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Dieses Thema hat 56 Antworten
und wurde 4.704 mal aufgerufen
 Filmbewertungen
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Gubanov Offline




Beiträge: 14.376

09.05.2009 14:28
#31 RE: Bewertet: BEW - "Der Würger von Schloss Blackmoor" (2) Zitat · antworten
Heute Vormittag einmal wieder gesehen und folgende Meinung gebildet:

Der Würger von Schloss Blackmoor (BRD 1963)

- Darsteller:
Wie es anders kaum sein kann, stellt den großen Pluspunkt der Besetzung die charmante Karin Dor dar, die jede Szene und jeden Ausdruck von Willensstärke und Zielstrebigkeit bis Angst und Verwunderung herrlich meistert. Die Besetzung Harry Riebauers als Inspektor ist zwar angenehm abwechslungsreich und wird von Riebauer gut und unerwartet sympathisch umgesetzt, doch bildet das Fehlen eines „großen Namens“ rein technisch gesehen ein kleines Manko. Walter Giller spielt eine ihm unwürdige Rolle als dummdreister Adliger, der hauptsächlich in den Kinderszenen und kaum als so penetrant Verdächtiger passend erscheint, wohingegen die düsteren Charaktere Zeisbergs und Häusslers so gut gezeichnet und porträtiert sind, dass ich sie als die jeweils besten ihrer derartigen Auftritte empfinde.
Eine mehr als interessante Besetzung findet sich auch in Rudolf Fernaus Lucius Clark, der dieses Mal nicht zwischen Wahnsinn und Frömmigkeit schwankt, sondern eine ganz handfeste und weitgehend realistische Darstellung abgibt. Letzteres Attribut trifft kaum auf den effektvoll übertreibenden Dieter Eppler zu, der mit seinem Auftritt gute Miene zum bösen Spiel, d.h. zu seinem fürchterlich theatralischen Charakter, macht. Hans Reiser kommt leider etwas zu kurz.

- Regie:
Dr. Harald Reinl inszenierte mit „Der Würger von Schloss Blackmoor“ den besten und Wallace-Serien-nächsten Bryan-Edgar-Wallace-Schwarzweißfilm. Freilich kommt der etwas naive „Würger von Schloss Blackmoor“ nicht an die BEW-Farbphase heran, aber ein Vergleich ist hier weder angebracht noch wirklich effektiv durchführbar. Vielmehr ist zu konstatieren, dass es sich bei „Der Würger von Schloss Blackmoor“ neben „Das 7. Opfer“ um den einzigen BEW-Film handeln dürfte, der neben der Edgar-Wallace-Serie in Motiven, Inszenierung und Atmosphäre bestehen kann. Das hat hier mit Reinls gutem Gespür für das Zusammenspiel von Story, Kamera und Schnitt zu tun, das vor allem in der ersten Hälfte des Films sehr zügig und ohne große Kompromisse das Fortschreiten der Handlung fördert. Auch wenn der zweite Teil diese Stringenz ein wenig vermissen lässt, so bleibt doch ein richtig gut gemachter Krimi zurück, der seine Effekte aus einer guten Handlung und deren gelungener Umsetzung und glücklicherweise nicht aus einem Übermaß von Albernheiten gewinnt.

- Drehbuch:
Die Geschichte um den „Würger von Schloss Blackmoor“ (schon der Titel hält, was er verspricht) könnte nicht mehr Wallace-like sein: eine vermummte Gestalt, ein Schloss im Moor, Diamantenschätze, ein irrer Butler, eine Bardame, die sich in eine Lady verwandelt und der Rest des Knallchargenkatalogs. All dies bietet wunderbare Unterhaltung, die durch mehr oder weniger zu erwartende Wendungen und einige Logikfehler zur besten Krimiunterhaltung beiträgt.

- Kamera:
Im unheimlichen Landgebiet um Schloss Blackmoor herum (das von einem meiner Lieblings-„Schlösser“ „dargestellt“ wird) fängt Ernst W. Kalinkes Kamera kurzweilige Bilder in gestochenem Licht-Schatten-Spiel ein. Auch der Kontrast zwischen dem Schloss und der Spelunke Old Scavenger Inn kommt gut zum Tragen.

- Musik:
Je öfter ich „Der Würger von Schloss Blackmoor“ sehe, desto mehr mag ich Oskar Salas Musik. Gewiss, sie ist nicht typisch für Kriminalfilme der 1960er Jahre, aber sie ist originell und an allen Stellen passend eingesetzt. Kleine Geräusche werden aufgegriffen und effektvoll musikalisch umrahmt.

- Gesamtwirkung:
„Der Würger von Schloss Blackmoor“ ist ein ordentlicher Kriminalfilm – in fast allen Bereichen wurde saubere Arbeit geleistet. Leider lässt seine Intensität gen Ende etwas nach. Auch dramatische Momente wurden nicht immer ideal ausgekostet. Effekte wirken hin und wieder billig. Ansonsten gibt es wenig zu kritisieren.

Meine Wertung: 4 von 5 Punkten.

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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.342

09.05.2009 15:24
#32 RE: Bewertet: BEW - "Der Würger von Schloss Blackmoor" (2) Zitat · antworten

Die Musik von Oskar Sala ist in der Tat sehr passend. Er verwendet Töne, die die einzelnen Szenen perfekt untermalen. Seine Kompositionen verbildlichen die Situationen, die der Zuseher gerade gezeigt bekommt. Man hört das Schmatzen des Moores, das Glitzern und Funkeln der Diamanten und die begehrlichen Gedanken des Butlers, als er seine Hände nach den geschliffenen Steinen ausstreckt. Besonders realistisch erscheinen mir die Würgeszenen, in denen der Mörder den Opfern die Luft abdreht und dies musikalisch eindringlich begleitet wird.

DanielL Offline




Beiträge: 3.669

09.05.2009 15:41
#33 RE: Bewertet: BEW - "Der Würger von Schloss Blackmoor" (2) Zitat · antworten
Bei der Musik von Oskar Sala muss ich auch zugeben, dass auch ich meine Meinung geändert habe. Zu Beginn empfand ich sie auch als furchtbar, weil ich noch die swingenden Themes von Böttcher im Kopf hatte. Wenn man aber ein bisschen mehr Offenheit mitbringt, stellt man fest, dass Oskar Salas Filmmusik hier eine sehr effektbetonte und zwar wenig melodische, aber hervorragend funktionierende Krimiuntermalung ist. Und so vertrete ich mittlerweile bereits seit langer Zeit die Auffassung, dass Oskar Salas Beitrag wunderbar schaurig ist und gebe hier seiner Musik beim WÜRGER noch den Vorzug vor der Arbeit bei FLUCH DER GELBEN SCHLANGE, wo er seine "Geräuschmusik" teilweise zu sehr auf die Spitze treibt, gerade auch in dem eigentlichen Film, weniger beim Titelthema.

Gruß,
Daniel

kaeuflin Online




Beiträge: 1.249

11.05.2009 12:12
#34 RE: Bewertet: BEW - "Der Würger von Schloss Blackmoor" (2) Zitat · antworten

Zitat von Daniel Lantelme
Und so vertrete ich mittlerweile bereits seit langer Zeit die Auffassung, dass Oskar Salas Beitrag wunderbar schaurig ist und gebe hier seiner Musik beim WÜRGER noch den Vorzug vor der Arbeit bei FLUCH DER GELBEN SCHLANGE, wo er seine "Geräuschmusik" teilweise zu sehr auf die Spitze treibt, gerade auch in dem eigentlichen Film, weniger beim Titelthema.


Wobei ich finde das diese Tonansammlung (mehr ist das für mich einfach nicht) beim Fluch der Gelben Schlange wenigstens zum Thema passt , wohin gegen diese Geräusche mit dem Film Der Würger von Schloss Blackmoor(und seiner Handlung) überhaupt keine Verbindung zu haben scheinen ... Aber Musik ist halt eben genauso Geschmackssache wie Filme .... der eine mags , der andere nicht !

Peter

Don't think twice, it's all right ...

Bob Dylan

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

17.05.2009 09:36
#35 RE: Bewertet: BEW - "Der Würger von Schloss Blackmoor" (2) Zitat · antworten

ACHTUNG! S*P*O*I*L*E*R vorhanden!!

Nun bin ich auch endlich dazugekommen mir auch dieses Meisterwerk von Dr. Hrald Reinl mal wieder anzusehen - bei einer Atmosphäre in völliger Dunkelheit und mit Kopfhörer. Ein erstklassiges Erlebnis - man findet Details die einem bei "normalen" Sehen nicht zum Bewußtsein kommen.

Die Story ist gradlinig - und da es offiziell keinen Roman hierzu von Bryan Edgar Wallace gibt, sondern bei diesem Film nur seinen Namen für die Vermarktung hergegeben hat - könnte er genausogut - wie z.B. DER HUND VON BLACKWOOD CASTLE - den Namen des Vaters EDGAR WALLACE tragen. Mal abgesehen von Karin Dor, die wie immer brillant spielt, sind die anderen Darsteller zum größten Teil eine erfreuliche Abwechslung. Harry Riebauer spielt erstmals einen Inspektor und zugleich seine größte Rolle neben des Milton S. Farnborough in DIE TOTE AUS DER THEMSE. Er überzeugt in dieser Rolle wie auch Dieter Eppler als Butler, Rudolf Fernau als Lucius Clark und Gerhard Hartig als Sergeant Watson. Walter Giller als Schloßherr und Stefan Schwarz als der Junge Phips passen ebenfalls als Auflockerung in diesen Film... es muß ja nicht immer Humor mit der "Blechstange" sein. Das Bösewicht-Trio Hans Nielsen, Richard Häussler und Ingmar Zeisberg geben auch ihr bestes um glaubwürdig zu wirken, wobei hier Richard Häussler im Schatten von Hans Nielsen stehent, im Gegensatz der Beiden beim INDISCHEN TUCH. Da ich kein Fan von Ingmar Zeisberg bin, ist sie für die Rolle der "bösen" Judy besonders prädistiniert. Zu Hans Nielsen möchte ich noch hinzufügen, dass er in den CCC-Krimis eine wesentlich überzeugendere Figur macht als in den beiden Rialto-Filmen. Habe ich jemand vergessen?? Ach, ja! Der Würger von Schloß Blackmoor - Hans Reiser. Er macht sich von Anfang an so unverdächtig - und passt als Reporter so gar nicht in die Geschichte, dass letztendlich nur er Maning jr. sein kann. Auch wenn man dies vermutet und zum Schluß auch bestätigt wird trübt dies in keinster Weise die Spannung. Ein besonderes Kabinettstückchen möchte ich nicht unerwähnt lassen: Michtells Auftritt bei seinem Chef in Scotland Yard - einfach köstlich.

Die Schauplätze, das Schloß, der Wald mit den Strassen und dem Torbogen (der Gleiche wie im UNHEIMLICHEN MÖNCH), die Bahn- und Brückenszenen - alles erstklassig atmosphärisch in Szene gesetzt - hier erkennt man das Genie Reinl, der es verstand mit einfachen Mitteln größte Spannung zu erzeugen. Solches fehlt vor allem ab dem zweiten Vohrer-Wallace-Schwarzweiß-Film. Vohrer hätte sich mal einige Reinl-Krimis ansehen sollen - vermutlich wäre dann der eine oder andere seiner Wallace-Filme überzeugender geworden.

Einige "Vorschreiber" haben sich zu der Musik von Oskar Sala positiver wie früher geäußert. Dem kann ich mich zwar nicht anschließen, aber auch bei dem echten Reinl-Wallace-Film DIE BANDE DES SCHRECKENS ist die Musik von Heinz Funk nicht weltbewegend - so finde ich mich auch hier mit der Musik von Oskar Sala ab.

FAZIT: Ein Gruselkrimi, der durchaus das Prädikat "Ein echter Edgar Wallace-Krimi" verdient hätte, denn er steht in nichts den echten Rialto-Wallace-Filmen nach, sondern im Gegenteil er ist besser als manch ein echter Rialto-Wallace-Krimi.

Joachim.

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

17.07.2009 08:38
#36 RE: Bewertet: BEW - "Der Würger von Schloss Blackmoor" (2) Zitat · antworten

Nach erneuter Sicht noch ein paar Anmerkungen zu diesem Meisterwerk.

DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR ist ein Paradebeispiel dafür wenn einem Regisseur von Format erstklassige Drehbuchautoren zur Verfügung stehen. Gekonnt inszenierte er die Vorlage von Ladislas Fodor und Gustav Kampendonk. Und im Vergleich zu den anderen s/w-BEW-Filme erkennt man die Genialität des Regisseurs. Gehen den anderen Regisseure während der Filme einmal "die Luft" aus, so überbrückt Dr. Harald Reinl mit außergewöhnlichen Szenen solche Drehbuchstellen (u.a. Köpfung des Mootoradfahrer, das Feuerlegen des Würgers). Dadurch entwickelt sich pausenlose Spannung. Alles in allem der Beste Bryan-Edgar-Wallace-s/w-Film.

Joachim.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

14.11.2010 21:25
#37 RE: Bewertet: BEW - "Der Würger von Schloss Blackmoor" (2) Zitat · antworten

Der Würger von Schloss Blackmoor (Deutschland 1963, Originaltitel: Der Würger von Schloss Blackmoor)

Ratz Fatz - Rübe ab

Lucius Clark (Rudolf Fernau) hat beste Laune, er soll bald von der Queen in den Adelsstand erhoben werden. Aus diesem Anlass empfängt er Gäste auf Schloss Blackmoor, das er von Lord Edgar Blackmoor (Walter Giller) gemietet hat. Nach einem kleinen Fest mit Bekannten, taucht plötzlich eine maskierte Gestalt auf, bedroht Clark mit einer Waffe. Der Unbekannte verlangt die Herausgabe von Edelsteinen, doch so leicht lässt sich der Bedrohte nicht einschüchtern. Als Clark einen Boten nach London entsendet, wird dieser von der maskierten Gestalt brutal ermordet. Offensichtlich hat der unbekannte Erpresser seine Drohung sehr ernst gemeint. Der schmierige Rechtsverdreher Dr. Tromby (Richard Häussler) sitzt Lucius Clark im Nacken, der zunehmend in Bedrängnis gerät. Clark wird allerdings ncht nur von Dr. Tromby belagert, auch der Butler Anthoney (Dieter Eppler), der über eine ganz spezielle Fähigkeit verfügt, sorgt zunehmend für Ärger. Claridge Dorsett (Karin Dor), die junge Nichte von Lucius Clark, lebt ebenfalls auf Schloss Blackmoor. Sie ahnt jedoch nichts von den Umtrieben ihres Onkels, der tatsächlich eine stattliche Anzahl Diamanten unter Verschluss hält. Sollte der leicht verschrobene Lord Blackmoor seine Finger im Spiel haben? Der Edelmann könnte eine Finanzspritze gut vertragen, da der das Turmzimmer auf Blackmoor bewohnt, hat er stets alles im Überblick. Damit nicht genug, denn schliesslich taucht auch noch eine vermeintliche Adelige auf, die vorgibt das Anwesen erwerben zu wollen. Weitere Tote sind zu beklagen, kein leichter Fall für Inspektor Mitchell (Harry Riebauer), den seine Ermittlungen nicht nur nach Blackmoor, sondern auch in eine fragwürdige Spelunke führen...

War "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" noch ein recht durchwachsenes Filmchen, ist der zweite "Bryan Edgar Wallace" Steifen von CCC-Film schon ein ganz anderes Kaliber. Unter der Regie von Harald Reinl, entstand ein sehr unterhaltsamer Krimi, der jeden Freund derartiger Produktionen erfreuen sollte. "Der Würger von Schloss Blackmoor" bietet alle Zutaten, die man von einem ansprechenden Wallace Film erwartet. Eine herrschaftliches Anwesen auf dem Land, alte Gewölbe, eine miese Spelunke, finstere Gestalten. Vermisste man bei den schwarzen Koffern einen Ermittler mit Ausstrahlung, Joachim Hansen war eine arg blasse Erscheinung, gefällt Harry Riebauer als Inspektor weitaus besser. Die Optik des Würgers -mit Maske und Handschuhen- weist in Richtung Giallo, der in den kommenden Jahren die Kinoleinwände erobern sollte. Erstaunlich muten kleinere Härten an, in einer Kiste findet man einen abgetrennten Kopf vor, später kommt einem Mopedfahrer ebenfalls die Rübe abhanden. Das Spiel mit Schatten und Licht funktioniert bestens, Reinl und sein Team verstanden ihr Handwerk vortrefflich.

Die weibliche Hauptrolle wurde mit Karin Dor besetzt, die häufig in den Filmen ihres Ehegatten Harald Reinl zu sehen war. Einmal mehr gibt sie die sympathische, schutzbedürftige Schönheit, die vor allem die Gelüste des Inspektors weckt. Harry Riebauer steht die Rolle des Kriminalisten gut zu Gesicht, er wirkte später in weiteren Wallace Produktion von CCC-Film und Rialto mit. Riebauer mag vielleicht nicht den Charme eines Joachim Fuchsberger besitzen, vor einem Darsteller wie Heinz Drache, muss sich Riebauer aber keinesfalls verstecken. Der ebenfalls kriminalfilmerprobte Rudolf Fernau, macht als zunehmend gestresster "Möchtegern-Aufsteiger" eine gute Figur. Nicht minder stark die verschwitzt-eklige Vorstellung von Dieter Eppler, dem zunehmend die Contenance abhanden kommt, der von seiner Gier und Leidenschaft übermannt wird. Richard Häussler nimmt man den verschlagenen Anwalt zu jeder Zeit ab, es mangelt in "Der Würger von Schloss Blackmoor" keinesfalls an Fieslingen. Hans Reiser hatte in "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" sogar den etwas interessanteren Part erwischt, diesmal kommt er weniger häufig zum Zuge, zumindest vordergründig betrachtet. Die humorig angelegten Parts, sind bei den Wallace Filmen immer eine Gratwanderung. Eddi Arent war in manchen Filmen eine Bereicherung, in anderen neigte er zur Nervensägerei. Ganz schlimm die fürchterliche Vorstellung, die Chris Howland in "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" ablieferte. Walter Giller zeigt als Lord Blackmoor eine der ansprechendsten Darbietungen, die man im Bereich der "albernen" Wallace Charaktere finden kann. Man muss den knuffigen Lord einfach mögen. Ingmar Zeisberg ergänzt die Damenriege, sie stellt gewissermaßen den Gegenpol zur sauberen Karin Dor dar.

Für die musikalische Untermalung sorgte Oskar Sala, der mit seinen Klängen bereits "Der Fluch den gelben Schlange" (1962) veredelte. Erneut ertönt sein Mixturtrautonium, das für eine angenehm ungewöhnliche, frische und interessante Klangkulisse sorgt. Für manchen Fan mag Salas Werk nicht zugänglich sein, doch es lohnt sich wirklich genauer hinzuhören. Ansonsten wird bewährte, routinierte Arbeit geboten, erneut kann man Harald Reinl ein gutes Zeugnis ausstellen.

"Der Würger von Schloss Blackmoor" liegt in schöner Verfassung auf DVD vor. Gemeinsam mit

• Das Geheimnis der schwarzen Koffer
• Das siebente Opfer

bildet der Film den Inhalt der "Bryan Edgar Wallace Collection 1". Das Set ist zum fairen Preis erhältlich, die Filme stellen eine schöne Ergänzung zu den bekannteren Rialto Produktionen dar. Klare Kaufempfehlung für alle Freunde gelungener Kriminalfilmunterhaltung aus deutschen Landen! Lediglich das Ende hätte eine Dosis Kitsch weniger vertragen können, wirklich störend fällt dieser Moment aber nicht ins Gewicht.

Gut = 7/10

Lieblingszitat:

"Vorläufig ist es zwar nur ein dünner Draht, aber vielleicht wird eines Tages ein solider, dicker Strick daraus."

***

Vom Ursprung her verdorben

Prisma Offline




Beiträge: 7.459

15.11.2010 00:31
#38 RE: Bewertet: BEW - "Der Würger von Schloss Blackmoor" (2) Zitat · antworten

"Der Würger von Schloss Blackmoor" bietet eine ausgezeichnete Atmosphäre, die meines Erachtens gerade durch Oskar Salas Kompositionen vortrefflich unterstützt wird. Er schafft es, dass man Diamanten funkeln hören kann und dass man das Moor atmen hören kann. Wenn man seine Arbeit nicht mit konventioneller Kriminalmusik vergleicht wird man merken, dass das alles schon Hand und Fuß hat. Ein hervorragender Stimmungsverstärker!
Die Besetzung ist ebenfalls ausgezeichnet, wenn auch zum Teil etwas eigen. Karin Dor spielt erwartungsgemäß solide, man kann sagen routiniert, sie überzeugt mich persönlich mehr als in ihren frühen Edgar Wallace Filmen. Rudolf Fernau zieht wirklich alle Register, Hans Nielsen, Dieter Eppler und Richard Häussler sind wie geschaffen für ihre Parts, sie alle glänzen durch Präzisionsauftritte.
Wenn ich die Besetzung in Teilen als eigen bezeichnet habe, meinte ich damit im Besonderen Harry Riebauer als Ermittler, Walter Giller, Hans Reiser und Gerhard Hartig, mit denen ich mich über Jahre nicht recht anfreunden konnte, die ich aber mittlerweile sehr zu schätzen gelernt habe und als durchaus passend empfinde. Dann wäre da noch Ingmar Zeisberg. Als Kind stellte ich mir die Frage, wer denn wohl diese Schauspielerin ist, die eine recht große Rolle im Film spielt, aber nicht im Vorspann zu finden ist? Ingmar habe ich immer mit einem Männernamen verbunden, doch der Vorspann löste das Rätsel: Pelze für Ingmar Zeisberg von Pelzhaus Berger...Klick. Seitdem finde ich sie unschlagbar und bewundere ihre Leistung in diesem Film sehr. Mal ist sie ordinär, mal graziös, mal Dame und eben auch Bardame. Insgesamt präsentiert sich eine ungleiche Besetzung auf Augenhöhe.
Die atmosphärische Dichte, die aufmerksame Kamera, die vielen Spannungsmomente, die subtile Brutalität und die gute Dosierung an Humor machen diesen Film wohl zum besten Bryan Edgar Wallace Film überhaupt, auch wenn ich "Das Phantom von Soho" und "Der Henker von London" genau so gerne mag.

Janek Offline




Beiträge: 1.852

31.03.2011 02:01
#39 RE: Bewertet: BEW - "Der Würger von Schloss Blackmoor" (2) Zitat · antworten

Für mich wird in diesem ganzen Film die Stimmung durch den ersten Mord zerstört, weil dort ein Film Fehler vorligt, der mir beim ersten anschauen des Filmes ins Auge gesprungen ist:

Als die Hund zu der "Leiche" laufen, zwinkert diese 3-4 in Sekunden abständen und das bei Reinel, dass hätte so nicht pasieren dürfen


MfG

Janek

Blap Offline




Beiträge: 1.128

31.03.2011 14:19
#40 RE: Bewertet: BEW - "Der Würger von Schloss Blackmoor" (2) Zitat · antworten

Oh weh, solche kleinen Fehler sind doch charmant.

***

Vom Ursprung her verdorben

Prisma Offline




Beiträge: 7.459

31.03.2011 23:15
#41 RE: Bewertet: BEW - "Der Würger von Schloss Blackmoor" (2) Zitat · antworten

Das Zwinkern ist schnell erklärt: Die Leiche hatte eine Hundehaarallergie

Janek Offline




Beiträge: 1.852

31.03.2011 23:17
#42 RE: Bewertet: BEW - "Der Würger von Schloss Blackmoor" (2) Zitat · antworten

Aber sonst hat man immer so darauf geachtet, dass sich die Leichen nicht bewegen

MfG

Janek

Markus Offline



Beiträge: 597

11.05.2011 12:06
#43 RE: Bewertet: BEW - "Der Würger von Schloss Blackmoor" (2) Zitat · antworten

Nur als kleine Anmerkung für diejenigen, die es nicht wissen: In der Kinderrolle ist Stephan Schwartz zu sehen, der später als Film-, Fernseh- (Tadellöser und Wolff, Freunde fürs Leben) und Synchronschauspieler (Tom Cruise, Andy Garcia) bekannt wurde.

Gruss
Markus

Georg Offline




Beiträge: 2.738

30.10.2011 14:57
#44 RE: Bewertet: BEW - "Der Würger von Schloss Blackmoor" (2) Zitat · antworten

Auch ich fand den Film beim Wiedersehen von der Atmosphäre her sehr interessant. An Schauplätzen mangelt es zwar etwas - stets die gleiche einsame Straße und Brücke - aber da der Film ja schon laut Titel in einem Schloss spielt, ist mit einer isotopischen Analage auch zu rechnen. Die Musik von Oskar Sala fand ich ebenfalls viel weniger störend, auch wenn natürlich ein Ohrwurmsoundtrack viel besser gewesen wäre. Interessante Kameraeinstellungen und Drehbuchideen (auch wenn die geköpften Opfer an den Rächer erinnern). Etwas, das ich offensichtlich verschlafen habe: warum schreibt der Täter seinen Opfern ein "W" auf den Kopf?

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.342

30.10.2011 15:02
#45 RE: Bewertet: BEW - "Der Würger von Schloss Blackmoor" (2) Zitat · antworten

Der Buchstabe W könnte umgedreht ein M bedeuten: M für Charles Mannings, den Untergebenen von Lucius Clark in Afrika. Der Mörder ist offiziell der Sohn von Mannings (in Wahrheit aber der Sohn von Clark) und möchte den Tod seines Vaters rächen. Um Clark Angst einzujagen und ihn zu warnen, ritzt er dem Gärtnerburschen den Buchstaben in die Stirn.

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