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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.375

12.02.2017 14:45
#721 RE: Grand Prix Zitat · antworten

"Unser Song für Kiew 2017" sollte frischen Wind in die Suche nach dem deutschen Teilnehmer am Eurovision Song Contest bringen. Deshalb beschränkte man sich auf fünf unbeschriebene Blätter, um ein Ungleichgewicht zwischen etablierten Namen und Musikamateuren zu vermeiden. Vier Damen und ein Herr buhlten um die Gunst der Zuschauer und der dreiköpfigen Studio-Jury, die aus Tim Bendzko, Lena und Florian Silbereisen bestand. Unter der gewohnt flotten Moderation von Barbara Schöneberger stellte sich jeder ausführlich vor und erzählte Persönliches und Berufliches. Mein Herz eroberte sofort die kleine Helene Nissen, die ihre Aufregung kaum verbergen konnte und auch nicht wollte, was ihr viele Sympathiepunkte einbrachte. Voller Esprit und mit großer Liebe zur Musik legte sie einen ungekünstelten Auftritt hin ("Folsom Prison Blues"), der sich erfrischend von mancher Kollegin abhob, die mit einem harmlosen Popsong auf Nummer Sicher gehen wollte. Obwohl ich ahnte, dass es am Ende nicht reichen würde und Helenes Nerven bei einer tatsächlichen Nominierung flattern würden wie ihr Pferdeschwanz im Wind, war sie mein "Guilty Pleasure". Yosefin Buohler sang wie ein Profi, konnte mich jedoch nicht überzeugen. Zu divenhaft und mürrisch und zu "showmäßig" war ihr Gehabe. Felicia Lu Kürbiß war nett, aber das Lied relativ unspektakulär. Axel Maximilian Feige legte Leidenschaft in sein Lied, das an große Action-Reißer erinnerte. Souverän Levina mit ihrem präzisen Auftritt, leider auch hier ein belangloses Lied. Hoffentlich kann hier noch nachgebessert werden. Die Kommentare der Jury klangen aufmunternd, ehrlich und/oder um nette Worte bemüht. Während Lena, die auf mich recht überkandidelt wirkte und nicht einmal mehr wusste, wie alt sie vor sieben Jahren war, oft über ihre Zunge stolperte, weil sie eigentlich etwas anderes sagen wollte, überzeugte Florian Silbereisen durch seine freundliche Wertschätzung der Kandidaten und seine Ratschläge.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.508

12.02.2017 15:32
#722 RE: Grand Prix Zitat · antworten

Dass sich zum deutschen Vorentscheid erst Tage später hier geäußert wird, kann man getrost als Reflexion der Belanglosigkeit sehen, die uns NDR und ARD am Donnerstag auftischten. Ich will eigentlich gar nicht viel darüber schreiben. Levina stellte sich schon in Runde 1 als eindeutig kompetenteste Interpretin heraus und ihr Sieg war von Anfang an absehbare Formsache, die ich nur ausdrücklich befürworten kann. Dass der NDR aber glaubt, mit solchen Restposten-Liedern wie "Wildfire" und "Perfect Live" (das es letztlich geworden ist) beim ESC auch nur einen Blumentopf zu gewinnen, kann nur als absolut illusorisch bezeichnet werden - gerade wenn man die Arrangements dann auch noch durch die Bank weg im senderzielgruppenbedingten Rentnerseich versinken lässt. Es tut mir für Levina echt Leid, dass sie mit so einem inkompetenten Team zusammenarbeiten muss. Für sie hoffe ich, dass sie ein paar Punkte zusammenkratzen können wird - für den NDR und vor allem Thomas Schreiber hoffe ich, dass es einen dritten 26. Platz in Folge für Deutschland geben wird - vorzugsweise mit nil points, damit endlich einmal ernstliche Konsequenzen (und damit meine ich in erster Linie auch personelle und nicht die 27. Verschlimmbesserung des Auswahlverfahrens) gezogen werden.

Platz 01 (2,0 Punkte) - #03: Levina - Wildfire
Platz 02 (1,5 Punkte) - #05: Levina - Perfect Life
Platz 03 (1,0 Punkte) - #01: Helene Nissen - Wildfire
Platz 04 (1,0 Punkte) - #04: Axel Feige - Perfect Life
Platz 05 (1,0 Punkte) - #02: Axel Feige - Wildfire

Count Villain Offline



Beiträge: 3.782

12.02.2017 16:30
#723 RE: Grand Prix Zitat · antworten

Auch wenn ich die Anziehungskraft des italienischen Beitrags durchaus verstehen kann, halte ich es in Bezug auf den besten Big-5-Beitrag lieber klassisch französisch mit Alma und Requiem.



Und natürlich sollten in dieser Big-5-Auswahl-Woche natürlich unser eigener Beitrag Levina mit Perfect Life und der spanische Manel Navarro mit Do it for your lover hier auch noch mit Video vorgestellt werden. Während bei uns die beste Sängerin mit einem doch recht harmlosen Song gewonnen hat, plätschert der spanische ebenfalls ziemlich höhepunktlos daher, bescherte der Fangemeinde aber einen unterhaltsamen Vorentscheid-Abend, als zu befürchten stand, dass das Publikum aufgebracht die Bühne stürmt, nachdem das Regelsystem bei dem Gleichstand zwischen Manel und der Bai-la-la-la-la-Queen Mirela dem Jury- statt dem Publikumsliebling den Vorzug gab. Ich persönlich bin allerdings froh, dass dadurch das zwar etwas feurigere, aber dafür auch umso klischeehaftere Elaborat vermieden wurde.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.508

12.02.2017 17:13
#724 RE: Grand Prix Zitat · antworten

Frankreich spielt mit Alma und Requiem auch dieses Jahr wieder ganz oben mit, zweifellos. Es ist wirklich beispielhaft, wie der französische Sender die Rückmeldungen der Fangemeinde berücksichtigt, die sich vorab sehr für Alma starkgemacht hatte. Auch ich habe das Lyrics-Video schon wochenlang hoch- und runtergehört. Leider ist das Musikvideo etwas trocken geraten und das Video eines Liveauftritts zeigt nur allzu deutlich, dass Alma noch viel trainieren muss, um eine fokussierte und selbstsichere Performance in Kiew hinzulegen. Wenn ich das mit dem Selbstbewusstsein vergleiche, das Francesco Gabbani ausstrahlt, weiß ich genau, wer seinen Song besser verkaufen wird. Aber nichtsdestotrotz: "Requiem" hat gute Chancen, bis Mai in meiner Top-10 zu bleiben.

Was sich gestern Abend in Spanien abspielte, war der wohl unfassbarste Moment in einer Vorentscheidung seit dem dänischen "Suitcase"-Melodram. Dass Jurys Wichser sind, kolportiert ein deutscher ESC-Blog ja regelmäßig; aber so offen taktische Votings wie gestern Abend und ein so unreflektiertes Verhalten beim Auflösen des Gleichstands habe ich bis dato echt noch nicht erlebt - das war selbst unter weißrussischem Niveau. Unabhängig von den Liedern - und ich finde Manel Navarro mit Do It for Your Lover auch nicht schlecht - ist das, was du da in Kurzzügen nochmal zusammengefasst hast, wirklich eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, die man nur total gebannt und sozusagen mit offenem Mund mitverfolgen konnte. Dass man Mirelas Lied für zu klischeehaft und altmodisch halten kann, ist ja geschenkt; wenn man es aber in der Funktion als ernsthaftes Jurymitglied als das schlechteste des Abends bewertet, ist das ein durchschaubares Manöver jenseits jeder Realität, das nur von Interessen einzelner Plattenlabels bestimmt ist. Dass die beiden Juroren, die für Manel stimmten, mit ihm enge Kontakte pflegen, ist ja mittlerweile bekannt. Das von Buhrufen erfüllte Studio war auch offenbar nur der Anfang - ein Jurymitglied wurde im Nachhinein sogar tätlich angegriffen. Wer Wind sät, wird Sturm ernten ...

Platz 01 (4,5 Punkte) - #06: Mirela - Contigo (~0)
Platz 02 (4,0 Punkte) - #01: Manel Navarro - Do It for Your Lover (~0)
Platz 03 (3,0 Punkte) - #03: Paula Rojo - Lo que nunca fue (+1)
Platz 04 (3,0 Punkte) - #02: LeKlein - Ouch!! (-1)
Platz 05 (2,5 Punkte) - #04: Mario Jefferson - Spin My Head (~0)
Platz 06 (1,5 Punkte) - #05: Maika - Momento crítico (~0)

Gubanov Offline




Beiträge: 14.508

12.02.2017 17:31
#725 RE: Grand Prix Zitat · antworten

Und wir wollen bei aller Konzentration auf die Big-5 nicht die kleineren Länder vergessen, die sich inzwischen auch schon festgelegt haben:

Gesitteter und ohne Zwischengrätschen verlief die Auswahl - so sollte man es auch erwarten - in der Schweiz, wo Vorabfavoritin Miruna Manescu unter dem Namen ihrer Band Timebelle mit Apollo ohne Überraschung das Ticket nach Kiew einlöste. Die Show von SRF überraschte weniger durch musikalische Qualität als vielmehr durch das überdurchschnittliche Staging aller Beiträge - der Sender holte aus den sehr durchschnittlichen Nummern lichttechnisch, tänzerisch und mit Hologramm-Effekten alles heraus, was nur irgend möglich war. Von dieser schönen Bühne wusste vor allem Ginta Biku zu profitieren, für die es leider nicht reichte und die gern mit "Cet air-là" nach San Marino weiterreisen darf, wie es in mancher Gerüchteküche schon flüstert.

Platz 01 (4,0 Punkte) - #06: Timebelle - Apollo (~0)
Platz 02 (4,0 Punkte) - #02: Ginta Biku - Cet air-là (~0)
Platz 03 (2,5 Punkte) - #01: Nadya - The Fire in the Sky (~0)
Platz 04 (2,5 Punkte) - #04: Freschta - Gold (~0)
Platz 05 (1,5 Punkte) - #05: Shana Pearson - Exodus (+1)
Platz 06 (1,0 Punkte) - #03: Michèle - Two Faces (-1)

Und schon eine ganze Weile her ist die Entscheidung in Finnland, wo ein kleines Wunder bewirkte, dass meine Favoriten Norma John tatsächlich das Rennen machten. Mit Blackbird werden sie in Kiew gekonnt düster-dramatische Akzente setzen, ohne überkandidelt zu wirken. Mørland & Debrah Scarlett 2.0 - im besten Sinne!

Platz 01 (5,0 Punkte) - #06: Norma John - Blackbird (~0)
Platz 02 (4,0 Punkte) - #07: Lauri Yrjölä - Helppo elämä (~0)
Platz 03 (3,5 Punkte) - #10: My First Band - Paradise (+1)
Platz 04 (3,5 Punkte) - #04: Anni Saikku - Reach out for the Sun (+4)
Platz 05 (3,5 Punkte) - #03: Günther & D'Sanz - Love Yourself (~0)
Platz 06 (3,0 Punkte) - #08: Club La Persé - My Little World (+4)
Platz 07 (3,0 Punkte) - #02: Alva - Arrows (-1)
Platz 08 (2,5 Punkte) - #09: Zühlke - Perfect Villain (-5)
Platz 09 (2,5 Punkte) - #01: Emma - Circle of Light (-2)
Platz 10 (1,5 Punkte) - #05: Knucklebone Oscar & The Shangri-La Rubies: Caveman (-1)

Gubanov Offline




Beiträge: 14.508

12.02.2017 17:33
#726 RE: Grand Prix Zitat · antworten

Alles abgehakt? Dann ist es nach genau zehn ausgewählten Liedern für Kiew nunmehr höchste Zeit für einen ersten Zwischenstand. Mein Favorit kommt jetzt wahrscheinlich nicht sooo überraschend ...

12 Pkt.: - Francesco Gabbani: Occidentali's karma (Karma der Abendländer)
10 Pkt.: - Norma John: Blackbird (Amsel)
08 Pkt.: - Alma: Requiem (Requiem)
07 Pkt.: - Lucie Jones: Never Give up on You (Ich gebe dich niemals auf)
06 Pkt.: - Naviband: Historyja majho žyccia (Geschichte meines Lebens)
05 Pkt.: - Timebelle: Apollo (Apollo)
04 Pkt.: - Manel Navarro: Do It for Your Lover (Tu es für deine Geliebte)
03 Pkt.: - Lindita Halimi: Botë (Welt)
02 Pkt.: - Levina: Perfect Life (Perfektes Leben)
01 Pkt.: - Tako Gachechiladze: Keep the Faith (Erhalte den Glauben)

Gubanov Offline




Beiträge: 14.508

19.02.2017 19:48
#727 RE: Grand Prix Zitat · antworten

Gestern Abend kam es zu weiteren Song-Entscheidungen in drei Ländern:

Der Marathonvorentscheid in Ungarn machte den Roma Joci Pápai zum ESC-Repräsentanten. In Kiew singt er in Landessprache Origo und verbindet traditionelle ungarische Klänge mit Elektronik und Rap zu einem düsteren Gesamtbild, das entfernt an die Gebetsrufe eines Muezzin erinnert. Der Sänger personifiziert mit Bart und Dutt den Hipster-Trend – nicht zuletzt deshalb war er in Fankreisen zusammen mit einem anderen ungarischsprachigen Lied der gefühlten Dauerteilnehmerin Gabi Tóth, das die Jury dann aber vor dem Superfinale aussiebte, bereits von Anfang an favorisiert worden. Hier zeigt sich ein positiver Effekt des Jamala-Siegs, den 2016 noch niemand für möglich gehalten hätte: Songs in Landessprache sind wieder ganz groß in Mode. Von bisher 13 ausgewählten Liedern sind acht komplett oder teilweise in Landessprache und sieben davon werden das im Mai in Kiew vermutlich immer noch sein.


Polen verfolgt einen anderen, eurovisionstypischeren Weg und gesellt sich zu Finnland in die Kategorie dramatische Show-Ballade auf Englisch. Flashlight heißt das Werk, das Kasia Moś zu einer monumentalen Streicherkulisse intoniert. Im Gegensatz zur Amsel der Suomi fehlt Kasia aber das letzte Quäntchen Überzeugungskraft, wobei man „Flashlight“ gut nebenbei hören kann und es sicher auch ein würdiger und sinnvoller Nachfolger für „Colour of Your Life“ ist.

(4,0 Punkte) Kasia Moś - Flashlight
(4,0 Punkte) Lanberry - Only Human
(3,5 Punkte) Paulla - Chce tam z toba byc (= I want to be there with you)
(3,5 Punkte) Agata Nizinska - Reason
(3,5 Punkte) Isabell Otrebus - Voiceless
(3,0 Punkte) Martin Fitch - Fight for Us
(3,0 Punkte) Carmell - Faces
(2,5 Punkte) Aneta Sablik - Ulalala
(1,5 Punkte) Olaf Bressa - You Look Good
(1,0 Punkte) Rafał Brzozowski - Sky over Europe

Auf Malta zog sich die Entscheidung wieder eine ganze Weile hin, um dann unverhofft vom Himmel zu fallen. Es hätte vorher wohl niemand auf Claudia Faniello mit ihrer Baukastenballade Breathlessly getippt, die – wenn man sich das Lied anhört – wohl hauptsächlich deshalb gewann, um für ihre jahrelangen Vorentscheidsteilnahmen endlich belohnt zu werden. In Kiew könnte dem Inselstaat diesmal ein Aus im Semi drohen, denn ob Umtriebigkeit bei den Jurystimmen ausreichen wird, um „Breathlessly“ ins Finale zu heben, darf bezweifelt werden. Es hätte in diesem maltesischen Jahrgang mehr als eine Handvoll interessantere Alternativen gegeben – beide andere Treppchenplatzierungen, Kevin Borg mit „Follow“ und Janice Mangion mit dem maltesischen „Kewkba“, wären zu bevorzugen gewesen.


Alle drei Entscheidungen gingen also wieder in mindestens einen der beiden 2017 vielstrapazierten Trends "Drama / Nachdenklichkeit / Düsternis" bzw. "Ballade". Umso besser für Italien, das momentan neben Weißrussland das einzige freundliche, treibende Uptempo im Angebot hat und damit zunehmend ein weiteres Alleinstellungsmerkmal gewinnt.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.782

04.03.2017 11:33
#728 RE: Grand Prix Zitat · antworten

So, ich reiche zwar jetzt nicht die fehlenden Beiträge per Video nach - da müsste ich mir ohnehin erst einen Überblick verschaffen, welche das sind - sondern wage mich zur Halbzeit stattdessen an ein erstes Ranking.

Albanien habe dabei nicht berücksichtigt, weil die finale Version noch aussteht. Deutschland rettet sich noch knapp in die Punkte. An der Spitze ist es sehr eng, immer wenn ich Requiem höre, ist Frankreich mein Favorit, wenn hingegen Time läuft die Ukraine. Ich kann mich da irgendwie noch nicht endgültig entscheiden. Auch ärgerlich: Meine derzeitige Top 5 sind entweder vorqualifiziert oder im ersten Halbfinale. Da müsste ich dann für meinen sechsten Platz – Weißrussland – anrufen. Hoffentlich kommt da noch etwas Gescheites nach.

01. France 12 Punkte
02. Ukraine 10 Punkte
03. Cyprus 8 Punkte
04. Latvia 7 Punkte
05. Finland 6 Punkte
06. Belarus 5 Punkte
07. Poland 4 Punkte
08. Hungary 3 Punkte
09. Spain 2 Punkte
10. Germany 1 Punkt
11. Austria
12. Slovenia
13. Italy
14. Georgia
15. United Kingdom
16. The Netherlands
17. Moldova
18. Switzerland
19. Denmark
20. Malta
21. Croatia

Gubanov Offline




Beiträge: 14.508

04.03.2017 17:08
#729 RE: Grand Prix Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #728
So, ich reiche zwar jetzt nicht die fehlenden Beiträge per Video nach - da müsste ich mir ohnehin erst einen Überblick verschaffen, welche das sind

Nichts leichter als das - auch wenn es eher ein Trauerspiel ist, was in den letzten Wochen dazugekommen ist. Starker Jahrgang, wo bist du geblieben?

Slowenien schickt Omar Naber, der das Land bereits 2005 in Kiew repräsentierte, mit der musicalartigen Ballade On My Way.

Dänemark greift auch auf eine alte Bekannte zurück: Anja Nissen hatte bereits im letztjährigen dänischen Vorentscheid um das Ticket nach Stockholm gekämpft. Dieses Jahr hat sie es nun geschafft und singt Where I Am in Kiew. Seltsamerweise finde ich das Lied gar nicht mal so schlecht, obwohl man Anja deutlich anmerkt, dass sie eine Casting-Show-Gewinnerin aus Australien ist, die den Bogen des guten Geschmacks beim "Singen" (oder sollte ich sagen: beim Koloraturschreien) genauso schamlos überspannt wie letztes Jahr Dami Im. Demzufolge bevorzuge ich die Studiofassung von "Where I Am" um Längen.

Moldau greift genauso in die Mottenkiste und packt Sunstroke Project wieder aus. 2010 in Oslo schon mit nervenzerrüttendem Saxofonschlager vertreten, ist der diesjährige Beitrag, Hey Mamma, sogar noch entbehrlicher.

Die Ukraine überrascht als eines der ganz wenigen Länder in diesem Jahr. Statt konventioneller Ware (der Fanwank "I Love You" von Tayanna wurde Gott sei Dank nicht als Gastgeberbeitrag ausgewählt) beendet die Ukraine mit der Rockband O.Torvald die langjährige Divenschiene der Ukraine und schickt zum ersten Mal seit 2005 einen von einem Mann gesungenen Beitrag. Das rockige Time ist dann auch eines der Highlights des Jahres.

Österreich wird nett-harmlos von Nathan Trent mit Running on Air repräsentiert. Das Interessanteste, was man über Trents maltaesken Beitrag sagen kann, ist dass er besser ist als der deutsche (gut, dass der ORF Nathan im letzten Moment aus der Unser-Song-Auswahl des NDR befreite).

Lettland tut so, als sei es das zweite Ungarn, und schickt zum mittlerweile dritten Mal in Folge glattgebügelte Alternative-Kunst, diesmal von Triana Park unter dem Titel Line.

Zypern glaubt derweil immer noch, es sei eine gute Idee, die Beiträge Jahr für Jahr aus G:sons Resterampe zu bestücken. Hovigs Gravity hört sich dementsprechend drittklassig an.

Kroatien taugt mit Jacques Houdek und seinem englisch-italienischen Opern-Pop-Crossover My Friend wenigstens für beste Unterhaltung und einprägsame, hymnenhafte Melodie. Unter den bisher ausgewählten Beiträgen einer der besseren, der verkniffenen Contest-Modernisierern und MOR-Gleichmachern natürlich ein Dorn im Auge ist. Alles lässt sich genauso an wie bei Michal Szpak im letzten Jahr. Ich prognostiziere auch ein ähnlichen Ergebnis im Contest und würde mich freuen, wenn Jacques besser abschneidet als Nina.

Die Niederlande mit O'G3NE und Lights and Shadows. In dem Song besingen die Autotune-Mädchen die Krankheit ihrer Mutter. Nett gemeint, aber unauffällig und langweilig für Außenstehende. Melodie praktisch nicht erkennbar, Kreativität und Mut gleich Null.

Von Almas Requiem, das du, @Count Villain, so hoch hältst, habe ich mich immer mehr verabschiedet. Alma ist eine schlechte Live-Performerin und die Entscheidung, den Refrain auf Englisch zu übersetzen, wird dem Lied jeden noch verbliebenen Charme rauben.

Meine aktuelle Rangliste:

Platz 01: - Francesco Gabbani: Occidentali's karma (Karma der Abendländer)
Platz 02: - O.Torvald: Time (Zeit)
Platz 03: - Norma John: Blackbird (Amsel)
Platz 04: - Naviband: Historyja majho žyccia (Geschichte meines Lebens)
Platz 05: - Lucie Jones: Never Give up on You (Ich gebe dich niemals auf)
Platz 06: - Jacques Houdek: My Friend (Mein Freund)
Platz 07: - Timebelle: Apollo (Apollo)
Platz 08: - Anja Nissen: Where I Am (Wo ich bin)
Platz 09: - Nathan Trent: Running on Air (Auf Luft rennen)
Platz 10: - Kasia Moś: Flashlight (Taschenlampe)

Platz 11: - Omar Naber: On My Way (Auf meinem Weg)
Platz 12: - Alma: Requiem (Requiem)
Platz 13: - Joci Pápai: Origo (Herkunft?)
Platz 14: - Triana Park: Line (Linie)
Platz 15: - Manel Navarro: Do It for Your Lover (Tu es für deine Geliebte)
Platz 16: - Lindita Halimi: Botë (Welt)
Platz 17: - Levina: Perfect Life (Perfektes Leben)
Platz 18: - Hovig: Gravity (Schwerkraft)
Platz 19: - Claudia Faniello: Breathlessly (Atemlos)
Platz 20: - O'G3NE: Lights and Shadows (Lichter und Schatten)

Platz 21: - Tako Gachechiladze: Keep the Faith (Erhalte den Glauben)
Platz 22: - Sunstroke Project: Hey Mamma (Hey, Mama)

Heute Abend kann es nur besser werden, wenn Estland "Spirit Animal" oder "Verona" wählt.

PS:
Zitat von Count Villain im Beitrag #728
Albanien habe dabei nicht berücksichtigt, weil die finale Version noch aussteht.

Mit dieser Begründung müsstest du Frankreich gleich mit aus dem Ranking schmeißen. Auch da gibt es die finale Version noch nicht. Genauso hat Großbritannien nochmal überarbeitet und noch nichts veröffentlicht. Oder habe ich da etwas verpasst? Italiens Beitrag muss auch noch eingekürzt werden.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.782

04.03.2017 22:54
#730 RE: Grand Prix Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #729
Demzufolge bevorzuge ich die Studiofassung von "Where I Am" um Längen.


In der Studiofassung wäre Dänemark bei mir auch um einige Plätze höher.

Zitat
(...) schickt zum ersten Mal seit 2005 einen von einem Mann gesungenen Beitrag. Das rockige Time ist dann auch eines der Highlights des Jahres.



Damit hätten wir unseren größten gemeinsamen Nenner des halben Jahrgangs schon mal gefunden.

Allerdings war Verka 2007 zwar eine weibliche Kunstfigur, gesungen hat aber trotzdem ein Mann.

Zitat
Alles lässt sich genauso an wie bei Michal Szpak im letzten Jahr.



Alles nicht. Michal im letzten Jahr mochte ich, Jacques finde ich bis jetzt höchstens unterhaltsam. Aber eventuell reißt die Inszenierung noch etwas raus.

Zitat
Von Almas Requiem, das du, @Count Villain, so hoch hältst, habe ich mich immer mehr verabschiedet. Alma ist eine schlechte Live-Performerin und die Entscheidung, den Refrain auf Englisch zu übersetzen, wird dem Lied jeden noch verbliebenen Charme rauben.



Änderungen aufgrund der Sangesleistung am entscheidenden Abend behalte ich mir natürlich ebenfalls noch vor, aber woher weißt du das mit dem Englisch im Refrain? Ich bin erschüttert.

Zitat
Heute Abend kann es nur besser werden, wenn Estland "Spirit Animal" oder "Verona" wählt.



Estland hat "Verona" gewählt. Bei weitem keine schlechte Nummer (höchstens leicht angestaubt), aber da ich mindestens drei andere Beiträge im Eesti Laul besser fand (darunter auch Kerli, obwohl schlecht gesungen; von den drei Superfinalisten hätte ich daher auch am Liebsten Rasmus in Kiew gesehen), muss ich erst mal meine Enttäuschung verdauen.

Zitat
Mit dieser Begründung müsstest du Frankreich gleich mit aus dem Ranking schmeißen. Auch da gibt es die finale Version noch nicht. Genauso hat Großbritannien nochmal überarbeitet und noch nichts veröffentlicht. Oder habe ich da etwas verpasst? Italiens Beitrag muss auch noch eingekürzt werden.



Stimmt. Aber von den überarbeiteten Versionen von Frankreich und Großbritannien wusste ich bisher noch nichts. Und Albanien ändert ja gerne mal Sprache und gesamte Produktion, während es bei Italien eben "nur" eine Kürzung wird.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.508

04.03.2017 23:25
#731 RE: Grand Prix Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #730
Änderungen aufgrund der Sangesleistung am entscheidenden Abend behalte ich mir natürlich ebenfalls noch vor, aber woher weißt du das mit dem Englisch im Refrain? Ich bin erschüttert.

http://wiwibloggs.com/2017/02/21/alma-im...ovision/176249/
https://twitter.com/Eurovisn_Turkey/stat...467587627110405
Zitat von Count Villain im Beitrag #730
Estland hat "Verona" gewählt.

Spitze. Estland schiebt sich mit Koit Toome & Laura und ihrem Verona auf meinen Ranking-Platz 2. Ein klassisches Duett, sehr eingängig und mal eine nette Abwechslung, was Liebeslied-Lyrics angeht.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.782

19.03.2017 10:20
#732 RE: Grand Prix Zitat · antworten

So, mittlerweile stehen alle Beiträge fest. Das heißt: Zeit für eine neue Liste! Änderungen wie immer vorbehalten und wahrscheinlich. Nach dem kompletten Durchhören aller Beiträge finde ich den Jahrgang gar nicht so schlecht wie viele behaupten. Allerdings scheint das Mittelfeld immer breiter zu werden, was das Ranking von Jahr zu Jahr schwieriger macht. Besonderheit: Das zweite Semi ist für mich ganz klar das schwächere. Kein Lied daraus hat es in meine momentane Top Ten geschafft (beste Platzierung: 14!). Ich glaube, das gab es auch noch nie. Erfreulich für Alma: Frankreich hat mit seiner neuen Version nicht so viel Boden verloren, wie ich zunächst befürchtet hatte.

Semi 1
Semi 2
Finale

01. Sweden
02. Ukraine
03. France

04. Cyprus
05. Belgium
06. Armenia
07. Finland
08. Azerbaijan
09. Latvia
10. Poland
11. Australia

12. Spain
13. Portugal
14. Hungary
15. Estonia
16. Norway
17. Belarus
18. Bulgaria

19. Germany
20. Macedonia
21. Austria

22. Czech Republic
23. United Kingdom
24. Israel
25. Italy
26. Serbia
27. Slovenia
28. Ireland
29. Georgia
30. Albania

31. Lithuania
32. Montenegro
33. Switzerland
34. Denmark
35. Romania
36. The Netherlands
37. San Marino

38. Moldova
39. Iceland

40. Russia
41. Croatia
42. Malta

43. Greece

Gubanov Offline




Beiträge: 14.508

14.04.2017 20:40
#733 RE: Grand Prix Zitat · antworten

@Count Villain: Nach anfänglichen identischen Favoriten sehe ich im Endeffekt mehr Differenzen als Übereinstimmungen zwischen unseren Einschätzungen der Beiträge.

Ich hatte mich zu 20 der Beiträge bislang noch nicht geäußert. Das möchte ich nun endlich nachholen. Hier die ersten zehn:

Rumänien liegt neuerdings in den Alpen? Eher nicht, denn solch ein Verbrechen am Kulturerbe Jodeln, wie es Ilincas und Alex Floreas seltsames Proll-Crossover ist, hätte man sich in Österreich oder der Schweiz wohl nicht getraut. Ich wünsche mir sogar "Y así" zurück - Yodel It! ist einfach nur billig.

Von der Haudrauf-Aufmerksamkeitsmasche der Rumänen, die gern noch ein Jahr hätten aussetzen dürfen, zu einem der zurückgenommensten Beiträge dieses Jahres. Über Portugals Salvador Sobral mit Amar pelos dois habe ich einen Kommentar gelesen, das Lied wäre schon altmodisch gewesen, wenn es in den Fünfzigern beim ESC, Verzeihung: Grand Prix, gestartet wäre. Und so ist es. Der stripped-back-Charme des Liedes geht eindeutig zu weit - so weit, dass keine Einprägsamkeit oder besonderen Eigenschaften abseits der clownesken, eher unangenehmen Vortragsweise Salvadors im Gedächtnis bleiben. Für mich der schwächste Beitrag Portugals seit langem - die Bookies sehen das erstaunlicherweise anders.

Griechenland schickt mit Demy eine seiner etabliertesten Künstlerinnen und hat das Team angeheuert, das letztes Jahr hinter Sergey Lazarevs Lied stand. Das Budget war aber offenbar kleiner, denn während This Is Love "ganz nett" ist, ist es mit Sicherheit kein Beitrag, der bei vielen Zuschauern Begeisterungsstürme entfachen wird.

Australien hat nochmal genau was im ESC zu suchen? Isaiah Firebrace muss sich an Dami-Schreiqueen-Im messen und hält sich dafür erstaunlich tapfer, weil seine Ballade sogar einigermaßen angenehm ist, auch wenn es - wie im Vorjahr - kaum ein eigenschaftsloserer Radioschleicher sein könnte. Bei Don't Come Easy fragt man sich außerdem, wie es in Australien zugeht, dass ein Siebzehnjähriger ernstlich meint, seine mannigfaltigen Erfahrungen über enttäuschte Liebe und Vertrauensverlust mitteilen zu müssen. Komm in zwanzig oder dreißig Jahren wieder, Isaiah, aber dann bitte zur Asiavision.

In Belgien teilen sich zwei Sender im jährlichen Wechsel die ESC-Verantwortung. Dieses Jahr ist mit dem wallonischen RTBF wieder der Sender an der Reihe, der uns vor zwei Jahren Loic Nottets spektakulär guten Auftritt bescherte. 2017 möchte man offenbar daran anknüpfen, denn auch Blanches City Lights gehört zu den besten und modernsten Beiträgen des Jahres. Die tiefe Stimme und die Melodie entwickeln eine richtiggehend hypnotische Qualität. Das Problem: Die Sängerin dürfte auf der Bühne noch schlimmere Lampenfieber- und Charisma-Probleme bekommen als die Französin Alma. Ob das gut ausgehen wird?

Tschechien hat immer noch keine Ahnung vom ESC. Martina Bárta und My Turn sind dafür der beste Beweis. Nett, aber langweilig. 2007 und 08 sind für mich immer noch die besten tschechischen Beiträge ... bei Weitem.

Israels Imri Ziv war bereits 2015 und 16 als Background-Sänger beim ESC. Jetzt tritt er in der ersten Reihe an und singt mit I Feel Alive die Partynummer, die dieser Jahrgang dringend braucht. Etwas schal (kein Vergleich mit "Golden Boy"), aber flott und genug fürs gute Mittelfeld.

Irland und ich haben eine schwierige Beziehung. In der Studioversion mag ich ihre Beiträge eigentlich immer, obwohl mir ihre Zweit- oder gar Drittklassigkeit bewusst ist. Beim Wettbewerb lasse ich sie dann fallen wie eine heiße Kartoffel (Ausnahme: Molly Sterling, die ich noch immer für streng unterbewertet halte). Brendan Murray könnte ein Molly-Nachfolger werden, sein Dying to Try (nein, Wortspiele mit dem Liedtitel waren auch im März schon nicht lustig) gefällt mir ausnehmend gut, aber es könnte am Ende doch zu wenig für den Finaleinzug sein. Auch hier entscheidet die Live-Qualität über den (Miss-)Erfolg.

"Dieses Lied kommt aus Mazedonien?" war meine erste Reaktion, als ich Dance Alone von Jana Burčeska hörte. Welch ein Sprung im Vergleich zur durchschnittlichen mazedonischen Beitragsqualität! Modern, verspielt, mit tollem, hochwertigem Video. Die Sängerin fällt zwar auch in die Kategorie Alma-Blanche, aber wenn sie's packt, behält sie ihren Platz unter meinen persönlichen Topfavoriten.

Montenegro ist ein geniales ESC-Land. Jedes Jahr eine Überraschung und eigentlich immer eine gute. Auch dieses Jahr sind die Montenegriner für die "Andersartigkeit" verantwortlich und schicken den liebenswert durchgeknallten Slavko Kalezić, der zwar entfernt an Conchita Wurst erinnert, aber keine bloße Kunstfigur ist. Space hat einen treibenden Beat und einen super-eingängigen Refrain und funktioniert sowohl mit als auch ohne dem provokanten Video.

Gubanov Offline




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14.04.2017 21:26
#734 RE: Grand Prix Zitat · antworten

Teil 2:

Mit Aserbaidschan ist immer zu rechnen. Auch dieses Jahr, obwohl Skeletons von DiHaj nicht wie die üblichen Beiträge des Kaukasuslandes ist. Mehr Edge, mehr Alternative, mehr Unangepasstheit - das steht Aserbaidschan zur Abwechslung ganz gut. Nebenbei ein starkes Lied und eine interessante Künstlerin. Das Video hätte weniger beliebig ausfallen können. Oder verstehe ich es nicht richtig?

Island ist auch wieder back on track. Nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase überzeugt die isländische Wahl wieder: Svala könnte nicht nur nicht isländischer aussehen, sondern schwebt mit ihrem pfiffigen Eighties-Revival-Lied Paper auch auf kühlen nordischen Klangteppichen. Dazu eine starke Hook. Was will man mehr? Besser als Schweden!

Litauen hat die mittlerweile erstarkten Bulgaren als mein unliebstes ESC-Land abgelöst. Und so dürfen sie auch dieses Jahr auf dem letzten Platz bleiben, obwohl im Vorentscheid sogar 'mal etwas Gutes dabei hatten (Greta Zazza). Fusedmarc und Rain of Revolution bestätigen dagegen alle meine Vorurteile über die Unfähigkeit des dortigen Senders und seiner Zuschauer. Soll das überhaupt ein Lied mit erkennbarer Melodieführung sein? Über Outfit und Staging reden wir besser nicht erst ...

Norwegen hat einen erbärmlichen Sturz in Vorentscheids- und Beitragsqualität erlebt, seit der neue Programmverantwortliche bei NRK in Amt und Würden ist. Wo sind auf einmal die starken Lieder aus dem hohen Norden? Obwohl mit JOWST feat. Aleksander Walmann und Grab the Moment überraschend das am wenigsten schlimme Lied gewonnen hat, ist es doch nichts, was irgendjemanden wirklich anhebt. Mittelfeld und wenigstens keine weitere Ballade.

Die gibt es dafür aus Serbien. In too Deep von Tijana Bogićević hat das Problem zwar "ganz nett", aber auch nicht viel mehr zu sein. Sauber produziert, aber im Vergleich mit Mazedonien und Bulgarien (die drei kommen sozusagen aus der gleichen Schmiede) etwas identitäts- und seelenlos. Auch Serbien ist nicht mehr ganz auf der Höhe - wie gut waren sie noch in den 00er Jahren ...

Schweden hatte im Melfest dieses Jahr endlich wieder einmal keinen klaren Favoriten. Deshalb war Robin Bengtssons Sieg für mich eine Enttäuschung, denn in dem offenen Feld wären einige, vielleicht sogar viele bessere Beiträge zu finden gewesen (Mariette! Ace Wilder! Krista Siegfrids! ...). I Can't Go on geht zum einen Ohr rein und um anderen raus, während sich Robin glitschig wie ein Aal aufführt, obwohl er hinter den Kulissen ein bescheidener Kerl zu sein scheint. Bei den riesigen Zuschauerzahlen des ESC kommt Mainstream natürlich gut an, aber etwas fantasievoller hätte der schwedische Beitrag schon sein dürfen.

San Marino lässt sich erneut von Ralph Siegel bezahlen. Spirit of the Night, gesungen von Dauerkandidatin Valentina Monetta im Duett mit einem gewissen Jimmie Wilson, könnte auch eine Frank-Duval-Komposition sein und hört sich so an, als sei sie direkt einer 80er-Jahre-Derrick-Nachtclubfolge entsprungen.

Bulgarien legt nach "If Love Was a Crime" stark nach. Beautiful Mess ist eine hochmoderne Teenie-Ballade und dürfte wohl mehrere Etagen höher abschneiden als der vergleichbare irische Beitrag. Kristian Kostov sei's gegönnt, er singt für sein Alter wirklich gut.

Armenien wandte sich zwar wieder an dieselbe Produzentin wie für "LoveWave", aber Fly with Me kommt nicht im Entferntesten an Ivetas Gesamtkunstwerk heran. Die Sängerin Artsvik ist üblicherweise auf große Balladen festgelegt und wirkt in das melodielose Ethno-Stück hineingezwängt. Das Video zeigt, dass vom Live-Staging wieder viel zu erwarten ist. Aber auch wenn der ESC eine Fernsehsendung ist, braucht eine große Show eben auch eine entsprechende musikalische Grundlage. Hier findet man - passend zum Vogelthema - eher heiße Luft.

Das waren alle Teilnehmer, die im Mai in Kiew antreten werden. Seinen Beitrag zurückziehen musste leider Russland. Vom "Gastgeber" Ukraine, der seinen selbstgewählten diesjährigen ESC-Slogan "Celebrate Diversity" offenbar nicht besonders ernst nimmt, wurde gegen die russische Sängerin Julia Samoylova ein Einreiseverbot verhängt. Im Video zu Flame Is Burning kann man sich ansehen, wie eine Schwerverbrecherin aussieht. Julia hatte ein Konzert auf der Krim gegeben, war dorthin aber direkt aus Russland angereist, was gegen ukrainisches Gesetz bzgl. des umstrittenen Landesteils verstößt. Nicht nur für Julia, ihr Lied - eine bittersüße Ballade mit Ohrwurmcharakter - und die russischen ESC-Fans ist die Entscheidung ein Schlag ins Gesicht, auch die ESC-Gesetze sind damit aus den Angeln. Die EBU sollte entsprechende Konsequenzen ziehen.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.508

15.04.2017 00:35
#735 RE: Grand Prix Zitat · antworten

Und natürlich möchte ich auch noch ein ganz persönliches Komplettranking vorlegen. Ganz frisch aus Mr Gerbear's ESC Sorter kommen folgende Resultate:

Platz 01 / SF1-00 / SF2-00 / - Francesco Gabbani: Occidentali's karma
Platz 02 / SF1-00 / SF2-01 / - Jana Burčeska: Dance Alone
Platz 03 / SF1-00 / SF2-02 / - Timebelle: Apollo
Platz 04 / SF1-00 / SF2-03 / - Koit Toome & Laura: Verona
Platz 05 / SF1-01 / SF2-00 / - Svala: Paper
Platz 06 / SF1-02 / SF2-00 / - Blanche: City Lights
Platz 07 / SF1-03 / SF2-00 / - DiHaj: Skeletons
Platz 08 / SF1-00 / SF2-00 / - Lucie Jones: Never Give up on You
Platz 09 / SF1-00 / SF2-04 / - Naviband: Historyja majho žyccia
Platz 10 / SF1-04 / SF2-00 / - Norma John: Blackbird

Platz 11 / SF1-05 / SF2-00 / - Slavko Kalezić: Space
Platz 12 / SF1-00 / SF2-05 / - Jacques Houdek: My Friend
Platz 13 / SF1-00 / SF2-06 / - Kristian Kostov: Beautiful Mess
Platz 14 / SF1-00 / SF2-07 / - Brendan Murray: Dying to Try
Platz 15 / SF1-06 / SF2-00 / - Omar Naber: On My Way
Platz 16 / SF1-00 / SF2-08 / - Imri Ziv: I Feel Alive
Platz 17 / SF1-00 / SF2-00 / - Alma: Requiem
Platz 18 / SF1-00 / SF2-00 / - O.Torvald: Time
Platz 19 / SF1-00 / SF2-09 / - Tijana Bogićević: In too Deep
Platz 20 / SF1-07 / SF2-00 / - Demy: This Is Love

Platz 21 / SF1-00 / SF2-10 / - Joci Pápai: Origo
Platz 22 / SF1-00 / SF2-11 / - Nathan Trent: Running on Air
Platz 23 / SF1-08 / SF2-00 / - Isiah Firebrace: Don't Come Easy
Platz 24 / SF1-00 / SF2-12 / - JOWST & Aleksander Walmann: Grab the Moment
Platz 25 / SF1-00 / SF2-13 / - [ Julia Samoylova: Flame Is Burning ]
Platz 26 / SF1-09 / SF2-00 / - Robin Bengtsson: I Can't Go on
Platz 27 / SF1-10 / SF2-00 / - Kasia Moś: Flashlight
Platz 28 / SF1-11 / SF2-00 / - Lindita Halimi: World
Platz 29 / SF1-00 / SF2-14 / - Anja Nissen: Where I Am
Platz 30 / SF1-00 / SF2-00 / - Manel Navarro: Do It for Your Lover

Platz 31 / SF1-00 / SF2-15 / - Claudia Faniello: Breathlessly
Platz 32 / SF1-12 / SF2-00 / - Artsvik: Fly with Me
Platz 33 / SF1-13 / SF2-00 / - Salvador Sobral: Amar pelos dois
Platz 34 / SF1-00 / SF2-00 / - Levina: Perfect Life
Platz 35 / SF1-14 / SF2-00 / - Hovig: Gravity
Platz 36 / SF1-15 / SF2-00 / - Tamara Gachechiladze: Keep the Faith
Platz 37 / SF1-16 / SF2-00 / - Triana Park: Line
Platz 38 / SF1-00 / SF2-16 / - O'G3NE: Lights and Shadows
Platz 39 / SF1-17 / SF2-00 / - Martina Bárta: My Turn
Platz 40 / SF1-00 / SF2-17 / - Valentina Monetta & Jimmie Wilson: Spirit of the Night

Platz 41 / SF1-00 / SF2-18 / - Ilinca & Alex Florea: Yodel It!
Platz 42 / SF1-18 / SF2-00 / - SunStroke Project: Hey Mamma!
Platz 43 / SF1-00 / SF2-19 / - Fusedmarc: Rain of Revolution

Sehr deutlich ist zu sehen, dass ich Counts Meinung über das Ungleichgewicht der beiden Semis nicht teilen kann. Die beiden Shows sind in meinen Augen (Ohren?) so ausgeglichen wie selten sonst in den letzten Jahren. Bei meinen Favoriten hat Semi 2 sogar leicht die Nase vorn, was insofern überraschend kommt, als in Semi 1 ländertechnisch tendenziell mehr big players mitmischen. Daher verwundert es mich fast schon, dass du, @Count Villain, als ewiger Verfechter der Underdogs Semi 1 so deutlich als das stärkere einschätzt.

Ebenso muss ich leider auch bei meiner zwischenzeitlichen Meinung bleiben, dass 2017 kein besonders starker ESC-Jahrgang ist. Es sind zwar viele gute Lieder dabei, aber ich finde, dass das Spaltpotenzial wieder deutlich gestiegen ist. In den letzten zwei, drei, vier Jahren haben mich nicht so viele Lieder aufgeregt / abgestoßen wie 2017. Das Mittelfeld finde ich dieses Jahr erstaunlich klein; love it or hate it ist bei mir Motto der Saison. Ist ja auch nicht schlecht im ESC-Kontext ...

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