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Dieses Thema hat 205 Antworten
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 Filmbewertungen
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Ray Offline



Beiträge: 1.250

09.05.2019 00:05
#196 RE: Wallace der Woche (26): Die blaue Hand (1967) Zitat · Antworten

"Die blaue Hand" war seinerzeit mein erster Farb-Wallace und ließ sogleich Zweifel an der verbreiteten These, die Farbfilme seien generell "nicht so gut wie die Schwarzweißen" aufkommen, denn die "Hand" gefiel mir damals ziemlich gut. Daran hat sich über die Jahre recht wenig geändert. Wenn auch sicher nicht der beste Farb-Wallace, so ist die "Hand" doch eindeutig ein Schritt in die richtige Richtung.

Alfred Vohrer hatte sichtlich Freude an der Arbeit und ließ sich wieder mehr inszenatorische Rafinessen einfallen als zuletzt. Hervorzuheben sind die harten Schnitte auf den Papagei im "Petit Maxim", welche die Spannungsszene wunderbar humoristisch auflockern. Im Übrigen sorgt der Regisseur für wohligen Geisterbahn-Grusel, so etwa, wenn erstmals die blaue Hand auf dem Dachboden liegend ihre Krallen aufschnappen lässt, nachdem sich der Inspektor dort umgeschaut hat. Gleiches gilt für den Moment, in dem die Titelfigur Myrna einen Besuch abstattet und bei einem kräftigen Gewitter im Hintergrund den Vorhang zerschlitzt. Ganz vortrefflich werden insbesondere die Spannungssequenzen von der bläserlastigen Musik Martin Böttchers begleitet.

Etwas schade ist jedoch, dass man sich in Sachen Schauplätze weitgehend auf das Schloss, die Irrenanstalt und die Büroräume Scotland Yards beschränkte. Hätte man die Figur Harry Riebauers weiter ausgebaut, hätte sie nicht nur einen Sinn bekommen, sondern dem Film obendrein mehr Varianz verleihen können. Warum die Handlung nicht mehr ins "Petit Maxim" verlegen und Riebauer als weiteren möglichen Verdächtigen bzw. weiteren Handlanger vom "Boss" aufbauen? Carl Lange macht seine Sache als Dr. Mangrove zwar ganz ausgezeichnet, aber der Handlungsstrang im Irrenhaus ist doch sehr eindeutig aus der "Gräfin" übernommen. Harald Leipnitz schlägt sich recht wacker, er wirkt agil und motiviert; die Chemie mit Schürenberg stimmt. Klaus Kinski in einer Doppelrolle klingt vielversprechend, da Richard schnell verschwindet und die Figur des Dave für Kinski-Verhältnisse doch recht langweilig ist, wurde hier aber tendenziell ebenfalls Potential verschenkt. Ilse Steppat und Albert Bessler werten den Film auf, die weiteren Kinder Emersons können dagegen in der Tat keine echten Akzente setzen.

Nun habe ich den Film erstmals gesehen, seitdem mir bekannt ist, dass nach dem Skript ursprünglich der Anwalt der "Boss" sein sollte. Dennoch bleibt die im Film präsentierte Lösung naheliegend und einigermaßen schlüssig. Die Inszenierung der Auflösung ist überdies sehr prägnant und gibt Harald Leipnitz eine Chance zu glänzen. Insgesamt kann ich mit dem Ende des Films daher sehr gut leben und sehe dieses auch nicht als Schwäche an. Störend sind da schon eher die ewigen Schlangen, die im Vohrer-Universum scheinbar jeder Verbrecher, der was auf sich hält, massenweise in diversen Schränken verstaut hat. Summa summarum vergebe ich für den ersten gelungenen Farb-Wallace gute 4 von 5 Punkten.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.215

09.05.2019 07:19
#197 RE: Wallace der Woche (26): Die blaue Hand (1967) Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #19
Nun habe ich den Film erstmals gesehen, seitdem mir bekannt ist, dass nach dem Skript ursprünglich der Anwalt der "Boss" sein sollte.


Weitaus schlüssiger. Auch dramaturgisch. Durch das Verschwinden Richards und sein Bereitlegen der Klamotten soll der Verdacht natürlich auf ihn gelenkt werden, bis sich am Ende herausstellt, dass er bereits tot ist. Der letzte Twist, dass er nicht tot, sondern der Boss ist, gibt da nicht wirklich viel Mehrwert. Besonders da er nur festgeschnallt vor sich hin starrt. Man kann auch zu viel twisten. Der Satz von Dave, man hätte Richard umgebracht, weil sie dachten es sei Dave, ergibt vor dem Hintergrund, dass sowieso alle Emerson-Kinder aus dem Weg geräumt werden sollten, auch keinen Sinn. Aber gut, dass kann Irrtum des Charakters sein. Erst Recht keinen Sinn ergibt aber, dass es überhaupt eine Leichenpuppe von Richard in einem versteckten Geheimgang gibt. Eine echte Leiche dort zu verstecken, wäre weitaus nachvollziehbarer gewesen.

tilomagnet Offline



Beiträge: 538

09.05.2019 19:19
#198 RE: Wallace der Woche (26): Die blaue Hand (1967) Zitat · Antworten

Meiner Meinung nach hätte es zwei brauchbare Alternativen für die Richard Geschichte gebeben:

a) Wie oben geschrieben, der Anwalt ist der Boss, Richard wird getötet; Am Ende hätte man das ganze dann Dave in die Schuhe schieben und ihn wieder enttarnen müssen, damit Lady Emerson alles erbt und Dave wieder in die Anstalt eingewiesen wird oder an den Galgen kommt. Der Inspektor und Dave verhindern diesen Plan erfolgreich. Das wäre ein brauchbarer, wenn auch schon nicht ganz unkomplizierter Plot gewesen;

oder

b) Man schmeißt das Drehbuch um so wie geschehen, aber nutzt die Tatsache, dass Richard noch lebt für eine finale Kain und Abel Konfrontation der beiden Brüder: Gut (Dave) gegen Böse (Richard). Das hat man total verschenkt und die Bild-Montage schaut auch noch sehr unprofessionell aus.

Also alles in allem hat man die vermeintlich spektakuläre Version genommen, aber dann nicht zu Ende gebracht.

TV-1967 Offline



Beiträge: 472

10.05.2019 12:48
#199 RE: Wallace der Woche (26): Die blaue Hand (1967) Zitat · Antworten

Was viele vielleicht nicht wissen. Die Titelmusiken zur "HAND" & "Mönch" wurden von Hans-Jürgen Naumann arrangiert. Nicht von Martin Böttcher!!

Wallacefreund Offline




Beiträge: 234

12.05.2019 10:21
#200 RE: Wallace der Woche (26): Die blaue Hand (1967) Zitat · Antworten

Der erste (Farb) Wallace der für mich kein Flop ist.
Die Handlung ist spannend, die Mord Waffe ist irgendwie genial und die Schauspieler sind auch gut. Kinski gefällt mir in seiner Doppelrolle gut, Carl Lange als Anstaltsarzt ebenfalls. Ilse Steppart gefällt mir ebenfalls ganz gut.
D. Körner sieht zwar gut aus, aber schauspielerisch bleibt sie doch eher blass. Diverse hier bereits angesprochene Logiklöcher (wie bekommt man die Leiche alleine so schnell in die Rüstung) usw. sind auch vorhanden. Das Ende gefällt mir gar nicht, da war mehr drin. Alleine schon die Konfrontation zwischen "den Kinskis" wäre doch wirklich was gewesen. Dann noch die Werbung von A. Besser für den nächsten Wallace Film, sorry geht gar nicht.
Solider (Farb) Wallace der in meiner Gunst schon vor einiger Zeit gesunken ist,

Fazit:3,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.250

18.05.2019 11:54
#201 RE: Bewertet: "Die blaue Hand" (1967, 23) Zitat · Antworten

Was ich noch vergessen hatte: Löblich ist, dass man die Idee, im Vorspann Standbilder aus dem fiolgenden Film einzubauen, aus "Zimmer 13 " und "Gruft" wider aufgenommen hat, auch wenn die Umsetzun diesmal nicht ganz so gelungen ist. Schade, dass man im "Peitschenmönch" sogleich wieder davon abgewichen ist.

Nachdem inzwischen geklärt ist, wer im "Peitschenmönch" der Voyeur ist, stellt sich mir die Frage, wer da eigentlich bei der "Hand" die ganze Zeit durch die Schlitze schaut?

Baal1985 Offline



Beiträge: 53

22.05.2019 01:34
#202 RE: Bewertet: "Die blaue Hand" (1967, 23) Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #201
Was ich noch vergessen hatte: Löblich ist, dass man die Idee, im Vorspann Standbilder aus dem fiolgenden Film einzubauen, aus "Zimmer 13 " und "Gruft" wider aufgenommen hat, auch wenn die Umsetzun diesmal nicht ganz so gelungen ist. Schade, dass man im "Peitschenmönch" sogleich wieder davon abgewichen ist.



Warum? Ich finde, das ist so, als würde man den Film in der Vorschau verraten. Gerade in einem Krimi Spannung zu zerstören ist, sagen wir wenig sinnvoll.

Ray Offline



Beiträge: 1.250

22.05.2019 23:05
#203 RE: Bewertet: "Die blaue Hand" (1967, 23) Zitat · Antworten

Zitat von Baal1985 im Beitrag #202
Zitat von Ray im Beitrag #201
Was ich noch vergessen hatte: Löblich ist, dass man die Idee, im Vorspann Standbilder aus dem fiolgenden Film einzubauen, aus "Zimmer 13 " und "Gruft" wider aufgenommen hat, auch wenn die Umsetzun diesmal nicht ganz so gelungen ist. Schade, dass man im "Peitschenmönch" sogleich wieder davon abgewichen ist.



Warum? Ich finde, das ist so, als würde man den Film in der Vorschau verraten. Gerade in einem Krimi Spannung zu zerstören ist, sagen wir wenig sinnvoll.


Na ja, es kommt auf die Umsetzung an. Wenn man in schneller Abfolge ein paar "Appetitanreger" serviert, kreiert man eher Spannung als dass man sie zerstört. Zumal bei dem Tempo beim durchschnittlichen Zuschauer wenig hängen bleiben dürfte. Außerdem kennen zumindest hier im Forum die meisten den Film ja recht gut, weshalb es auch nicht mehr viel zu verraten gibt. Wenn es ungeschickt gemacht ist und einen bei der Erstsichtung erwischt, kann es aber natürlich auch ärgerlich werden.

Baal1985 Offline



Beiträge: 53

25.05.2019 10:21
#204 RE: Bewertet: "Die blaue Hand" (1967, 23) Zitat · Antworten

Musik: "Kann man (fast) einen ganzen Film mit einer einzigen Melodie beschreiben?" Und ob! Martin Böttcher hat hier großartige Arbeit geleistet. Die Melodie ist mitreißend und kann praktisch in jeder Szene verwendet werden. Mir fällt spontan nur ein Film ein, wo ähnliches gelungen ist ( Der unheimliche Mönch).
5/5

Schauspiel: Eine wirklich gute Ensemble-Leistung. Besonders hervorzuheben sind Carl Lange und Ilse Steppat, der man durch feine Nuancen anmerkt, dass sie irgendetwas zu verbergen hat. Schürenberg und Leipnitz harmornieren gut und die Ironie, die bei den beiden hin und wieder durchschimmert finde ich auch nicht übertrieben. Ich finde auch Kinski macht seine Sache gut.
5/5

Drehbuch: Für mich eindeutig der Schwachpunkt des Films.
Leider hat man die vielen guten Ideen aus der Vorversionen (z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Die_blaue_...rbert_Reinecker) verworfen und anscheinend auf "Biegen und Brechen" versucht die Handlung wieder alte Schemata zu pressen. Sehr schade! Ich finde z.B. das zweite Treatment von Petersson und Denger hätte einen guten Film abgegeben.

Wie schon von vielen angesprochen hat die Endfassung leider viele Stellen, die unlogisch , fragwürdig oder unnötig sind.

- Richards Verschwinden parallel zu Daves Flucht (unlogisch). Wenn man Dave die Morde anhängen will, wäre es sinnvoller ihn entkommen zu lassen, aber dann irgendwo festzuhalten oder umzubringen.Auf jeden Fall müsste er für einen Großteil des Films verschollen sein, so dass der Zuschauer nicht weiß: Wo ist er abgeblieben? Ist er der Mörder oder nicht? Und am Ende könnte dies aufgelöst werden. Er könnte z.B. die ganze Zeit gefangen gehalten worden oder bereits vorher ermordet worden sein.
- Der Mord an dem Gärtner wird komplett vorgetäuscht (sehr fragwürdig!)
- Mirna entdeckt im "Le Petit Maxim" die eiserne Hand hinter dem Vorhang, nachdem sie ihr schon in ihrem Zimmer Angst eingejagt hat. Trotzdem zieht sie den Vorhang weg. HÄÄÄ?(unlogisch)
- Die Liste ließe sich noch forführen....

Hinzukommen noch die ganzen unnötigen Wendungen und Ironien am Ende. (Der Butler war der Ehemann von Lady Emerson, die nun in den Anwalt verliebt ist....Die Öffnung der Tür mit der Ritterrüstung)
2,5/5

Kamera, Ausstattung etc. : Optisch finde ich den Film sehr ansprechend. Das einzige Faux-Pas, das sich dieser Film in meinen Augen leistet, ist, Standbilder aus dem Film in den Vorspann einzubauen. Was man sich dabei gedacht hat??? 4/5

Fazi: 16,5/20 Der Film ist immer wieder unterhaltsam anzusehen, kommt aber für mich weder an die Meisterwerke aus der Farb- noch aus der Schwarz-Weiß-Zeit heran.

Andreas Online




Beiträge: 411

10.07.2019 08:21
#205 RE: Bewertet: "Die blaue Hand" (1967, 23) Zitat · Antworten

DIE BLAUE HAND ist in meiner Gunst immer weiter gesunken. Die erste Enttäuschung machte sich nach dem erste Sehen breit, versprach der Trailer doch so viel mehr!!!

Die Mordwaffe ist grandios, man hätte daraus viel mehr machen können. Auch die Darsteller sind großartig, können aber die Tatsache nicht ausgleichen, dass dieser EW Film die schlechteste Auflösung aller 32 Rialto EW hat.

Die Summe unlustiger Peinlichkeiten erreicht hier einen neuen Höhepunkt, indem am Ende der nächste Wallace Film mit Titel angekündigt wird. Noch nie hatte man so sehr das Gefühl, dass man Schnellschüsse produziert und es wichtiger war die Serie am Leben zu halten, als primär eigenständige Filme herzustellen, die zusammenen die Serie bilden.

Trotz erheblichen Mangels an Außenaufnahmen gestehe ich dem Film trotz allem einen gewissen Unterhaltungswert zu.

Mehr als 2.5/ 5Punkten sind hier leider, leider nicht drin.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.215

10.08.2019 20:45
#206 RE: Bewertet: "Die blaue Hand" (1967, 23) Zitat · Antworten

Der schurkische Nachschuss: Die Atmosphäre bedrückend, die Kulissen schäbig, die Auflösung verhunzt. Auch Böttchers schmissige Musik rettet nichts. 2 von 5 Punkten.

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