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Dieses Thema hat 58 Antworten
und wurde 4.291 mal aufgerufen
 Filmbewertungen
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Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.324

28.09.2011 15:55
#31 RE: Bewertet: BEW - "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1) Zitat · antworten

Danke für die schöne Rezension, Gubanov.

Nachdem ich wohl mehr oder minder den Anstoß dazu gab, freue ich mich besonders:

Ich wußte bzw. hoffte doch, dass Du diesem sträflich unterbewerteten Film Gerechtigkeit widerfahren lassen würdest , hätte mir aber keine (trotzdem meiner Meinung nach hochverdiente) so gute Bewertung träumen lassen. Da wurde doch glatt der "Todesrächer" in Deiner Rangliste locker überboten und links liegen lassen. Gut so

Beste Grüße

Prisma Offline




Beiträge: 7.461

05.05.2013 13:20
#32 RE: Bewertet: BEW - "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1) Zitat · antworten



DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN KOFFER (1962)

mit Joachim Hansen, Senta Berger, Hans Reiser, Leonard Steckel, Helga Sommerfeld, Stanislav Ledinek sowie Chris Howland und Peter Carsten
ein Film von Werner Klingler



Man darf es ja sagen wie es ist. Zwar ist der Grundstein mit "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" ein richtiggehend langweiliges Kapitel für die Bryan Edgar Wallace-Reihe, und entstanden ist ein durch und durch unspektakulärer Film, aber es kam ja glücklicherweise zu deutlichen Steigerungen, die nicht lange auf sich warten lassen mussten. Egal wie es Artur Brauner im Endeffekt auch machte, der Impuls zu Kritisieren startet immer wieder gerne ein Überholmanöver. Einerseits kam es oft zu dem Vorwurf, man würde die echte Wallace-Reihe nur kopieren, ließ man diesen Aspekt außen vor und kam mit einem eigenständigen Konzept daher, war es nicht gut. Ich schätze seine Experimentierfreudigkeit zwar sehr, muss aber dennoch zugeben, dass ich mir in diesem Fall eine hemmungslose Kopie lieber gewünscht hätte, vor allem in Sachen Darsteller und Regie. Als direktes Konkurrenzprodukt, aber auch als eigenständige Version, ist Werner Klinglers Arbeit jedenfalls nahezu unbrauchbar, da es trotz neuer Impulse keine wirklichen Inspirationen gibt, und man im Rahmen des Aufwindes offensichtlich ein, zwei Schritte zurück ging, um wesentlich altmodischer und noch zäher zu inszenieren, als es oft zur Entstehungszeit noch üblich war. Aber Werner Klingler lieferte ja bereits mehrere Expertisen dieser Art ab, oder es kamen noch weitere hinzu. Es ist mehr als erstaunlich, dass dieser Plot, den ich für einen der interessantesten Varianten dieser Reihe halte, eine so unterdurchschnittliche Bearbeitung, und ein so schwaches Ergebnis erfahren musste, denn Kapazitäten wurden hier am laufenden Band liegen gelassen oder erst gar nicht registriert.

Umstritten bleibt die Liste der beteiligten Darsteller, die für meinen persönlichen Geschmack kaum erbauliche Leistungen präsentiert. Unter Werner Klinglers Regie glaubte ich diesbezüglich immer wieder einen besonders fatalen Fall von entgleistem in Szene setzen seiner Protagonisten zu verspüren, besonders was die Darstellerinnen anbelangt. In diesem mehr als wichtigen Bereich fehlte ihm offensichtlich komplett das Gespür, denn die meisten Frauenrollen wirken wie biedere Karikaturen aus einer Zeit, die dem Vernehmen nach doch bereits vor einem Jahrzehnt vorbei gewesen sein sollte. Als Bestätigung der Regel sind hier unbedingt seine Versionen von "Das Testament des Dr. Mabuse" (1962) oder die völlig misslungene Verfilmung von "Lebensborn" (1961) zu nennen, die sowohl Senta Berger erneut, als auch beispielsweise Maria Perschy oder Marisa Mell mit Mienen der versteinerten Langeweile präsentieren. Die weibliche Hauptrolle mit Senta Berger wirkt hier jedenfalls beinahe uninteressant, und hätte meines Erachtens von Kollegin Helga Sommerfeld ebenso gut interpretiert werden können. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass man die Möglichkeiten einer Senta Berger, die ohne jeden Zweifel eine der interessantesten und ansprechendsten Darstellerinnen dieser Zeit war, einfach nicht wahrnimmt. Dass ihre mutmaßliche Liaison in diesem Film nicht im Geringsten funktioniert, möchte ich gar nicht einmal Partner Joachim Hansen in die Schuhe schieben, es liegt einfach an einer der uninteressantesten Frauenrollen, die ich von Berger, oder womöglich überhaupt gesehen habe.

Joachim Hansen hat schon viel Kritik einstecken müssen, was für mich allerdings kein Grund ist, nicht genau dort weiter zu machen. Der Eindruck der Erst-Ansicht bleibt leider bestehen, denn die Inspektor-Figur ist ihm einfach nur sehr schwer abzunehmen. Dass er inkompetenterweise einen Fall nach Zufallsprinzip lösen kann, ist dabei gar nicht so schlimm, denn diese Variante hat es ja in derartigen Produktionen dutzendfach gegeben. Nein, es liegt tatsächlich und ausschließlich an seiner Ausstrahlung, die quasi nicht vorhanden ist. Er hat nicht den Charme, eine Senta Berger zu beeindrucken, die es jedoch nach Drehbuch vorgaukeln muss, er besitzt nicht den Witz und transportiert keine wache Kombinationsgabe, um einen schwierigen Fall zu lösen, kurz und schlecht, er liefert keinerlei Identifikationspotential für den Zuschauer. Aber genau so verhängnisvoll geht es mit den übrigen Darstellern weiter. Die hochgelobten Hans Reiser und Leonard Steckel wirken auf mich so, als seien sie direkt einer angestaubten Theater-Mottenkiste entsprungen, sie bedienen die Vorhersehbarkeit und passen sich einem überaus altmodisch wirkenden Gesamtbild nahezu perfekt an. Auch Peter Carstens Schlüsselrolle wirkt leider belanglos, und Chris Howland als "Tonjäger" hinterlässt einen schrecklich Nerven aufreibenden Eindruck. Als Expertin für eine Horror-Darbietung aus dem Schreckenskabinett erweist sich neben ihm jedoch Elfriede Irral als diesbezügliche, ungekrönte Königin, und ihre Show konnte sich auch nach all den Jahren nicht beruhigend setzen. Stanislav Ledinek ist einer der wenigen, der hier mit einer zwar dick aufgetragenen, aber interessanten Leistung für etwas Freude sorgen kann, doch die insgesamt konservative Besetzung sorgt bei Weitem nicht für Freudensprünge und wirkt schlussendlich ermüdend und in vielen Fällen sogar austauschbar. Da lobe ich mir doch die Besetzung bei einer gewissen Alternativ-Version.

Schön, dass es kaum Filme gibt, die nicht auch positive Aspekte zu Tage bringen. Die Musik von Raimund Rosenberger unterstützt die wirklich gelungene Bildgestaltung mit ihren schweren Klängen, die bei einsetzendem Spinett sogar leicht hysterische Formen annimmt, sehr gut, und bestärkt das Gezeigte durchaus annehmbar, obwohl man es sicherlich nicht mit einem Ohrwurm zu tun bekommt. Überhaupt kam es in dieser Produktion zu einigen Veranschaulichungen, die Zeit bezogen nicht unbedingt Alltäglichkeit vermitteln, wie etwa der Club mit passender erotischer Nummer, auch das Laboratorium stellt einen adäquaten Kontrast zu den oftmals spartanischen Innen-Schauplätzen dar, die Verfolgungssequenz durch den nebligen Park vermittelt vertiginöse Zustände, die gepackten Koffer und die damit verbundene Warnung des Mörders zelebrieren eine bemerkenswerte Atmosphäre. Auch das aufblitzende Messer des zunächst Unbekannten sorgt für Kopfnicken, wobei die Ausarbeitung der Todesszenen ebenso einen Tribut an den Trash darstellt, wie die fast zehn Jahre später entstandene Version des Spaniers Jess Franco. Als bescheiden zu bezeichnen sind hingegen die aufgesetzt wirkenden Dialoge, die weder eine Note von Situationskomik oder doppeltem Boden vermitteln können, auch, oder vor allem der Umgang der Personen miteinander, bleibt schrecklich oberflächlich. Als sich beispielsweise die Tänzerin aus dem Fenster stürzt, hört man eine unbeteiligt wirkende Helga Sommerfeld lediglich sagen: »Sie hat sich aus dem Fenster gestürzt!« Man geht wieder in die Garderobe und diskutiert zügellos über die eigenen Probleme weiter. Ein wenig mehr Ernsthaftigkeit hätte für meinen Geschmack wirklich nicht geschadet. Die Droge, die aus dem halluzinogenen Alkaloid Mescalin gewonnen wird, ist mal etwas anderes als die üblichen Stoffe aus dem Substanzen-Karussell, zeigt aber niemanden der Süchtigen wirklich authentisch in gewissen Zuständen, und man glaubt eher, alle hätten lediglich Schlafmittel eingenommen. Brauners fortschrittliche Geschäftsideen in einem rückständigen Film, das passt (wie man in dieser holprigen Premiere leider erfahren muss), definitiv nicht zusammen! Jess Francos Alternative mit "Der Todesrächer von Soho" werde ich persönlich jedenfalls stets vorziehen. Die in vielen Teilen zwar schlampige Inszenierung wirkt nämlich für meinen Geschmack wenigstens nicht wie ein Schlafmittel aus der Hausapotheke. Möglicherweise wurde der interessante Stoff auch nur noch einmal neu verfilmt, um eine adäquate Unterhaltungsversion zu präsentieren;)

Count Villain Offline



Beiträge: 3.764

25.05.2013 02:41
#33 RE: Bewertet: BEW - "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1) Zitat · antworten

Zitat von Mr Keeney im Beitrag #28
Und die Geschichte scheint realistisch und die Charaktere in sich glaubwürdig: der Armenarzt mit Verständnis und Humor für die Probleme und Leiden seiner Patienten, der sich mit illegalen Mitteln ein kleines Paradies, eine Oase samt Eva erschleichen will, (...)


So herum habe ich das noch gar nicht betrachtet. Für mich war es immer Lord Cronsdale, der sich eine Zweitidentität als Armenarzt zugelegt hat. Abgesehen davon, dass diese Doppelidentität im Film auch nicht wirklich aufgeklärt wird, gibt diese Sichtweise dem Ganzem in jedem Fall noch viel mehr Tiefe.

tilomagnet Offline



Beiträge: 496

17.11.2013 17:50
#34 RE: Bewertet: BEW - "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1) Zitat · antworten

Wenn man die Kommentare hier liest, kommt man unweigerlich zum Schluss, dass zwischen "echtem" Rialto Wallace und Epigone oft mit zweierlei Maß gemessen wird.....leider fällt dies ja wie schon öfter angesprochen im Hallo! Buch besonders negativ auf.

Man kann zwar vieles über die KOFFER sagen, aber unwahrscheinlicher oder unlogischer als viele Rialto Produkte ist das ganze sicher nicht. Wie dem auch sei, der BEW Erstling ist an sich ein gut - durchschnittlicher Krimi. Die beste Szene ist wohl die Flucht und anschließende Ermordung von Stanislav Ledinek. Ansonsten hat der Film eine schön altmodische Athmosphäre, die von der leicht trägen, aber trotzdem kompetenten Inszenierung unterstrichen wird. Die Besetzung ist defintiv schwächer als in den folgenden Filmen, aber Hans Reiser und Leonhard Stickel gefallen mir sehr gut. Hansen als Inspektor hat eine etwas undankbare Rolle, schlecht fand ich ihn aber nicht.

Letztlich nicht gerade spektakulär, aber ein durchaus sehr ansehnlicher Krimi mit leicht antiquierter Athmosphäre, der zwar im Vergleich zu Reinls und den besseren Vohrer Filmen heute angestaubt wirkt, aber keineswegs so schlecht ist wie oft dargestellt. 3 von 5 Punkten.

Weiß jemand etwas über das Ausgangsmaterial für die Universum DVD (also die aus der BEW Box) dieses Films? Die Qualität ist schon sehr viel schlechter als bei WÜRGER und UNGEHEUER. Sieht aus wie ein VHS oder altes Fernsehmaster.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.267

17.11.2013 19:57
#35 RE: Bewertet: BEW - "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1) Zitat · antworten

Zitat von tilomagnet im Beitrag #34
Weiß jemand etwas über das Ausgangsmaterial für die Universum DVD (also die aus der BEW Box) dieses Films? Die Qualität ist schon sehr viel schlechter als bei WÜRGER und UNGEHEUER. Sieht aus wie ein VHS oder altes Fernsehmaster.

Es gab ja bei den meisten CCC-Filmen Probleme mit dem Ausgangsmaterial. Die Filmmaster wurden anscheinend über viele Jahre unsachgemäss gelagert, was natürlich Spuren hinterlassen hat. Angeblich war Arthur Brauner nicht bereit, Geld in die (korrekte) Lagerung zu investieren. Ich denke da in erste Linie an den Karl May-Film IM REICHE DES SILBERNEN LÖWEN, von dem scheinbar kein brauchbares Master mehr existiert, wodurch der Film seiner von der VHS auf die DVD gebannt wurde und auf BluRay gar nicht erschienen ist.

StefanK Offline



Beiträge: 894

17.11.2013 22:53
#36 RE: Bewertet: BEW - "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1) Zitat · antworten

Zitat von Edgar007 im Beitrag #35
Zitat von tilomagnet im Beitrag #34
Weiß jemand etwas über das Ausgangsmaterial für die Universum DVD (also die aus der BEW Box) dieses Films? Die Qualität ist schon sehr viel schlechter als bei WÜRGER und UNGEHEUER. Sieht aus wie ein VHS oder altes Fernsehmaster.

Es gab ja bei den meisten CCC-Filmen Probleme mit dem Ausgangsmaterial. Die Filmmaster wurden anscheinend über viele Jahre unsachgemäss gelagert, was natürlich Spuren hinterlassen hat. Angeblich war Arthur Brauner nicht bereit, Geld in die (korrekte) Lagerung zu investieren. Ich denke da in erste Linie an den Karl May-Film IM REICHE DES SILBERNEN LÖWEN, von dem scheinbar kein brauchbares Master mehr existiert, wodurch der Film seiner von der VHS auf die DVD gebannt wurde und auf BluRay gar nicht erschienen ist.


Die DVDs basieren auf dem Material, welches Universum von der CCC zur Verfügung gestellt bekam, bzw. Universum hat das Material der CCC aufgearbeitet, neu abtasten lassen usw. Und wie Edgar schon schrieb, hat der Koffer wohl etwas mehr gelitten als die anderen s/w BEW Filme. Abgesehen von dem doch etwas störenden Laufstreifen finde ich das Bild aber auch hier okay.

Der Löwe wurde jedoch nicht von einer VHS auf DVD überspielt, da hätte das ganze noch schlechter ausgesehen. Ausgangsmaterial war wohl vermutlich ein altes analoges Master.

tilomagnet Offline



Beiträge: 496

18.11.2013 18:37
#37 RE: Bewertet: BEW - "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1) Zitat · antworten

"Etwas mehr gelitten" ist eine Untertreibung....vor allem WÜRGER, HENKER und PHANTOM sind gestochen scharf, die KOFFER sehen aus wie ein VHS Transfer. Keine Unterstellung, nur eine Feststellung. Vielleicht lagerte das Master ja im Heizungskeller statt im klimatisierten Archiv.

Blinde Jack Offline




Beiträge: 2.000

16.12.2013 22:33
#38 RE: Bewertet: BEW - "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1) Zitat · antworten

Das Geheimnis der schwarzen Koffer ist für meine Begriffe ein eher farbloser Film geblieben. Dafür kann man nicht nur den Darstellern die Schuld zuweisen, sondern auch dem lahmen Drehbuch, was oft sehr zusammen geschustert wirkt.
Am ansprechendsten fand ich da noch Hans Reiser, aber neben seinen blassen Kollegen sticht auch er nur selten wirklich hervor. Keiner der Darsteller vermag es wirklich Spannung oder Packendes zu erzeugen und allein schon dadurch bietet der Film keinen wirklichen Reiz. Sicherlich ist es immer interessant neue Schauspieler in so vorgeprägten Rollen zu erleben, aber hier ist das Experiment leider nicht geglückt und es fehlt einfach einiges an tatsächlichen "Führungsqualitäten".
Besonders auffällig in der Beziehung fand ich noch die mehr als schlechten Dialoge, die einfach unecht und gestellt wirkten und durch ihre Sprecher nur noch mehr Lächerlichkeit preisgegeben wurden. Dazu kommt in diesem Film noch ein Chris Howland, dessen Fan ich eh nie war und der hier wieder einmal die ertragbaren Grenzen der Albernheit neu auslotet und damit keine Punkte bei mir sammeln kann. Was Senta Berger betrifft...So schlecht ist sie nicht, aber sie ist schon ein Extrembeispiel ihres gespielten Typ Frau. Nach 40 Minuten gibt es den ersten Kuss - also bitte, ein bisschen mehr Überzeugungsarbeit könnte man schon verlangen...
Für kurzweilig gute Atmosphäre sorgt hingegen die Musik und in manchen Szenen habe ich eine musikalische Untermalung doch sehr vermisst. Die erste Prügelszene zwischen Curtis und den Handlangern aus der Soho-Bar wirkt einfach viel zu hölzern, ohne jegliche Musik. Das trifft leider auch auf andere Szenen zu.
Ein Gegenbeispiel ist hier klar die Szene Ledineks, in der er durch den Wald hastet und Panik versprüht. Hier funktioniert das Zusammenspiel zwischen Ton und Bild vorzüglich.
Rein handwerklich betrachtet, habe ich an dem Film nichts auszusetzen, aber etwas Besonderes gab es für mich auch nicht zu sehen.
Als Pluspunkt würde ich noch die Schauplätze anführen, die durchaus Potential gehabt hätten, was größtenteils aber verschenkt wurde.
Ansonsten empfand ich, wie gesagt, das Drehbuch sehr uneben. Die Geschichte, die auf jeden Fall interessant ist, wurde nicht konsequent in ihren Möglichkeiten bearbeitet und man vergab zu leicht das spannende Wechselspiel zwischen Gut und Böse. Daraus hätte man sicherlich mehr machen können und gewisse Unklarheiten zu späteren Zeitpunkten auflösen sollen. Dadurch verliert sich etwa nach der Hälfte des Filmes ein roter Faden in Form der Frage nach des verstorbenen Bruders und es bleibt nur noch offen, wer die Messer wirft. Das ist Schade um die ursprünglich interessante Figur des Mr. Curtis.
Das finale Schloss zudem, was durchaus seinen Reiz hat, wird zu keinem Zeitpunkt glaubwürdig in die Geschichte eingeführt und thront einfach plötzlich als Ort des Showdowns in der Story. Eingeschobener, nur um des Schauplatzes Willen eingeführt, kann es kaum mehr wirken.

Alles in allem ein eher schwacher, gewissermaßen lahmer Krimi, der zwar in manchen Szenen eine schöne Optik versprüht, aber aufgrund langweiliger Akteure und einem schlechten Drehbuch nie wirklich in Fahrt kommt.

Knappe 2 von 5 Punkten.

Andy79 Offline



Beiträge: 45

10.06.2014 21:51
#39 RE: Bewertet: "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1961, BEW 1) Zitat · antworten

Ich muss den meisten hier zustimmen: Der Film wirkt wie ein billiger Testballon für die spätere BEW-Serie. Etwas hölzerne Darsteller. Vieles wirkt sehr "unsauber".

Eine Stelle, die für mich exemplarisch für die "Unsauberkeiten" in diesem Film steht:
Kurt Waitzmann setzt sich ans Steuer seines Wagens. Hans Reiser (Curtis) kommt auf dem Rücksitz hervor und betäubt ihn. Da man sich wohl nicht mehr sicher war, ob sich die Zuschauer noch an Waitzmanns Rolle in dem Film erinnern, ließ man Reiser noch drüber synchronisieren (er bewegt die Lippen nicht!): "Der Geschäftsführer der Soho-Bar persönlich! Endlich hab ich dich!"

Aber, irgendwie mag ich den Film. Er hat einen eingängige Soundtrack. Die Szenen mit Ledinek sind klasse; unheimlich. Ich zittere immer mit ihm mit. Die Geschichte wird flott erzählt.
"Das Geheimnis der schwarzen Koffer" war auch der erste Bryan-Edgar-Wallace-Film, den ich je gesehen habe. In den 90ern - ich kannte bereits fast alle "echten" Wallace-Filmen - bekam ich eine Kopie der VHS-Kassette. Und so kannte ich den Film bis vor wenigen Jahren noch: Dunkleres Bild, fehlende Einzelbilder, leicht gekürzt.
Und obwohl ich die bekannten Gesichter vermisse, ich erkannte die Verwandtschaft zu den echten Wallaces sofort.
Howland als Eddi-Arent-Ersatz finde ich ganz passabel und mit Hansen als Inspektor kann ich auch ganz gut leben.

Es lässt sich schwer beschreiben. Der Film hat etwas Gemütlich. Vielleicht sind es die alt anmutenden Straßenlaternen, die sehr oft im Film auftauchen.
Oder dass viele Szenen nachts oder in der Dämmerung spielen.
Jedenfalls dreht sich die DVD recht häufig bei mir im Player (Das alte VHS-Band war auch recht stark abgenutzt). Ich würde ihn jedenfalls ganz klar vor "Der Todesrächer von Soho" einordnen.

Jedenfalls hat mir gerade dieser Film auch Appetit auf die zahlreichen Epigonen gemacht.

Giacco Offline



Beiträge: 1.399

10.06.2014 22:01
#40 RE: Bewertet: "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1961, BEW 1) Zitat · antworten

Zitat von Andy79 im Beitrag #39
Ich würde ihn jedenfalls ganz klar vor "Der Todesrächer von Soho" einordnen.



Das möchte ich aber auch stark hoffen!

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.324

10.06.2014 23:15
#41 RE: Bewertet: "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1961, BEW 1) Zitat · antworten

Also ich betone bei dieser Gelegenheit nochmals bzw. stelle klar: für mich ist das der unterschätzteste Epigone überhaupt.
Zu diesem frühen Produktionszeitpunkt waren gerade die kleinen Schwächen noch erfrischend und liebenswert. Das ist einfach ganz uriger Junk-Stoff und hat für mich viel mehr Charakter und "Unberechnetheit" als vieles, was in den Jahren danach kam... Ein gottlob ungeschliffener Diamant.

Prisma Offline




Beiträge: 7.461

10.06.2014 23:23
#42 RE: Bewertet: "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1961, BEW 1) Zitat · antworten

Zitat von Mr Keeney im Beitrag #41
Ein gottlob ungeschliffener Diamant.

Und begreüßenswerterweise hat Jess Franco dem Stoff dann noch den Brillantschliff gegeben!

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.324

10.06.2014 23:30
#43 RE: Bewertet: "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1961, BEW 1) Zitat · antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #42
Zitat von Mr Keeney im Beitrag #41
Ein gottlob ungeschliffener Diamant.

Und begreüßenswerterweise hat Jess Franco dem Stoff dann noch den Brillantschliff gegeben!


You made my night

Allerdings hat Jess ja noch ganz andere und "originärere" Klassiker aus dem Boden gestampft...also ich finde den Teufel zum Beispiel recht kurzweilig und noch besser als den Todesrächer

Vermutlich sitze ich jetzt zwischen allen Stühlen...ist aber auch bequem

Andy79 Offline



Beiträge: 45

10.06.2014 23:34
#44 RE: Bewertet: "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1961, BEW 1) Zitat · antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #42
Zitat von Mr Keeney im Beitrag #41
Ein gottlob ungeschliffener Diamant.

Und begreüßenswerterweise hat Jess Franco dem Stoff dann noch den Brillantschliff gegeben!


Jess Francos Beitrag ist für mich der schlechteste Beitrag in der BEW-Reihe. Nicht ganz so schlimm wie "Der Teufel kam aus Akasava"; wohl auch, weil er es sich inzwischen wieder abgewöhnt hatte, sinnlos am Zoom herumzufummeln.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.420

10.06.2014 23:52
#45 RE: Bewertet: "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" (1961, BEW 1) Zitat · antworten

Ich setze mich ebenfalls zwischen die Stühle und erneuere nach meiner positiven Besprechung der "Koffer" doch wieder meine Bevorzugung des "Todesrächers".

Zitat von Andy79 im Beitrag #39
Und so kannte ich den Film bis vor wenigen Jahren noch: Dunkleres Bild, fehlende Einzelbilder, leicht gekürzt.

Welche Szenen waren denn auf der VHS gekürzt? Der Film ist doch ausnehmend harmlos.

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