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 Edgar-Wallace-Forum
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Die Mendoza Offline




Beiträge: 48

21.03.2016 23:16
#391 RE: Romane Zitat · antworten

Dank Dir! Dann scheint es tatsächlich vom "Frosch" nicht eine deutsche Übersetzung zu geben, die nicht in irgendeiner Form gekürzt wäre...

Count Villain Offline



Beiträge: 3.764

30.08.2016 21:00
#392 RE: Romane Zitat · antworten

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #379
Zitat von Count Villain im Beitrag #378
Aber erst mal liegt da noch "Der leuchtende Schlüssel" seit Monaten ungelesen bei mir herum. Da muss ich mich auch endlich ransetzen.

Da würde ich mich über eine Rückmeldung von dir sehr freuen, da ich diesen Roman weder kenne, noch er bisher den Weg in mein Bücherregal gefunden hat.



So, endlich gelesen. Das Lesevergnügen war etwas wechselhaft, aber insgesamt betrachtet hat es sich gelohnt. Der Schlüssel war nach etwas zähem Beginn doch sehr unterhaltsam zu lesen. Interessant auch, dass nicht alles so stereotyp abläuft, wie man sich das denkt (die augenscheinliche Rolle der zu rettenden Schönheit etwa ... aber ich will nicht spoilern ). Die Auflösung würde ich ebenfalls als gelungen bezeichnen und erinnert an einige andere Wallace-Romane mit ähnlichem Haupttäter.

Insgesamt kein Top-Reißer, aber wie ich schon sagte recht unterhaltsam und logisch.

Mr. Igle Offline




Beiträge: 59

02.09.2016 10:51
#393 RE: Romane Zitat · antworten

Ah, vielen Dank für die zwar späte, aber dafür sehr interessante Rückmeldung!
Leider kann ich den Roman "Der leuchtende Schlüssel" noch immer nicht mein eigen nennen, aber er befindet sich bereits auf einer Shortlist von Wallace-Büchern, die mir noch fehlen.
Nach deiner schönen Besprechung, bin ich auf den Roman auf jeden Fall noch umso mehr gespannt.

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Wallacefreund Offline




Beiträge: 163

02.12.2016 22:40
#394 RE: Romane Zitat · antworten

Werde mir die Tage mal wieder einen Wallace Roman lesen.
Der Film der grüne Bogenschütze ist mir zu klamaukhaft und wenig spanhend,kann mir jemand sagen,wie der Roman in Sachen Spannung ist?Auch der Roman "Das Geheimnis der gelben Narzissen" reizt mich,kann mir jemand sagen wie es hier in Sachen Spannung aussieht?Da ich die Romane noch nicht kenne,wäre es schön,wenn es keine Spoiler gäbe.

Mr. Igle Offline




Beiträge: 59

14.12.2016 12:25
#395 RE: Romane Zitat · antworten

DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE & DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN sind schon ganz spannende Romane von Edgar Wallace. Insofern würden die beiden Bücher auf jeden Fall eine Leseempfehlung von mir bekommen. Allerdings gibt es meiner Ansicht nach noch eine ganze Reihe bessere und auch spannendere Romane des Altmeisters. Aber das ist ja kein Makel, denn auch bei Wallace gilt: "Das Bessere ist der Feind des Guten." Beim Vergleich mit den Rialto-Verfilmungen würde ich sagen, dass der Bogenschütze in Buchform gelungener ist, während die filmische Umsetzung der Narzissen die Vorlage eindeutig überbietet. Trotzdem bekommt auch der letztere Roman von mir eine eindeutige Leseempfehlung. Man darf nur nicht mit falschen Erwartungen an die Lektüre herangehen. Ohne zu viel zu verraten: Der Roman hat eine etwas andere Struktur als der Film (was besonders eine Hauptfigur betrifft) und das Verhältnis Tarling/Rider bekommt in der Vorlage eine viel stärkere Gewichtung.
Ich hoffe, diese knappen Einschätzungen helfen dir weiter. Viel Spaß bei der Lektüre.

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Mr. Igle Offline




Beiträge: 59

19.02.2017 21:39
#396 RE: Romane Zitat · antworten

GROSSFUSS, Original: Big Foot, 1927, dt. Übersetzung Großfuß von Hardo Wichmann für den Scherz Verlag, 3. Auflage 1995.

Inhalt:

Superintendent Patrick J. Minter, genannt "Super", ist einer der fähigsten und erfahrensten, aber auch eigenwilligsten Polizeibeamten Englands. "Super" schwört auf die altbewährte kriminalistische Ermittlungsarbeit. Auch deswegen ist ihm der pensionierte Anwalt Gordon Cardew, der sich mithilfe seines umfangreichen Wissens auf den Gebieten der Anthropologie und der Psychologie als Amateurdetektiv betätigt, ein Dorn im Auge. Vielmehr interessiert Minter sich allerdings für Cardews ledige Haushälterin Hannah Shaw, die eine Frau mit vielen Geheimnissen ist. Eines Tages wendet sich Cardew an seinen jungen Kollegen Jim Ferraby von der Staatsanwaltschaft. Ihm ist zufällig ein Brief in die Hände geraten, indem ein mysteriöser "Großfuß" Hannah Shaw bedroht und er weiß keinen Rat. Ferraby will sich der Sache annehmen, zumal er Cardews Sekretärin Elfa Leigh sehr anziehend findet. Beim Abendessen in Barley Stack berichtet Jim "Super" von dem Drohbrief, als Minter plötzlich einen Attentäter im Garten überrascht. Dieser flieht unerkannt. Zurück lässt er ein volles Magazin einer amerikanischen Automatic. Stephen Elson, der verschwiegene reiche Amerikaner und Nachbar von Gordon Cardew, erbleicht bei dessen Anblick. Da vernimmt "Super" den gespenstischen Gesang eines Landstreichers. Doch der Mann entwischt ihm. Minter ist besorgt und wittert ein Verbrechen. Er lässt Hannah Shaw, die übers Wochenende zu Cardews Haus an der Steilküste fährt, überwachen. Doch Minter durchschaut zu spät die Intrigen des mysteriösen "Großfuß". Trotz scharfer Bewachung wird Hannah Shaw noch in derselben Nacht erschossen im Haus aufgefunden. Doch niemand hätte das Verbrechen begehen können. Der Raum, in dem der Mord geschah, ist von innen verschlossen und der Sergeant hat bei der Observation keine Menschenseele kommen oder gehen sehen. Bevor "Super" einen klaren Gedanken fassen kann, hört er erneut das unheimliche Lied des Landstreichers. Minter stürmt in die Gewitternacht. Aber das einzige, was er findet, sind gigantische Fußabdrücke auf dem schlammigen Boden, die von der Steilküste her zum Haus führen…

Besprechung:

Großfuß ist sicherlich eines der gelungensten Werke aus der späteren Arbeitsphase des King of Crime. Im Gegensatz zu den früheren und ganz frühen Werken bemerkt man hier doch angenehm und wohlwollend das angezogenere Tempo und die Reichhaltigkeit an Rätseln und Geheimnissen, die das Buch aufzubieten weiß. Besonders kurios ist sicherlich, dass am Ende die Lösung der unheimlichen Vorgänge an einem bestimmten Ereignis hängt. Ist man über dieses im Bild, ist die Erklärung für die Verbrechen und ihr Hintergrund völlig klar und logisch nachvollziehbar. Zum Glück lüftet der Altmeister dieses Geheimnis erst auf den allerletzten Seiten, während er zuvor dem Leser immer nur Brocken hinwirft oder falsche Fährten und Annahmen nahelegt. Trotz des Umfanges der Intrigen, enttäuscht die "einfache" Auflösung zum Schluss nicht, da sie verdeutlicht, dass manchmal eine einzige Information entscheidend sein kann, um die Zusammenhänge zu erkennen.

Besonders gelungen fielen mir bei diesem Roman die sehr plastischen und lebhaften Beschreibungen der einzelnen Charaktere auf. Herrlich ist auch der ironische Unterton des ganzen Buchs. Besonders die ständigen Kabbeleien zwischen dem altmodischen Minter und dem den modernen Wissenschaften zugewandten Cardew über die richtige Vorgehensweise bei den Ermittlungen machen dem Leser sichtlich Freude. Überhaupt ist "Super" mal eine echte Type! Sicherlich einer der ungewöhnlichsten und charakteristischsten Ermittler, die Wallace je erschaffen hat. Kauzig, verschroben und sarkastisch, aber eben auch mit unerbittlicher Erfahrung und Härte verfolgt der Superintendent sein Ziel. Überhaupt macht das Miträsteln über die Theorien, wie der Mord im Haus an der Steilküste nun wirklich vor sich ging, sichtlich Spaß. Ein großes Plus des Romans. Neben einem so starken Ermittler und wendungsreichen Fall, ist es verständlich und auch erfrischend, dass die obligatorische Liebesgeschichte nur eine untergeordnete Rolle spielt. So ist es dem Konsumenten möglich, völlig auf den hochspannenden Fall, den raschen Handlungsfortgang und die vielen Hinweise fokussiert zu bleiben.

Zu den Figuren ist zu sagen, dass der King of Crime im vorliegenden Buch sowohl vielschichtige, als auch stromlinienförmige Charaktere agieren lässt. Wie schon erwähnt, ist Superintendent Minter mit seinen Schrullen und seiner Geheimniskrämerei ein echter Prachtkerl von einem Ermittler. Demgegenüber müssen fast alle anderen Personen nachstehen. Trotzdem ist auch Hannah Shaw wunderbar individuell geraten und bleibt – obwohl nicht lange in der Handlung präsent – nachhaltig im Gedächtnis. Jim Ferraby und Elfa Leigh sind das altbekannte Wallace-Liebespaar, wie man es schon allzu oft erlebt hat. Allerdings fällt es kaum ins Gewicht, dass diese Figuren eher von der Stange sind, da "Super" vollkommen der Mittelpunkt des gesamten Geschehens ist und die Liebenden nur die "zweite Geige" spielen. Gordon Cardew und Stephen Elson bewegen sich ebenfalls im Großen und Ganzen eher in ihrem jeweiligen Personenstereotyp des alten Anwalts und des steinreichen, aber grobschlächtigen Ausländers, wobei zumindest Cardew als Minters kriminalistischer "Rivale" etwas mehr Raum zur Profilierung bekommt. Besonders geglückt sind dem Altmeister diesmal allerdings die Nebenfiguren des ehrgeizigen Sergeant Lattimer, des Landstreichers Sullivan und dessen singenden Kumpans, die, ebenso wie der Henker Topper Wells, zu Schlüsselfiguren des Falles werden.

Fazit:

Ein überdurschnittlicher Roman, der den Leser erfolgreich mit diversen Mysterien, rasanten Geschehnissen und einer überlebensgroßen Ermittlerpersönlichkeit begeistern kann. Temporeicher Thrill wird ebenso geboten, wie liebevoll gestaltete Charaktere und atmosphärisch-dichte Tatort-Schilderungen. Des Rätsels Lösung ist zwar am Ende banaler als gedacht, funktioniert aber tadellos und bildet den überzeugenden Schlusspunkt für die nervenaufreibende Jagd des Superintendent auf den trickreichen Schattenmann.

Meine Wertung: SEHR GUT

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Lord Peter Offline




Beiträge: 379

24.02.2017 15:41
#397 RE: Romane Zitat · antworten

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #396
Jim Ferraby und Elfa Leigh sind das altbekannte Wallace-Liebespaar, [...]


Dazu mal eine ganz dumme Frage - der Name kam mir beim Lesen die ganze Zeit komisch vor. Leider habe ich nur die Weltbild-Ausgabe und keinen Alternativtext zum Vergleich, aber kann es vielleicht sein, daß die gute Dame in Wahrheit Elsa heißt und der arme Taiwanese, der die in Frakturschrift gedruckte Erstausgabe abtippen mußte, sich einfach vertan hat? Das kleine "s" und das kleine "f" sind ja auch kaum zu unterscheiden.

DanielL Online




Beiträge: 3.690

24.02.2017 16:09
#398 RE: Romane Zitat · antworten

Im Original heißt sie auch Elfa.

Gruß,
Daniel

Lord Peter Offline




Beiträge: 379

24.02.2017 18:03
#399 RE: Romane Zitat · antworten

Okay... merkürdiger Name. Ich bin beim Lesen jedes Mal drüber gestolpert.

Mr. Igle Offline




Beiträge: 59

26.02.2017 18:33
#400 RE: Romane Zitat · antworten

DER VIERECKIGE SMARAGD, Original: The Square Emerald, 1926, dt. Übersetzung Der viereckige Smaragd von Ute Tanner für den Scherz Verlag, 2. Auflage 1988.

Inhalt:

Leslie Maughan ist eine der wenigen Frauen bei Scotland Yard und darf als Kriminalassistentin sogar Ermittlungen leiten. Gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten und väterlichen Vertrauten Chefinspektor Coldwell hat sie schon so manches Verbrechen aufgeklärt. Ihr neuer Fall stellt jedoch alles bisher Dagewesene in den Schatten: Wieso hat die steinreiche Lady Jane Raytham auf einen Schlag 20.000 Pfund von ihrem Konto abgehoben? Leslie wittert ein Verbrechen, aber die Lady weist sie kühl und barsch ab. Und doch spürt die junge Ermittlerin die Unsicherheit und Angst der adeligen Dame. Doch sie und ihre Freundinnen Anita Bellini und Greta Gurden mauern. Besonders fröstelt Leslie allerdings die Begegnung mit Lady Raythams unheimlichen Butler Anthony Druze, der eine bedrohliche Präsenz in jedem Raum zu sein scheint. Zeitgleich wird Peter Dawlish aus dem Zuchthaus Dartmoor entlassen. Er hatte Lord Everreeds Unterschrift auf einem Scheck gefälscht. Pikanterweise war Druze zu jener Zeit der Diener des Lords, verlies jedoch bald darauf seinen Dienstherren, um im Hause Raytham eine Stellung anzunehmen. Leslie glaubt eine Verbindung zwischen Dawlish, Druze und der vermuteten Erpressung an Lady Raytham zu erkennen, kann aber nichts beweisen. Sie macht die Bekanntschaft von Dawlish und stellt ihn unter Beobachtung. Dawlish treibt der Hass auf Druze. Die Kriminalassistentin hat eine böse Vorahnung, die sich - schneller als ihr lieb ist - bewahrheitet. Auf der Rückfahrt von einem nächtlichen Einsatz entdecken Coldwell und Leslie eine Leiche am Straßenrand. Es ist Druze, noch aschfahler als im Leben. Der Ermordete umklammert mit seiner starren Faust einen prächtigen viereckigen Smaragd. Dessen Besitzerin kennt Leslie nur zu gut…

Besprechung:

Der Roman entstammt der Hochzeit von Wallace` Schaffen – dem Jahr 1926 – und ist trotzdem dafür erstaunlich vielseitig und qualitätsvoll ausgefallen. Aufgrund des enormen Ausstoßes an Werken des Altmeisters Mitte und Ende der Zwanziger Jahre neigen viele Bücher aus dieser Zeit zum Mittelmaß und weisen parallele Strickmuster und Figuren auf. Der vorliegende Roman ist da eine herausragende Ausnahme, ist er doch nicht nur mit einer spannenden und frischen Handlung ausgestattet, sondern auch in den Details sichtlich raffinierter angelegt als viele andere Werke der gleichen Periode. Es gibt praktisch keine Zufallsbekanntschaften oder plot-irrelevante Nebenfiguren. Alle Personen stehen in Verbindung miteinander, was beständig zu Konfliktsituationen und Enthüllungen führt. Wieder einmal bestätigt sich Wallace` meisterhafte Fähigkeit auf Basis eines Mordes eine spannende Geschichte rund um verwinkelte Geschehnisse der Vergangenheit, Abhängigkeiten und Familiengeheimnisse zu entwickeln.

Tatsächlich dauert es bis zum Schluss bis der Leser wirklich völlig im Bilde ist. So geschickt hat der Autor die Handlungsstränge verwoben und eine Struktur geschaffen, bei der dem uninformierten Erstkonsumenten beständig eine Enthüllung nach der anderen präsentiert wird. Am Ende fügt sich alles mustergültig und logisch zu einem großen Ganzen zusammen, wodurch ausgehend von einer Erpressung und einem Mord sich den Ermittlern in der Summe schließlich das Schicksal gleich mehrerer Familien offenbart. Freilich kann der Leser auch bei diesem Roman manche Rätsel schnell selbst lösen, aber die Geschichte ist – wie erwähnt – so wunderbar konstruiert, dass man auch manche Überraschung erlebt, bevor sich im Finale dann alles ganz harmonisch verdichtet. Es dürfte sich daher insgesamt um ein Werk aus dem besseren Drittel von Edgar Wallace` Gesamtwerk handeln; ob es vielleicht sogar zu den allerbesten Büchern gehört, ist sicherlich Geschmackssache. Für mich persönlich ist es auf jeden Fall ein würdiger Top Zehn-Titel.

Mit den größten Gewinn stellen die Charaktere dar, die individueller und lebendiger erscheinen als viele andere aus dem Wallace-Kosmos. Die größte Überraschung ist sicherlich Leslie Maughan. Eine Frau als Ermittlerin! Das ist unter den vielen Erbinnen und bedrohten Schönheiten wirklich mal eine Ausnahme, zumal die Figur auch im Verhalten gänzlich anders auftritt als fast alle sonstigen Wallace-Heldinnen. Selbstsicher, scharfsinnig und abgeklärt begegnet Leslie ihren Gegnern – egal welchen Geschlechts. Demgegenüber tritt ihr väterlicher Freund und Vorgesetzter Coldwell fast in den Hintergrund. Am Ende ist es wirklich hauptsächlich Leslie, die das heimtückisch gesponnene Netz der Verschwörer zerreißt. Der Sträfling Peter Dawlish wird zunächst als typischer Verlierer eingeführt, der sich dann im Laufe der Handlung zu einem besseren Menschen mausern darf. Eine wunderbar morbid-unheimliche Erscheinung ist da – wenn auch nicht allzu lang als handelende Person aktiv – der hinterhältige Butler Druze, dessen Ränke aber bis zum Schluss eine Rolle spielen. Ansonsten gibt es mit Lady Jane Raytham, Anita Bellini und Greta Gurden noch eine ganze Reihe an gestandenen Damen, die Geheimnisse und Abhängigkeiten aneinander ketten. Besonders Raytham und Bellini werden geradezu spiegelbildlich aufgebaut. Auch Nebenfiguren wie Margaret Dawlish und Mrs. Inglethorne sind sehr schön und plastisch von Wallace gezeichnet.

Fazit:

Ein hervorragender Roman, der nicht nur mit seinem ungewöhnlichen Alleinstellungsmerkmal des weiblichen Ermittlers, sondern auch mit einer doppelbödigen Handlung und vielseitigen Figuren bestechen kann. Der Thrill ist zwar merklich gedrosselt, aber die immer neuen Enthüllungen und atmosphärischen Milieuschilderungen halten den Leser mühelos bei der Stange. Am Ende führt ein temporeiches Finale alle Handlungsstränge geschickt zusammen. Summa summarum ein Werk, das sich mit gutem Recht unter die gelungensten Romane des Altmeisters mit einreihen darf.

Meine Wertung: SEHR GUT

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Mr. Wooler Offline




Beiträge: 416

26.02.2017 23:44
#401 RE: Romane Zitat · antworten

Vielen Dank an dieser Stelle an Mr. Igle! Ich finde deine Buchbesprechungen wirklich großartig.
Ich bin ja immer auf der Suche nach geeigneten Vorlagen für unsere Wallace-Hörspielreihe und da sind diese Besprechungen als Hinweis tatsächlich sehr hilfreich und interessant. Tatsächlich lese ich auch gerade genau diesen Roman ("Der viereckige Smaragd"), stecke aber noch im ersten Drittel.
Also bitte gerne weiter so!

DanielL Online




Beiträge: 3.690

27.02.2017 00:52
#402 RE: Romane Zitat · antworten

Dank auch von meiner Seite. Die ausführlichen Besprechungen sind eine tolle Bereicherung.

An dieser Stelle allerdings eine Frage an @Mr. Wooler:

Du bist ja regelmäßig mit der Stoffauswahl für die Hörspiele beschäftigt und liest unter diesem Kriterium sicherlich einige Wallace-Romane. Manche Bücher scheiden wahrscheinlich schon alleine deshalb aus, weil sie formal nicht zum Konzept der Hörspielserie passen (etwa lose Kurzgeschichtensammlungen). Andere würden einfach nicht die Erwartung der Käufer erfüllen (Edgars Unterhaltungsromane, Utopie-Geschichten und dergleichen). Darüber hinaus gibt es aber sicherlich viele Romane, die zunächst einmal grundsätzlich ins Raster zu passen scheinen, dann aber aus verschiedenen Gründen ausscheiden oder sich eben besonders empfehlen. Welche Erfahrungen hast du dabei gesammelt und welche Kriterien haben sich dabei als besonders wichtig erwiesen?

Gruß,
Daniel

Mr. Wooler Offline




Beiträge: 416

27.02.2017 14:54
#403 RE: Romane Zitat · antworten

Zitat von DanielL im Beitrag #402
Dank auch von meiner Seite. Die ausführlichen Besprechungen sind eine tolle Bereicherung.

An dieser Stelle allerdings eine Frage an @Mr. Wooler:

Du bist ja regelmäßig mit der Stoffauswahl für die Hörspiele beschäftigt und liest unter diesem Kriterium sicherlich einige Wallace-Romane. Manche Bücher scheiden wahrscheinlich schon alleine deshalb aus, weil sie formal nicht zum Konzept der Hörspielserie passen (etwa lose Kurzgeschichtensammlungen). Andere würden einfach nicht die Erwartung der Käufer erfüllen (Edgars Unterhaltungsromane, Utopie-Geschichten und dergleichen). Darüber hinaus gibt es aber sicherlich viele Romane, die zunächst einmal grundsätzlich ins Raster zu passen scheinen, dann aber aus verschiedenen Gründen ausscheiden oder sich eben besonders empfehlen. Welche Erfahrungen hast du dabei gesammelt und welche Kriterien haben sich dabei als besonders wichtig erwiesen?



Hallo Daniel,

zunächst mal vielen Dank für deine Frage. Als ich mich seinerzeit mit den Jungs vom Hörplaneten getroffen habe, um die neue Wallace-Hörspielreihe zu planen, waren wir uns schnell einig, dass wir die Wallace-Romane relativ originalgetreu vertonen wollen. Gleichzeitig sollen aber auch die Anforderungen "Spannung" und "Grusel" nicht zu kurz kommen (so wie man es eher aus den Verfilmungen kennt). Die Stoffe sollten möglichst ein interessantes Setting bieten, das eine abwechlungsreiche Hörspielkulisse ermöglicht. Meine Aufgabe ist es daher im ersten Step, solche Wallace-Vorlagen zu sichten, die von sich aus bereits möglichst viel von diesen Faktoren mitbringen. Ich habe mich von Anfang an dafür ausgesprochen, dass wir mit unserer Hörspielreihe nicht schon wieder mit dem Hexer beginnen, und über den Frosch und die toten Augen dann zum Gasthaus gelangen. Bedeutet nicht, dass wir diese Klassiker nicht auch noch bringen werden, mir war es jedoch von Anfang an wichtig, dass wir auch andere, noch relativ unbekannte Stoffe von Edgar Wallace bringen. So war beispielsweise "Der Unhold" unsere Auftaktfolge. Die Geschichte bietet ein spannendes Setting, tolle Hörspielkulissen und eine, wie ich finde, wendungsreiche Geschichte. Auch "Der grüne Brand" gehörte von Anfang an zu meinen Favoriten, da ich den Roman sehr fesselnd fand und er auch eine angenehme Abwechslung zu Wallaces anderen Romanen bietet.
Ich lese momentan nicht so viel, wie es eigentlich nötig wäre, daher greife ich z. B. gerne auf die Buchbesprechungen hier aus dem Forum zurück. Es gab bereits Romane, die ich angelesen und dann weggelegt habe, weil ich einfach keinen Zugang dazu bekam. Vielleicht war ich auch nicht geduldig genug. Ein Beispiel dafür war der Roman "Töchter der Nacht". Bei der Auswahl der Stoffe ist mir generell ein abwechslungsreicher Mix wichtig. D. h. einem Klassiker sollte ein etwas unbekannterer Stoff (aber nicht minder spannend) folgen. Aus diesem Grund haben es bereits die Romane "Das geheimnisvolle Haus" und "Feuer im Schloss" in unsere Serie geschafft.
Es ist also von meiner Seite immer ein Antesten eines Romans. Bekomme ich beim Lesen einen Zugang dazu und kann mir eine Hörspielumsetzung gut vorstellen, dann mache ich mich auch unmittelbar nach dem Lesen an die Adaption des Romans. Will sagen, es liegt also auch immer ein bisshen an meiner persönlichen Tagesform. Denn nur wenn mir ein Roman spannend erscheint, kann ich ihn auch (hoffentlich) spannend als Hörspiel umsetzen. Wenn ich daran aus irgendeinem Grund Zweifel habe, lege ich den angelesenen Roman lieber beiseite und wähle einen anderen aus. Zum Glück ist der Wallace-Fundus ja noch sehr groß.
Ausschließen würde ich in der Tat zunächst mal Wallaces heitere Romane, bzw. auch utopische Geschichten, die einfach nicht in unser obiges Raster passen und auch nicht zu dem, was der Käufer des Hörspiels sich erwartet, wenn er den Namen "Edgar Wallace" liest.
Die Kurzgeschichtensammlungen würde ich per se noch nicht völlig ausschließen. Ich denke schon, dass da die eine oder andere Geschichte dabei ist, die sich auch als Hörspiel lohnen würde, wenn man sie ggf. noch etwas weiter "ausspinnt". In jedem Fall hoffe ich aber, dass unsere Reihe noch lange weiter läuft und ich noch viele Hörspiele nach Edgar Wallace präsentieren darf.

Viele Grüße,
Marc

Mr. Igle Offline




Beiträge: 59

27.02.2017 18:53
#404 RE: Romane Zitat · antworten

Vielen Dank für das Lob. Es freut mich, dass euch die Besprechungen gefallen. Wenn ich flink genug bin, geht es möglicherweise schon am Aschermittwoch weiter.

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Mr. Igle Offline




Beiträge: 59

01.03.2017 20:48
#405 RE: Romane Zitat · antworten

DER DERBYSIEGER, Original: Down Under Donovan, 1918, dt. Übersetzung Der Derbysieger von Hardo Wichmann für den Scherz Verlag, 1. Auflage 1987.

Inhalt:

Im Spielkasino von Monte Carlo verspielt der gewiefte Engländer John Pentridge horrende Summen und wird von der Direktion diskret aus der Halle gewiesen. Pentridge ist außer sich vor Wut und schwört inbrünstig zurückzukehren, um die Schmach zu tilgen. In der Abendsonne der Hauptstadt Monacos lauert ihm auf dem Rückweg ein Weggefährte aus alten Zeiten auf. Das Gespräch nimmt einen unschönen Ausgang. Wenige Tage später erscheint Pentridge wieder im Kasinosaal und hat urplötzlich jede Menge frisches Kapital im Rücken. Und er macht seine Drohung wahr und sprengt die Spielbank. Kaum im Besitz seines gewaltigen Gewinns, hat es Pentridge eilig nach England zu reisen. Beim Pferdederby in Epsom ist er peinlich darauf bedacht, nicht mit einem bestimmten Gentleman zusammenzutreffen. John President und seine Enkelin Mary sehnen den Tag des Rennens herbei, rechnen sie sich doch für ihr Pferd "Down Under Donovan" großen Chancen aus. Ihr ärgster Konkurrent ist jedoch der ehrgeizige Sir George Frodmere mit seinem Prachthengst "Portonius". Frodmere und seinen Kumpanen Toady Wilton und Bud Kitson ist jedes Mittel recht, um ihre Ziele zu erreichen. Frodmeres Finanzier Soltykoff, ein reicher Fabrikant, weilt ebenfalls in Epsom, um gleich mehrfach Kasse zu machen. Das interessiert besonders den Privatdetektiv Milton Sands, der mit dem Bulgaren noch eine Rechnung offen hat. Zunächst muss er jedoch den Auftrag seines Gönners, des Millionärs Eric Stanton, ausführen. Diesen bedrückt eine schon lange zurückliegende Familientragödie und Stanton hofft, dass der raffinierte Milton Sands die Rätsel der Vergangenheit endlich lüften kann. Am Tag des Pferderennens entscheidet sich an der Rennbahn das Schicksal aller Beteiligten…

Besprechung:

Der vorliegende Roman ist aufgrund seines frühen Entstehungsdatums den bereits besprochenen Büchern Die Schuld des Anderen und Richter Maxells Verbrechen sowohl in den Themen gesellschaftlicher Betrug, Erfindungsreichtum und Glücksspiel, als auch in seiner Struktur sehr ähnlich. Der Handlungsfluss ist merklich gebremst, echte Spannung kommt erst im letzten Drittel des Werks so richtig auf. Ansonsten ist die Handlung gekennzeichnet von betulich geschilderten persönlichen Verwicklungen und einer erlebnisnahen und atmosphärischen Beschreibung des Rennmilieus. Ungewöhnlich ist sicherlich, dass die Anzahl an wichtigen und handelnden Personen für die Verhältnisse von Wallace ziemlich groß ausfällt und man viele Figuren bereits in den ersten Kapiteln kennenlernt. Das führt schließlich dazu, dass es dem King of Crime zum Schluss nicht mehr möglich ist, auf alle Charaktere gleichermaßen einzugehen. So werden – ohne Handlungsdetails hier ausbreiten zu wollen – die weiteren Geschehnisse um bestimmte Personen entweder in einem Nebensatz abgehandelt, oder sie verschwinden im Finale völlig aus dem Blickfeld des Handelns, ohne dass ihr weiteres Schicksal angedeutet oder gar aufgeklärt wird.

In dieser Hinsicht wirkt die Geschichte mit den vielen plot-relevanten Akteuren etwas überladen und man rätselt, weshalb Edgar Wallace die sich verbindenden Handlungsstränge so plötzlich und gehetzt auflöst, wo er doch bei einem etwas längeren Umfang – das Werk hat trotz dieses breit gefächerten Handlungsrahmens nur rund 180 Seiten Länge – die Ereignisse sicher etwas runder hätte auflösen können. Aber diese kleinen "Schönheitsfehler" sind irgendwie typisch für die frühen Romane des Altmeisters. Man merkt, dass bis etwa 1921/1922 herum sein Schreiben noch nicht zu der völligen Routine und zielgerichteten Erzählökonomie späterer Jahre gefunden hat, wo der Meister dann teilweise erstklassige Werke in Serie fabrizieren konnte. Verglichen mit Die Schuld des Anderen und Richter Maxells Verbrechen sticht ins Auge, dass sich das vorliegenden Buch – trotz seiner Schwächen – nicht so zäh und langatmig ausnimmt wie das erstgenannte Werk, aber in der detailreichen Darstellung von monegassischen Casino-Abenteuern und einer durch Verrat torpedierten früheren Männerfreundschaft nicht so viel atmosphärische Klasse besitzt wie der letztgenannte Titel. In der Betrachtung des Gesamtwerks sicherlich ein Roman des guten bis unteren Mittelfelds, der enorm vielseitige und spannende Facetten gleich mehrerer Themenblöcke anschneidet, sie aber nicht konsequent genug zu nutzen weiß.

Bei einer solchen Fülle an dramatischem Personal, bleibt es nicht aus, dass die Figuren insgesamt deutlich weniger Profil und Aufmerksamkeit erhalten als in anderen Werken des King of Crime. So bietet Wallace neben den vielen Handlungssträngen auch noch zwei parallele Liebesgeschichten auf. Die Hauptpersonen Milton Sands und Eric Stanton sind typische Heldenfiguren ohne die ganz großen Besonderheiten. Gleiches gilt für die Frauen Mary President und Janet Symonds. Deutlich interessanter sind da schon die Nebenakteure wie John President, John Pentridge und Sir George Frodmere bei denen sich vor dem geistigen Auge in Reihenfolge Darsteller wie Fritz Rasp, Rudolf Fernau und Albert Lieven geradezu aufdrängen. Auch Toady Wilton ist ein sehr gut gezeichneter – beständig zwischen Unterwürfigkeit und Hinterlist pendelnder – fieser Charakter. Bud Kitson und sein Flintenweib sind das übliche finstere Gespann für die Drecksarbeit des Hauptschurken. Der Bulgare Soltykoff ist eine linkische Person mit vielen Schattierungen, so ambivalent wie er vom Altmeister gezeichnet wird. Neben noch anderen Figuren haben insbesondere der standhaft-ehrliche Lord Chanderson und die geschäftssüchtige Georgina Gordon Thompson kurze, aber pointierte Auftritte.

Fazit:

Rundherum ein ordentlicher Roman, der zum gepflegten Mittelmaß gezählt werden darf. Ein vielschichtiges Handlungskonstrukt, viele Geheimnisse, ein ausladendes Personenkarussell und detailreiche Turf-Schilderungen erfreuen das Herz des Lesers. Trotzdem können sie in der Summe nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie Handlung sich zu selten und nur langsam vom Fleck bewegt. Das geht enorm zulasten des Thrills und führt zu Brüchen, da nicht allen Story-Wendungen und Charakteren in der Folge gleichermaßen Rechnung getragen werden kann. So fallen zum Schluss neben der liebevoll und detailreich ausschweifenden Gesamtanlage des Werks eben auch die ungenutzten Chancen zur Spannungssteigerung und Auflösung verstärkt ins Auge.

Meine Wertung: GUTER DURSCHNITT

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