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Dieses Thema hat 9 Antworten
und wurde 703 mal aufgerufen
 James-Bond-007-Forum
Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

12.02.2007 20:27
Bewertet „Moonraker“ (11) Zitat · antworten

„Moonraker“ ist der Bond, bei dem sich die Geister tatsächlich scheiden. Die einen halten ihn für einen der besten Bonds, die anderen für einen der schlechtesten. Ich tendiere zur zweiten Kategorie, wobei ich betonen möchte dass es keine schlechten Bonds gibt, sondern nur schwächere innerhalb der Serie. Der ganze Film ist ein Spektakel, das schon fast in Richtung „Casino Royale (1967)“ geht, nur mit dem Unterschied, dass man bei „Casino Royale (1967)“ seinerzeit dazu stand. Das ganze Geschehen mit Sprüchen und Musikeinlagen gleicht eher einer Persiflage. Die Darstellerriege kann weder bei dem Bösewicht (Michael Lonsdale) noch bei der Hauptdarstellerin (Lois Chiles) überzeugen. Für Bernard Lee als M hieß es diesmal Abschied nehmen, denn IN TÖDLICHER MISSION konnte er nicht mehr mitwirken, da er Anfang 1981 starb. Die Schauplätze sind dagegen wieder kunterbunt schön. John Barrys Score und Shirley Basseys unverkennbare Stimme sind die Pluspunkte des Films. Letztendlich kommt auch bei diesem Film vieles wieder bekannt vor. Schon der Beginn ist ein Remake von DER SPION DER MICH LIEBT (hier wird ein U-Boot und jetzt wird eine Mondrakete entführt) bzw. von MAN LEBT NUR ZWEIMAL. Fazit: Wieder ein unterhaltsamer Bond-Film, der aber in der Gesamtserie, neben IM ANGESICHT DES TODES auf den hinteren Plätzen rangiert.

Joachim.

Reinhard Offline



Beiträge: 1.373

12.02.2007 22:22
#2 RE: Bewertet „Moonraker“ (11) Zitat · antworten

In meinen Augen trifft die Bezeichnung "Hochglanz-Trash", die ich gerne auf die ganze Bond-Reihe anwende auf keinen anderen Bond so perfekt zu wie "Moonraker". Da ich von vornherein vermutete, das ich weniger einen spannenden als vielmehr comichaften Film sehen würde war die Überraschung (und es war dennoch eine) keine besonders große. So ist "Moonraker" für mich weniger wegen seiner Action- und Suspense-Momente als vielmehr seinem albernen bis bizarren Humor interessant und ein leichtes Filmchen, das Spaß macht!
3/5

SpikeHolland Offline




Beiträge: 160

13.02.2007 01:04
#3 RE: Bewertet „Moonraker“ (11) Zitat · antworten

Es gibt Filme, die mir zum Zeitpunkt ihrer Erstaufführung richtig gut gefielen, im Laufe der Jahre aber ihre Faszination einbüßten. Und zu dieser Kategorie zählt für mich auch "Moonraker".
Als der Film herauskam, war ich jung und begeistert. "James Bond im Weltall - wow!" Heute, fast 30 Jahre später (und älter), ist mir vielmehr zumute nach: "James Bond im Weltall? Äh ... hallo? Geht's noch?!"
Man liest ja, die Produzenten hätten sich seinerseits kurzfristig für "Moonraker" entschieden (angekündigt war zunächst, im Abspann von "The Spy Who Loves Me" eben, "James Bond will return in: For Your Eyes Only"), um auf der durch "Star Wars" ausgelösten Science-Fiction-Welle mitzuschwimmen. Das mag so sein, und man kann auch ein gewisses Verständnis dafür aufbringen, auch wenn es wohl nicht wirklich nottat, denn Verluste dürfte "The Spy ..." sicher nicht eingefahren haben. Mithin bestand also kein triftiger Grund, auf irgendeinen Zug aufzuspringen - James Bond in der Form à la "The Spy ..." wäre für meine Begriffe Trend genug gewesen, um so weiterzumachen.
Nichtsdestotrotz, die Entscheidung als solche mag man noch hinnehmen. Nicht aber, was daraus geworden ist: James Bond bzw. seine Welt verlor in "Moonraker" für mich als heute zurückblickenden Zuschauer alle Glaubwürdigkeit.
Freilich erwarte ich keinen Dokumentarfilm übers Spionagegeschäft, wenn ich mir einen "Bond" anschaue, und natürlich glaube ich nicht, dass ein Karl Stromberg eine Unterwasserstation bauen lassen und U-Boote mithilfe eines Supertankers entführen wird oder kann - aber ganz unmöglich ist es, in der Theorie jedenfalls, nicht. Unwahrscheinlich ist auch, dass im richtigen Leben jemand in Situationen gerät, die den Stunts in einem Bond-Film entsprechen - aber ganz auszuschließen ist es nicht (zumindest war das so, bis CGI auch bei Bond Einzug hielt).
Aber dass James Bond im Weltall um das Wohl der Welt kämpfen könnte?! Nein, damit war der schmale Grat zum Unsinn, an dem "The Spy ..." noch so elegant entlangbalancierte, deutlich übertreten. Und das zieht den Film für mich heute (und seit längerem schon) ziemlich runter.
Aber auch in anderer Hinsicht geriet der Film aus dem Tritt und dem Gleichgewicht. Auf alles, was in "The Spy ..." gut und in richtigem Maße vorhanden war, hat man in "Moonraker" mit aller Gewalt noch eins draufgesetzt und das Ganze damit überzogen.
Nun ist es aber auch nicht so, dass ich an "Moonraker" gar kein gutes Haar mehr lassen könnte. Der Film wartet mit etlichen guten Szenen auf (die Zentrifuge, die Klopperei im Glasmuseumn ...), leider nur wirken sie lediglich aneinandergereiht und der Film dadurch episodenhaft, wie eine Nummernrevue, einfach nicht aus einem Guss. Und eben das wurde in anderen Fällen besser gemacht, wodurch "Moonraker", unterm Strich, schlechter abschneidet.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.274

13.02.2007 08:13
#4 RE: Bewertet „Moonraker“ (11) Zitat · antworten

Ein ähnlich utopisches Thema hatten wir ja ein paar Filme früher auch schon mal. Im Prinzip ist dann MAN LEBT NUR ZWEIMAL genau so utopisch.

Mit ging's übrigens völlig anders mit meiner Meinung. Früher fand ich MOONRAKER als schlechtesten Bond-Film (neben Colt) überhaupt. Mittlerweilen finde ich ihn gar nicht mehr so schlecht. Trotzdem rangiert er, auf Grund der Menge an wirklich guten Bond-Filmen, bei mir nur im hinteren Mittelfeld.

SpikeHolland Offline




Beiträge: 160

13.02.2007 09:15
#5 RE: Bewertet „Moonraker“ (11) Zitat · antworten

Aber in "You Only Live Twice" düste Bond doch nicht mal eben selbst ins All, um klar Schiff zu machen, oder? (Ist schon länger, seit ich den Film das letzte Mal gesehen habe.)

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.274

13.02.2007 16:01
#6 RE: Bewertet „Moonraker“ (11) Zitat · antworten

Nein, das nicht. Allerdings ist dieser "Raumschiffklau" auch eine ziemlich utopische Geschichte - und das 12 Jahre vor Mooraker!

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.510

01.10.2008 17:01
#7 RE: Bewertet „Moonraker“ (11) Zitat · antworten

Ich habe gestern nach langer Zeit wieder "Moonraker" gesehen, den ich als guten Bond-Film in Erinnerung hatte.
Ich war unheimlich enttäuscht, aus vielen, vielen Gründen.
Es gibt zwar viele nette Bilder, die besonders auf Leinwand beeindrucken, aber spannende Szenen werden durch Klamauk zerstört. Als Beispiel sei hier nur der ganz ordentliche - und todernst durchgespielte - Fallschirm-Kampf genannt, an dessen Ende der Beißer zu lächerlicher Karussellmusik in ein Zirkuszelt kracht oder die gut inszenierte Bootsverfolgung durch Venedigs Kanäle, die mit der bescheuerten Umwandlung von Bonds Gondel in ein Luftkissenfahrzeug endet. In allen spannenden Szenen wird irgendwann die aufgebaute Stimmung durch Klamauk zerstört.
Auch sind Bonds Handlungen zum Teil überhaupt nicht nachzuvollziehen - ohne ersichtlichen Grund befindet er sich von einer Szenen zur anderen an einem anderen Ort um dort abwechselnd etwas herauszufinden oder einem Mordanschlag zu entkommen.
Warum er im Labor die Giftampullen auf die Kante des Wagens legt und somit am Tod der beiden Wissenschaftler nicht unwesentlich beteiligt ist, wurde mir auch nicht klar.
Zu all diesen Drehbuch-bedingten Schwächen kommt der Einfluss der französischen Co-Produzenten, die in vielen Szenen wieder auf die Methode "Film schneller laufen lassen" verfallen und es oft nicht schaffen, Ken Adams Bauten so umzusetzen, dass man ihren Grundbestandteil - Kunststoff - vergisst. Gelungen sind eigentlich nur die komplett aus Bildschirmen bestehende Kommandozentrale für die Moonraker-Starts und die grandiose Raumstation, die noch dazu fantastisch in Szene gesetzt wurde.
Schön auch, dass John Barry wieder zurückkehrte um den Soundtrack zu schreiben, aber die Untermalung bleibt doch qualitativ hinter Harmlischs Score zu "Der Spion der mich liebte", ganz zu schweigen von all den tollen Barry-Scores, die es in den Filmen zuvor zu bestaunen gab.
Das Drehbuch ist einfach schwach - Bond agiert kaum, er reagiert nur und zwingende Handlung gibt es nicht, außer dass Bond sich über Umwege und Zufälle in der Raumstation wiederfindet und Dr. Goodhead hilft die Radarstörung auszuschalten um die Amerikaner an Bord zu lassen, die den Rest quasi im Alleingang erledigen.
Kann mir irgendjemand erklären, warum der Pilot und der Beißer zu Beginn des Films, in der Pre-Title-Sequenz versuchen Bond zu töten? In allen Filmen sind die Pre-Title-Sequenzen entweder bereits Teil der Handlung oder werden zumindest erklärt. Hier wird der Zuschauer einfach grundlos in eine Actionszene geworfen.
Der ganze Film ist zu aufgeblasen, ein Großteil der Handlung findet im All statt, Bond jettet durch die ganze Welt um Kleinigkeiten herauszufinden und lange Zeit bewegt sich das Ganze nicht von der Stelle, Bond entgeht nur ständig Mordversuchen.
Im Gegensatz zu einem Großteil der Bond-Fans halte ich hingegen Lonsdale für einen guten Bösewicht. Gerade sein mangelndes Charisma lassen seine Rolle glaubhaft erscheinen. Ein kleiner Mann, der versucht seine Mittelmäßigkeit durch ein französisches Herrscher-Schloss und stets zwei Damen an seiner Seite zu kompensieren. Charismatische Bösewichte wie Goldfinger oder Blofeld hatten immer nur materielle Wünsche, Drax will Gott sein und man nimmt Lonsdale diese Rolle ab.
Der Roman "Moonraker" ist äußerst brauchbar und hätte durch Modernisierungen und Hinzufügung einiger spektakulärer Actionszenen durchaus einen sehr guten Bond-Film abgegeben. Das formelhafte und scheinbar etwas lieblose Zusammengeschnipsel von Versatzstücken vergangener Bond-Filme ist jedoch misslungen.
Für einen unterhaltsamen Abend reicht der Film insgesamt, aber an vielen Stellen überwog bei mir einfach der Ärger über das schwache Skript und die zum Teil misslungene Umsetzung einfach. Sogar etliche Bond-Plagiate sind besser gelungen. Bei selbsternannten "Super-Filmen" wie den James Bond-Filmen muss man höhere Maßstäbe anlegen, daher kann ich nur 2v5 Punkten geben.

patrick Offline




Beiträge: 2.754

11.06.2015 19:38
#8 RE: Bewertet „Moonraker“ (11) Zitat · antworten

Moonraker



Filmdaten:
Deutscher Titel: Moonraker – Streng geheim
Originaltitel: Moonraker
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
Frankreich
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 1979
Länge: 126 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12
Stab:
Regie: Lewis Gilbert
Drehbuch: Christopher Wood
nach Ian Fleming
Produktion: Albert R. Broccoli
Musik: John Barry
Titelsong: Shirley Bassey
Kamera: Jean Tournier
Schnitt: John Glen

Besetzung:

Roger Moore: James Bond, Lois Chiles: Dr. Holly Goodhead, Michael Lonsdale: Sir Hugo Drax, Richard Kiel: Der Beißer, Corinne Cléry: Corinne Dufour, Bernard Lee: M, Geoffrey Keen: Sir Frederick Gray
Desmond Llewelyn: Q, Lois Maxwell: Miss Moneypenny, Toshiro Suga: Chang, Emily Bolton: Manuela, Blanche Ravalec: Dolly, Irka Bochenko: Rezeptionistin Venini Glass, Mike Marshall: Colonel Scott
Leila Shenna: Privatjet-Hostess, Jean-Pierre Castaldi: Privatjet-Pilot, Walter Gotell: General Anatol Gogol, Claude Carliez: Gondoliere

Handlung:

Ein Spaceshuttle, Modell Moonraker, das den Briten von den Amerikanern zur Verfügung gestellt wurde, wird gestohlen und das Transportflugzeug, eine Boeing 747, dabei zerstört.
Bond nimmt seine Ermittlungen in Kalifornien auf, da das Spaceshuttle dort von Hugo Draxs Firma „Drax Industries“ hergestellt wurde. Er verführt dessen Bedienstete Corinne und verschafft sich mit deren Hilfe Zugang zu Draxs Safe, wobei er auf Informationen stößt, die auf die Entwicklung von seltsamen Satellitenkugeln hindeuten. Corinne muss ihre Kooperation mit Bond mit dem Leben bezahlen. Ebenfalls für Drax arbeitet auch Dr.Holly Goodhead, die in Wirklichkeit Agentin des CIA ist, und wie Bond in der Sache ermittelt. Die beiden kommen sich in Venedig näher, wo Bond auch ein Labor entdeckt, in dem ein Giftgas hergestellt wird, das in die Satellitenkugeln gefüllt werden sollte. Eine weitere Spur führt Bond und Holly nach Rio, wo die beiden den aus „The Spy Who Loved Me“ bestens bekannten Jaws immer wieder treffen, der nun für Drax arbeitet. Er scheint nach wie vor unzerstörbar zu sein, zieht aber, wie gehabt, bei jeder Konfrontation den Kürzeren.
Schließlich kommen die Agenten Draxs Plan auf die Schliche. Er möchte eine Vielzahlt von geistig überlegenen und attraktiven Super-Menschen in’s Weltall evakuieren und vorübergehend in einer riesigen Weltraumstation unterbringen. Diese ist durch einen Tarnmechanismus von der Erde aus durch die Supermächte mit deren Radargeräten nicht sichtbar. Anschließend möchte Drax mit dem Gas, das er in den Satellitenkugeln Richtung Erde katapultiert, die Menschheit vernichten und dann eine neue und überlegene Superrasse schaffen. Das gestohlene Spaceshuttle sollte ein defektes ersetzen. Allerdings gelingt es Bond und Holly, sich in das Weltraumprojekt einzuschleusen. Sie werden jedoch entdeckt und gefangen genommen und können nicht verhindern, dass Drax die ersten „Giftkugeln“ Richtung Erde schießt...

Plot:

Dieser Film zeigt, dass Lewis Gilbert jegliches Gespür für angemessenen Humor verloren zu haben scheint. Anders lassen sich die penetranten Slapstick-Einlagen nicht erklären, die jegliche Chance auf eine ernsthafte Agentengeschichte hoffnungslos zerstören. Nachdem bereits Roger Moores vorangegangene Einsätze komödiantische Elemente beinhalten, wird hier damit hemmungslos übertrieben und praktisch jede Actionszene durch Klamauk kaputtgemacht. Die Story selbst baut dabei, trotz ihres turbulenten Verlaufs, nicht wirklich Spannung auf. Als Draufgabe landet das Geschehen dann auch noch im Weltraum, wo sich eine sterile Langeweile breitmacht. Auch die dort stattfindende Schlacht mit den Laserwaffen ist nicht mein Ding. Allerdings muss ich fairerweise eingestehen, dass bei dem sehr phantasievollen und vielseitigen James-Bond-Genre das halt auch einmal da gewesen sein muss.



Bösewichter:

Michael Lonsdale (geb.1931) ist als Hugo Drax einer der am wenigsten charismatischen Bösewichter der gesamten Bond-Reihe.

Was aber wirklich weh tut ist, dass der in „The Spy Who Loved Me“ so hervorragend angelegte Jaws hier zur Witzfigur degradiert wird und regelmäßig doof aus der Wäsche guckt, wenn er bei seinen zahlreichen Konfrontationen mit Bond die Leine seines Fallschirms abreißt, in einem Boot auf einen Wasserfall zusteuert, mit einer Seilbahn gegen eine Mauer rast, usw. Dies erinnert an diverse Zeichentrickfilme im Stile von Popeye. Als Draufgabe darf er sich noch in ein kleines blondes Mädchen mit Zöpfen verlieben und wird zum gutmütigen Riesenbaby bekehrt, der sich dann auch noch mit Bond verbündet. Würg! In seiner letzten Szene spricht der scheinbar stumme Riese seinen einzigen Satz „Well, here is to us“ als er zusammen mit seiner neuen Liebe eine Flasche Sekt öffnet.



Bondgirls:

Was ich sehr schade finde ist, dass nicht die sehr hübsche und sympathische Corinne Clery (geb. 1950) die Rolle der Dr. Holly Goodhead spielte, sondern nur als Corinne Dufour zu sehen ist und im Film keine lange Lebensdauer hat. Meine gute Bondgirl-Wertung bezieht sich nämlich auf sie.

Lois Chiles (geb.1947) finde ich zwar nicht unbedingt schlecht, allerdings in Punkto Ausstrahlung bedeutend schwächer und im Bond-Ouvre nicht gerade herausragend.





Titellied:

Bereits zum dritten Mal darf Shirley Bassey einen Bond-Song interpretieren. An ihrem „Moonraker“ gibt es grundsätzlich nicht viel auszusetzen. Auch wenn mein persönlicher Geschmack „Goldfinger“ eindeutig vorzieht. Ihr „Diamonds Are Forever“ kann sich ebenfalls hören (und weniger sehen) lassen. Was die Qualität der genannten Filme selbst betrifft ist leider nur „Goldfinger“ wirklich gut. Der Moonraker-Song ist nach „Nobody Does It Better“ erneut auf der sanfteren Seite.

Das Titelthema zu „Die Glorreichen Sieben“ , das in einem Bond-Film wirklich nichts verloren hat, wird in einer Szene verwendet, die Bond reitend in Brasilien zeigt. Auch dies ist ein Auswuchs des schrägen Humors, welcher dem Film zu Eigen ist.



Gadgets:

Bond trägt ein Armband, das über Nervenimpulse entweder vergiftete oder explodierende Pfeile abschießend kann. Das Schmuckstück kommt beim ersten Mordanschlag gegen ihn, in einem auf extreme Geschwindigkeit eingestellten, sich drehenden Schwerkraftsimulator zum Einsatz. Er kann durch einen Pfeil das Schaltpult außer Betrieb setzen. Irgendwie erinnert die Szene ein bisschen an jene mit dem Rückenstrecker in „Thunderball“, ist aber entsprechend aufwändiger inszeniert.

Bei einer Verfolgungsjagd in Venedig benutzt Bond eine Luftkissengondel, mit der er sich auch an Land fortbewegen kann. Ferner kommen schwimmende Wasserminen und ein Kugelschreiber mit vergifteter Spitze zum Einsatz, den Bond bei seinem, an Tarzan erinnernden, Kampf gegen eine Python gut gebrauchen kann. Auch eine mit Sprengstoff ausgestattete Armbanduhr darf benutzt werden.



Schauplätze:

Gedreht wurde in Großbritannien, Frankreich, Italien, USA, Brasilien und Guatemala. Venedig wurde ja bereits in „From Russia with Love“ verwertet. Die Schauplätze sind recht vielfältig und attraktiv, bis das Ganze dann leider in’s Weltall verlagert wird, dem ich wenig abgewinnen kann.



Wortwitz:

M: "Is 007 back from that African job?“ Monneypenny: „He’s on his last leg, sir.“ Die nächste Szene zeigt, wie Bond im Flieger eine Stewardess küsst und dabei ihr Bein streichelt.

Drax, als Bond beim Jagen keinen Fasan abschießt: „You missed, Mr. Bond.“ Bond: „ Did I?“ Im selben Moment stürzt ein tödlich Getroffener Handlanger vom Baum, der Bond töten sollte.

Drax zu Bond, nach dessen Kampf mit der Python: „Why did you break off the encounter with my pet python?“ Bond: „I discovered he had a crush on me.“

Drax zu Bond: „James Bond. You appear with the tedious inevitability of an unloved season.“ Bond: „ I didn`t think there were any in space.“ Drax: „As far as you’re concerned, only winter.“

Drax: „Desolated Mr.Bond.“ Bond, nachdem er Drax einen Pfeil in’s Herz schießt: „Heartbroken Mr.Drax.“ Danach wieder Bond, als er Drax durch eine Tür in’s Weltall befördert: „Take a giant step for mankind.“

Holly: „Where’s Drax?“ Bond: „He had to fly.“

M, als Bond und Holly auf Sendung kommen und dabei Sex haben: „My God, what’s Bond doing?“ Q: „I think he’s attempting re-entry, sir.“

Weitere Anmerkungen:

Langsam kann Roger Moore sein fortgeschrittenes Alter nicht mehr verbergen. Die noch recht jugendliche Frische, die er 6 Jahre zuvor in „Leben und Sterben lassen“ ausstrahlte, ist mittlerweile deutlich verblüht.

Bernard Lee hat seinen letzten Auftritt als M, da er leider 1981 verstarb.

Auffallend unrealistisch ist die Flugbahn, die "Jaws" bei seinem Sprung von Seilbahn zu Seilbahn beschreibt. Ein Physiker sollte da lieber nicht hinsehen. Auch sein Durchbeißen des Bahn-Seils ist etwas zu dick aufgetragen.

Fazit:

Freunde ernsthafter Agentenfilme wird dieser Bond zweifellos enttäuschen. Wer Slapstick-beladene Parodien vorzieht, wird an dem Streifen jedoch seine Freude haben. Für mich ist es der zum Zeitpunkt seiner Entstehung zweitschlechteste Bond-Film. Noch schwächer finde ich nur den grottenschlechten, nach Thrash miefenden, „Diamonds are Forever“, dessen stellenweise auch tricktechnische Schwächen man "Moonraker" nicht vorwerfen kann. 2 von 5.

Ray Offline



Beiträge: 702

25.05.2017 19:27
#9 RE: Bewertet „Moonraker“ (11) Zitat · antworten

Moonraker - Streng geheim (Moonraker) (GB/F 1979)

Regie: Lewis Gilbert

Darsteller: Roger Moore, Michael Lonsdale, Lois Chiles, Richard Kiel, Bernard Lee, Emily Bolton, Corinne Cléry, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn u.a.



Aufgrund des Hypes um "Star Wars" entschieden sich die Macher, auch ihren Geheimagenten ins All zu schicken. Damals ein enormer Erfolg, ließ die Achtung gegenüber Moores viertem Einsatz zusehends ab. Heute findet man "Moonraker" regelmäßig auf den hinteren Plätzen diverser Ranglisten.

Dabei ist der Film in den ersten 90 Minuten ungemein unterhaltsam - Popcornkino vom feinsten. Von der spektakulären Prätitelsequenz mit dem Kampf Bonds mit seinem Gegner um den lebensrettenden Fallschirm, dem frühen Aufeinandertreffen mit Bösewicht Drax, der Bootsverfolgungsjagd in den Kanälen in Venedig bis nach Rio, wo Bond sich einen aufregenden Kampf mit dem Beißer auf der Gondelbahn liefert. Man merkt dem Film zwar in diesen ersten eineinhalb Stunden an, dass man sich stark am Vorgänger orientiert (Beißer, Bösewicht Drax erinnert an Stromberg in Sachen Motiv, ausländische Agentin als weitgehend gleichwertige Partnerin, Bootsfahrt über den Platz in Venedig als Äquivalent zur Autofahrt aus dem Wasser...), aber angesichts der Qualität von "Spion" ist dies auch durchaus nachvollziehbar. Unterhaltsamer geht´s jedenfalls kaum.

Das Finale auf dem Mond macht dann aber doch manches kaputt. So einsichtig dies ob des damaligen Trends auch war, aus heutiger Sicht wirkt das alles ziemlich abstrus, obwohl die Tricks wirklich gut gemacht sind. Auch der Sinneswandel bei Handlanger Beißer wirkt etwas bemüht.

Shirley Bassey darf zum dritten Mal das Titellied beisteuern. Hier im Forum dürfte noch interessieren, dass das schöne Bond-Girl Emily Bolton eine kleine Rollle im Durbridge-Zweiteiler "Die Kette" hatte.


"Moonraker" zerfällt in zwei Teile: sehr starke erste 90 Minuten und weniger gute letzte 30 Minuten. Trotzdem ist der Film deutlich besser als sein (heutiger) Ruf. 4 von 5 Punkten.

SpikeHolland Offline




Beiträge: 160

04.06.2017 07:03
#10 RE: Bewertet „Moonraker“ (11) Zitat · antworten

Nach immerhin zehn Jahren habe ich mir den Film dieser Tage wieder einmal angesehen (Anlass war zum einen der Tod von Roger Moore, zum anderen wollte mir mein Sohn (13) nicht glauben, dass James Bond nach "Der Spion ..." tatsächlich ein Abenteuer im Weltall erleben würde). Ich muss meine frühere Meinung nicht großartig revidieren: Ein spannender, mitreißender Bond-Film ist "Moonraker" für mich auch heute nicht (wieder). Ich finde ihn immer noch sehr episodenhaft, man merkt ihm an, dass er um seine Schauplätze herum konstruiert wurde, der Humor ist teils peinlich albern (auf den zweiten Auftritt des Beißers hätte man besser verzichtet), und z. B. der Kampf auf der Seilbahnkabine ist teilweise schlecht umgesetzt und langsam. Aber da mag man vielleicht auch durch heutige Standards "verwöhnt" sein: Ich fand auch die Klopperei im Glasmuseum, die seinerzeit ja als spektakulär galt, sehr, sehr lahmarschig.

Trotzdem, richtig unangenehm fand ich beim jetzigen Wiedersehen eigentlich nur das öde Finale. Bis es ab ins All geht (wobei der Anflug auf Drax' Station optisch durchaus sehenswert ist), ist der Film zumindest größtenteils durchaus unterhaltsam, auch wenn potenziell spannende Szenen (Gondeljagd, Verfolgungsfahrt zu den Wasserfällen ...) immer wieder durch Klamauk kaputt gemacht werden.

Aber: Meinem Sohn hat der Film gefallen, besser jedenfalls als z. B., "Der Mann mit dem goldenen Colt". Er ist, wie gesagt, 13 und damit fast im selben Alter, wie ich 1979 war, als ich "Moonraker" zum ersten Mal sah und toll fand. Vielleicht ist das ja des Rätsels Lösung. ;-)

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"Hätte der liebe Gott Farbe gewollt, hätte er die Bibel bunt gedruckt."

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