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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 1.632 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Mike Pierce ( gelöscht )
Beiträge:

13.11.2007 18:55
Banktresor 713 (1957) Zitat · antworten

Unter der Regie von Werner Klingler tummeln sich Martin Held, Hardy Krüger, Agnes Windeck usw. Mehr ein Krimi-Drama, wobei man sich sehr mit dem Verbrecher indentifizieren kann. Alles läuft nach Plan, bis zum tragischen Schluss. Eine Paraderolle für Martin Held!

Gubanov Online




Beiträge: 14.424

13.11.2007 19:00
#2 RE: Banktresor 713 (1957) Zitat · antworten

Sehr interessant gemachter Film über einen Bankraub, der seine Spannung durch die detaillierte Schilderung der Verbrechensplanung und des -ablaufs gewinnt und nicht durch aktionsreiche Handlungselemente. Das ganze wurde vor eine nostalgische Berlin-Kullisse gesetzt und mit perfekten Darstellern besetzt. Toll auch der für einen Film dieser Zeit außergewöhnlich bedrückende Schluss. Ein wenig Sympathie für die "Täter" kommt nämlich auf jeden Fall auf.

rainbow Offline




Beiträge: 1.597

14.11.2007 05:22
#3 RE: Banktresor 713 (1957) Zitat · antworten

Absolut richtig, es ist mit Sicherheit einer der interessantesten Filme, die ich je gesehen habe. Sehr guter Aufbau der Handlung und klasse Darsteller - also definitiv beide Daumen nach oben.

Gubanov Online




Beiträge: 14.424

23.12.2010 20:24
#4 RE: Banktresor 713 - Bewertung Zitat · antworten



Banktresor 713
Kriminalfilm nach einer wahren Begebenheit, BRD 1957. Regie: Werner Klingler. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Martin Held (Herbert Burkhardt), Hardy Krüger (Klaus Burkhardt), Nadja Tiller (Herberts Freundin Vera), Charles Regnier (Hartmann), Hildegard Grethe (Herberts und Klaus’ Mutter), Helga Martin (Klaus’ Freundin Margot), Arno Paulsen (Margots Vater), Käthe Alving (Margots Mutter), Fritz Wagner (Hartmanns Komplize), Margit Reismann (Herberts Tochter Christa) u.a. Uraufführung: 29. August 1957.

Zitat von Banktresor 713
Am Spätheimkehrer Herbert Burkhardt geht der Aufschwung der Wirtschaftswunderzeit spurlos vorbei. Während Banken wie die Pilze aus dem Boden schießen, findet er keine Arbeit und muss sich mit Absage auf Absage zufriedengeben. Dann kommt ihm eine Idee: Warum sollte es ihm nicht gelingen, eine Bank auszurauben?


Der deutsche Film zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem „Frosch mit der Maske“ brachte einige spannende Perlen zustande, doch „Banktresor 713“ ist ein besonderes Kleinod: Die Geschichte des ehemaligen Munitionsfahrers Herbert Burkhardt, der aus sibirischer Gefangenschaft entlassen wurde und im Nachkriegsdeutschland nicht Fuß fassen konnte, durchlebt der Zuschauer gemeinsam mit dem Protagonisten, dem Martin Held ein glaubhaft zwiespältiges Gesicht verleiht. Auf der einen Seite besorgt um Verlobte und Kind und andererseits geprägt von schlechten Erfahrungen, Vorurteilen und Morallosigkeit, vertieft er sich in seinen zum Scheitern verurteilten Plan mehr und mehr, lässt sich von Bedenken und Zwischenfällen keinen Schritt vom Wege abbringen. Hardy Krüger als sein jüngerer Bruder Klaus steht noch einen Deut näher am Abgrund: Immer wieder von Zweifeln ob des waghalsigen Vorhabens geplagt, versucht er mehrere Rückzieher, fühlt sich deutlich unwohl in seiner Haut, wird aber von Herbert immer wieder zum Weitermachen angestachelt. Dass Klaus seinen Job und wahrscheinlich auch seine Freundin verliert, interessiert den großen Bruder nicht, dessen nihilistisch übernüchterne Ansichten das Vorgehen tragen.
Während in weiteren Rollen Nadja Tiller, Hildegard Grete und Charles Regnier zu sehen sind – Agnes Windeck und Wolfgang Völz geben Kurzauftritte –, ist der wahre Star der Produktion doch das für uns heute nostalgische Fünfzigerjahre-Berlin. Eine Stadt im Aufbau, augenscheinlich florierend, unter der Oberfläche oft abgebrannt, mit viel Entwicklungsgeist, aber auch Kleinsicht. Der anfängliche Schwenk über Breitscheidplatz und Kurfürstendamm kontrastiert augenblicklich mit der bescheidenen Wohnung der Burkhardts, der kalte Protz der neuen Banken mit den vergeblichen Bemühungen Herberts um eine Arbeitsstelle oder ein Studiendarlehen. Die Kulisse selbst ist es, die den Zuschauer motiviert, sich auf Herberts Seite zu schlagen und mit ihm ein bisschen verrückt und größenwahnsinnig zu werden, sich zu freuen, wenn alles glatt läuft, und zu zittern, wenn das minutiös ausgearbeitete Vorhaben zu scheitern droht. Aufgebrochen wird die Sympathie zum Bankräuber erst mit Charles Regniers Ableben, das vor Augen führt, wie versessen und großspurig sowohl Herbert und auch man selbst als sein Sympathisant bereits geworden ist.

Der Film basiert frei auf der Lebensgeschichte der Brüder Franz und Erich Sass, die in der Weimarer Republik zu geradezu gefeierten Safeknackern wurden. Wie Herbert und Klaus stammen sie aus ärmlichen Verhältnissen, waren jedoch bereits in früher Jugend Polizei und Jugendamt wegen kleinerer Vergehen gut bekannt. Am 30. Januar 1929 landeten sie mit dem Einbruch in die Discontobank am Wittenbergplatz einen großen Clou. Der Raubzug weist zahlreiche Parallelen mit dem Filmgeschehen auf: In beiden Fällen geht der Bankraub mit dem Graben eines Tunnels von einem Keller aus einher, in beiden Fällen gelangen die Täter durch den Luftschacht in den Banktresor, in beiden Fällen spielt ein Schneidbrenner eine nicht unwesentliche Rolle und nicht zuletzt war der Plan in beiden Fällen darauf ausgelegt, dass das Eindringen erst mehrere Tage nach der Tat entdeckt werden würde. Dass man auch in „Banktresor 713“ das Emblem der Discontobank zu sehen bekommt, versteht sich von selbst.
Für Herbert Burkhardt endet der Bruch aber nicht wie für die Gebrüder Sass mit einem Gläschen Wein und ohne nennenswerte Strafverfolgung. Im Gegenteil: Kurz vor seiner Verhaftung blendet der Film ab, überlässt Herbert der Leere des Banktresors und den Zuschauer einer ganzen Reihe nachdenklicher Betrachtungen über Recht, Unrecht und eine ungeklärte Schuldfrage.

Ein Hobbygaunerkunststück gelingt den Protagonisten nicht, dafür aber eine eingängige Charakterstudie. Der schauspielerisch anspruchsvolle Stoff wurde von Held und Krüger eindringlich zum Leben erweckt, von Helmuth Ashleys Kamera unterschwellig bewertend eingefangen und mit Werner Eisbrenners zurückhaltender Musik zu einem frühen Heistthriller gemacht. 5 von 5 Punkten.

Percy Lister Online



Beiträge: 3.352

26.05.2013 20:54
#5 RE: Banktresor 713 - Bewertung Zitat · antworten

BEWERTET: "Banktresor 713" (Deutschland 1957)
mit: Martin Held, Hardy Krüger, Nadja Tiller, Charles Regnier, Hildegard Grethe, Helga Martin, Agnes Windeck, Fritz Wagner, Arno Paulsen, Ewald Wenck, Käthe Alving, Peter Vogel u.a. - Drehbuch: Herbert Reinecker, Regie: Werner Klingler


Zitat von Stern Extra, Ausgabe 3/2009: Die Macht des Geldes - Aufstieg und Krise des Kapitalismus, S. 84
Im Krieg hatte die NS-Wirtschaft massiv in die Industrie investiert, die den Nachschub für das Militär lieferte. Die Anlagen waren zum größten Teil nicht zerstört. In den westlichen Besatzungszonen änderten auch Demontagen und Reparationen nichts an den günstigen Ausgangsbedingungen für einen Wiederaufbau. Es gab Millionen gut ausgebildete Menschen, Produktionsanlagen, die relativ schnell wieder in Betrieb genommen werden konnten, und bereits wenige Jahre nach dem Krieg ein vitales Interesse der USA an der Genesung des einstigen Feindes. [...] In den Anfangsjahren der Bundesrepublik stieß die neu geschaffene Marktwirtschaft jedoch auf erheblichen Widerstand. Große Teile der Bevölkerung trauten dem kapitalistischen System nicht zu, die existenziellen Probleme zu lösen.


Die Brüder Herbert und Klaus Burkhardt versuchen im Nachkriegsberlin wieder finanziell Fuß zu fassen. Während der Jüngere Autos wäscht und somit wenigstens eine feste Anstellung hat, ist Herbert seit zwei Jahren arbeitslos. Immer wieder bewirbt er sich, wird jedoch wegen seines abgebrochenen Studiums, seines Alters oder mangelnder Nachfrage abgewiesen. Seine Verlobte Vera schlägt ihm vor, seine Ausbildung zu bezahlen, doch der verbitterte Mann entscheidet sich für einen anderen Weg: Er will in einem Geldinstitut einbrechen und die Schließfächer der Bank ausräumen. Dazu müssen Herbert und Klaus einen Tunnel graben. Am Pfingstwochenende soll es soweit sein ...



Die Bildersprache des Films fängt Helmuth Ashley vielsagend ein: Die imposanten Bürogebäude der Banken ragen über den Köpfen der zwei Männer empor und wirken in ihrer modernen Zweckmäßigkeit abweisend und unpersönlich. Obwohl sie den schnöden Mammon verachten, kommen Herbert und Klaus nicht umhin, die Möglichkeiten zu bewundern, die sich ihnen mit dem Besitz des Geldes bieten. Ihre Gesichter wirken ob der kalten baulichen Arroganz des Kapitalismus eingeschüchtert und zu allem entschlossen. Während Herbert sein Gewissen damit beruhigt, dass es ihm verwehrt bleibt, seinen Unterhalt auf redliche Weise zu verdienen und der Gang in den Untergrund deshalb eine natürliche Konsequenz ist, liegt im Fall des jüngeren Bruders keine zwingende Notwendigkeit vor, bei dem Einbruch mitzumachen. Er wird deshalb oft allein in Szene gesetzt, nachdenklich und zweifelnd. Die schlimmen Folgen seines Handelns werden früh angedeutet, so sehen wir Klaus an einem Kiosk zwischen den sogenannten Händlerschürzen, auf denen die Schlagzeilen der Tageszeitungen abgedruckt sind ("Er verhalf einem Massenmörder zur Flucht", "Mutige Frau verjagte Banditen"). Ausgerechnet an der Tafel "Mitgefangen, mitgehangen" bleibt er stehen und lehnt sich an. Hardy Krüger und Martin Held als ungleiche Brüder spielten bereits in "Alibi" (1955) zwei Gegenpole. Auf der einen Seite der steife, humorlose Held, der besonders militärischen, strengen Charakteren ein unverwechselbares Gesicht verleiht, auf der anderen Seite Krüger: blond und blauäugig, der Inbegriff des nordischen Typs, dem die Welt offen steht. Seine Anfänge als Schauspieler waren vom Zufall geprägt, wie Friederike Mat in ihrem Buch schildert:

Zitat von Unsere Filmlieblinge - Ein Bilderbuch, Verlag Bernhard Reiff, Zweite, ergänzte Auflage 1956
Als ihn Regisseur Wolfgang Liebeneiner nach Ende der Dreharbeiten [zum Film "Junge Adler" 1943] fragte, ob er nicht Schauspieler werden wolle, schüttelte sich Hardy entsetzt. "Du lieber Himmel, nein!" antwortete er. "Das bisschen Film war lustig. Aber Innenarchitekt zu werden, ist mir viel lieber!"
Liebeneiner zuckte damals lächelnd die Achseln. "Falls Sie sich die Sache eines Tages überlegen sollten, vergessen Sie nicht, zu mir zu kommen."


So geschah es auch. Völlig mittellos kam Krüger nach seiner Flucht aus amerikanischer Gefangenschaft von Berlin nach Hamburg (eine interessante Parallele zu seiner Figur Harald Meinhardt in "Alibi") und hatte kein Geld, um ein Studium zu beginnen. Da erinnerte er sich an das Versprechen von Liebeneiner. Dieser verschaffte ihm Zugang zum Hamburger Schauspielhaus, wo Krüger zunächst nur Statist war, aber von der Erfahrung der großen Kollegen profitieren konnte. Wäscht er in "Banktresor 713" die Autos anderer Leute, so fährt er Mitte der Fünfziger Jahre privat einen ungewöhnlichen Wagen:

Zitat von Unsere Filmlieblinge
Dieser Wagen, ein Mercedes-Kabriolett, hat vorn ein Schild angebracht: "Freiwilliger Kameradschaftsdienst des ADAC". Das heißt, dass sich sein Besitzer verpflichtet, überall dort zu bremsen, wo auf der Landstraße jemand seine Hilfe braucht. Hupen werden Sie diesen Wagen niemals hören. Nur klingeln - fest und stark wie eine Straßenbahn. Denn Hardy hat sich höchst persönlich eine Glocke in seinen Wagen gebaut.


Obwohl der mühsame Weg durch die Kanalisation ausführlich gezeigt wird und mit Rückschlägen verbunden ist, bleibt genügend Zeit für eine ausgewogene Schilderung des weiblichen Umfelds der beiden Anti-Helden. Nadja Tiller, die es von der Schönheitskönigin (Miss Austria 1950) zur ernsten Schauspielerin geschafft hat, beweist ihre Unabhängigkeit auch in "Banktresor 713". Sie liebt den Mann an ihrer Seite, sorgt sich um ihn und will ihm helfen, hat aber ein eigenes Leben und handelt nach ihrer Überzeugung, auch, wenn sie fürchten muss, dadurch seine Zuneigung zu verlieren. Durch ihr Eingreifen kann Herbert aus einer misslichen Lage befreit werden, in die er sich durch Sturheit und Starrsinn selbst gebracht hat. Noch ganz dem patriarchalischen Lebensmodell verhaftet, lehnt er es ab, sich von seiner Verlobten das Studium finanzieren zu lassen. Nach geglücktem Einbruch will er zunächst mit seiner Tochter aus erster Ehe fliehen und Vera dann später nachholen. Wieder einmal glaubt er, den Weg diktieren zu können. Sein Scheitern in der Banalität des Alltags lässt ihn jedoch auch in der Ausnahmesituation des Bankraubs die Nerven verlieren.

Das Lokalkolorit ist ein Augenschmaus für jeden Berlin-Freund. Gedreht wurde u.a. in den Ufa Ateliers Berlin Tempelhof, am Funkturm, in der Einkaufsmeile Tauentzienstraße und an diversen U-Trassen. Sie lassen Hardy Krüger noch einsamer erscheinen und untermalen auch eine wichtige Aussprache zwischen Nadja Tiller und Martin Held.

Zitat von DER SPIEGEL, Ausgabe 38/1957
Der Film erkühnte sich einen so unkonventionellen Schluss, dass Kinobesucher in der Annahme protestierten, man habe ihnen die letzten Film-Meter vorenthalten. Eilfertig fügte der Verleih einen klärenden Ausgang bei: das einkopierte Wörtchen "Ende".

Gubanov Online




Beiträge: 14.424

26.05.2013 21:07
#6 RE: Banktresor 713 - Bewertung Zitat · antworten

Zitat von Percy Lister im Beitrag #5
Das Lokalkolorit ist ein Augenschmaus für jeden Berlin-Freund. Gedreht wurde u.a. in den Ufa Ateliers Berlin Tempelhof, am Funkturm, in der Einkaufsmeile Tauentzienstraße und an diversen U-Trassen. Sie lassen Hardy Krüger noch einsamer erscheinen und untermalen auch eine wichtige Aussprache zwischen Nadja Tiller und Martin Held.

In der Tat werten die nostalgischen Aufnahmen den Film noch einmal zusätzlich auf. Erstaunlich ist dabei, wie sehr sich die Schauplätze zwischen 1956 und heute verändert haben. Berlin ist da natürlich eine besonders markante Stadt. Als kleine Auswahl hier drei Szenen aus der Nähe markanter U-Bahn-Bauwerke, die als Nervensystem der Stadt die Zeiten noch am unverändertsten überstanden haben.



Auf dem damals noch unbebauten Halleschen Ufer entfernt sich Hardy Krüger von der Kamera. Im Hintergrund sind zwei Brücken zu erkennen. Auf der oberen fährt ein Zug vorbei. Sie gehört zur 1926 eröffneten Entlastungsstrecke der Hochbahnlinie U1 zwischen den U-Bahnhöfen Möckernbrücke und Gleisdreieck. Die Brücke ist auch heute noch in einem ganz ähnlichen Zustand erhalten. Anders die darunter gelegenen Brückenanlagen, die bis zur Schließung des nahen Anhalter Bahnhofs 1952 die Gleise der Fernbahn bis nach Österreich-Ungarn, Italien und Frankreich trugen. Heute handelt es sich beim 2001 neu aufgebauten Anhalter Steg um eine Fußgängerbrücke, die den Park am Tempodrom mit dem Tempelhofer Ufer verbindet.



Keine 400 Meter weiter östlich wurde diese Aufnahme von Krüger gemacht, der gerade den U-Bahnhof Möckernbrücke passiert. Dieser gehört zum ältesten Abschnitt der Berliner Hoch- und Untergrundbahn und wurde am 18. Februar 1902 in Betrieb genommen. In den 1930er Jahren erfolgte jedoch ein kompletter Neubau der Station in einem weniger verschnörkelten, sehr sachlichen Stil. Obwohl der Bahnhof im Zweiten Weltkrieg so empfindlich beschädigt wurde, dass er erst am 27. April 1947 wiedereröffnet werden konnte, hatte sich sein Erscheinungsbild bis in die 1950er Jahre kaum verändert, wie dieses Vergleichsbild aus den Vorkriegsjahren belegt.



In der Nähe der belebten Bezirksgrenze zwischen Schöneberg und Tiergarten befindet sich der U-Bahnhof Bülowstraße, der zu den prächtigsten Bauten der Berliner U-Bahn zählt. Die Hochbahnstrecke überspannt die Kreuzung der gleichnamigen Straße in Ost-West- mit der Potsdamer Straße in Nord-Süd-Richtung. Auch 1956 herrschte reges Leben in Stationsnähe, bevor das Streckenstück der U-Bahnlinie 2, die ab Potsdamer Platz durch den Mauerbau abgeschnitten wurde, zwischen Nollendorfplatz und Gleisdreieck überflüssig wurde. 1972 wurde der Verkehr eingestellt, seit 1993 fährt die U2 die Bülowstraße nach ihrer Zwischennutzung als Basar wieder planmäßig an. Aus Berliner Bank und Nordbank im Film sind unterdessen Filialen der Deutschen Bank und der Commerzbank geworden.

Peter Offline




Beiträge: 2.731

08.06.2013 13:30
#7 RE: Banktresor 713 - Bewertung Zitat · antworten



"Banktresor 713" gehört zu meinen frühesten Lieblingsfilmen und hat damals mein Bild von den 50er Jahren massiv geprägt.
Er ist in seiner schnörkellosen Direktheit, in seiner Mileu-Echtheit, mit dem Lokalkolorit vom Berlin zwischen Stunde Null und dem Brennpunkt des Kalten Krieges - keineswgs nur der Routinekrimi, als welcher er praktisch immer kolportiert und irgendwann in der Zwischenzeit fast vergessen wurde.
Martin Held und Hardy Krüger - ohnehin herausragende Schauspieler ihrer Zeit - waren in ihren gemeinsamen Auftritten unschlagbar, auch wenn ihre Figuren stets tragisch verknüpft waren; wie zuvor schon in "Alibi" und vor allem später noch im gleichfalls sehr gelungenen "Bumerang", aber nie so intensiv wie unter den ungleichen Brüdern Burkhardt, die beide als Verlierer der Nachkriegszeit nach Wiedergutmachung greifen; und die in ihrer handwerklichen Sicherheit alles richtig machen - und mit derselben Sicherheit unweigerlich und zielgerichtet auf ihren Untergang zusteuern. Aber gegenüber den realen Vorkriegs-Vorbildern Sass völlig eigenständig wirken. Großartig und einprägsam in den "Supporting Roles" zeigen sich Charles Regnier, Nadja Tiller und Agnes Windeck.
Die überfällige Erscheinung der DVD wird dem Film hoffentlich zumindest den wohlverdienten Nischenplatz einbringen, denn er kommt auf seine Weise sehr nah an die französischen Benchmarks, wie an Dassins "Rififi" in der Einbruchsversion des Spannungskrimis - oder an Jacques Beckers unerreichten "Le trou - Das Loch" in der Ausbruchsvariante.
Und ein Seltenheits-Charakter: Wo und wann ist ein Filmende eigentlich eindringlicher gewesen?



Ray Offline



Beiträge: 584

17.02.2017 20:51
#8 RE: Banktresor 713 - Bewertung Zitat · antworten

Banktresor 713 (BRD 1957)

Regie: Werner Klingler

Darsteller: Martin Held, Hardy Krüger, Nadja Tiller, Charles Regnier, Hildegard Grethe, Agnes Windeck, Bruno W. Pantel, Wolfgang Völz, Peter Vogel u.a.



Der späte Kriegsheimkehrer Herbert Burkhart (Martin Held) findet trotz ernsthafter Bemühungen keinen Job, um sich das Studium zu finanzieren, welches er vor Anbruch des Krieges begonnen hatte. Um aus der Mittellosigkeit auszubrechen, plant er einen Bankeinbruch der besonderen Art. An seiner Seite: sein kaum erfolgreicherer Bruder (Hardy Krüger)...

Die 1950er-Jahre waren aus Krimi-Sicht geprägt von dramatischen Stoffen wie etwa "Gestehen Sie, Dr. Corda!". Auch "Banktresor 713" ist ein solches Kriminaldrama. Dankenswerterweise erweist sich das dramatische Gerüst nicht als Ballast, sondern dient vielmehr der Herausarbeitung der Motivation hinter der Tat und somit gleichzeitig der Förderung der Identifikation seitens des Publikums.

Martin Held und Hardy Krüger spielen zwei ungleiche Brüder, die eines verbindet: sie stecken fest in ihrer Lebensplanung. Für den nächsten Schritt, die Heirat einer schönen Frau, fehlen die Mittel. Doch während sich der jüngere mit seiner Situation scheinbar abgefunden hat bzw. noch auf eine positive Veränderung der Verhältnisse hofft, hat der ältere jeden Glauben auf ein Fortkommen mit legalen Mitteln verloren. Da er der willensstärkere ist, gelingt es ihm, den jüngeren zu überreden, am Einbruch mitzuwirken. Ein besonderes Augenmerk verdient des Weiteren die Figur Nadja Tillers. Sie hat eine eigene Wohnung und eine Tätigkeit, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie ist also - anders als viele andere Frauen zu jener Zeit - gar nicht von ihrem Lebensgefährten (Martin Held) abhängig. Die Abhängigkeit entsteht einzig aus der Liebe zu ihm. Das Angebot, ihm das Studium zu finanzieren, lehnt Burkhart ab. Dass er seine Partnerin nicht in seine Pläne einweiht, obwohl er weiß, dass sie etwas ahnt, bezahlt er teuer: denn auch in dramatischen Momenten behält sie ihren eigenen Kopf und entschließt sich, die Polizei aufzusuchen...

"Banktresor 713" lebt zum einen von seinem Inhalt, einer auf wahren Tatsachen beruhenden Geschichte. Zum anderen aber auch von der handwerklichen Qualität, für die neben Regisseur Klingler ("Das Testament des Dr. Mabuse") auch die Kameraleute Helmuth Ashley und Franz X. Lederle verantwortlich sind. Sie zeichnen ein bedrückend-pessimistisches Bild von Berlin in der Nachkriegszeit, in der Banken aus dem Boden schießen, während Kriegsheimkehrern langsam, aber sicher der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Der Film kommt über seine knapp eineinhalb Stunden ohne Längen aus. Typisch Heist-Movie läuft der Coup nicht ohne kleinere oder größere Zwischenfälle ab. Ob der intrigante Ganove, gespielt von Charles Regnier, oder die harmlose alte Dame (Agnes Windeck), beide stören den reibungslosen Ablauf. Derartige Momente halten die Spannung aufrecht. Endlich überrascht der Film mit einem packenden Finale im titelgebenden "Banktresor 713". Rundum gelungene, durchaus anspruchsvolle Krimi-Unterhaltung.

Nachdem der Film bereits in einer inzwischen vergriffenen "Straßenfeger-Edition" erschienen war, ist der Film seit zwei Wochen erstmals als Einzel-Disc erhältlich. Das Bild macht allerdings leider nicht den Eindruck, als habe von Seiten von "Filmjuwelen" eine neue Bildbearbeitung stattgefunden. Wer den Film also schon hat, muss demnach nicht zwingend erneut zuschlagen. Allen anderen sei diese Veröffentlichung jedoch wärmstens ans Herz gelegt.


Packendes Kriminaldrama mit tollem Cast, interessanten Figuren, einer packenden Geschichte und eindrucksvollen Berlin-Bildern aus der Nachkriegszeit. 5 von 5 Punkten.

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