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Dieses Thema hat 14 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

02.02.2008 16:45
Alibi (1955) Zitat · antworten



Der gelungene deutsche Kriminalfilm "Alibi" aus dem Jahr 1955 (mit O.E. Hasse, Hardy Krüger, Martin Held) erscheint am 4. April 2008 von Kinowelt auf DVD. Er erzählt folgende Handlung:

Zitat von Deutscher-Tonfilm.de: Alibi
Der Sensationsreporter Peter Hansen muss zunächst widerwillig als Geschworener am Mordprozess gegen den jungen Harald Meinhardt teilnehmen. Hansen stimmt als einziger gegen die Verurteilung des Angeklagten und obwohl ihm die lokalen Ereignisse seiner Heimatstadt bisher egal waren, stellt er einige Nachforschungen an. Zunächst ist der Verlag, für den Hansen arbeitet, gegen die vergleichsweise unspektakuläre Angelegenheit, bis Hansen schließlich auf die Spur des wahren Täters kommt ...


Interessant ist der Film auch für Wallace-Fans aufgrund der frühen Auftritte von Charles Regnier, Jan Hendriks, Siegfried Schürenberg, Eva-Ingeborg Scholz und Ludwig Linkmann.

Ich ( Gast )
Beiträge:

02.02.2008 18:31
#2 RE: Alibi (1955) Zitat · antworten

Kenne ich gar nicht. Ich kenne nur einen Roman von Agatha Christie, der auch so heißt.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

21.02.2008 16:35
#3 RE: Alibi (1955) Zitat · antworten

Auf der Seite von Kinowelt gibt es inzwischen neue Informationen (klick mich). Der Film wird mit einer Länge von 102 Minuten und im Bildformat 1:1,33 auf der DVD enthalten sein. Als Bonusmaterial ist neben Biografien, Trailer und Fotogalerie auch eine Dokumentation (wohl in Form von Texttafeln) über Alfred Weidenmann unter dem Titel "Müssen Filme unwahr sein?" angekündigt.

Zwei Anmerkungen noch zum Link:

1. Wer den Film nicht kennt, sollte den Trailer nicht sehen!
2. Der Regisseur des Films ist natürlich Alfred Weidenmann und nicht, wie im zweiten Absatz der Beschreibung fälschlicherweise angegeben, Peter Hansen, bei dem es sich um den Rollennamen des Hauptdarstellers O.E. Hasse handelt.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.564

21.02.2008 20:00
#4 RE: Alibi (1955) Zitat · antworten

Die Doku "Müssen Filme unwahr sein?" ist auch auf der DVD "Canaris" (Regie: Alfred Weidenmann) enthalten. Ich hatte bisher allerdings noch keine Zeit reinzuschauen.

Mike Pierce ( gelöscht )
Beiträge:

22.02.2008 11:32
#5 RE: Alibi (1955) Zitat · antworten

Allein schon wegen Martin Held ist der Film für mich Pflicht.

Schön wäre auch, wenn der Film "Der letzte Zeuge" (BRD 1960) mit Martin Held, Ellen Schwiers und Hanns Lothar (Regie: Wolfgang Staudte) auf DVD rauskommen würde.

MfG
Mike

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.307

23.02.2008 08:40
#6 RE: Alibi (1955) Zitat · antworten

Toller Film. Da Kinowelt das Format mit 1:1,33 angibt, dürfte es sich auch hier wieder um die TV-Fassung handeln. Im Original wurde der Film nämlich in 1:1,37 gedreht. Also werde ich mir, wie bei den letzten VÖs von Kinowelt, die Anschaffung der DVD sparen können und lieber auf meine selbsgemachte DVD von ALIBI zurückgreifen. Schon wieder 10 Euro gespart ... Danke, Kinowelt!

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

13.03.2009 21:07
#7 RE: Alibi (1955) Zitat · antworten

Nachdem ich nun endlich Zeit gefunden habe, erneut in den Film „Alibi“ und erstmals in seine DVD-Veröffentlichung von Kinowelt hineinzusehen, hier einige Anmerkungen zum Kriminalfilm und zur Disc-Umsetzung:

Der Film:

Die Besetzung des Films ist mit Hardy Krüger, Martin Held und O.E. Hasse stargespickt und sehr überzeugend. Alle Schauspieler passen sich klasse den jeweiligen Rollen an – als Beispiele seien ebenfalls Eva-Ingeborg Scholz, Ludwig Linkmann und Siegfried Schürenberg angeführt. Der Film erzählt minutiös zwei sich bedingende Handlungsstränge: den Mordprozess um Harald Meinhard und die daraus resultierende Ungewissheit, die den oberflächlichen Sensationsreporter Hansen wieder dazu bringt, genauer über den einzelnen Menschen nachzudenken. Dieses zweite Handlungselement ist es, was „Alibi“ von anderen Kriminalfilmen unterscheidet und ihm diverse Auszeichnungen eingebracht hat, ihn allerdings auch weniger kurzweilig und spannend macht. Auf die Läuterung wird ein so großer Wert gelegt, dass die recht einfache Kriminalgeschichte zeitweilig sehr vergessen wird. Da dies aber wohl beabsichtigt war, kann darin kein Versagen der Produktion gesehen werden.

Interessant ist dieser Film auch, weil er einen aufregenden Einblick in eine nie ruhende Zeitungsredaktion gibt, in der die verschiedensten Nachrichten der Welt ein- und ausgehen. Vor diesem Hintergrund kontrastiert der ganz private Fall Meinhard besonders. Insgesamt ein gelungener Film des kritischen Fünfzigerjahrekinos und mir 4,5 von 5 Punkten wert.

Die DVD-Umsetzung:

Die Kinowelt-DVD schwächelt, so viel sei vorweggenommen, sofort augenscheinlich in zwei Punkten: Zunächst einmal ist es eine Unverschämtheit, vor dem Menüzugriff zwei Zwangsfilmtrailer abspielen zu müssen, auch wenn es sich um alte Originalkinotrailer von „Canaris“ und „Die Brücke“ handelt. Wenn ich sie sehen will, schaue ich gern im Menü „Weitere Filmhighlights“ vorbei, aber das möchte ich selbst entscheiden können. Zweitens ist der Filmbeginn unschön geschnitten. Die Verleihmarke der FAMA-Film wird bei Filmstart gerade noch aus- und in den Filmtitel übergeblendet. Hier hätte man entweder versuchen müssen, mehr von der Marke zu integrieren oder sie vollkommen zu eliminieren – das vorliegende Zwischending wirkt wie eine selbstgeschnittene TV-Aufnahme ...

Ansonsten habe ich an der Disc nicht viel auszusetzen. Der Film ist in seinem Originalbildformat enthalten. Hin und wieder treten Verunreinigungen auf, doch sie verschwinden zumeist recht bald wieder. Insgesamt ist die Bildqualität zwar nicht so gut wie etwa bei „Der Greifer“, aber dennoch akzeptabel. Das Bonusmaterial ist für das Alter des Films angebracht: Originaltrailer, Bildergalerie, Biografien (eine davon in gedruckter Form auf der Innenseite des Covers) und die Texttafeldokumentation von Alfred Weidenmann, die sich vor dem Hintergrund von „Alibi“ besonders gut liest, bilden einen passenden Rahmen für einen guten Film. Deutsche Untertitel sind lobenswerterweise vorhanden.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.307

14.03.2009 08:25
#8 RE: Alibi (1955) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #7
Der Film ist in seinem Originalbildformat enthalten.

Tatsächlich? Auf dem DVD-Cover wird doch als Format 1:1,33 angegeben, oder? Der Film wurde aber in 1:1,37 aufgenommen. Ich weiß, viele werden jetzt wieder sagen, es sei Erbsenzählerei, aber es wurde anscheinend bei der DVD-Umsetzung, wie von Kinowelt zuletzt ja gewohnt, wieder fahrlässig umgegangen. Wahrscheinlich wurde sogar das alte TV-Master verwendet.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

14.03.2009 09:53
#9 RE: Alibi (1955) Zitat · antworten

Solange keine Kürzungen vorliegen und eine vernünftige Filmqualität garantiert werden kann, sehe ich kein Problem darin, dass das TV-Master verwendet wird. Optisch einen Unterschied zwischen 1,33:1 und 1,37:1 zu finden, dürfte in der Praxis ziemlich schwerfallen.

Ray Offline



Beiträge: 1.089

23.11.2017 22:23
#10 RE: Alibi (1955) Zitat · antworten

Lange ist nichts geschrieben worden über diesen Film. Ob es an der schon länger "vergriffenen" DVD liegt? Diese ist aktuell nach längerer Zeit mal wieder zu akzeptablen Konditionen gebraucht zu haben. Wer weiß schon, ob Filmjuwelen alles neu verlegt, was Kinowelt irgendwann mal auf den Markt gebracht hat?


Alibi (BRD 1955)

Regie: Alfred Weidenmann

Darsteller: O.E. Hasse, Hardy Krüger, Martin Held, Eva-Ingeborg Scholz, Charles Regnier, Siegfried Schürenberg, Jan Hendriks, Peer Schmidt, Ernst Waldow, Franz-Otto Krüger, Maria Sebaldt, Stanislav Ledinek u.a.



Bei „Alibi“ handelt es sich um einen Glücksfall von einem Kriminaldrama. Aus der Perspektive der schreibenden Zunft schildert das Werk Alfred Weidenmanns einen packenden Kriminalfilm. Die Krimi-Story kommt schnell in die Gänge. Die Frau eines reichen Chemikers wurde ermordet, der Verdächtige (Hardy Krüger) ist schnell ausgemacht und verhaftet, ehe man sich versieht, verlegt sich die Handlung schon vors Gericht. Dort gibt es packende Szenen zu begutachten. Aus heutiger Sicht vor allem interessant, die aus amerikanischen Kriminalfilmen bekannten Abläufe vor Gericht in einem deutschen Kriminalfilm zu sehen. Denn „Alibi“ entstand zu einer Zeit, in der es in der Bundesrepublik noch Geschworene gab.

Vermittelt durch die Hauptfigur, den Journalisten Peter Hansen, verkörpert von O.E. Hasse, mehren sich Zweifel an der Schuld des Hardy Krüger-Charakters. Genug Nahrung, um in der zweiten Hälfte diesen Zweifeln nachzugehen und zu schauen, ob sie sich entkräften oder bestätigen werden. In diesem Verlauf macht Hasses Figur eine Wandlung durch. Angestoßen durch eine „Moralpredigt“ eines jüngeren Kollegen, macht sich der erfahrene und angesehene Journalist mit einer ordentlichen Portion Idealismus daran, neue Tatsachen zu ermitteln, die Hardy Krügers Figur entlasten könnten.

Obwohl der Verlauf von „Alibi“ in Teilen vorhersehbar ist, so fesselt der Streifen dennoch durchgängig, weil das Ganze packend erzählt und vor allem gespielt ist. Die Besetzung ist famos. Neben den durchweg überzeugenden Hauptdarstellern O.E. Hasse, Hardy Krüger (in für ihn „typischer“ Rolle als (vermeintlich) unschuldig Verdächtigter) und Martin Held (im Kriminaldrama ein immer gern gesehener Gast) sieht man in tragenden Nebenrollen u.a. Charles Regnier als Hasses Vorgesetzten oder Siegfried Schürenberg, der als Vorsitzender Richter eine wahre Glanzleistung abliefert, da er einerseits der Würde des Amtes bei Gericht gerecht wird, andererseits in den Pausen auch kleine sympathische Momente serviert bekommt, wenn er sich etwa mit O.E. Hasse über Marokko unterhält. Für kleinere Auflockerungen sorgt überdies Maria Sebaldt als aufgeweckte Redakteurin.

Die DVD von Kinowelt bietet ein ordentliches Bild. An Extras gibt es Texttafeln und eine Bildergalerie.


„Alibi“ ist ein Vorzeige-Kriminaldrama: eine zwar von der Grundkonstellation einfach gestrickte, aber dennoch – oder gerade deshalb – packende Story, ein famoser Cast, wirkungsvolle Regie mit bemerkenswerten Zwischentönen und eine gute Spannungskurve. 5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

23.11.2017 23:00
#11 RE: Alibi (1955) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #10
Lange ist nichts geschrieben worden über diesen Film.

Danke fürs Ausbuddeln dieses Threads! Nach deiner Empfehlung wandert die DVD bei mir auch 'mal wieder weiter oben in den "Sichtung demnächst"-Stapel. Ich habe ihn seit 2009 wirklich nicht mehr gesehen.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

12.08.2018 13:45
#12 RE: Alibi (1955) Zitat · antworten

Jetzt hat’s endlich geklappt mit der Neusichtung. Wirklich ein ganz starker Film!



Alibi (Kein Alibi)

Kriminalfilm, BRD 1955. Regie: Alfred Weidenmann. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: O.E. Hasse (Peter Hansen), Hardy Krüger (Angeklagter Meinhardt), Martin Held (Dr. Overbeck), Peer Schmidt (Reporter Roland), Ernst Waldow (Kriminalkommissar Lukkas), Siegfried Schürenberg (Vorsitzender am Gericht), Eva-Ingeborg Scholz (Inge Römer), Jan Hendriks (Berthold), Walter Werner (Vater Meinhardt), Gisela von Collande (Frau Hansen) u.a. Uraufführung: 30. Dezember 1955. Eine Produktion der Fama F.A. Mainz Film im Europa-Filmverleih Hamburg.

Zitat von Alibi
Starreporter Peter Hansen berichtet aus aller Welt. Nun soll seine Aufmerksamkeit aber auf einmal nicht den großen Sensationen, den Bomben und Weltkonferenzen, gelten, sondern einem simpel erscheinenden Mordfall: Er ist zum Geschworenen in einem Mordprozess berufen worden und geht diese Aufgabe mit wenig Elan und Zuversicht an. Im Laufe der Verhandlung wird sich Hansen jedoch seiner Verantwortung bewusst und avanciert zum größten Fürsprecher des Angeklagten Meinhardt, der seine Geliebte, die Frau des Chemikers Overbeck, erschlagen haben soll, aber stets seine Unschuld beteuert. Nach der Verurteilung sucht Hansen neue Informationen, um den Fall zu einer Wiederaufnahme zu bringen, und er findet tatsächlich Hinweise darauf, dass die Indizien gegen Meinhardt nicht so lückenlos waren, wie das Gericht angenommen hatte ...


Wo andere Kriminalfilme versuchen würden, die von ihnen geschilderten Ereignisse als das Maximum des vorstellbaren Dramas und ihre Figuren als am Rande des emotional Verkraftbaren stehend zu verkaufen, schildert „Alibi“ den Mordfall Overbeck in diametral entgegengesetzter Weise. Protagonist Peter Hansen meint, über den Dingen und vor allem über so lapidaren Angelegenheiten wie einem Eifersuchtsmord zu stehen. Als Reporter ist er „Geschichten“ ganz anderen Kalibers gewohnt, in denen es um die Zukunft der Menschheit geht, die nach dem Krieg die Mittel, die wenige Jahre zuvor noch Zerstörung und Elend gebracht hatten, in friedlicher Absicht einsetzt. Mit Hansens Position, so eine gewöhnliche Angelegenheit verdiene höchstens einen Zehnzeiler, wird die Überheblichkeit des Bildungsbürgertums deutlich, für das Mord und Totschlag (ob auf dem Papier oder im realen Leben) zur bloßen Trivialität degradiert ist. Erst durch inständige Plädoyers von Bekannten und Vertrauten des Mordopfers und des Angeklagten sowie durch dessen beharrliches Abstreiten der Tat setzt langsam ein Lern- und Verständnisprozess beim scheinbar allwissenden Reporter ein.

„Alibi“ konzentriert sich auf diese zwei Aspekte in gleichem Maße. Einerseits wird die dem jungen Meinhardt zur Last gelegte Tat nie aus dem Blick verloren; andererseits nimmt sich gerade der Mittelteil des Films gebührend Zeit, Hansens Gesinnungswandel vom zynischen Schlagzeilenmann zum aufrichtig interessierten Kümmerer zu illustrieren. O.E. Hasse legt beide Typen glaubwürdig an, indem er nicht in die charakterlichen Extrema der Positionen verfällt, sondern – mithilfe der natürlich wirkenden Dia- und Monologe Reineckers – einen fließenden Übergang zwischen A und B darstellt, weil sein Peter Hansen es eben gewohnt ist, auf die Zwischentöne in den Aussagen der ihn umgebenden Menschen zu achten. Umschlossen wird diese Katharsis vom Prozess mit Fehlurteil im ersten Filmdrittel und von Hansens privaten Ermittlungen im letzten. Beide Teile gelangen Weidenmann sehr stark und spannungsvoll, weil man sich des Ausgangs der Ereignisse nie sicher sein kann und sich durch die minutiöse Aufarbeitung wie an Hansens Seite glaubt. „Alibi“ bringt mit dem Justizirrtum und der Reaktivierung des Falles zwar überaus spektakuläre Momente mit, schildert diese aber so selbstverständlich, dass man sich stellenweise wie in einer Dokumentation oder zumindest wie in einem auf wahren Motiven fußenden Spielfilm wähnt.



Vermutlich war genau das der Grund, weshalb das Filmprojekt „Alibi“ nicht von allen Seiten begrüßt wurde:

Zitat von Indra Fehse: Keine Unterstützung, Filmreporter, 2018, Quelle
Produzent F. A. Mainz erfuhr erst über Umwege, dass die Bonner Ministerialjuristen in Alfred Weidenmanns Film eine Verächtlichmachung der Justiz sahen. Durch das Drehbuch des Bundesfilmpreisträgers Herbert Reinecker wurde Ministerialrat Dr. Sauer auf den Film aufmerksam. Mit allen Mitteln versuchte er, sich der Veröffentlichung entgegenzustellen. Er forderte den Bundesjustizminister sogar dazu auf, die entsprechenden Produktionskredite zu sperren. [...] Das Justizministerium konnte sich nicht durchsetzen. Alfred Weidenmann erhielt für den zunächst umstrittenen Film Alibi sogar das Filmband in Silber. Neben dem Widerständler-Porträt Canaris von 1954 gehört Alibi zu Weidenmanns größten Erfolgen.


In Anbetracht des Endergebnisses ist die Auszeichnung mit dem Filmband mehr als nachvollziehbar. Neben der treffsicheren Kooperation Weidenmann – Reinecker (seit „Junge Adler“ schon im vierten gemeinsamen abendfüllenden Film) und der tragfähigen Kameraarbeit des jungen Helmuth Ashley sind es vor allem die unantastbaren Schauspielerauftritte, die die Stärke und Präsenz des Stoffes ausmachen. Hardy Krüger, der auch bereits im engagierten Fliegerepos von 1944 zu sehen war, zeigt als Liebhaber der Frau Overbeck alle Qualitäten, die der kalte Workaholic-Ehemann (Martin Held) vermissen lässt, auch wenn (oder gerade weil) sie sich nicht immer in gesellschaftlich akzeptierte Bahnen kanalisieren lassen. So blitzen bei Krüger einige nonkonformistische Momente ersten Grades auf, die seine Rolle zum perfekten Opfer eines neben Indizien vor allem auf Voreingenommenheit basierenden Fehlurteils machen. Zum Beginn des Prozesses erhebt zum Beispiel der sonst durch routinierte Milde auffallende Gerichtspräsident (ein wunderbar ruhiger Siegfried Schürenberg) den Zeigefinger gegenüber Meinhardt, und man hört aus seiner Rüge die Quintessenz des Verhaltenskodex in der Adenauer-Ära heraus: „Was ist das für eine merkwürdige Unruhe in Ihrem Leben? Warum wollen Sie nicht vorwärts kommen? Sie sind doch ein junger Mensch. Sehen Sie keinen Sinn darin, sich ordentlich auszubilden und einen geachteten, ehrlichen Beruf zu ergreifen?“

Dass Meinhardt nichtsdestoweniger eindeutig auf die Seite der „Guten“ gehört, beweist neben den Konventionen des Krimis und den rührenden Schmalfilmaufnahmen mit der Toten vor allem der Kontrast zum gleichaltrigen Jan Hendriks, der in Lederkluft und mit verdächtigen Blicken gen Polizei einen idealen Ersatzverdächtigen abgibt. Ein drittes, scheinbar gänzlich harmloses Modell des „jungen Menschen“ hat Peter Hansen bei sich zu Hause sitzen: den verträumten Musikus, der nichts von den Abgründen der Außenwelt weiß (ein junger Charles Brauer). Dieser ist wesentlich pflegeleichter als der von Peer Schmidt verkörperte Jungreporter, der den Idealismus mit Löffeln geschluckt hat, aber sich in seiner herzensguten Art hier einige Meriten erwirbt. Klar wird bei diesem Figurenkompendium, dass der Autor die Skizzierung und Kategorisierung der Jugend bereits als eines seiner überdauernden Leitmotive ausgemacht hat, der Blick aber noch zuversichtlicher ausfällt als etwa später bei „Derrick“.

„Alibi“ schildert einen interessanten Mordfall mit genügend Detailverliebtheit, um ihn getrost als einen Kriminalfilm bezeichnen zu können. Und doch ist der Streifen so viel mehr als das, bohrt tiefer und stößt bei vielen seiner Figuren auf sprudelnde Quellen, die Einblicke in spannende, wandelbare und unfertige Charaktere gewähren. Mit einer atemberaubend guten Besetzung bis in die kleinsten Rollen versehen, gehört „Alibi“ zum unbedingten Pflichtprogramm für Freunde des deutschen Fünfzigerjahrekinos. 5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.089

23.10.2018 21:24
#13 RE: Alibi (1955) Zitat · antworten

Nachdem die Kinowelt-DVD schon seit einiger Zeit vergriffen ist, veröffentlicht Filmjuwelen am Freitag eine Neuausgabe auf DVD.

https://www.amazon.de/Alibi-Hasse/dp/B07...words=alibi+dvd


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Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

24.10.2018 20:48
#14 RE: Alibi (1955) Zitat · antworten

Löblich ist die Neu-Veröffentlichung auf jeden Fall und jedem, der den Film noch nicht kennt, sei "Alibi" allerwärmstens ans Herz gelegt. Aber ein schönes Cover geht anders. Leider hat sich Filmjuwelen von seinem kohärenten Schwarz-Weiß-Rot-Stil für Krimiklassiker verabschiedet - dabei wäre der auch bei "Alibi" sehr passend gewesen.

Ray Offline



Beiträge: 1.089

25.10.2018 00:00
#15 RE: Alibi (1955) Zitat · antworten

Ja, das Gleiche hab ich mir auch gedacht, wobei dieses Phänomen bei den Filmjuwelen-VÖs onnerhalb anderer Genres auch schon beobachtet habe. aber das Krimi-Design war natürlich immer besonders prägnant und machte sich im Regal bei mehreren DVDs aus der Reihe immer besonders gut. Mal schauen, wie es bei den anderen kommenden VÖs wie "Bankraub an der Rue Latour" aussieht.

Ähnliches gilt aber auch für die Pidax-Veröffentlichungen von "Okay S.I.R.". Ganz zentral und sehr löblich ist natürlich, dass die Serie überhaupt erscheint. Aber auch hier finde ich die Cover-Gestaltung alles andere als gelungen...

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