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Dieses Thema hat 53 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 142

09.09.2015 14:35
#46 RE: Kommissar Maigret Zitat · antworten

Das erste Bild von Rowan Atkinson als Maigret liegt nun vor:

http://www.itv.com/presscentre/press-rel...v-drama-maigret

Die Dreharbeiten haben begonnen. Zwei neue lange Fernsehfilme sind geplant:

Maigret stellt eine Falle
Maigret und sein Toter

Die Idee von ITV, Winkel vom heutigen Budapest als Pariser Kulisse der 50er/60er Jahre zu nehmen,
kennen wir schon aus der Michael-Gambon-Serie. Diese Idee geht allerdings nur auf mit einer
überzeugenden stimmungsvollen Pariser Musikuntermalung, welche ich in der Gambon-Fassung vermisse.
Grundsätzlich ist das eine sehr gute Handhabung der Realisation von teils weitschweifigen Außenaufnahmen,
sehr innovativ. Nur die Engländer sind zu solchen etwas gewagten Umsetzungen fähig.
Nach meiner Meinung ist England das Land der erfolgreichsten und besten Krimiserien.

Ich bin gespannt auf Rowan Atkinson in dieser mal ernsten Rolle als Kommissar Maigret.
Mit der Erstausstrahlung ist aber erst im nächsten und übernächsten Jahr zu rechnen.

Lord Peter Offline




Beiträge: 380

09.09.2015 20:03
#47 RE: Kommissar Maigret Zitat · antworten

Also ich weiß ja nicht, ob das jetzt sooo eine gute Idee war. Ich habe zwar nichts gegen Rowan Atkinson, aber wenn jemand wie er 30 Jahre lang nur Slapstik (und in jüngerer Zeit einigen Bockmist) gemacht hat, tut man sich doch schwer, ihn in einer seriösen Rolle zu akzeptieren. Da bedarf es schon einer herkulischen schauspielerischen Höchstleistung, um das Publikum zu überzeugen. Und wer weiß, vielleicht gelingt es ihm sogar, nach "Johnny English 2" würde ich ihm einen Erfolg wünschen. Bei Gelegenheit werde ich mal reinschauen, aber im Zweifel bleibe ich doch bei Davies.

Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 142

13.01.2016 17:13
#48 RE: Kommissar Maigret Zitat · antworten

Die ARD hat Maigret Rowan Atkinson bereits vorbestellt, bislang ebenso France 3, das dänische DR und das schwedische TV4. Der britische Produktionssender ITV wird bei der Vermarktung der zwei neuen abendfüllenden Maigret-Filme, die derzeit noch in Bearbeitung sind und erst gegen Ende dieses Jahres oder in 2017 gezeigt werden können, von BBC Worldwide unterstützt.

http://newsonnews.com/story/100116-2014

Lord Peter Offline




Beiträge: 380

14.02.2016 12:12
#49 RE: Kommissar Maigret Zitat · antworten

Zitat von Georg im Beitrag #16
Maigret und der Verrückte, der 39. Folge der BBC-Serie aus den 1960ern mit Rupert Davies, Drehbuch: Roger East, Regie: Andrew Ostborn
Auch wenn Georges Simenon immer betonte, Rupert Davies sei der ideale Maigret, mit der Verfilmung seines Buches kann er nicht einverstanden gewesen sein. Drehbuchautor Roger East hat viel zu viel verändert, ganze Kapitel weg gestrichen und wichtige Ereignisse ausgelassen. Das Schlimmste ist jedoch, dass er die Dramaturgie gänzlich ändert: Maigret sitzt in einem Sitzabteil, man sieht von Anfang an den Verrückten und er steigt ganz normal aus. Maigret verfolgt ihn nicht, sondern steigt zufällig zu früh und an der selben Haltestelle aus. Dann sieht man - und das ist der größte Fehler - wie der Verrückte erschossen wird. Genau diesen Clou serviert Georges Simenon erst in der Mitte des Romans und Mario Landi benutzt diese Stelle in der unten von mir besprochenen Adaption mit Gino Cervi als tollen Cliffhanger. Roger East nimmt damit dem Film ein wichtiges Spannungsmoment. Weitere Änderungen sind, dass Maigret nie als Verdächtiger geführt wird und sich auch nie im Hotel von dem Attentat erholt.
Schauspielerisch ist gegen die Folge nichts zu sagen, aber ich war selten so enttäuscht von einer Romanadaption. Nun müsste man die weiteren Fälle mit Rupert Davies auf die Romantreue prüfen.



Zumindest teilweise kann ich hier zustimmen. Für sich genommen ist die Episode zwar passable Unterhaltung, aber verschenkt auch bei Nichtkenntnis der Buchvorlage einiges an Potential. Der Kardinalfehler ist (wie bereits angesprochen), daß der Zuschauer schon zu Beginn gezeigt bekommt, daß der Verrückte erschossen wird, das nimmt der Story einiges an Spannung. Daß Maigret hier nur versehentlich zu früh aussteigt und den Mann eher zufällig verfolgt, kann man noch hinnehmen, und er wird durchaus anfangs verdächtigt (wenn auch nicht lange). Auch das Ermitteln vom Krankenbett aus deckt sich ungefähr mit der Vorlage.

Diese Folge könnte ohne Frage viel besser sein, der Bearbeiter hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, aber ein völliger Rohrkrepierer ist sie auch wieder nicht. In Sachen Werktreue nahmen sich die BBC-Adaptionen oftmals einige Freiheiten, ließen die Kriminalfälle an sich aber meistens intakt. Im Kanon der Davies-Serie ist "Maigret und der Verrückte" dagegen leider nur unterer Durchschnitt. Die Vergleichsmäglichkeit mit der Cervi-Fassung fehlt mir leider, aber ich gehe tatsächlich davon aus, daß diese die bessere Verfilmung ist.

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

14.02.2016 13:25
#50 RE: Kommissar Maigret Zitat · antworten

Das sehe ich etwas anders. Der Zuschauer weiß doch gar nicht definitiv, ob der Mann, der zu Beginn erschossen wird, der Verrückte ist. Es handelt sich lediglich um einen namenlosen, alten Mann, der Kommissar Maigret im Zug seltsam anstarrt. Dass seine Identität von Beginn an feststeht, würde ich nicht sagen, denn immer wieder werden Zweifel daran gestreut, ob der Verrückte nicht doch noch am Leben ist - zumal nach dem Überfall auf Francoise. Dass ihre Schwester Germaine diese Aussage als Lüge bezeichnet, muss durchaus nicht der Wahrheit entsprechen, da sie die Geliebte ihres Mannes ganz offensichtlich hasst. Außerdem bleibt meiner Meinung nach durch die nicht aufgeklärten Umstände des Todes des alten Mannes - wer und warum hat man ihn getötet? - durchaus noch genügend Spannung.

Dass Maigret eingeschlafen ist, noch schlaftrunken die Durchsage des Bahnhofsvorstehers nicht recht mitbekommt und sich deshalb in der Station irrt, ist fast nachvollziehbarer als dass er im Roman aus einem plötzlichen Gefühl heraus dem Unbekannten hinterher springt und sich danach selbst am meisten über diese ihm unerklärliche Impulsivität ärgert, zumal er sich anschließend eine Kugel einfängt.

Natürlich wird Maigret auch in der Verfilmung kurzzeitig - im Roman dauert es auch nicht länger - der Taten des Verrückten verdächtigt, und der ortsansässige Polizeikommandant würde dem ihm missliebigen Kommissar wohl bis zum Schluss gern diese Verbrechen anhängen. Interessant ist auch, dass fast alle der durchaus profiliert gezeichneten und alles andere als unbescholtenen Nebenfiguren Kommissar Maigret, der in dem "Sündenbabel" Vervac in ein richtiges Wespennest gestochen hat, feindselig gegenüber stehen. Der Polizeikommandant Fouchè äußert finster, es gäbe viele Möglichkeiten dem "Schnüffler" aus Paris seine Neugier abzugewöhnen, und Francoise Beausoleil spricht ganz offen von Hass und Mordgedanken.

Mir bereitet gerade "Maigret und der Verrückte" ganz besonderes Vergnügen, eben weil es einmal etwas anderes ist, dass der Kommissar abseits des Quai des Orfèvres ermittelt und noch dazu vom Krankenbett aus, wobei er sich auf die Mitarbeit seiner Frau stützt, die ihn nicht nur liebevoll umsorgt - der ewige "Kampf" der Beiden wegen des ihm auferlegten Rauchververbots ist sehr amüsant - sondern selbst Ermittlungen anstellt. Der Auftritt von Joan Young als Madame Beausoleil - Maigrets größter Fan - ist ein besonderes Kabinettstück. Als positiv empfinde ich auch die zahlreichen Außenaufnahmen, die der Studioatmosphäre entgegenwirken.

Variationen der literarischen Vorlage nehme ich da gern in Kauf.

Lord Peter Offline




Beiträge: 380

16.04.2016 19:44
#51 RE: Kommissar Maigret Zitat · antworten

Da der erste Atkinson-Film zu Ostern seine Premiere in England feierte, ist er glücklicherweise inzwischen auch in der Tube. Ich verlinke ihn jetzt allerdings nicht, sonst ist er ebenso schnell wieder weg, einfach "Maigret sets a Trap" eingeben.

Kaum zu glauben, aber Mr. Bean gibt durchaus einen adäquaten Maigret ab, wenn ihm auch die physische Präsenz etwas abgeht. Völlig ernsthaft und ohne irgendwelche Kaspereien führt er durch den (dank der Gabin-Verfilmung hinreichend bekannten) Fall, und auch seine Ehe hat man intakt gelassen. Ohnehin ist es erfreulich, wie wenig die Autoren sich (verglichen mit den Christie-Eskapaden der letzten Jahre) an der Vorlage vergangen haben, der Plot wird nahezu unbeschädigt und dazu noch in erlesene Bilder gekleidet wiedergegeben, lediglich Simenons (ohnehin diskussionswürdige) psychologischen Deutungen zum Hintergrund des Mörders wurden auf das notwendige Minimum eingedampft und die väterliche Metzgerei (abgesehen von einer Erwähnung) komplett eliminiert.

Aber auch so funktioniert die Adaption hervorragend, sucht man das Haar in der Suppe, ist es die unnötige Änderung, daß man Maigret den Fall abnimmt und er zunächst heimlich weiterermitteln muß, um dann beim ersten Ermittlungserfolg wieder offiziell eingesetzt zu werden - nervig, überflüssig und Verschwendung von Spielzeit, aber ohne solche Mätzchen geht es heute anscheinend nicht mehr, das kann und/oder will man einfach nicht abstellen.

Zur Inszenierung muß nichts gesagt werden, gepflegter ITV-Standard.

Die Darsteller sind stellenweise etwas farblos geraten, abgesehen von Atkinson sagte mir nur Fiona Shaw (hier als Muttermonster) etwas, doch die wesentlichen Charaktere (Marcel und seine Frau, die Mutter) werden ausgezeichnet porträtiert. Madame Maigret gefällt ebenfalls, wenn sie vielleicht auch etwas jung wirkt. Ohne Gesicht bleibt dagegen Maigrets Bienenschwarm von Inspektoren, wer da jetzt wer war, ist mir entgangen (der Dicke mit den Hosenträgern sollte wohl Torrence sein, aber sonst...?).

Einer der düstersten Maigret-Romane in gelungener, wenn auch nicht völlig makelloser Neuinterpretation, angenehm werkgetreu, mit einem überraschend überzeugenden Hauptdarsteller. Darf gerne in Serie gehen.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.427

16.04.2016 20:45
#52 RE: Kommissar Maigret Zitat · antworten

Wenn manch ein Wallace-Fan jammert, dass in allen Film-, Hörspiel- und sonstigen Reihen immer "Der Hexer" mit von der Partie ist, so kann man auch auf dem Maigret-Sektor auch langsam eine "stellt eine Falle"-Strichliste anfangen. Man hätte sich hier gern mutiger bei der Stoffauswahl zeigen dürfen. Sonst bin ich durchaus gespannt auf diese Variante. Da ich nicht besonders Mr.-Bean-verseucht bin (fand ich meist allzu albern und deshalb eher uninteressant), habe ich keine Probleme, mir Atkinson in einer ganz anders gearteten Rolle vorzustellen.

Berthold Deutschmann Offline




Beiträge: 142

24.06.2016 22:37
#53 RE: Kommissar Maigret Zitat · antworten

Zitat von Lord Peter im Beitrag #51
Darf gerne in Serie gehen.


Wenn an diversen aktuellen Meldungen im Internet was dran ist, wird es zwei weitere Atkinson Maigrets geben.

Jan Offline




Beiträge: 1.178

26.02.2017 22:27
#54 RE: Kommissar Maigret Zitat · antworten

Ich hatte meine letzte Begegnung mit Maigret in den 1990er Jahren. Damals sendete (ich glaube) Einsplus die TV-Reihe mit Bruno Cremer. Seinerzeit war ich sehr davon angetan, verlor den Kommissar dann aber aus den Augen. Heute abend nun habe ich mir auf dem Sender One die Verfilmung mit Rowan Atkinson in der Hauptrolle angesehen ("Ein toter Mann") und bin richtig begeistert! Es dauerte ca. zehn Minuten und "Mr. Bean" war vergessen bis zum Schluss. Atkinsons Interpretation kann ich zwar nicht einordnen, weil mir die berühmten Vorgänger abgesehen vom angesprochenen Cremer nicht bekannt sind. Allerdings kann ich festhalten, dass es eine sehr aufwändig umgesetzte Verfilmung mit Flair und weitestgehend ohne plakative Effekthaschereien ist, ein Kriminalfilm ohne Ablenkungen. Die Ausstattung ist wirklich aufwändig, wenngleich nicht immer ganz sattelfest.

Leider sind wohl derzeit erst zwei Verfilmungen mit Atkinson abgedreht, von denen "Ein toter Mann" die zweite ist, sodass ich am vergangenen Sonntag den Erstling verpasst habe. Davon darf es aber gerne mehr geben.

Nebenbemerkung: Ungeheuer bitter fällt vor allem der direkte Vergleich am heutigen Fernsehabend auf dem Sender One aus. Nach dem hervorragenden Maigret sendet One den offenbar bereits um 20.15 Uhr in der ARD gesendeten "Tatort" mit Ulrike Folkerts im direkten Anschluss. Offenbar streckenweise ohne Drehbuch entstanden und mit Laien besetzt, könnte ein Niveauabfall kaum deutlicher erkennbar werden. Dass der "Tatort" mittlerweile auf dem ansonsten von RTL2 in Formaten wie "Frauentausch" oder "Berlin Tag und Nacht" angewandten Fahrwasser angelangt ist, war mir nicht bekannt.

Gruß
Jan

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