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Dieses Thema hat 157 Antworten
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 Filmbewertungen
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DanielL Online




Beiträge: 3.776

01.12.2018 01:11
#151 RE: Wallace der Woche (03): Der Rächer (1960) Zitat · Antworten

Preben Philipsen hatte mit dem Constantin Filmverleih im Rücken eine kreative Keimzelle um sich vereint. Das diesem Anfang etwas Besonderes innewohnte, wird ganz gut durch den RÄCHER bestätigt, denn ihm geht dieser Zauber im Vergleich weitgehend ab. Dabei nimmt die Produktion von Kurt Ulrich durchaus einige hochinteressante Dinge vorweg: Das betrifft natürlich den Cast mit Heinz Drache, Siegfried Schürenberg und Klaus Kinski an Bord. Wird der Vorzeige-Wallace DIE TOTEN AUGEN VON LONDON gern als erster „Horror-Wallace“ genannt, so kann man auch dem RÄCHER bereits entsprechende Nuancen bescheinigen. Trotzdem ist das Gesamtergebnis nur gerade so gut, wie der Stoff, den Wallace 1926 hinterließ. Vergleichsweise antiquiert wirkt daher auch der Film des späten Karl Anton nach Vorlage des Autorenduos Kampendonk/Carter. Der Inner-Circle rund um den Constantin Filmverleih hätte aus dem „Rächer“ wohlmöglich eine einprägsame und markante Verbrechertype á la „Frosch“,„Kreis“ oder später „Hexer“ gemacht. Überhaupt wären hier ausnahmsweise mehr Änderungen an der Vorlage von Vorteil gewesen. So dauert es nach dem unheimlichen Fund im Pre-Opener eine geschlagene Stunde, bis der Kopfjäger überhaupt wieder (Off-Screen!) zuschlägt (Warum dazu der viel markantere Name „Rächer“ in der Handlung praktisch durch „Kopfjäger“ ersetzt wird, fragt man sich schon im Roman). Stattdessen fokussiert man sich derweil auf die Schurkereien von Sir Gregory und seinem „Kammerdiener“. Im Wallace-Roman handelt es sich dabei übrigens um einen trainierten Orang-Utan. Das ist eigentlich die einzige „große“ Änderung in der Adaption. Bei diesem Part stattdessen auf ein menschliches Faktotum zu setzen, wäre eigentlich eine gute Idee gewesen. Was dann bei der Verquickung von Vorlage und neuen Ideen dabei herauskam, dafür darf man sich heute schon ein wenig schämen. Aber wenden wir uns den Charakteren zu:

Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, Sir.
Die „andere“ Besprechung Nr. 3 – Der Rächer

Realgeschichtliche Prominenz im Wallace-Universum: Henry Longvale ist ein Spross der berühmt-berüchtigten Henkersfamilie Longval, die über Generationen hinweg französische Guillotinen bediente und beispielsweise Ludwig XVI. köpfte. Bei der Leidenschaft, die Urenkel Henry demonstriert: Wäre die Familie nicht irgendwann nach Winchester ausgewandert, ein Longvale hätte dem „roten Kreis“ Lightman sicher nicht das Glück eines zweiten Lebens beschert. Nicht, dass es ein Nachteil wäre, sich nicht in Irre hineinversetzen zu können, aber ein wenig bleibt das Motiv von Longvale, den „Kopfjäger“ zu geben, unklar. Ein bisschen was klingt vom „Hexer“ an, wenn wir erfahren, dass die meisten Opfer Verbrecher waren. Dann gibt es den Aspekt des „Wohltäters“, der einen makaberen Service bietet, von dem man nicht weiß, ob er sich ausschließlich an kriminelle Klientel richtet. Und dann wiederum lässt der betagte Herr absolute Willkür walten, Hauptsache seine „Witwe“ bleibt in Bewegung. Ein wirrer Einzeltäter, der keine kriminelle Organisation unterhält, sondern... nun ja... ein außergewöhnliches Hobby hat.

Neuerungen auch auf Ermittlerseite. Haben wir doch bisher bodenständige Yard-Beamte mit vermutlich nicht zu großzügiger Besoldung kennengelernt, haben wir es nun mit Agent Michael Brixan zu tun, der mit der TWA von Job zu Job durch die Welt fliegt und sich nicht mit britischen Zigarren begnügen muss. Seinen Wagen sollte der Mann von Welt allerdings mal in die Werkstatt bringen – oder anders gesagt: Was soll eigentlich dieser seltsame Gag mit dem Gezwitscher unter seiner Motorhaube?

Sein Chef Major Staines lässt durchaus schon – so sehe ich das – eine komödiantische Ader durchblicken, man denke nur an seine Kommentare „Verzeihung, wenn ich ihren Schlummer störe.“ oder „Die bringen wir dann Brixan, damit er nicht faul wird.“ Auch seine punktuelle Rastlosigkeit ist amüsant. Wörtlich sagt er, als er Brixan aus dem Bett quält „Kommen se! Machen se! Schnell! Los, beeilen sie sich. Wir wolln’ uns das mal ansehen!“ in einem Atemzug.

Mit Filmcrews im Film ist es so eine Sache. Filmleute neigen zur Parodie, wenn sie ihre eigene Spezies inszenieren sollen. Selbstverliebte Stars, hektische Aufnahmeleiter und im Zweifel muss auch ein Baum für das Produkt dran glauben. So ist’s ja wirklich beim Film – nur eben nicht ganz so platt. Lorenz Voss ist eigentlich der einzige, der nicht eindimensional bleibt. Ruth Sanders baut als Komparsin auch nicht so richtig Sympathien auf, sie wirkt zwar netter als ihre Kollegen, aber ein wirklicher Kontrast wie bei der Unschuld vom Lande „Ella“ bleibt aus. Bei der Mendozza fragt man sich, was sich solch ein Star eigentlich mit dem reichen aber fiesen Säufer Gregory Penn abgeben muss. Der Alkohol sorgt auch dafür, dass man in ihm nicht wirklich den gefährlichen Stolperstein für Brixan sieht. Dafür hat sich der Mann zu wenig unter Kontrolle. Bhag ist ihm im Übrigen treu ergeben und bis auf anderes Wort von Penn völlig harmlos („Der beste Diener der Welt. Er denkt nichts, er fragt nichts, er antwortet nichts. Er liebt nichts auf der Welt als seinen Herrn.“), um dann am Ende doch völlig vogelfrei nach der Dame zu jagen („Wenn er sie erwischt, bin ich geliefert“). Die Nachbarn von Penn kann wohl dennoch nichts erschüttern („Haben sie keinen Ärger mit ihm, ich meine, mit dem anderen Personal oder mit den Nachbarn?“ - „Nein niemals!“). Interessant, was die so mitmachen. Mein Nachbar klopft schon bei zu lauter Musik.

Das war gut: Düstere Katakomben, das später klischeegewordene Guckloch in der Wand, ferngesteuerte Gittertüren – DER RÄCHER führt durchaus Neues ein...
Das war schlecht: ...visualisiert das jedoch zu antiquiert und unprägnant. Auch die Musik ist keine Hilfe.
Bemerkenswert: Neben der „echten“ Henkersfamilie gibt es auch einige echte Produkte. Heinz Drache macht seinen Erstauftritt mit einer TWA Tasche, später ist ein „Gordon’s Gin“-Plakat sehr prominent im Bild. Ich empfehle den Gin Tonic zum Film mit stilecht guillotinierter Zitrone.
Moment des Films: Die Entdeckung des unberechenbaren Klaus Kinskis gipfelt in einem ersten zarten Wutanfall: „Wenn sie’s wissen, warum fragen sie dann?“. Aber auch die Szene, in der er die Aussage „Das wollten sie doch schon immer, Herr Voss!“ wie hypnotisiert wiederholt: „Ja.... das wollte ich schon immer“ ist bemerkenswert.
Moment zum Vergessen: Ruth Sanders besitzt beachtliche Superkräfte. Mit ihrem zarten Körper kann sie Ziegelsteine aus einer Brunnenfassade reißen, dessen Boden vollständig durchbrechen, noch mehrere Meter weiter auf einen Steinboden stürzen – und sich unmittelbar wieder aufrichten.

Gruß,
Daniel

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 186

01.12.2018 19:14
#152 RE: Wallace der Woche (03): Der Rächer (1960) Zitat · Antworten

Na, Der Rächer scheint ja irgendwie ganz schön zu "polarisieren".
Manche der Kritikpunkte sind sicher nur der Regie anzulasten, etwa die vielbesprochenen "Gummiknochen", die die Akteure bei ihren Stürzen haben müssen. Offenbar sind da die Akteure der Wallace-Filme generell hart im Nehmen, ich glaube, auch beim hochgelobten Unheimlichen Mönch wurden der Inspektor und sein Assistent ganz schön tief fallen gelassen... Natürlich tut so was schon beim Zusehen weh. Im Buch ist die Akteurin aber in die Tiefe gerutscht, nicht gefallen. Deswegen hat übrigens auch die Pistole nicht mehr funktioniert, weil der Mechanismus mit Dreck verschmiert war. So unwahrscheinlich finde ich es gar nicht, dass sie nicht weggerannt ist, sie hat sich halt schreckensstarr in ihr Schicksal ergeben, als sie den fürchterlichen Henker mit seinem Arbeitsgerät vor sich stehen sah.
Sicher ist die Sache mit der arttypischen Schreibmaschinenschrift etwas übertrieben dargestellt, aber man kann in alten Kriminalistik-Sachbüchern nachlesen, dass tatsächlich jede Schreibmaschine ihr eigenes Schriftbild hat, sozusagen so etwas wie eine Handschrift. Das Unverwechselbare ist erst mit den modernen Computer-Druckern verlorengegangen. Mir persönlich gefallen die altmodischen Kriminalschmöker gerade wegen diesen heute leider in Vergessenheit geratenen Ermittlungsansätzen gerade gut, aber ist natürlich Geschmackssache.
Das teilweise Fehlen des Rächers (der Name ist wirklich seltsam !) während eines größeren Teils des Filmes ist eben wirklich auch dem Roman anzulasten. Auch hier beschäftigt sich der Held lange Zeit nur mit den seltsamen Machenschaften des Gregory Penne - eindeutig eine Schwäche des Buches. Lag sicher auch an Wallace' sprunghafter Art, seine Geschichten zu entwickeln, er soll ja am Anfang oft selber nicht gewusst haben, wie der Handlungsverlauf nun genau gehen sollte. So hat er denn den Kopfjäger auch wieder erst recht spät wieder so richtig in die Handlung eingebracht. Eigentlich schade, statt der Albernheiten mit dem Menschenaffen hätte ein bisschen mehr Kopfjäger auch der ansonsten ordentlichen Geschichte gutgetan. Aber das letzte Drittel des Buches einschließlich des Finales sind wirklich mit richtigem Thrill, eine der wenigen Stellen im Schaffen von Wallace, wo man wirklich von einem gewissen Horror-Faktor sprechen kann. Ich finde, das hat auch der Film im Rahmen seiner Möglichkeiten rübergebracht.
Sehr innovativ finde ich dagegen die Motivation des wahnsinnigen Bösewichts. Der oberste Henker von Frankreich (der allerdings nach einer besonders scheußlichen Hinrichtung seinen Dienst quittierte) als Vorbild - da muss man erst mal draufkommen. Früher gab es ja noch nicht so einen abartigen Serienmörder-Kult wie heute.
Es wird ja auch immer wieder kritisiert, dass der Film im Film zu wenig Platz bekommen hätte. So weit ich mich erinnern kann, ging es im Buch um ein historisches Drama, allerdings wurde auch da nicht viel drüber geschrieben. Die Rächer-Verfilmung klebt eben noch sehr an der literarischen Vorlage, manche der Möglichkeiten wurden so vielleicht verschenkt, obwohl doch gerade solche Film-im-Film-Geschichten irgendwie immer recht albern ankommen.
Und die Geschichte mit der ersten Lady auf der "Roten Lady"... Tatsächlich fällt das wohl eher in den Bereich Logikfehler. Die Filmemacher haben die Passage wohl fast wortgetreu aus dem Buch genommen, aber dabei ganz vergessen, dass sie zuvor die arme alte gammelige Helferin des Kopfjägers auch zum Tode verurteilt hatten. Aber vielleicht hat Gubanov ja doch recht, und der seltsame altmodische Mr. Longvale hat zwischen einer Frau und einer "Lady" tatsächlich einen Unterschied gemacht...

Count Villain Offline




Beiträge: 4.241

01.12.2018 19:51
#153 RE: Wallace der Woche (03): Der Rächer (1960) Zitat · Antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #24
So unwahrscheinlich finde ich es gar nicht, dass sie nicht weggerannt ist, sie hat sich halt schreckensstarr in ihr Schicksal ergeben, als sie den fürchterlichen Henker mit seinem Arbeitsgerät vor sich stehen sah.


Um das Buch zu zitieren:

Sie war völlig gelähmt und konnte keinen Widerstand mehr leisten. Eine ganz unbekannte Schlaffheit überkam sie; obgleich sie bei vollem Bewusstsein war, konnte sie sich nicht nach eignem Willen bewegen oder sprechen.

Ich finde die Schockstarre auch nicht so unwahrscheinlich. Aber in der Tat ist da Wallace wirklich ein sehr intensives und gruseliges Finale gelungen und glücklicherweise auch eins zu eins auf die Leinwand übertragen worden.

Wallacefreund Offline




Beiträge: 235

03.12.2018 19:48
#154 RE: Bewertet: "Der Rächer" (1960, Außer der Reihe) Zitat · Antworten

Für mich ein schwächerer Beitrag der Reihe. Diesen Filmdreh im Film finde ich irgendwie unpassend, wirkt irgendwie wie Folklore. Das passt mMn nicht einen Wallace. Man hätte die Szenen bevor man einen Kopf findet atmosphärischer gestalten können, als nur den Wagen von Longvale beim Fahren einzublenden. Vielleicht irgendwas mit den unterirdischen Stollen oder so. Was mir auch nicht gefällt, warum schenkt Brixan Mr. Jackson direkt am Anfang schon das Vertrauen, indem er ihm Infos gibt? (z.B. mit dem Blatt Papier)
Kinskis erster Auftritt in einem Wallace gefällt mir schon richtig gut,vor allem im Dialog mit H. Drache,der seine Sache auch gut macht, ebenso S. Schürenberg. Den Kamnerdiener Bhag finde ich irgendwie kein Stück unheimlich.
Kein schlechter Wallace aber eben auch kein guter.
3,5 von 5 Pkt.

Stephan Offline



Beiträge: 114

13.12.2018 20:34
#155 RE: Bewertet: "Der Rächer" (1960, Außer der Reihe) Zitat · Antworten

Gong:
Keine Besprechung vorhanden. In diesem Lexikon finden sich nur Filme, die innerhalb eines bestimmten Intervalls im Fernsehen ausgestrahlt wurden, wozu der Rächer offenbar nicht gehört hat.

Pauer:
"Dieser unscheinbare, wenig bekannt gewordene Schwarzweißfilm besitzt nicht zu unterschätzende Qualtitäten.(...)Der Zuscahuer wird in diesen Schlußszenen geradezu in sadistischer Weise auf die Folter gespannt..."

Kramp:
Der Film verfügt über ein großes Plus: die Auswahl der Schauspieler(...)Aus heutiger Sicht ist es scahde, dass man gleichsam aus einer Sahnetorte nur ein vertrocknetes Stück Kuchen machte. Hätte man nicht so übereilig produziert,(...) es hätte ein Wallace-Meisterwerk entstehen können. So wurde nur ein lahmer KJrimi darasu, der ncoh hinter dem schlechtesten Rialto-Wallace rangierte.

Tses:
Der Film (...) wurde in nur drei nWochen fertig und genau danach sieht er auch aus. (...) Sowas "Schlechtes" hatte das Publikum noch nie gesehen und die angepeilte Zuschauerzahl wurde nicht im geringsten erreicht.(...) Im Film ist alles vorhanden, was ein EW-Krimi braucht(...)Aber sobald das Wort ENDE erscheint, bleibt nichts mehr haften...

Hohmann:
"Das war alles ziemlich bieder, über weite Strecken missglückt, ohne Esprit und holprig inszeniert.(...) Ein hastig heruntergekurbelter, inspirationsloser Strifen, der sich vergeblich bemüht,an die Qualitäten der Rialto/constantin-Produktionen heranzureichen, dabei jedoch überweigend spektakulär scheitert.

Meine Meinung:
Das große Kuriosum ist, dass dieser Konkurrenz-Außenseiter dem Wallace-Publikum Heinz Drache, Klaus Kinski und Siegfried Schürenberg als Quasi-Sir-John schenkt. Aber insgesamt wirkt der Film zu hausbacken und naiv wie Ina Duschas ständiges, österreichisches Michael, obwohl gerade die Geschichte des Kopfjägers zum Megahorrothriller taugt. 3/5 Punkten

Wallacefreund Offline




Beiträge: 235

08.01.2019 20:16
#156 RE: Bewertet: "Der Rächer" (1960, Außer der Reihe) Zitat · Antworten

Meine Wertung für den Rächer lautet 3 von 5 Pkt.
Hatte versehentlich 3,5 angegeben.

Wallacefreund Offline




Beiträge: 235

08.01.2019 21:46
#157 RE: Bewertet: "Der Rächer" (1960, Außer der Reihe) Zitat · Antworten

2,5 von 5 Punkten. JETZT ist es korrekt, erst Streß, dann an der Tastatur abgerutscht. Sorry, muss demnächst mehr Konzentration walten lassen.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.241

04.08.2019 16:57
#158 RE: Wallace der Woche (03): Der Rächer (1960) Zitat · Antworten

Der schurkische Nachschuss: Drehbuch und Darsteller machen aus diesem frühen Film trotz kleiner Kinderkrankheiten eine beeindruckende Reise direkt in Wallace' Roman hinein. 4,5 von 5 Punkten.

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