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Dieses Thema hat 107 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

25.04.2008 13:46
#31 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Leider habe ich die DVD-Box noch nicht in meiner Sammlung, aber ich möchte gerne zum Thema "Synchronisation" einige Worte sagen. Ein Film lebt von Bild und Ton, weshalb es ungeheuerlich wichtig ist, welche Stimmen die Handlung begleiten. Ich habe teilweise enorme Qualitätsunterschiede zwischen einer britischen und einer amerikanischen Produktion ausgemacht. Für mein Ohr klingen die Stimmen der Amerikaner oftmals gleich und eintönig, während ein europäischer Darsteller meist viel mehr Nuancen beherrscht und seine Sprache authentisch und individuell klingt. Deshalb ist es eine große Bereicherung, wenn eine Produktion mit guten Sprechern synchronisiert wird.

Als Beispiel möchte ich die Sherlock-Holmes-Reihe mit Basil Rathbone anführen. Was wäre sie ohne die Stimme von Walter Niklaus? Seine Stimme adelt die gesamte Reihe und wertet sie auf. Zudem ist es für uns wichtig, dem Film bis zum Ende folgen zu können, und das ist bei der Originalfassung nicht immer gegeben, wenn z.B. ein Darsteller mit regionaler Einfärbung bzw. Slang spricht. Ich wage deshalb zu behaupten: Ein guter Film bekommt durch eine ausgezeichnete Synchronisation erst den richtigen Rahmen.

Man denke nur an die vielen Charakterdarsteller, die nebenbei als Synchronisationssprecher tätig waren. Ich nenne hier nur zwei Beispiele: Paul Klinger und Rosemarie Fendel. Beide zeichnen sich durch noble, vornehme, sonore Stimmen aus und können der Handlung das passende Zeitkolorit verleihen, da sie sich gut ins jeweilige Umfeld fügen. Deshalb: Wichtig für einen abwechslungsreichen Kriminalfilm sind Vielstimmigkeit und Kontinuität. Abschließend möchte ich noch Alfred Hitchcock zitieren:

Zitat von Alfred Hitchcock im Gespräch mit Francois Truffaut
Ein Film verliert fünfzehn Prozent seiner Kraft, wenn er untertitelt,
und nur zehn Prozent, wenn er gut synchronisiert wird, aber das Bild intakt bleibt.


Ich hoffe, dass man Joan Hickson und ihren Miss-Marple-Filmen Gerechtigkeit widerfahren ließ und nur die besten Stimmen die Geschehnisse begleiten.

Markus Offline



Beiträge: 658

28.04.2008 09:11
#32 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

@kaeuflin: Woher kommen eigentlich die Angaben BRD- oder DDR-Synchro?

Gruß
Markus

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

28.04.2008 09:22
#33 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Von der Rückseite der DVD-Cover. Nicht alle Folgen sind vom gleichen Sender synchronisiert worden. Ein Teil wurde wohl noch fürs DDR-Fernsehen gemacht (und das sind auch die Arbeiten, bei denen die Nebendarsteller für meine Begriffe schwächer sind).

Happiness IS the road! (Marillion)

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

01.05.2008 12:44
#34 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Nun habe ich die Miss-Marple-Collection auch in meinem Besitz und kann Fragen zum Thema Ausstattung und Verpackung beantworten.

Die 12 Filme sind auf 6 DVD-Hüllen verteilt, je zwei pro Behältnis. Die Karton-Box hat die gleiche Stärke wie die Bryan-Edgar-Wallace-Boxen. Ein Booklet gibt es nicht. Die Menügestaltung ist der Zurückhaltung der Serie angemessen. Man sieht ein Buch mit Ledereinband, das sich öffnet und den Blick auf ein altmodisches Wohnzimmer freigibt. Links oben sieht man eine s/w-Skizze von Miss Marple, zentral im Bild hängt ein Gemälde, das Ausschnitte aus dem Film zeigt. Rechts stehen ein Ohrensessel und ein rundes Teetischchen. Aus der Tasse steigt Dampf auf (eine Anspielung auf die Sherlock-Holmes-Boxen von Koch Media?). Das Menü ist einfach zu bedienen. Die Filme sind jeweils in zwei oder drei Teile unterteilt. Wurden sie von der BBC schon so als Mehrteiler ausgestrahlt?

Als Bonusmaterial findet man den Trailer zur Miss-Marple-Reihe, verschiedene Trailer zu englischen Klassikern von Jane Austen und Charlotte Bronte, eine Bildergalerie mit Szenenausschnitten der jeweiligen Fälle, Biografien der wichtigsten Darsteller und des oder der Verantwortlichen hinter der Kamera. Outtakes fand ich bisher nur auf der ersten Disc. Es handelt sich um aneinander gereihte fehlende Szenen des Films (im englischen Original ohne Untertitel).

Zur Umsetzung: Miss Marple wird von einer ernsthaften Joan Hickson dargestellt, die mit hellem Verstand und sachlicher Kombinationsgabe die Menschen hinter der Fassade beobachtet und daraus ihre Schlüsse zieht. Die Geschichten sind klar umgesetzt und die Darsteller agieren natürlich und ohne überspitzt zu wirken, was teilweise leider das Manko der Geraldine-McEwan-Serie war.

Ich habe bisher erst "Mord im Pfarrhaus" und den Anfang von "Die Schattenhand" gesehen, bin aber bereits überzeugt. Natürlich macht sich jeder Leser ein eigenes Bild von den Romanfiguren. Was bei mir dazu kommt, ist, dass ich die Miss-Marple-Reihe des Loewe-Verlags im Regal stehen habe. Diese Bände wurden von Charlotte Panowsky illustriert, es gibt also Abbildungen der Charaktere, die einem im Kopf bleiben und die Sichtweise einer Figur beeinflussen. Zudem ist Frau Panowsky eine Anhängerin von Margaret Rutherford; man findet viele sehr gelungene Zeichnungen von ihr.

Interessant finde ich auch die Übersetzungen aus dem Englischen. Das Landhaus, das die Geschwister Burton in "Die Schattenhand" mieten, heißt im Original "The Furze" (= Stechginster), wird in meiner Übersetzung jedoch "Waldheim" genannt.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.322

01.05.2008 13:53
#35 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Vielen Dank für diese ausführliche Besprechung. So und nicht anders macht man Nichtkennern der Serie Lust auf die Filme. Von den zwölf Miss-Marple-Romanen, die ja alle in der Serie umgesetzt wurden, kenne ich bisher acht, und das vor allem aus den Verfilmungen mit Geraldine McEwan, Margaret Rutherford und Angela Lansbury sowie von den Hörbüchern des Hörverlags. Auch wenn ich persönlich Hercule Poirot bevorzuge, so ist Christie doch mit ihren ausgeklügelten Mordgeschichten auch in "Marple-Land" immer wieder eine Freude.

Da ich mit dem Erwerb dieser Box noch etwas warten werde, überbrücke ich die Zwischenzeit gerade mit einigen Miss-Marple-Kurzgeschichten. "Die Hausmeisterin", "Die blaue Geranie" und "Der rote Badeanzug" habe ich vor kurzem gelesen.

Joan Hickson scheint der Beschreibung der Miss Marple ja hervorragend zu entsprechen, zumal sie, was hier auch einmal erwähnt werden sollte, die Wunschbesetzung der Autorin für die Rolle war. Schon deshalb freue ich mich sehr auf Hicksons Ermittlungen!

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

01.05.2008 14:01
#36 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Es ist sehr schade, daß die Kurzgeschichten mit Miss Marple nicht verfilmt wurden. Sie sind mir teilweise lieber als die Romane. Man denke nur an die unheimliche Atmosphäre des "Tempels der Astarte", das knifflige Problem in "Miss Marple erzählt eine Geschichte" oder den pittoresken Fall der "Stecknadel". Man hätte daraus eine Mini-Serie à la Sherlock Holmes (Granada) mit 50-minütigen Episoden machen können.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.322

01.05.2008 14:03
#37 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Was nicht ist, kann ja noch werden. Auch die Hoffnungen, die zukünftige Adaptionen von (Christie-)Krimis betreffen, ruhen voll und ganz auf der BBC.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

01.05.2008 14:27
#38 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Für alle Interessierten hier meine erste Filmbewertung:

"Mord im Pfarrhaus" ist ein ruhiger Kriminalfall, der eine beschauliche Dorfatmosphäre zeigt. Die handelnden Personen sind der Vikar und seine jüngere Frau, der gefürchtete Oberst Protheroe und seine Familie, ein Maler und verschiedene alte Dorfklatschbasen.

Der Vikar, der einem als Erzähler der Geschichte besonders nahe steht, wird von Paul Eddington gespielt, dem es gelingt, Humor und Ernst zu vereinen und seinem Geistlichen menschliche Schwächen und Ängste zu verleihen. Seine Frau ist nicht so unkonventionell wie in der Romanvorlage, doch Cheryl Campbell passt sehr gut zu Eddington. Blass bleibt allerdings die Gegenseite. Der Oberst ist bald tot und seine Frau wirkt nicht sehr glaubhaft als Liebhaberin eines windigen Malers (der übrigens von James Hazeldine gespielt wird - Holmesianern bereits aus "Das Ritual der Familie Musgrave" bekannt). Norma West als geheimnisvolle Mrs. Lestrange und Christopher Good als Hilfsgeistlicher mögen jedoch vollends zu überzeugen.

Die Auflösung am Schluss ist spannend inszeniert, obwohl einige Dinge nicht ausführlich genug erklärt werden.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

04.05.2008 13:17
#39 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

"Die Schattenhand"

Hervorzuheben sind in dieser filmischen Umsetzung vor allem die guten Darsteller. Die beiden Geschwister Burton spielen erfrischend natürlich und nicht aufgesetzt. Die Charaktere des Buches könnten sehr leicht überzeichnet dargestellt werden, deshalb ist hier eine natürliche Vorgehensweise sehr wichtig. In der Person des Edward Symmington begegnen wir erneut einem alten Bekannten aus "Das Ritual der Familie Musgrave", dem dortigen Schlossherrn Reginald Musgrave, der von Michael Culver tadellos verkörpert wird.

Leider ist das Mordopfer eine unscheinbare Frau, an die man sich bei fortschreitender Handlung nicht mehr erinnert. Es ist, als habe sie nur in unserer Fantasie existiert. Wiederum wird am Ende des Films der Mörder rasch entfernt, ohne seine Beweggründe zu äußern. Miss Marple berichtet erst nach und nach auf die Fragen ihrer Freunde, wie es zu den Verbrechen kommen konnte und vor allem warum.

Einige Figuren wurden im Film leicht modifiziert, z.B. Megan Hunter und Dr. Owen Griffith. Megan ist hier keine vernachlässigte Brünette, sondern eine ungeschminkte Blondine. Ebenso ist Elsie Holland keine Göttin, sondern eine gut gewachsene junge Frau, die mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Der Arzt des Dorfes, Dr. Griffith ist bei Weitem nicht so ruppig, wie er im Buch dargestellt wird, sondern ein ruhiger, pragmatischer Mann, der sogar Sinn für Romantik hat.

All diese Änderungen ergaben einen unterhaltsamen, sympathischen Film, der keine Durchhänger hat und uns einen Einblick in das Landleben der britischen Upper Class bietet.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

04.05.2008 13:40
#40 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

"16 Uhr 50 ab Paddington"

Die Exposition des Films weicht in einigen interessanten Details von der Romanvorlage ab. Während das Buch und die Verfilmung mit Margaret Rutherford die Zugreisende in Begleitung des Gepäckträgers auf dem Bahnsteig zeigen, verweilt die Kamera in diesem Film auf einer Marienstatue in einer Kirche und zeigt dann eine Frau, die in einer Bank kniet und betet. Etliche Reihen hinter ihr sitzt ein Mann, den der Zuschauer nicht erkennen soll. Eilig verlässt die Frau die Kirche und begibt sich zum Bahnhof Paddington, wo sie beim Einsteigen einen Bekannten trifft. Wie wir in ein paar Minuten sehen können, handelt es sich bei dieser Frau um das spätere Mordopfer. Bisher haben wir diese Person erst im Augenblick ihrer Ermordung gesehen und dann nie wieder (nicht einmal in einer Rückblende).

Da sich die Verfilmung mit Joan Hickson ansonsten genau an die Vorlage hält, ist es ihre Freundin Mrs. McGillicuddy, die den Mord im Zug beobachtet, woraufhin Miss Marple die tüchtige Lucy Eyelesbarrow in das Haus am Bahndamm schickt.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

04.05.2008 20:06
#41 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Nachdem ich den Film nun zu Ende gesehen habe, meine Wertung:

Leider hält die Handlung nicht das, was sie verspricht. Nach Auffinden der Leiche im Schuppen verflacht der Spannungsbogen. Der ermittelnde Inspektor Slack bekommt Unterstützung von Scotland Yard, da offensichtlich ist, dass er nichts unternimmt und sich nur ständig über die Anwesenheit von Miss Marple aufregt. Am Ende, als der Mörder entlarvt wird, muss Bryan Eastley ihn stellen, da die Polizei im entscheidenden Moment gerade abwesend ist. Die Hintergründe der Tat werden von Miss Marple erläutert und die Identifizierung nimmt Mrs. McGillicuddy vor - wozu brauchen wir also den mürrischen Polizeibeamten?

Eine weitere schwerwiegende Änderung der Romanvorlage ist die aufflammende Zuneigung von Lucy Eyelesbarrow zu dem ungepflegten, abgehalfterten Cedric Crackenthorpe. Geradezu lächerlich, daß eine patente, vorausschauende Frau wie sie auf so einen Hallodri hereinfallen würde. Noch komischer wird die Angelegenheit, als Bryan Eastley trotz allem am Ende des Films bereit steht, um sie zu heiraten. Oder, um Miss Marple zu zitieren: "Sie liebt ihn nicht, aber sie wird ihn sich zurechtmachen."

Der Mittelteil ist extrem langwierig (die Besuche beim Rechtsberater der Familie, die Nachforschungen im Theater, der Einbruch im Haus der Toten). Erst am Ende kommt wieder Schwung in den Film. Leider muss ich sagen, dass die Verfilmung dieses an sich schon holperigen Romans so abgeändert wurde, dass sie noch schwächer wurde.

Die Umsetzung mit Margaret Rutherford hingegen bietet temporeiche Spannung ohne konstruierte Liebeleien. Eine Unerhörtheit stellt auch die Tatsache dar, dass die Haushaltshilfe Lucy mit der Familie bei Tisch sitzt und man sich duzt. Immerhin wurde der Roman im Jahr 1957 veröffentlicht, wo solche Freiheiten in einem englischen Ansitz von Rang und Namen undenkbar gewesen wären.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

11.05.2008 13:01
#42 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

"Ruhe unsanft"

Agatha Christies hat mit diesem Roman, der im Jahr 1976 veröffentlicht wurde, eines ihrer Meisterstücke geschaffen. Ebenso verhält es sich mit der filmischen Umsetzung. Der Film wird von den beiden Hauptdarstellern Geraldine Alexander (als Gwenda Reed) und John Moulder Brown (als Giles Reed) getragen. Sie spielen erfrischend ungezwungen und wirken sehr sympathisch. Im Gegensatz zur Romanvorlage treffen die jungen Eheleute zusammen in Dillmouth ein und kaufen die viktorianische Villa "Hill House". Die wichtigen Elemente des Romans werden detailgetreu übernommen und Geraldine Alexander verfügt nicht nur über ein entzückendes Äußeres, sondern vermag auch sehr glaubwürdig ihre inneren Konflikte und Zweifel darzustellen. Die Handlung ist spannend inszeniert und Ken Taylor (Drehbuch) und John Davies (Regie) haben sehr gute Arbeit geleistet.

Zum Glück verzichtete man auf alberne Rückblenden zur Person von Helen Spenlove Kennedy, wie wir sie in der Verfilmung mit Geraldine McEwan gesehen haben. So erscheint alles, was die Zeugen berichten, glaubwürdiger und geheimnisvoller. Die Aufklärung des Falles wird von den Eheleuten und Miss Marple in die Hand genommen. Die private Untersuchung ist einer der großen Pluspunkte des Films. Kein mürrischer Inspektor Slack trübt den Verlauf der Geschichte. Wie Miss Marple den Täter am Ende überwältigt, ist amüsant und kann als Hommage an die Margaret-Rutherford-Filme verstanden werden.

Eine unterhaltsame, detailreiche Menschenstudie mit einem abgerundeten Ende, die einen der Höhepunkte der Miss-Marple-Box darstellt.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

12.05.2008 17:53
#43 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

" Das Geheimnis der Goldmine "

Es handelt sich hier um eine komplexe Familiengeschichte, eine Ansammlung von Personen, die unter einem Dach leben, sich jedoch nicht sonderlich mögen. Rex Fortescue, der Patriarch, wird durch Taxin vergiftet. Ihm folgt bald seine zweite Frau, ebenfalls durch Vergiftung.

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen jedoch nicht die illustren Mitglieder der Familie, sondern ein pummeliges Hausmädchen, Gladys Martin, die vorher bei Miss Marple in Diensten stand und weder besonders geschickt ist, noch die Folgen ihres Handelns absehen kann. Annette Badland wirkt wie aus dem Roman von Christie entsprungen. Leider wurde das Ende ein wenig abgeändert. Im Buch erhält Miss Marple nach ihrer Rückkehr nach St. Mary Mead einen Brief der Toten, der fehlgeleitet worden war. Im Film sieht man zwar, wie ihn Gladys schreibt und adressiert, jedoch nicht, ob sie ihn einwirft. So können wir nur ahnen, dass Miss Marple das Schreiben, das die Hintergründe der Verbindung zwischen Gladys und
"Bert" enthüllt, zu Gesicht bekommt.

Bei dieser Verfilmung wurden wieder einige Szenen gekürzt, weshalb wir im Anhang "Outtakes" finden. Für den Sherlock-Holmes-Freund gibt es eine besondere Überraschung: Die profilierte Stimme der Hörspiele der BBC, Clive Merrison, ist hier in der Rolle des älteren Sohnes, Percival Fortescue, zu sehen.

Das Motiv des Kinderreims begleitet Miss Marple durch den ganzen Film. Sie arbeitet mit Inspektor Neele zusammen, der mehr Verständnis für sie aufbringt, als wir es von Inspektor Slack gewohnt sind. Man merkt, dass der Regisseur Guy Slater für den größten Teil der Reihe als Produzent verantwortlich zeichnet. Er bringt Routine und Ruhe mit, was am kontinuierlichen Erzählfluss ersichtlich ist. Allerdings wäre es besser gewesen, man hätte den Autounfall am Ende des Films gestrichen und dafür lieber das Gespräch von Miss Marple mit Pat Fortescue umgesetzt - es wäre weniger melodramatisch gewesen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

12.05.2008 18:05
#44 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

"Das Schicksal in Person"

"Nemesis", der Name der griechischen Göttin der gerechten Vergeltung, steht hier als Synonym für Miss Marple und ihre Tätigkeit. Sie erhält den Auftrag eines Toten, den mysteriösen Mord an einem jungen Mädchen, das mit seinem Sohn verlobt war, aufzuklären. Deshalb begibt sie sich auf die Reise zu Englands schönsten Ansitzen und Gärten. Es gibt im Vergleich zur Romanvorlage wieder einige Änderungen, die sich aber positiv auswirken: Michael Rafiel, der vor ungefähr zehn Jahren in Verdacht geraten war, seine Verlobte Verity Hunt ermordet zu haben, hat in der Zwischenzeit als Landstreicher gelebt und sich für die Obdachlosen Londons eingesetzt. Miss Marple fährt nicht allein mit dem Bus, sondern wird von einem Neffen begleitet, der ihr bei ihren Ermittlungen zur Seite steht.

David Tucker, ein versierter Regisseur für Dramen und Kriminalserien präsentiert einen glaubwürdigen Handlungsstrang, der ohne Rückblenden auskommt und sachlich bleibt, ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Die Überführung der Mörderin ist einer der Höhepunkte und wird durch den Besuch beim neuen Besitzer von Rafiel House noch gekrönt.

KlausS Offline



Beiträge: 278

13.05.2008 12:57
#45 RE: Miss Marple mit Joan Hickson Zitat · Antworten

Ergänzend zu Percy Listers Bewertung sei noch zu sagen, dass "Nemesis" der letzte Miss Marple-Roman von Agatha Chritie war. Der alte Mr. Rafiel ist bekannt aus "Eine karibische Affäre", wo ihn Miss Marple zum ersten Mal trifft. Wer also den chronologischen Zusammenhang wahren möchte, sollte zuerst "Eine karibische Affäre", danach dann "Nemesis" schauen.

Im übrigen halte ich "Nemesis" für die beste Miss-Marple-Folge überhaupt. Ein wenig nachdenklich und traurig, aber immer spannend und mit einigen unerwarteten Wendungen. Eine weitere Verfilmung ist im April 2008 mit Geraldine McEwan als Miss Marple erschienen.

Viele Grüße
KlausS

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