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Dieses Thema hat 28 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
Seiten 1 | 2
ewok2003 Offline




Beiträge: 1.290

06.08.2009 22:19
#16 RE: 11 Uhr 20 (1969/70, TV) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #15
Vielleicht war es doch gut, dass es keinen weiteren gab.

Naja ... einen weiteren Dreiteiler gab es zwar nicht mehr. Aber immerhin noch den Reinecker-ZDF-Film "Hotel Royal" mit Fuchsberger, Braun u.a.

Gruß, Ewok

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

06.08.2009 22:47
#17 RE: 11 Uhr 20 (1969/70, TV) Zitat · antworten

Der würde mich natürlich auch noch interessieren. Die Besetzung muss wieder einmal großartig sein und mit 90-minütiger Spielzeit dürfte es auch weniger Raum für Längen geben als bei "11 Uhr 20". Doch leider scheint es ja keine Möglichkeit zu geben, an den Film zu kommen - ausgenommen eine sündhaft teure Einzelkopie vom ZDF.

Georg Offline




Beiträge: 2.969

06.08.2009 22:47
#18 RE: 11 Uhr 20 (1969/70, TV) Zitat · antworten

... der wurde allerdings vor "11 Uhr 20" produziert und stammt nicht von Reinecker, sondern von Answald Krüger und Maria Matray. Regie führte aber schon Wolfgang Becker.

Georg Offline




Beiträge: 2.969

26.09.2009 15:22
#19 RE: 11 Uhr 20 (1969/70, TV) Zitat · antworten

Habe heute einige alte Zeitungsartikel aufgearbeitet und zwei - wie ich finde - sehr interessante Zeitungsartikel zu "11 Uhr 20" und den Dreharbeiten hochgeladen:

http://krimiserien.heimat.eu/fernsehspiele/1970-11uhr20.htm

Lobbykiller Offline



Beiträge: 9

14.05.2010 12:20
#20 RE: 11 Uhr 20 (1969/70, TV) Zitat · antworten

Starker Straßenfeger, wie alle Reineckers. Find ich sogar einen Tick besser als die Durbridges, weil sie, wie jemand hier treffend sagte, mehr dramatisches Salz haben, oder wie ich sage, mehr Groove (bis auf "Das Messer" und "Die Kette"). Man könnte Peter Thomas fast schon als den Godfather der Musikrichtung Crime Funk sehen, weil er bereits Ende der 60er diese spezielle Rhythmik und Melodik beherrschte, die die menschliche Motorik im absoluten Zentrum kitzelt, während Blaxploitation ja erst ab 1971 so richtig losging. Das Stück "Spiral Angst" ist auf jeden Fall ein Crime-Funk-Meilenstein, ein absoluter Psychobeat Sure Shot. Leider wird es im Film etwas unpassend eingesetzt. Dafür gibt's aber noch ein paar unveröffentlichte Grooves, z.B. bei ca. Minute 8:00 in Teil 2.

5 von 5 Punkten!

Jan Offline




Beiträge: 1.331

14.05.2010 12:40
#21 RE: 11 Uhr 20 (1969/70, TV) Zitat · antworten

Zitat von Lobbykiller im Beitrag #20
Man könnte Peter Thomas fast schon als den Godfather der Musikrichtung Crime Funk sehen, weil er bereits Ende der 60er diese spezielle Rhythmik und Melodik beherrschte, die die menschliche Motorik im absoluten Zentrum kitzelt, während Blaxploitation ja erst ab 1971 so richtig losging.

Fürwahr! Peter Thomas sagt, er habe bereits früh aus der Not, nicht mit 20 Mann orchestrale Stücke einspielen zu können, eine Tugend gemacht und Funktionen, die normalerweise dem Schlagzeug zugeschrieben wurden, den Klanginstrumenten gegeben. Das macht ein Stück weit den typischen Peter-Thomas-Sound aus. Gerade der Score zu "11 Uhr 20" ist ihm m.E. meisterhaft gelungen! "Verräter" und "Der Gorilla von Soho" sind ähnlich gelagert!

Gruß
Jan

Lobbykiller Offline



Beiträge: 9

14.05.2010 12:56
#22 RE: 11 Uhr 20 (1969/70, TV) Zitat · antworten

Exakt! Das Title Theme von DER GORILLA VON SOHO ist auch ein Milestone in dieser Hinsicht. Er hat diesen Style in den 70ern dann noch weiter entwickelt bei seinen Arbeiten für das deutsche Library Label GOLDEN RING, die z.T. auch auf dem sehr guten Sampler MOONFLOWERS & MINISKIRTS drauf sind, eben wie auch vier Stücke aus "11 Uhr 20".

Aber einiges ist auch noch nicht veröffentlicht, wenn man mal in einige Kommissar- und Derrick-Folgen reinhört, da läuft ganz viel von seinem Golden-Ring-Stuff. Empfehlen kann ich diesbezüglich:

[Golden Ring] - A 30 024 RM - Peter Thomas - Orion 2000 (1975)

Ray Offline



Beiträge: 1.089

26.05.2016 23:22
#23 RE: 11 Uhr 20 (1969/70, TV) Zitat · antworten

11 Uhr 20 (BRD 1969)

Regie: Wolfgang Becker:

Darsteller: Joachim Fuchsberger, Friedrich Joloff, Werner Bruhns, Christiane Krüger, Nadja Tiller, Götz George, Vadim Glowna, Peter Carsten, Ann Smyrner, Konrad Georg, Jochen Busse, Gila von Weitershausen, Anthony Steele, Esther Ofarim u.a.



Auch den dritten Teil der "Reinecker-Trilogie" habe ich mir mal wieder angesehen. Ich muss in vielen Punkten meinen Vorrednern zustimmen. Man hat bisweilen das Gefühl, dass die Spannung stetig abnimmt anstatt anzusteigen. In den ersten furiosen Minuten fällt eigentlich nur Gila von Weitershausen mit ihrem ausbaufähigen Schauspiel, ihrer seltsamen Frisur und dem Transparenz-Look inklusive Wet-Shirt-Einlage (die 70er standen eben vor der Tür) negativ auf. Fuchsberger und von Weitershausen wirken als Paar absolut unglaubwürdig. Und dann soll sie ihn auch noch verlassen haben wollen. Aha... Der Zuschauer ist mitten im Geschehen und ist regelrecht geschockt von dem Doppelmord. Zwangsläufig drängen sich fragen auf, die nach Beantwortung lechzen. Wie will Blacky da nur heil herauskommen? Und natürlich: Wer steckt dahinter?

Nach dem packenden ersten Teil geht mit dem Wechsel der Szenerie in der Tat die Stringenz verloren. Dass es anders gehen kann, hat man in "Der Tod läuft hinterher" bewiesen, wo der Wechsel von London nach Paris wesentlich besser abgefedert werden konnte. So schön die exotischen Landschaften anzusehen sind, muss man sich dennoch eingestehen, dass sie für diese Art Film nicht ideal sind. Lieber den x-ten Krimi in und um London als Motive wie im "Traumschiff". Hier lenken die Landschaften mitunter doch sehr von der eigentlichen Krimihandlung ab.

Im dritten Teil ist es dann so, dass die Karten im Grunde auf dem Tisch liegen. Trotzdem schickt das Drehbuch den armen Blacky von Verdächtigen zu Verdächtigen, ohne dass es wirklich vorangeht. Die ein oder andere Tanz- und Gesangseinlage hätte man sich im Übrigen ebenfalls schenken können. Wieder wird das Tempo im letzten Teil arg herausgenommen. Das ändert sich mit den packend inszenierten und erzählten Rückblenden. Das tatsächliche Ende kommt dann was plötzlich, geht aber in Ordnung.

Fuchsberger macht seine Sache gut, wenngleich er in den emotionalen Szenen zu Anfang bisweilen an sein schauspielerisches Limit gerät. Trotz allem bleibt er stets authentisch, weswegen seine Performance insgesamt abermals überzeugt. Ansonsten hat es mich gefreut, Werner Bruhns einmal auf größerer Bühne zu sehen, da er der ein oder anderen kleineren Produktion schon seinen Stempel aufdrücken konnte. Wunderbar unterkühlt und arrogant die Darstellung von Nadja Tiller. Auch Christiane Krüger weiß nicht nur optisch zu gefallen. Sie hätte man gerne noch öfter im Genre gesehen.

Die Musik von Peter Thomas "fetzt" ordentlich, wirkt allerdings bemüht "orientalisch".


"11 Uhr 20" kann zwar nicht mit seinen Vorgängern mithalten, dafür ist das Spannungsgefälle zwischendrin zu groß. Trotzdem ist mir der Abschluss der Reinecker-Trilogie wegen der abermals tollen Darsteller-Riege und des großen Produktionsaufwands mit etwas Wohlwollen gerade noch 4/5 Punkten wert.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

19.10.2018 21:45
#24 RE: 11 Uhr 20 (1969/70, TV) Zitat · antworten



11 Uhr 20 (Teil 1: Mord am Bosporus)

Teil 1 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1969. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Joachim Fuchsberger (Thomas Wassem), Gila von Weitershausen (Maria Wassem), Konrad Georg (Herr Konrad), Götz George (Muller), Anthony Steel (Carlsson), Werner Bruhns (Edoardo Minotti), Christiane Krüger (Andrea Minotti), Ann Smyrner (Helga Kessler), Karl Walter Diess (Brocca), Muzaffer Tema (Polizeioffizier) u.a. Erstsendung: 8. Januar 1970. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion für das Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von 11 Uhr 20 (Teil 1: Mord am Bosporus)
An ihrem letzten Urlaubstag geben die Istanbul-Touristen Thomas und Maria Wassem auf dem Postamt nur rasch ein Telegramm in die Heimat auf. Als sie zu ihrem Wagen zurückkehren, sitzt darin die Leiche des deutschen Ingenieurs Dr. Vogt. Um diplomatische Verwicklungen mit den türkischen Behörden zu vermeiden, beschließen die Wassems, sich des Toten unbemerkt zu entledigen – allerdings passiert dabei ein schrecklicher „Unfall“, bei dem auch Maria Wassem stirbt. Ihr Ehemann gerät unter Verdacht, sie umgebracht und die Geschichte mit Vogt nur erfunden zu haben, denn der Leichnam des Mannes verschwindet auf mysteriöse Weise. Es gibt aber eine Spur: die Tänzerin, die jetzt im Hotelzimmer des Ermordeten wohnt. Über sie und den Hotelier Brocca gerät Wassem an Vogts Berufskollegen Muller sowie den schießwütigen Nachtclubkönig Carlsson ...


Nach den in den klassischen Krimiländern angesiedelten Mehrteilern „Der Tod läuft hinterher“ und „Babeck“ wagten Helmut Ringelmann, Herbert Reinecker und Wolfgang Becker den Clou, die bisherige Grenze für Mehrteilerschauplätze auszutesten und „11 Uhr 20“ in Istanbul anzusiedeln. Zahlreiche Aufnahmen vor Ort sowie die Mitwirkung einiger türkischer Darsteller in kleineren Rollen verleihen dem ersten Teil des Mordkomplotts ein exotisches Flair und setzen zudem ein klares Zeichen bezüglich des unverminderten Aufwands, den Ringelmanns Neue Münchner Fernsehproduktion in die Auftragsarbeiten fürs ZDF investierte: Man wollte mit den Dreiteilern in der ersten Liga des Fernsehkrimis mitspielen und auch die zunehmend technisch ausgefeilten Durbridge-Krimis ausstechen. Bestandteil dieser Strategie war auch, noch vor „Wie ein Blitz“ (Ausstrahlung im April 1970, drei Monate nach „11 Uhr 20“) die Farbära für die mehrere Abende füllenden Fernsehspiele einzuläuten. Kameramann Rolf Kästel nutzte deren Wirkungspotenzial sehr ansprechend aus: Neben einer im Ganzen eher gedeckten Farbpalette warmer Sonnentöne stechen einige attraktive Akzente heraus, die in gewisser Weise auch schon die langsam anklingenden Siebzigerjahre verraten: knallrote Titeltafeln, Carlssons ebenso unverkennbar roter Chevrolet oder eine ins tiefe Lila schillernde Nachtstimmung.

Optische Leckerbissen und die atemberaubende inhaltliche Entwicklung gehen allerdings Hand in Hand: Das tragische und bedrohliche Dilemma von Thomas Wassem wird nicht nur schneller, ungeduldiger zur Sprache gebracht als etwa jenes von Manfred und Marianne in „Babeck“, sondern ist auch deshalb umso effektiver, als man den Helden den Tod seiner Ehefrau fast leibhaftig miterleben lässt. Im Gegensatz zu Edward Morrison oder Marianne Hohmann, die aufgrund eigener Abwesenheit erst nachträglich vom Verschwinden ihrer Verwandten erfahren und daraufhin erst einmal klären müssen, was überhaupt geschehen ist, hat Wassem von Anfang an tödliche Gewissheit und somit eine umso stärkere Motivation. Die Szene, in der Maria Wassem stirbt, sowie jene, die ihrem Tod vorausgehen, werden von Joachim Fuchsberger und Gila von Weitershausen sehr sympathisch und glaubwürdig umgesetzt, sodass auch der Zuschauer ein ernsthaftes Interesse an der Aufklärung des Todesfalls erhält, wohingegen man z.B. Alice Morrison nur von einem Foto her kannte und deshalb nicht gar so eng mit Edward Morrison in Allianz stand. Man sieht Thomas Wassem daher großzügig nach, dass er sich den türkischen Behörden auf illegale Weise entzieht; offenbar versuchte man hier, dem Sonnyboy Fuchsberger ein raueres, eigensinniges Rollenimage zu verpassen (er ist es zum Beispiel auch, der den Fund der Leiche Dr. Vogts von Anfang an vertuschen will und seine Frau dazu anhält, dessen Taschen zu durchsuchen). Die möglichen Konflikte, in die er als Tourist im islamischen Land mit Ämtern und Justiz geraten kann, sowie das abschreckende Niveau türkischer Gefängnisse werden mehrfach offen angesprochen, auch wenn die offiziellen Stellen bei den Dreharbeiten in Istanbul laut damaliger Schilderungen vom Dreh sehr bedacht darauf waren, dass die Türkei nicht negativ dargestellt wird.

Während Edward Morrison in „Der Tod läuft hinterher“ und Manfred Krupka in „Babeck“ vom ersten Teil an mit einer weiblichen „Assistentin“ ausgestattet wurden, verzichtete man aus naheliegenden Gründen darauf, Wassem nach dem Tod seiner Frau eine solche an die Seite zu stellen. Der Protagonist agiert eher als Einzelkämpfer und stellenweise wundert es, wie frei er sich bewegen kann, obwohl die Zeitungen seine Fahndungsbilder in ganz Istanbul verbreiten. Eine nicht ganz so zentrale, aber vergleichbare Aufgabe als Unterstützer des Privatermittlers erfüllt Konrad Georg als gutmütiger, aber hasenfüßiger Mitarbeiter des deutschen Konsulats auf darstellerisch beeindruckende Weise. Wer ihn eher aus bestimmenden oder abstoßenden Rollen kennt, wird sich über Georgs Wandlungsfähigkeit wundern. Eher die von ihm immer wieder abbonierte Rolle des Schurken aus der zweiten Reihe verkörpert Karl Walter Diess, der sich in einer immerhin kuriosen Besetzung als einheimischer Hotelrezeptionist Brocca frühe Ringelmann-Sporen verdient. Ebenfalls in ihr typisches Fach schlagen Götz George und Werner Bruhns als undurchsichtige Hintermänner mit sehr unterschiedlichen Methoden; einen dazu passenden Auftritt, gefährlich wie eine Klapperschlange, liefert auch Anthony Steel als kaltblütiger Herr Carlsson. Neben dem Mord an Maria Wassem ist der Moment, in dem Carlsson seinen Handlanger abserviert, der wohl schockierendste des ersten Teils – beide Szenen sprechen eine deutlich härtere Sprache als z.B. die eher wohligen Deduktions-„Spiele“ bei Francis Durbridge.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

20.10.2018 21:45
#25 RE: 11 Uhr 20 (1969/70, TV) Zitat · antworten



11 Uhr 20 (Teil 2: Flucht in die Sahara)

Teil 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1969. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Joachim Fuchsberger (Thomas Wassem), Vadim Glowna (Lassowski), Götz George (Muller), Friedrich Joloff (Dr. Arnold Vogt), Werner Bruhns (Edoardo Minotti), Christiane Krüger (Andrea Minotti), Anthony Steel (Carlsson), Hans-Michael Rehberg (Schmoll), Nadja Tiller (Maja Korska), Esther Ofarim (Miriam) u.a. Erstsendung: 9. Januar 1970. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion für das Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von 11 Uhr 20 (Teil 2: Flucht in die Sahara)
Die Polizei in Istanbul findet die verschwundene Leiche aus dem Auto der Wassems und stellt fest, dass es sich dabei gar nicht um Dr. Vogt, sondern um den Lastwagenfahrer Korska handelt, der für Muller und Dr. Vogt gearbeitet hat. Muller, Carlsson und Minotti verschwinden zum gleichen Zeitpunkt aus Istanbul – Thomas Wassem reist ihnen nach Tunis hinterher, wo er auch die Bekanntschaft von Korskas Frau und Schwager macht. Während Maja Korska mit Minotti in Verbindung steht, versucht ihr Bruder Lassowski, Thomas Wassem bei seiner gefährlichen Jagd nach den Hintermännern zu helfen. Gemeinsam überwältigen sie nicht nur Muller, sondern schlagen sich auch quer durch die Sahara zum echten Dr. Vogt durch. Dieser nimmt am Südrand der Wüste sensible geologische Versuchsbohrungen vor, für die verschiedene Interessenten über Millionenbeträge und Leichen gehen ...


Die zügige Entwirrung der im ersten Teil noch unlösbar scheinenden Verwicklungen in Istanbul überrascht den Zuschauer ebenso wie die unvermittelte Verlagerung des Geschehens nach Tunis und in die menschenfeindliche Wüstenhitze. Damit einher geht eine unverkennbare Änderung der filmischen Prioritäten: Was wie alle anderen Reinecker-Dreiteiler als Mordrätsel begann, entwickelt sich auf einmal in Richtung eines Abenteuer- oder Actionstreifens, bei dem es eher auf die Verfolgung und Unschädlichmachung bereits bekannter Gegner ankommt als auf Kombinationsgabe und Befragungen. So besteht der zweite Teil von „11 Uhr 20“ im Wesentlichen daraus, dass Wassem den ausgemachten Schurken Muller, Minotti und Vogt nachstellt und dabei von einer Falle in die nächste tappt. Ob eine Drahtschlinge im Schlafsaal, verschiedene Schusswechsel mit Muller oder das Beinahe-Verdursten allein in der Sahara – man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass hier einfach nur Lehrbuchweisheiten aus der Kategorie „Wie stellt man den Protagonisten vor gefährliche Herausforderungen“ wie Perlen an einer Kette aufgereiht werden, um die notwendige Laufzeit zu füllen. Die Dichte neuer Erkenntnisse hält sich nämlich in engen Grenzen: Während bei „Der Tod läuft hinterher“ und „Babeck“ immer neue Wendungen für Unterhaltsamkeit sorgten, macht „11 Uhr 20“ zwar gleich zu Beginn des zweiten Teils eine 180-Grad-Drehung, verläuft dann für die übrigen 60, 65 Minuten überraschungslos ab.

Natürlich muss man attestieren, dass Joachim Fuchsberger alle Challenges mit Bravour meistert; „11 Uhr 20“ forderte dem 42-jährigen Schauspieler gerade körperlich Vieles ab. Hervorzuheben ist insbesondere die atmosphärische Kampfsequenz mit dem verschlagenen Hans-Michael Rehberg, in der sich die beiden Mimen zunächst um die todbringende Drahtschlinge und anschließend um eine in Brand geratene Öllampe balgen. Regisseur Becker versteht es, in solchen Momenten immer wieder einmal den Adrenalinspiegel hochkochen zu lassen, verschenkt die Wirkung solcher Szenen jedoch mit erheblich zu viel Leerlauf zwischendurch. Es ist daher erstaunlich, dass gerade dieser eher auf Schau- und Actionwerte konzentrierte Mehrteiler und nicht die deutlich komplexeren Vorgänger für eine nachträgliche Übertragung in Romanform ausgewählt wurde.

Zitat von Volker Helbig. Herbert Reineckers Gesamtwerk: Seine gesellschafts- und mediengeschichtliche Bedeutung. Wiesbaden: DUV, 2007. S. 288
Ab 1970 wendet sich Reinecker mit einer bislang nicht gekannten Intensität dem Buchmarkt zu [...]. 11 Uhr 20 erscheint noch im Jahr 1970 als Kriminalroman im Münchner Gersbach-Verlag, wobei diesem Band noch jeder äußere Verweis auf den gleichnamigen dreiteiligen Fernsehfilm fehlt [...]. Ein expliziter Produktverbund findet erst mit der zweiten Auflage statt, die dem Roman zu seinem eigentlichen Erfolg verhilft: 1973 bringt der Goldmann-Verlag eine wesentlich weiter verbreitete Taschenbuchversion auf den Markt, die vorderseitig den Hinweis führt: „Das aufsehenerregende Fernsehspiel – jetzt als Taschenkrimi!“ 11 Uhr 20 ist ein für Reinecker-Verhältnisse recht aktionsgeladener, stark vom amerikanischen Detektivroman beeinflusster sowie mit Exotik- und Abenteuerelementen durchsetzter Krimi, der in Istanbul und Tunis spielt und in dem die ermittelnde Hauptfigur Thomas Wassem als Ich-Erzähler fungiert.


Während Bruhns und Steel sowie Krüger und Tiller in diesem Teil nur verhältnismäßig kleine Posten bekleiden, schlägt hier nun die Stunde von Vadim Glowna und Götz George. Glowna gibt den loyalen, zu einfachen (brutalen) Lösungen neigenden Ko-Ermittler mit naiver Gutgläubigkeit, sodass es schade ist, dass er bereits im gleichen Teil wieder abserviert wird. Umso gefährlicher stellt sich das Unterfangen natürlich für Wassem dar, der sich nicht dauerhaft auf Unterstützung verlassen kann. George dagegen bietet das beeindruckende Arsenal eines durchtriebenen Opportunisten auf, der – sobald andere die Oberhand über ihn haben – geradezu hündisch winselt, dann aber zu geradezu enervierender Selbstsicherheit zurückfindet, sobald er glaubt, wieder Oberwasser zu haben. Insgesamt ist sein Herr Muller sicher kein cleverer Strippenzieher und hat sich mit dem Unterfangen, in das er sich eingelassen hat, eindeutig übernommen – seine Gefährlichkeit entspricht vielmehr der eines in die Enge getriebenen Tieres.

Die Frage, die sich am Ende des zweiten Teils von „11 Uhr 20“ stellt, ist, ob sich eigentlich überhaupt noch relevante Fragen stellen. Der Fall wirkt dank der Erläuterungen Friedrich Joloffs einigermaßen klar und die Rollen der Verbrecher sogar noch eindeutiger als in „Der Tod läuft hinterher“ und „Babeck“.

Georg Offline




Beiträge: 2.969

21.10.2018 17:26
#26 RE: 11 Uhr 20 (1969/70, TV) Zitat · antworten

Ja, die Schauwerte nehmen in 11 Uhr 20 ganz eindeutig zu Lasten der Spannung und Handlungsentwicklung zu. Überhaupt hat Reinecker hier in meiner Erinnerung eine Ansammlung an Unwahrscheinlichkeiten zusammengestellt, die er später kaum übertroffen hat. Man müsste sie alle mal mitschreiben. Ganz abgesehen davon, dass drei, vier Figuren plötzlich an jedem Handlungsort (und die Orte sind ja hunderte Kilometer voneinander entfernt) "plötzlich" auftauchen. Beim letzten Sichten des Dreiteilers habe ich mir öfters nur kopfschüttelnd die Frage gestellt, wieso eine Figur in einer Situation so oder so handelt. Warum steigt zum Beispiel Peter Carsten ÜBERHAUPT in den Wagen von Fuchsberger/Weitershausen ein, wenn er um sein Leben fürchten muss? Total unlogisch. Einen der größten Fauxpas in der Handlung stellt allerdings das Agieren Konrad Georgs als Botschaftsangestellter auf. Was ist das für ein Botschafter, der sich BEVOR er sich mit Fuchsberger unterhalten hat, die türkischen Behörden einschaltet, ohne zuvor mit ihm auch nur einmal gesprochen zu haben? "Nur", weil die Eltern der Toten den Verdacht geäußert haben, es handle sich um Mord. Gilt denn in deutschen Botschaften im Ausland keine Unschuldsvermutung? Nein, das ist ein gravierender Fehler in der Handlung!
Auch der Filmtitel ist letztlich unpassend, da er auf eine Bagatelle in der Handlung beruht. Da hätte der Titel genauso "Blaues Meer" oder "Weißes Auto" sein können, weil beides in der Handlung mal vorkommt :). Nein, gerade Logikfans werden in 11 Uhr 20 arg enttäuscht.
Das klingt jetzt alles so, als ob ich den Film nicht mag. Das ist nicht so. Super Besetzung. Tolle Schauplätze. Auch die Rückblende am Ende ist wunderbar und entschädigt. Teil 1 ist unglaublich spannend, endet mit einem herausragenden Cliffhanger. Für mich bleibt aber immer der Wermutstropfen, dass es letztlich nur "Böse" gibt und es da wirklich egal ist, wer denn nun letztlich Ausführender des Mordes an Peter Carsten war. Wäre ich Redakteur gewesen, ich hätte Reinecker da einiges nochmals überarbeiten lassen. Aber damals hatte ja Ringelmann das Sagen und Reinecker stets freie Hand...

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

21.10.2018 22:15
#27 RE: 11 Uhr 20 (1969/70, TV) Zitat · antworten



11 Uhr 20 (Teil 3: Tod in der Kasbah)

Teil 3 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1969. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Joachim Fuchsberger (Thomas Wassem), Werner Bruhns (Edoardo Minotti), Christiane Krüger (Andrea Minotti), Friedrich Joloff (Dr. Arnold Vogt), Peter Carsten (Korska), Nadja Tiller (Maja Korska), Esther Ofarim (Miriam), Götz George (Muller), Paul Hoffmann (Johnston), Jochen Busse (Henk) u.a. Erstsendung: 11. Januar 1970. Eine Produktion der Neuen Münchner Fernsehproduktion für das Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von 11 Uhr 20 (Teil 3: Tod in der Kasbah)
Auch nachdem klar ist, welche Beweggründe Minotti, Muller und Vogt dafür haben, einander nach Leben und Dokumenten zu trachten, ist Thomas Wassem noch immer fest entschlossen, den genauen Schuldigen für die Morde an Korska und seiner Frau zu entlarven. Die Verbrecher wollen hingegen nicht zulassen, dass der neugierige Wassem das Geschäft ihres Lebens durchkreuzt, und schicken ihn daher auf einen Spießrutenlauf: Unter anderem muss er sich vor mehreren maskierten Messermännern in Sicherheit bringen, die ihn abends in der Kasbah angreifen. Auch die Sängerin Miriam, die mehr weiß, als dem Haupttäter lieb ist, muss ihr Leben lassen. Sie fertigt zuvor jedoch Kopien der allentscheidenden Unterlagen an, die Thomas Wassem schließlich in die Lage versetzen, Vogt ein schwerwiegendes Geständnis abzuringen. Doch dieses ist nur ein Teil der ganzen Wahrheit ...


Nachdem Teil 2 von „11 Uhr 20“ hauptsächlich in der Sahara angesiedelt war, kehrt Teil 3 wieder in das städtische Umfeld von Tunis zurück, was beim Drehstab wohl für einige Erleichterung gesorgt haben dürfte. Hatten Becker und Co. in der Wüste Hitze und Trockenheit zu finden gehofft, so wurden sie von schweren Überschwemmungen und Stürmen heimgesucht, die nicht nur das Drehen einiger Szenen deutlich erschwerten, sondern die NMF-Leute teilweise auch von der Außenwelt abschnitten. Vielleicht ist darin einer der Gründe für den schleppenden (womöglich nicht so wie gewünscht ausgefallenen?) zweiten Teil zu suchen, denn sobald die Kasbah zum Hauptschauplatz avanciert, steigt auch die Spannung wieder spürbar an. Die letzten 70 Minuten liefern zwar keine spektakulären Überraschungen mehr und entsprechen teilweise der bereits erwähnten Strategie, mit endlosen Anschlägen auf Thomas Wassem Sendezeit zu schinden, werden aber immerhin wieder stärker von der Frage nach dem Wer und Warum angetrieben. Zudem weitet sich im urbanen Umfeld das Figurenensemble wieder auf, was den hoch in allen Abspännen gelisteten Damen Christiane Krüger, Nadja Tiller und Esther Ofarim endlich einmal etwas mehr Aufmerksamkeit garantiert – wenngleich ihre Rollen sicher dennoch weit von weiblichen Hauptrollen entfernt sind. Krüger hätte sicher das Zeug dazu gehabt, wird aber eher für einen tragischen Ausgang zurückgehalten; auch das rabiate Ende der Sängerin Miriam (Ofarim) entfaltet eine ergreifende Wirkung.

Reinecker nutzt zur Aufklärung diesmal im Gegensatz zu „Der Tod läuft hinterher“ oder „Babeck“ kein Showdown-Finale. Da Wassem keine Beweise, sondern lediglich Druckmittel in der Hand hat, ist er auf umfangreiche Geständnisse angewiesen, die in dynamischen Rückblenden erzählt werden und Gila von Weitershausen sowie Peter Carsten (Korska) noch einmal kurzfristig eine Bühne einräumen. Man muss sich natürlich fragen, wie kriminalistisch nachhaltig es ist, dass sich Fuchsberger die Lösung einfach nur von den Mitwissern erzählen lässt, nachdem er die prinzipielle Verdächtigengruppe schon viel früher eingegrenzt hatte – einen großen Kombinationserfolg kann er jedenfalls selbstständig hier nicht landen. Diesbezüglich erweist sich das Drehbuch als fauler als in den bisherigen Mehrteilern; der letzte Eindruck ist aber dennoch positiv, weil Wassem immerhin ein als Notwehr getarnter Moment der Rache am Mörder seiner Frau gegönnt wird. Fuchsberger schließt hier den Bogen zu seinem aufgewühlten, wütenden Auftreten zu Beginn des Mehrteilers.

Eine ansprechende Begleitung zu den südländischen Aufnahmen des Mehrteilers bietet die Musikuntermalung von Peter Thomas, die zwar bei Weitem nicht die Einprägsamkeit seiner Arbeit zu „Babeck“ erreicht, aber dafür noch ein Stück treibender, aufpeitschender ausfällt. Ein wenig erinnert sie an eine orientalische Version der Sam-Spence-Vertonung von „Wie ein Blitz“ – damit verraten beide Scores ihre Zeitherkunft nur zu deutlich. Ergänzend werden dem musikalisch geneigten Zuschauer zwei sehr unterschiedliche Vokalstücke (beide nicht aus Thomas’ Feder) präsentiert – Donna Summers „Black Power“ und die von Ofarim gesungene Volksweise „Black Is the Color of My True Love’s Hair“. Gerade letztere bleibt längere Zeit hängen und verleiht dem so rauhen Mehrteiler eine wehmütige, nachdenkliche Seite.

Inhaltlich und in Bezug auf sein Durchhaltevermögen bleibt „11 Uhr 20“ eindeutig hinter den anderen beiden Reinecker-Mehrteilern zurück. Es wäre vielleicht sinnvoll gewesen, nicht nur Schauplätze und Darsteller, sondern auch Story-Grundkonstrukt und Rollentypen zwischen den drei Krimis stärker zu variieren. Das allerdings recht starre Konstrukt, das sie sich alle teilen, hätte ein nochmaliges Aufwärmen ein Jahr später dann nicht mehr erlaubt, sodass es trotz allen Bedauerns in Ordnung geht, dass man nach „11 Uhr 20“ die großen Ringelmann-Dreiteiler einstellte. „11 Uhr 20“ überzeugt zwar noch durch einen starken Joachim Fuchsberger sowie die exotische Machart, aber ist eindeutig mindestens 30, vielleicht eher 45 Minuten zu lang – eine ungewohnte Nachlässigkeit gerade bei Wolfgang Becker. 3 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.089

21.10.2018 23:06
#28 RE: 11 Uhr 20 (1969/70, TV) Zitat · antworten

Dann haben sich, wenn ich das richtig verfolgt habe, sämtliche ersten Eindrücke bei dir bestätigt. Danke für die ausführlichen Besprechungen. Wäre wohl der ideale Zeitpunkt, um mit "Das Mädchen von Hongkong" "in Verlängerung" zu gehen. Storytechnisch knüpft der, wie ja im betreffenden Thread schon mal geschrieben wurde, ein Stück weit an die Reinecker-Trilogie an. Als verbindendes Element ist wiederum Fuchsberger in der Hauptrolle zu sehen. Sicher kein Meilenstein, aber annehmbares 1970er-Jahre-Unterhaltungskino.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

24.10.2018 20:55
#29 RE: 11 Uhr 20 (1969/70, TV) Zitat · antworten

@Georg: Ich kann dir nur vollends zustimmen. Was die logischen Schwächen von "11 Uhr 20" angeht, so habe ich einige davon bei meinen älteren Besprechungen angeführt. Ich stellte mir die gleichen Fragen - und auch die, warum der Titel so explizit auf die eigentlich völlig irrelevante Todeszeit abhebt - beim aktuellen Sehen erneut. Da laufen einige Fäden ins Leere - und insgesamt hat mich das Endergebnis auch nicht so mitgerissen, dass ich jetzt den Elan hätte, nachzulesen, ob das im Roman genauso ist.

@Ray: Kurioserweise haben sich die Eindrücke zu den beiden Mehrteilern, an die ich mich so gut wie gar nicht mehr erinnern konnte - "Babeck" und "11 Uhr 20" - fast 1:1 bestätigt. Bei "Der Tod läuft hinterher" würde ich sagen, dass ich diesmal noch deutlich mehr als bei vorherigen Sichtungen überzeugt und positiv überrascht war. Ich denke wirklich, dass man es dabei mit einem der stärksten Mehrteiler der 60er-Jahre zu tun hat (auf einem Niveau mit "Melissa", "Wie ein Blitz" oder "Die Gentlemen bitten zur Kasse"). Die anderen beiden sacken dann aber jeweils kontinuierlich ein bisschen ab.

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