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Dieses Thema hat 96 Antworten
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 Filmbewertungen
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Blinde Jack Offline




Beiträge: 2.000

15.10.2015 09:10
#91 RE: Bewertet: "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" (1971, 32) Zitat · antworten

Das Rätsel des silbernen Halbmonds unterliegt in seiner Bewertung natürlich dem selben Problem, wie die Stecknadeln, aber schneidet in meinen Augen sogar besser ab.

Obwohl man im Ensemble nahezu vergeblich nach deutschen Namen sucht (man findet nur Uschi Glas, Marissa Mell und Petra Schürmann) stimmt der Cast von vorne bis hinten. Zwar fehlen die herausragenden Leistungen von Fuchsberger, Testi, Baal und Stoll aus dem Vorgängerfilm, aber das Gesamtergebnis ist dennoch sehr stimmig.
Uschi Glas hat hier ihren zweitbesten Auftritt (nach der Toten aus der Themse) und weiß zu gefallen. Antonio Sabato spielt den privaten Ermittler. Sicherlich fehlt ihm der Stil eines Testi und er kommt teilweise sehr ruppig daher, aber er treibt die Ermittlungen dynamisch voran. Auch hier der Einwand: ich sehe eigentlich lieber die Polizei ermitteln, aber das muss man in diesem Genre einfach verkraften.
Pier Paolo Capponi gefällt mir als Inspektor ziemlich gut und es war schade, dass er zum Schluss keinen weiteren Auftritt mehr hatte.
Die Nebenrollen sind ansonsten ziemlich einprägsam gespielt und sorgen für Stimmung und Atmosphäre.

Was ich bei den Stecknadeln kritisiert habe, gefällt mir hier einfach besser: die ersten 20 Minuten erzeugen konstant Furcht vor dem Mörder. Die Mordszenen wurden ausgiebiger und weitaus spannender inszeniert, das Wissen darum, dass gleich etwas geschieht wurde klüger ausgenutzt.
Ich gebe zu, dass aufgrund des "Feuerwerks" zu Beginn die Entwicklung der Verdächtigen auf der Strecke bleibt, was man letztlich auch bei der Auflösung bemängeln kann, aber da die Spannung dadurch sehr hoch gehalten ist, verzeihe ich dies gerne.

Die Drehorte in Italien sind einerseits bildschön, erzeugen andererseits bei Dunkelheit ein ungemütliches, bedrückendes Flair, dass der Spannung zuträglich ist. Überhaupt fand ich die Kameraarbeit sehr gut, die mit Schatten und Farben gleichermaßen spielt und in ihrer Beweglichkeit den Zuschauer hautnah an den Morden beteiligt. Zusätzlich trägt auch die sehr gute Musik zum Gelingen des spannungsaufbaus bei, die aufgrund ihrer ruhigen und trägen Spielart die Panik der Opfer wunderbar kontrastiert, oder sogar pervertiert. Ich finde sie auf jeden Fall genial!

Was Handlung und Darsteller betrifft, kann dieser letzte Wallace seinem Vorgänger nicht das Wasser reichen. Auch das Ende wirkt ein wenig unausgegoren und überhastet, dass mit mehr Sorgfalt nochmals zu einem echten Highlight hätte werden können.
Dennoch...gefällt mir dieser Film besser als die Stecknadeln, da er mehr Spannung erzeugt und in den langen und ausgiebigen Mordszenen wirklich aus dem Vollen schöpfen kann.
Ich bin zwar nach wie vor kein Verehrer von Gialli, aber nach diesem Streifen habe ich doch Lust auf mehr bekommen und werde mal im Giallo-Forum ein bisschen herumstöbern.

Für diesen Wallace vergebe ich gute

4 von 5 Punkten.

tilomagnet Offline



Beiträge: 516

15.10.2015 19:04
#92 RE: Bewertet: "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" (1971, 32) Zitat · antworten

Was findest du am Finale überhastet? Für mich eine der besten und spannendsten Sequenzen der Reihe!

Ein echter Schocker, als Giulia die Tür aufreist und der Mörder mit stierem Blick dahinter steht.

Nedwed Offline




Beiträge: 158

15.10.2015 23:32
#93 RE: Bewertet: "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" (1971, 32) Zitat · antworten

Auch für mich der beste Giallo der Wallace-Serie. Das liegt an zwei Dingen: Erstens sind die Mordszenen hier nicht so brutal wie in der Stecknadel (oder kein Pornogeschwülst wie im Gesichtl). und zweitens ist der Film unglaublich düster und unheimlich. Gewisse Szenen erinnern mich an die Frühwallace wie Bande oder Rächer. Die Musik zieht durch den ganzen Film und ist ein echter Ohrwurm. Schade wurde der Film nicht in London gedreht. Uschi Glas hat den mit riesen Abstand besten Auftritt in der Wallace-Reihe. Umberto Lenzi's Regie gefällt mir super, spannend inszeniert und eben nicht zu viel brutale Szenen (ok in der deutschen Fassung). Ich bin sehr froh hat Wendlandt die Mordszenen sehr kürzen lassen, ich kann (sehr) brutale Szenen nicht ausstehen.
3,5 von 5 Punkten

Blinde Jack Offline




Beiträge: 2.000

16.10.2015 15:06
#94 RE: Bewertet: "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" (1971, 32) Zitat · antworten

Zitat von tilomagnet im Beitrag #92
Was findest du am Finale überhastet? Für mich eine der besten und spannendsten Sequenzen der Reihe!

Ein echter Schocker, als Giulia die Tür aufreist und der Mörder mit stierem Blick dahinter steht.



Ich gebe dir Recht - die Szene im Haus ist absolut spannend, nur bezog ich mich hauptsächlich auf den etwas lahm geratenen Zweikampf am Ende, der mit dem sang- und klanglosen Untergang im Pool endet. Das wirkte für mich eher schwach in Szene gesetzt. Ebenso, wie bereits angesprochen, hätte die Polizei meiner Meinung nach noch einmal auf den Plan treten können.

tilomagnet Offline



Beiträge: 516

16.10.2015 17:51
#95 RE: Bewertet: "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" (1971, 32) Zitat · antworten

Sehe ich auch anders, gerade der Zweikampf und das Ertränken im Pool ist unheimlich intensiv und packend inszeniert!

Die Polizei spielt doch in fast allen Gialli nur eine belanglose Nebenrolle. In der Regel ermittelt der Held auf eigene Faust. Da reflektiert sich halt das generelle Bild der Behörden in Italien, die vom größten Teil der Bevölkerung als unfähig und korrupt wahrgenommen wird.

Blinde Jack Offline




Beiträge: 2.000

16.10.2015 22:26
#96 RE: Bewertet: "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" (1971, 32) Zitat · antworten

So verschieden sind die Geschmäcker. Für mich war der Zweikampf alles andere als packend und intensiv. Verglichen mit anderen finalen Kämpfen landet jener nur auf den hinteren Plätzen.

Was die Polizei anbelangt hast du wahrscheinlich Recht, aber das ändert nichts daran, dass es den Film hier ein wenig abgerundet hätte und das ohnehin ziemlich kurze Ende (Kampf und Schwimmen im Pool) ein wenig umfangreicher gestaltet. Denn gerade die psychopatische Ausstrahlung (in der von dir beschriebenen Szene in Guilias Haus) des bis dahin "souveränen" Rächers, wird durch den schlichten Finalkampf in meinen Augen ein bisschen untergraben und verschenkt.

Ray Offline



Beiträge: 1.159

13.11.2016 22:38
#97 RE: Bewertet: "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" (1971, 32) Zitat · antworten

Das Rätsel des silbernen Halbmonds (I/BRD 1972)

Regie: Umberto Lenzi

Darsteller: Uschi Glas, Antonio Sabato, Pier Paolo Capponi, Marisa Mell, Ella Falk, Petra Schürmann u.a.



Anders als beim Vorgänger kappte man mit "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" auch die letzten Wurzeln der Reihe weitgehend ab und führte mit der letzten Produktion den Emanzipationsprozess (wohl unfreiwillig) zu Ende, indem man sich nicht nur inhaltlich vom Gros der anderen Filme distanzierte, sondern erstmals den Schauplatz ganz nach Italien verlegte. Warum dies - anders als bei "Stecknadel" - geschah, ist aus heutiger Sicht Spekulation. Naheliegend ist es jedoch, dass der italienische Partner hier nicht so kooperativ war bzw. das Budget es nicht hergab. Aus italienischer bzw. internationaler Sicht war der Schauplatz Italien ohnehin vorzugswürdig und daher auch konsequent. Im Übrigen hatten die Bilder aus Wallace´Heimat bei "Gesicht" und "Stecknadel" die veränderte Atmosphäre nicht übertünchen können.

Umberto Lenzi gelang mit "Halbmond" das, was parallel Dallamano mit "Stecknadel" misslang: einen in sich stimmigen Thriller abzuliefern. Wer sich von der Wallace-Erwartungshaltung lösen kann, kann an diesem Film viel Freude haben. Davon abgesehen dürften 1972 bei "Halbmond" deutlich weniger Leute auf den "Etikettenschwindel" hereingefallen sein, schließlich waren die "typischen" Wallace-Filme ja zuletzt eindeutig in der Unterzahl, die jungen Kinogänger werden z.T. die klassischen Wallace-Filme zur Premiere womöglich gar nicht oder kaum gekannt haben.

Der Film bietet atmosphärische, bisweilen hochspannende Unterhaltung. Die Morde sind abwechslungsreich inszeniert, hart, aber eben nicht übertrieben explizit. Er bleibt stets "leicht konsumierbar", will keine besondere "Message" verbreiten und scheitert in Konsequenz auch nicht an diesbezüglich gesteigerten Anforderungen bei deren Umsetzung. Lenzi & Co gelingt es, einen insgesamt sehr angenehmen 1970er-Flair zu verbreiten, sieht man einmal von der eher unnötigen Hippie-Party ab. Man merkt, dass sich tendenziell an Argentos "Handschuhe" orientiert wurde. Möglicherweise war dies auch der Grund, warum man von deutscher Seite auf den Schauplatz England verzichtete. Immerhin hatte Argento unter dem Banner BEW einen erstklassigen und dazu erfolgreichen Thriller abgeliefert, der ebenfalls in Italien spielte. Wie in Argentos Erstling sieht man ein sympathisches junges Paar, das in eine Mordserie hineingezogen wird, den Behörden misstraut und daher auf eigene Faust Ermittlungen anstellt. Obschon Glas und Sabato nicht an Tony Musante und Suzy Kendall heranreichen, schaut man den beiden gerne bei den Ermittlungen zu. Bei allem verständlichen "Glas-Bashing" muss man Uschi Glas doch bescheinigen, dass sie im Laufe ihrer Wallace-Karriere schauspielerisch und optisch gewachsen ist und in der Folge mit ihrem letzten auch ihren besten Auftritt abliefert. Sabato ist smart und engagiert und füllt die Rolle somit gut aus. Pier Paolo Capponi gelingt es ähnlich wie Fuchsberger, aus dem wenig dankbaren Part des Ermittlers das beste zu machen. Die restlichen Rollen fallen zu klein aus, um große Worte zu ihnen zu verlieren. Erfreulich ist dennoch das späte Comeback Marisa Mells, das natürlich aus Sicht beider Länder Sinn machte, da sie einerseits schon Wallace-Erfahrung aufwies, andererseits ihre Karriere inzwischen nach Italien verlegt hatte und deshalb auch dort ein Begriff war.

Nach gleich mehreren Morden zu Anfang nimmt sich der Film im Anschluss Zeit, um Figuren und Geschichte zu entwickeln. Letztere ist zwar nicht besonders logisch, aber geradlinig und fesselnd. Man läuft zwar nicht atemlos, aber doch zielsicher auf das unausweichliche Finale zu, wobei der Zuschauer schon kurz zuvor einen Vorgeschmack bekommt. Beide Sequenzen, in denen Glas allein im Haus ist, gehören wohl zu dem spannendsten, was die Reihe zu bieten hat. Hier kann man buchstäblich eine "Stecknadel" fallen hören. Dass man dabei an prominenter Stelle auf Musik völlig verzichtete, machte die Angelegenheit nur noch packender. Der Schlusskampf im Pool ist ebenfalls gelungen und genügt selbst heutigen Anforderungen. Alle Spannungssequenzen sind top fotografiert, so auch der Kampf zwischen Glas und dem Täter im Zug. Der Score von Riz Ortolani ist so wunderbar atmosphärisch wie der Film selbst und bleibt im Ohr. Der "Halbmond" dient als stimmiges Leitmotiv, besonders wirkungsvoll in der Szene im Haus in Szene gesetzt, wenn das Symbol sich mit der Schallplatte dreht.

Insgesamt ist der Film so überzeugend, dass man sich gewünscht hätte, man hätte zumindest auf dieser Basis weitergemacht, wenn schon der rein deutsche Weg zu Ende war. Der Film wirkt auf angenehme Weise modern und bleibt erfreulicherwiese weitgehend humorlos. Man hätte Wallace als Marke für spannende Krimi-Unterhaltung weiter ausbauen und wachsen lassen können.

Leider kam es anders und so fand die Reihe anno 1972 endgültig seinen Schlusspunkt. Alles in allem ist die Wallace-Ära (1959-1972) aus deutscher Sicht die spannendste Zeit in cineastischer Hinsicht, begleitet mich persönlich schon eine geraume Zeit und wird dies wohl voraussichtlich noch lange tun. Es gibt bei den Filmen selbst nach zahlreichen Sichtungen immer neue Aspekte, die es sich zu entdecken lohnt!


Die Wallace-Reihe endet mit einem Film, der zwar längst nicht alle Fans zufriedenstellen wird, isoliert betrachtet aber leicht konsumierbare, hochatmosphärische und ungemein spannende Thriller-Unterhaltung bietet. Daher sehr gute 4,5 von 5 Punkten.

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