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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 475 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Mike Pierce ( gelöscht )
Beiträge:

14.02.2008 10:48
Max, der Taschendieb (1961/62) Zitat · Antworten

Max, der Taschendieb

BRD, 1961/62
Regie: Imo Moszkowicz (Mein Freund Harvey / Ninotschka)
Kamera: Albert Benitz (Die Bande des Schreckens)
Musik: Martin Böttcher

Darsteller:
Heinz Rühmann, Elfie Pertramer, Hans Clarin, Benno Sterzenbach, Arno Assmann, Ulrich Beiger usw.

Inhalt: Max Schilling (Heinz Rühmann) ist ein Taschendieb und ernährt sich und seine Familie davon, auch wenn seine Frau (Elfie Pertramer) manchmal große Angst hat. Privat versucht Max aber auch, seine Kinder richtig zu erziehen. Max schnappt sich die Brieftasche des Trickdiebes (Ulrich Beiger), der gerade eine Vorstellung gab, und die eines anwesenden Amerikaners (Benno Sterzenbach), der sich auch in der Vorstellung als Gast aufhielt. Mit Sorge beobachtet Max, wie sein Schwager Fred (Hans Clarin) in gefährliche Kreise gerät. Auf einmal wird Fred ermordet aufgefunden. Max hat einen Verdacht. Er ermittelt auf eigene Faust und kann - zusammen mit seinem Sohn Egon und Diebespartner Arthur - den Mörder stellen ...

Eine gelungene Krimikomödie. Perfekt und überzeugend besetzt. Die Regie ist gelungen und die Musik von Martin Böttcher wunderbar. Der Film vereint gekonnt Spannung, Humor, aber auch Tragik. Ein Klassiker, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.255

26.01.2020 00:00
#2 RE: Max, der Taschendieb (1961/62) Zitat · Antworten



Max, der Taschendieb

Kriminaldrama, BRD 1961/62. Regie: Imo Moszkowicz. Drehbuch: István Békeffy, Hans Jacoby. Mit: Heinz Rühmann (Max Schilling), Elfie Pertramer (Pauline Schilling), Hans Clarin (Fred), Ruth Stephan (Desiree), Arno Assmann (Polizeiinspektor Friedrich), Hans Hessling (Arthur), Lotte Ledl (Lizzy), Harald Maresch (Joe), Benno Sterzenbach (Charly Gibbons), Frithjof Vierock (Egon Schilling), Helga Anders (Brigitte Schilling), Hans Leibelt (Oberpostrat), Ulrich Beiger („König der Taschendiebe“), Hans Jürgen Diedrich (Klavierträger), Gernot Duda (Mann auf dem Rennplatz) u.a. Uraufführung: 1. März 1962. Eine Produktion der Bavaria-Filmkunst GmbH München.

Zitat von Max, der Taschendieb
Seine Kinder und Nachbarn haben keine Ahnung, dass Max Schilling sein Geld als Taschendieb verdient. Als „ehrlicher Handwerker“ stiehlt Max nur das, was die Familie zum Leben benötigt. Es passt ihm daher gar nicht, dass er auch Fred, den nichtsnutzigen Bruder seiner Schwester, durchfüttern muss. Allerdings hätte Max nicht gedacht, dass sich Fred auf eine heikle Sache einlässt, die selbst für Max einige Nummern zu groß gewesen wäre: einen Lohngeldraub, der dann auch prompt zu Freds Tod führt. Max setzt alles daran, um den Hintermann des Raubes zu enttarnen und trifft dabei auf einen alten Bekannten ...


Durch die Veröffentlichung seiner Filmmusik auf der Martin-Böttcher-Compilation von BSC-Music war „Max, der Taschendieb“ einer der ersten Non-Wallace-Krimis der 1960er Jahre, die ich in meiner Jugend entdeckte. So hoch ich den Film dabei seit Langem auch einschätze, so sehr verwundert mich seine immer wieder aufs Neue bestätigte Einordnung ins Komödienfach. Natürlich war Hauptdarsteller Heinz Rühmann in erster Linie für seine heiteren Filme bekannt, doch Produktionen wie „Es geschah am helllichten Tag“ bewiesen gleichsam seine Eignung für ernsthaftere Sujets. Einem solchen begegnet man auch in „Max, der Taschendieb“, der zwar am Rande einige humorvolle Momente aufweist, im Grunde aber eine mit feinem Blick angefertigte Gesellschaftsskizze ist, die zugleich über Krimi- und Tragikelemente verfügt. Eine abschließende Einordnung des Films fällt schwer; vielleicht fliegt er auch deshalb oft unter dem Radar der meisten Krimifans.

Ohne Zweifel ist „Max, der Taschendieb“ ganz auf seinen prominenten Star zugeschneidert und lässt Heinz Rühmann in seiner Rolle als liebenden Familienvater mit pikantem Geheimnis äußerst gut dastehen. Dass dies bei Max’ Profession ein Balanceakt ist, versteht sich von selbst. Rühmann ist wie prädestiniert dafür, einerseits eine strahlende Identifikationsfigur und andererseits einen halbseidenen Kleinkriminellen zu verkörpern, der eigentlich nur einträgliche „Fingerübungen“ zu machen gedenkt, dann einen dramatischen Verlust erlebt und sich schließlich – mehrfach bemüht der Film die Metapher vom kleinen Fisch – als Sardine auf eine abenteuerliche Jagd nach Haien begibt. Dabei ist mit dem Tod eines Familienmitglieds und dem Aufspüren der Lohngeldräuber zugleich eine Katharsis verbunden, die dem Gewohnheitskriminellen vor Augen führt, dass nur noch die wenigsten die alte Ganovenehre hochhalten, und die ihn schlussendlich sogar erfolgreich läutert.

Im Milieu der „kleinen Leute“ angesiedelt, ist „Max, der Taschendieb“ folgerichtigerweise auch kein stargespickter Großfilm. Anstelle namhafter Kinogesichter setzen sich Rühmanns Partner in erster Linie aus Münchner Lokalgrößen, Theaterschauspielern, Hörspielsprechern und Darstellern, die erst später in ihrer Karriere berühmt wurden, zusammen. Die Mischung sorgt für ein unverwechselbares Gesicht des Films, zu dem Elfie Pertramer als liebenswürdige Ehefrau ebensoviel beiträgt wie Hans Clarin als abgebrannter Tunichtgut. Auch wenn einige Rollen deutlich eindimensionaler gestrickt sind als die des Max Schilling, so nimmt jede Figur einen für die Handlung wichtigen Platz ein; es gibt kaum floskelhafte Nebencharaktere, sondern man hat es mit einem von vorn bis hinten sauberen Ensemblefilm zu tun. Auch Arno Assmann als gutmütiger Polizist, Benno Sterzenbach als leicht erregbarer Amerikaner und Harald Maresch als gegelter Bilderbuchganove mit Lederjacke und schmutzigem Sex-Appeal müssen Erwähnung finden, wenn man keine wichtigen Erfolgsträger des Films übergehen möchte. Zudem ist nicht nur auf Imo Moszkowiczs behutsamen Umgang mit Freude- und Trauermomenten, sondern auch seine präzise Führung der Jungdarsteller hinzuweisen.

Im Gegensatz zu den zeitgleich hergestellten Wallace-Filmen spielt „Max, der Taschendieb“ nicht in einer märchenhaften Fantasiewelt, sondern bemüht sich, durch Geldmangel, Arbeitsscheu, ein sich abschwächendes Wirtschaftswunder, die Schwangerschaft von Desiree und das Coming of Age der Schilling-Kinder zeitrelevante Themen einzubauen. Moszkowicz arbeitete zudem mit einer großen Unaufgeregtheit, die sicher nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass es sich um seinen ersten Kinofilm handelt. So gerät das Resultat vielleicht noch mehr zum Familienporträt als zum Krimi, Drama oder Lustspiel. Freds sinnloser Tod setzt zudem ein deutliches melancholisches Ausrufezeichen, das auch in der schattenreichen Kameraführung von Albert Benitz sowie in der ‘mal verschämt vergnüglichen, ‘mal weltschmerzhaften Gitarrenmusik von Martin Böttcher Widerklang findet.

Vielleicht versucht „Max, der Taschendieb“, ein paar Genres zu viel unter einen Hut zu bekommen. Als Krimi ist der Film eher semi-befriedigend, als Charakter- und Zeitgeiststudie aber pures Gold wert. Heinz Rühmann verdient als liebenswürdiger Taschendieb auf großer Gangsterjagd allemal 4,5 von 5 Punkten und eine dicke Empfehlung.

Giacco Offline



Beiträge: 1.885

26.01.2020 15:14
#3 RE: Max, der Taschendieb (1961/62) Zitat · Antworten

Der Film-Echo-Kritiker hatte einiges zu bemängeln:

"Der deutsche Film hat das 60jährige Geburtstagskind Heinz Rühmann mit diesem "Taschendieb" im Taschenformat nicht übermäßig geehrt. Der große Charakterdarsteller hätte es verdient, in seinem neuesten Film seine Kunst in einem würdigeren Rahmen entfalten zu können. Dass dies offenbar nicht möglich war, scheint ein weiterer Beweis dafür zu sein, dass die gegenwärtige Krise des deutschen Films nicht nur in seinen wirtschaftlichen, sondern auch in seinen geistigen Bereichen zu suchen ist. Dieser Film konnte künstlerisch kein großer Wurf werden. Dazu ist das Drehbuch zu schwach.
Die Tragikomödie eines kleinen Taschendiebes - das wäre schon ein echter Rühmann-Stoff gewesen. Hier aber hat man die Alltagsgeschichte mit deutscher Rührseligkeit überzuckert, macht man Halbstarke zu Sartre-Existenzialisten und bewegt sich in einem Dialog- und Stilgemisch, das von der Gartenlauben-Romantik bis zum blutigen Keller-Krimi reicht. Die parodistisch-heitere Eingangsszene (der Taschendieb fleddert den Zauberkünstler) - das wäre die Richtung gewesen. Hier, wo ihm das Drehbuch genau so wie dann zum Schluß die Möglichkeit zur Komödie und Tragikomödie lässt, beweist Imo Moszkowicz sein Talent in der Darstellerführung. Heinz Rühmann selbst aber beweist seine hervorragende Charakterisierungskunst. Denn nur einem so großen Schauspieler wie ihm konnte es gelingen, in diesem dramaturgischen Wust eine Figur herauszuschälen, der bei aller moralischer Fragwürdigkeit die Sympathie des Publikums gehört. Fast alle anderen konnten nicht über den Schatten des Drehbuchs springen. Sie blieben blass. Das wird ganz deutlich an einer so versierten Darstellerin, wie sie Ruth Stephan ist: hier wirkt sie verkrampft und gehetzt. Lediglich Elfie Pertramer als Frau Taschendieb gelingen einige mütterlich natürlichen Töne. Leider muß auch sie falsche Drehbuchtränen vergießen. Ein ruhender Pol ist Arno Assmanns menschlicher Kommissar, während der gesamte Nachwuchs weder mit dem Papierdialog noch mit den verzeichneten Figuren zurecht kommt.
Dieser Film jedoch heißt Heinz Rühmann, vom guten Anfang bis zum idealisiert-verzuckerten Ende. Ihm allein ist es zu danken, dass der Film wohl überall ein sicheres Geschäft sein wird." (Film-Echo, März 1962)

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