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Dieses Thema hat 101 Antworten
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 Filmbewertungen
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Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

14.09.2017 06:21
#91 RE: Bewertet: "Das Wirtshaus von Dartmoor" (1964, Stilverwandte) Zitat · Antworten

„Das Wirtshaus von Dartmoor“ belegt im Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017 Platz 18 von 48. Der Film erhielt von den Teilnehmern im Durchschnitt eine Bewertung von 3,96 von 5 Punkten.

zugrundeliegende Wertungen: 17 von 17 (16x „gut bekannt“, 1x „länger her“)
Top-10-Tipps: 4 von 8 (höchster Tipp: 1x Platz 3)
Auswahlrunde: Platz 1 von 28 (17,7 Punkte)


mit 4,09 Pkt. Platz 21 in der Kategorie Schauspieler (– 3)
mit 3,64 Pkt. Platz 25 in der Kategorie Inszenierung / Spannung (– 7)
mit 3,62 Pkt. Platz 21 in der Kategorie Drehbuch / Logik (– 3)
mit 3,62 Pkt. Platz 30 in der Kategorie Ausstattung / Wertigkeit (– 12)
mit 4,11 Pkt. Platz 09 in der Kategorie Musik (+ 9)
mit 4,83 Pkt. Platz 03 in der Kategorie Epigonenfaktor (+ 15)
mit 3,83 Pkt. Platz 21 in der Kategorie freie Wertung (– 3)

Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017: Ergebnisse (#192) (13)

Count Villain Offline




Beiträge: 4.299

21.09.2017 11:29
#92 RE: Bewertet: "Das Wirtshaus von Dartmoor" (1964, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Vor ein paar Tagen mal wieder gesehen.

Für mich der überzeugendste Zehetgruber (von denen, die ich kenne). Das liegt aber weniger am Regisseur als an den Darstellern, der Musik, dem Setting und dem Drehbuch. Letzterem würde ich allerdings ankreiden, dass der Mord an dem Wärter zu Beginn eigentlich fast über die ganze Laufzeit unter den Tisch fällt und am Ende dann quasi nebenher aufgeklärt wird. Inspektor Cromwell ist Leiter der Mordkommission und ihn interessieren nur die entflohenen Sträflinge? Bei der einzigen Leiche, die er tatsächlich vorliegen hat, wird nicht ermittelt? Das ist äußerst schwach und lässt mich fast schon vermuten, dass der Mord hinterher noch schnell hereingeschrieben wurde, weil man in Wallace-Filmen zu Beginn schließlich einen Toten braucht.

Und eine Frage hab ich dann auch noch: Kann es sein, dass Peter Thomas hier Musik aus der "roten Orchidee" wiederverwendet hat? Eine Zwischenmusik kam mir ziemlich bekannt vor. Oder waren die einfach nur ähnlich?

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 382

30.08.2020 09:11
#93 RE: Bewertet: "Das Wirtshaus von Dartmoor" (1964, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Das Wirtshaus von Dartmoor ist eine Epigone der Wallace-Welle, die ich erst recht spät erstbesichtigt habe, irgendwann mal im Spätprogramm. War damals richtig begeistert. Ganz so doll find ich den Film jetzt nicht mehr, aber trotzdem noch oberhalb des Mittelmaßes. Die Zutaten "Dartmoor", Rasiermessermörder, Gefängnisausbruch, unklare Identitäten usw. sind sehr schön wallace-like. Daneben noch die Schauspieler, die wirklich großteils scheinbar von der weißen Spinne übergewechselt sind, sogar in ähnlichen Rollen, nur dass eben Blacky Fuchsberger mit Heinz Drache ausgetauscht wurde - ganz wallace-konform. Ralf Wolter hat anstelle von Chris Howland den Humor-Part übernommen. Die Damenwelt ist mit der verführerischen, aber leider dann doch "bösen" Ingmar Zeisberg vertreten, die Gute ist die etwas biedere Judith Dornys. Was die Handlung des Wirtshauses von der der Spinne unterscheidet, ist doch die wesentlich realistischere Handlung - sofern man bei diesen Filmen von Realismus sprechen kann. Immerhin wurde sich Mühe gegeben, ein komplexes Geflecht von Beziehungen der beteiligten Personen untereinander zu entwerfen, was sicher etwas zu Lasten der Spannung ging. Aber die Handlung ist doch wesentlich logischer als Spinne oder viele Wallace-Filme aufgebaut. Hab nur nicht verstanden, wieso Cromwell so selbstverständlich zu wissen schien, dass der Ex-Chauffeur Billy (Stanislav Ledinek schön schmierig) den Postkartenhändler umgebracht hatte. Und warum O`Hara (Ralf Wolter) plötzlich auch wieder in Dartmoor eingesperrt war, kam auch nicht so rüber. Na, was solls, die Geschichte mit dem Verein "Schmetterling", der von dem Mörder letztlich nur für seine Zwecke ausgenutzt wurde, ist wirklich nicht schlecht erdacht. Die Moor-Szenen sind wirklich etwas kurz geraten, dafür aber sehr gelungen. Ebenso auch nicht schlecht, wie der Verdacht des Zuschauers auf den "Maulwurf" im Gefängnis immer so schön auf den einen Wärter gelenkt wurde, dann aber doch nur der berühmte rote Seefisch gewesen ist. Das Ende dann ordentlich dramatisch, nur gut, dass der Schurke die gefesselte Miss Trevor so schön direkt neben den Hauptschalter gesetzt hat... Die musikalische Anleihe zwischendurch bei den Gangstern mit der Orchidee ist auffällig. Ein gelungener Krimi der Sixties, den ich persönlich gerne mal ansehe.

Hat allerdings mit Victor Gunns Kriminalroman The Painted Dog nichts zu tun. So hieß das Wirtshaus von Dartmoor im Buch, also nicht Dartmoor Inn, der "Bunte Hund" hatte aber auch noch eine andere Bedeutung. Die Produzenten wollten aber nun mal einen Film mit Wallace-Stil drehen, wozu sich die Handlung der Romanvorlage weniger eignete. Wie schon mal irgendwo erwähnt, hat sich Victor Gunn bei "King Edgar" schamlos bedient, als er den modus operandi des locked-room-Mordes an dem alten Wirt geradezu 1:1 aus Das Geheimnis der Stecknadel abkopiert hat. Somit hat paradoxerweise Gunns Kriminalroman mehr Bezug zu Edgar Wallace als der auf Wallacefilm getrimmte Wirtshaus-Streifen zu Victor Gunn. Irgendwie ganz schön kompliziert. Aber außer ein paar ähnlich klingende Namen im Film gibt es keine Übereinstimmungen mehr, allen voran natürlich der berühmte Inspektor Cromwell, der von Paul Klinger sehr solide gespielt wird, obwohl der literarische Kriminalist ein stets übelgelauntes Ekelpaket ist, das man wohl kaum im Original auf die Zuschauer loslassen kann. Klingers Darstellung ist trotz allem schon die eines im Dienst ergrauten Beamten, dem man nichts mehr vormachen kann, der eine Führungsperson ist und der für den jüngeren Nash durchaus (väterliche) Sympathien hegt. Das Zusammenspiel der beiden wirkt recht harmonisch. Cromwells ewiger zweiter Mann, Sergeant Jonny Lister, taucht im Film gar nicht erst auf, nur am Ende gibt es einen namenlosen Sergeanten, der wohl diesen Part einnehmen soll. Bei aller Sympathie für Wolfgang Völz, aber mit dem eleganten, gutgekleideten und -aussehenden Lister der Bücher hat er eher wenig gemeinsam.
Die eigentliche Story des Dartmoor-Wirtshauses ging irgendwie in Richtung eines versteckten Goldschatzes, den der wegen Mordes gesuchte und untergetauchte Wirt irgendwo versteckt hatte, deshalb fand er auch sein vorzeitiges Ende, ebenso ein weiterer Mann, der sich noch an die Zeit der V-Bombenangriffe auf London erinnern konnte, wo ein Mann mit einem Geheimis getötet wurden war, das viel Geld bedeuten sollte. Letzten Endes ragte das Buch irgendwie aus dem Gunn-Universum heraus, weil das übliche Schema der Guter-und-Böser-Junge-Konkurrenz um die Gunst der schönen Wirtstochter am Ende auf den Kopf gestellt war.

Trotzdem schade, dass es nur bei einer "Ein-Film-Reihe" geblieben ist. Gunn hat sicher auch Bücher geschrieben, die mehr in das damalige Konzept gepasst hätten. Aus der Erinnerung heraus würden mir da einfallen:
Im Nebel verschwunden - schon der Titel ist ja schon Kult. Ein junger Mann, der ständig Leichen in den nebligen Londoner Straßen findet, die später wieder verschwunden sind - aber auch mal real liegenbleiben, mit einem manipulativen Schurken im Hintergrund.
Die Treppe zum Nichts - Mehrfachmord, indem man Menschen in ein halbabgesacktes Haus an der Küste lockt, aber später auch aus finsteren Rachegelüsten mit Gift und Strick weitermacht.
Das achte Messer - Allerlei Mord und Totschlag im Umkreis eines Variete-Theaters mit einigen falschen Fährten. Eigentlich sehr gut im Wallace-Stil zu verfilmen.
Sicher sind da noch viele Beispiele, da Gunn ein sehr produktiver Autor war. Hätte aber dann mit Cromwell-Klinger ein Serienheld werden müssen, was ja nun bei den Filmen um Wallace und Weinert-Wilton wiederum nicht der Fall war und womöglich nicht recht gepasst hätte...

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.388

06.09.2020 17:40
#94 RE: Bewertet: "Das Wirtshaus von Dartmoor" (1964, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Für mich ist DAS WIRTSHAUS VON DARTMOOR der schwächste Gunn-Roman. Hab ihn erst beim dritten Anlauf bis zum Ende gelesen. Da gefällt mir der Film schon besser.

Lord Peter Offline




Beiträge: 522

07.09.2020 21:16
#95 RE: Bewertet: "Das Wirtshaus von Dartmoor" (1964, Stilverwandte) Zitat · Antworten

"Wirtshaus" nahm man seinerzeit wahrscheinlich eh nur wegen des klangvollen Titels. Ich persönlich hätte ja eine Verfilmung von "Gelächter in der Nacht", "Schrei vor der Tür" oder "Die geheimnisvolle Blondine" präferiert...

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.388

08.09.2020 10:16
#96 RE: Bewertet: "Das Wirtshaus von Dartmoor" (1964, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Wahrscheinlich hast Du Recht. Ich hatte irgendwann einmal einen anderen Gunn-Roman gelesen und fand diesen so gut, dass ich mir alle anderen Bücher gekauft und gelesen habe. Irgendwann, im dritten Anlauf, habe ich dann eben auch WIRTSHAUS zu Ende gelesen. Obwohl zum letzten Drittel das Buch besser wurde, haben mir eigentlich alle anderen Romane von Victor Gunn besser gefallen. Auch "Ironsides" Cromwell empfand ich nicht so sehr als Kotzbrocken, wie er hier schon geschildert wurde. Ich finde, man hätte hier mit romangetreuen Verfilmungen in der 60er Jahren im Zuge der Wallace- und Mabuse-Serie durchaus erfolgreich sein können.

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.634

09.09.2020 09:14
#97 RE: Bewertet: "Das Wirtshaus von Dartmoor" (1964, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Künstlerisch/qualitativ erfolgreich hätte dies sein können, aber wohl kaum kommerziell. Goldmann-Cover auf dem Plakat, Wallace-ähnlicher Titel, zum Teil aus der Wallace-Reihe bekannte Darsteller - Über den Ansatz kann man sicherlich streiten, aber der Film war ja dennoch kein so großer Erfolg, dass ein Nachfolger, geschweige denn eine Reihe daraus entstand.
Hätte man sich demgegenüber von Beginn an sogar auf romangetreue Verfilmungen und nur das Siegel "Victor Gunn" ohne jegliche Wallace-Anlehnungen konzentriert, wäre man wohl sicher baden gegangen.
Du sprichst hier von Edgar Wallace, der in Deutschland damals zu den meist gelesensten Autoren gehörte und der Figur des "Dr. Mabuse", der dank der beiden Fritz Lang-Klassiker für deutsches Weltkino steht.
Dass aus Ersterem eine erfolgreiche Filmreihe wurde, galt seinerzeit sogar als Überraschung, dass Zweiteres funktionieren würde, war mitten in der Krimiwelle und mit Fritz Lang auf dem Regiestuhl zumindest wahrscheinlich.
Victor Gunn dürfte niemals ausreichend gezogen haben um eine eigenständige Filmreihe zu tragen, da wäre höchstwahrscheinlich sogar die Qualität der Filme egal gewesen. Versuche mit Heather Gardiner oder Day Keene (Qualität des Endergebnisses mal dahingestellt) waren ja auch nicht von Erfolg gekrönt und bei Weinert-Wilton (der immerhin Verkaufszahlen-technisch mal ein großer Name war) wechselten Ausrichtung und die Produktionsfirmen fröhlich, es musste Geld aus Spanien und Italien gesammelt werden um die Filme zu realisieren und schon nach vier Filmen in zwei Jahren war Schluss - eine erfolgreiche Reihe sieht anders aus.
Da brauchte es schon Groschenheft-Helden wie "Jerry Cotton" und "Kommissar X", wo die Namen einen bereits Jahrelang an den Bahnhofskiosken ansprangen.
Selbst die Kino-Ausflüge nach Francis Durbridge-Romanen waren ja keine Hits - weil gerade hier die eigene Konkurrenz im Fernsehen wohl zu groß und Durbridge zu sehr als Meister des Cliffhangers bekannt war.

Es gibt übrigens ein Hörspiel nach Victor Gunns Roman "The Whistling Key" unter dem Titel "Der vertauschte Koffer" vom HR und SFB aus dem Jahre 1962.
Es sprechen die Wallace-Veteranen Siegfried Schürenberg, Fritz Rasp und Alf Marholm!
Gibt es seit Mai hier zu hören > https://www.hr2.de/podcasts/hoerspiel/de...sode-69816.html

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.388

09.09.2020 19:32
#98 RE: Bewertet: "Das Wirtshaus von Dartmoor" (1964, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Bei Edgar Wallace hast Du sicher recht, lieber Fabi. Aber Dr. Mabuse war Anfang der 60er Jahre sicher kein Zugpferd mehr. Die alten Vorkriegs-Filme (der erste sogar als Stummfilm) interessierten zu dieser Zeit keinen mehr und der Name Mabuse war schon lange nicht mehr aktuell.

Von Weinert-Wilton sind die meisten Romane schlecht und langweilig. Ob sich dessen Bücher wirklich gut verkauften weiß ich nicht. Warum wurde er denn (schon bei den Büchern) als "deutscher" Edgar Wallace gehypt? Und die ersten Filme waren auf Wallace-Niveau und an der Kinokasse wahrscheinlich auch nicht gerade erfolglos. Die späteren Filme waren, ähnlich wie die Durbridge-Kinofilme, ziemlicher Schrott. Das gab's bei Walace aber auch, allerdings hatte man da schon mindesten 10 gute und erfolgreiche Filme in die Kinos gebracht und da ist dann auch ein schlechterer Film nicht gleich der Sargnagel für die ganze Serie.

Hätte man Victor Gunn romangerecht (wie das erste Drittel der Wallace-Filme) verfilmt, hätte vielleicht eine erfolgreiche Serie daraus werden können. Aber man wollte halt (wie Weinert-Wilton, Gardiner, Durbridge, Wallace jun. usw.) im Fahrwasser der erfolgreichen Wallace-Filme mitschwimmen. Und sind wir doch mal ehrlich, die Wallace-Filme, die nicht mehr auf eine Buchvorlage basieren und "frei erfunden", sind ja größtenteils auch Käse. Das gleiche gilt ja sogar für James Bond. Die Stories der letzen Filme kann man ja größtenteils in die Tonne treten. Ausnahme: Casino Royale. Aber dafür gab's eben eine Romanvorlage.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.299

09.09.2020 20:11
#99 RE: Bewertet: "Das Wirtshaus von Dartmoor" (1964, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Zitat von Edgar007 im Beitrag #98
Von Weinert-Wilton sind die meisten Romane schlecht und langweilig. Ob sich dessen Bücher wirklich gut verkauften weiß ich nicht. Warum wurde er denn (schon bei den Büchern) als "deutscher" Edgar Wallace gehypt? Und die ersten Filme waren auf Wallace-Niveau und an der Kinokasse wahrscheinlich auch nicht gerade erfolglos. Die späteren Filme waren, ähnlich wie die Durbridge-Kinofilme, ziemlicher Schrott.


Als Liebhaber der schwarzen Witwe spreche ich mich aufs Schärfste gegen die Benutzung des Plurals bei "spätere Filme" aus. Da ist die chinesische Nelke die einzige Gurke.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.388

09.09.2020 22:09
#100 RE: Bewertet: "Das Wirtshaus von Dartmoor" (1964, Stilverwandte) Zitat · Antworten

O.K. Da gebe ich Dir Recht. Habe mich da vertan. Von den Filmen waren nur der erste (Teppich) und der letzte (Nelke) wirklich schlecht.

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.634

10.09.2020 12:23
#101 RE: Bewertet: "Das Wirtshaus von Dartmoor" (1964, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Zitat von Edgar007 im Beitrag #98
Hätte man Victor Gunn romangerecht (wie das erste Drittel der Wallace-Filme) verfilmt, hätte vielleicht eine erfolgreiche Serie daraus werden können. Aber man wollte halt (wie Weinert-Wilton, Gardiner, Durbridge, Wallace jun. usw.) im Fahrwasser der erfolgreichen Wallace-Filme mitschwimmen. Und sind wir doch mal ehrlich, die Wallace-Filme, die nicht mehr auf eine Buchvorlage basieren und "frei erfunden", sind ja größtenteils auch Käse. Das gleiche gilt ja sogar für James Bond. Die Stories der letzen Filme kann man ja größtenteils in die Tonne treten. Ausnahme: Casino Royale. Aber dafür gab's eben eine Romanvorlage.

Das klingt nun aber wieder, als ob Du nur von "künstlerischem Erfolg" sprichst, den ich ja selbst bei Gunn durchaus für möglich halte. Ich zweifle ja nur an einem realistischen Publikumserfolg in Form vieler verkaufter Kinokarten.

Die Romane "Der Frosch mit der Maske" und "Der rote Kreis" waren Bestseller und die Zuschauer konnten etwa erahnen, was sie da filmisch erwartet.
Selbst, wenn man den Namen "Edgar Wallace" nur am Rande kannte, schwang da etwas mit. Das sind so Fälle, in denen eine Romanverfilmung dankbar ist, ähnlich später Donna Leon (wenn auch für das Fernsehen) wo man zumindest auch als Nichtleser schon weiß, dass man Venedig als Kulisse erwarten darf.
Dass Fritz Lang 1960 kein großer Name mehr war, würde ich so nicht unterschreiben. Seine Rückkehr nach Deutschland und die "Tiger von Eschnapur"-Neuauflage waren relativ spektakulär (in den USA hatte er in der Zwischenzeit ja auch einige starke Filme inszeniert). "Mabuse" lag brach, das stimmt. Das erklärt ja auch, warum Brauner die Rechte seit 1953 untätig liegen ließ und erst mit den Wallace-Erfolgen (und dem zurückgekehrten Fritz Lang) den Mut aufbrachte, damit etwas zu tun. Das ist aber allgemein ein wichtiger Punkt der Krimiwelle: gab es bis 1959 vereinzelte Kinokrimis mit unterschiedlicher Ausrichtung (aus denen durch die Bank keine Reihe entstand), versuchten eigentlich alle Krimis ab 1960 die Wallace-Erfolgsformel zu treffen - mit wenigen Ausnahmen, wie den Durbridge-Filmen, die zugleich auf die TV-Mehrteiler-Zuschauer abzielten. Später wurde es interessant auch noch etwas Agenten/Abenteuer-Thematik hineinzubringen um James Bond nachzueifern.
Der Name "Victor Gunn" auf dem Plakat hätte den meisten Kinogängern wenig gesagt und man hätte mit namhafter Besetzung und/oder reißerischem Titel und Plakatmotiv punkten müssen. Die namhafte Besetzung kostet viel Geld - gerade bei einem "ersten Teil" also eher schwierig und dass reißerischer Titel und Plakatmotiv nicht zu Gunn passen, wurde hier ja bereits erwähnt.
Dass es "ausreicht", einen inhaltlich guten Film zu produzieren und das Publikum von allein kommt, ist leider nicht so. Auch das Drehbuch, dass einen inhaltlich gelungenen Film erst ermöglicht, musst beauftragt und bezahlt werden. Für einen eher unbekannten Romanautoren hätte keine Produktionsfirma auf eigene Faust gehandelt und die Verleiher hätten wahrscheinlich auch eher skeptisch reagiert, als direkt mitzufinanzieren.
Deswegen bleibe ich dabei, dass sicherlich ein einzelner, überschaubar budgetierter, aber durchaus guter Film - vielleicht sogar mit zufriedenstellendem Besucherergebnis - dabei hätte heraus kommen können, aber eben kein großer Publikumserfolg - und somit keine Reihe. Ob neben den recht teuren und aufwändigen Rialto-Wallace-Filmen und seinen zahlreichen Nachahmerm Platz am Kinomarkt für eine eher gesetzte, ernsthafte Krimireihe gewesen wäre, wage ich nämlich zu bezweifeln. Sich bewusst den Trends entgegen zu stellen - und das auch noch in Form einer Reihe - hat sich wohl nicht ohne Grund niemand getraut.

P.S.: Zu Bond sei nur kurz gesagt, dass die Filme mit der Zeit sogar nur noch erfolgreicher werden, ganz egal, wie man zu den Stories stehen will. Da es in der gesamten Reihe auch maximal 4-5 wirkliche Romanverfilmungen gibt und selbst diese sich massiv vom Stil der Romanvorlagen lösen, bietet sich hier ohnehin kein Vergleich an. Spätestens mit "Goldfinger" hat man eine sehr eigenständige Filmreihe aufgebaut und während man bei Wallace sein Heil in möglichst vielen Filmen in kurzer Zeit gesucht hat, um die Welle voll zu erwischen, macht der riesige Aufwand der Bond-Filme Abstände von mittlerweile drei Jahren nötig. Das hilft dem Event-Charakter natürlich. Dass man immer erfolgreich mit dem Zeitgeist gegangen ist, hat sicher auch dazu beigetragen, dass beim Publikum (bisher) keine Ermüdung auftritt. Dies mag zwar bei den Dalton- oder Craig-Filmen die Connery-Fans verschrecken, aber wenn wir ehrlich sind, sind die "Bourne"-Schnitttechnik bei "Ein Quantum Trost" und die Anlehnung in Optik und Stimmung der aktuellen Teile an die Nolan-Batman-Filme Nichts anderes als die Blaxploitation-Einflüsse oder "Star Wars"-Anleihen bei Roger Moore.
Auch bei Wallace glaubte man ab 1967 verstärkt (vermeintlich) moderne Elemente einbauen zu müssen um das Publikum bei Laune zu halten. Der Zuschauerrückgang wird aber eher an der allgemeinen Müdigkeit gelegen haben. Nach so vielen Wallace-Filmen in so kurzer Zeit, sowie den zahllosen Nachahmern, war beim Publikum einfach die Luft raus. Hätte man 1969 noch in schwarz-weiß einen Inspektor durch den Londoner Nebel tapsen lassen um die bedrohte Erbin zu beschützen, wäre der Zuschauerrückgang wohl noch schneller von statten gegangen als mit den "käsigen" bunten Filmen um Glasaugen und Bucklige.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.388

11.09.2020 08:10
#102 RE: Bewertet: "Das Wirtshaus von Dartmoor" (1964, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Zitat von Fabi88 im Beitrag #101
Deswegen bleibe ich dabei, dass sicherlich ein einzelner, überschaubar budgetierter, aber durchaus guter Film - vielleicht sogar mit zufriedenstellendem Besucherergebnis - dabei hätte heraus kommen können, aber eben kein großer Publikumserfolg - und somit keine Reihe.

Und ich bleibe dabei, dass durchaus eine erfolgreiche Serie hätte entstehen können. Wer Recht hat werden wir nie erfahren...
Zitat von Fabi88 im Beitrag #101
Zu Bond sei nur kurz gesagt, dass die Filme mit der Zeit sogar nur noch erfolgreicher werden, ganz egal, wie man zu den Stories stehen will.

Auch das ist so nicht korrekt. Inflationsbereinigt liegen von den reinen Einspielergebnissen 4 Connery- und 3 Moore-Filme in den TOP 10. Und im Vergleich zu den Produktionskosten (und das ist ja der tatsächlihce wirtschaftliche Erfolg) haben ale "alten" Bond-Filme mindestens das 10-fache (Dr. No das 60-fache!) eingespielt. Selbst der "tolle" Skyfall, der ja als der erfolgreichste verkauft wird, schafft gerade mal das 5,5-fache...

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