beruhigung wird Alkohol genippt, Champangner oder doch lieber ein guter Whisky, dazu Beruhigunstabeltten und die Welt ist in Ordnung.

Nichts ist so, wie es scheint, und wenn es schimmert wie Gold muss es keines sein ...

Der Konflikt zwischen Liebe und "Liebe" zieht sich durch den ganzen Film, bis zum Ende. Der schöne Körper der Deborah zieht den Zuschauer ungewollt, gewollt in seinen Bann, wir werden unweigerlich zum Voyeur, schauen zu. Explizit wird die Darstellung von Sexuellen Handlungen nie, auch die Gewalt bleibt dezent im Hintergrund. Dies ist bei dem Film auch nicht das, was zählt. Als Zuschauer erblindet man Wahrhaftig, durch die vielen Optischen Schmankerl und die offensichtliche, oft Barrocke Dedkadenz lenkt einen sichtlich ab, am Ende, was einem kleinen Knalleffekt gleicht, werden uns die Augen geöffnet.Da ist er aufeinmal, der Konflikt zwischen Eros und Thanatos.In äußerst makaberer Weise und viel zu dicke, gar überspitzt wird uns gegen Ende, eigentlich auch am Ende der Geschichte, die gesamte Bandbreite der Geschehnisse bewusst.Doch aufgrund der "Wahrheit" die uns da, irgendwie auf eine Interessante Art und Weise auf dem Silbertablett serviert wird, zeigt sich, wie Konfus das Gesamtwerk doch eigentlich ist. Ich nenne es mal Reizvoll präsentierten "Wahnsinn" der uns am Ende zu einem gewinnenden Schmunzeln verleitet und wir uns fragen, warum wir das Verwirrspiel nicht schon viel eher durchschaut haben.

Doch gerade das ist es, was den Giallo Film interessant und SEHENSWERT macht. Kamera und Musik verleiten uns, dass wir abgelenkt werden. Nora Orlandi schafft mit ihrem Easy Listening Soundtrack die passende Beilage, um diesen Eleganten, zwar etwas gemächlichen Giallo Film genießen zu können. Dabei bleibt die Story an sich und die Charakterisierung der einzelnen Charaktere zwar meist recht eindimensional, kann aber doch gerade durch das gute Schauspiel des Duos Baker und Sorel überzeugen. Somit hat man innerhalb des Filmes sogar zwei Identifikationspersonen, dies macht den Film interessant und es trägt maßgeblich zur Story Entwicklung bei.

Für mich definitv 9 von 10 Punkten, für einen unterschätzten Giallo aus dem Jahr 1968.

Gruß,
Janek

Editiert von Gubanov am 24.10.2013, 13.15 Uhr - Beitrag in bestehenden Thread integriert

Ray Offline



Beiträge: 725

05.04.2016 17:12
#8 RE: Der schöne Körper der Deborah (1967/68) Zitat · antworten

Der schöne Körper der Deborah (I 1968)

Regie: Romolo Guerrieri
Darsteller: Jean Sorel, Carroll Baker, George Hilton, Luigi Pistilli, Ida Galli u.a.


Ein junges Paar wird auf der Hochzeitsreise von einem alten Bekannten des Ehemannes aufgesucht, der diesen beschuldigt, am Tod seiner Verflossenen Schuld zu sein...

Kann mich den überwiegend sehr positiven Stimmen zu diesem Film nur anschließen. Man darf keinen typischen Giallo erwarten, insofern ist der Film möglicherweise für Leute, die mit diesem Genre nicht viel anfangen können (noch) besser geeignet. Entgegen dem irreführenden Titel ist „Der schöne Körper der Deborah“ ein hochwertiger, weit überdurchschnittlicher Thriller mehr im Stile eines Hitchcock, der generell für Krimi- und Thrillerfreunde von Interesse sein sollte. Die letzten zwanzig Minuten halten gleich mehrere verblüffende Twists bereit, die selbst erfahrene Filmfreunde überraschen dürften. Wenn man glaubt, alles ist gelaufen – und bereits zu dem Zeitpunkt hat der Film eine überraschende Wendung genommen, die ein wenig jene aus einem später entstandene Giallo-Klassiker vorwegnimmt, schlägt der Film nochmals eine andere Richtung ein. Da verzeiht man auch gerne, dass zwischendrin mal ein wenig der Faden verloren zu sein scheint, wobei dies sicherlich teilweise schlicht eine Finte sein dürfte, um den Zuschauer in Sicherheit zu wiegen, nach dem Motto: „Viel kann jetzt nicht mehr kommen“. Weit gefehlt.

Auf Seiten der Darsteller macht Sorel die überzeugendste Figur, Hiltons Spiel ist solide, obgleich seine Giallo-Karriere ja noch bevorstehen sollte.

Hinter dem plakativen Titel verbirgt sich ein überraschend niveauvoller Thriller, der dank eines packenden Finales voller unerwarteter Wendungen fast die Höchstwertung abräumt. 4,5/5 Punkten.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.397

09.06.2017 20:36
#9 RE: Der schöne Körper der Deborah (1967/68) Zitat · antworten



BEWERTET: "Der schöne Körper der Deborah" (Il dolce corpo di Deborah) (Italien / Frankreich 1967/68)
mit: Carroll Baker, Jean Sorel, Evelyn Stewart, George Hilton, Luigi Pistilli, Domenico Ravenna, Michel Bardinet u.a. | Drehbuch: Ernesto Gastaldi nach einer Idee von Luciano Martino | Regie: Romolo Guerrieri

Deborah und Marcel haben in den USA, der Heimat der Braut, geheiratet. Nun reist das Paar in die Schweiz, um dort seine Flitterwochen zu verbringen. Bald fällt ein Schatten auf das Glück der Eheleute: Philip, ein Freund von Marcel, wirft diesem vor, dessen ehemalige Verlobte in den Tod getrieben zu haben. Marcel trifft diese Anschuldigung schwer, denn er hängt noch an Suzanne, derentwegen er ursprünglich nach Amerika ging, um dort das große Los für sie beide zu ziehen. Für Deborah hat die Berührung mit der Vergangenheit lebensbedrohliche Folgen....

Das Leben der Reichen und Schönen zeigte schon früh seine Faszination auf der Leinwand. Gerne weidet sich das gemeine Volk an den attraktiven Menschen, den weitläufigen Anwesen und den Annehmlichkeiten, mit denen Angehörige dieser Gesellschaftsschicht stets rechnen können. Der kleine Mann vergibt die mannigfaltigen Vorzüge der einflussreichen Minderheit jedoch nur, wenn er als Ausgleich für seinen eigenen Ausschluss aus dem exklusiven Zirkel Einblicke ins Private der Protagonisten erhält. Diese Anteilnahme am Leben der "oberen Zehntausend" ist geprägt von Neugier, Missgunst, Schadenfreude und manchmal auch Mitleid. So wundert es nicht, dass die beneidenswerte Idylle von Deborah und Marcel bald ins Negative umkippt und das Schicksal sie tausendfach einholt. Die Leichen der Privilegierten liegen zwar nicht zwangsläufig im Keller ihrer Luxusvillen, tauchen aber immer gerade dann auf, wenn die Personen mit einem Champagnerlächeln darüber hinweggehen wollen. Die Intimität von Deborah und Marcel scheint vorwiegend aus dem Intimen zu resultieren. Den Großteil ihrer Zeit verbringen sie damit, sich zu lieben und so zu tun, als wäre jeder Tag der Woche ein Sonntag. Weil dem aber nicht so ist und das sensationsgierige Publikum sich wünscht, dass die Platte endlich einen Sprung bekommt, greift der blanke Schrecken nach den beiden und belädt sie mit Vorwürfen. Das suggerierte schlechte Gewissen kommt nur teilweise zum Tragen, weil Selbstverliebtheit und Täuschung blind machen und anfällig für die Verdrängung von Negativem. Die Rivalität zweier Frauen um die Gunst eines Mannes erhält zusätzliche Würze durch den Umstand, dass eine davon nicht mehr unter den Lebenden weilt und Deborah somit keine Gelegenheit erhält, sich mit ihrer Vorgängerin direkt zu messen. Das Traumbild der Toten belastet ihre Beziehung zu Marcel, der Vergleiche anstellt und deren neue Partnerin nur ein optisch gleichwertiger Ersatz für seine große Liebe zu sein scheint. Bald gibt es Heimlichkeiten auf beiden Seiten und die Devise der gemeinsamen Stärke gegen Angriffe von außen wird von Misstrauen und Lügen unterminiert.



Die Darsteller haben mehr zu tun als nur gut auszusehen und stellen dies in den Stunden der Wahrheit deutlich unter Beweis. Leider dauert es 71 Minuten, bis das erste Messer aufblitzt und die Kamera zeigt, dass sie mehr kann als schöne Körper ins rechte Licht zu rücken. Carroll Baker hatte bereits in den Fünfziger Jahren einen Namen in den USA und wirkte in Klassikern wie "Giganten" (1956) und "Baby Doll" (1956) mit. Ihr Umzug nach Italien bewirkte in den Sechziger Jahren, dass sie sich noch einmal neu erfinden konnte und in mehreren Gialli mitspielte. Deborah ist keineswegs die Sympathieträgerin des Films, obwohl das Drehbuch es anfangs so auslegt und am Ende noch einmal bekräftigt. Ohnehin fällt es schwer, eine Figur auszumachen, der bedenkenlos vertraut werden kann. Die Einteilung der Personen in Opfer und Täter verschwimmt und macht es dem Zuschauer unmöglich, sich festzulegen. Evelyn Stewart als geheimnisvolle Schöne im Hintergrund erhält einige sehr stimmungsvolle Szenen und ihr Erbe für Deborah lastet schwer auf dem honeymoon der Frischvermählten. Bei ihr hat das Publikum immer den Eindruck, dass sie gar nicht die eigentliche Hauptrolle spielen muss, um einen Film zu prägen. Jean Sorel und George Hilton als Antipoden sind wie Hund und Katze und streiten um die Gunst der Frauen auf und vor dem Bildschirm. Ihre Absichten ähneln sich im Prinzip, unterscheiden sich jedoch in der Ausführung. Hilton kommt animalischer und weniger vornehm daher als der gefällige Jean Sorel und lenkt in seinen Szenen von den finsteren Plänen des Schönlings ab. Um zu vermeiden, dass der Zuschauer das doppelte Spiel einer der Hauptfiguren durchschaut, erblühen am Ende gegen alle Personen Verdachtsmomente. Um das beschauliche Tempo der ersten Filmhälfte aufzuheben, überschlagen sich nun die Ereignisse und warten mit Momenten der Überraschung auf. Trotz der genretypischen Bedrohung durch einen Messermann lässt sich "Der schöne Körper der Deborah" besser in das Thrillerfach einordnen als in den Bereich der Gialli. Das Publikum genießt vor allem die erlesenen Aufnahmen und den Rätselfaktor als die wenigen brutalen Szenen.

Eleganter Psychothriller mit Giallo-Elementen und einem Ensemble, das alle Anforderungen an die Erwartungshaltung des Publikums erfüllt. Über lange Zeit sonnt sich der Film im eigenen Glanz und verpasst damit beinahe, seine boshafte Mission zu erfüllen. Denn unter der stylischen Oberfläche lauern Abgründe, die sich bereits vor geraumer Zeit aufgetan haben. 3 von 5 Punkten

Gubanov Offline




Beiträge: 14.778

13.08.2017 15:00
#10 RE: Der schöne Körper der Deborah (1967/68) Zitat · antworten



Der schöne Körper der Deborah (Il dolce corpo di Deborah)

Drama, IT / FR 1967/68. Regie: Romolo Guerrieri. Drehbuch: Ernesto Gastaldi (Story: Ernesto Gastaldi, Luciano Martino). Mit: Carroll Baker (Deborah), Jean Sorel (Marcel), Evelyn Stewart (d.i. Ida Galli) (Suzanne Boileau), George Hilton (Robert Simack), Luigi Pistilli (Philip), Michel Bardinet (Kommissar), Valentino Macchi (Garagenbetreiber), Mirella Pamphili (Telefonistin), Domenico Ravenna (Arzt), Giuseppe Ravenna (Maitre d’Hotel) u.a. Uraufführung (IT): 20. März 1968. Uraufführung (BRD): 12. Juli 1968.

Zitat von Der schöne Körper der Deborah
Ihre Hochzeitsreise in die Schweiz wird jäh unterbrochen, als Marcel und Deborah von einem alten Bekannten auf den Tod von Marcels ehemaliger Freundin Suzanne hingewiesen werden. Suzanne beging Selbstmord, wofür Marcel angeblich moralisch verantwortlich sein soll. Als sie Suzannes Schicksal auf den Grund gehen wollen, werden Marcel und Deborah von einem anonymen Anrufer mit dem Tod bedroht – eine Gefahr, die sie auch mit einer Weiterreise nach Frankreich nicht abschütteln können. Dort lernen sie den Maler Robert kennen und erleben die Überraschung ihres Lebens ...


Man braucht kein Genie zu sein, um zu kombinieren, dass ein Film, der 1967 gedreht wurde, kein Giallo im engeren Sinn der – damals noch in der Zukunft liegenden – Dario-Argento-Schule sein kann. Dennoch wirft „Der schöne Körper der Deborah“ einige Zutaten in den Mix, derer sich das spätere Genre auch bedienen würde (zwei Privatleute, die in einen Kriminalfall verwickelt werden und ihn ohne Hilfe der Polizei lösen müssen, jede Menge Bettszenen und eine durchaus typische Besetzung dürften die Pfunde sein, die den Film auch für Mainstream-Giallo-Freunde interessant machen). Im Gegensatz zu Filmen von Argento und Co., die sehr auf körperliche Gewalt setzen, spielt sich „Deborah“ über die allerweitesten Strecken auf rein psychologischer Ebene ab, was bei manchem Zuschauer einen etwas tempoarmen Eindruck hinterlassen mag, da Romolo Guerrieri für die Entwicklung einzelner Handlungsabschnitte und Verdachtsmomente zugunsten einer optisch attraktiven Fotografie manchmal mehr als die unbedingt benötigte Zeit ins Land ziehen lässt.

Der von mehrfachen Wendungen geprägte Höhepunkt des Films erinnert an die klassischen Hammer-Thriller nach der Manier von „Ein Toter spielt Klavier“, mit dem sich „Der schöne Körper der Deborah“ sogar den Handlungsort teilt. Das immer wieder erfolgende Überwerfen von Urteilen und Vermutungen wirkt, obwohl es seine Hauptaufgabe erfüllt, den Zuschauer, der derartige Vorgänge lang vorherahnt, wenigstens in Details etwas in die Irre zu führen, ein wenig konstruiert – nicht alle Überraschungen erscheinen logisch oder bieten einen echten Mehrwert für die Story. Man hinterfragt dieses fulminante Ende aber nicht so sehr, weil man sich nach dem dialoglastigen Hauptteil über einen Aufschwung in Sachen Action freut.



Als großes Plus – sowohl in darstellerischer als auch in optischer Hinsicht – kann Carroll Baker bezeichnet werden. Für die amerikanische Schauspielerin war „Der schöne Körper der Deborah“ der zweite italienische Film nach „L’harem“ aus dem gleichen Jahr. Baker macht nicht nur dem Filmtitel alle Ehre, sondern schwankt ausnehmend gekonnt zwischen bedrohter Blondine und hinterlistiger Gattentäuscherin, während ich mich bei Jean Sorel des Gefühls nicht erwehren kann, dass er sich in den Szenen, in denen Verdachtsmomente gegen ihn genährt werden sollen, besonders niedlich bemüht, zwielichtig dreinzublicken. Auf seiner Seite also kein Exempel schauspielerischer Brillanz, aber für die Belange des Films, der das zentrale Duo mit interessanten Auftritten von Ida Galli und George Hilton ergänzt und dazu einen erstaunlich jung aussehenden Luigi Pistilli einstreut, reicht es.

Der Hauptteil ist eine einzige fotogene Freude mit seinen Aufnahmen von Genf, Nizza und der Landvilla in Südfrankreich. Das bewirkt, dass das Endergebnis über eine sehr hochwertige Bildsprache verfügt und Ansprüche, die in dieser Beziehung an spätere, ausgefeiltere Gialli gestellt werden, auch hier durchaus erfüllt werden. Das für das Verbrechen genutzte Musikstück erfüllt dagegen „nur“ seinen Zweck, bleibt aber nicht wie manch andere Filmmelodie im Ohr hängen – gerade vom Namen Nora Orlandi hätte ich in diesem Fall mehr erwartet.

Für ein Meisterwerk des italienischen Kinos ist „Der schöne Körper der Deborah“ in jeder Hinsicht zu harmlos, sein an klassischen Thrillern und Dramen, ja sogar Romanzen orientierter Aufbau, der sich auf attraktive Kameraarbeit und eine gut aufgelegte Carroll Baker stützen kann, macht den Film jedoch sehenswert. Man sollte sich einerseits von einigen Längen das Vergnügen nicht nehmen lassen, diese Längen aber andererseits über die aufregenden, wenngleich nicht wirklich schlüssigen Finalminuten auch nicht vergessen. Knappe 4 von 5 Punkten.



Die DVD von Edition Tonfilm: Zahlreiche Cover- und Verpackungsvarianten aus dem Hause E.T. kursieren von dieser Auswertung, die sich jedoch alle die gleichen DVD-Inhalte teilen. Leider ist Edition Tonfilm auch mit dieser VÖ kein großer Steinwurf gelungen; das Bild sieht verblasst aus und lässt, wenn überhaupt, nur eine oberflächliche Restauration erkennen. Auf dem Computerbildschirm machen sich Treppcheneffekte bemerkbar. Aufgrund des originalen Bildformats und der Wahl zwischen deutschem und italienischem Ton mit Untertiteln dennoch in Ordnung, wenn auch sicher nicht zu den hohen Sammlerpreisen, die üblicherweise dafür verlangt werden. Wer Blu-ray-Combos mag, sollte lieber zur X-Rated-Neuveröffentlichung greifen, deren neuer Transfer deutlich stimmiger und wärmer aussieht und aus der auch die Bilder zu diesem Bericht entnommen wurden. Die DVD von Edition Tonfilm bietet im Bonusbereich Trailer, Galerie, italienische Spänne und Rollenrisse; das X-Rated-Pendant ist mit ähnlich schmalen Extras versehen.

patrick Offline




Beiträge: 2.760

13.08.2017 15:34
#11 RE: Der schöne Körper der Deborah (1967/68) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #10
,

Der von mehrfachen Wendungen geprägte Höhepunkt des Films erinnert an die klassischen Hammer-Thriller nach der Manier von „Ein Toter spielt Klavier“, mit dem sich „Der schöne Körper der Deborah“ sogar den Handlungsort teilt. Das immer wieder erfolgende Überwerfen von Urteilen und Vermutungen wirkt, obwohl es seine Hauptaufgabe erfüllt, den Zuschauer, der derartige Vorgänge lang vorherahnt, wenigstens in Details etwas in die Irre zu führen, ein wenig konstruiert – nicht alle Überraschungen erscheinen logisch oder bieten einen echten Mehrwert für die Story. Man hinterfragt dieses fulminante Ende aber nicht so sehr, weil man sich nach dem dialoglastigen Hauptteil über einen Aufschwung in Sachen Action freut.




Könnte das auch etwas für mich (wenig Giallo-geneigtem) Thriller-Freund sein?

Gubanov Offline




Beiträge: 14.778

13.08.2017 15:36
#12 RE: Der schöne Körper der Deborah (1967/68) Zitat · antworten

Ich denke schon. Als Sechzigerjahrefilm dürfte "Deborah" dir ohnehin eher gefallen als die späteren Giallo-Vertreter. Du solltest dir aber keinen super-spannenden Gruselfilm erwarten.

patrick Offline




Beiträge: 2.760

13.08.2017 15:37
#13 RE: Der schöne Körper der Deborah (1967/68) Zitat · antworten

Ja, mit den 70ern hab ich's nicht so.

Der Film ist vorgemerkt. Danke für den Tip.

Ray Offline



Beiträge: 725

13.08.2017 16:32
#14 RE: Der schöne Körper der Deborah (1967/68) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #8

Kann mich den überwiegend sehr positiven Stimmen zu diesem Film nur anschließen. Man darf keinen typischen Giallo erwarten, insofern ist der Film möglicherweise für Leute, die mit diesem Genre nicht viel anfangen können (noch) besser geeignet. Entgegen dem irreführenden Titel ist „Der schöne Körper der Deborah“ ein hochwertiger, weit überdurchschnittlicher Thriller mehr im Stile eines Hitchcock, der generell für Krimi- und Thrillerfreunde von Interesse sein sollte.



Hab da damals auch vor allem an dich gedacht, @patrick. Glaube auch, dass der was für dich sein könnte. Da dir "Der Killer von Wien" ja auch ganz gut gefallen hat, könnte außerdem der von mir eben im Grand-Prix-Thread erwähnte "Der Schwanz des Skorpions" dir vielleicht auch gefallen. Gleicher Regisseur, z.T. gleiche Schauspieler. Allerdings Anfang der 1970er entstanden.

patrick Offline




Beiträge: 2.760

13.08.2017 21:34
#15 RE: Der schöne Körper der Deborah (1967/68) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #14
Zitat von Ray im Beitrag #8

Kann mich den überwiegend sehr positiven Stimmen zu diesem Film nur anschließen. Man darf keinen typischen Giallo erwarten, insofern ist der Film möglicherweise für Leute, die mit diesem Genre nicht viel anfangen können (noch) besser geeignet. Entgegen dem irreführenden Titel ist „Der schöne Körper der Deborah“ ein hochwertiger, weit überdurchschnittlicher Thriller mehr im Stile eines Hitchcock, der generell für Krimi- und Thrillerfreunde von Interesse sein sollte.



Hab da damals auch vor allem an dich gedacht, @patrick. Glaube auch, dass der was für dich sein könnte. Da dir "Der Killer von Wien" ja auch ganz gut gefallen hat, könnte außerdem der von mir eben im Grand-Prix-Thread erwähnte "Der Schwanz des Skorpions" dir vielleicht auch gefallen. Gleicher Regisseur, z.T. gleiche Schauspieler. Allerdings Anfang der 1970er entstanden.


Na dann bin ich mal neugierig. Das klingt deutlich interessanter für mich als die klassischen Gialli. Das mit dem "Skorpion" muss ich mir noch durch den Kopf gehen lassen. Habe ja einige Gialli angetestet. Leider war "Der Killer von Wien" der einzige, der mir wirklich gut gefallen hat. Habe mich angesichts der auf mich nur durchschnittlichen Wirkung der Filme vom Genre wieder abgewandt.

Lehne die 70er-Jahre-Thriller ja grundsätzlich nicht kategorisch ab, im Gegenteil. Habe es immer wieder versucht, aber tendenziell kommen sie in den meisten Fällen in einem Stil daher, der mich einfach nicht anspricht. Die Filmmusik, die Farbgebung, die Mode, etc. sind einfach Dinge, die meinen Geschmack nicht treffen. Bei den Horrorfilmen und internationalen Thrillern dagegen, gibt es durchaus Filme der 70er, die mir sehr gut gefallen. Mir fällt da mal gleich als erstes "Wenn die Gondeln Trauer tragen" und natürlich "Der weiße Hai" ein.

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