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Dieses Thema hat 34 Antworten
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 Filmbewertungen
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Count Villain Offline




Beiträge: 4.252

31.08.2017 08:00
#31 RE: Bewertet: Mabuse - "Das Testament des Dr. Mabuse" (4) Zitat · Antworten

Und mein Mabuse-Film-Marathon geht weiter.

Nach den zwei Reinl-Reißern ist das Testament doch ein kleiner Stimmungskiller. Den neuen Ansatz in Plot, Atmosphäre und Gestaltung muss man erst mal verdauen. Ist das geschehen, erwartet einen ein durchaus hochklassiger Kriminalfilm mit (mal wieder) guten Schauspielerleistungen vor allem von Rilla, aber auch von Fröbe, Regnier und Preiß. Selbst Ann Savos Kurzauftritt bleibt nachhaltig im Gedächtnis. Ich hätte sie mir gerne anstelle von Dominique Boschero im Weinert-Wilton "Geheimnis der chinesischen Nelke" gewünscht, eine ähnliche Rolle hatte sie ja bereits im Bryan-Edgar-Wallace "Das siebte Opfer" mit Bravour gemeistert.

Aber zurück zum Testament und warum es trotz aller Stärken bei mir nicht wirklich reüssieren kann. Der Film wirkt seltsam aus der Zeit gefallen und weiß daher dem Original aus dem Jahr 1933 nicht wirklich viel Neues hinzuzufügen, was über schauspielerische oder handwerkliche Gestaltung hinausgeht. Die Verbrecher-Spitznamen wirken ebenfalls wie aus Groschenheften der 20er Jahre. Und auch die Verbrechen stellen sich als sehr profan dar, abgesehen von seiner Geisteskraft stellt sich Mabuse hier auf eine Stufe mit "einfachen" Geldfälschern und Bankräubern. Das ist einfach für die von den Vorgängerfilmen geschürte Erwartungshaltung eine Nummer zu klein.

Was dem Film außerdem nicht besonders gut tut, ist - obwohl sehr gelungen herausgearbeitet und gespielt - der Fokus auf den Verbrechern. Fröbe holt das Beste aus seiner undankbaren Rolle heraus. Die Ermittler erreichen hier gar nichts, können nur reagieren und müssen letztendlich von Dritten aus ihren prekären Lagen befreit werden (ganz schlimm Juhnkes Rolle, bis zu dem Zeitpunkt in dem er in den Aufzugsschacht fällt, noch halbwegs amüsant und erträglich, stempelt ihn das endgültig zum Deppen). Hier wurde eindeutig versäumt, Dr. Mabuse auf seiten der Polizei einen starken Gegenpart gegenüberzustellen. Auch das widerspricht der Erwartungshaltung.

Wenn man sich auf den Film einlassen kann, entdeckt man sicherlich eine kleine Perle. Ich kann es jedoch nicht und ziehe die Vorgängerfilme sowie die 1933er Version diesem Remake vor. Ein grandioser Walter Rilla allein reißt es für mich leider nicht wirklich raus.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.338

02.09.2017 10:48
#32 RE: Bewertet: Mabuse - "Das Testament des Dr. Mabuse" (4) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #31
Wenn man sich auf den Film einlassen kann, entdeckt man sicherlich eine kleine Perle. Ich kann es jedoch nicht und ziehe die Vorgängerfilme sowie die 1933er Version diesem Remake vor. Ein grandioser Walter Rilla allein reißt es für mich leider nicht wirklich raus.

Ich ziehe die 62er Verfilmung dem Original vor. Wie fast alle "Uralt-Filme" (30er, 40er Jahre) ist mir auch das Original-Testament viel zu lahm inszeniert. Neben dem sicher hervorragend agierenden Wlater Rilla gefallen mir hier besonders Charles Regnier und Wolfgang Preiss. Letzterer hatte endlich mal Gelegenheit, etwas öfter in ERscheinung zu treten.

Jan Offline




Beiträge: 1.430

02.09.2017 11:29
#33 RE: Bewertet: Mabuse - "Das Testament des Dr. Mabuse" (4) Zitat · Antworten

Die Macharten unterscheiden sich natürlich zwischen Langs Original und dem Remake in puncto Tempo. Was ich aber auch feststellen muss: So wirklich was Neues ist Klingler in seiner Inszenierung nicht eingefallen. Die Filme ähneln sich schon abseits der Gangart gewaltig. Das ist wenig kreativ. Fritz Lang selbst hatte da mit seinem Mabuse 1960 einen anderen, wie ich finde höchst modernen Stil geschaffen. Das Testament wirkt dagegen eher konventionell, nicht schlecht, aber eben auch nicht wirklich anders, fast morbide mit dem gewissen Schuss Plakativität, wie er sicher von Artur Brauner zwecks Konkurrenz zu Wallace gewünscht war.

Ich mag Werner Klinglers Testament dennoch und ziehe es den Krallen und allen Nachfolgern definitiv vor. Es sind die angesprochenen Darsteller und das gute, wenngleich eben arg unverändert übernommene Buch. Schon das Original-Buch von 1932 fand ich stets gelungen. Dass beim Original Abstriche aufgrund der Sehgewohnheiten zu machen sind, ist klar. Wer sich aber darauf einlassen kann, bekommt mit Langs Testament einen optischen Hochgenuss geboten, den Klingler nicht wiederholen konnte, vielleicht auch gar nicht wiederholen wollte. Ich denke da z.B. an die Auftaktszene aus dem Lang'schen Testament: Die Kamera fährt inmitten von sich bewegenden Tonnen und Kisten suchend durch einen Raum, die Gläser und Gerätschaften auf den Tonnen bewegen sich, im Hintergrund ist ein dumpfes Grollen von irgendwelchen Maschinen zu hören, der Boden vibriert, die Kamera stoppt und schwenkt mit einem Schlag nach unten, wo eine Person stummfilm-like in der Ecke kauert und um's Leben bangt. Das war 1932 ein Novum und eine Kunst, mit einem Riesentrumm von Kamera und dem anhängigen Beleuchtungsequipment eine solche Fahrt zu realisieren. In anderen zeitgenössischen Produktionen war die Kamera noch vergleichsweise starr, fast immer auf Augenhöhe der Darsteller. Fritz Lang modernisierte diese Aufnahmeweise, wechselte häufig von der Nahaufnahme in die Totale von schräg oben.

Insofern haben die beiden Testamente für mich einen unterschiedlichen Stellenwert. Fritz Lang revolutionierte regelrecht die Aufnahmetechnik mit seinem Film (ebenso wie mit M), währenddessen Werner Klingler eben einen Kriminalfilm von vielen erstellte. Wie gesagt: Er machte keineswegs einen schlechten Film und die Zielrichtungen von Original und Remake waren sicher auch nicht identisch. Insofern kann ich beiden etwas abgewinnen. Dem Original unter dem Strich aber mehr.

Gruß
Jan

patrick Offline




Beiträge: 3.124

02.09.2017 19:01
#34 RE: Bewertet: Mabuse - "Das Testament des Dr. Mabuse" (4) Zitat · Antworten

Zitat von Edgar007 im Beitrag #32

Ich ziehe die 62er Verfilmung dem Original vor. Wie fast alle "Uralt-Filme" (30er, 40er Jahre) ist mir auch das Original-Testament viel zu lahm inszeniert. Neben dem sicher hervorragend agierenden Wlater Rilla gefallen mir hier besonders Charles Regnier und Wolfgang Preiss. Letzterer hatte endlich mal Gelegenheit, etwas öfter in ERscheinung zu treten.


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Gubanov Offline




Beiträge: 16.116

14.09.2017 06:24
#35 RE: Bewertet: "Das Testament des Dr. Mabuse" (1962, Mabuse 4) Zitat · Antworten

„Das Testament des Dr. Mabuse“ belegt im Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017 Platz 16 von 48. Der Film erhielt von den Teilnehmern im Durchschnitt eine Bewertung von 4,02 von 5 Punkten.

zugrundeliegende Wertungen: 16 von 17 (15x „gut bekannt“, 1x „länger her“)
Top-10-Tipps: 2 von 8 (höchster Tipp: 1x Platz 6)
Auswahlrunde: vorqualifiziert (Dr.-Mabuse-Film)


mit 4,32 Pkt. Platz 11 in der Kategorie Schauspieler (+ 5)
mit 3,84 Pkt. Platz 23 in der Kategorie Inszenierung / Spannung (– 7)
mit 4,05 Pkt. Platz 07 in der Kategorie Drehbuch / Logik (+ 9)
mit 4,02 Pkt. Platz 19 in der Kategorie Ausstattung / Wertigkeit (– 3)
mit 3,68 Pkt. Platz 25 in der Kategorie Musik (– 9)
mit 4,35 Pkt. Platz 12 in der Kategorie Epigonenfaktor (+ 4)
mit 3,90 Pkt. Platz 20 in der Kategorie freie Wertung (– 4)

Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017: Ergebnisse (#192) (13)

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