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Dieses Thema hat 28 Antworten
und wurde 4.382 mal aufgerufen
 Filmbewertungen
Seiten 1 | 2
Peitschenmönch Offline




Beiträge: 534

25.02.2011 00:15
#16 RE: Bewertet: "Das Rätsel der grünen Spinne" (1960, Stilverwandte) Zitat · antworten

Ach ja ... Bewertung ... schwierig ... 2,5 von 5 Punkten.

Grabert Offline



Beiträge: 247

11.07.2012 17:55
#17 RE: Bewertet: "Das Rätsel der grünen Spinne" (1960, Stilverwandte) Zitat · antworten

Das Rätsel der grünen Spinne

ein Musikkrimi aus dem Jahr 1960, der am 23.8.1960 das erste Mal in den Kinos zu sehen war.

Darsteller: Adrian Hoven (Peter Thorsten), Renate Ewert (Yvonne), Jochen Brockmann (Kommissar Bock), Hans von Borsody (Ted Wagner), Bettina Schön (Elena Korner), Bill Ramsey (Bill Brown) u.a.; Regie: Franz Marischka; Musik: Gert Wilden.

In der Nachtbar "Zur Grünen Spinne" ereignet sich zu Beginn ein geheimnisvoller Mord, den ein Kriminalkommissar und ein Zeitungsjournalist schnell als solchen erkennen (zunächst wurde noch eine Selbstmordtthese lanciert) und mit dessen Aufklärung die beiden beschäftigt sind. Verdächtig ist im Prinzip jeder. Von der eifersüchtigen Chefin Elena bis zur Bardame Yvonne. Nachdem ein zweiter Mord in der "grünen Spinne" geschieht, löst sich das "Rätsel" langsam auf. Dies ist jedoch nur ein Teil des Films. Der andere ist eine Art Schlagerparade, denn in der "Grünen Spinne" treten Stars und Sternchen auf, um entdeckt zu werden oder ein Comeback zu feiern.

Die Krimihandlung ist gar nicht so schlecht; ein klassischer Whodunit mit einer überraschenden und spannenden Auflösung. Die aus Edgar-Wallace-Filmen bekannten Adrian Hoven ("Rätsel der roten Orchidee") als journalistischer Ermttler mit Charme, Jochen Brockmann ("Der Frosch mit der Maske", "Der Hexer") als professioneller Ermittler sowie Renate Ewert ("Der rote Kreis") als Bardame mit zwielichtigem Hintergrund geben dem Film Gesichter. Langatmig wird der "Musikkrimi" jedoch durch die nicht wenigen Schlagerauftritte (u.a. Bill Ramsey, Hazy Osterwald, Jacqueline Boyer, Angèle Durand, Billy Mo) und parodistischen Einlagen. Die Kombination aus Schlagerfilm und Krimi gelang Franz Marischka definitiv nicht. Wenn auch das Trompetensolo von Ted Wagner gut zum Krimi passt.

Fazit: Passabler Krimi, einige gute Darsteller und fast die Hälfte nur Musik. Die Mischung passt nicht. 2 von 5 Punkten.

Giacco Offline



Beiträge: 1.474

11.07.2012 19:23
#18 RE: Bewertet: "Das Rätsel der grünen Spinne" (1960, Stilverwandte) Zitat · antworten

Da ich ein Fan dieser alten deutschen Schlager bin (sorry, Leute), finde ich die nicht störend. Ich kann aber nachvollziehen, dass der Film für jemanden, der nichts damit anfangen kann, dadurch langatmig wird.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.279

12.07.2012 08:24
#19 RE: Bewertet: "Das Rätsel der grünen Spinne" (1960, Stilverwandte) Zitat · antworten

Ieh würde mich zwar nicht als "Fan" der alten deutschen Schlager bezeichnen, aber hören tue ich sie hin und wieder ganz gern. Ich persönlich finde die Musikeinlagen im Film auch nicht störend, jedoch tragen sie natürlich (bis auf das Trompetensolo) nichts zur Handlung bei. Im Großen und Ganzen ist DAS RÄTSEL DER GRÜNEN SPINNE ein unterhaltsamer Musikkrimi mit einigen wirklich guten Darstellern. Punkte würde ich 3,5 von 5 vergeben.

Georg Offline




Beiträge: 2.784

19.07.2012 11:01
#20 RE: Bewertet: "Das Rätsel der grünen Spinne" (1960, Stilverwandte) Zitat · antworten

DAS RÄTSEL DER GRÜNEN SPINNE

Zitat von Grabert im Beitrag #17
Die Krimihandlung ist gar nicht so schlecht; ein klassischer Whodunit mit einer überraschenden und spannenden Auflösung. Die aus Edgar-Wallace-Filmen bekannten Adrian Hoven ("Rätsel der roten Orchidee") als journalistischer Ermttler mit Charme, Jochen Brockmann ("Der Frosch mit der Maske", "Der Hexer") als professioneller Ermittler sowie Renate Ewert ("Der rote Kreis") als Bardame mit zwielichtigem Hintergrund geben dem Film Gesichter.

Ich finde auch, dass der Krimi gut konzepiert und sogar spannend ist. Einmal davon abgesehen, dass der Film auch damals wunderbar als Fernsehspiel gedreht werden hätte können, da es nur zwei Schauplätze - und keine einzige Außenaufnahme - gibt (Bar und Wohnung Adrian Hoven), ist das gute Krimiware. Die Auflösung - auf die man als geschulter Krimispezialist allerdings schon recht früh kommt - ist aber nicht ganz unoriginell. Adrian Hoven als Journalist ist keine schlechte Wahl, wunderbar ist die großartige Renate Ewert als undurchsichtige Bardame, Jochen Brockmann gefällt mir als Ermittler zwar nicht so besonders gut (irgendwie arrogant, da war er beispielsweise als Inspektor in dem tollen TV-Krimi Alibi für James (1966) wesentlich sympathischer und besser) und Gerd Wiedenhofen macht einen auf Eddi Arent, was ihm natürlich nicht so gelingt. Zu den Musikeinlagen kann ich weniger sagen, da ich diese immer vorgespult habe, Bill Ramseys Song immerhin hat den gewohnten Witz.
Zitat von Edgar007 im Beitrag #19
Im Großen und Ganzen ist DAS RÄTSEL DER GRÜNEN SPINNE ein unterhaltsamer Musikkrimi ...

Auch dem würde ich zustimmen.

Fazit: eine bessere Epigone, trotz der Musik, von der Handlung her ganz in Ordunung (immerhin war ja auch Wallace-Autor J. Joachim Bartsch am Drehbuch beteiligt). Übrigens auch der erste Film, der im Titel "Das Rätsel" trägt.

Angefügte Bilder:
Georg_Spinne1.jpg   Georg_Spinne2.jpg   Georg_Spinne3.jpg  
Georg Offline




Beiträge: 2.784

19.07.2012 11:53
#21 RE: Bewertet: "Das Rätsel der grünen Spinne" (1960, Stilverwandte) Zitat · antworten

Noch eine Frage zum Abschluss: Kann es sein, dass sich Produzent Carl Szokoll und Regisseur Franz Marischka einen lustigen Cameoauftritt erlaubten? Am Ende des Films gibt's den Song "Cha Cha Cha der Blauenbohnenbar", den mehrere Männer singen. Eine Strophe handelt von Personen, die sich in der Bar "Blaue Bohne" aufhalten: ein Mann (siehe Foto links) singt "Produzenten", der nächste "Regisseure". Handelt es sich dabei um Produzent (Anhang Bild 1) und Regisseur (Anhang Bild 2)?

Hier zwei Vergleichsbilder - meiner Meinung nach könnten es die beiden sein!

Carl Szokoll
Franz Marischka

Angefügte Bilder:
Georg_Spinne_Szokoll.jpg   Georg_Spinne_Marischka.jpg  
Blinde Jack Offline




Beiträge: 2.000

24.01.2014 20:37
#22 RE: Bewertet: "Das Rätsel der grünen Spinne" (1960, Stilverwandte) Zitat · antworten

Nur in Kurzform ...

Das Verhältnis zwischen Musik und Krimi war mir in diesem Fall zu unausgewogen. Auch wenn einige der Titel durchaus ansprechend waren, so gab es doch auch viele Nummern, die mir überhaupt nicht gefallen haben.

Ansonsten wirkt der Film leider auch ein wenig hölzern, was nicht nur an der Tatsache liegt, dass es lediglich zwei Schauplätze gibt, sondern auch daran, dass manche Darsteller einfach langweilig oder übertrieben albern wirken. Adrian Hoven gefällt mir hier allerdings sehr gut, genauso wie Renate Ewert. Brockmann als Kommissar bleibt relativ blass und ist in keinster Weise vergleichbar mit seinen starken Auftritten bei Edgar Wallace.

Handwerklich gibt es nichts auszusetzen und so manche Einstellung kann Spannung verbreiten. Trotz eines klassischen Whodunits bleibt die Erzählweise unspektakulär, weil auch die Morde recht öde inszeniert wurden.

Mit weniger Musik und mehr Interesse an der Handlung hätte der Film sein Potential gehabt, aber so war er für mich recht langweilig.

2 von 5 Punkten.

Prisma Offline




Beiträge: 7.468

13.09.2015 14:54
#23 RE: Bewertet: "Das Rätsel der grünen Spinne" (1960, Stilverwandte) Zitat · antworten



DAS RÄTSEL DER GRÜNEN SPINNE

● DAS RÄTSEL DER GRÜNEN SPINNE (D|1960)
mit Renate Ewert, Adrian Hoven, Jochen Brockmann, Bettina Schön, Hans von Borsody, Gerti Gordon, Bill Ramsey, Gert Wiedenhofen und die Schlagerstarparade Jaqueline Boyer, Angèle Durand, Will Brandes, Detlef Engel, Billy Mo, Tony Sandler, Heinz Schachtner u.a.
ein Tele-Film | im Union Filmverleih
ein Film von Franz Marischka




»Ich fürchte, ich muss ihr Lokal schließen!«



In dem Lokal "Die grüne Spinne" geschieht ein geheimnisvoller Mord. Die Sängerin Maria Moulin (Angèle Durand) wird kurz nach ihrem Gesangsauftritt in ihrer Garderobe erschossen, neben ihr findet man die ohnmächtige Kellnerin Yvonne Krüger (Renate Ewert), die sich an nichts erinnern kann. Niemand im Lokal hat jedoch etwas gehört, da zur Tatzeit offenbar ein Trompetensolo den Schuss übertönt hat. Dem Anschein nach hat das komplette Personal der Bar ein Alibi, und auch ein mögliches Motiv liegt zunächst im Dunkeln. Kommissar Bock (Jochen Brockmann) übernimmt den nebulösen Fall und er kommt zügig zu Ergebnissen. Es stellt sich heraus, dass zahlreiche Personen etwas zu verbergen haben, vor allem aber fällt ihm die nervös wirkende Kellnerin Yvonne auf, die offensichtlich ein dunkles Geheimnis mit sich herumträgt. Noch während der Ermittlungen kommt es zu einem zweiten Mord, Kommissar Bock scheint auf der richtigen Spur zu sein...

»In der grünen Spinne wird man nämlich entdeckt!« Diese optimistische Aussage hört man gleich zu Beginn von einem Barmädchen des berüchtigten Lokals, doch es wird sich relativ schnell herausstellen, dass sowohl sie sich offenbar ziemlich geirrt hat, als auch der Zuschauer, der darauf spekuliert, in einem ernstzunehmenden Kriminalfilm gelandet zu sein. Regisseur Franz Marischka inszenierte mit "Das Rätsel der grünen Spinne" einen Schlagerkrimi, dessen kriminalistisches Element leider nur unzureichend herausgearbeitet wird. Man braucht über die Schlagerdarbietungen nicht großartig zu diskutieren, denn sie zeichnen den damaligen Zeitgeist und dürften einen Großteil des Publikums sogar angesprochen haben. Allerdings sind die Intervalle dieser Auftritte viel zu kurz hintereinander, so dass die Geschichte gewaltsam gestreckt wirkt, und sich der Verdacht bestätigt, dass der Plot ziemlich schwach und konturlos ist. Marischkas Spielfilm stellt somit im Dunstkreis der Kriminalbeiträge absolut keine nennenswerte Konkurrenz dar, und das tatsächlich in jeder Beziehung. Das Gesamtbild wirkt auffällig schlicht und vermittelt beinahe den Eindruck eines TV-Films, Ausstattung, Kulissen und Handhabe biedern sich zwar im Sinne eines Plagiats an, doch alle diese Zutaten bleiben hier deutlich auf der Strecke. Tempo und Spannung mögen leider so gut wie gar nicht aufkommen, wenn beispielsweise im einen Moment noch von düsteren Abgründen die Rede ist, wird im nächsten Moment aus heiterem Himmel über »1000 Mandolinen« geträllert, oder das Lokal wird von einem Schrei durchzogen, als ein weiterer Mord geschieht, doch um das Publikum damit nicht weiter zu belästigen, wird schnell eine Schlagerdarbietung zum Besten gegeben, was den Erzählfluss immer wieder stört, abhackt und ins Lächerliche zieht. Vom titelgebenden Etablissement geht also trotz Gewalt und Verbrechen keine Bedrohung oder Mystik aus, eher vermittelt die "grüne Spinne" viel zu viel unangebrachte Komik. Im Rahmen der Besetzung bekommt man auf den ersten Blick recht bekannte, und ebenso beliebte Stars geboten, die sich beim genaueren Betrachten jedoch schnell als zweite Garnitur herausstellen. Überhaupt hat man es hier anscheinend ohnehin nur mit einer üppigeren Schlagerstarparade zu tun, als mit Darstellern die daran interessiert sind, dem Film ernstzunehmende Tendenzen mitgeben. So zeigen sich im Schutze der halbseidenen Bar eher durchwachsene Leistungen, die sich Vergleiche gefallen lassen müssen.

Die weibliche Hauptrolle vertraute man der seinerzeit sehr beliebten Renate Ewert an, die hier vollkommen konträr zu ihrem üblichen Image in den Fokus gerückt wird. Ohnehin gerne für Schlager- oder Kriminalfilme gebucht, sollte sie ihr Können in dieser Kreuzung beider Richtungen unter Beweis stellen, verliert jedoch aufgrund der schwachen Dramaturgie und ihrer wenig interessanten Rolle an Glaubwürdigkeit und Durchschlagskraft. Ewert spielte ihre Stärken hauptsächlich im Schimmer eines modernen und eigenständigen Frauenbildes heraus und diesem Nimbus entsprechend scheitert ihre alternativ angelegte Rolle hier an etlichen Feinheiten. Kurz zuvor konnte man Renate Ewert in der Edgar-Wallace-Verfilmung "Der rote Kreis" dabei zusehen, als sie Lehrstunden in Sachen Stärke und geheimnisvoller Ausstrahlung erteilte, doch unter der Führung von Franz Marischka entsteht eine Ziellosigkeit, die einer Schauspielerin wie ihr einfach nicht stehen will, genau wie übrigens ihr Partner Adrian Hoven, der im Kriminalfach nicht nur vereinzelt eine eklatante Fehlbesetzung darstellt. Der Österreicher ist nur Teil einer Reihe von beteiligten Darstellern, die hier vollkommen uninteressante Rollen zu interpretieren hatten, wie auch beispielsweise Hans von Borsody, Bettina Schön oder der entsetzliche Bill Ramsey. Einzig Jochen Brockmann als Kommissar Bock leistet eine nicht unwichtige Überzeugungsarbeit (oder in diesem speziellen Fall eher gesagt Pionierarbeit), was als Einzelkämpfer im Gesamtgeschehen allerdings nicht ausreicht. Vereinzelt ist es ihm möglich, seine bekannten Stärken auszuspielen und hierbei kommt ihm sein stämmiges, hartnäckiges Wesen zu Gute, doch leider hat Brockmann wie fast alle anderen auch einfach zu wenige Möglichkeiten eingeräumt bekommen, sich zu profilieren. Die damals angesagte Schlagerparade rundet das Geschehen je nach Präferenz mehr oder weniger ab. Letztlich schleppt sich der Verlauf bis zum mühsam konstruierten Ende und bietet keine nennenswerten Überraschungen, geschweige denn Offenbarungen. So bleibt zu sagen, dass "Das Rätsel der grünen Spinne" hauptsächlich Langeweile und sperrige Schlager-Unterhaltung transportiert, der eine vage Kriminalgeschichte und angestaubter Humor untergejubelt wurden. Regisseur Franz Marischka ist es zu keinem Zeitpunkt gelungen, diesen Film richtig anzupacken und unterm Strich bleiben Belanglosigkeiten der eindeutigsten Sorte zurück. Unter den Gesichtspunkten der Komplettierung und eines sicherlich vorhandenen Nostalgie-Faktors ist dieser Beitrag möglicherweise interessant, allerdings lassen sich selbst unter dieser Betrachtungsweise die eklatanten Schwächen nicht wegdiskutieren.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.412

04.09.2016 14:16
#24 RE: Bewertet: "Das Rätsel der grünen Spinne" (1960, Stilverwandte) Zitat · antworten



BEWERTET: "Das Rätsel der grünen Spinne" (Deutschland 1960)
mit: Renate Ewert, Adrian Hoven, Jochen Brockmann, Bettina Schön, Hans von Borsody, Bill Ramsey, Gerti Gordon, Gert Wiedenhofen, Jean Thomé, Dietmar Christensen, Eva Ira u.a. | Drehbuch: Franz Marischka, Jochen-Joachim Bartsch, Ilse Lotz-Dupont, Carl Szokoll | Regie: Franz Marischka

Elena Körner ist die Chefin des Nachtlokals "Zur grünen Spinne", wo sich allabendlich die gefragten Plattenstars treffen. Nachdem er fünf Jahre in Südamerika gewesen ist, steht Elenas ehemaliger Partner Ted Wagner wieder auf der Bühne, um sein berühmtes Trompetensolo zu spielen. Die Eifersucht brodelt, denn er hat in der temperamentvollen Maria eine neue Partnerin gefunden. Nach der Vorstellung geht diese in ihre Garderobe, wo sie kurze Zeit später erschossen aufgefunden wird. War es Selbstmord oder doch Mord? Kommissar Bock und der Reporter Peter Thorsten ermitteln jeder für sich in der Sache, wobei sich der Kreis der Verdächtigen auf eine überschaubare Zahl beschränkt....

Das Publikum wird bereits im Vorspann darauf hingewiesen, dass es einen Musik-Krimi zu sehen bekommen wird und erkennt in der Vielzahl der Drehbuchmitwirkenden den Versuch, verschiedene Elemente auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, was selten gelingt. Im Vordergrund stehen die aktuellen Schlager und Interpreten ihrer Zeit, die von den Morden hinter der Bühne unbeeindruckt ihre Hits zum Besten geben. Die Kriminalhandlung findet zwischen zwei Auftritten statt und wird jedes Mal, wenn die Spannung steigt, von einem neuen musikalischen Beitrag unterbrochen. Einige der Interpreten erhalten ebenfalls Dialogsätze, was ihre Untauglichkeit für das reale Leben offenbart und man froh ist, wenn sie wieder ins Scheinwerferlicht zurückkehren. Die Oberflächlichkeit, die am Bartresen zelebriert wird, wird lange Zeit auch von der eigentlich ermittelnden Hauptfigur, dem Reporter, mitgetragen. Die offizielle Polizei wird einmal mehr von einem ungleichen Gespann vertreten: dem arroganten, voreingenommenen Kommissar und seinem beflissenen, aber naiven Assistenten. Eine sich anbahnende Beziehung zwischen dem Privatschnüffler und der weiblichen Hauptverdächtigen sorgt für den zentralen Nervenkitzel in der ansonsten halbherzig in Angriff genommenen Kriminalhandlung.

Renate Ewert stellt den Hauptgrund für die Sichtung des seichten Filmvergnügens dar. Fünf Monate nachdem "Der rote Kreis" uraufgeführt wurde, lief "Das Rätsel der grünen Spinne" an. Erneut profitiert der Film von der geheimnisvollen Ausstrahlung der Schauspielerin, deren Anwesenheit erst später erläutert wird und sie sowohl als Opfer, als auch als Täterin möglich werden lässt. Befremdlich erscheinen jedoch die aufgesetzt wirkenden Szenen, in denen sie bei Adrian Hoven Schutz sucht und ihm in die Arme fällt bzw. ihr übertriebener Schrecken vor einer gepfiffenen Melodie. Ewerts Stärken sind im allgemeinen der Mut, der Wortwitz und die Souveränität, die ihre Handlungen auszeichnen. Umso ärgerlicher, wenn sie vom Drehbuch in das vorherrschende Frauenbild zurückgedrängt wird, um den männlichen Helden aufzuwerten. Adrian Hoven müht sich, seinen Reporter mit jenen Eigenschaften auszustatten, die ihn zum unabhängigen, coolen Parallel-Ermittler werden lassen sollen. Er bildet das jugendliche Gegenstück zum schweren Brocken Jochen Brockmann, dessen phlegmatisches Auftreten und mangelndes Charisma nicht ausreichen, um ihm die zentrale Rolle im Kriminal-Puzzle zuzuteilen. So liegt es an dem Österreicher, Cleverness und Engagement zu zeigen, wo die Polizei auf ausgetretenen Pfaden recherchiert.

Bettina Schön ist der größte Pluspunkt des Films, da es ihr gelingt, über die Unzulänglichkeiten des Drehbuchs und die teilweise lächerliche Atmosphäre (z.B. Gesangsnummern mit Alm-Einlagen) hinwegzuspielen. Ihre Ernsthaftigkeit ist wohltuend zwischen den oftmals gestelzt vorgetragenen Texten ihrer Kollegen. Sie überzeugt sowohl als kühle Geschäftsfrau, als auch in ihrer Funktion als betrogene Geliebte des Schnösel-Trompeters. Hans von Borsody agiert als "Mann im Dunkeln" und profitiert von seinem Image als strahlender Schönling. Freilich ist er in der Klimax des Films leicht überfordert, was jedoch der Spannung keinen Abbruch tut. Die agierenden Schlagerstars wie Bill Ramsey liefern das, was ihre Fans von ihnen erwarten und sorgen für Kalauer, was leider auch das hochspannende Finale wieder in die Realität aus Pappkulissen und billigem Klamauk zurückwirft. Dabei fängt es in den letzten zwanzig Minuten endlich an, stringent zu werden und unheimliche Vorgänge bündeln sich zu einer temporeichen Auflösung. Man ist geneigt, sich als Schnittmeister zu betätigen, um zu überprüfen, wie der Film wohl ohne die musikalischen "Schmankerln", die ich alle (bis auf den ersten Auftritt und das stimmige Trompeten-Solo) vorgespult habe, gewirkt hätte.

Melange aus Schlagermusik und Mörderrätsel, bei dem gute Ansätze leider durch die Gewichtung der leichten Unterhaltung immer wieder im Keim erstickt werden. Tapfer kämpfen Ewert, Schön und Hoven gegen die Ziellosigkeit des Drehbuchs an, bei dem wieder einmal zu viele Köche den Brei verdorben haben. 2 von 5 Punkten

PS: Die Berlin-Fans werden bei der Bemerkung hellhörig werden, dass die Bardame Yvonne zwei Jahre im Irrenhaus in Wittenau war, womit zweifellos die Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik (auch "Bonnies Ranch" genannt) gemeint ist.

Georg Offline




Beiträge: 2.784

13.12.2016 20:03
#25 RE: Bewertet: "Das Rätsel der grünen Spinne" (1960, Stilverwandte) Zitat · antworten

Gubanov Offline




Beiträge: 14.943

11.09.2017 07:30
#26 RE: Bewertet: "Das Rätsel der grünen Spinne" (1960, Stilverwandte) Zitat · antworten

„Das Rätsel der grünen Spinne“ belegt im Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017 Platz 46 von 48. Der Film erhielt von den Teilnehmern im Durchschnitt eine Bewertung von 2,83 von 5 Punkten.

zugrundeliegende Wertungen: 13 von 17 (11x „gut bekannt“, 2x „länger her“)
Top-10-Tipps: 0 von 8
Auswahlrunde: Platz 8 von 28 (10,7 Punkte)


mit 3,08 Pkt. Platz 48 in der Kategorie Schauspieler (– 2)
mit 2,35 Pkt. Platz 47 in der Kategorie Inszenierung / Spannung (– 1)
mit 2,79 Pkt. Platz 44 in der Kategorie Drehbuch / Logik (+ 2)
mit 2,54 Pkt. Platz 46 in der Kategorie Ausstattung / Wertigkeit (~ 0)
mit 3,17 Pkt. Platz 39 in der Kategorie Musik (+ 7)
mit 3,25 Pkt. Platz 33 in der Kategorie Epigonenfaktor (+ 13)
mit 2,63 Pkt. Platz 46 in der Kategorie freie Wertung (~ 0)

Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017: Ergebnisse (#157) (11)

Gubanov Offline




Beiträge: 14.943

Gestern 14:50
#27 RE: Bewertet: "Das Rätsel der grünen Spinne" (1960, Stilverwandte) Zitat · antworten



Das Rätsel der grünen Spinne

Musikkrimi, BRD 1960. Regie: Franz Marischka. Drehbuch: Franz Marischka, Jochen Joachim Bartsch, Ilse Lotz-Dupont, Carl Szokoll. Mit: Adrian Hoven (Peter Thorsten), Renate Ewert (Yvonne Krüger), Hans von Borsody (Ted Wagner), Bettina Schön (Elena Korner), Bill Ramsey (Bill Brown), Jochen Brockmann (Kommissar Bock), Gerti Gordon (Lilly), Jean Thomé (Charly), Dany Mann (Penny), Gert Wiedenhofen (Kriminalassistent Finner) u.a. Uraufführung: 23. August 1960. Eine Produktion der Tele-Film München im Union-Filmverleih München.

Zitat von Das Rätsel der grünen Spinne
Just in dem Moment, in dem Trompeter Ted Wagner sein Solo auf der Bühne des Nachtlokals „Die grüne Spinne“ spielt, fällt hinter den Kulissen ein Schuss. Die Sängerin Maria Moulin hat Selbstmord begangen, heißt es. Schon bald schimmert aber durch, dass jemand nachgeholfen hat – auf der Waffe befanden sich nämlich keine Fingerabdrücke. Fast alle Angestellten der „grünen Spinne“ haben ein Motiv, insbesondere die furchtsame Bardame Yvonne und die eifersüchtige Besitzerin Elena. Die Garderobiere weiß mehr, doch bevor sie etwas verraten kann, wird auch sie zu den Klängen harmloser Schlagermusik getötet!


Sicher wird die Frage, ob man mit der Unterhaltungsmusik der frühen 1960er Jahre etwas anfangen kann oder nicht, entscheidend dafür sein, ob man „Das Rätsel der grünen Spinne“ überhaupt für einen verdaulichen Film hält. Davon abgesehen dürfte die schiere Überpräsenz von Musik im Verhältnis zur eher dürftigen Handlung aber dafür sorgen, dass selbst Nostalgikern an der einen oder anderen Stelle der Geduldsfaden reißt. Schon im Vorspann als „Musik-Krimi“ angekündigt, betreibt der Film immerhin keinen Etikettenschwindel – es handelt sich vielmehr um eine Mischung aus den in den Fünfzigern sehr populären „Schlagerparade“-Filmen (in denen eine lose Handlung von allerlei aktuellen Hits zusammengehalten wurde) mit dem Erfolg der jungen Wallace-Krimiwelle. Die Idee, einen Nachtclub zum Treffpunkt dieser beiden Genres zu machen, lag nach der Wahl des „Frosches“ zum Rialto-Erstling eigentlich recht nahe – Stichwort: „Lolita-Bar“ –; man sollte sich aber eben keinen harten, logisch stringenten Krimi von der Klasse der Originalserie oder der besseren Epigonen erwarten.

Die Qualität der musikalischen Darbietungen variiert recht stark. Einerseits erweist sich die „grüne Spinne“ tatsächlich als interessanter Talentschuppen mit atmosphärischen Volltreffern (das kuriose spanische „Ave Maria“, das peitschende Trompetensolo, der Auftritt der französischen Grandprix-Siegerin Jacqueline Boyer mit dem hinreißenden Chanson „Comme au premier jour“ oder Dany Manns sympathischer Stimmungsaufheller „Aber nachts um Vier“). Andererseits tun miefig-spießige Klamaukauftritte mit Cowboy und Indianer, Rindviech von der Alm, Sträflingsketten oder dem wie üblich albernen Bill Ramsey dem Film, der ja durchaus einen dramatischen Schwerpunkt zu setzen versucht, keinen Gefallen. An ihrer Stelle hätte die Handlung in einigen Punkten Stärkung vertragen, so z.B. bei Ewerts doch recht abenteuerlich anmutender Backstory oder der geheimnisvollen Garderobenfrau.



Wie dünn der Plot ist, an dem immerhin vier Autoren arbeiteten, sieht man nämlich vor allem daran, dass weder Adrian Hoven noch Jochen Brockmann wirklich viel zu ermitteln haben. Ihre Auftritte bleiben folglich hinter denen in der Edgar-Wallace-Serie zurück, auch wenn man ihnen keine prinzipiellen Fehltritte ankreiden kann. Die etwas arrogante Art, mit der Brockmann seinen Kommissar ausstattet, gefiel mir durchaus, wobei sein Assistent in Gestalt von Gert Wiedenhofen ein blanker Ausfall ist. Auch Renate Ewerts übertrieben hysterisches Spiel verwundert den Zuschauer und zeigt rückblickend, dass die im „roten Kreis“ so überzeugende Actrice wohl auf einen guten Regisseur angewiesen war, um ihr Potenzial zu entfalten. Hier ist dies eher nicht der Fall; die hauptsächlich als Synchronsprecherin bekannte Bettina Schön, deren Karriere vor der Kamera sonst nur einige wenige TV-Auftritte umfasst, steckt Ewert locker in die Tasche und stellt gemeinsam mit Hans von Borsody ein attraktives, von einer Aura des Mysteriösen umgebenes (Alp-)traumpaar aus der zweiten Reihe dar.

Dass der Film fast ausschließlich in der „grünen Spinne“ spielt und es keine Außenaufnahmen gibt, ist an sich nicht von Nachteil; man hätte sich dann aber etwas aufwendigere Kulissen gewünscht, die die günstige Ausstrahlung abfedern, welche der Film in den Sets von Otto Pischinger und Helga Hareiter leider aufweist. Vermutlich war das Budget aber wirklich nicht das größte und im Wesentlichen bereits für Stars und Sternchen ausgegeben worden. So bleibt unterm Strich eine liebenswerte, aber nicht gerade schmeichelhafte Epigone, die hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt, auch wenn sie stellenweise gute Rätselatmosphäre aufbaut.

Im Vergleich mit dem ähnlich gelagerten, aber ernster zu nehmenden „Hotel der toten Gäste“ zieht „Das Rätsel der grünen Spinne“ ganz klar den Kürzeren – was sowohl den Plot als auch die Besetzung betrifft. Hauptsächlich auf Musik konzentriert und in dieser Beziehung mehrfach sehr überzeugend, steckt der Krimianteil dieses Franz-Marischka-Films doch noch in ziemlich kleinen Kinderschuhen. Knappe 3 von 5 Punkten.

PS: Anderweitig diskutiert wurde schonmal das Bildformat der Pidax-DVD. Nach meiner Sichtung würde ich 1,37:1 für das Originalformat halten; ich konnte nicht sehen, dass das Bild irgendwo nach abgeschnittenen Rändern links und rechts oder nach einer Open-Matte-Fassung aussah.

Ray Offline



Beiträge: 829

Gestern 15:14
#28 RE: Bewertet: "Das Rätsel der grünen Spinne" (1960, Stilverwandte) Zitat · antworten

Hatte den Film kurz nach Erscheinen der DVD im Frühjahr gesichtet, war aber nicht zu einer Besprechung gekommen. Möglicherweise hat auch der Eindruck, den ich vom Film bekommen habe, eine Rolle gespielt. Insgesamt halte ich deine Bewertung für fair, ich hätte ihm wohl noch einen halben Punkt weniger gegeben.

Ich habe mit derlei Gesang-Einlagen, obschon sie nicht meinen musikalischen Geschmack treffen, solange kein Problem, wie sie sinnvoll in Film und Handlung eingebaut werden. Das ist eben z.B. beim "Hotel der toten Gäste" der Fall und hier nicht. Auch beim "Hotel" ist die Absicht offensichtlich, aber man hat trotzdem eine ansprechende Handlung, die das Ganze vernünftig einrahmt. Dieses Gleichgewicht geht der "grünen Spinne" ziemlich ab. Kann mich noch dran erinnern, dass ich von einigen Nummern (natürlich wie immer den schlimmsten) einige Tage ein paar besonders unangenehme Ohrwürmer hatte.

Davon abgesehen ist die Auflösung letzten Endes doch ziemlich offensichtlich und dürfte kaum jemanden sonderlich überraschen.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.943

Gestern 15:26
#29 RE: Bewertet: "Das Rätsel der grünen Spinne" (1960, Stilverwandte) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #28
Davon abgesehen ist die Auflösung letzten Endes doch ziemlich offensichtlich und dürfte kaum jemanden sonderlich überraschen.

Ich glaube, das große Problem ist nicht 'mal die Vorhersehbarkeit der Auflösung, sondern die Art und Weise, wie sie dem Zuschauer als kriminalistisches Meisterstück untergejubelt werden soll, obwohl sie echt simpel ist. Der Kommissar zerbricht sich den Kopf, wie er den Mörder bloß überführen könnte, und spricht vom "perfekten Alibi" und dann ...
... legt der Reporter einfach den Lichtschalter um und das war's.

Am Tag, an dem ich "Das Rätsel der grünen Spinne" gesehen habe, war ich durchaus in großzügiger Stimmung. Eine Wertung im 2,x-Bereich wäre auch für mich vertretbar.

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