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Dieses Thema hat 107 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Gubanov Offline




Beiträge: 16.322

25.05.2008 13:45
#61 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Zitat von Percy Lister im Beitrag #60
Die Handlung ist relativ lang, da sehr viele Personen für die Morde in Frage kommen und sich Inspektor Craddock sogar nach Schottland begeben muss, um Nachforschungen anzustellen.

Genau das gefällt mir besonders gut. Die Handlung ist für die lange Spielzeit perfekt angelegt und hätte auf keinen Fall in eine kürzere Spanne gepresst werden dürfen, wie dies beispielsweise bei der Verfilmung mit Geraldine McEwan geschah. Dort wirkt beispielsweise die von dir angesprochene Reise Inspektor Craddocks nach Schottland im Rahmen der 90-minütigen Umsetzung sehr unglaubwürdig, was hier überhaupt nicht der Fall ist, auch da sie klug in den Verlauf der Episode eingebaut ist und mit einer langen Kameraeinstellung, die die lange Reise nach Schottland symbolisiert, eingeleitet wird.
Zitat von Percy Lister im Beitrag #60
Mit der Doppelhochzeit am Ende des Films setzte er sich über das Buch von Mrs. Christie hinweg (wo Julia am Ende des Films nach Australien geht und Patrick verlässt) ...

Hier ist für mich auf jeden Fall eine Verbesserung zu erkennen, da man bei einer solchen soliden Dorfgeschichte einfach ein klassisches Happy-End benötigt. Es freut mich, am Ende des Films die Doppelhochzeit zu beobachten, und ich finde sie, auch in Bezug auf die Heirat Philippa Haymes mit Edmund Swettenham, keineswegs deplatziert oder weit hergeholt.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

25.05.2008 13:51
#62 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Ich habe gerade im Buch nachgeschlagen und noch eine Abweichung von der Originalvorlage entdeckt: Miss Marple und der Wachtmeister verbergen sich im Wandschrank und beobachten, ...

... wie Miss Blacklock mit der Köchin spricht und sie dann plötzlich packt und ihren Kopf unter Wasser drückt. Miss Marple ahmt nun die Stimme von Dora Bunner nach und ruft kläglich: "O Lotty, tu es nicht!". Daraufhin bricht Miss Blacklock zusammen und lässt
die Köchin los.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.322

27.05.2008 22:28
#63 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Nachdem ich mir gestern "Das Geheimnis der Goldmine" (A Pocket Full of Rye) angesehen habe, möchte ich zunächst ein wenig auf das zugrunde liegende englische Kinderlied "Sing a Song of Sixpence" eingehen, welches in dem Film sogar choral vertont wurde.

Hier der komplette Text:

Zitat von Sing a Song of Sixpence
Sing a song of sixpence, a pocket full of rye,
Four and twenty blackbirds baked in a pie.
When the pie was opened the birds began to sing,
Oh wasn't that a dainty dish to set before the king?
The king was in his counting house counting out his money,
The queen was in the parlour eating bread and honey
The maid was in the garden hanging out the clothes,
When down came a blackbird and pecked off her nose!


Die Personenangaben beziehen sich wie folgt auf Personen aus dem Buch: "king" = Rex Fortescue (rex [lat.] = König), "queen" = seine Frau Adele Fortescue, "the maid" = das Hausmädchen Gladys Martin.

Eine britische Internetseite vermerkt als Erklärung zu dem Kinderlied (übersetzt): Der Roggen wurde früher für einen Sixpence gekauft, um Vögel anzulocken. Amseln (blackbirds) und andere Singvögel wurden tatsächlich als Delikatesse gegessen. Aber auch die Möglichkeit, dass ein Hofnarr dem Hofkoch vorgeschlagen haben könnte, eine Pastete (pie) ohne Füllung zu backen und einige Amseln hineinzusetzen, um den König zu amüsieren, besteht. Es wäre für die Amseln auch ein angemessenes Verhalten, quasi nach einer Revanche zu suchen, daher die letzte Zeile.

Interessant auch, wie weit verbreitet dieser Kinderreim ist. Neben Agatha Christies Buch wurde es vor allem in zeigenössische Rock- und Popsongs (zum Teil abgewandelt) verwendet. Hier zwei Beispiele dafür:

Zitat von Elvis Costello: Pills and Soap
(...) Four and twenty crowbars, jemmy your desire
Out of the frying pan into the fire
The king is in the counting house
Some folk have all the luck
And all we get are pictures of Lord and Lady Muck (...)

Zitat von The Beatles: Cry Baby Cry
(...) The king of Marigold was in the kitchen
Cooking breakfast for the queen
The queen was in the parlour
Playing piano for the children of the king.
Cry baby cry
Make your mother sigh
She's old enough to know better
So cry baby cry.
The king was in the garden
Picking flowers for a friend who came to play
The queen was in the playroom
Painting pictures for the childrens' holiday. (...)

Gubanov Offline




Beiträge: 16.322

29.05.2008 15:27
#64 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Hier nun also zwei weitere Filmbewertungen:

"Das Geheimnis der Goldmine" (A Pocket Full of Rye): Die Geschichte, die durch das Basieren auf dem Kinderlied sehr mysteriös und spannend wirkt, gewinnt mit jedem Nachdenken immer mehr an positiven Aspekten: Die Schilderung der sich nicht grünen Familienmitglieder, das Schicksal von Gladys Martin, die angenehmen Ermittler ... Mit erklärenden Rückblenden, choralen Musikeinspielungen und vielen verdeckten Andeutungen der Protagonisten entstand hier einer der Höhepunkte der Serie. Die Familiengeschichte macht einfach neugierig und passt hervorragend in die "Welt der Miss Marple". Die Veränderung der Auflösung mit der berüchtigten Autoszene gibt der Umsetzung noch einen finalen sicher melodramatischen, aber umso ergreifenderen Kick, in dessen Rahmen sich auch ausgezeichnete Schauspielerleistungen zeigen. Überhaupt ist jede Rolle bis ins kleinste Detail passend besetzt. Als einzigen Kritikpunkt könnte man der Folge ankreiden, dass der aufklärende Brief, den Gladys Martin an Miss Marple schreibt, am Ende nicht die ihm gebührende Aufmerksamkeit erhält, doch das ist damit zu rechtfertigen, dass man wohl verdecken wollte, dass die Lösung des Falles hauptsächlich auf einem Geständnis und nicht auf gründlicher Ermittlungsarbeit basiert. Rundum gelungene Umsetzung eines schönen Agatha-Christie-Rätsels im typischen Stil und 5 von 5 Punkten.



"Das Schicksal in Person" (Nemesis): Die Geschichte wirkt bis auf die interessante Ausgangssituation mit der Beauftragung Miss Marples durch einen Toten auf mich eher uninteressant und zusammengeschustert. Da man weder die Mordopfer noch ihre damaligen Lebensumstände zu Gesicht bekommt, bleibt die Vorgeschichte wenig ansprechend. Die Darsteller sind solide, aber keiner vermag, mich zu begeistern. Einziger Tiefpunkt der Besetzung und eine der größten Schwächen des Drehbuchs ist die vollkommen überzeichnete geradezu peinlich vorurteilsbehaftete Darstellung Mr. Rafiels Sohns als "Anwalt der Armen" und seine vollkommen unglaubwürdige Wandlung zum Schluss des Films. Auch wenig erbaulich ist die wirklich unlustige Komik, die hier, vor allem in Form der nervigen Reiseleiterin, immer dann auftaucht, wenn einigermaßen Atmosphäre aufgebaut wurde. Spannung ist, auch dadurch, eher selten vorhanden. Dafür ist der Anschlag auf die ehemalige Lehrerin in der Bibliothek hervorragend gefilmt und die Überführung der Mörderin auch gelungen, wenngleich ich nicht so weit gehen würde, sie als eine der besten der Serie zu bezeichnen. Positiv wären auch die illustren Schauplätze der Handlung hervorzuheben. Alles in allem eine höchstens "akzeptable" Umsetzung, der ich nicht mehr als 3 von 5 Punkten gebe. Man hätte mehr aus diesem Spätwerk machen können und müssen.

PS: Verwunderlich finde ich, dass man "Das Schicksal in Person" vor "Karibische Affäre" gedreht hat. Ich kann mir nicht recht denken, warum ...

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

31.05.2008 21:03
#65 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Ich stimme Dir zu, dass ein Nichtkenner der Romanvorlage die Würze früherer Verbrechen vermisst, da die beiden Mädchen-Morde erst spät angesprochen und auch recht beiläufig abgehandelt werden. Die Toten aus der Vergangenheit hätten einen prominenteren Platz bekommen sollen. Nora Broad und vor allem Verity Hunt hätten ausführlich thematisiert werden müssen. Deshalb kommt die Klärung des Falles und die Entlarvung der Person, die getötet hat zu spät. Die Reue und der Verdruss hätten sich wie ein rotes Band durch den Film ziehen sollen. Man hätte an "Vertigo - Aus dem Reich der Toten" von Alfred Hitchcock anknüpfen können, der es meisterhaft verstanden hat, die Sehnsucht und Melancholie zwischen Leben und Tod auf die Leinwand zu bringen.

Deshalb meine Empfehlung: Zuerst das Buch von Agatha Christie lesen und erst dann die filmische Umsetzung betrachten.

Bei der Auswahl der Filmcharaktere hätte man übrigens zwei Abstriche machen können, und zwar bei der völlig überdrehten und überforderten Reiseleiterin und der Einführung eines zweiten Neffen Miss Marples, der sich gerade von seiner Frau getrennt hat und Tante Jane deshalb auf der Busfahrt durch England begleitet. Die zwei Personen kommen im Roman nicht vor und werden zum Fortschreiten der Handlung auch nicht benötigt. Man hätte dafür den anderen Reisenden mehr Aufmerksamkeit schenken können bzw. Miss Marple mehr Zeit für Gespräche geben können.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.322

31.05.2008 21:09
#66 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Zitat von Percy Lister im Beitrag #65
Deshalb meine Empfehlung: Zuerst das Buch von Agatha Christie lesen und erst dann die filmische Umsetzung betrachten.

Diese Empfehlung kommt - zumindest für mich - ein klitzekleines bisschen zu spät, aber ich werde sie mir für spätere Begutachtungen dieses Films zu Herzen nehmen.

Und es ist ja gar nicht 'mal alles schlecht: Im Gegenteil - die Sache beginnt sehr interessant, denn die Busfahrt scheint Miss Marple an stimmungsvolle Orte zu bringen. Die "erste Station", das große Anwesen, und die "zweite Station", der Pavillon im Park, bringen den Liebhaber dekadenter Adelssitze und Parks natürlich sofort zum Schwärmen. Erste Spuren zu einem Verbrechen in der Vergangenheit tun sich auf und alles könnte hervorragend werden, wenn nicht immer mehr wenig einprägsame Charaktere (z.B. der Professor, die beiden "mysteriösen" Damen (Lesben?)) auf der Bildfläche auftauchen würden. Auch versiegt mit dem Eintreffen in Abbey Doucis der Spannungsanstieg, der bisher recht gut auszumachen war. Die Tatsache, dass Michael Rafiel, der pathetische Penner, immer stärker in den Fokus rückt, tut der Episode auch nicht gut. Im Prinzip ist seine Figur vollkommen überflüssig und wäre nicht einmal von Nöten, um Mr. Rafiels Auftrag an Miss Marple glaubhaft zu machen. Ich gehe sogar so weit, zu sagen, dass Michael Rafiel auf meiner Rangliste der "Worst Characters of Joan Hickson's Miss Marple" Cedric Crackenthorpe von Platz 1 abgelöst hat.
Zitat von Percy Lister im Beitrag #65
Bei der Auswahl der Filmcharaktere hätte man übrigens zwei Abstriche machen können ...

Interessant, wen wir hier so alles aus der Handlung streichen würden. Die Ergänzung des Neffen erscheint mir eigentlich ganz nützlich, denn er kann die weniger interessante Arbeit für Miss Marple erledigen. Außerdem gibt es der Folge einen gewissen Miss-Marple-und-Mr.-Stringer-Touch. Die Reiseleiterin hingegen ist natürlich der Gipfel der Unverschämtheit. Was man sich bei diesem aufgescheuchten Huhn gedacht hat, wird mir für immer verborgen bleiben.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

01.06.2008 20:30
#67 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Man hätte mehr von den wunderbaren Schlössern und historischen Gärten zeigen sollen. Wichtige Gespräche hätten dort stattfinden können (ähnlich der Szene mit Miss Marple und Elizabeth Temple im Pavillon). Ein wenig mehr Suspense hätte der Geschichte gutgetan. Mich störte außerdem das Gespräch von Mr. Peel mit der alkoholkranken Mutter der ermordeten Nora Broad. Man wollte damit wohl die Unterschiede zwischen den beiden Mädchen herausstreichen. Auf der einen Seite die guterzogene Verity Hunt, die sich mit dem Sohn aus reichem Haus verlobt hat und auf der anderen Seite die leichtlebige Nora, deren Mutter nie wusste, wo sie sich aufhielt.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.322

01.06.2008 20:32
#68 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Hier nun eine weitere Kritik:

"Bertrams Hotel" (At Bertram's Hotel) ist ein Film, der vor allem durch seinen Charme und sein typisch altmodisches Flair besticht, obwohl er nicht im wohlvertrauten St. Mary Mead, sondern in der Weltstadt London spielt. Trotzdem sind die Mauern des Hotels Bertram, welches sich seit Miss Marples Jugend nur wenig verändert hat und das einen illustren Gästekreis zu bieten hat, gut geeignet, um typisch klassisches Krimiflair zu erzeugen. Enttäuschend ist dann aber, wenn außer dem Flair nicht viel kommt, sprich: Ein Kriminalfall existiert so gut wie nicht. Nur nebenbei wird von einigen Raubüberfällen gesprochen, gen Ende des zweiten Teils passiert ein Mord, den aufzuklären sogar mir innerhalb von einer Minute geglückt ist. Den sich mit nicht nur gemächlichem, sondern gar schneckenartigen Tempo entwickelnden Inhalt des Films hülle ich also lieber in einen Mantel des Schweigens ...

Positiv fallen hingegen sämtliche Darsteller auf. Alle überzeugen auf ganzer Linie, allen voran Caroline Blakiston, die (Wallace-Fans mehr oder weniger bekannt aus "Das Geheimnis der weißen Nonne") eine Rolle spielt, die charakterlich und auch optisch prädestiniert für den Frauentyp "Mady Rahl" ist. Die Rolle des Kanonikus Pennyfather wird leider sehr überzogen dargestellt, was aber nicht bedeutet, dass die Leistung an sich schlecht ist. Das Fehlen eines einprägsamen Polizeiinspektors ist ein großes Manko der Folge, denn der hier ermittelnde Inspektor gerät reichlich schnell wieder in Vergessenheit ...

Abschließend möchte ich noch kurz auf Anfang und Schluss des Films eingehen.

Der Beginn ist sehr dynamisch und vielversprechend inszeniert; er beschreibt die Ankunft der wichtigsten Gäste von Bertrams Hotel in London. Das Ende nimmt diese Dynamik, die während der kompletten 90 Minuten Mittelteil völlig gefehlt hat, wieder auf und zeigt eine halsbrecherische Flucht der überführten Bess Sedgwick. Dies mutet in Anbetracht des vorher Erlebten eher merkwürdig an und man fragt sich, ob man die Lösung nicht auch einfacher hätte haben können.

Kurzum: 3 von 5 Punkten.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

01.06.2008 20:41
#69 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Agatha Christie baut in ihrem Roman bewusst ein nostalgisches Flair auf. Weniger ein Kriminalfall als die Beziehung zwischen Bess Sedgwick und ihrer Tochter Elvira Blake steht im Vordergrund. Sie stellt die Gefühle der beiden in den Mittelpunkt und erzählt die Geschichte zweier Frauen, die miteinander verbunden sind, obwohl sie einander scheinbar nicht ähneln und andere Prioritäten in ihrem Leben gesetzt haben.

Deshalb hat sie sich wohl auch weniger Gedanken um den Kriminalfall gemacht und auf ihre sonstige Kombinationsgabe und verblüffende Logik verzichtet.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.322

01.06.2008 20:46
#70 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Aber dann ist es doch ein Liebes- oder Frauenroman! Gut, wir wissen, dass Agatha Christie auch in dieser Richtung höchst aktiv war (ich sage nur Mary Westmacott), aber in einen Miss-Marple-Roman gehört unbedingt auch ein guter Kriminalfall. Und genau das Fehlen eines solchen oder die Unzulänglichkeiten der Verbrechen bzw. ihrer Aufklärung prägen die drei Episoden, die sich deutlich (!) am Ende meiner bisherigen Rangliste der Folgen festsetzen: "Das Schicksal in Person", "Bertrams Hotel" und "Karibische Affäre". Schade, denn viele Fehler dieser Filme sind offenbar nur bedingt bei der BBC und eher bei Christie selbst zu suchen. Interessant ist es dabei, zu bemerken, dass die Romane alle aus ihrer "Spätphase", nämlich aus den Jahren 1971, 1965 und 1964 stammen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

02.06.2008 16:43
#71 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Ergänzend zum letzten Miss-Marple-Film der Reihe, "The Mirror Cracked from Side to Side" (veröffentlicht unter den Titeln "Mord im Spiegel" oder "Die Botschaft der Madonna"), hier nun zum besseren Verständnis die betreffende Stelle aus dem Gedicht von Tennyson:

Zitat von Alfred Lord Tennyson: The Lady of Shalott
She left the web, she left the loom,
She made three paces thro' the room,
She saw the water-lily bloom.
She saw the helmet and the plume,
She look'd down to Camelot.
Out flew the web and floated wide;
The Mirror crack'd from side to side;
"The Curse is come upon me," cried
The lady of Shalott.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.322

02.06.2008 16:48
#72 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Nachdem ich nun auch "The Mirror Cracked from Side to Side" gesehen habe, hier meine Einschätzung zu dieser äußerst gelungenen Folge:

Hier liegt die letzte Folge der Miss-Marple-Reihe mit Joan Hickson vor, was man dem allgemeinen Schwanengesang-Gefühl entnehmen kann. Es wird, was mir sehr gefallen hat, ein Bogen geschlossen, besonders in Bezug auf die allererste Episode, "Die Tote in der Bibliothek". Dolly Bantry ist wieder mit von der Partie (das Zusammenspiel zwischen ihr und Jane Marple ist einfach wunderbar) und auch eine zweite Interaktion darf hier bewundert werden: Chief Inspector Slack und Inspector Craddock zum einzigen Mal in einem Film! Slack hat seine mürrische Haltung ein wenig eingeschränkt und ist, wenngleich auf seine typisch engstirnige Art, nur darauf bedacht, die Starschauspielerin Marina Gregg nicht aufzuregen. Er ist es sogar, der seinen Kollegen anweist, Miss Marple aufzusuchen - einen Hinweis, den er vorher wohl nicht im Traume gegeben hätte. Craddock geht ungewohnt forsch zu Werke, doch man kann seine Höflichkeit nichtsdestotrotz erkennen. Brillante Leistungen von David Horovitch und John Castle, die mir als besondere Besetzungserfolge der Reihe in Erinnerung bleiben werden.

Auch anderweitig kann die Folge punkten: Mit einem zügigen und atmosphärischen Script, das an den schönsten Sommertagen in Szene gesetzt wurde, wird die Christie-Geschichte, die wohl zu den tragischsten der Queen-of-Crime gehört, gebührend umgesetzt.

Interessant ist es, die Rolle der Opfer zu beleuchten. Hier würde ich behaupten wollen, dass die beiden eigentlichen Mordopfer, Mrs. Badcock und Ella Zeilinsky, tatsächlich ihren Tod verdient haben (so man denn etwas derartiges behaupten kann). Auf jeden Fall haben sie mir im Gegensatz zu Marina Gregg nicht leid getan.

Joan Hicksons Miss Marple ist in dieser Folge einmal mehr die agile, fest ins Dorfleben eingebundene alte Dame. Ich freue mich sehr über ihre Darbietungen und halte sie inzwischen - ja, man lese und staune! - für die Idealbesetzung der Rolle. Die alte Dame, die bei Miss Marple wohnt, ist eine Art Verschnitt von Mrs. McGillicuddy, nur um einiges erträglicher. Sie verleiht der Folge ein wenig Auflockerung, was ihr gut tut und zum insgesamt sehr abgerundeten Bild beiträgt.

Der einzige Kritikpunkt, den ich anführen würde, ist, dass nicht explizit geklärt wurde, wohin Marina Gregg während des Gesprächs mit Mrs. Badcock gestarrt hat, auch wenn man es sich im Grunde genommen denken kann. Man hätte es trotzdem ausführen müssen. Dieser Punkt ist aber nur ein winziger Fehler und im Übrigen kann ich keine weiteren finden. Daher gibt es einmal mehr volle 5 von 5 Punkten.

PS: Schön, wie Inspector Craddock Mrs. Bantry ob des Gedichts von Tennyson korrigiert.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

02.06.2008 17:02
#73 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Genau: kein "doom" (= Untergang), sondern "curse" (= Fluch).

Ich muss zugeben, dass ich Filme, die in der Filmbranche spielen immer sehr kritisch betrachte. All die hektischen Menschen, die überreizten Nerven der Diven und der Produzenten ... Leider gehört dieser Hintergrund zur Romanvorlage, aber zum Glück ging man hier sensibler zu Werk, als bei "Mord im Spiegel", wo sich Elizabeth Taylor mit ihrer Konkurrentin "prügelte" ...

Die Wahl von Claire Bloom als Marina Gregg war sehr passend und sie füllt ihre Rolle aus. Was die Hintergründe der Tat angehen, stimme ich mit Gubanov überein. Heather Badcock ist eine jener Frauen, die ständig im Weg stehen und jedermann durch ihre aufdringliche Art nerven. Amüsant fand ich den trockenen britischen Humor, z.B. als der Ehemann der Ermordeten den Arzt fragt, wie schlimm es um seine Frau stehe und dieser kühl entgegnet: "Schlimm? Wie schlimm? Sie ist tot!"

David Horovitch und John Castle runden durch ihren gemeinsamen Auftritt die Reihe gelungen ab, weshalb Inspektor Craddock jedoch plötzlich der Neffe von Miss Marple sein soll, ist mir nicht klar. Jedenfalls ist es ein wunderbarer Moment, als Jane Marple und ihre Freunde an einem Sommerabend in ihrem blühenden Garten sitzen und sie zum Abschluss die letzten Worte aus Tennysons Werk zitiert.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.322

02.06.2008 17:08
#74 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Richtig, die Schlussszene ist sehr gelungen!

Ich könnte mir vorstellen, dass man Craddock zu Marples Neffen gemacht hat, um symbolisch auszudrücken, dass dieser Inspector Miss Marple und ihren "Ermittlungsmethoden" wesentlich näher steht als Chief Inspector Slack. Allerdings ist es tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig, denn man hätte (wenn schon, denn schon) diese Beziehung schon gleich in "Ein Mord wird angekündigt" einführen sollen.

Als Miss Marples "erster Neffe" Raymond West tritt übrigens wieder Drehbuchautor Trevor Bowen (T.R. Bowen) auf. Ein interessanter Blick "hinter die Kulissen", denn er ist dieses Mal länger zu sehen als in "Karibische Affäre".

elvis Offline




Beiträge: 248

03.06.2008 08:22
#75 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Letztendlich habe ich mich sehr darüber gefreut, dass unser "Chefkritiker" Gubanov Joan Hickson inzwischen für die Idealbesetzung der Miss Marple hält. Das rückt mein Bild von ihm in dieser Hinsicht wieder etwas gerader!

Elvis

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