In der ersten Hälfte hatte der Film ein paar Längen, auch wenn die Figuren stets interessant waren, zumindest die männlichen Hauptfiguren allesamt. In der zweiten Hälfte war ich sehr gefesselt. Zu jeder Abblende hin wurde es spannender, die Musik intensiver und vertrauter. Bis zum letzten Moment habe ich mich noch gefragt, ob und wenn ja, welche Änderungen gegenüber dem Buch bzw. späteren Film gemacht würden.
Ein gutes Werk, eine tolle Vorstellung, etwas mit Staub belegt, aber darunter ist noch viel Leben.
@ Edgar007: Das ist richtig. "Der Mann mit den zwei Gesichtern" ist mir auch nur als "The Strange Lapses Of Larry Loman" bekannt - allerdings wurde dieser Roman meines Wissens erst in den 1990er Jahren ins Deutsche übertragen. Sollte der Titel in den 1960ern etwa schon einmal für einen anderen Wallace-Roman, "The Man Who Changed His Name", verwendet worden sein? Robert Curtis, der Sekretär von Edgar Wallace, schrieb einige Romane noch nach Wallace' Tod, die dann unter dessen Namen posthum veröffentlicht wurden. Dazu zählen unter anderem auch Romane wie "The Green ..." (komm' nicht drauf, es gibt so viele "grüne Romane" von Wallace - "Archer" war's jedenfalls nicht ), "Smokey Cell" oder "The Mouthpiece".
@ athurmilton: Ja, das ist mir auch aufgefallen. Ich hatte den Film zunächst nur bis zur Hälfte gesehen und war zunächst nicht unbedingt mitgerissen. Allerdings war eine enorme Steigerung von Spannung und Dynamik gen Ende hin erkennbar, nicht zuletzt sichtbar gemacht durch einen deutlich rascheren Szenenwechsel.
@ Gubanov: Das dürfte THE GREEN PACK (Lotterie des Todes) sein. Meines Wissen auch der einzige "Curtis-Roman" der später auch ins Deutsche übersetzt wurde.
DER MANN MIT DEN ZWEI GESICHTERN wurde, wie ich bereits schrieb, 1990 als Goldmann-Taschenbuch erstmals veröffentlicht. Wallace schrieb diese Story 1917 als Fortsetzungsroman für "The Grand Magazin".
Doch zurück zum HEXER. Ich habe gestern eine E-Mail ans ZDF geschrieben, mit der Bitte zu Prüfen, ob Ihre Version von 1963 noch vorhanden ist. Sollte dies der Fall sein, wäre es für eine Wiederholung ja allerhöchste Zeit. Wenn ich nur daran denke, welcher Mist inzwischen zig-mal wiederholt wurde...
Ein kriminalistisches Panoptikum von Edgar Wallace
Panoptikum (= Sammlung von Sehenswürdigkeiten, Wachsfigurenschau ) passt insofern gut, da der Anfang des Films auf expressionistische Frühwerke hindeutet und sich die handelnden Personen teilweise somnambul und wie Wachsfiguren benehmen.
Der Einstieg ist flott und das Verhör Maurice Messers am Anfang ist interessant ( vor allem durch den netten Einfall mit dem Beamten, der sich als Wachsfigur verkleidet hat ). Doch bald gerät die Handlung ins Stocken. Das übertriebene Spiel von Susanne von Almassy und das Durcheinander im Haus von Messer ( die Polizeibeamten treten sich förmlich auf die Füße ) langweilen.
Hätte man nicht den Roman gelesen bzw. den Rialto-Hexer gesehen, wäre es schwer, zu verstehen, worum es eigentlich geht.
Das Spiel von Herbert Tiede hebt sich positiv ab und Franz Schafheitlin überzeugt als kaputter, depressiver und süchtiger Schurke in Nadelstreifen. Menschlich und angenehm normal stellt Dieter Eppler seinen Wachtmeister Carter dar, während Armas Sten-Fühler zwar exzentrisch aussieht, aber leider unterfordert ist. Sein Hauptinspektor Bliss tritt erst in den letzten Minuten richtig in Aktion.
Der Film bietet erst in der letzten halben Stunde Spannung. Ansonsten handwerklich sauber gemacht, wenn man bedenkt, daß es der erste deutsche Versuch nach dem Krieg war und keine Möglichkeit gegeben war, Patzer oder Fehler zu korrigieren.
Schön, diesen ersten Versuch einer Wallace-Verarbeitung fürs Fernsehen gesehen zu haben. Danke nochmals an 3 SAT.
Die ZDF-Version von 1963 wurde irgendwann in den 80ern oder Anfang der 90er-Jahre mal wiederholt. Hatte ich damals im TV gesehen. Könnte da auch schon auf 3sat gewesen sein.
Ich habe ans ZDF geschrieben und bereits eine Antwort erhalten. Der Film lief lt. ZDF am 29.06.63 und wurde am 18.02.1967 wiederholt. Derzeit sei keine weitere Wiederholung geplant, aber man wolle meinen Wunsch an die Redaktion herantragen. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn demnächst mehrere Anfrage bezüglich des Films eingehen, können iwr mit einer Ausstrahlung rechnen.
Eine ähnliche, wenn auch etwas ausführlichere, Antwort erhielt ich vor einem JAhr von der ARD. Das Ergebnis ist ja bekannt...
So, endlich habe ich den Film auch gesehen. Als großer Hexer-Liebhaber war ich natürlich gespannt und mir sind sowohl positive als auch negative Dinge aufgefallen:
positiv: - original getreue Verfilmung - witzige Darsteller und Sprüche
negativ: - die weiblichen Darsteller - es zog sich doch bisweilen in die Länge der Film, dachte zuerst es geht flott los, weil man ja gleich zu Beginn mitten im Roman drin ist. Hätte man die Zeit vielleicht doch mit der Geschichte von der Beförderung von Alan und seiner Bekanntschaft zu den Lenleys beginnen sollen...
Die Musik passte mal gut und mal gar nicht.
Insgesamt ein nettes Filmchen, wenn auch eher für die Sammlung.
Gruß Benny
"Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden." Mark Twain
Beim Barsortiment KNO habe ich folgenden Eintrag gefunden :
Der Hexer - DVD Ein kriminalistisches Panoptikum. 110 Minuten mit Susanne von Almassy, Franz Schafheitlin, Herbert Tiede u.a. Best.-Nr. 19553 KOMPLETT MEDIA
verfügbar
Ich glaube, es wurde hier im Forum noch nicht erwähnt, daß diese Edgar-Wallace-Rarität nun auf DVD erhältlich ist.
OMG, tatsächlich! HIER der Link. Da könnte ich wirklich schwach werden, auch wenn nicht zu erwarten ist, dass die Bildqualität die der TV-Ausstrahlung übersteigt. Aber wenigstens wäre man das Senderlogo los... Bei Amazon gibt es die DVD nicht zu bestellen, daher ist sie wohl unbemerkt geblieben.
In der Detailansicht finde ich bei KNO folgende Beschreibung : "Wer ist der Hexer ? Die verblüffende Lösung, die auf dem Höhepunkt der turbulenten Handlung buchstäblich in letzter Sekunde erfolgt, vereinigt wirkungsvoll kriminalistische Hochspannung mit augenzwinkernder Ironie und befreiender Komik."
DER HEXER von 1956 ist sicher kein Meisterwerk, aber für damalige Verhältnisse doch recht gut gemacht. Im Prinzip haben die späteren Rialto-Kino-Filme ja sogar davon abgekupfert. Am Anfang des Hexer spricht eine Stimme aus dem Off: "Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein" (damaliger Werbeslogan für die Goldmann-Romane). Bei den Rialto-Filmen heißt es zwar "Hallo, hier spricht...", jedoch wurde diese "Einleitung" sinngemäß "kopiert".
Wer den Hexer von 1956 gut findet, wird von der 1963er Fassung begeistert sein. Sie hat wesentlich mehr Schwung und ist auch etwas moderner verfilmt worden, obwohl sie auf dem selben Drehbuch basiert.