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Dieses Thema hat 176 Antworten
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Ray Offline



Beiträge: 1.323

12.05.2019 13:10
#166 RE: Wallace der Woche (27): Der Mönch mit der Peitsche (1967) Zitat · Antworten

Was "Die toten Augen von London" für die SW-Phase sind, ist "Der Mönch mit der Peitsche" für die Farb-Ära. Er ist - wie jeder Wallace-Film - nicht perfekt, vermag vorhandene Schwächen aber durch besonders ausgeprägte Stärken zu kompensieren.

Natürlich kann man sagen, dass man das, was man im vorliegenden Film inhaltlich geboten bekommt, bei Wallace und woanders fast alles schon so oder ähnlich gesehen hat. Aber es ist eben auch eine Qualität, publikumswirksame Zutaten zu perfektionieren und mit anderen zu verbinden. Und das haben die Verantwortlichen hier getan. Man nehme die bis dato faszinierendste Täterfigur, verpasse ihr mit den Mitteln des Farbfilms ein anderes, erinnerungswürdiges Kostüm, reaktiviere den beliebtesten Ermittler und setze ihn mit einem Sir John in Höchstform auf den Täter an. Darum stricke man eine nicht sonderlich kreative, aber den Regeln des Genres und der Verbrecherpyramide folgende sowie dem hohen Tempo und Bodycount angepasste Story - fertig sind rund 90 Minuten allerbeste Wallace-Unterhaltung.

Dass die Chemie zwischen Fuchsberger und Schürenberg blendend ist, hatte sich spätestens im "Hexer" angedeutet. Wenn also häufig im Kontext von vertanen Chancen davon die Rede ist, man hätte aus dem Duo Fuchsberger/Arent mehr herausholen können, so ist es die wohl deutlich schwer wiegendere "Sünde", das Doppel Fuchsberger/Schürenberg nicht öfter ins Rennen geschickt zu haben. Die beiden bilden ein hervorragendes Buddy-Gespann und liefern ein Gag-Feuerwerk, das in der Reihe seinesgleichen sucht. Schürenbergs Spielfreude ist absolut ansteckend, Höhepunkte sind die Befragungen der Mädchen sowie das bereits angesprochene Verhör mit Mr Denver. Wäre Schürenberg auch in "Banne" vertreten, hätte man womöglich einen (nahezu) gleichwertigen Film schaffen können. Fuchsberger legt seine Rolle betont cool und abgebrüht an, was eine reizvolle Abwechslung darstellt. Angesichts der Dominanz der Ermittler, der Vielzahl der Nebendarsteller und des hohen Tempos verwundert es nicht, dass die übrigen Darsteller weniger Akzente setzen können. Keinesfalls unerwähnt bleiben soll jedoch Claus Holm, der ein bemerkenswertes Wallace-Debüt gibt und sogar die seltene Ehre bekommt, als Nebenfigur den Täter "zur Strecke" bringen zu dürfen. Ohnehin ist das Finale im Aquarium so ziemlich das packendste überhaupt. Hier wird anders als etwa im "Bogenschützen" alles aus der Täterfigur und seinem Mordwerkzeug herausgeholt. Was Keyston betrifft, würde ich die Kritik wenn überhaupt auch eher an der Figur selbst festmachen, die extrem klischeehaft ist und weniger an der Darbietung von Konrad Georg, die tatsächlich beeindruckend abstoßend ausfällt. Auch Günter Meisner, Narziss Sokatscheff und Siegfried Rauch geben gelungene Einstände bzw. Gastspiele. Unter den Damen kann sich Suzanne Roquette am meisten profilieren, die zudem anders als die Kolleginnen Glas und Böttcher auch rein optisch in einem heutigen Film noch eine gute Figur machen würde. Generell muss in Anbetracht der Entstehungszeit und im Vergleich zu den vorangegangenen Filmen lobend erwähnt werden, dass man sich mit vordergründigen sexuellen Anspielungen diesmal einigermaßen zurückhielt. Nach der Duschszene im "Buckligen", den Nonnen in Strapsen und der unter einem Ausziehfimmel leidenden Anstaltsinsassin in der "Hand" gibt man sich hier on screen doch wieder erfrischend zugeknöpft. Die Szenen im Schwimmbad sehe ich da als einen recht guten Kompromiss an: es gibt Damen im Bikini oder Badeanzug, aber das Ganze lässt sich inhaltlich recht problemlos rechtfertigen und von der Kamera wird auch nicht allzu voyeuristisch "draufgehalten". In die Kategorie amüsant fällt auch noch die Lektüre, der sich Harry Riebauer, vor allem aber Suzanne Roquette widmet. Kurios ist allerdings das Netzhemd des Gefängnismitarbeiters - soll das homoerotisch sein? Schmunzeln muss ich außerdem immer in der Szene, in der Keeney erstmals aus der Tonne steigt und dem von Kurt Waitzmann gespielten Wächter seine Begeisterung über Plan und Organisation der Bande mitteilen möchte und dieser nur ein trockenes "Halt die Schnauze!" erwidert. In die Kategorie der unfreiwilligen Komik fällt natürlich auch die Szene in der Claus Holm Uschi Glas eingesperrt vorfindet, sie fragt, wer sie an diesen Ort gebracht habe und sie nur "Ein Mann!" schreit. Zuletzt sei die wie schon im Vorgänger sehr gelungene Musik von Martin Böttcher erwähnt, welche die temporeiche Handlung wunderbar unterstützt.

Summa summarum ist "Der Mönch mit der Peitsche" ein herrliches guilty pleasure, das sich die Höchstwertung redlichst verdient. 5 von 5 Punkten für den besten Farb-Wallace und einen der besten Wallace-Filme überhaupt.

Gubanov Online




Beiträge: 16.129

12.05.2019 13:33
#167 RE: Wallace der Woche (27): Der Mönch mit der Peitsche (1967) Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #17
Was "Die toten Augen von London" für die SW-Phase sind, ist "Der Mönch mit der Peitsche" für die Farb-Ära.

Guter Witz. Ein Vergleich mit dem "schwarzen Abt" wäre wohl angebrachter.
Zitat von greaves im Beitrag #16
Was mir noch nicht klar ist,wer immer durch das Guckloch in dem Mädchenschlafsaal schaut?Mrs.Foster ist es ja nicht.Weis das jemand von euch?

Na der Lustmolch George Konradi, oder?

patrick Offline




Beiträge: 3.132

12.05.2019 13:49
#168 RE: Wallace der Woche (27): Der Mönch mit der Peitsche (1967) Zitat · Antworten

Zitat von greaves im Beitrag #16


Habe ich 1991 nur kurz in die Anfangsszenen die auf dem Friedhof spielen,schauen können.(Da meine Mutter damals Musikantenstadel schauen wollte)…da gab es dann genug Mord und Totschlag..




Das erinnert mich daran, als Goldfinger Anfang der 80er erstmal im Fernsehen lief und meine Mutter die Dornenvögel ansehen wollte. Ich hab damals so einen Aufstand gemacht, dass sie nach ca. 15 Minuten nachgab. Es war trotzdem ärgerlich genung, dass ich den Anfang versäumt hab. Ich lag dann meinen Eltern sehr lange wegen eines eigenen Fernsehgerätes in den Ohren, damit sowas nie wieder vorkommt. Als es dann im Zimmer stand ging ein Traum in Erfüllung.




Zitat von greaves im Beitrag #16

Nach längerer Pause sieht man Joachim Fuchsberger seit dem Hexer wieder in einem Edgar Wallace Film und ist hier schon recht gealtert mit seinen grauen Haaren.(eigentlich noch speziell denn Heinz Drache ist vier Jahre älter als Fuchsberger und hatte 1967/68 keine graue Haare.Ob Drache seine wohl gefärbt hatte oder es an den Genen liegt..?...🤔😀




Fuchsberger war mit seinen 40 Jahren nicht so alt. Der hatte natürlich die Veranlagung. Auch fielen in SW die grauen Haare weniger auf. Im letzten Mohikaner von 1965 war er auch schon anständig grau.

greaves Offline




Beiträge: 523

12.05.2019 14:20
#169 RE: Wallace der Woche (27): Der Mönch mit der Peitsche (1967) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #18
Zitat von Ray im Beitrag #17
Was "Die toten Augen von London" für die SW-Phase sind, ist "Der Mönch mit der Peitsche" für die Farb-Ära.

Guter Witz. Ein Vergleich mit dem "schwarzen Abt" wäre wohl angebrachter.
Zitat von greaves im Beitrag #16
Was mir noch nicht klar ist,wer immer durch das Guckloch in dem Mädchenschlafsaal schaut?Mrs.Foster ist es ja nicht.Weis das jemand von euch?

Na der Lustmolch George Konradi, oder?

Möglicherweise könnte es Konrad Georg gewesen sein ☺️

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 228

13.05.2019 15:46
#170 RE: Wallace der Woche (27): Der Mönch mit der Peitsche (1967) Zitat · Antworten

Der Mönch mit der Peitsche – sicherlich der abgedrehteste Film der ganzen Reihe ! Ein typisches Produkt der Sechziger, mit allen Vor- und Nachteilen. Wie schon richtig angemerkt, hat man sich hier wohl offensichtlich an Agatha Christies „ABC-Morden“ orientiert. Der Plan, einen einzelnen, „wichtigen“ Mord in einer Serie ähnlicher Morde zu verstecken, wurde schon bei der großen Dame des englischen Krimis reichlich verwickelt in Szene gesetzt. Es gab einen Täter, der vorgeblich nach dem Alphabet vorging und seine Opfer mit aufgeschlagenen Fahrplänen dekorierte, sogar ein seltsamer Verdächtiger wurde der Polizei nach einiger Zeit vom eigentlichen Killer auf dem Silbertablett präsentiert. Wenn das Ganze hier irgendwie gerade noch einigermaßen glaubhaft herüberkam, so fährt doch der Hintermann, der die Millionenerbin Anne Portland beseitigen will, ganz andere Geschütze auf: (Wieder einmal) eine große verzweigte Organisation, die unter anderem im Mädchenpensionat ihr Unwesen treibt und sogar ein Gefängnis unterwandert hat, dazu noch ein Hauptquartier, das eines Blofeld oder wenigstens Fantomas würdig ist. Daneben noch Anschläge mit neuentwickeltem Giftgas, Zirkuspeitschen und Schusswaffen. Und das alles nur, um diesen einen „kleinen“ Mord zu tarnen. Was für ein Aufwand, der Strippenzieher hinter dem rotgewandeten Mönch und den anderen Mordgesellen ist reichlich in Vorleistung gegangen, seine Spesenrechnung ist sicherlich sehr hoch. Da muss das Vermögen, um das es geht, auch sehr groß sein. Dabei macht die biedere Uschi Glas aka Anne Portland gar nicht so den Eindruck, als dass sie viel mit dem zu erwartenden Reichtum anzufangen wüsste oder ihr der Tatbestand bewusst wäre. Apropos Agatha Christie: In dem Roman Die Katze im Taubenschlag gibt es auch eine Mordserie im Mädchenwohnheim, in welche ebenfalls Lehrkräfte verwickelt sind in die ihre Ursache auch in einer Erbgeschichte, hier der eines Prinzen, hat. Nur Zufall ? Allerdings hätte Mrs. Christie wohl niemals eine knallrote Mönchsfigur mit einer Peitsche in ihren Werken auftreten lassen.

Wozu ist die bewusste Titelfigur nun überhaupt notwendig ? Keine Ahnung. Wenigstens hat man dem Zuschauer diesmal eine pseudopsychologische Aufklärung al la enttäuschter Liebe in der Jugend und dann ein Mönchs- statt Nonnenkostüm, weil der Vater lieber einen Jungen wollte, erspart. Es genügt die lapidare Feststellung, dass Mrs. Foster wohl wahnsinnig gewesen sein muss. Tatsächlich war die Enthüllung des Unholds im kommunistischen Ku-Klux-Klan-Look das erste Mal eine richtige Überraschung für mich, ebenso wie die des eigentlichen Anstifters, als ich den Film das erste Mal vor etwa 20 Jahren gesehen habe. So einfach zu erraten wie bei den anderen Produktionen waren der bzw. die Täter diesmal nicht.
Dagegen ist Siegfried Schürenbergs Sir John diesmal mit seinem Geplapper einfach nur nervig. Die Verhöre, die er zusammen mit seinem überaus geduldigen Inspektor führt, sind irgendwie der Gipfel der Peinlichkeit. Jedesmal, wenn man erwartet, dass sich nach dem senilen Gebrabbel des Polizeichefs der oder die Befragte schließlich (manchmal sicherlich aus purer Verzweiflung) endlich zu einer sinnvollen Aussage durchringen will, bricht man das Verhör ab und verschiebt es auf später. Die Dialoge in diesem Film sind wahrlich nicht sonderlich geschickt. Da kann auch Blacky Fuchsberger nach längerer Wallace-Abstinenz nicht viel dran ändern. Lobenswert ist, dass er auf das viele Rauchen wie in den Vorgängerfilmen verzichtet hat. Doch das ersatzweise Kaugummikauen wurde wohl nicht aus Gesundheitsgründen ins Drehbuch aufgenommen, sondern um ihn cooler und jünger wirken zu lassen, was aber voll nach hinten losging. Sieht einfach nur affig und lustlos aus, und seine angegrauten Haare kann man damit auch nicht wegretuschieren.

Die weiblichen Nebendarstellerinnen sind schon ein Hingucker, die laszive Suzanne Rouquette etwa oder auch die smarte Grit Böttcher, die in ihrem gelben Regencape tatsächlich in Erinnerung bleibt. Das Dahinscheiden der jungen Damen unter dem ekeligen Giftglibber ist ziemlich roh geraten, sie können einem tatsächlich leid tun und Anteilnahme erregen, und das in einem Film mit 15 Toten ! Die Hauptrolle auf Uschi Glas zu legen, die ja auch schon vom ersten (Schwarzweiß-)Mönch verfolgt wurde, ist sicherlich nicht mehr so ganz nachvollziehbar, aber schon zu verschmerzen.
Diesmal mussten die Reptilien schon richtige Krokodile sein, doch ein paar Schlangen konnte sich Herr Vohrer dann doch nicht verkneifen…
Der liebestolle ältliche Lehrer, der der armen Grit Böttcher ständig sabbernd hinterherläuft, ist an sich schon glaubhaft, doch dass sich im Gegenzug die jungen Dinger für ihn interessieren würden, schon weitaus weniger. Wozu wurde der überhaupt umgebracht ? Um einen Verdächtigen für die Giftmorde zu haben ? Aber das sollte doch eigentlich der Zuchthaussträfling sein, der angeblich sicher in Gewahrsam sitzt. Hier kommt man zum Thema „Logik“, und es gibt bis dahin wohl kaum einen Film der Reihe, wo die Sinnhaftigkeit sich mehr in Rauch aufgelöst hat.

Mal abgesehen davon, dass wohl niemand den schon beschriebenen Aufwand treiben würde, nur um einen „privaten“ Mord zu kaschieren, ist auch fraglich, wozu dass Ganze gut sein soll. Warum so viele nebeneinander agierende Mörder, neben dem Peitschenmönch noch der Sträfling aus dem Zuchthaus, der dann noch durch einen zweiten ersetzt wird, und dann gibt es ja auch noch Graves… Wozu das „unbekannte“ Giftgas, das dann ein stinknormaler Dorfarzt analysieren kann. Wenn es tatsächlich unbekannt gewesen wäre, hätte man doch die Millionenerbin weniger spektakulär im Pensionat vergiften und als normalen Tod deklarieren können, ohne durch den ganzen Aufwand überhaupt erst die Aufmerksamkeit anzuziehen. Und wie hat es der erst vor kurzem aus dem Gefängnis entlassene Onkel von Anne Portland geschafft, sein ganzes Netzwerk aufzubauen ? Er muss ja dann schon vorher eine kriminelle Organisation geleitet haben und Vermögen besessen haben sowie auch Nebeneinkünfte haben, um alles weiter finanzieren zu können. Seine Verurteilung wegen Mord muss ja wohl dramatischer gewesen sein, als dargestellt. Wie schafft es der Mönch immer dort aufzutauchen, wo gerade Not am Mann (bzw. an der Frau) ist ? Warum türmen eigentlich die anderen Gefangenen vom Küchenpersonal nicht, wenn es so einfach ist, aus dem Gefängnis auszubrechen? Und woher wusste Graves eigentlich, wo die Polizei Anne Portland verstecken wollte, immerhin stand er da ja schon mit seinem Rolls-Royce und hat die ganze Sache beobachtet…. Warum wurde Anne nicht umgebracht, sondern verschleppt? Woher hatte der Inspektor überhaupt den Einfall, dass das alles mit Portlands Erbschaft zusammenhängt ? Man könnte hier endlos so weitermachen….

Wenn man den Film mit den Augen des Wallace-Puristen betrachtet, wird man sich sicher kopfschüttelnd abwenden. Aber als Fan überdrehter quietschbunter Sixties-Machwerke kann man den Streifen durchaus reizvoll finden. Gerade das James-Bond-hafte hebt ihn aus dem Reigen der anderen Wallace-Filme hervor, so albern es im Grunde auch sein mag. Außerdem haftet dem Ganzen mit den herausgeschmuggelten Sträflingen samt ihren seltsamen Mordgeräten ein Hauch von Verschwörung an, den ich persönlich sehr schätze. Der Film ist sehr unterhaltsam, auch die Filmmusik wieder richtig gut. Tatsächlich klingt sie, wie schon an anderer Stelle erwähnt, so ähnlich wie die von der blauen Hand, auf der Filmmusik-CD sind die beiden ja auch in Folge aufgeführt. Mit dem eigentlichen Edgar Wallace hat das Ganze wohl mittlerweile gar nichts mehr zu tun, nicht mal mehr ein paar versteckte Anspielungen sind übrig geblieben.

Persönliche Wertung (Farbfilme) : 4 von 5 Punkten

Gubanov Online




Beiträge: 16.129

13.05.2019 18:23
#171 RE: Wallace der Woche (27): Der Mönch mit der Peitsche (1967) Zitat · Antworten

Eigentlich ein perfekter Verriss mit einer zwingenden Argumentation, bei der man sich nur achselzuckend fragen, warum ein erfahrener Autor wie Reinecker solchen Stuss ablieferte. Dieser Hang zur inhaltlichen Unsauberkeit bis hin zur völligen Fantasterei kann bei einer derart auffälligen Zunahme ja eigentlich kein Zufall gewesen sein. Sollte er damals wirklich absichtlich zum "Trademark" der Wallace-Reihe ausgebaut worden sein, eventuell als Krimi-Pendant zu den unmöglichen Fantasiegeschichten von James Bond?

In den letzten Sätzen des Reviews kommt dann aber überraschend eine 180-Grad-Wendung, die die diversen vorherigen Absätze plötzlich wieder relativiert. Hier sagt offensichtlich der Verstand nein, aber das Wallace-Gefühl ja.

Edit: Eine ketzerische Frage: Wie vielen Schwarzweißpunkten entsprechen denn die vier Punkte auf deiner Farbskala?

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 228

14.05.2019 14:28
#172 RE: Wallace der Woche (27): Der Mönch mit der Peitsche (1967) Zitat · Antworten

Keine Ahnung. Pauschal würde ich die Farb-Wallace etwa zwei Punkte niedriger ansiedeln als die SW-Filme. Die müssen sich eben echt noch an Atmosphäre, Werktreue, Schauspielkunst etc. messen lassen.
Die bunten Filme sind eben wirklich "Trash". Furchtbarer Unsinn, bar jeglicher Logik. Der kann aber durchaus noch in manchen Punkten innovativ gemacht sein. Das sind für mich persönlich Hand, Mönch 2 und Im Banne. Der Rest - naja, muss nicht sein. Im Prinzip sind es kaum ernstzunehmende Schauerkrimis, die den Namen "Wallace" weniger verdienen als manche erntzunehmende Epigonen. Irgendwie imponieren mir diese Reißer aber wegen der Sorglosigkeit und Unbekümmertheit, mit der hier immer noch auf einigem Niveau unterhaltsame Geschichten zusammengezimmert wurden. Das gibt es heute kaum noch, schon gar nicht in unserem moraltriefenden überkorrekten Deutschland.
Deswegen sind die Filme bei mir in der Wertschätzung gewachsen. Außerdem verbinde ich auch, wie offenbar viele Forenkollegen, auch persönliche Erinnerungen mit der Erstsichtung, gerade beim roten Peitschenmönch. Das treibt auch die subjektive Wertung in die Höhe ...

Giacco Offline



Beiträge: 1.841

14.05.2019 17:54
#173 RE: Wallace der Woche (27): Der Mönch mit der Peitsche (1967) Zitat · Antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #23
Irgendwie imponieren mir diese Reißer aber wegen der Sorglosigkeit und Unbekümmertheit, mit der hier immer noch auf einigem Niveau unterhaltsame Geschichten zusammengezimmert wurden. Das gibt es heute kaum noch, schon gar nicht in unserem moraltriefenden überkorrekten Deutschland.



Schön, dass dieser Punkt endlich auch mal angeschnitten wird. Die zweite Hälfte der 60er Jahre war die Zeit der Veränderung: Studentenproteste, Hippie-Bewegung, Sexwelle, Aufklärungsrummel, Beatmusik, Mini-Rock usw. Mit braven altmodischen Krimis hätte man niemand mehr hinter dem Ofen hervorgelockt. Es kam vielmehr darauf an, "das mit Kriminalfilmen so reichlich versorgte Fernsehpublikum in die Filmtheater zu locken" (Film-Echo anläßlich Wallace-Dreharbeiten 1967) Und das ist Alfred Vohrer mit seinen Farbfilmen gelungen.

patrick Offline




Beiträge: 3.132

14.05.2019 20:49
#174 RE: Bewertet: "Der Mönch mit der Peitsche" (1967, 24) Zitat · Antworten

Zitat von Georg im Beitrag #163
Zitat von patrick im Beitrag #158
Konrad George ist in diesem Film ja nicht nur Lüstling, sondern unterhält auch Beziehungen zu seinen Schülerinnen, was andeutet, dass diese ihm nicht abgeneigt waren. Dies finde ich extrem unglaubwürdig, da er nicht unbedingt die Ausstrahlung eines "flotten 50ers" mitbringt, in den sich junge experimentierfreudige Dinger vergucken könnten. So eine Rolle hätte ich ganz anders besetzt.
Es ist richtig, dass Konrad Georg nicht die Ausstrahlung eines flotten 50ers hat, da gebe ich Dir recht. Allerdings ist es doch vorstellbar, dass sich die vielleicht leistungsschwachen Mädchen an den Lehrer heranmachen, um ihre mangelnden Chemiekenntnisse mit "anderen Dingen" zu kompensieren ...


Nun gut, so gesehen gebe ich dir natürlich Recht. Trotzdem würde ich es glaubwürdiger finden, wenn neben den mangelnden Chemiekenntnissen auch der Reiz, den ein sportlich erhaltener reiferer Mann für manche Twens ausstrahlt, hinzukommt, was im wahren Leben ja durchaus vorkommt.

Stephan Offline



Beiträge: 114

27.05.2019 22:23
#175 RE: Bewertet: "Der Mönch mit der Peitsche" (1967, 24) Zitat · Antworten

Gong:
* (schwach): „Routinekrimi“

Pauer:
„Vohrer(…)und Alex Berg (…) übertrumpften den Vorgänger (Anm.: den unheimlichen Mönch) aber mit sensationellen Drehbuch- und Regieeinfällen.“

Kramp:
„.Wer Reinls Film Der unheimliche Mönch als sehr gelungen bezeichnete, bei dem rangierte DMmdP nur dahinter. Mögen die Schauspieler in beiden Filmen durchaus ebenbürtig sein, so fehlt dem zweiten Streifen auf jeden Fall die exzellente Musik von Peter Thomas.“

Tses:
„Ein rasanter Film mit viel Witz und Grusel, der dem Zuschauer keine Atempause gönnt..“

Hohmann:
„..konnte DmmdP auch bedingt qualitativ überzeugen, war vielleicht die letzte Wallace-Verfilmung alter Prägung und durfte sicherlich zu den gelungeneren Farbproduktionen gezählt werden.(…) Vohrer schaffte es dennoch, das Spannungslevel hochzuhalten, da er so rasant inszenierte, dass der Zuschauer gar nicht zum Nachdenken kam.“


Meine Meinung:
Tjaaaa…das große Manko des Films ist der leicht zu erkennende Haupttäter. Kennt man alle Personen der Besetzungsliste, ist nach dem ersten Satz klar, wohin der Hase läuft.
Ansonsten wirkt der Peitschenmönch auf mich stimmiger als der unheimliche Mönch: ein charismatischerer Inspektor, die bessere Musik und auch die Atmosphäre ist insgesamt runder, obwohl er nicht wie der Vorgänger auf Gothic-Horror setzt.
Mich nervt auch Konrad Georg nicht. Aufgrund seiner ekelhaften, dämonischen, schmierigen Ausstrahlung finde ich ihn nicht fehlbesetzt; er trägt zur Atmosphäre bei – auch wenn man den Betthupferl-Hintergrund nur schwer glauben kann.
Ich gebe 4 von 5 Punkten

Andreas Offline




Beiträge: 435

11.07.2019 09:14
#176 RE: Bewertet: "Der Mönch mit der Peitsche" (1967, 24) Zitat · Antworten

Der MÖNCH MIT DER PEITSCHE ist mehr eine Komödie als ein Kriminalfilm, in der sich vor allem Fuchsberger und Schürenberg selbst karikieren.

Der Film lebt von den Farben, den Effekten, der Situationskomik und dem Tempo. Und immerhin: Diese Rechnung geht irgendwie auf.

Leider bleibt die Logik auf der Strecke, aber das ist ja bei EW ohnehin nicht so wichtig. Normalerweise wollen Mörder nicht erkannt werden. Bei EW stellen sie sich oft sehr exzentrisch dar.

Der Film macht mehr Spaß als die beiden Vorgänger und kann immer mal wieder gesehen werden, ohne das er langweilig wird.

Von mir gibt es deshalb 4/5 Punkten.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.167

11.07.2019 09:45
#177 RE: Bewertet: "Der Mönch mit der Peitsche" (1967, 24) Zitat · Antworten

Zitat von Andreas im Beitrag #176
Der MÖNCH MIT DER PEITSCHE ist mehr eine Komödie als ein Kriminalfilm, in der sich vor allem Fuchsberger und Schürenberg selbst karikieren.
Aha, sieh an. Schön daß das so erkannt wird, andere tun sich damit schwer bis unmöglich und werten gar deshalb Filme ab. Dabei ist Unterhlatung eben auch Humor, den nicht jeder versteht. Dabei geht das von dezent wie z.B. im Tuch bis übertrieben, das im Stil vieler 70er Klamauk Filme endet. Die höchete Kunst dabei ist es wenn sich die Akteure aus der Handlung herausbewegen und die Spannung herausnehmen was durchaus beabsichtigt war und tlw. trefflichst gelungen ist, eine hohe Kunst der Regie und Darsteller.

Gruss
Havi17

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