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Dieses Thema hat 352 Antworten
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John Carpenter Offline




Beiträge: 10

29.12.2018 19:23
#331 RE: Bewertet: "Der unheimliche Mönch" (20) Zitat · Antworten

Mir hätte Fuchsberger in der Inspektorenrolle besser gefallen. Ansonsten Topfilm.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.065

06.04.2019 14:20
#332 Wallace der Woche (22): Der unheimliche Mönch (1965) Zitat · Antworten



Edgar Wallace: Der unheimliche Mönch

Ein als Mönch verkleideter Mörder, der eine Peitsche mit einer Stahlkugel am Ende als Mordwaffe benutzt – wo sonst als in einem Edgar-Wallace-Krimi könnte einem diese exotische Kombination begegnen? Dabei hat Edgar Wallace selbst mit dieser Figur nur am Rande etwas zu tun – der „unheimliche Mönch“ ist vielmehr ein geistiges Produkt der Gruselerfolgsserie der Sechzigerjahre und als solches ein voller Erfolg bei den Zuschauern. Freunde der Schwarzweiß-Ära halten ihn sogar für den letzten Höhepunkt der noch über sechs Jahre andauernden Reihe.

Eingerahmt wird der Mönch von einer vielschichtigen Handlung, atmosphärischen Nachtaufnahmen und einem der beliebtesten Soundtracks. Seht ihr den „unheimlichen Mönch“ ebenfalls als einen späten Klassiker an? Hat Harald Reinl hiermit noch einmal zu seinen starken Frühphasenfilme aufgeschlossen?

Links:

Platzierung im Edgar-Wallace-Filmgrandprix 2014: Platz 4 von 36 (85,40 %)

Count Villain Offline




Beiträge: 4.241

06.04.2019 22:16
#333 RE: Wallace der Woche (22): Der unheimliche Mönch (1965) Zitat · Antworten

Dem unheimlichen Mönch tut die chronologische Sichtung gar nicht gut. Die inszenatorische Diskrepanz zu den Vorgängern fällt dadurch einfach zu sehr ins Auge. Nachdem das Verrätertor zu britisch und Neues vom Hexer zu märchenhaft war, ist der Mönch nun zu deutsch.

Diese angenehm vertraute Wohlfühlatmosphäre, die (natürlich mit Ausnahme des Tors) insbesondere seit dem Zinker in die Reihe Einzug gehalten hatte und hauptsächlich aus einer großen atmosphärischen Dichte resultierte, will hier für mich einfach nicht mehr aufkommen. Der Film wirkt zu nüchtern, zu hell, zu aufgesetzt und hat mich stellenweise von der Inszenierung her an Reinls zwei Lümmel-Filme erinnert, auch die Tote aus der Themse kam mir zwischenzeitlich in den Sinn. Obendrein nimmt er sich im Vergleich zu den vorangegangenen Vohrer-Wallaces selbst zu ernst. Auch die experimentelle Frische der ganz frühen Filme fehlt. Statt wie aus einer zeitlosen Krimi-Parallelwelt entsprungen, ist er für mich zu sehr im realen Hier und dem Jetzt der Entstehungszeit verbunden.

Grundsätzlich ist dagegen natürlich nichts einzuwenden. Nur wenn man schon diesen Weg geht, hätte man ihn auch noch weiter gehen und bereits den Mönch in Farbe drehen sollen. Ich denke, dann hätte mir der Film sogar besser gefallen. Das Schwarz-Weiß des Films hat mich - zumindest bei dieser Sichtung - nämlich ziemlich kalt gelassen. Ich habe da - vielleicht bis auf die Schrottplatzszenen - keinen besonderen Mehrwert entdeckt. Man vergleiche nur die drückende Atmosphäre im Schloss Curtain mit den offenen Räumlichkeiten von Schloss Darkwood. Lightwood wäre als Name angebrachter gewesen.

Auch die Geschichte kommt zu schleppend in Gang. Zwei Handlungsstränge in einem Film zu haben und diese dann gut zu verbinden, ist immer schwer. Da bildet auch der Mönch keine Ausnahme. Anstatt sich rein auf die Erbschleicherei zu konzentrieren, hätte man den Mönch viel eher auftauchen lassen sollen. Interessanterweise taucht er auch nicht erst auf und dann spricht man über ihn, sondern erst als erwähnt wird, taucht er tatsächlich auf. Ich hätte da auch durchaus schon eine Idee: Zwei der Mädchen, die von dem Mönch verfolgt werden, berichten dem alten Schlossherrn davon. Dieser hält das natürlich für Hirngespinste, geht zurück, wird hinter der nächsten Ecke vom Mönch überrascht. Herzinfarkt, Zusammenbruch, Vorspann. Dann Testament, Sterbebett und so weiter. Dafür hätte man dann den Mord an Inspektor Potter streichen können, der ohnehin kaum zur Handlung beiträgt. In Schloss Darkwood taucht die Polizei schließlich erst nach dem Mord an Lola auf.

Aber auch sonst finde ich einige dramaturgische Schwächen. Es fehlt an zwielichtigen, undurchsichtigen Charakteren. Die erbschleichenden Schurken sind nicht nur zu klar (in der Sippe sind wohl alle männlichen Mitglieder mörderisch veranlagt), sondern teilweise auch zu übertrieben, laut und aufdringlich gespielt. Insbesondere Hartmut Reck, aber auch Dieter Eppler bekleckern sich da nicht gerade mit Ruhm. Auch das lässt die Erbschleicherhandlung weitaus weniger interessant und frisch wirken als den Mönch/Mädchenhändler-Plot, der mir tatsächlich besser gefallen hat und sich auch sehr schön bis hin zu der Schießerei auf dem Schrottplatz entwickelt. Zudem hält auch hier - wie bereits im Vorgänger - die Nachlässigkeit des Films seinen Charakteren gegenüber Einzug. D'Arol ist plötzlich weg und wirkte auch zuvor nur wie eine starre, leere Figur. Ronnys Tod findet keine Erwähnung und überhaupt scheinen alle Charaktere zu sehr mit ihren eigenen Agendas beschäftigt zu sein anstatt irgendwie das Geschehen auf dem Schloss zu reflektieren oder darauf zu reagieren. Ins besondere hier tut der Vergleich mit dem direkten Vorgänger (Lady Aston, Margie Fielding!) dem Mönch absolut nicht gut.

Auch logische Schwächen gibt es einige. Warum zeigt sich beispielsweise der Mönch überhaupt den Mädchen und geistert im Park umher? Entführen tun sie doch die allen unbekannten, namenlosen Helfershelfer. Und auch der Erbschleicherplot fällt in sich zusammen, kaum dass er begonnen hat, sind doch für die Rechtmäßigkeit eines Testaments in England die Unterschriften von zwei Zeugen notwendig! Die hätte es folglich geben und von Sir Richard auch irgendwie aus dem Weg geräumt werden müssen. Hätte man sich rein darauf konzentriert und den Mädchenhandel weggelassen, hätte also auch dieser Plot durchaus Potential gehabt.

So, und um jetzt noch versöhnlich zu enden, noch ein paar Dinge, die mir sehr gut gefallen haben. Auf Schauspielerseite punkten für mich vor allem Eddi Arent (das zurückhaltende, aber dennoch deutliche Anhimmeln von Gwendolyn hat große Klasse) und Siegfried Lowitz. Auch Sir John ist glücklicherweise wieder weniger dümmlich und weiß sowohl komische als auch kriminalistische Akzente zu setzen. Er ist es ebenfalls, bei dessen Auftritten das Vohrersche Wallace-Feeling am meisten durchscheint und so für eine gewisse Kontinuität sorgt. Auch an dem vielgescholtenen Harald Leipnitz kann ich nichts aussetzen. Außer, dass die Rolle des Inspektors natürlich nicht so viel hergibt wie die des Flynn in der Gruft. Als Abwechslung zu Fuchsberger und Drache sehe ich ihn durchaus gerne. Ansonsten überzeugt mich filmisch gesehen am meisten das letzte Drittel des Films, wo eine schöne Zuspitzung stattfindet und alles parallel aufeinander zuläuft, bis schließlich die große Demaskierung stattfindet, die ebenfalls zu diesem Zeitpunkt der Reihe als innovativ gelten muss.

Fazit
Trotz einer Vielzahl an klassischen Zutaten der Schritt hin zu einem moderneren Wallace-Gefühl. Darin aber leider nicht konsequent genug. Was an Abwechslungsreichtum aufgeboten wird, fehlt letztendlich an atmosphärischer Dichte und dramaturgischer Finesse. Man merkt deutlich, dass hier eher ein Edelhandwerker als ein Visionär am Ruder war.

Dr.Mangrove Offline




Beiträge: 84

07.04.2019 00:07
#334 RE: Wallace der Woche (22): Der unheimliche Mönch (1965) Zitat · Antworten

Ich bin hin- und hergerissen, weil es in dem Film so viel Licht und Schatten gibt. Ich hatte ihn ehrlich gesagt besser in Erinnerung...

Zum Beispiel die Musik - das Hauptthema ist extrem "catchy" und eines der wenigen, die ich auch nach längerer Zeit noch kannte.
Zwischendrin finde ich die Musik jedoch eher dudelig und teilweise richtiggehend unpassend. Mehr ist Peter Thomas leider wohl nicht eingefallen.

Leipnitz als Inspector ist einerseits eine gute Abwechslung - andererseits steht ihm m.E. eine zwielichtige Rolle besser.
Er macht einen guten Job und ermittelt effizient - auch ein bisschen Action verträgt er gut - aber so richtig begeistern konnte er mich nicht.
Auch nicht sein relativ blasser Sidekick Cunning, der nicht mehr als ein Stichwortgeber ist.

Arent spielt seine bisher beste - und natürlich auch dankbarste - Rolle. Große Klasse, wie er Gwendolin sichtlich mag, ohne das albern oder theatralisch werden zu lassen.
Zwischendurch ist er dann mal wieder der gewohnt harmlose und etwas trottelige Sonderling, wie man ihn von früheren Filmen kennt. Der Knalleffekt zum Schluss ist damit umso effektiver.
Beim Gasthaus hatte man ja etwas ähnliches mit Kinski schon gewagt - aber die Überraschung bei Arent ist natürlich um einiges größer.

Leider sollte das dann in den nächsten Filmen überreizt werden.
Genauso wie die später dann geradezu zwanghafte Schulmädchen-Thematik, die ja schon beim Hexer langsam anfing und anscheinend dem Zeitgeist geschuldet bzw. auf das Zielpublikum zugeschnitten war (?)
Hier wirkt das Thema lediglich etwas zu dick aufgetragen, aber noch nicht störend.

Mehrere Dinge finde ich unlogisch / merkwürdig:
? Die eingeladene Gwendolin muss doch wenigstens ein wenig neugierig sein wegen der Erbschaftsmodalitäten - aber das Thema scheint sie überhaupt nicht zu interessieren
? Sir John fragt sich, wo der Zusammenhang liegt zwischen dem Mönch und "dem Verschwinden von Mädchen" - aber zu dem Zeitpunkt waren doch noch gar keine verschwunden, oder?
? Lady Patricia und Ronny diskutieren lauthals im Treppenhaus über Gwendolin und Ronnys vermeintliche Pläne - obwohl sie direkt im Zimmer und die Tür offen ist - wer macht denn so etwas?

- Der "Französischlehrer" d'Arol steht plötzlich einfach mal irgendwo im Schloss herum und sagt auch nichts, wenn man ihn anspricht.
Später latscht er - immer noch in Hut und Mantel - durchs ganze Haus. Das wirkt nicht mysteriös, sondern albern und so, als ob er sich verirrt hätte
- Die Brüder und Ronny sind schon ein Haufen Widerlinge - aber sie spielen so übertrieben, dass es nicht gerade überzeugt.
Besonders Lowitz ist solche Rollen wohl nicht gewöhnt - es passt einfach nicht, wenn er sich wie ein Rumpelstilzchen aufführt.
- Der Schluss ist mir zu melodramatisch, mit dem sich windenden Mönch, fast so schlimm wie Pinkas Braun in der Tür mit den sieben Schlössern.

Und dann die küchenpsychologische Deutung von Leipnitz über die Vergangenheit und Motive des Täters und seine Verkleidung als Mönch - man fasst sich an den Kopf.
Ebenso das Ende, das auch aus einem Heimatfilm stammen könnte...

> Immerhin gibt es einen netten Gag mit Sir John - "...er hat sich in Sie verliebt" - "Wieso, er kannte mich doch gar nicht!" Endlich mal ein guter Kalauer.

Insgesamt liefert Reinl routinierte Krimi-Kost ab, aber kein Vergleich zu seinen frühen Verfilmungen.
Irgendwie passt die ganze Aufmachung nicht zu den "guten alten" SW-Filmen - vielleicht hätte man hier schon in Farbe drehen sollen.

3,5 / 5

Count Villain Offline




Beiträge: 4.241

07.04.2019 00:17
#335 RE: Wallace der Woche (22): Der unheimliche Mönch (1965) Zitat · Antworten

Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #3
? Sir John fragt sich, wo der Zusammenhang liegt zwischen dem Mönch und "dem Verschwinden von Mädchen" - aber zu dem Zeitpunkt waren doch noch gar keine verschwunden, oder?


Doch. In anderen Internaten/Heimen, in denen sich Smithy und Short vorher eingeschlichen hatten. Sir John findet ja auch Fotos bei Short und erklärt am Schluss, dass die Mädchen darauf schon länger vermisst worden waren. Auch Inspektor Potter war auf der Spur von vermissten Mädchen.

Aber schön, dass wir viele Dinge sehr ähnlich sehen.

Giacco Offline



Beiträge: 1.807

07.04.2019 10:22
#336 RE: Wallace der Woche (22): Der unheimliche Mönch (1965) Zitat · Antworten

"Selbst Krimi-Experten tippen bei diesem spannenden Reißer, bei dem Edgar Wallace Pate gestanden hat, daneben. Ein Verdächtiger nach dem anderen fällt dem geheimnisvollen Schreckgespenst in der Mönchskutte zum Opfer. Auf der Jagd nach dem Millionen-Testament und der schönen, nichtsahnenden Erbin Karin Dor engt sich der Kreis immer mehr ein. Nur wenige Zuschauer werden dem harmlos wirkenden Internats-Pedell auf die Schliche kommen, der neben der Killerei aus Rache auch noch einen gut florierenden und auf das Beste organisierten Mädchenhandel betreibt und Inspektor Harald Leipnitz trotz Sprechfunk- und Hubschrauber-Unterstützung einiges Kopfzerbrechen bereitet. Der Londoner Nebel und altes Gemäuer tragen ebensoviel zur zünftigen Atmosphäre dieser von Nervenkitzel erfüllten Detektivstory bei, wie die milieugerechten Aufnahmen Ernst W. Kalinkes, Peter Thomas aufrüttelndes musikalisches Motiv beim Auftauchen des Mönches und die bewährten Schurkendarsteller. Im reichbestückten Angebot anziehender Weiblichkeit fällt Uta Levka auf. Da es ihm mühelos gelang, seine Zuschauer bis zum letzten Augenblick in Atem zu halten, kann Regisseur Harald Reinl auch mit seinem neuesten Krimi-Opus genauso zufrieden sein." (Film-Echo, Januar 1966)

Film-Echo-Note: 2,5 (43 Meldungen) / Erstnote: 2,1

In Frankreich startete der Film am 24.8.66. Er lief allerdings nur im Elsass, somit gab es keine Aufführung in Paris. In Spanien erzielte er mit 644.687 Besuchern das bislang beste Ergebnis eines Films der Wallace-Serie.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.065

07.04.2019 10:45
#337 RE: Wallace der Woche (22): Der unheimliche Mönch (1965) Zitat · Antworten



Edgar Wallace: Der unheimliche Mönch

Kriminalfilm, BRD 1965. Regie: Harald Reinl. Drehbuch: Jochen Joachim Bartsch, Fred Denger (Romanvorlage „The Terror“, 1929: Edgar Wallace). Mit: Karin Dor (Gwendolin Frasquita Gillmore), Harald Leipnitz (Inspektor Bratt), Ilse Steppat (Lady Patricia), Siegfried Lowitz (Sir Richard), Dieter Eppler (William), Hartmut Reck (Ronny), Siegfried Schürenberg (Sir John), Eddi Arent (Pedell Smith), Uta Levka (Lola), Rudolf Schündler (Mr. Short), Kurd Pieritz (Monsieur d’Arol), Dunja Rajter (Dolores), Susanne Hsiao (Mai Ling), Uschi Glas (Mary), Kurt Waitzmann (Cunning) u.a. Uraufführung: 17. Dezember 1965. Eine Produktion der Rialto-Film Preben Philipsen Berlin im Constantin-Filmverleih München.

Zitat von Der unheimliche Mönch
Nachdem Schloss Darkwood, Mädcheninternat und Sitz eines reichen Lords zugleich, seinen Hausherrn verliert, bricht unter den verbleibenden Familienmitgliedern ein erbitterter Streit über das Testament und Erbe aus. Die Enkelin Gwendolin, Tochter des ins Zuchthaus abgeschobenen ältesten Bruders Reginald, soll in den Augen von Sir Richard, William und Lady Patricia keinen Penny bekommen. Gwendolin wird nach Darkwood eingeladen und bekommt es bald mit der legendenumwobenen Gestalt des „unheimlichen Mönchs“ zu tun, der bei Nacht durch den Park schleicht und Schülerinnen sowie Bewohner des Schlosses dezimiert ...


„Man habe des Öfteren den Geist eines Mönchs im Park herumgehen sehen. Das waren sicher nur Nebelschwaden. Aber die Mädchen fürchten sich davor!“

Hatte man sich in den vorangegangenen Wallace-Jahrgängen hauptsächlich auf Filme mit urbanem Gepräge konzentriert, so schlug Harald Reinl mit seinem „unheimlichen Mönch“ zur Abwechslung wieder einmal stark in die Gothic-Kerbe von Schlössern, Gespensterlegenden und Nachtgewittern. Damit erinnert der Film automatisch stärker an die Anfangsbeiträge zur Reihe und versprüht auch wegen seines Erbschleicher- und Erpresserplots ein klassisches, wenn nicht sogar etwas altmodisches Flair. Zugleich drängt mit der Thematik Mädchenhandel sowie mit der psychologisch( wackelig)en Auflösung ein modernes Element auf den Plan, wobei es den Drehbuchautoren und dem Regisseur nicht immer überzeugend gelang, zwischen diesen Polen zu vermitteln. Dies mag der Kürze des Films anzulasten sein, der ähnlich wie Reinls vorheriger Wallace mehr Handlung unterzubringen versucht, als in nur 81 Minuten machbar ist. Dadurch bleiben gewisse Figuren wortwörtlich auf der Strecke; einige Spannungsmomente brechen unvorbereitet und dementsprechend etwas ungelenk über den Zuschauer hinein; für den Aufbau von Atmosphäre wird sich tendenziell zu wenig Zeit gelassen.

Diese Übereilung birgt natürlich den Vorteil, mit „Der unheimliche Mönch“ einen absolut temporeichen Reißer vorliegen zu haben, bei dem ganz sicher keine Langeweile aufkommt. Unterstützt wird diese ausgeprägte Dynamik von Peter Thomas’ treibender Filmmusik, die zwar erneut sehr präsent, um nicht zu sagen: aufdringlich ausfällt, sich aber stilistisch eindeutig auf dem Krimi-Parkett verorten lässt. Sowohl der repräsentative Titelscore als auch zwischenzeitliche Variationen des Hauptthemas passen sich den verschiedenen Stimmungen des Films hervorragend an. Darüber hinaus sorgt die wertige Optik für Pluspunkte: Allein schon die Wahl eines unbeleckten Schauplatzes weitab vom sich anderweitig ankündigenden Westberliner Einheitstrott spricht für ein Mehr an Aufwand, zumal man sowohl innen als auch außen am Schloss Hastenbeck sehr pittoreske Einstellungen zuwegebrachte.

In der Darstellerführung überzeugt dieser späte Reinl-Film nicht auf dem Niveau seiner Vohrer-Vorgänger. Nur wenige Schauspieler – allen voran Karin Dor, Ilse Steppat und Rudolf Schündler – können Bestleistungen verbuchen. Dor legt als umworbene Erbin eine zurückhaltende, selbstverständliche Selbstständigkeit an den Tag, die erfrischend ist und von einer Weiterentwicklung des Frauenbilds seit den Anfangstagen der Reihe zeugt, aber leider nicht mehr in vielen Farbfilmen zu sehen sein würde. Ilse Steppat verkörpert alle Lebens- und Leidenslagen ihrer Lady Patricia mit teils oberlehrerhafer Inbrunst, teils stoischer Verbitterung und Rudolf Schündler ist als unheimlicher Turmzimmermieter ein derart überzeugender Klaus-Kinski-Ersatz, dass man sich fragt, warum die Rialto der Vielfalt wegen nicht schon vorher gelegentlich auf diese Personalie verfiel. Auch Hartmut Reck geht als triebgesteuertes enfant terrible in Ordnung; eine sinnvollere Besetzung wäre schwer zu finden gewesen. Andererseits bleiben Siegfried Lowitz und vor allem Dieter Eppler als übrige Familienmitglieder hinter ihren Möglichkeiten zurück. Harald Leipnitz agiert als Inspektor im Vergleich zu seinem Schurkenauftritt in „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ enttäuschend trocken und hölzern – Bratts Annäherung an Gwendolin ist so unglaubwürdig wie bisher selten eine angedeutete Romanze in der Serie und besonders überfordert wirkt Leipnitz, wenn er die Dienstfunktion seiner Rolle mit einer künstlichem Liebesgeturtel vermischen soll. So animiert etwa der Dialog zwischen Leipnitz und Dor im Treppenhaus des Schlosses (B: „Bitte sagen Sie mir, was Sie vorhaben.“ – G: „Das kann ich nicht.“ – B: „Das ist sehr schade, denn Sie sind in Gefahr.“) eher zum Lachen als zu amouröser Verzückung. Man merkt an dieser Szene, wie dick aufgetragen manche Textzeilen des Films sind, worunter neben Uta Levka insbesondere auch Eddi Arents Rolle leidet, die den Komiker mit unerfüllter Hundeliebe sowie einigen peinlichen und entsprechend gestelzt vorgetragenen Passagen hoffnungslos überfordert.

In solchen Momenten kommt Reinls schon im „Fälscher“ zu spürende Melodramatik zum Einsatz, die sich zum Beispiel auch im ewig hinausgezögerten und schließlich zum allergünstigsten Zeitpunkt eintretenden Tod des Hauptverbrechers bemerkbar macht. Der Maskierte dreht als sterbender Schwan noch just seine letzte Pirouette, bevor Inspektor Bratt Sekunden später zur Tür hineinstürmt und alle Hintergründe in einem langen Monolog enthüllt – das ist schon sehr künstlich zusammengepuzzelt und trübt den positiven Eindruck, den die unheimlichen Szenen in der Behausung des „Herrn“ zuvor hinterlassen hatten. Der Mönch als Figur ist nämlich durchaus beeindruckend und sorgt streckenweise für veritable Gruselstimmung, auch wenn es eher amüsant wirkt, wie er nach seinem ersten Auftreten sich erstmal ganz profan hinters Steuer eines Kleinwagens klemmt. Die wenigen, aber dafür hochwertig inszenierten Mönch-Morde sind klare Spannungshöhepunkte; ebenso wie das Auftreten des leider insgesamt vernachlässigten Französischlehrers d’Arol und der Seitenplot um den Unterschlupf der Verbrecher in der Mühle. Bisher noch nicht aufgeklärt wurde in diesem Zusammenhang die Frage nach ungenannten Kleindarstellern, zum Beispiel der Müllerin mit dem markanten Gesicht oder dem kurzlebigen Inspektor Potter.

Mit weniger Übereilung und Küchenpsychologie sowie mehr inhaltlichem und dialogischem Feinsinn hätte „Der unheimliche Mönch“ eine ideale Grundlage für einen Spitzen-Wallace hergegeben. Er ist zugleich klassisch und modern, verfügt über eine ausgesprochen bedrohliche Mörderfigur und gibt Karin Dor ein letztes Mal die Möglichkeit, im Handumdrehen zu beweisen, warum sie als Miss Krimi in die deutsche Filmgeschichte eingegangen ist. Zugleich ist der Film ein Kind seiner Entstehungszeit, in der Wallace-Filme einfach nicht mehr mit der gleichen Sorgfalt produziert wurden wie in den Anfangstagen und man daher selbst aus guten Grundbedingungen keine Highlight-Filme mehr formte.

greaves Offline




Beiträge: 519

07.04.2019 11:44
#338 RE: Wallace der Woche (22): Der unheimliche Mönch (1965) Zitat · Antworten

Der unheimliche Mönch


An diesen Film mag ich mich gut erinnern als ich ihn mit meinen Eltern und meinem Bruder auf Sat 1 gesehen habe .Da werden Kindheitserinnerungen wach



Mit Harald Leipnitz,Karin Dor,Eddi Arent Dieter Eppler,Hartmut Reck,Siegfried Lowitz,Uta Levka,Siegfried Schürenberg,Ilse Steppat,Uschi Glas,Kurt Waitzmann,Kurd Pieritz,Rudolf Schündler,Dunja Rajter,Susanne Hsiao usw.

Harald Leipnitz gefällt mir hier als Inspektor am besten. Ich hätte ihn gerne noch ein paar mal mehr bei Edgar Wallace gesehen. Besonders in den Farbfilmen hätte man ihn gut besetzten können.

Der Film gefällt mir heute noch sehr gut,wie damals bei der erstsichtung .

Was mir die ersten 10 Minuten aufgefallen ist, ist dass es in den anfänglichen 10 Minuten viele Goofs gibt..

Z.b

-wenn der Notar vor dem Schloss Hastenbeck abfährt,sitzt er noch in einem anderen Automodell,als nachher,wo das Auto brennt(Jaguar).
-Beim fahren auf der Landstrasse fährt ein anderer Mann das Auto,als Wilhelm Vorwerg(Frontscheiben Kameraeinstellung)
-wenn der schwarzgekleidete Mann aus dem brennenden Wagen das Testament nimmt,sieht man ein Set—Mitarbeiter vor dem brennenden Wagen lauern .
-bei der Ankunft von Gwendolin auf dem Schloss,wenn Eddi Arent mit ihr durchs Krughorn fährt,fehlt an seinem Auto vorne der Raddeckel,der im Park von Hastenbeck wieder dran ist.
-wenn auf der Treppe vor dem Schloss die Mädchen singen und Lady Patricia sich bei Ihnen bedankt sieht man rechts ein Mikrofon aus der Hecke schauen.

Schlimm finde ich das nicht.Fällt aber beim mehrmaligen anschauen des Films auf.


Die Musik ist wirklich toll von Peter Thomas und wird immer situationsbedingt toll eingesetzt. Wie z.b wenn der Mönch angeschossen wurde und sich schmerzerfüllt vor seinem Auto beugt.
Der Inspektor mit seinem Gehilfen in der Mühle festgehalten wird und es fast kein Ausweg zum herauskommen gibt(in meinen Ohren der beste Sound)
Oder wenn der Mönch vom Butler angekündigt wird und das Zimmer zu Gwendolin betritt.
..so zum Beispiel wurde der Sound mehrmals toll eingesetzt!

Der Drehort für s Schloss wurde gut ausgewählt.(leider war ich noch nicht Vorort)
Auch die restlichen Orte passen gut ins Geschehen.
Was ich noch nicht ganz sicher bin,ist die Landstrasse im Wald wo z.b der Bus nachts fährt oder auch die Ermordung von Inspektor Potter stattfindet.
Ich tippe mal auf die Havelchaussee Richtung Grunewaldturm...
Sonst hat man glaube ich alle Drehorte zum Film gefunden.

Dieser Wallace Film gefällt mir von den schwarz/weissen Filmen der Reihe am besten und gebe ihm

5 von 5 Punkten

patrick Offline




Beiträge: 3.108

07.04.2019 13:18
#339 RE: Wallace der Woche (22): Der unheimliche Mönch (1965) Zitat · Antworten

Der unheimliche Mönch (1965)



Regie: Harald Reinl

Drehzeit: 06.10.1965 - 17.11.1965

Mit: Karin Dor, Harald Leipnitz, Siegfried Lowitz, Siegfried Schürenberg, Ilse Steppat, Dieter Eppler, Hartmut Reck, Eddi Arent, Kurt Waitzmann, Rudolf Schündler, Kurd Pieritz, Uta Levka, Dunja Rajter, Susanne Hsiao, Ursula Glas, Erik Radolf, Wilhelm Vorwerg, Walter Echtz



Handlung:

Der sterbende Lord von Darkwood setzt seine Nichte Gewndolin als Erbin des Vermögens ein und benachteiligt dadurch den Rest seiner ungeliebten Familie. Einer seiner Söhne, Sir Richard, ermordet jedoch den Notar und bringt das Testament in seinen Besitz, womit er seine Geschwister und den Neffen Ronny erpresst. Er droht mit der Veröffentlichung des letzten Willens, wenn die anderen sich nicht mit 10 Prozent zufrieden geben, um den Rest ihm zu überlassen. Sollte die liebe Verwandtschaft nicht einwilligen, behält er sich vor, Gwendolin zu erpressen. Nachdem diese anreist, droht ihr große Gefahr, da sie nun den meisten ein Dorn im Auge ist. Zugleich treibt ein maskierter und peitschenschwingender Mönch auf dem Anwesen, wo sich auch ein Mädchenpensionat befindet, sein Unwesen und begeht eine Reihe von Morden an den unterschiedlichsten Personen...

Anmerkungen:

Nachdem die Wallace-Reihe von ersten Ermüdungserscheinungen geplagt wird und ihren Zenit unverkennbar überschritten hat, springt Harald Reinl ein letztes Mal als Retter in die Bresche, um die Schwarzweißära auf ähnlich hohem Niveau zum Abschluss zu bringen, wie er sie 1959 eingeleitet hat. Mit dem "Unheimlichen Mönch" bekommt man endlich wieder einen Grusel-Wallace zu sehen, was von den Fans immer bereitwillig honoriert wurde. Alte Gemäuer, neblige Nächte und ein Unhold, der wohl nicht ganz zufällig dem überaus erfolgreichen Schwarzen Abt nachempfunden ist, garantieren allerbeste Unterhaltung. Bezüglich Whodunit wird dem Publikum allerdings wenig Chance zum Mitraten gelassen, hat man sich doch tatsächlich das Sakrileg erlaubt, Eddi Arent, Maskottchen und heilige Kuh der Reihe, als Täter zu präsentieren. Damit endet auch seine Karriere als reiner Komödiant, als welcher er in durchwachsener Qualität sechs Jahre lang fungierte. Die Endphase seiner Wallace-Tage zeigt ihn nur noch als Kriminellen, was schon etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Das moderne Thema Mädchenhandel wurde, ähnlich wie beim Hexer, recht geschickt mit "Old-School-Elementen" verknüpft und eine flotte Handlung in typischem Reinl-Stil kreiert. Als Inspektor bietet Harald Leipnitz nach Fuchsberger und Drache eine willkommene Abwechslung, auch wenn sich sein Charisma in gewissen Grenzen hält. Wesentlich mehr zu glänzen vermochte er zweifellos im Zwielicht, was seine Auftritte in der "Gruft" und im "Ölprinz" deutlich machen. Karin Dor darf nach ihrem Abstecher in die Psycho-Rolle aus Zimmer 13 wieder ganz konservativ die brave und bedrohte Maid miemen. Man hat sich bei diesem Film wirklich keine Experimente erlaubt und setzte ganz auf Tradition, was die Erfolgskurve wieder steil nach oben bog. Siegfried Lowitz gefällt mir als niederträchtiger Erpresser allerdings deutlich weniger als in seinen durch frechen und zynischen Humor charakterisierten Rollen auf Seiten des Gesetzes - aber was soll's, Abwechslung darf sein. Sehr angenehm tut sich auch Peter Thomas überaus gelungene Filmmusik hervor. Schloss Hastenbeck in Hameln ist übrigens der bisher einzige Wallace-Drehort, den ich vor ein paar Jahren die Ehre hatte zu besichtigen. Ansonsten bedarf es für diesen sehr typisch inszenierten Genre-Beitrag wohl keiner großen Worte mehr.

Fazit:

Als wunderbarer Abschluss der schwarzweißen Wallace-Ära mit betont traditionellen und konservativen Stilelementen stimmt der "Unheimliche Mönch" etwas wehmütig, denn er markiert einen Punkt, auf den das langsame aber stetige Sterben der Reihe folgt und ungeliebte Änderungen nach und nach Einzug halten. Für diesen Film gibt es aber noch fette 5 von 5 Punkten, was in der zweiten Hälfte der Wallace-Phase leider nicht mehr sehr oft der Fall sein wird. Trotzdem noch immer kein Grund, den Kopf hängen zu lassen, denn ein paar Kracher hat auch "Farben-Freddy" noch auf Lager.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.241

07.04.2019 16:21
#340 RE: Wallace der Woche (22): Der unheimliche Mönch (1965) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #6



Wer bist du und was hast du mit Gubanov gemacht?

Ich hatte mich so auf einen Verriss gefreut.


Zitat von Gubanov im Beitrag #6
In solchen Momenten kommt Reinls schon im „Fälscher“ zu spürende Melodramatik zum Einsatz, die sich zum Beispiel auch im ewig hinausgezögerten und schließlich zum allergünstigsten Zeitpunkt eintretenden Tod des Hauptverbrechers bemerkbar macht. Der Maskierte dreht als sterbender Schwan noch just seine letzte Pirouette, bevor Inspektor Bratt Sekunden später zur Tür hineinstürmt und alle Hintergründe in einem langen Monolog enthüllt – das ist schon sehr künstlich zusammengepuzzelt und trübt den positiven Eindruck, den die unheimlichen Szenen in der Behausung des "Herrn" zuvor hinterlassen hatten.


Das mit dem "perfekten" Timing gibt es häufiger im Film. Ich erwähnte ja schon den ersten Auftritt des Mönchs. Mr. Short erzählt vom Mönch: "Aber die Mädchen, die fürchten sich davor" und schwupps in der nächsten erschreckt der Mönch genau zwei Mädchen. Oder auch Sir John, nachdem er Sir William tot auffindet: "Wie hängt das zusammen mit dem Verschwinden von Mädchen". Und bumms, just in der nächsten Szene werden zwei Mädchen entführt. Das ist alles kein gutes Timing, sondern offensichtliches Reißbrett.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.065

08.04.2019 15:50
#341 RE: Wallace der Woche (22): Der unheimliche Mönch (1965) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #9
Ich hatte mich so auf einen Verriss gefreut.

Ich betrachte den Film ja immer noch einigermaßen kritisch, aber für einen Verriss war er dann doch ein Stück zu hochwertig. Gerade zum "uMönch" gibt es viele stark konstratierende Eindrücke, die schwer auf einen Nenner zu bringen sind. Einiges ist richtig gut gelungen, anderes lässt bereits die nahenden Serientiefpunkte erahnen. Unterm Strich ist es aber ein durchaus ordentlicher Abschluss für die Schwarzweiß-Ära, wenngleich mir "Neues vom Hexer" dafür (mit einem abgerundeten Ende) noch einmal deutlich besser gefallen hätte.

Wenn ich mir die fünf Reinl-Filme und ihre Positionen in meinem aktuellen Schwarzweiß-Ranking, das ich sichtungsbegleitend zusammengestellt habe, betrachte, so komme ich letztlich aber noch immer zu dem Eindruck, dass Reinl bei den Rialto-Wallaces ein überschätzter Regisseur ist. In meine persönliche bessere Hälfte der Schwarzweiß-Filme hat sich nämlich nur ein einziger Reinl-Film verirrt (im Gegensatz zu sieben Vohrers):

5,0 Pkt. (Pl. 04/22): Der Frosch mit der Maske
4,0 Pkt. (Pl. 12/22): Die Bande des Schreckens
4,0 Pkt. (Pl. 14/22): Der unheimliche Mönch
3,5 Pkt. (Pl. 16/22): Zimmer 13
3,5 Pkt. (Pl. 17/22): Der Fälscher von London
Zitat von Count Villain im Beitrag #9
Das mit dem "perfekten" Timing gibt es häufiger im Film. Ich erwähnte ja schon den ersten Auftritt des Mönchs. Mr. Short erzählt vom Mönch: "Aber die Mädchen, die fürchten sich davor" und schwupps in der nächsten erschreckt der Mönch genau zwei Mädchen. Oder auch Sir John, nachdem er Sir William tot auffindet: "Wie hängt das zusammen mit dem Verschwinden von Mädchen". Und bumms, just in der nächsten Szene werden zwei Mädchen entführt. Das ist alles kein gutes Timing, sondern offensichtliches Reißbrett.

Wohlwollende Rezensenten würden das als "pointierte Schnitttechnik" bezeichnen. Und sie verleiht dem Film auch durchaus einen guten Fluss. Aber zur Glaubwürdigkeit, sofern man diese in einem Kapuzenfilm überhaupt suchen sollte, trägt sie natürlich nicht gerade bei.

tilomagnet Offline



Beiträge: 539

08.04.2019 20:41
#342 RE: Wallace der Woche (22): Der unheimliche Mönch (1965) Zitat · Antworten

Für mich das letzte Highlight der Serie! Klar, gibt es berechtigte Kritikpunkte...die holprige Verquickung der beiden Handlungsstränge, der theatralische Tod des Mönchs und noch ein paar andere Dinge. ABER: Das Positive überwiegt bei Weitem: Zum letzten Mal hat ein Wallace echten "Großfilm"-Charakter, die Kulisse ist eine Pracht, die Szenen im nebligen Schlosspark sind mit die besten und gruseligsten der Reihe.

Und erst der geniale Einfall mit der Mordwaffe! Schon der erste Auftritt des Mönchs ist eine geniale Szenenfolge, der Mord an Inspektor Potter ist so trocken, packend und treffsicher inszeniert, da zeigt sich wieder, dass Harald Reinl einfach der beste Regiesseur des deutschen Unterhaltungsfilms war. Leider leider war dies sein letzter Wallace, die Reihe hätte sich sicher wesentlich erfreulicher entwickelt, wenn er weiter zur Verfügung gestanden hätte.

Auf jeden Fall 5/5 Punkten und ein mehr als würdiger Abschluss der s/w Phase. Ein wahrer Klassiker!

Count Villain Offline




Beiträge: 4.241

09.04.2019 09:06
#343 RE: Wallace der Woche (22): Der unheimliche Mönch (1965) Zitat · Antworten

Interessant, dass so viele Fans den unheimlichen Mönch tatsächlich als unheimlich und gruselig empfinden. Geht mir mittlerweile gar nicht mehr so (zu oft gesehen? zu nüchtern und temporeich für wirkliche Gruselspannung?). Wobei ich noch nicht mal sagen kann, dass es mir jemals so gegangen wäre. Ich kann mich an meine ersten Sichtungen nicht mehr wirklich erinnern.

Wenn ich an Wallace-Grusel denke, kommen mir bei den Schwarzweiß-Filmen viel eher die toten Augen, das Finale vom Rächer, das Irrenhaus in der Gräfin oder der Tod der Codys in der Tür in den Sinn. Womöglich habe ich den Mönch einfach zu spät gesehen, in einem Alter, in dem ich dann nicht mehr so beeindruckt davon war.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.065

10.04.2019 14:42
#344 RE: Wallace der Woche (22): Der unheimliche Mönch (1965) Zitat · Antworten

Ach doch, diesbezüglich muss ich den uMönch schon "in Schutz nehmen". Im Gegensatz zum Abt, den ich sogar noch länger kenne, fand ich die Gestalt des Mönchs doch früher recht bedrohlich. Im Park mag es ja noch angehen, aber sehr unheimlich kam mir immer die Szene vor, in der er plötzlich im Konferenzsaal auftaucht und Dieter Eppler erledigt. Dieser Moment gehört zusammen mit den blinder-Jack-Szenen und der Rächer-Guillotine für mich zu den Gruselerinnerungen junger Wallace-Jahre. Das rote Pendant kommt da auch nicht wirklich heran.

Ray Offline



Beiträge: 1.279

11.04.2019 23:14
#345 RE: Wallace der Woche (22): Der unheimliche Mönch (1965) Zitat · Antworten

Hätte ja nicht gedacht, dass ich beim "unheimlichen Mönch" mit Gubanov zumindest im Ergebnis auf einen gemeinsamen Nenner komme, aber irgendwie konnten bei der heutigen Sichtung die Stärken die vorhandenen Schwächen nicht so gut nivellieren wie sonst.

Der "uMönch" ist eine absolut ikonische Figur mit einer wunderbar-skurillen Mordwaffe. Die Morde sind auch durchaus effektvoll inszeniert. Noch beeindruckender gerät der Kampf zwischen Inspektor Bratt und dem Mönch im Lagerhaus. Die hin und her schwenkende Lampe und die Dynamik des Kampfes bleiben stets in Erinnerung. Die Musik von Peter Thomas gehört definitiv zum besten, was die Reihe zu bieten hat, Aufnahmen an Originalschauplätzen in London werten den Film zusätzlich auf. Karin Dor gibt einen verfrühten, aber allemal standesgemäßen Abgang. Sie scheint weiter gereift und agiert im Ganzen sehr souverän. Harald Leipnitz ist weniger präsent als die Kollegen Fuchsberger und Drache, vermag dies aber durch sein agiles Auftreten in den Kampfszenen ein Stück weit zu kompensieren. Siegfried Schürenberg sorgt einmalmehr für manche Pointe (herrlich die Szene, in der er Susanne Hsiao "tröstet" oder die gemeinsamen Szenen mit Ilse Steppat).

Allerdings wirken gerade im ersten Drittel einige Szenen und Dialoge in der Tat sehr aufgesetzt. Auch bei der Wahl der Schauspieler hatte man nicht in allen Fällen ein glückliches Händchen. So wusste Reinl Hartmut Reck und Rudolf Schündler nicht recht zu händeln, beide agieren überzogen und erweisen sich als störend. Auch Eddi Arent ist mit seinem zugegeben eher undankbaren Part überfordert. Besser schlagen sich demgegenüber Siegfried Lowitz und Dieter Eppler. Vor allem Lowitz reißt das Geschehen besonders am Anfang geradezu an sich.

Im Hinblick auf die Auflösung kann man sicher geteilter Meinung sein. Das theatralische Zubodengehen gefällt mir eigentlich recht gut. Auf ähnliche Weise hatte schon Alfred Vohrer Heinz Engelmann einen denkwürdigen Abgang verschafft. Die "Küchenpsychologie" nehme ich noch um des Überraschungseffekts willen, der sich bei meiner Erstsichtung defintiv eingestellt hat, hin. Für besonderes Amüsement hat diesmal der als "genial" bezeichnete Plan von Smithie und Short gesorgt, sich in Mädchenheime einzuschleusen, mit Brieftauben Nachricht zu geben, wenn diese das Heim verlassen, um sie dann zu entführen. Wirklich goldig.

Insgesamt ein sehr kurzweiliger Abschluss der SW-Ära, der mit einer interessanten Titelfigur, einer überraschenden Auflösung, toller Musik, sorgsam ausgewählten Schauplätzen und gelungenen Mord- und "Actionsequenzen" aufwarten kann. Getrübt wird das Vergnügen allerdings durch einige Fehlbesetzungen, die vorhandenes Potential ungenutzt lassen und ein bisweilen auffallend holpriges Dialogbuch. Daher diesmal "nur" 4 von 5 Punkten.

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