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Dieses Thema hat 16 Antworten
und wurde 1.273 mal aufgerufen
 Giallo Forum
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eastmancolor Offline



Beiträge: 2.332

26.01.2008 16:35
Blutige Seide (1964) Zitat · antworten

Ich gehe mal davon aus, dass viele Edgar-Wallace-Fans noch nicht gemerkt haben, welch großartige Verwandschaft zum Giallo-Genre besteht und wie viele, tolle Krimis man in diesem Bereich entdecken kann. Ich sehe die Wallace-Filme als Vorbild des italienischen Thrillers, genannt Giallo.

Falls jemand von Euch mal Lust hat, BLUTIGE SEIDE kennenzulernen, empfehle ich die DVD von Anolis, die nicht nur uncut, Originalbildformat, sondern auch noch eine exzellente Bildqualität hat. Man kann die DVD schon für unter 10 Euro bekommen.

Mario Bava hat 1964 mit BLUTIGE SEIDE einen der allerersten Gialli inszeniert, der definitiv stilbildend für dieses Subgenre war. Ein absolut typischer Giallo, der die wesentlichen Merkmale des Genres beinhaltet: maskierter oder vermummter Täter mit den obligatorischen schwarzen Handschuhen und natürlich darf man bis zum Schluss gespannt sein, wer der Mörder ist ... BLUTIGE SEIDE ist ein definitives Meisterwerk! Kamera, Beleuchtung sind exzellent und dürften den Wallace Fan an die späteren Farb-Wallace-Filme erinnern. Allerdings ist die Story um den Killer, der in einer Modeschule ein Mädchen nach dem anderen ermordet, wesentlich ernster angelegt als in den Farb-Wallace-Filmen.

Eine wirklich großartige Besetzung ist Eva Bartok, die eigentlich alle anderen Darsteller im Film an die Wand spielt. Ich verstehe nicht, warum Eva Bartok nie den Weg zu den Wallace-Filmen gefunden hat. Thomas Reiner als ermittelnder Kommissar überzeugt ebenfalls, auch wenn ihm das Drehbuch (wie so oft im Giallo, in Bezug auf Kommisare) nicht viel Platz lässt, sich zu entfalten.

Die Verbindung von Carlo Rustichellis wunderberer Musik, einer exzellenten Kameraführung und der Bava eigenen Ausleuchtung erschaffen eine ganz besondere Atmosphäre, die jeden Krimi-Fan in ihren Bann ziehen wird. Ich bin jetzt mal ganz frech und bezeichne BLUTIGE SEIDE als den perfekten "deutschen" Farb-Wallace, den es leider nie gegeben hat. Speziell zum Ende hin hat der Film besonders starke Momente in Bezug auf die Handlung und das schauspielerische Talent Eva Bartoks.

10 von 10 Punkten - ohne Diskussion!

PS: Der deutsche Trailer erinnert wegen des Sprechers an Edgar Wallace. Leider habe ich den deutschen Trailer im Netz nicht gefunden, aber auf der DVD ist er enthalten. Bei Amazon gibt es die DVD für 8,97 Euro! Wer jetzt nicht bestellt, ist selber Schuld.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

28.01.2008 10:36
#2 RE: Blutige Seide (1964) Zitat · antworten

Ein bisschen Diskussion sollte schon erlaubt sein. Sicher ist der Film wichtig - einer der ersten Gialli überhaubt, der für viele späteren Filme als Vorbild dient. Er ist von Bava auch optisch toll umgesetzt (wie jeder Mario-Bava-Film, den ich bisher gesehen habe).

Allerdings sehe ich Schwächen in der Story - die Identität des Mörders wird zu früh im Film enthüllt! Deshalb halte ich den Film für etwas überschätzt. Gesehen haben sollte man ihn trozdem auf jeden Fall. Inszenierung, Schauspieler und die DVD sind Top.


Was die Ähnlichkeit mit den Farb-Wallace-Filmen angeht, halte ich persönlich (von der Stimmung her) "Sieben Jungfrauen für den Teufel" für näher dran! Denn Bava hat einen ganz eigenen Stil, den man nicht mit Vohrer vergleichen kann. 4,5 von 5 Punkten von mir.

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.332

28.01.2008 11:12
#3 RE: Blutige Seide (1964) Zitat · antworten

Ich vermute, dass die Italiener bei 7 JUNGFRAUEN FÜR DEN TEUFEL mehr von den zu der Zeit sehr erfolgreichen deutschen Farb-Wallace-Filmen abgeguckt haben. Sieht alles sehr nach Wallace aus.

Was BLUTIGE SEIDE betrifft, meinte ich mehr Beleuchtung und Kamera, die von den Wallace-Machern ähnlich umgesetzt wurden - nur zwei Jahre später.

Mike Pierce ( gelöscht )
Beiträge:

22.02.2008 10:12
#4 RE: Blutige Seide (1964) Zitat · antworten

Der Film ist von Mario Bava stilsicher inszeniert worden. Leider war der Whodunit beim Zuschauer zu früh erkennbar. Dennoch ist der Film sehr spannend und wegweisend für den Giallo.

MfG
Mike

Enrico Rosseni Offline




Beiträge: 124

22.02.2008 10:46
#5 RE: Blutige Seide (1964) Zitat · antworten

Zitat von eastmancolor im Beitrag #1
Mario Bava hat 1964 mit BLUTIGE SEIDE einen der allerersten Gialli inszeniert

Wobei er mit "La Ragazza che sapeva troppo / The Girl Who Knew too Much" im Jahr zuvor bereits schon selbst den Grundstein legte. Inhaltlich finde ich "La Ragazza ..." wesentlich besser als "Blutige Seide", doch dieser hat dafür eindeutig die bessere Optik und definierte zu einem großen Teil die Atmosphäre für das Genre. Die Story beginnt hier zwar auch recht interessant, dafür lässt sie aber mit der Zeit leider immer mehr nach. Das Finale im Kellerraum finde ich stellenweise dann aber schon ein wenig überzogen. Trotzdem ein Meilenstein.

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.332

22.02.2008 11:55
#6 RE: Blutige Seide (1964) Zitat · antworten

Deswegen schrieb ich auch "einen der allerersten".

Enrico Rosseni Offline




Beiträge: 124

22.02.2008 13:03
#7 RE: Blutige Seide (1964) Zitat · antworten

Ich habe das auch nur ergänzt, weil sicherlich nicht jeder weiß, dass Bava selbst auch den Grundstein legte.

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.332

15.10.2008 10:13
#8 RE: Blutige Seide (1964) Zitat · antworten

Gestern habe ich den Film nochmals angesehen und muss nun doch einigen Usern hier zustimmen. Ich habe mich mal nicht nur berieseln lassen, sondern ganz genau auf Handlungsverlauf und Story geachtet. Logisch kann man das Ganze bestimmt nicht nennen. In der ersten Hälfte des Films ist es für den Zuschauer sehr schwierig, die Personen in ihren Handlungen nachzuvollziehen. Auch später scheint alles irgendwie an den Haaren herbeigezogen zu sein. Schade! Drehbuchtechnisch hat Bava wohl nicht so sehr auf seine Filme Wert gelegt. Trotzdem sind die Atmosphäre, Optik und Musik im Film dermaßen gelungen, dass man gerne darüber hinweg sieht. Außerdem wird's in der letzten halben Stunde noch richtig spannend!

Also 10 von 10 Punkten mit kleinen Schönheitsfehlern in der Handlung. Logisch sind ja die wenigsten Gialli.

Janek Offline




Beiträge: 1.852

02.02.2011 20:27
#9 RE: Blutige Seide (1964) Zitat · antworten

Der Film ist, wie ich finde, im Gegensatz zu anderen Gialli noch nicht so brutal, was wirklich gut ist. Er baut auch bei den Morden eine eher subtile Spannung auf, was grandios umgesetzt ist. Ich liebe diesen Film - hier muss der Zuschauer noch Fantasie beweisen und bekommt nicht alles vorgesetzt!

MfG
Janek

Georg Offline




Beiträge: 2.769

12.09.2011 18:38
#10 RE: Blutige Seide (1964) Zitat · antworten

Sei donne per l'assassino
wörtlich: Sechs Frauen für den Mörder
Französischer Titel: Six femmes pour l'assassin
Deutscher Titel: Blutige Seide
Österreichischer Titel: Der Würger mit der Maske
Italien / Frankreich / Deutschland 1964

Alles dreht sich um ein Tagebuch und einen Modesalon, der von Max (Cameron Mitchell) und Cristiana (Éva Bartok) geführt wird. Ein unheimlicher Killer taucht auf und bringt mehrere Frauen der Reihe nach um. Ispettore Silvestri ermittelt ...

Mehr an Handlung gibt es in diesem - wie viele sagen - richtungsweisenden Werk eigentlich nicht. Mario Bava ist - wie übrigens auch Dario Argento - nicht gerade dafür bekannt, ausgefeilte und logische Handlungsabläufe zu präsentieren. Die Dramaturgie selbst erinnert stärkstens an die Edgar-Wallace-Serie, vor allem der maskierte Killer, weshalb ich "Blutige Seide" als eine Epigone* erster Klasse einreihen würde.

Was mich beim Wiedersehen enorm gestört hat, sind die extrem grellen Farben, die Bava zwar sicherlich bewusst einsetzt, in meinen Augen aber kontraproduktiv wirken und dem Film enorme Spannung nehmen. Versucht mal, den Film in Schwarzweiß zu sehen - die Wirkung ist 100 Mal besser, gruseliger und unheimlicher! Bava scheint versucht zu haben, in jeder Einstellung möglichst das gesamte Farbenspektrum unterzubringen, wodurch man das Gefühl irgendwie nicht los wird, es mit einem Walt-Disney-Film zu tun zu haben. Mich erinnert das stark an eine Aussage des Regisseurs Jürgen Goslar, die er während eines Interviews, das ich im Vorjahr führen konnte, machte und in der er sich darüber beklagte, dass damals zum Start der Farbfilmzeit die Produzenten überall bunte Sachen in die Krimidekorationen stellten und er sie mit der Bemerkung "Wir drehen einen Farbfilm, keinen Buntfilm" entfernen ließ. Ich kenne kein besseres Beispiel für einen Buntfilm als "Blutige Seide".

Nächster Kritikpunkt: die Maskierung des Killers! Bemerkenswert, wie sicher er sich bewegt, ohne auch nur das Geringste sehen zu können (eine derartige Maske ist nämlich garantiert undurchsichtig!). Und dann wäre da noch die Tatsache, dass die Maske bereits nach knapp einer Stunde gelüftet wird. In einem 90-Minuten-Film den Täter nach rund zwei Dritteln zu entlarven, finde ich nicht gerade günstig.

Zu den positiven Aspekten: Sieht man von den von mir zitierten Faktoren ab, so ist "Blutige Seide" durchaus ein spannender Film mit einer tollen Besetzung. Éva Bartok spielt hier um 180 Grad gedreht eine völlig andere Rolle als in dem drei Jahre zuvor gedrehten Krimi "Eheinstitut Aurora", Cameron Mitchells Auftreten wirkt stets bedrohlich und diabolisch und hat damit eine ähnliche Wirkung wie in dem 1965 gedrehten deutsch-spanischen Thriller "Das Geheimnis der Todesinsel", den ich demnächst hier besprechen werde. Auch Thomas Reiner, ein sonst häufig auftauchender deutscher Nebendarsteller, ist als Inspektor nicht unideal, hätte aber eine größere Rolle verdient. Doch er erfährt das Schicksal späterer Giallo-Ispettori, indem ihm eher wenig Bildschirmpräsenz zugesprochen wird.

Mein Fazit: Für Wallace-Fans sicherlich attraktiv, als Giallo für mich noch ein wenig zu unausgereift.

*) Was eine Epigone ist und was nicht, wurde hier im Forum bereits mehrfach diskutiert, aber nie genau geklärt. Dies veranlasst mich, darüber einen Essay zu schreiben, den ich - angeregt durch Sichtung zahlreicher 60er-Krimis in letzter Zeit - demnächst hier posten möchte.

Regie: Mario Bava, Drehbuch: Marcello Fondato, Giuseppe Barilla, Mario Bava nach einer Idee von Marcello Fondato, Kamera: Ubaldo Terzano, Musik: Carlo Rustichelli, Produzenten: Massimo Patrizi, Alfredo Mirabile, Mit Éva Bartok, Cameron Mitchell, Thomas Reiner, Ariana Gorini, Dante di Paolo, Heidi Stroh u.a.

Janek Offline




Beiträge: 1.852

12.09.2011 19:58
#11 RE: Blutige Seide (1964) Zitat · antworten

Da hast du Recht: Eine weiße Strumpfmaske ist absolut undurchsichtig - im Gegensatz zu einer dunklen. Ist merkwürdig, aber es stimmt. Zudem reflektiert doch so eine Maske sicherlich im Dunkeln, oder?

MfG
Janek

Stroheim Offline




Beiträge: 154

14.07.2013 18:14
#12 RE: Blutige Seide (1964) Zitat · antworten

Kürzlich hab' ich mir Bavas "Operazione Paura" und auch "Blutige Seide" mal wieder angeschaut. Beide bieten viel fürs Auge, schöne Farben und Dekors. In "Operazione Paura" gefallen mir darüber hinaus die schauspielerischen Leistungen noch besser, und er ist auch spannender und gruseliger. Den sogenannten Giallo-Klassiker "Blutige Seide" brauche ich nun nicht mehr unbedingt in der Sammlung und werde die mittlerweile recht gesuchte deutsche DVD spontan über Booklooker, Xjuggler oder Amazon verhökern.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.747

14.09.2013 01:38
#13 RE: Blutige Seide (1964) Zitat · antworten

„Blutige Seide“ belegt mit 57,90 von 70 Punkten Platz 17 von 35 im Giallo-Grandprix 2013. Der Film wurde also mit durchschnittlich 4,14 Punkten pro Person bewertet. Unter zwölf Teilnehmern erhielt er vier Top-Ten-Nominierungen, sodass er in der Stichwahl um Platz 10 antreten musste. Dort erhielt er Film 4 von 90 Punkten (Platz 4 von 6).

Anzahl der abgegebenen Bewertungen: 10
mit 62,30 Punkten auf Platz 08 in der Kategorie Stil (Inszenierung und Bild)
mit 54,60 Punkten auf Platz 20 in der Kategorie Schock und Provokation
mit 56,70 Punkten auf Platz 15 in der Kategorie Plot und Spannung
mit 58,10 Punkten auf Platz 14 in der Kategorie Darsteller
mit 53,90 Punkten auf Platz 26 in der Kategorie Musik
mit 60,90 Punkten auf Platz 16 in der Kategorie Giallo-Faktor
mit 58,80 Punkten auf Platz 09 in der Kategorie Freie Wertung
Gehe zum IMDb-Eintrag / OFDb-Eintrag

Ray Online



Beiträge: 696

13.08.2017 21:15
#14 RE: Blutige Seide (1964) Zitat · antworten

Im Schatten der Blu-Ray-DVD-Kombo wird auch die alte DVD von ems, die zeitweise zu Mondpreisen gehandelt wurde, wieder günstig angeboten.

https://www.amazon.de/Blutige-Seide-Came...s=Blutige+Seide


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patrick Online




Beiträge: 2.749

13.08.2017 21:20
#15 RE: Blutige Seide (1964) Zitat · antworten

Bedanke mich für den Tip. Schon bestellt. Habe den Film einmal in italienischer Sprache gesehen und leider kaum etwas verstanden. Hat mich aber trotzdem einigermaßen angesprochen.

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