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Dieses Thema hat 63 Antworten
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Gubanov Offline




Beiträge: 15.359

26.11.2017 14:40
#61 RE: Bewertet: "Die weiße Spinne" (1963, LWW 2) Zitat · antworten



Louis Weinert-Wilton: Die weiße Spinne


Kriminalfilm, BRD 1963. Regie: Harald Reinl. Drehbuch: Albert Tanner (d.i. Egon Eis) (Romanvorlage, 1929: Louis Weinert-Wilton). Mit: Joachim Fuchsberger (Ralph Hubbard), Karin Dor (Muriel Irvine), Horst Frank (Kiddie Philips), Werner Peters (Sergeant Meals), Dieter Eppler (Anwalt Summerfield), Friedrich Schoenfelder (Sir James), Mady Rahl (Mrs. Falk), Paul Klinger (Inspektor Dawson), Chris Howland (Gideon), Gerd Frickhöffer (Lord Ensfield) u.a. Uraufführung: 5. April 1963. Eine Produktion von Arca-Winston-Film Berlin und Hans-Oppenheimer-Film Berlin im Constantin-Filmverleih München.

Zitat von Die weiße Spinne
Muriel Irvine beklagt das Ableben ihres Gatten, eines gewohnheitsmäßigen Spielers, der den Abend seines Todes im übel beleumundeten Club der 55 verbrachte. Die Versicherung wittert ein abgekartetes Spiel und selbst Scotland Yard schaltet sich ein, als Anzeichen auftauchen, dass Irvine dem Auftragsmörder-Syndikat „Die weiße Spinne“ zum Opfer gefallen sein könnte. Oder ist der Tote womöglich ein anderer und Irvine noch am Leben? Muriel wird von der „weißen Spinne“ unter Druck gesetzt und weiß bald nicht mehr, wem sie noch vertrauen kann. Dem eifrigen Anwalt Summerfield, dem hartnäckigen Sergeant Meals oder gar dem ehemaligen Sträfling Ralph Hubbard?


Mit dem „Teppich des Grauens“ auf Erfolgskurs gegangen, wagte sich Harald Reinl nun sogar noch einen Schritt weiter und schuf mit „Die weiße Spinne“ jene Epigone, die neben dem „Würger von Schloss Blackmoor“ am stärksten an die originalen Edgar-Wallace-Filme erinnert. Dabei ist vom produktionshistorischen Standpunkt aus das Kuriosum anzumerken, dass es sich bei den Louis-Weinert-Wilton-Filmen nicht wie bei Rialto-Wallace, BEW oder Mabuse um eine klar umrissene Serie aus einer Hand handelte, sondern dass LWW den Schmieden dreier verschiedener Produzententeams entsprang: der International Germania Film mit Produktionsleiter Frank Thierry („Teppich“ / „Witwe“), der Arca-Winston / Hans Oppenheimer mit den Produzenten Gero Wecker und Oppenheimer („Spinne“) und der berüchtigten Rapid-Film von Wolf Hartwig. Wecker entschloss sich wie auch bei „Das Wirtshaus von Dartmoor“ für eine stilsichere 1:1-Kopie jener Elemente, die die Wallace-Filme so beliebt gemacht hatten, was gerade in „Die weiße Spinne“ für Spannung und Atmosphäre im Übermaß sorgt.

Dem Film wird oft vorgeworfen, er sei zu voraussehbar, weil seine Täterauflösung sich wie im „Hexer“ auf Maskeraden des Hauptschurken verlässt, ohne ihn dabei jedoch von einem anderen Schauspieler doubeln zu lassen. Natürlich sorgt dieses ungewohnte Fairplay (obgleich unterstützt von gelungenen Nachsynchronisierungen) dafür, dass es dementsprechend einfach erkennbar ist, wer da ein falsches Spiel spielt. Aber dies tut dem Film für mein Dafürhalten kaum Abbruch: Zu viele Ablenkungsmanöver schickte der Wallace-Ur-Drehbuchautor Egon Eis ins Rennen, um die Zuschauer mit kleineren und größeren Rätseln abseits des Weges abzulenken. Ist Richard Irvine noch am Leben? Kooperierte Muriel mit dem Syndikat bzw. welche Verbindungen dazu hatte ihr Mann? Wer steckt hinter dem geheimniskrämerischen Inspektor Conway? Welcher Helfershelfer bediente sich der Haupttäter und wie wird er sich ihrer entledigen? Und hinter wie vielen Masken versteckt er sich überhaupt? Während nämlich einige wirklich leicht zu durchschauen sind, dürfte selbst der gewiefteste Zuschauer vielleicht nicht jede einzelne auf Anhieb erkannt haben. Das Mit-Aufspüren gerät so zur aktiven Involvierung des Publikums und auch der Clou, dass Eis die Täterfigur aus dem Roman gegenüber dem Film veränderte, hatte sich in „Das Gasthaus an der Themse“ bereits als erfolgreicher Kniff erwiesen. Zu guter Letzt gibt sogar das ewige Traumpaar Dor / Fuchsberger Rätsel auf:

Zitat von Norbert Menzel: Die vergessenen Morde des Louis Weinert-Wilton, In: Klugmann, Mathews (Hrsg.): Schwarze Beute 2, Rowohlt 1987, S. 62ff
[Weinert-Wilton] versuchte sich mit allen Mitteln an den Welterfolg von Wallace anzuhängen. [...] Dabei wird auf jedes Mal – ähnlich wie im Zinker und im Hexer mit einer Mehrfach-Identität gespielt. Bei Weinert-Wilton haben stets sowohl der Held als auch der Oberschurke, manchmal sogar die bedrohte Schönheit eine Mehrfach-Identität. Zum Exzess wird das in der weißen Spinne getrieben. Dort haben der Bösewicht eine dreifache [im Film sogar mehrfache, Anm. d. Verf.], die bedrohte Schönheit und der Detektiv je eine doppelte Identität.


Vor allem ihre anfänglichen, beiderseits etwas zwielichtigeren Parts nutzten Karin Dor und Joachim Fuchsberger, um ein unkonventionelles Paar darzustellen. Dass Fuchsberger erst recht spät auf der Bildfläche erscheint, lässt die Verwicklungen, in die Dor gerät, umso schwerwiegender, stellenweise sogar aussichtsloser erscheinen, zumal der Mord an Inspektor Dawson, dem vermuteten Hauptermittler, in der 18. Filmminute Krimifreunde nachhaltig verunsichern wird. Unverhohlen brutale Mord- und Actionszenen, die großteils überaus stimmig gefilmt und ausgeleuchtet sind (man denke vor allem an das Hauptquartier des Chefs im Theaterviertel und den Fenstersturz von Kiddie Philips), unterstreichen die handfeste Inszenierung ebenso wie Verweise auf die Vergangenheit des Verwandlungskünstlers, der nun die Auftragsmörder-Agentur „weiße Spinne“ betreibt. „Der große Falconetti“ erwies sich als so einprägsame Schurken-Figur, dass man sie für den BEW-Film „Das 7. Opfer“ nochmal auferstehen ließ.

Dieter Eppler weiß als schmieriger Anwalt restlos zu überzeugen – die qualitative Diskrepanz zwischen diesem seinem ikonischsten Krimi-Auftritt der Sechzigerjahre, und jenem als überkandidelter Butler in „Der Würger von Schloss Blackmoor“ überrascht insbesondere deshalb, weil in beiden Fällen Reinl für die Schauspielerführung verantwortlich zeichnete. Dem Regie-Routinier gelang mit der „weißen Spinne“ nicht nur die vielleicht stärkste Schwarzweiß-Epigone überhaupt, sondern auch ein besonderer Glanzpunkt unter den eigenen Regiearbeiten (die Original-Reihe eingeschlossen). Das liegt nicht zuletzt auch an der einzigartigen Kombination aus der 1963 auf ihrem Höhepunkt befindlichen cineastischen Sixties-Gemütlichkeit mit dem an frühe Wallace-Krimis erinnernden echten britischen Flair, das trotz Spandau-Lastigkeit der Außenaufnahmen mit geschickten Archivaufnahmen-Einstreuseln, ungewohnt liebevoller Studioausstattung und guter Kostümwahl erzeugt werden konnte.

Hier haben wir es mit einem rundum gelungenen Sechzigerjahrekrimi zu tun. Ein vielschichtiges Drehbuch mit einer schier unüberschaubaren Anzahl von Rätseln und Wendungen füllt die 100-minütige Spielzeit lückenlos, zumal Reinl sich hier in absoluter Top-Form zeigt und auf eine traumhafte Besetzung zurückgreifen konnte (selbst Chris Howland überzeugt). Wahrlich ein verdienter Sieger des Epigonen-Grandprix 2017! 5 von 5 Punkten.

patrick Online




Beiträge: 2.912

26.11.2017 14:43
#62 RE: Bewertet: "Die weiße Spinne" (1963, LWW 2) Zitat · antworten

Louis Weinert-Wilton: Die weisse Spinne (1963)



Regie: Harald Reinl

Produktion: BRD, 1963

Mit: Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Horst Frank, Werner Peters, Dieter Eppler, Friedrich Schoenfelder, Mady Rahl, Paul Klinger, Gerhard Frickhöffer, Chris Howland


Handlung:

Der spielsüchtige Gatte der hübschen Muriel Irvine kommt bei einem Autounfall um's Leben. Seine Witwe bekommt anschließend Probleme mit der Versicherungsgesellschaft und wird neben dem Mordverdacht, in den sie unverhofft gerät, auch noch mit der Frage konfrontiert, ob ihr Gatte tatsächlich tot ist. Eine heiße Spur führt zu dem dubiosen Spielsalon "Klub der 55" und zu einem geheimnisvollen Verwandlungskünstler namens Falconetti, dessen wahres Gesicht niemand kennt und der gerne mit einer heimtückischen Drahtschlinge mordet. Sein Markenzeichen scheint eine kleine weiße Spinne zu sein und sein "Handels-Produkt" ist der "Tod auf Bestellung"...

Anmerkungen:

Nachdem Harald Reinl mit dem "Teppich des Grauens" einen ungewohnt schwachen Start der Louis-Weinert-Wilton-Reihe ablieferte, fand er spätestens hier wieder zu seiner üblichen Form zurück. Erneut sind viele bekannte Gesichter aus den Edgar-Wallace-Filmen präsent und es ist diesmal auch kein qualitativer Unterschied zur "Mutter-Reihe" mehr spürbar. Peter Thomas recht schwungvolle, aber sehr passende, Titelmelodie und Dieter Eppler als einäugiger Glatzkopf liefern schon mal einen angebrachten Einstieg, der auf ein handwerklich gelungenes Krimi-Abenteuer hoffen lässt - und man wird dabei auch nicht enttäuscht.

Die Kameraarbeit und die Auftritte Falconettis in allen möglichen Verkleidungen machen diesen Reinl-Film zu einem wirklich sehr unterhaltsamen Vergnügen. Und das, obwohl er mit dem "Whodunit" auch beim allerbesten Willen nicht punkten kann. Wer einigermaßen mit dem Genre vertraut ist, wird Dieter Eppler in den diversen Masken natürlich sofort erkennen. Lediglich bei seinen Auftritten als alter Mann und alte Frau wird man anfangs doch hinter's Licht geführt. Besonders bei Letzterer darf man annehmen, dass sie gar nicht von ihm gespielt wurde. Am besten wirkt er als Mr.Corner, Manager des "Klub der 55". Augenklappe, Glatze, das starre Gesicht, die tiefe sonore Stimme, unterstrichen von einem selbstsicheren Auftreten, machen die Figur für das Genre besonders wirksam. Dieter Eppler hat diese Gelegenheit, eine größere Rolle zu bekleiden, wirklich am Schopfe gepackt und seinem schauspielerischen Potential uneingeschränkt freien Lauf gelassen. Es ist anzunehmen, dass ihm gerade dieser Film wohl besonders großen Spaß gemacht haben muß.

Horst Franks Kiddie kann sich als ersklassiger Klaus-Kinski-Ersatz übrigens auch sehen lassen. Zu bemängeln gib es lediglich, dass sehr viele Aufnahmen im Freien überbelichtet erscheinen, was etwas schade ist. Ferner passen Schatten und Stimme des "gesichtslosen" Inspektor Conway ganz und gar nicht zu der Person, als die er sich schließlich entpuppt. Chris Howlands humoristischer Part ist recht dezent angelegt, was sich angenehm auswirkt.

Ansonsten ist der Film viel runder, klarer strukturiert und nicht so wirr, wie der "Teppich des Grauens", was natürlich durch das wesentlich bessere Drehbuch bedingt ist. Kampf- und Actionszenen sind flott und professionell inszeniert. Nach dem Motto "viele Köche verderben den Brei" ist es offensichtlich von Vorteil, dass man von einer Co-Produktion wieder zu einem rein deutschen Film zurückgekehrt ist.

Fazit:

Als einer der besten Wallace-Epigonen reiht sich die "Weiße Spinne" mühelos in die Riege der qualitativ gehobenen Filme des deutschen Sixties-Krimi-Genres ein und ist ein Film der Freude macht. Es handelt sich hierbei auch um den Höhepunkt der Louis-Weinert-Wilton-Reihe. Gute 4 von 5 Punkten.

patrick Online




Beiträge: 2.912

26.11.2017 15:24
#63 RE: Bewertet: "Die weiße Spinne" (1963, LWW 2) Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #62
Zu bemängeln gib es lediglich, dass sehr viele Aufnahmen im Freien überbelichtet erscheinen, was etwas schade ist.



Habe mir grade sagen lassen, dass die Überbelichtung ein Fehler bei der DVD-Umsetzung ist. Das macht den Kritikpunkt natürlich ungültig. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie es damals im Fernsehen aussah.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.359

26.11.2017 15:30
#64 RE: Bewertet: "Die weiße Spinne" (1963, LWW 2) Zitat · antworten

Das Problem betrifft auch den "Teppich des Grauens". In beiden Filmen sind teilweise extreme Helligkeits- und Kontrastschwankungen zu bemerken; definitiv Schwachpunkte der sonst recht soliden Filmjuwelen-Umsetzung.

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