Zitat von Lord Low im Beitrag #124Schon recht kurios. Weiss man, wie es dazu kam bzw. wer die Idee dazu hatte?
Wer auch immer es war - die Idee war reiner Mist. Ein blöder Gag, der immerhin zur gelangweilten Darbietung einer relativ öden Rolle passte. Kein Wunder, dass sich Kinski in dieser Phase emotional von Wallace verabschiedete und nur aus Geldnot hin und wieder zurückkehrte.
Zitat von Lord Low im Beitrag #124Schon recht kurios. Weiss man, wie es dazu kam bzw. wer die Idee dazu hatte?
Wer auch immer es war - die Idee war reiner Mist. Ein blöder Gag, der immerhin zur gelangweilten Darbietung einer relativ öden Rolle passte. Kein Wunder, dass sich Kinski in dieser Phase emotional von Wallace verabschiedete und nur aus Geldnot hin und wieder zurückkehrte.
Aber eins muss man ihm lassen. Sein Part im Verrätertor war toll.
Ich hab mir mal wieder den Trailer angesehen und festgestellt, dass da irgendwas fehlt. Bei 0:47 wird der Erzähler plötzlich unterbrochen. Hat jemand den Trailer schon mal in der kompletten Fassung gesehen?
Darsteller: Albert Lieven, Margot Trooger, Gary Raymond, Catherina von Schell, Eddi Arent, Klaus Kinski, Heinz Bernard, Anthony James u.a.
"Das Verrätertor" steht stellvertretend für einige Wallace-Filme, die lange geplant, immer wieder verschoben und daher am Ende ganz anders wurden als geplant. Vergleicht man die endgültige Besetzungsliste mit dem "All-Star-Cast", mit dem man zwischendrin plante (Fuchsberger, Dor, Lowitz, Flickenschildt, Schürenberg u.a.), so fällt diese - zumindest in der Breite - doch recht unspektakulär aus. Ein überaus kluger Schachzug war es hingegen, die Hauptrollen Albert Lieven und Margot Trooger anzuvertrauen. Lieven war durch seinen Background für Co-Produktionen ohnehin prädestiniert, gleichsam passte er hervorragend in die Rolle des erfolgreichen Geschäftsmanns Trayne, der trotz Wohlstands dem Nervenkitzel eines spektakulären Raubes nicht widerstehen kann. Trooger hatte bereits im "Hexer" restlos überzeugt und durfte hier eine sogar noch anspruchsvollere Figur verkörpern. Gerade zu Anfang abermals distanziert, offenbart sie im Laufe des Films auch verletzliche Seiten, bleibt dabei in ihrem Spiel jedoch stets äußerst dezent. Es sind Blicke oder ein mildes Lächeln, mit dem sie ihren Gemütszustand mitteilt, keine großen Gefühlsausbrüche. Alles in allem hat der deutsche Film wohl nie ein eleganteres gemischtes Gangster-Duo gesehen.
Eddi Arents Rolle ist diesmal vergleichsweise geschickt in den Handlungsablauf integriert. Gerade seine Einführungsszene, in der er auf Nachfrage nach "besonderen Sehenswürdigkeiten" in ein Striptease-Lokal gelotst wird, lässt den Zuschauer mindestens schmunzeln. Demgegenüber leistet er sich gerade gegen Ende einige überzogene Einlagen. Klaus Kinski wird im Grunde abermals verschenkt, holt wie immer aber alles und noch viel mehr aus der recht überflüssigen Rolle heraus. Die Szenen, in denen er am Zeigefinger lutschend Mitwisser aus dem Weg räumt oder Geiseln in Schach hält, gehören zweifelsohne zu den Highlights des Films. Ein mehr als ordentliches Gastspiel gab schließlich Catherina von Schell, die Ende der 1960er einen Auftritt im James Bond-Film "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" erhalten sollte. Sie überzeugt durch eine natürliche, unaufdringliche Ausstrahlung und hätte gerne öfter besetzt werden dürfen, beispielsweise anstelle von Grit Böttcher in "Der schwarze Abt". Die englischen Darsteller sind sicher eher was für Kenner und dürften hier kaum Leuten bekannt sein. Wie so oft hatten sie aber zumindest teilweise Auftritte in damals populären Krimiserien (so z.B. Gary Raymond in "Simon Templar").
Dass der Film in der breiten Öffentlichkeit eher unbekannt und auch unter Fans überwiegend weniger beliebt ist, liegt einerseits an der weniger spektakulären Besetzung, andererseits an der ungewohnten inhaltlichen Herangehensweise. Heist-Movie statt Whodunit. Wie so viele Experimente (z.B. "Das Rätsel der roten Orchidee") kam dieses nicht besonders gut an. Der Unterschied zu Filmen wie "Zimmer 13" oder eben "Orchidee" besteht indes darin, dass man bei diesen noch - mehr oder weniger stimmig - einen Whodunit einbaute, hier jedoch gänzlich darauf verzichtete. Etwa bis zur Hälfte geht das Rezept auch gut auf. Die Flucht von Dartmoor ist ordentlich gefilmt und sehr atmosphärisch. Die zentralen Figuren werden frühzeitig und prägnant eingeführt. Die Story kommt schnell in Gang, der Zuseher weiß recht schnell, wohin die Reise gehen wird. Darüber hinaus wird die Planung kurzweilig an optisch reizvollen Orten erzählt. Komischerweise fehlt dem Film bei der Umsetzung des Coups und den anschließenden Verfolgungen dann allerdings ein wenig die Dynamik. Einige Szenen des Überfalls geraten langatmig, weil der Zuschauer aus den Ausarbeitungen, Proben und anfänglichen Szenen im Tower eben genau weiß, was passiert. Gerade in dieser Phase geht der Inszenierung zudem das Überraschende ab, alles wirkt routiniert wie der Coup selbst.
Die Musik von Peter Thomas wurde ja überwiegend über den Klee gelobt. Die Titelmusik ist sicher gut, gehört für mich aber keinesfalls zu den besten. Ich bin da auch eher bei denjenigen, welche die tempolastigen oder melancholischen Stücke von Thomas bevorzugen. Vor allem das "Aha" finde ich beim Hören der CD "Best Of Edgar Wallace" höchst nervig, zur Szene im Film passt es hingegen ganz gut.
Summa summarum dürfte der Film im hinteren Mittelfeld einzuordnen sein.
"Das Verrätertor" stellt mit seinem Ansatz, auf Heist-Movie statt Whodunit zu setzen, innerhalb der Reihe sicherlich ein Wagnis dar. Über weite Strecken geht die Idee auf, hinten raus fehlt es leider an Dynamik. Lieven und Trooger geben ein einmalig elegantes Ganoven-Duo ab und Catherina von Schell setzt mit ihrem Gastspiel ein kleines Ausrufezeichen. Last but not least bekommt man wohl in keinem Wallace-Film eine so hohe Frequenz an herrlich nostalgischen Postkartenmotiven aus der britischen Metropole präsentiert. Daher gerade noch 4 von 5 Punkten.
Gerade die Tatsache, daß diese Produktion es aufgrund der Geschichte (kein WhoDoneIt) besonders schwer hat sich mit den üblichen Wallace-Krimis messen zu lassen, was eigentlich ohne WhoDoenIt eigentlich garnicht geht, zeigt gerade besonders, welch herausragende Leistung Freddie Francis hier vollbracht hat.
Im Vergleich mit jeglichen "Gaunerfilmen oder Gaunerkomödien" besticht dieser Film geradezu mit einer atmosphärisch dichten Spannung und herausragenden Darstellern und wiederum dem Flair eines Edgar Wallace Films mit den typischen Elementen und Kameraführungen. Und bei jedem erneuten wiederholten Anschauen wird der Film immer besser. Während Wallace Filme wie Gräfin, Gruft und auch Gasthaus für diesen Fall bei mir immer mehr an Wert verlieren, weil diese ihre meiste Spannung aus dem WhoDoneIt ziehen und man diesen kennt, profitiert das Verrätertor gerade davon, daß es keinen WhoDoneIt gibt und verliert dabei nicht diese Spannung. Vor diesem Hintergrund ist für mich nach vielen Jahren und ansehens "das Verrätertor" der beste Wallace Film.
Ganz dicht holt inzwischen "der unheimliche Mönch" auf, der gegenüber dem Verrätertor erst viele Jahre später im TV gezeigt wurde. Wobei die Krimikomödie "der grüne Bogenschütze" beständig an Wert behält, wie das für viele klassische Krimikomödien gilt.
Zitat von Ray im Beitrag #129 Lieven und Trooger geben ein einmalig elegantes Ganoven-Duo ab und Catherina von Schell setzt mit ihrem Gastspiel ein kleines Ausrufezeichen. Last but not least bekommt man wohl in keinem Wallace-Film eine so hohe Frequenz an herrlich nostalgischen Postkartenmotiven aus der britischen Metropole präsentiert. Daher gerade noch 4 von 5 Punkten.[/b]
Ganz meine Meinung. Auch mir gefällt der Film rein optisch recht gut. Lieven, Trooger und Kinski sind klasse in einem Film den ich durchaus geniesse, wenn ich ihn mir selten ansehe.
Überraschenderweise liegt mir gerade die fade Optik des Films in Erinnerung. Überraschend deswegen, weil Freddie Francis ja eigentlich aus dem Kamerafach stammte, hierfür in späteren Jahren auch hoch dekoriert wurde, jedoch in zumindest diesem, seinem eigenen Film nichts Vergleichbares zu den Löb- oder Angst-Produktionen ablieferte. Ganz im Gegenteil: Die Flucht aus Dartmoor erinnert eher an einen Lehrfilm der Bundeswehr im Manöver; der unmotiviert dahin wabernde Nebel erweckt den Anschein, dem Beleuchter brenne gerade sein Hauptkabel ab. Nach den Credits wurde es meiner Erinnerung nach besser - aber irgendwie doch sehr TV-mäßig nüchtern und zweckmäßig oder gar unlogisch (Verfolgung Hope Taylors mit dem Fernrohr). Hab' den Film allerdings lange nicht mehr gesehen, müsste ich vielleicht mal wieder auffrischen.
Gruß Jan
Gubanov
(
gelöscht
)
Beiträge:
23.03.2019 14:20
#133 Wallace der Woche (20): Das Verrätertor (1964)
Obwohl die German Wallace Wave schon fünf Jahre und 20 Filme lang wogte, entstand 1964 mit „Das Verrätertor“ erst die zweite britisch-deutsche Krimi-Koproduktion der Sixties. Und was könnte es Urbritischeres geben als die Kronjuwelen bzw. das Unterfangen, sie aus dem Tower von London zu stehlen?
Auf der einen Seite steht die Gangsterorganisation von Mr. Trayne, auf der anderen Seite Traynes Sekretärin und ein mit ihr verlobter Wachsoldat der königlichen Garde. Das Duell wird mit weitgehend offenen Karten gespielt und befremdet daher Wallace-Fans, die an Täterrätsel und Gruselstimmung gewohnt sind. Wie ist eure Einstellung zu dieser ungewöhnlichen Wallace-Würze und für wie gelungen haltet ihr die authentische britische Atmosphäre des „Verrätertors“?
Kriminalfilm, GB / BRD 1964. Regie: Freddie Francis. Drehbuch: John Sanson (d.i. Jimmy Sangster) (Romanvorlage „The Traitor’s Gate“, 1927: Edgar Wallace). Mit: Albert Lieven (Mr. Trayne), Gary Raymond (Albert Graham / Lieutenant Dick Lee-Carnaby), Margot Trooger (Dinah Pauling), Catherine Schell (Hope Joyner), Eddi Arent (Hector), Klaus Kinski (Kane alias „Kinski“), Edward Underdown (Inspektor Adams), Alec Ross (Sergeant Ross), Anthony James (Traynes Chauffeur John), Tim Barratt (Lloyd), Heinz Bernard (Martin), David Birks (Spider), Katy Wild (Mary), Julie Mendez (Stripperin), Peter Porteous (Kelly) u.a. Uraufführung (BRD): 18. Dezember 1964. Uraufführung (GB): 5. Juli 1965. Eine Produktion der Summit Film Productions London und der Rialto-Film Preben Philipsen Berlin im Constantin-Filmverleih München.
Zitat von Das VerrätertorMit durchtriebener Präzision hat der Londoner Geschäftsmann Trayne eine Bande von Ganoven um sich gruppiert, mit deren Hilfe er ein ungeheures Ziel verfolgt: den Raub der Kronjuwelen aus dem Tower of London. Um das Unmögliche zu schaffen, will Trayne den Sträfling Albert Graham, der dem wachhabenden Lieutenant Dick Lee-Carnaby im Tower zum Verwechseln ähnlich sieht, der königlichen Garde als Doppelgänger unterschieben. Dicks Freundin Hope Joyner ist als Sekretärin bei Trayne angestellt und liefert den Verbrechern unwissentlich notwendige Informationen zur Umsetzung des Planes. Nur der Tourist Hector, der dem Komplott zufällig auf die Spur kommt, kann nun noch das Schlimmste verhindern ...
„Den alten Plunder stiehlt bestimmt niemand!“
Wer „Das Verrätertor“ sieht, wird naheliegenderweise bemerken, wie wichtig es in Bezug auf die Außenaufnahmen war, diesen Krimi als Koproduktion zwischen Großbritannien und Deutschland herzustellen. Der Dreh im Tower und an anderen Londoner Originalschauplätzen kam nur durch die Beteiligung der kurzlebigen Summit Film Productions zustande. Im Gegensatz zur ersten Kollaboration zwischen Insel und Kontinent drei Jahre zuvor machte man sich beim „Verrätertor“ allerdings nicht die Mühe, den Film in zwei auf die jeweiligen Märkte zugeschnittenen Fassungen zu drehen, sodass das Verhältnis zwischen deutschen und englischen Schauspielern deutlich weniger ausgewogen wirkt und es auch sonst gerade das Mitwirken der Briten ist, das den Film in beträchtlichem Maße schwächt. Erschwerend kommen trotz der optischen Meriten, die auch durch eine gelungene Kameraführung unterstrichen werden, viele sehr studiolastige Szenen in wenig einnehmenden Kulissen sowie eine Handlung hinzu, die nicht nur für die Wallace-Reihe völlig atypisch, sondern über weite Strecken auch relativ unspektakulär im Sande verläuft.
In allererster Linie bricht „Das Verrätertor“ mit der Wallace-Tradition des unbekannten Hauptschurken, sodass die Frage, in wessen Auftrag die Tower-Räuber handeln, schon geklärt ist, bevor man die Handlanger überhaupt kennengelernt hat. Die Spannung müsste sich folglich einzig aus dem Heist-Aspekt des Films ergeben, der aufgrund des besonders in den Nebenrollen völlig uninteressanten Casts und der ungeschickten Szenenwahl jedoch nie richtig zündet. Zwar stehen Planung und Durchführung des Juwelenraubs so unverwunden im Mittelpunkt, wie man es sich bei der ablenkenden Doppelhandlungsführung von „Zimmer 13“ für den Postzugüberfall noch gewünscht hätte; doch der Plot wird zu geradlinig und spannungsarm erzählt, um wirklich zu fesseln. Größere Schwachstellen oder Hindernisse in Traynes Plan stellen sich kaum ein. Die Erpressung durch Mr. King und die Verschwörung von Graham und Dinah erweisen sich entweder als ungefährlich oder als uninteressant; zugleich fehlt dem Film ein veritabler Gegenspieler, da Scotland Yard diesmal kaum involviert ist und der betroffene Lieutenant bis zum letzten Moment nichts von dem herannahenden Unheil ahnt. Eddi Arent als einzigen Bekämpfer der Trayne-Bande zu besetzen, ist genauso wie die Besetzung der Hauptrolle von „Das Gesicht im Dunkeln“ mit Klaus Kinski zum Scheitern verurteilt – beide Darsteller haben sich zwar in kleinen Parts gerechtfertigtermaßen ihre Meriten bei Wallace verdient, ersetzen in Bezug auf Bildschirmpräsenz und Führungsstärke jedoch keinen echten „Star“. Arent klamaukt stattdessen penetrant herum, sodass sein Auftritt in „Das Verrätertor“ als sein wahrscheinlich schwächster und ärgerlichster gelten muss – ein Indiz dafür, dass Regisseur Freddie Francis mit den deutschen Darstellern nichts anfangen konnte.
Das merkt man auch an Margot Trooger: Größer könnte ein Qualitätsabfall in der Darstellung beinah identischer Rollen kaum ausfallen als zwischen Cora Ann Milton im „Hexer“ und Dinah Pauling im darauffolgenden „Verrätertor“. Troogers Schwäche fällt vor allem durch einen Mangel an Konkurrenz wenig auf: Schließlich darf sich auch die püppchenhafte Catherine Schell, der die Rialto offenbar erfolglos dabei helfen wollte, eine Karriere anzukurbeln (sie sollte erst drei Jahre darauf wieder in einem Film zu sehen sein), gute Chancen auf eine rote Laterne in der Riege der Wallace-Damen ausrechnen. Nicht einmal den englischsprachigen Albert Lieven konnte Francis so markant einsetzen wie sein Kollege Akos von Rathonyi, sodass Trayne ein glattgebügelter Organisator ohne interessante Insignien des Bösen bleibt – eine sehr schwache, uncharismatische Leistung, gerade wenn man sie mit Lievens Glanzleistungen in den Francis-Durbridge-Krimis wie etwa „Das Halstuch“ vergleicht. Somit bleiben nur der abgebrühte Gary Raymond (als Gangster überzeugender als als blondierter Gardesoldat) und der in seinem kleinen Part unterforderte Edward Underdown als schauspielerische Highlights in Erinnerung, denn auch wenn Klaus Kinski ohne Fehl und Tadel spielt, so ist seine Rolle doch ähnlich einfallslos wie in „Die Gruft mit dem Rätselschloss“.
Die eigentümliche Filmatmosphäre ist nicht zuletzt ein Produkt der Diabetes verursachenden Peter-Thomas-Musik. Die Schilderungen eines Raubüberfalls hätten nervenaufreibender, dissonanter Töne und keiner hier vorherrschender Harmonieseligkeit bedurft – Thomas’ aufdringliche Melodieführungen zerren schon nach zehn Minuten arg am Nervenkostüm des Zuschauers. So ist es kein Wunder, dass Spannung im „Verrätertor“ Mangelware ist, obwohl der verantwortliche Drehbuchautor Jimmy Sangster der erfahrenste Mann im Hammer-Film-Horror-Stall war. Warum er das Drehbuch nicht mit mehr Leichen sowie einem unbekannten Drahtzieher spickte und stattdessen auf Humor und Liebesschwulst setzte, ist ein Geheimnis, das ebenso wie die Frage, ob Kinskis Charakter wirklich „Kinski“ heißen soll, wohl schwerlich jemals abschließend zu klären sein wird.
Mit dem Kronjuwelenraub erzählt „Das Verrätertor“ eigentlich eine Geschichte mit großem Potenzial für einen urbritischen Wallace-Krimi. Leider wirkt das fertige Produkt ungeschliffen und ungeschickt aufgezogen. Zum ersten Mal innerhalb der Serie lassen Schauspieler, Schauspielerführung und ihre Rolleneinsätze großflächig zu wünschen übrig – nur eines mehrerer Kennzeichen dafür, dass die federführenden Briten dem Stil der German Wallace Wave ratlos gegenüberstanden.
Zitat Die eigentümliche Filmatmosphäre ist nicht zuletzt ein Produkt der Diabetes verursachenden Peter-Thomas-Musik. Die Schilderungen eines Raubüberfalls hätten nervenaufreibender, dissonanter Töne und keiner hier vorherrschender Harmonieseligkeit bedurft – Thomas’ aufdringliche Melodieführungen zerren schon nach zehn Minuten arg am Nervenkostüm des Zuschauers.
Ja, die Musik ist etwas unpassend zum Filmthema - dennoch finde ich, dass sie grundsätzlich zu den eingängigsten und gelungensten der Serie gehört und Peter Thomas wesentlich inspirierter klang als bei der dämlichen Hexer-Mucke! Aufdringliche Melodieführungen waren dort zu finden, oder beim Hund von Blackwood Castle u.a. - aber hier? Geschmackssache. Eine andere Musik hätte den Film auch kaum gerettet. Ich hatte ihn zwar schlechter in Erinnnerung, aber so richtig zünden konnte er nicht. Das liegt sicher an den schon angesprochenen Schwächen und Fehlern - allen voran für mich das Fehlen von richtigen Hauptdarstellern, Dahindümpeln der Story und keiner wirklichen Konflikte und Spannungen.
Eddi Arent spielt für mich im Rahmen der Rolle ausgezeichnet - besser als bei seinen bisherigen kleinen Rollen. Er hat zum ersten Mal quasi eine Hauptrolle und fühlt sie so gut er kann. Der Tourist, der etwas mitkriegt - aber keiner glaubt ihm und er macht in Eigenregie weiter - das ist ja das typische Giallo-Thema und bisher neu für Wallace-Filme. Immerhin etwas. Außerdem wirkt er sympathisch, was man von den anderen Darstellern nicht sagen kann. Margot Trooger wirkt farblos, Albert Lieven eher wie ein Buchhalter denn ein kriminelles Hirn, bei Kinski frage ich mich eh, warum man ihn damals immer wieder engagiert hat - er ist für mich der am meisten überschätzte Schauspieler der ganzen Serie...
Die Co-Produktion mit Drehorten in London sorgt immerhin dafür, dass der Film nicht wie manche vorher etwas provinziell wirken. Auch die von Vohrer so langsam immer mehr in Richtung Albernheiten und Schlüpfrigkeit gehende Stimmung wird hier angenehm vermieden.
Allerdings braucht man, wenn man schon von Anfang weiß, wer der Bösewicht ist, dann auch eine spannende Handlung und überzeugende Darsteller, was das Verrätertor leider nicht bietet.