Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 125 Antworten
und wurde 8.912 mal aufgerufen
 Filmbewertungen
Seiten 1 | ... 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9
Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 163

07.03.2019 15:43
#121 RE: Wallace der Woche (17): Zimmer 13 (1963/64) Zitat · Antworten

Zimmer 13 dürfte der erste Wallace-Film sein, der mit seiner Vorlage fast gar nichts mehr gemeinsam hat.
Mehr noch als beim „Indischen Tuch“ oder den „gelben Narzissen“ folgt der Streifen seinem eigenen Gusto, einzig der Name Joe Legge für den Obergangster sowie das ominöse Zimmer 13 in einem halbweltseitigen Club erinnern noch an seinen Schöpfer, sonst wohl kaum mehr, vielleicht noch der Name Johnny Gray für den Detektiv, für den der große Ermittler John Gray Reeder wohl Pate stand….
Ehrlicherweise gibt das Buch auch nichts für eine Verfilmung im Wallace-Format her, es geht um Ehre unter Gangstern, Verrat und Falschgeld, sehr stimmig komponiert, aber mit viel zu wenig Leichen und für einen simplen Schwarz-Weiß-Film nicht geeignet.
Harald Reinl hat hier nach dem etwas betulichen, aber schon gewaltbelasteten Frosch, der gruseligen märchenhaften Schreckensbande und dem eher nüchtern-geheimnisvollen Fälscher einen geplanten und durchgeführten Gangsterüberfall auf einen Postzug mit einem psychotischen Rasiermessermörder gemixt. Über Sinn und Unsinn der ganzen Sache kann man sich natürlich streiten, aber ich fand die beiden parallel laufenden Handlungsstränge, die doch irgendwie entfernt zusammenhängen und am Ende gemeinsam kulminieren, immer sehr eindrucksvoll inszeniert. Natürlich ist das ganze nun mal kein „Heist-Movie“ mit detaillierten Vorbereitungen und allen möglichen Widrigkeiten für ein „ganz großes Ding“ und auch kein ausgefeilter Psychothriller mit allen möglichen Finessen und Rückblenden, sondern einfach nur ein schlichter Edgar-Wallace-Film.
Schön, wieder mal Fuchsberger und Arent als Kumpels zusammen zu sehen, die Konstellation gefiel mir immer besonders gut. Aber auch Blacky und Karin Dor strecken wieder mal die Liebesfühler aus, wenngleich diesmal mit recht tragischem Ausgang. Tatsächlich wirkt „Miss Krimi“ viel erwachsener als bei ihrem ersten Auftritt im Hause Revelstoke, doch auch sie wohnt ja noch mit Mitte Zwanzig bei ihrem Vater, dem Abgeordneten Marney. Was hat sie eigentlich die ganze Zeit über so getrieben, fragt man sich da. Ahnt Marney eigentlich, dass seine Tochter Denise die Mörderin ist ? Das bleibt leider offen.
Fuchsberger ist hier recht schnodderig, braucht sich über Mangel an weiblicher Zuwendung offenbar auch nicht zu beklagen. Verblüffend, wie schnell er auch die schöne Tochter von Marney um den Finger wickelt und in den anrüchigen Nachtclub einlädt… Verblüffend auch, dass er ungestraft mal ebenso in der Bibliothek seines Gastgebers herumballern darf.
Eddi Arent als verschrobener, aber tüchtiger Polizeiarzt mit einer amourösen Beziehung zu einer Schaufensterpuppe fand ich als Kind immer total lustig. Na gut, jetzt braucht man dazu zugegebenermaßen schon etwas mehr guten Willen. Bei aller Exzentrizität ist er doch aber für den nicht mehr ganz so jugendlichen Fuchsberger-Helden doch recht nützlich.
Richard Häussler ist ein kaltherziger, skrupelloser Verbrecherboss ohne Fehl und Tadel. Ich frage mich immer, wie er zwanzig Jahre lang im Ausland gelebt hat und trotzdem eine gut funktionierende Bande zur Verfügung hat, mit der er gleich ein ganz großes Ding drehen kann. Zumal einige seiner Gangmitglieder ja noch halbe Kinder waren, als er aus England flüchten musste.
Siegfried Schürenberg als trotteliger Polizeichef gibt hier doch nicht nur den Tölpel vom Dienst. Da es keinen richtigen Polizeiinspektor als Ermittler gibt, ergreift er ungewohnt oft selber die Initiative. Gerade wie er den von ihm offenbar verhassten Igle immer wieder ziemlich unsanft, geradezu bösartig behandelt und mit dem Henkerstrick bedroht, zeigt schon, dass er seinen hohen Posten offenbar nicht nur durch Dienstalter, sondern auch eine gehörige Portion Rücksichtslosigkeit gewonnen hat. Er ist hier ein Junggeselle in einer recht schlichten (Miet?)-Wohnung, sein Interesse an der Damenwelt ist auch bei weitem nicht so groß wie in den anderen Filmen.
Erstmal gibt es kurzzeitig den blanken Busen einer Striptease-Tänzerin zu sehen, deren Blut dann auch kurz darauf recht reichhaltig spritzt – ebenfalls eher neu für diese Sorte Film.
Die Unterwelt-Atmosphäre ist hier glaubwürdiger dargestellt als bei den Gangstern, die das nicht vorhandene Rätsel um die rote Orchidee bevölkerten.
Natürlich haben die beiden Handlungsstränge eben auch die Schwäche, dass sie beide nicht sonderlich vertieft sind. Johnny Grays Experiment mit blonder Schaufensterpuppe und mundgerecht dargebotenem Rasiermesser zur Entlarvung der Mörderin ist natürlich Holzhammer-Psychologie hoch drei. Doch die Entlarvung einer Lady als Serienkillerin und der Verzicht auf ein gewohntes Happy End stellen ein Novum in der Serie dar. Das dänische Schloss Vallo als Familiensitz der Marneys wirkt recht düster (Ein dutzend Jahre später sollte hier auch die Olsenbande ihren halbseidenen Geschäften nachgehen.)
Bei finalen Gemetzel werden alle Beteiligten und Bewohner zur Strecke gebracht, die unglückliche junge Frau richtet sich selbst (und liegt zu dem düsteren Schlusstönen der Tür in ihrem eigenen Blut).
Somit wurde, wie beim Vorgängerfilm, wieder mal eine ganze Familie ausgelöscht. Doch diesmal liegt sicher auch gewollt mehr Tragik darin, wenn Johnny Gray zum Schluss noch einmal nachdenklich-wehmütig die ganze Szenerie betrachtet und in die Nacht davonfährt.

Persönlich schaue ich den Film immer wieder gerne, trotz der sehr einfach gehaltenen Psycho-Handlung.


Persönliche Wertung: 4 von 5 Punkten

Count Villain Online




Beiträge: 4.230

08.03.2019 10:46
#122 RE: Wallace der Woche (17): Zimmer 13 (1963/64) Zitat · Antworten

Ach, was mich auch etwas stutzig gemacht hat, ist die Tatsache, dass Hans Clarin im Vorspann mit einer "und"-Nennung hervorgehoben wird. War er zu der Zeit so bekannt/beliebt?

Jan Offline




Beiträge: 1.417

08.03.2019 11:53
#123 RE: Wallace der Woche (17): Zimmer 13 (1963/64) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #14
Ach, was mich auch etwas stutzig gemacht hat, ist die Tatsache, dass Hans Clarin im Vorspann mit einer "und"-Nennung hervorgehoben wird. War er zu der Zeit so bekannt/beliebt?

Ja, wundert mich auch etwas - zumal es in "Wartezimmer zum Jenseits" recht ähnlich ist und sich Clarin hier am Ende der Darstellerliste eine große Bildtafel mit Klaus Kinski teilt. Möglicherweise war geplant, Hans Clarin als Alternative zu Eddi Arent aufzubauen und so bekam er auch dessen Platz bei den Credits.

Gruß
Jan

Giacco Offline



Beiträge: 1.795

08.03.2019 12:48
#124 RE: Wallace der Woche (17): Zimmer 13 (1963/64) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #14
War er zu der Zeit so bekannt/beliebt?

Damals lief im deutschen Fernsehen mit großem Erfolg die amerikanische Krimi-Serie "77 Sunset Strip", in der Edward Byrnes, der in den USA durch die Serie zum Teenager-Idol wurde, den "Kookie" spielte. Er kam auch beim deutschen Publikum an und die BRAVO-Leser wählten ihn 1963 zum beliebtesten männlichen TV-Star.
Synchronisiert wurde Byrnes mir kieksender Stimme von Hans Clarin, was diesem mehr Popularität einbrachte, als all seine bisherigen schauspielerischen Darbietungen. Er nahm 1963/64 sogar zwei Singles auf , trat in der legendären Schlagersendung "Musik aus Studio B" auf und Berichte über ihn gab es in allen Zeitungen. Klar, dass die Filmproduzenten hofften, von seinem damaligen "Ruhm" zu profitieren.

http://krimiserien.heimat.eu/fernsehspie...kookieundco.htm

Wallacefreund Offline




Beiträge: 235

10.03.2019 14:51
#125 RE: Bewertet: "Zimmer 13" (1963/4, 15) Zitat · Antworten

Für mich Reinls schwächster Beitrag zur Reihe. Leider sind die 2 Handlungsstränge hier nicht so gut ineinander verschmolzen,dies gelang im Frosch hervorragend. Der Film ist temporeich inszeniert und hat mit R. Häussler als aalgatten Gangsterboss die perfekte Besetzung des "Oberbösewichtes". Sollte man für Gangstergeschichten bei Wallace nicht so empfänglich sein, kommt man hier allerdings nicht so sehr auf seine Kosten, da wirkliche Krimispannung nur selten und schwer aufkommt.Auch die typische Wallace Atmosphäre ist hier nicht so vorhanden, aufgrund der Gangsterstory.
K. Dor als Rasiermesser Mörderin ist natürlich eine Überraschung und das es diesmal kein Hapoy End gibt, ist auch neu Insgesamt ein solider Film, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Fazit:3 von 5 Punkten.

Andreas Offline




Beiträge: 428

04.07.2019 13:48
#126 RE: Bewertet: "Zimmer 13" (1963/4, 15) Zitat · Antworten

Ein vom Stil her etwas anderer Film mit starken Figuren und starkem Finale. Zwischendurch hat er Längen, aber insgesamt ist der Streifen eine wohltuende Abwechslung. 4/5Punkten.

Seiten 1 | ... 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9
 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen