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Dieses Thema hat 23 Antworten
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 Giallo Forum
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Prisma Offline




Beiträge: 7.459

20.03.2016 13:45
#16 RE: Rosso – Die Farbe des Todes / Deep Red (1975) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #15
Insgesamt aber in Relation zum Stellenwert, den der Film genießt, in der Tat viel zu wenig, so dass man mit guten Gründen "enttäuscht" sein darf. Alles Gute war vor- oder nachher mehrfach einfach wesentlich besser.

Interessant und nahezu exotisch, eine derartige Einschätzung zu Argentos Modell-Giallo zu lesen. Für mich allerdings ebenso erfrischend, da ich diese Ansicht vollkommen teile!

Gubanov Online




Beiträge: 14.376

02.02.2017 12:10
#17 RE: Rosso – Die Farbe des Todes / Deep Red (1975) Zitat · antworten

Ich habe gestern zum ersten Mal „Profondo Rosso“ gesehen und habe mich so gut unterhalten gefühlt, wie ich es von einem Argento-Film nur erwarten kann. Umso überraschter bin ich, hier im Thread fast ausschließlich negative Kommentare zu lesen – mir scheint, dass alles Lob, das hier zur Sprache kommt, mit einer „Ich persönlich mag ‚Deep Red’ aber trotzdem nicht“-Haltung kombiniert wird. Nicht zuletzt auch ungewöhnlich, da der Film den zweiten Platz im Giallo-Grandprix belegt hatte.

Generell muss ich sagen, dass mich kein Argument gegen den Film, das hier genannt wurde, wirklich im Detail überzeugt. Am nachvollziehbarsten ist es wohl, die Überlänge von „Deep Red“ zu kritisieren, wenn man den Film als zu zäh empfindet – was mir allerdings überhaupt nicht so ging. Dann stellt sich allerdings die Frage: Wo kürzen? Wirklich „in die Länge gezogen“ sind doch nur die Vorspiele zu den Mordszenen, die aber für die Stimmung des Films wie in jedem Argento von immenser Wichtigkeit sind. Also blieben nur die Ermittlungssequenzen mit Hemmings oder Nicolodi. Und die erscheinen mir viel zu liebenswert, um der Schere zum Opfer zu fallen. Sie erfüllen zudem die enorm wichtige Aufgabe, einen falschen Verdacht im Zuschauer aufkeimen zu lassen, dem ich als Erstseher auch prompt aufgesessen bin.

Ein paar kurze Antworten zu den Kritikpunkten hier im Thread:

Zitat von kaeuflin im Beitrag #1
Einzig die etwas übertriebene Parapsychologie-Szene am Anfang stört den Geamteindruck

Das finde ich gar nicht. Diese leicht übersinnliche Atmosphäre kommt dem Film sehr zugute und ist auch absolute Grundvoraussetzung für den ersten und zentralen Mord. Ebenso würde ich das Argument eines anderen Users negieren, dass die Spukhaus-Elemente dem Film schaden würden. Die Szenen in der Villa fand ich enorm intensiv – vielleicht die besten des Films. An dieser Stelle noch kurz zur ermordeten Gedankenleserin: Widersprüchlich ist ihre Herkunft in der deutschen Synchronisation nicht. Es wird eindeutig gesagt, sie käme aus Litauen.
Zitat von Gast im Beitrag #5
Die Morde sind sehr brutal. [...] Bestimmt nicht jedermanns Geschmack.

Übermäßig brutal? Geschmackssache. Übermäßig spannend fände ich trefflicher. Wie üblich bei Argento ist das Warten auf das Zuschlagen des Mörders für mich viel nervenstrapazierender als der Akt des Mordens an sich. Der unterscheidet sich nicht großartig von anderen Filmen, in denen Beile zum Einsatz kommen, zumal nicht wild drauflos gehackt, sondern gezielt zugestoßen wird. Bei Argento geht man zudem immer auf Nummer sicher, weil er sich einfach genau bewusst darüber ist, was er zeigen kann, ohne in schlechten Geschmack abzugleiten. Da fand ich z.B. „Der Tod trägt schwarzes Leder“ oder „Das Haus der lachenden Fenster“ sehr viel unangenehmer und brutaler – letzterer lustigerweise ein Tipp von @Georg, der „Profondo Rosso“ eine Gewaltorgie vorwirft. So unterschiedlich sind also die Auffassungen ...
Zitat von Georg im Beitrag #14
Der Humor [...] passt überhaupt nicht zur Stimmung des Films. Dafür sind einige Szenen leicht komisch anmutend, die wohl nicht so beabsichtigt waren.

Für mich eine total beleglose Behauptung, der ich die gegenteilige Behauptung entgegenstelle: „Der Humor ergänzt sich mit den düsteren Momenten des Films perfekt. Aufgrund der hohen Produktionsqualität kommt es zudem nie zu unfreiwilligem Humor.“
Zitat von Georg im Beitrag #14
Für mich sind außerdem einige Dinge unklar: Die Frau, die in ihrem Badezimmer ermordet wird, schreibt etwas an die Wand. Später ist das Wort ESTAT... zu lesen. Was soll das? Darauf wird überhaupt nicht eingegangen. Wollte sie möglicherweise estate schreiben, auf Deutsch also Sommer? Wenn ja, warum? Oder - was mir gerade einfällt, è stato ("es war"?). Wenn ja, dann würde eine im Todeskampf befindliche Person ihre letzten Kräfte wohl kaum dazu verwenden, einen grammatikalisch vollständigen Satz zu verfassen und doch wohl einfach nur den Namen des Täters schreiben, oder? Dabei fällt mir erneut ein: Es ist nur è stat zu lesen: Hätte sie weitergeschrieben, würde sie durch die nächste Endung einen Hinweis darauf geben, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Täter handelt (è stato = ein Mann, è stata = eine Frau).

Schön, dass dir das unklar war. Auf diese Weise lieferst du uns mit deinen Überlegungen die perfekte Erklärung für diese Sequenz. estate ist natürlich Unsinn. Sehr viel Sinn ergibt dagegen die Theorie, dass sie auf das Geschlecht des Killers aufmerksam machen wollte. Ich bezweifle, dass sie die konkrete Person erkannte und damit auch, dass sie beabsichtigte, den Satz mit einem Namen zu beenden. Sollte sich der Rest dann einem italienischen Muttersprachler nicht von selbst so erschließen, wie du es geschildert hast, und keine weitere Referenz im Film erfordern? Denn wo hätte man die auch noch unterbringen können? Der Professor wird ja bald nach seinen Ermittlungen umgebracht.
Zitat von Georg im Beitrag #14
Die Täterin, die Mutter Carlos, scheint wohl kaum stark genug zu sein, um all die brutalen Taten ausgeführt zu haben. Das ist in meinen Augen ziemlich unglaubwürdig.


Einer der ältesten Standardsätze der Psychothrillergeschichte: Die körperliche Kraft eines Wahnsinnigen übersteigt die eines Gesunden ...
Zitat von Ray im Beitrag #15
Untermalt wird das Ganze von der zwar prägnanten, aber auch recht billigen Musik von Goblin.

Wie man in diesem Zusammenhang auf das Urteil „billig“ kommen kann, erschließt sich mir nicht. Man könnte sagen: „Gefällt mir“ / „Gefällt mir nicht“. Aber auf welche spezielle Weise soll die Filmmusik ausgerechnet billig sein? Abgesehen von persönlichen Präferenzen (es ist sicher nicht mein Lieblings-Score aller Gialli) würde ich dem Rezensenten zustimmen, der hier schon schrieb, dass sie Tempo in die Spannungsszenen hineinbringt. Sehr gut z.B. in der Szene im nächtlichen Spukhaus zu bemerken.
Zitat von Ray im Beitrag #15
Die Humor-Einlagen regen bestenfalls zum Schmunzeln an.

Auch hier stimme ich Janek zu und trete den ultimativen Gegenbeweis zu deiner Aussage an, @Ray: Durch Filmsichtung selbst ausprobiert und mehrfach deutlich mehr als nur geschmunzelt, sondern herzhaft gelacht. Der Humor ist wirklich gut gelungen in „Profondo Rosso“, insbesondere die Streitgespräche über „typisch Männer / typisch Frauen“ und die Szenen im Auto. Eine interessante Abwechslung, so unbeschwerte, lustige Momente in einem Giallo zu erleben.
Zitat von Ray im Beitrag #15
Überhaupt mangelt es dem Werk an einem Sympathieträger, dessen Schicksal den Zuschauer wirklich berührt

Hemmings, Nicolodi, Mauri, Lavia. Ich sehe gleich vier Sympathieträger – mehr als in den meisten Gialli. Deshalb war ich auch froh, dass der ganz große Angriff auf das Ermittlerduo, wie von Janek herbeigewünscht, nur ansatzweise stattfindet und der Weg für ein den Umständen entsprechendes Happy-End zumindest nicht verschlossen wird.
Zitat von Ray im Beitrag #15
die Kameraarbeit gewohnt auf hohem Niveau, wenngleich auch da schon Besseres abgeliefert wurde

Auch hier wäre ein Beleg nett gewesen. Sonst hätte man auch einfach schreiben können: „Die Kameraarbeit ist auf hohem Niveau.“ Punkt. Nebulös auf noch Besseres zu verweisen, geht ohne genauere Begründung höchstens als ungenaues Bauchgefühl durch. Oder wie sagt Hemmings im Film? Männliche Intuition.

Ich bin mir noch unsicher, ob ich gleich eine Bewertung schreiben oder den Film erst noch ein zweites Mal schauen soll. Dann könnte ich einige Vorwürfe, z.B. bezüglich der Längen, vielleicht besser nachvollziehen.

Peter Offline




Beiträge: 2.724

02.02.2017 13:53
#18 RE: Rosso – Die Farbe des Todes / Deep Red (1975) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #17
Ich habe gestern zum ersten Mal „Profondo Rosso“ gesehen und habe mich so gut unterhalten gefühlt, wie ich es von einem Argento-Film nur erwarten kann. Umso überraschter bin ich, hier im Thread fast ausschließlich negative Kommentare zu lesen – mir scheint, dass alles Lob, das hier zur Sprache kommt, mit einer „Ich persönlich mag ‚Deep Red’ aber trotzdem nicht“-Haltung kombiniert wird. Nicht zuletzt auch ungewöhnlich, da der Film den zweiten Platz im Giallo-Grandprix belegt hatte....


"Profondo Rosso" war der einzige Film, dem ich im Giallo-Grandprix mit Vergnügen die ultimative Höchstpunktzahl zugestanden habe. Warum? .... Also, ich wusste es genau und habe bis heute einfach in keinem der bewerteten Bereiche irgendwelche Ansätze für Zweifel gefunden...

Ray Offline



Beiträge: 582

02.02.2017 16:05
#19 RE: Rosso – Die Farbe des Todes / Deep Red (1975) Zitat · antworten

Da mein Kommentar einer unmittelbar vorausgehenden Sichtung (es war die zweite) entsprungen ist und dieser seither keine weitere hinzugekommen ist, kann ich da jetzt nicht mehr sonderlich viel beisteuern bzw. entgegensetzen. Hier stehen sich schließlich überwiegend Thesen und Gegenthesen gegenüber. Der eine mag den Humor, der andere nicht. Der eine empfindet den Film als zu lang, der andere nicht...

Gubanov Online




Beiträge: 14.376

02.02.2017 16:51
#20 RE: Rosso – Die Farbe des Todes / Deep Red (1975) Zitat · antworten

Die Thesen sollten natürlich gut nachvollziehbar gemacht werden, wenn man einem Dario-Argento-Film eine 2,5er-Wertung zukommen lässt, wo doch ausgerechnet Argento für das oberste handwerkliche Niveau im Giallo-Genre steht. Deshalb war ich über die zwei Verrisse in Folge ungefähr so erschrocken wie über die automatische Puppe in der Mordszene am Professor.

Ray Offline



Beiträge: 582

02.02.2017 17:28
#21 RE: Rosso – Die Farbe des Todes / Deep Red (1975) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #20
...wo doch ausgerechnet Argento für das oberste handwerkliche Niveau im Giallo-Genre steht.


Und gerade deshalb sind die Erwartungen eben auch besonders hoch. Wenn der Hauptdarsteller uncharismatisch, der Film im Ganzen rund 30 Minuten zu lang, der Humor unpassend und wenig bis gar nicht erheiternd und die Auflösung unplausibel ist, dann reicht das für mich aus, um 2,5 Punkte abzuziehen.

greaves Offline




Beiträge: 260

04.02.2017 11:47
#22 RE: Rosso – Die Farbe des Todes / Deep Red (1975) Zitat · antworten

Ich habe mir letztens den Film auch besorgt.U.a mit anderen Giallos zusammen.Dieser Film hat mich angenehm überrascht...
Für mich gehört er zu den besseren Filmen aus dieser Sparte.
Was mir nicht so gefällt ,dass dieser Film etwas mit kleinerem Schnickschnack in die Länge gezogen wird.
Darum geht er auch zwei Stunden.1/1/2std.hätten es auch getan.
Sonst gibt's für diesen Film nicht s auszusetzen.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.249

05.02.2017 21:06
#23 RE: Rosso – Die Farbe des Todes / Deep Red (1975) Zitat · antworten

Zitat von kaeuflin im Beitrag #1
Profondo Rosso


Aber es ist wohl einer der besten Gialli, die jemals gedreht wurden! Starke Schauspieler, tolle Kammerafahrten, sehr bedrohliche Stimmung, gute Musik (Goblin) und ein für einen Giallo sehr gutes Drehbuch.




Naja ich sag nirgends das ich den Film nicht mögen würde - im Gegenteil nur wenn ich mich entscheiden Müsste hätten Andere Argentos vielleicht die Nase knapp vorne

Und ich empfinde die Parapsychologie-Szene immer noch ein Wenig als Fremdkörper - das die Dame aus Litauen stammt ändert ja nichts daran das ich die Darbietung überzogen fand.
Oder übertreiben Frauen aus Litauen grundsätzlich ? Kopf Kraz kenne leider keine Persönlich...
Die Szene ist wichtig für Die Handlung -ich empfinde nur die Umsetzung nicht übersinnlich, sondern als Aufgesetzt

Happiness IS the road ! (Marillion)

Gubanov Online




Beiträge: 14.376

06.02.2017 21:45
#24 RE: Rosso – Die Farbe des Todes / Deep Red (1975) Zitat · antworten

Zitat von kaeuflin im Beitrag #23
Oder übertreiben Frauen aus Litauen grundsätzlich?
Wer den Eurovision Song Contest verfolgt, könnte zu dieser Auffassung gelangen. - Nein: Dass ich die Herkunft des ersten Mordopfers erwähnt habe, hatte mit ihrem übertriebenen Auftreten nichts zu tun, sondern war ein Hinweis für Georg, der im letzten Absatz seiner Besprechung die Frage nach der Nationalität stellte, weil die Dame in der italienischen Originalfassung, die er gesehen hatte, Deutsche war. Der bei Wikipedia heraufbeschworene Widerspruch besteht aber, wenn ich nichts verpasst habe, nur zwischen den unterschiedlichen Tonfassungen, nicht aber innerhalb der deutschen Synchro.

Davon abgesehen gehe ich sogar durchaus mit dir mit, dass sie ein wenig überkandidelt herüberkommt, was aber - wie du ja auch schreibst - im Wesentlichen der Synchronisation anzulasten sein dürfte. Es gibt zu diesem Film eben keine gediegene alte Kinosynchro.

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