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Dieses Thema hat 24 Antworten
und wurde 1.301 mal aufgerufen
 James-Bond-007-Forum
Seiten 1 | 2
Jan Offline




Beiträge: 1.219

16.12.2007 13:44
#16 RE: Bewertet : Casino Royale (2006) Zitat · antworten

Zitat von Havi17

Insofern ist der neue Bond, wenn auch absichtlich, oder hier begründet mit der Romanvorlage, ein absoluter Stilbruch, der m.E. rein aus kommerziellen Gründen gemacht wurde, wenn man sich bei vielen für die Masse erfolgreichen Filmen der Neuzeit so umschaut.


Ich denke, dass die Neuauflage des James Bond die einzige Alternative gewesen ist. Pierce Brosnan hatte, so gerne ich ihn auch sehe, die Figur ziemlich tot gespielt (die teilweise miesen bzw. gar lächerlichen Bücher taten ihr übriges).
Ähnlich Roger Moore zur Mitte der 80er Jahre. Der Nachfolger Timothy Dalton sollte dann auch ganz anders werden - wurde er auch, jedoch bei weitem nicht so konsequent, wie im Falle CASINO ROYALE.

Den Mut der Produzenten, Daniel Craig recht werkgetreu ins Kino zu bringen und so quasi einen Neuanfang (auch zeitlich!) zu zeigen, finde ich reichlich anerkennenswert. Das hätte auch (finanziell) vortrefflich in die Hose gehen können. Total-Flop und Total-Erfolg liegen bei sowas ja ziemlich eng zusammen. Dass es nun ein beachtlicher Erfolg geworden ist (der Film wurde überdies mit einem weitaus geringeren Budget gedreht), legt einen guten Grundstein für weitere Filme, die wir, hätte man das alte Konzept erneut ohne Variation übernommen, evtl. gar nicht mehr zu Gesicht bekommen hätten, weil sich die Serie schlussendlich tot gelaufen hätte.

Darüber hinaus bin ich mir sicher, dass der nächste Craig-Bond mit Gunbarrel und dergleichen wieder einige Fans, die nun verärgert wurden, versöhnlich stimmen wird.

Gruß
Jan

SpikeHolland Offline




Beiträge: 160

17.12.2007 08:40
#17 RE: Bewertet : Casino Royale (2006) Zitat · antworten

Zitat von Havi17
Insofern ist der neue Bond, wenn auch absichtlich, oder hier begründet mit der Romanvorlage, ein absoluter Stilbruch, der m.E. rein aus kommerziellen Gründen gemacht wurde, wenn man sich bei vielen für die Masse erfolgreichen Filmen der Neuzeit so umschaut.


Werden Filme dieser Art und Größenordnung denn auch noch aus anderen als kommerziellen Gründen gedreht? Weil dem Regisseur langweilig war? Weil die Produzenten ein Abschreibungsobjekt brauchten?
Fragen über Fragen ...

"Hätte der liebe Gott Farbe gewollt, hätte er die Bibel bunt gedruckt."

Sir 100 ASA Offline



Beiträge: 241

13.07.2008 16:47
#18 RE: Bewertet : Casino Royale (2006) Zitat · antworten

Es wäre geschickt, wenn CR2006 quasi als Promotion im TV ausgestrahlt würde, bevor der neue Film diesen Herbst in die Kinos kommt. Ich habe CR2006 nur einmal gesehen, vor rund 2 Jahren in einem kleinen Saal mit viel zu hoher Lautstärke. Das war wahrscheinlich das beste Bond-Drehbuch seit The Living Daylights oder vielleicht sogar seit For Your Eyes Only. Ich hoffe, die Serie geht in dieser Qualität weiter. Allerdings würde ich mich über etwas mehr Humoriges zwischendurch freuen - vorausgesetzt es ist gut synchronisiert.

patrick Offline




Beiträge: 2.769

06.04.2015 15:17
#19 RE: Bewertet : Casino Royale (2006) Zitat · antworten

Casino Royale



Filmdaten:
Deutscher Titel: James Bond 007: Casino Royale
Originaltitel: Casino Royale
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
Vereinigte Staaten
Deutschland
Tschechien[1]
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2006
Länge: DVD: 139 Minuten
Blu-ray: 144 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12[2]
JMK 14[3]

Stab:

Regie: Martin Campbell
Drehbuch: Neal Purvis,
Robert Wade,
Paul Haggis
Produktion: Barbara Broccoli,
Michael G. Wilson
Musik: David Arnold
Titelsong: „You Know My Name“: Chris Cornell
Kamera: Phil Meheux
Schnitt: Stuart Baird

Besetzung:

Daniel Craig: James Bond, Eva Green: Vesper Lynd, Mads Mikkelsen: Le Chiffre, Judi Dench: M, Jeffrey Wright: Felix Leiter, Giancarlo Giannini: René Mathis, Caterina Murino: Solange Dimitrios, Simon Abkarian: Alex Dimitrios, Isaach de Bankolé: Obanno, Jesper Christensen: Mr. White, Ivana Miličević: Valenka, Tobias Menzies: Villiers, Claudio Santamaria: Carlos
Sébastien Foucan: Mollaka, Malcolm Sinclair: Dryden, Richard Sammel: Adolph Gettler, Ludger Pistor: Herr Mendel, Clemens Schick: Kratt, Andreas Daniel: Croupier, Carlos Leal: Chef de Partie, Jürgen Tarrach: Schultz



Handlung:

Der kriminelle, einem Terrornetzwerk dienstbare, Börsenspekulant Le Chiffre (Mads Mikkelsen) bekommt in Uganda eine beträchtliche Geldsumme von dem Offizier Obanno zur Verwahrung. Le Chiffre verliert allerdings das Geld, da Bond ihm in’s Handwerk pfuscht. Er tötet zwei Saboteure, die Bombenattentate, u.a auf einen Flugzeug-Prototypen, ausführen sollten. Dadurch wären Le Chiffre beträchtliche Gewinne auf dem Aktienmarkt zugeflossen, wo er das Geld angelegt hat. Obanno ist darüber „not amused“, und Le Chiffre sieht sich gezwungen bei einem monumentalen Pokertournier im „Casino Royale“ in Montenegro das Geld zurückzugewinnen.
Bond, der den Ruf des besten Pokerspielers im MI6 hat, wird auf den Fall angesetzt und sollte mit Regierungsgeldern als Einsatz ebenfalls teilnehmen. Als Unterstützung stehen ihm der Kontaktmann Rene Mathis und die hübsche Regierungsbeamtin Vesper Lynd (Eva Green) zur Seite. Bond scheint Le Chiffres Taktik zu durchschauen, verliert allerdings trotzdem mehrere Runden. In einer Spielpause wird Le Chiffre von Obanno und einem seiner Männer bedroht. Im Gang werden die beiden dann allerdings von Bond getötet.
Dieser selbst wird im weiteren Verlauf des Spiels von Le Chiffre vergiftet und , nachdem er den Raum verlässt, mit Vespers Unterstützung in letzter Sekunde, unter Zuhilfenahme eines Defibrillators, erfolgreich wiederbelebt. Schließlich gewinnt Bond mit finanzieller Hilfe des CIA-Agenten Felix Leiter das Pokerturnier, was Le Chiffre arg in Bedrängnis bringt. Er überwältigt Bond und foltert ihn grausam, um an das Passwort für das Bankkonto mit dem Gewinn zu kommen. Doch wird er dabei von Mr.White, der eine besondere Stellung im Terrornetzwerk hat, aufgrund seiner Unzuverlässigkeit erschossen. Bond und Vesper bleiben seltsamerweise unbehelligt. Rene Mathis wird für einen Doppelagenten gehalten und von den Briten gefangengenommen.
Bond und Vesper, die sich ineinander verliebt haben, planen eine gemeinsame Zukunft, was Bond dazu veranlasst, seinen „Risikojob“ zu kündigen. Doch es sollte anders kommen und Bond ahnt noch nicht, unter welchem Druck Vesper tatsächlich steht…

Anmerkungen:

Der Film beginnt mit einer Schwarzweißsequenz, die zeigt, wie Bond einen Verräter aus den eigenen Reihen und dessen Komplizen tötet und dadurch seinen Doppelnull-Status erhält.

Casion Royale stellt eine sehr erfreuliche Entwicklung im Bond-Genre dar. Erstmals seit den 80er-Jahren wurde wieder eine Romanvorlage von Ian Fleming verwertet, was man dem Film auch anmerkt. Das Thema wurde in den 50er-Jahren als Fernseh-Adaption und in den 60er-Jahren als Bond-Persiflage verfilmt. Somit war der Stoff innerhalb der Reihe noch ausständig. Nach dem recht geschniegelten Pierce Brosnan verkörpert Daniel Craig bei seinem Einstand einen völlig anderen Bond, als man es bisher gewohnt war. Nicht sehr groß gewachsen und nicht unbedingt ein Schönling im Schaufenster-Puppen-Stil, ist er andererseits ausgesprochen muskulös und „very tough“. Ein kerniger, männlicher und knallharter Typ, der fast ein bisschen an frühere Helden wie Steve McQueen und John Wayne erinnert.

Auch wird in einem psychologischen Wortgefecht mit Vesper Bonds Persönlichkeit etwas unter die Lupe genommen. Man sieht ihn mit Schrammen und Verletzungen, und er wird von Le Chiffre gefoltert, indem dieser ihn nackt auf einen Stuhl ohne Sitzfläche bindet und ein Seil mit einem kräftigen Knoten dazu verwendet, auf seine Hoden einzuschlagen. Diese Art Folter ist wohl der Alptraum eines jeden Mannes, und es ist sehr ungewohnt, den Helden so zu erleben. Man sieht eine wesentlich härtere Version des Angriffs auf 007s Männlichkeit, als es in Goldfinger der Fall war. Anno 1964 durfte er seine Kleider anbehalten, und es wurde ein Laserstrahl verwendet, wobei natürlich nicht allzu weit gegangen wurde.
Bonds Gesicht ist schmerzverzerrt, doch verliert er nicht seinen britischen Humor. Aussagen wie „Now the whole world's gonna know that you died scratching my balls“ kommen ihm über die Lippen. Doch 007 wäre nicht 007, würde seine Männlichkeit nicht in letzter Sekunde gerettet werden. Der knallharte, machohafte Agent darf sich erstmals seit 1969 ( On her Majestyes Secret Service) ernsthaft verlieben, was natürlich auch diesmal wieder tragisch endet. Die Bezugnahme auf Bonds Anfänge als Agent ist eine ungeheuer gute Idee, die einmal mehr verhindert, dass das Genre sich in Routine tot läuft. Auch wird veranschaulicht, wie Bonds Haltung, niemandem zu trauen, geprägt wird. Er darf auch seine sensible Seite aufflackern lassen, welche er allerdings schlussendlich wieder unterdrücken muss.

Plot:

Die Story ist spannend und temporeich und wartet mit zahlreichen überraschenden Wendungen auf. Der im Film vorkommende Aston Martin, Bj. 1964, sollte an Goldfinger erinnern.



Schauplätze:

Gedreht wurde in Großbritannien, den Bahamas, Tschechien und Italien. Die Schauplätze sind recht gut eingefangen und erinnern auch ein bisschen an die alten Klassiker (Bahamas=Feuerball, Venedig=Liebesgrüße aus Moskau)



Bösewichter:

Mads Mikkelsen liefert eine überdurchschnittliche Performance ab. Auch sein chronisch blutendes Auge hat etwas durchaus diabolisches an sich, wie wir es an den Schurken des Genres so lieben. Er steht selbst unter enormem Druck von Seiten der Terrororganisation, die ihm die Hölle heiß macht, nachdem er deren Geld verspekuliert hat. Dies relativiert seine „Größe“ etwas. Recht unterhaltsam sind seine Wortgefechte mit Bond. So sagt er zu ihm: „You changed your shirt, Mr.Bond. I hope our little game isn't causing you to perspire“. Darauf Bond: „I won't consider myself to be in trouble until I start weeping blood.“

Isaach de Bankole als Le Chiffres säbelschwingender "Gläubiger"Obanno entpricht voll und ganz der Tradition exotischer Bond-Böser.



Bondgirls:

Eva Green spielt ihren Part zwar recht kompetent, hat allerdings als Bondgirl keine wirklich herausragende Ausstrahlung. Mit ihrem tragischen Ende wächst sie mir nicht sosehr an’s Herz wie einst Diana Rigg als Tracy in „On Her Majestys Secret Service“.

Caterina Murino als "Neben-Girl"sorgt für einen exotisch-eleganten Einschlag, bleibt aber auch nicht wirklich prägnant in Erinnerung.



Titelsong:

Der bunte Vorspann mit dem Titelsong „You Know My Name“ von Chris Cornell lassen 60er-Jahre-Feeling aufkommen und passen sehr gut in's Bond-Genre.



Fazit:

Ein gelungenes Bond-Abenteuer, das nach der nicht unbedingt rühmlichen Brosnan-Phase wieder große Hoffnung aufkommen lässt. 4 von 5. (Die Gesamt-Wertung ist bei mir kein mathematischer Durchschnitt der Einzelwertungen. Das wäre mir zu technisch. Ausserdem sind mir nicht alle Punkte gleich wichtig.)

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.278

06.04.2015 16:11
#20 RE: Bewertet : Casino Royale (2006) Zitat · antworten

Für mich immer noch einer der besten Bond-Filme. Jedenfalls der Beste mit Daniel Craig.

patrick Offline




Beiträge: 2.769

06.04.2015 17:49
#21 RE: Bewertet : Casino Royale (2006) Zitat · antworten

Zitat von Edgar007 im Beitrag #20
Für mich immer noch einer der besten Bond-Filme. Jedenfalls der Beste mit Daniel Craig.


Ich würde sagen Skyfall befindet sich auf Augenhöhe.

Peter Offline




Beiträge: 2.789

06.04.2015 18:26
#22 RE: Bewertet : Casino Royale (2006) Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #21
... Skyfall befindet sich auf Augenhöhe.

Definitiv....

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.278

06.04.2015 19:30
#23 RE: Bewertet : Casino Royale (2006) Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #21
Ich würde sagen Skyfall befindet sich auf Augenhöhe.

Finde ich nicht. Skyfall ist zwar wirklich gut, gehört für mich aber nicht zu den absoluten TOP-Bond-Filmen.

patrick Offline




Beiträge: 2.769

06.04.2015 19:46
#24 RE: Bewertet : Casino Royale (2006) Zitat · antworten

Zitat von Edgar007 im Beitrag #23
Zitat von patrick im Beitrag #21
Ich würde sagen Skyfall befindet sich auf Augenhöhe.

Finde ich nicht. Skyfall ist zwar wirklich gut, gehört für mich aber nicht zu den absoluten TOP-Bond-Filmen.


Ich finde er hat einen eigenen Charme mit der Neudefinition sämtlicher Bond-Charaktere und der Bezugnahme auf Bonds Wurzeln in Schottland. Der Plot ist auch wirklich abenteuerlich....Ich möchte aber jetzt nicht zuviel vorwegnehmen. Skyfall wird von mir demnächst besprochen.

Ray Offline



Beiträge: 768

20.08.2017 11:22
#25 RE: Bewertet : Casino Royale (2006) Zitat · antworten

James Bond 007: Casino Royale (Casino Royale) (GB/USA/D/CZ 2006)

Regie : Martin Campbell

Darsteller: Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen, Judi Dench, Jeffrey Wright, Giancarlo Giannini, Caterina Murino, Sébastien Foucan, Ludger Pistor, Clemens Schick, Jürgen Tarrach u.a.



Im Vorfeld von "Casino Royale" taten die Produzenten Barbara Broccoli etwas Unübliches: sie verzichteten auf die Dienste des bisherigen Bond-Darstellers. Bis dahin gab es in den Fällen Lazenby und Dalton durchaus unterschiedliche und sich widersprechende Aussagen, ob das jeweilige Aus durch einen Willensakt des Darstellers selbst oder vielmehr durch einen solchen der Verantwortlichen begründet wurde. Hier war es erstmals von vornherein klar. Nicht ungefährlich, denn Pierce Brosnan war zur damaligen Zeit weitgehend anerkannt als Bond, so dass nicht wenige Kritiker und Fans protestierten, als mit Craig ein blonder (!) Bond präsentiert wurde. Es folgte ein Spießrutenlauf für den neuen 007: er sei ein Weichei, weil er bei der Präsentation auf einem Motorboot eine Wasserweste trug (ob Brosnan wohl darauf verzichtet hätte?), er könne nicht mit Gangschaltung fahren, sein Aussehen sei eines Bond-Darstellers nicht würdig etc.. Die allermeisten verstummten nachdem großen Erfolg, den "Casino Royale" bei Kritik und an den Kinokassen erntete.

Inhaltlich drehte man alle Uhren auf Null. Als Vorlage für das Drehbuch diente Ian Flemings erster Roman, der bereits vorher zweimal durch andere Firmen verfilmt wurde (eine amerikanische TV-Version aus den 1950ern und die bekannte und stargespickte Kinoversion von 1967), jedoch nie "adäquat", wie Broccoli betonte.

Interessant erscheint es, auf wie viel altbekanntes Personal man trotz des radikalen Neuanfangs vor allem hinter der Kamera setzte. Am meisten überrascht das Festhalten am Autorenduo Neal Purvis und Robert Wade, das mit "Die Welt ist nicht genug" und "Stirb an einem anderen Tag" zuvor sicher nicht die besten Skripte ablieferte, freilich sich dabei auch am etablierten Stil der Brosnan-Vorgänger orientieren musste. Unterstützung vor allem im Bereich der Dialoge erhielt man vom Oscar-prämierten Paul Haggis. Martin Campbell durfte nach "GoldenEye" den zweiten Erstling eines neuen Bond-Darstellers auf die Leinwand bringen und sollte diesmal ein wesentlich zufriedenstellenderes Ergebnis präsentieren können.

Daniel Craig macht bei seinem ersten Auftritt als 007 eine gute Figur. Er wirkt optisch und von den Umgangsformen noch deutlich rustikaler als die meisten seiner Vorgänger (was seine Gegner so gerne mit dem Wort "proletenhaft" umschreiben). Das Drehbuch gibt Craig jedoch die Chance, gleich im ersten Film verschiedene Facetten seiner Darstellung zu offenbaren. So lernt der Zuschauer sofort auch seine verletzliche Seite kennen. Sein Zusammenspiel gerade mit Eva Green ist superb, insbesondere das nuancierte Spiel in der einführenden Zugszene gefällt. Mads Mikkelsen ist der beste Bösewicht seit Robert Davi und überhaupt einer besten. Anders als zuvor geben die ins Skript geschriebenen äußeren Schwächen (blutgeränkte Tränen, Asthma) seiner Figur Profil und wirken nicht so absurd wie bei den Bösewichtern der Brosnan-Ära. Problematisch - weil wenig konsequent - erscheint das Festhalten an Judi Dench als M, so viel einige auch von ihr in der Rolle von Bonds Vorgesetzter halten mögen. Hier wäre ein Wechsel ebenfalls wünschenswert gewesen.

Ansonsten sind Parallelen zu "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" unverkennbar. Zunächst war seit dem Lazenby-Film kein Bond mehr so lang. Darüber hinaus gab kein Film in der Serie sonst so viel von Bonds Persönlichkeit preis. Er darf sich ernsthaft verlieben - und steht am Ende doch (tragischerweise) alleine da. Wieder ereignet sich der Tod von Bonds Herzdame nach dem Ende der eigentlichen Mission. Diese Parallelen werden es u.a. sein, weswegen beide Filme heute allgemein so geschätzt werden.

Aber auch sonst überzeugt "Casino Royale". Dies fängt schon bei der in schwarzweiß gehaltenen Prätitelsequenz an (Bond hat ja schließlich noch keine Doppelnull), an deren Ende man geschickt die Gunbarrel-Einstellung in die Handlung einwebt. Der Vorspann bietet auch nette Abwechslung zu den nach Maurice Binders Tod eher abgedroschen präsentierten Frauenkörpern. Chris Cornells rockiges Titellied - Cornell nahm sich unlängst das Leben - wirkte zwar 2006 schon eher altbacken, gehört aber dennoch zu den besten der letzten Zeit. David Arnolds Musik darf als gelungen bezeichnet werden. Wie in alten Barry-Zeiten klingt das Titellied in abgewandelter Form immer mal zwischendurch an, das "Bond-Theme" spart er sich dramaturgisch geschickt bis zum Ende auf. Geradezu atemberaubend fällt die Verfolgungsjagd zwischen Bond und dem Free Running- und Parcours-Experten Sébastien Foucan aus. Spektakulär, aber handgemacht und nie "over the top" - beinahe ein Kulturschock nach den Brosnan Action-Eskapaden zuletzt.

Trotz der langen Laufzeit halten sich die Längen in Grenzen. Überraschend spannend wurden auch die vergleichsweise langen Pokerszenen inszeniert, hier muss man vor allem Regisseur Campbell ein Kompliment machen, der astreine Arbeit ablieferte. Für Kritik sorgten einzig die Folterszene sowie die etwas lang ausfallende angehängte Liebesgeschichte. In beiden Fällen hielt man sich dabei eng an den Roman, was durchaus zu begrüßen ist.

Alles in allem ist "Casino Royale" ein in jeder Hinsicht starker Neuanfang, der die Basis für eine neue Ära schuf, auf deren weiteren Verlauf Bond-Fans auch elf Jahre nach Erscheinen von "Casino Royale" noch immer gespannt sind.


Mit "Casino Royale" begeben sich die Macher nicht nur zurück zu den Anfängen der Figur, sondern kehren auch zu Ian Fleming zurück und verfilmen das letzte in dieser Reihe noch unrealisierte Werk des Autors. Daniel Craig etabliert eine neue Spielart des Doppelnullagenten. Ungeschliffen, charismatisch, menschlich und glücklicherweise dennoch nicht ganz humorlos. Mads Mikkelsen gibt einen hervorragenden Bösewicht, die sich an "24" und den "Bourne"-Filmen orientierende Action ist handgemacht und wirkt nach den jüngsten CGI-Eskapaden ungemein erfrischend. Überzeugendes Reboot der Bond-Serie. 5 von 5 Punkten.

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