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Dieses Thema hat 38 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

15.01.2009 17:47
#16 RE: Lange Beine - lange Finger (1966) Zitat · Antworten

... und das Hündchen im Film hat Eva Ebner* unter ihrer Bluse nach Israel eingeschmuggelt.

Joachim.

*) Eva Ebner wäre gestern 87 Jahre alt geworden. Danke ihr für die vielen Anekdoten, die sie mir noch erzählen konnte.

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

03.07.2010 12:21
#17 RE: Lange Beine - lange Finger (1966) Zitat · Antworten

NORA Film zeigt
einen Alfred-Vohrer-Film,
den Jubiläumsfilm der CCC-Filmkunst Artur Brauner

Joachim Fuchsberger, Senta Berger und Martin Held in

LANGE BEINE - LANGE FINGER

mit Irene von Meyendorff, James Robertson Justice als Sir John, Helga Sommerfield, Walter Wilz, Tilo von Berlepsch, Lia Eibenschütz, Alexander Engel, Cora Roberts, Friedrich Schönfelder, Rudolf Schündler, Hilde Sessak, Heinz Spitzner, Albert Bessler, Otto Scarski, Wolfgang Völz, v.a. und Hanns Lothar.

Drehbuch: Peter Lambda, Eberhard Keindorff und Johanna Sibelius. Kamera: Karl Löb. Schnitt: Jutta Hering. Regie-Assistenz: eva Ebner. Hersstellungsleitung: Dr. Götz-Dieter Wulf. Produziert von Artur Brauner. Regie: Alfred Vohrer. Produktion: CCC-Filmkunst


Ähnlich wie das Projekt "Die Nibelungen" hat Artur Brauner diesen Film auch mehr als fünf Jahre vorbereitet. Erstmals war das Projekt Anfang der 60er-Jahre für den Europa-Filmverleih angekündigt (Stab- und Darsteller-Angaben müsste ich hier noch nachliefern). Dann wurde er 1963 bei Gloria-Film angekündigt: mit Liselotte Pulver, Martin Held, Boy Gobert, Gunther Philipp – Regie: Terence Young – Buch: Peter Lambda – Kamera: Steve Richer – Musik: Thomas Belback. Auch diesmal klappte es nicht. Ob der Film auch der Constantin angeboten wurde, entzieht sich zwar meiner Kenntnis, dennoch könnte ich mir vorstellen, dass auch hier zumindest Gespräche stattgefunden haben. Ähnlich wie auch später bei Rialtos "Die Herren mit der weißen Weste" dürfte bei diesem Film nur Geld gewechselt worden sein, denn beide Filme waren nur in den Großstädten ein gutes Geschäft - in der Provinz bzw. in den Nachspieltheatern ignorierte man sie.

Das Drehbuch von 1963 von Peter Lambda erhielt zwar eine Prämie, doch war es in den Augen aller Beteiligter nicht 100-prozentig filmreif. Wie bereits bei "Wartezimmer zum Jenseits" überarbeiteten Eberhard Keindorff & Johanna Sibelius das Ur-Drehbuch. Das Ergebnis war eine rundherum gelungene Komödie, die jedoch in einigen Sequenz manchmal altbacken wirkt - jedoch muss man gestehen, dass der Film zu den gelungensten Komödien der 60er-Jahre gehört - für mich neben bzw. gemeinsam mit "Im weißen Rössl" und "Dr. med. Fabain" sowie "Die Herren mit der weißen Westen" die unterhaltsamste und auch noch heute am frischesten wirkende Komödie der 60er-Jahre. Ein Glanzlicht in der Filmografie von Alfred Vohrer.

Joachim.
*Filme und Bücher werden niemals alt!*

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

10.08.2011 20:42
#18 RE: Lange Beine - lange Finger (1966) Zitat · Antworten



Lange Beine – lange Finger

Kriminalkomödie, BRD 1966. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Peter Lambda, Eberhard Keindorff, Johanna Sibelius. Mit: Senta Berger (Dorothea „Dodo“ Halbach), Joachim Fuchsberger (Sir Robert Hammond), Martin Held („Baron“ Halbach), Irene von Meyendorff (Lady Hammond), James Robertson Justice (Sir John Hammond), Helga Sommerfeld (Sarah Hammond), Walter Wilz (Sam Snapper), Hanns Lothar (Emilio Gavin), Tilo von Berlepsch (Staatsanwalt), Alexander Engel (Arzt) u.a. Uraufführung: 26. August 1966. Eine Produktion der CCC-Filmkunst Berlin im Nora-Filmverleih München.

Zitat von Lange Beine – lange Finger
Baron Halbach und seine Tochter sind ein eingespieltes Team: Mit dem Auge des Vaters und Dorotheas Anderthalbfingermethode wandert ein wertvolles Schmuckstück nach dem anderen in die Fänge der Gauner. Problematisch wird diese unorthodoxe Einkommensquelle erst, als sich Dorothea Hals über Kopf in Robert Hammond, einen englischen Rechtsanwalt vor Gericht, verliebt. Ihm zuliebe will sie ehrlich werden – nur ein letzter Clou scheint unausweichlich ...


Nicht nur im vieldiskutierten „Hotel der toten Gäste“ erfreute Joachim Fuchsberger Krimifans in den langen drei Jahren seiner Wallace-Pause zwischen dem magischen Verkleidungskünstler und dem peitschenden Geistlichen – auch stand er zur Jahreswende 1965/66 in Berlin für „Lange Beine – lange Finger“ vor der Kamera. Als bemerkenswert kann hierbei gelten, dass es sich um die einzige Zusammenarbeit von Fuchsberger und Senta Berger bis zum heutigen Tage handelt.

„Lange Finger, lange Beine, die Moral an langer Leine“

Der Film kommt rasch zur Sache und steigt in der ersten Szene sowohl mit einem raffinierten Diebstahl der Halbachs als auch Roberts Avancen gegenüber Dodo ein, was ihr Vater, der Baron, gar nicht leiden mag. Lieber möchte er seine Tochter mit Sam Snapper, einem berüchtigten Kunstfälscher, verheiratet sehen. Der Humor von Helds Rolle ergibt sich aus der Tatsache, dass seine Vorstellungen einer guten Partie gänzlich konträr zu denen des 1966er Ottonormalbürgers stehen und er verabscheut, dass Dodo einen Rechtsanwalt aus Adelsstand einem Schwindler vorzieht.

Kaum einer der Protagonisten hat eine weiße Weste: Offensichtlich wird dieser Missstand bei den Halbachs und Snapper (einer der seltenen Walter-Wilz-Auftritte, dieses Mal männlicher mit modischem Bart und abgeklärter Miene) ausgelebt, überraschend tritt er am Ende weiterhin bei Sir John Hammond zutage, doch auch andere beweisen ihre ganz eigene Auffassung von Ehrlichkeit: Robert Hammond bandelt mit Liebhaberinnen (im Plural) kein paar Tage, nachdem er von Dodo versetzt wurde, an und biegt sich vor Gericht die Wahrheit so zurecht, wie es ihm in den Sinn kommt. Sarah Hammonds freches Mundwerk brüskiert, während es den Zuschauer zum Schmunzeln bringt, absichtlich die Familienmitglieder und Emilio Gavin gesteht neben sexuellen Komplexen vor allem den Skandal ein, eigentlich Emil Gavinger zu heißen.

„Lange Beine – lange Finger“ wird damit neben einer reizenden kleinen Kriminalkomödie mit wenigen wirklich lustigen, aber diversen „abstrusen Vohrer-Momenten“ auch zu einer Studie von Doppelmoral und vielfältiger Betrügerei. Beides bleibt am Ende unbestraft – heiter, sarkastisch und verrückt soll es schließlich zugehen und nicht bieder gesetzestreu wie bei Edgar Wallace oder dem althergebrachten Hollywood-Codex.



„Kaviar, Kerzen, weiße Fräcke, eine Band spielt in der Ecke“

Obwohl es sich um eine CCC-Produktion handelt, hat man das Gefühl, dass bedeutende Investitionen in das Projekt geflossen sind. Aufnahmen an israelischen Originalschauplätzen, Handlungsstationen in Wien und London, das noble Schloss Charlottenburg (Teammitglieder wurden am 1. Februar 1966 ausdrücklich per Warnung auf der Tagesdisposition angehalten, nur im dafür vorgesehenen Aufenthaltsraum zu rauchen) und das nicht minder ehrwürdige Kriminalgericht Moabit sowie die Verpflichtung von James Robertson Justice tun das übrige dazu.

Der Reiz von „Lange Beine – lange Finger“ liegt neben der edlen Aura auch in den typischen Sixtiesmerkmalen der Produktion. Der erste Blick fällt auf einen futuristischen Vorspann mit raffinierten Reflexionen in leuchtenden Neonfarben, zu dem Martin Böttchers beschwingter Titelsong ertönt. Tanja Bergs dunkle Stimme erfreute uns bereits in „Das Phantom von Soho“ und mit einer Alternativversion von Flickenschildts „Besonders in der Nacht“, dieser Easy-Listening-Song mit Text von Ingeborg Esterer steht ihren übrigen Darbietungen aber in nichts nach. Im späteren Verlauf des Films kommen vor allem Alfred-Vohrer-typische exzentrische Spitzen zur Geltung, darunter der von Hanns Lothar gespielte Modedesigner, dessen drei folgsame Modelle in allerlei ausgefallenen Kostümen auftreten. Ina Steins Arbeit (neben fabelhafter Ausstattung der Berger gibt es Latexhauben, Pelzbrillen und einen Hut mit Augenschlitzen zu sehen) sowie die der Maskenbildner Fredy Arnold und Barbara Naujok (Stichwort Turmfrisuren) gebührt besonderer Hervorhebung.

„Kein Verdacht fällt je auf sie – sie sind ja High Society.“ Buntes Vergnügen mit pikantem Unterton und schicken Innen- und Außenaufnahmen. Der Cast verdient die Marke exzellent, der Film nach Einschätzung der Fimbewertungsstelle das Prädikat wertvoll und vom Bundesministerium des Innern die besondere Drehbuchprämie. Ob der Film inhaltlich nachhaltig überzeugen kann, sei trotzdem ’mal dahingestellt. 4,5 von 5 Punkten.

Chinesische Nelke Offline



Beiträge: 136

06.07.2015 10:41
#19 RE: Lange Beine - lange Finger (1966) Zitat · Antworten

Ich habe mir gestern zum ersten Mal die Kriminalkomödie "Lange Beine - lange Finger" aus dem Jahr 1966 angesehen. Das ist ein humorvoller, gut gemachter Film - kein Wunder, wenn Freddy Vohrer Regie führt. Auffällig ist, dass neben Blacky Fuchsberger eine ganze Reihe von Wallace-Stars dabei sind, die in etwa zur gleichen Zeit unter der Regie Vohrers in der Rialto-Wallace-Serie mitwirkten:

  • Lia Eibenschütz: Neues vom Hexer
  • Rudolf Schündler: Der unheimliche Mönch, Der Mönch mit der Peitsche
  • Hilde Sessak: Der Hexer, Der Bucklige von Soho und Der Gorilla von Soho
  • Heinz Spitzner: Der Zinker, Neues vom Hexer, Die blaue Hand, Der Mönch mit der Peitsche und Der Mann mit dem Glasauge
  • Albert Bessler: Der Zinker, Neues vom Hexer, Der Bucklige von Soho und Die blaue Hand
  • Otto Czarski: Der Mann mit dem Glasauge
Auch die Kulissen kommen dem Wallace-Fan bekannt vor: Im Aquarium Berlin entstanden auch Unterwasseraufnahmen in "Der Mönch mit der Peitsche", der Gerichtssaal könnte auch in "Neues vom Hexer" genutzt worden sein und das Haus der Hammonds erinnert teilweise an das Wirtshaus in "Der Hund von Blackwood Castle", hier hat es offenbar bis 1967 aber noch Umbauten gegeben.

Lord Low Offline




Beiträge: 715

04.01.2017 16:23
#20 RE: Lange Beine - lange Finger (1966) Zitat · Antworten

Ich finde es auch interessant, wie viele Parallelen es (jenseits der Darsteller) mit der Wallace-Reihe gibt. Wie ein Jahr später fanden auch hier bereits Aufnahmen im Berliner Aquarium statt, die schon genau so wirken wie bei "Der Mönch mit der Peitsche". Auch sonst erinnern viele Drehorte an die Wallace-Filme. Darunter das Kriminalgericht Moabit, der Jägerhof und der Moorlakeweg. Ein Hotel wirkt wie das Schlosshotel Grunewalt in "Der Mann mit dem Glasauge". Die blinkende Polizei-Tafel kam auch im "Buckligen" zum Einsatz. Der Papagei dürfte auch in "Die blaue Hand" zum Einsatz gekommen sein und gibt dort auch die gleichen Laute von sich. Das Kostüm der Schwester von Fuchsberger erinnert an das Outfit von Siw Mattson in "Im Banne des Unheimlichen".

Jan Offline




Beiträge: 1.742

04.01.2017 19:24
#21 RE: Lange Beine - lange Finger (1966) Zitat · Antworten

Zitat von Lord Low im Beitrag #17
Ich finde es auch interessant, wie viele Parallelen es (jenseits der Darsteller) mit der Wallace-Reihe gibt.

Wen wundert's - nahezu der komplette Stab kam ja von Wallace. Besonders der direkte Vergleich mit dem "Buckligen" offenbart zahlreiche Parallelen. Es war die Hochphase Vohrer'scher Sixties-Grotesken. Hätte, wie wohl ursprünglich angedacht, Kurt Hoffmann inszeniert, wäre das sicher ein anderer Film geworden.

Gruß
Jan

DanielL Offline




Beiträge: 4.141

04.01.2017 20:26
#22 RE: Lange Beine - lange Finger (1966) Zitat · Antworten

Vohrer hätte gerne noch einen weiteren Ausflug ins (Kriminal-)Komödienfach machen dürfen.

Gruß,
Daniel

Jan Offline




Beiträge: 1.742

04.01.2017 22:25
#23 RE: Lange Beine - lange Finger (1966) Zitat · Antworten

"Anita Drögemöller" hat nochmal solche Ansätze. Das ist zwar keine Gaunerkomödie, genau genommen offiziell nicht einmal eine Kriminalkomödie, jedoch hat der Film eine ganze Reihe ironischer und komödiantischer Ansätze, die eigentlich ganz gelungen sind.

"Lange Beine - lange Finger" lebt halt darüber hinaus auch von der Wahnsinnsbesetzung. Held, Berger, Fuchsberger, Lothar, etc. Mehr geht ja kaum. Selbst bis in die klitzekleinsten Nebenrollen, wie man an Wolfgang Völz' Miniauftritt als Bobby erkennt.

Gruß
Jan

Mr. Igle Offline




Beiträge: 118

04.01.2017 22:45
#24 RE: Lange Beine - lange Finger (1966) Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #20
"Anita Drögemöller" hat nochmal solche Ansätze. Das ist zwar keine Gaunerkomödie, genau genommen offiziell nicht einmal eine Kriminalkomödie, jedoch hat der Film eine ganze Reihe ironischer und komödiantischer Ansätze, die eigentlich ganz gelungen sind.

Findest du? Für mich ist der "Drögemöller"-Film ein ziemlicher Tiefpunkt in Vohrers sonst recht ansehlicher Filmographie. Hätte ich nicht gewusst, dass er der Regisseur war (und es in den Titeln stehen würde), wäre ich bei Ansicht des Films nie auf die Idee gekommen, dass Vohrer diese peinliche Posse in Szene gesetzt hätte; so bieder und behäbig ist das alles. Sorry, aber da ist "Lange Beine - lange Finger" eine ganz andere Liga.

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Jan Offline




Beiträge: 1.742

05.01.2017 19:53
#25 RE: Lange Beine - lange Finger (1966) Zitat · Antworten

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #21
Findest du?

Ja, finde ich. Der Film hat einige recht gelungene Momente, die vor allem mit dem ganz gut aufgelegten Harald Leipnitz zusammenhängen. Richtig ist aber auch, dass Alfred Vohrer nicht immer ein Garant für ein angemessenes "Humor-Händchen" war. So hat die Drögemöller eben auch einige Kalauer und Possen, die dem ohne Zweifel viel besseren Film "Lange Beine - lange Finger" abgehen. Per se ist die Drögemöller aber auch, wie schon geschrieben, eigentlich keine reine Komödie.

Unter den Komödien Vohrers ist "Lange Beine - lange Finger" zweifelsohne die beste und, wie ich finde, auch eine der besten Komödien der 1960er-Jahre überhaupt. Verglichen mit "Meine 99 Bräute" oder den beiden Roxy-Produktionen "Das gelbe Haus am Pinnasberg" bzw. "Herzblatt oder Wie sage ich's meiner Tochter" bieten die Beine und Finger dauerhaft hohes Niveau, währenddesse die beiden Roxy-Produktionen zwischen amüsant und albern schwanken. "Meine 99 Bräute" ist eine echte Katastrophe und mitsamt "Wer stirbt schon gerne unter Palmen" nach meinem Dafürhalten eher der Tiefpunkt Vohrers Schaffens.

Gruß
Jan

Mr. Igle Offline




Beiträge: 118

05.01.2017 21:26
#26 RE: Lange Beine - lange Finger (1966) Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #22
Ja, finde ich. Der Film hat einige recht gelungene Momente, die vor allem mit dem ganz gut aufgelegten Harald Leipnitz zusammenhängen. Richtig ist aber auch, dass Alfred Vohrer nicht immer ein Garant für ein angemessenes "Humor-Händchen" war. So hat die Drögemöller eben auch einige Kalauer und Possen, die dem ohne Zweifel viel besseren Film "Lange Beine - lange Finger" abgehen. Per se ist die Drögemöller aber auch, wie schon geschrieben, eigentlich keine reine Komödie.

Das stimmt schon, ist aber zugleich das Problem: Der Film kann sich nicht zwischen Krimi und Klamotte entscheiden. Ich empfinde "Anita Drögemöller und die Ruhe an der Ruhr" von vorne bis hinten als völlig blutleer und billig. Vohrers Handschrift ist fast nicht zu erkennen. Das Drehbuch ist lausig, Spannung will nie aufkommen und die Darstellerriege ist völlig farblos. Gerade Harald Leipnitz agiert hier für seine Verhältnisse doch recht gelangweilt und stereotyp; wie überhaupt alle Figuren im Film beinahe bis zur Unkenntlichkeit als Klischee-Abziehbilder angelegt sind. Andererseits passt das alles ins Bild. Nach der Simmel-Phase kam mit der Ausnahme "Jeder stirbt für sich allein" kein einziger guter Kinofilm mehr von Vohrer. Neben einigen Frühwerken der Prä-Rialto-Phase gehören die Filme der Jahre 1974-1976 allesamt zum Bodensatz von Vohrers Kino-Karriere.

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Jan Offline




Beiträge: 1.742

05.01.2017 22:20
#27 RE: Lange Beine - lange Finger (1966) Zitat · Antworten

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #23
Neben einigen Frühwerken der Prä-Rialto-Phase gehören die Filme der Jahre 1974-1976 allesamt zum Bodensatz von Vohrers Kino-Karriere.

Ja, das nachlassende Niveau bzw. die sich permanent verschlechternden Produktionsbedingungen sind offenkundig. Kein Vergleich zu den Bedingungen, die noch zehn Jahre zuvor herrschten, wobei CCC zur Mitte der 1960er Jahre ja auch bereits herbe Auslastungsprobleme hatte, wie man u.a. an dem freundlichen Brief erkennen kann, den die Belegschaft (!) der CCC Kurt Hoffmann hinsichtlich der bevorstehenden Dreharbeiten zu "Lange Beine - lange Finger" schrieb (abgedruckt in "Artur Brauner und die CCC – Filmgeschäft, Produktionsalltag, Studiogeschichte 1946–1990" von Claudia Dillmann). Dennoch konnte Artur Brauner (mithilfe eines israelischen Tourismusverbandes) da noch einen großen Film realisieren. Das war dann zehn Jahre später schon schwerer, und man kann selbst bei einem Regisseur wie Alfred Vohrer einen deutlichen Unterschied bei den Endprodukten ablesen. Eine Ausnahme ist wirklich "Jeder stirbt für sich allein", der ja keine internationale Koproduktion ist und dennoch überaus aufwendig und gediegen geriet.

Gruß
Jan

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.593

24.06.2021 20:57
#28 RE: Lange Beine - lange Finger (1966) Zitat · Antworten

Der Film wurde nun neu abgetastet und dürfte wohl in absehbarer Zeit auf Blu-ray kommen. Einer meiner most wanted Titel.

palmi Offline



Beiträge: 70

24.06.2021 22:12
#29 RE: Lange Beine - lange Finger (1966) Zitat · Antworten

Endlich. Egal was der kostet, den kaufe ich mir.
Ich habe mir damals die Senta Berger DVD Box nur wegen dem Film gekauft.
Leider in nicht gerade berauschender Qualität auf der Scheibe, aber immerhin.

Jan Offline




Beiträge: 1.742

24.06.2021 22:26
#30 RE: Lange Beine - lange Finger (1966) Zitat · Antworten

Ja, das ist endlich mal ne Nachricht! Der ist sowas von überfällig und schreit nach erstklassiger BR-Veröffentlichung. Definitiv gekauft!

Gruß
Jan

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