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Dieses Thema hat 412 Antworten
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 Edgar-Wallace-Forum
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Mr. Igle Offline




Beiträge: 63

13.07.2017 22:13
#406 RE: Romane Zitat · antworten

Hallo, werte Wallace-Freunde, ich melde mich nach längerer Abwesenheit wieder zurück...

Hatte zwischenzeitlich keiner mal Lust auf einen echten Edgar Wallace? Schade. Aber mich hat im Frühjahr leider auch abrupt der Elan verlassen. Sir Hockbridge würde sagen: "Was sind denn das für Sachen."

Ich habe die Tage ein paar Romane des Altmeisters aus dem Regal genommen und bin bereits wieder eifrig am lesen. Wenn ich es zeitlich schaffe, werde ich meine Leseerlebnisse in gewohnter Weise in Form von Besprechungen hier einstellen.

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Gubanov Offline




Beiträge: 14.541

13.07.2017 22:30
#407 RE: Romane Zitat · antworten

Hallo @Mr. Igle,

auf weitere Romanbesprechungen wäre ich sehr gespannt. Immer her damit, du bereicherst das Forum damit ungemein!

Ich selbst habe mir das Romanelesen (leider) abgewöhnt; es kommen mir nur noch Sachbücher oder Romane in Hörbuchform unter. Und von letzteren gibt es bedauerlicherweise keinen Nachschub mehr auf dem Wallace-Sektor.

Mr. Igle Offline




Beiträge: 63

16.07.2017 13:14
#408 RE: Romane Zitat · antworten

Vielen Dank, Gubanov!

Wenn ich es hinbekomme, geht die erste Besprechung heute noch online. Ich habe mir dieses Mal eine gemischte Gruppe aus bekannten und weniger geläufigeren Werken des King of Crime ausgesucht. Es sind - soviel sei verraten - auch zwei in den 1960er Jahren verfilmte Klassiker darunter.

Abgesehen von Wallace lese ich auch nicht mehr so viele Romane wie früher, aber ganz abgewöhnt, Gubanov; also wirklich...
Hörbücher sind nicht so ganz mein Fall. Zu welchen Wallace-Romanen gibt es denn Hörbücher?

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Gubanov Offline




Beiträge: 14.541

16.07.2017 13:53
#409 RE: Romane Zitat · antworten

Eine Übersicht, Tipps und Diskussionen zu Wallace-Hörbüchern findest du in folgendem Thema:
Der große Edgar-Wallace-Hörbücher-Thread

Und ja, ich weiß, ich sollte mich 'mal wieder aufraffen, gerade auch einen Wallace zu lesen. Vielleicht helfen ja deine neuen Besprechungen.

Mr. Igle Offline




Beiträge: 63

16.07.2017 19:35
#410 RE: Romane Zitat · antworten

Vielen Dank für die hilfreichen Infos, Gubanov.

Wie versprochen, geht es mit meinen Buchbesprechungen weiter:


TURFSCHWINDEL, Original: The Green Ribbon, 1929, dt. Übersetzung Turfschwindel von Edith Walter für den Scherz Verlag, 1. Auflage 1985.

Inhalt:

Das Büro des "Grünen Bandes" macht seit Jahren mit zwielichtigen Methoden an der Rennbahn Millionen. Doch bisher ist es Inspektor Mark Luke nicht gelungen, das Vorstands-Quartett, bestehend aus dem skrupellosen Arzt Dr. Blanter, dem gewieften Anwalt Arthur Rustem, dem unheimlichen Rennstallbesitzer Elijah Goodie und dem mit allen Wassern gewaschenen Agenturinhaber J. P. Trigger etwas Illegales nachzuweisen. Das ändert sich als die junge Edna Gray aus Argentinien anreist. Ihr von Anwalt Rustem verwaltetes Landgut dient schon seit Jahren Elijah Goodie als hermetisch abgeriegeltes Gestüt, in das die Öffentlichkeit keinen Einblick erhält. Als Edna ihr rechtmäßiges Erbe in Besitz nehmen will, wird die Bande nervös. Besonders Goodie setzt alles daran, die junge Frau wieder von dem von ihm gepachteten Landgut zu verjagen. Dafür ist ihm jedes Mittel Recht. Doch dank Lukes Hilfe kann Edna den hinterhältigen Machenschaften Blanters und Goodies trotzen. Die Bande hinter dem "Grünen Band" wird nervös. Vor allem Arthur Rustem bekommt es allmählich mit der Angst zu tun. Was weiß er? Besonders hellhörig wird Inspektor Luke, als er erfährt, dass Ednas väterlicher Freund Alfredo Garcia Hals über Kopf abgereist ist. Garcia gilt als ausgewiesener Pferdekenner. Luke hat einen schlimmen Verdacht, doch noch bevor er diesem nachgehen kann, überschlagen sich die Ereignisse…

Besprechung:

Ein weiterer Turf-Roman aus der Feder des Altmeisters. Mein bisheriger Eindruck ist, dass diesen Büchern immer irgendwie das gewisse Etwas bzw. der letzte Kniff fehlt, um sich von der große Masse der Wallace-Werke abzuheben. Das trifft auch auf den Roman Turfschwindel zu, der, obwohl er fast ein Jahrzehnt nach Der Derbysieger entstand, teilweise mit ähnlichen Problemen wie dieses Buch zu kämpfen hat. Zwar ist das Werk deutlich flotter geschrieben als der frühere Roman und hat auch nicht dessen Nachteil mit einem zu umfangreichen Personenkreis fertig werden zu müssen, aber die strukturellen Schwächen sind annähernd dieselben. Fast scheint es, als ob Edgar Wallace der eigentliche Kriminalfall immer ein wenig entgleitet, wenn er sein Steckenpferd das Turf-Milieu in einen Roman thematisch mit einbindet. Denn eines kann man Turfschwindel sicher nicht vorwerfen: Der Roman liefert abermals – stärker noch wie Der Derbysieger – einen authentischen und detailverliebten Blick auf den britischen Rennsport seiner Zeit.

Gleichzeitig stellt dieser an sich sehr positive Umstand ein Teil des Strukturproblems dar, das der King of Crime sich hier abermals leistet. Über den ausgiebigen Turf-Schilderungen und die Involvierung der handelnden Personen in diesen Dunstkreis, verfehlt es Wallace in der tempoarmen Handlung für ausreichend Spannung und Nervenkitzel zu sorgen. Es fehlt an Dramatisierung, an Cliffhangern; ja, schlicht an wirklich aufregenden Passagen. Es dauert einfach zu lange bis die Gangster so richtig aktiv werden und die Lage sich ernsthaft zuspitzt. Zuvor hält sich der Altmeister einfach zu lange mit den Pferderenn-Problemen, dem komplizierten Verhältnis zwischen Luke und Edna und den üblichen kleinen Intrigen der Schurken auf. Zwar gibt es am Ende des Buchs drei Tote zu beklagen, aber zwei der Leichen werden gewissermaßen mal nebenbei entdeckt und das dritte Opfer gibt es im gehetzten Schlussakkord, der das Werk zwar würdig und temporeich abschließt, aber zugleich in seiner Kürze das beinahe ununterbrochene Durchhängen der Handlung auf den vorherigen rund 160 Seiten erwartungsgemäß nicht mehr Wett machen kann.

Die Charaktere sind recht abwechslungsreich gestaltet, wobei die Figuren selten aus den vom King of Crime hinreichend bekannten Schemata ausbrechen. Inspektor Mark Luke ist ein typischer Wallace-Held ohne die wirklich großen Besonderheiten. Ein Kriminaler, der eigentlich nicht mehr arbeiten müsste, weil er von Haus aus finanziell schon bestens versorgt ist. Ebenso fügt sich Edna Gray in das etablierte Bild der Heroine, die sich dunkler Mächte erwehren muss. Ich bin überrascht, dass man unter den Wallace-Kennern diese Figur immer als Beispiel für eine besonders emanzipierte Wallace-Heldin im Stil von Thalia Drummond oder Leslie Maughan anführt. Denn abgesehen von einer gewissen Resolutheit und ihrem sturen Wunsch unbedingt ihren Traum vom Leben auf dem Land verwirklichen zu wollen, verhält sich Edna doch den ganzen Roman über nicht viel anders als andere Damen innerhalb des Altmeisterkosmos. Zwar gibt es natürlich auch viele, wesentlich hilflosere Protagonistinnen im Gesamtwerk, aber zur Klasse einer der genannten "Wallace-Women" fehlt Edna Gray doch noch einiges an Selbstsicherheit und Courage. Die vier Oberschurken sind sehr schön ausgestaltet. Vom linkisch-nervösen Anwalt Rustem, über den brutal-bösartigen Blanter, den bläsiert-unheimlichen Goodie bis hin zu dem kühlen Strippenzieher Trigger bleiben kaum Wünsche offen. Ihre Handlanger Pilcher und Stoofer sind ganz nett, bleiben aber konturlos. Alfredo Garcia ist eine sehr sorgfältig ausgeleuchtete Person, auch wenn die Figur nicht allzu lange präsent ist. Von den sonstigen Nebenfiguren bleiben am ehesten noch der Hausverwalter Lane und der Kleinkriminelle Punch im Gedächtnis.

Fazit:

Insgesamt ist Turfschwindel ein Werk, das – aus meiner Sicht – in das gute, solide Mittelfeld gehört. Der Roman kann mit wunderbar atmosphärischen und kenntnisreichen Turf-Beschreibungen, einem soliden Plot und interessanten Personenkonstellationen aufwarten. Zugleich sorgen Schwächen im Handlungsgerüst, ein Mangel an Dramatisierung und das weitgehende Ausbleiben von echtem Thrill für breite Ernüchterung. Dafür hat das Buch aber eine schön aufgebaute Liebesgeschichte sowie die interessanten Schilderungen rund um das Syndikat des "Grünen Bandes" zu bieten und ist angenehm flott und bisweilen pointiert geschrieben.

Meine Wertung: GUTER DURSCHNITT

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Lord Low Offline




Beiträge: 399

22.07.2017 12:40
#411 RE: Romane Zitat · antworten

Hab mir jetzt den Klassiker "Die blaue Hand" zugelegt.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.541

22.07.2017 15:07
#412 RE: Romane Zitat · antworten

Eine gute Wahl, nur zu empfehlen.

Mr. Igle Offline




Beiträge: 63

Heute 14:29
#413 RE: Romane Zitat · antworten

Und weiter geht`s...


EIN GERISSENER KERL, Original: The Twister, 1928, dt. Übersetzung Ein gerissener Kerl von Edith Walter für den Scherz Verlag, 1. Auflage 1985.

Inhalt:

Der wohlhabende Lebemann Anthony Baird betätigt sich mit großem Erfolg im Rennstahlgeschäft und an der Börse. Jeder Gauner, der je versuchte, ihn zu betrügen, ging bislang damit baden. Deshalb nennen ihn gewisse Kreise in London nur noch "das Schlitzohr". Baird ist ein guter Freund von Lord Frensham. Doch er weiß nicht, dass dieser durch fehlgeschlagene Finanztransaktionen am Rande des Ruins steht. Frensham ist vor allem daran gelegen, seine blutjunge Tochter Ursula finanziell abzusichern. Anthony fühlt sich zu Ursula hingezogen, doch ihr Vater hat andere Pläne für sie. Anthonys Rivale ist Lord Frenshams Neffe Julian Reef, der Ursulas finanzielle Sicherheiten verwahrt und in dubiose Aktiengeschäfte verwickelt ist. Er hasst Anthony für seine Reputation und seine innige Freundschaft mit Ursula Frensham. Doch viel mehr als die Feindschaft zu Reef beunruhigt Anthony das ungebührliche Verhalten von dessen Partner Dr. Rex Guelder. Der Niederländer gilt als Wissenschaftsgenie, ist aber eine sonderliche Figur und führt in seinem abgelegenen Haus in Greenwich merkwürdige Experimente durch. Auch Bairds Bekannter Inspektor Elk von Scotland Yard interessiert sich sehr für Guelder, weiß er doch durch seine Nachforschungen, wieso der ominöse Doktor seinerzeit aus Holland fliehen musste. Eines Tages wird Lord Frensham in seinem Londoner Büro erschossen aufgefunden. Selbstmord so scheint es. Das schriftliche Geständnis seines Bankrotts liegt vor ihm. Doch Elk ist nicht überzeugt. Der Inspektor rät Anthony gut auf Ursula Frensham zu achten, da sie in Gefahr sei. Durch einen anderen Kriminalfall kommt Elk einem abgekarteten Spiel auf die Spur. Jetzt ist er sicher: Für den Tod des Lords wird jemand hängen…

Besprechung:

Gelegentlich wird dieser Roman auch zu den Turf-Werken von Edgar Wallace hinzugerechnet, aber im Grunde spielt das Rennmilieu in Ein gerissener Kerl keine besonders tragende Rolle und ist nur das Steckenpferd des Protagonisten Anthony Baird. Zentrales Thema des Buchs ist viel mehr die Börsenwelt mit Aktiengeschäften, Finanzmanipulationen, Kursverzerrungen und das Geschäft mit Öl und Diamanten. Dem Altmeister gelingt es den schmalen Grat zwischen Gewinn und Verlust bei den riskanten Spekulationen immer wieder geschickt als Spannungsmacher einzusetzen, sodass der Leser mühelos bei der Stange bleibt, obwohl auch in diesem Werk die Nervenkitzel-Momente vergleichbar rar gesät sind. Zwar gibt es einen mysteriösen Mord, aber es sind eher die persönlichen Verwicklungen in Kombination mit den geschäftlichen Fehden zwischen Baird und Reef, die das Buch mühelos tragen. Die frühen Tage des Finanzplatzes London werden vom King of Crime überzeugend und vielschichtig beschrieben.

Spannend ist insbesondere das doppelte Duell, das Wallace hier entwirft. Denn neben dem Widerstreit zwischen Baird und Reef, baut der Autor parallel die Konfrontation zwischen Inspektor Elk und dem skrupellosen Rex Guelder auf. Von daher sorgen die Verhaltensweisen der Charaktere und die Wendungen der Handlung für deutlich mehr situative Spannung, als eiskalter Thrill, der vereinzelt auch, aber sehr dosiert zum Einsatz kommt. Die Geschichte entwickelt sich logisch und mit angenehmem Tempo. Das Finale kommt – anders als bei den beiden zuvor rezensierten Titeln – nicht abrupt und unnötig gezwungen daher, sondern ergibt sich vollkommen harmonisch und plausibel aus dem vorangegangen Handlungsverlauf. Der Roman ist detailverliebt geschrieben und lässt sich flüssig lesen. Personen, Orte und Milieus werden sehr ausführlich visualisiert und dienen dem effektvollen Gelingen der Story. Mit seinen knapp 200 Seiten ist das Werk zwar recht umfangreich, aber das Buch ist dem Altmeister in der Zusammenschau weder zu kurz, noch zu lang geraten. Summa summarum ist Ein gerissener Kerl ein sorgfältig und aus einem Guss konzipierter Kriminalroman.

Mit den Charakteren hat der King of Crime eine sehr gute Auswahl an verschiedenen Typen bzw. Rollenmodellen getroffen und diese individuell vertieft. Mit Anthony Baird erleben wir einen steinreichen Mann voller Elan, der zwar wie die Faust aufs Auge zu dem Idealbild eines Wallace-Strahlemanns passt, zugleich aber eine präzise Charakterisierung mit Ecken und Kanten gewährt bekommt. Ihm zur Seite steht der aus anderen Romanen bekannte Inspektor Elk, der mit seinen Marotten und seiner kühlen Logik einen ganz wunderbaren Ermittler abgibt. Ein wenig fad erscheint da die weibliche Hauptfigur Ursula Frensham, die sich kaum aus der üblichen Standardrolle der verfolgten Unschuld zu lösen vermag. Immerhin stehen ihr die (Streit-)Gespräche mit Baird und Reef gut zu Gesicht. Julian Reef und Rex Guelder sind ein ebenso unterschiedliches wie vielschichtig gezeichnetes Schurkenduo. Der Eine, ein zu aller Hinterlist fähiger Verbrecher, der Andere, ein jovialer Schöngeist, der seine düstere Brutalität hinter einer bürgerlichen Maske verbirgt. Demgegenüber ist Lord Frensham ein typischer Vertreter eines alten Adeligen, der zu lange über seine Verhältnisse gelebt hat, aber trotz dieses Umstands nicht den Anstand verliert. Von den vielen Nebencharakteren ist ansonsten noch besonders der Finanzmagnat Mr. Sleser, ein wunderbar knochiger, aber gleichsam würdevoller Geschäftsmann, hervorzuheben.

Fazit:

Ein rundherum gelungener Roman aus der Feder des Altmeisters. Wertpapierspekulationen, Finanzmanipulationen, gesellschaftliche Intrigen und Mord verbindet Edgar Wallace zu einer äußerst spannenden Kriminalgeschichte. Zwar mangelt es bisweilen an eiskalten Gänsehautmomenten und hartem Thrill, aber die privaten, wie geschäftlichen Verwicklungen der präzise gezeichneten Protagonisten sorgen bei einem recht flotten Handlungstempo über fast die gesamte Länge der Geschichte für knisternde Spannung.

Meine Wertung: SEHR GUT

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