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Dieses Thema hat 182 Antworten
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 Filmbewertungen
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schwarzseher Offline



Beiträge: 432

08.04.2018 20:19
#151 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

@Percy Lister
Du empfindest meinen Beitrag pessimistisch ? war eigentlich nicht so gedacht ,sondern nur ein höflicher Erklärungsversuch warum ein nicht ganz neues Thema ( logig in den EW Filmen ) nicht plötzlich zig Antworten auslöst.
Hat mit Verleugnung kontroverser Denkweisen eigentlich nichts zutun.
Manchmal ist auch vieles Geschmackssache,ob man da dann immer seinen Senf dazu tun muss ? Ich könnte zB . unter jeden Beitrag zu den späten EW Filmen meine Ablehnung darlegen oder schreiben das der Schlager Singsang Gran Prix nichts hier im Forum zu suchen hat oder ich die Schauspielerin S.Sinjen unsäglich finde usw usw. würde die Anzahl der Beiträge natürlich in die Höhe treiben aber....?
In diesem Fall dann ... mir ist es egal wenn Logikfehler in den Filmen sind,Hauptsache sie dienen dazu die Spannung zu erhöhen und den Zuschauer zu verwirren.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.714

08.04.2018 20:45
#152 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Worüber wird denn hier eigentlich diskutiert? Hier gibt es einen Neuling, der am zweiten Tag seiner Mitgliedschaft eingeschnappt ist, und das soll dann der Anlass für "Verleugnung kontroverser Denkweisen" sein? Das ist schon eine gewagte Brücke. Davon abgesehen scheint Uli einen Knick in der Optik zu haben: Er beschwert sich über einen Mangel an Reaktionen; ich sehe aber eine ganze Reihe von Antworten auf sein Ausgangsposting, z.B. in den Beiträgen #141, #142 und #144. Was will man sich auch mehr erwarten? Uli hat weder eine direkte Diskussionsfrage gestellt noch gibt es zu der Szene mehr zu sagen als "Stimmt, du hast Recht, das ist unlogisch".

Uli1972 Offline



Beiträge: 33

09.04.2018 06:52
#153 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Eine Anmerkung gibt es von meiner Seite jetzt aber doch noch, denn hier scheint ein Missverständnis vorzuliegen. Ich habe mit der Resonanz die allgemeine Beteiligung im Forum gemeint. Ich bin in keiner Weise eingeschnappt oder meinst du, ich würde meine eigenen Beiträge für so innovativ und interessant halten, dass es darauf zig Antworten geben müsste. Das ist definitiv nicht so.

DanielL Offline




Beiträge: 3.754

09.04.2018 16:48
#154 RE: Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12) Zitat · antworten

Missverständnis oder nicht. Diese ganze Diskussion gehört hier nicht hin. Gerade diese Bewertungsthreads sollen Meinungen zum konkreten Film auch über einen langen Zeitraum sammeln. Das muss übersichtlich bleiben, daher sind Off-Topic-Unterhaltungen hier richtig störend. Ich werde einen Teil der Beiträge daher noch in diesen Thread verschieben: Das Edgar Wallace Forum stirbt aus !!!!

Gruß,
Daniel

Gubanov Offline




Beiträge: 15.714

09.02.2019 11:00
#155 Wallace der Woche (14): Der Zinker (1963) Zitat · antworten



Edgar Wallace: Der Zinker (L’énigme du serpent noir)

Während Alfred Vohrer es sich auf dem Regiestuhl der Rialto-Wallace-Produktionen gemütlich macht, setzt er dem Publikum mit seinen Lieblingstieren gehörig zu: „Der Zinker“ erweitert die Geschichte vom Juwelenhehler jedenfalls um eine sich ungewöhnlich durch den Londoner Winter schlängelnde Mordserie. Deren Fäden laufen in der Mulford’schen Tierhandlung zusammen, hinter deren biederer Fassade sich außerdem wilder Wahnsinn und Beinahe-Bigamie verbergen ...

Bekannt als einer der eher polarisierenden Schwarzweißfilme, ist es für den „Zinker“ bei Wettbewerben und Spielen oft eine Wackelpartie, die Top-10 zu erreichen. Seht ihr ihn unter den Spitzentiteln oder muss sich „das Geheimnis der schwarzen Schlange“, wie die koproduzierenden Franzosen den „Zinker“ folgerichtig nennen, bei euch weiter hinten anstellen?

Links:

Platzierung im Edgar-Wallace-Filmgrandprix 2014: Platz 9 von 36 (80,96 %)

patrick Offline




Beiträge: 3.006

09.02.2019 19:35
#156 RE: Wallace der Woche (14): Der Zinker (1963) Zitat · antworten

Der Zinker (1963)



Regie: Alfred Vohrer

Drehzeit: 22.01.1963 - 28.02.1963


Mit: Heinz Drache, Barbara Rütting, Günter Pfitzmann, Eddi Arent, Klaus Kinski, Jan Hendriks, Inge Langen, Agnes Windeck, Wolfgang Wahl, Siegfried Wischnewski, Siegfried Schürenberg, Albert Bessler, Heinz Spitzner, Erik von Loewis, Stanislav Ledinek, Winfried Groth, Michael Chevalier, Heinrich Gies, Fritz Fiedler, Kurt von Ruffin, Fritz Eberth, Heinz Petruo, Thomas Eckelmann, Bernd Wilcewski, Erik Pukass, Peter von Alten, Dietrich Kerky, Horst Knuth, Eva Ebner


Handlung:

Ein besonders niederträchtiger Verbrecher, genannt der Zinker, treibt in London sein Unwesen. Er hat es auf die mühevoll angesammelte Diebesbeute anderer Krimineller abgesehen und zwingt diese, sie ihm um einen Spottpreis zu überlassen, widrigenfalls er sie an die Polizei verrät - in der Gaunersprache "verzinkt". Außerdem ermordet er jene, die ihm gefährlich werden, mit dem Gift der schwarzen Mamba, das er mit einer speziellen Schuss-Vorrichtung lautlos in deren Blutbahn katapultiert...

Anmerkungen:

Nachdem sich Artur Brauner mit der "Gelben Schlange" nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, darf endlich wieder ein Rialto-Wallace für gehobenes Niveau sorgen. Mit seinem interessanten Mordwerkzeug steuert der Zinker ein weiteres ausgesprochen extravagantes Wallace-Gadget bei, nämlich eine teleskopartige Abschuss-Vorrichtung, die gefrorenes Schlangengift in die Körper der Opfer befördert - überaus originell! Dies sollte technisch freilich nicht allzu genau hinterfragt werden, ist aber auf jeden Fall eine sehr phantasievolle Idee, von der man sich liebend gern unterhalten lässt. In der als Angelpunkt dienenden Tierhandlung packt Alfred Vohrer mit sichtlicher Freude die Gelegenheit am Schopf, Krokodile, Schlangen und Raubkatzen als bedrohliche Nebendarsteller wirkungsvoll agieren zu lassen. Einige sehr schöne winterliche Nachtaufnahmen, wie man sie sonst bei Wallace nicht unbedingt zu sehen bekommt und in denen Klaus Kinski wieder einmal als Verrückter durch den Schnee stapfen darf, sind der Atmosphäre besonders zuträglich. Gewisse humoristische Einlagen, so zum Beispiel der bis zum Hals in Schnee eingebuddelte Eddi Arent, sind natürlich blanker Unsinn und in ihrer überzogenen Albernheit nur mit zusammengebissenen Zähnen zu ertragen. Leider werden uns Alfred Vohrers komödiantische Entgleisungen von nun an immer ungehemmter begleiten.

Schade ist, dass die Auftritte des Zinkers relativ rar sind und die Handlung einige Längen zulässt. Zwar ist die Geschichte recht unterhaltsam, doch hätte man wesentlich mehr aus der Story herausholen können. Gerade der Umstand, dass der Zinker bei Scotland Yard und der Unterwelt gleichermaßen unbeliebt ist, hätte mehr dramaturgisches Gewicht verdient. Schlagende Logik-Mängel sind die Fragen, warum der Lakaie des Zinkers diesem eine (wenn auch zahnlose) Mamba in's Schlafzimmer legt und warum er ihn am Schluss auch noch richtet. Zugegebenermaßen stören mich derlei Dinge nicht im Übermaß, aber es fällt eben auf.

Jan Hendriks ist als undurchsichtiger Charakter immer gern gesehen und ihn darf als Mr.Leslie ein besonders wirkungsvolles Ende ereilen, das ihm gleich drei Todesarten beschert. Die herbe Barbara Rütting verleiht dem Film von der weiblichen Seite her wenig Glanz, wogegen die kauzige und nicht auf den Kopf gefallene Agenes Windeck den Zinker auf köstliche Weise zur Strecke bringt und damit ihre langersehnte Privatrache souverän vollzieht. Besagte Szene gehört zweifellos zu den Höhepunkten des Films. Heinz Drache geht als Inspektor ein weiteres Mal ganz in seinem Beruf auf und verzichtet auf Techtelmechtel jeglicher Art. Die Auflösung ist nicht im Übermaß überraschend, bleibt gegen Schluss hin als Verdächtiger doch kaum mehr eine Alternative übrig. Außerdem werden eventuelle Zweifel daran, dass der Zinker unbedingt ein Mann sein muss, in jener Szene, in der nur sein Kopf während der Giftmischerei ausgeblendet ist, bald zerstreut.

Fazit:

Unterhaltsamer Winter-Wallace, dessen Spannungsbogen jedoch nicht zu 100 Prozent befriedigt und der dadurch einige Luft nach oben zulässt. 4 von 5 Punkten gehen sich aber ohne Weiteres aus.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 104

09.02.2019 20:03
#157 RE: Wallace der Woche (14): Der Zinker (1963) Zitat · antworten

Mit dem von einem Theaterstück stammenden Roman Der Zinker hat sich Alfred Vohrer eins der berühmtesten Bücher von Edgar Wallace zur Verfilmung ausgesucht. Woher kommt diese Bekanntheit ? Ist der Zinker etwa eine besonders raffinierte, einprägsame oder gar blutrünstige Verbrechergestalt ? Nein, da herrscht wohl überall totale Fehlanzeige. Für meinen Geschmack ist Der Zinker einer der schlechtesten Krimis, den der Autor je geschrieben hat. Nach einem recht vielversprechenden Anfang gleitet das Ganze in eine rührselige Schnulze ab, mit gelegentlichen Versuchen, die Spannung ein wenig zu fördern, was aber misslingt. Schlecht zusammengekittete Versatzstücke und wieder einmal unwahrscheinliche Zufälle tun ein Übriges, aber Hauptübel ist eben die übertriebene Liebesschmonzette.
Gewiss ist der Zinker eine anrüchige Figur, doch außer einer eher als Notwehr denn als Mord zu bezeichnenden Tötung eines verratenen rachsüchtigem Diebes kann man ihn nun nicht so gefährlich für die Allgemeinheit bezeichnen, wenn man die gebrochenen Frauenherzen mal außer Acht lässt, die er mit seinem Nebenjob als Heiratsschwindler auch auf sein Schuldkonto lädt. Tatsächlich ist er ja ein Großhehler für Diebesgut, der der Polizei sogar ab und an einen guten Tipp gibt. So wurde denn die erste Verfilmung Anfang der Dreißiger schon ein wenig mit zusätzlichen Leichen und mehr action aufgepeppt, sogar der Täter wurde überraschenderweise geändert.

Für den neuen Film von 1963 mussten unbedingt noch zusätzliche Schlüsselelemente der Reihe eingebaut werden. Da hat man aus dem Roman Die Drei Gerechten die Idee mit dem tiefgefrosteten verschossenen Schlangengift übernommen, möglicherweise auch die Gestalt des geistesgestörten Helfers des Hauptbösewichts. Weiterhin spielt die Geschichte in einer Tierhandlung, aber in keiner für Katze und Sittich, sondern richtig für Großtiere. Eine richtige Liebesgeschichte gibt es diesmal nicht. Die heimliche Hochzeit zwischen Frank Sutton und seiner Sekretärin wurde aus der Vorlage übernommen, wenngleich die Dame kein so schreckliches Ende findet. Ebenso gab es den Tod von Larry Graeme durch Zinkers Hand, auch eine Polizeifalle, die im Film gleich zur Falle von rachedurstigen Ganoven umgemünzt wurde. Das war es fast auch schon. Ob sich zwischen der getäuschten Beryl Stedman und dem ruppigen Inspektor Elford nochmal eine Romanze anbahnt ? Beide strömen ja den Charme eines Eisblockes aus, wenig wahrscheinlich. Inspektor Elford, eigentlich nur eine Nebenfigur, erhält im Film die Hauptrolle, während John Leslie, der lange Zeit zweifelhafte Held des Buches, nur auf eine simple Polizeispitzel-Rolle reduziert wird und zudem recht bald das Zeitliche segnet. Die schrullige Inhaberin der Mulfordschen Tierhandlung ist dazugedichtet, ebenso der Zeitungsverleger Fielding, dagegen hat der Reporter Josuah Harras (eigentlich Josuah Collie) sowohl in Buch als auch in Film eine recht bedeutende Rolle.
Bei kaum einer zumindest der bisherigen Verfilmungen fallen die unvermeidlichen Logikfehler so ins Auge wie hier. Warum hat Sutton mit dem Diebstahl der Schlange überhaupt die Aufmerksamkeit der Polizei auf seine Tierhandlung gelenkt ? Wieso allerdings ist er verdächtig, sogar dass so schnell ein Spitzel bei ihm eingeschleust wird ? Und wieso wird die Kiste mit dem ermordeten Leslie absichtlich fallengelassen, was ja letztendlich erst Recht die Spur zur Zoohandlung führt ? Und die ganze Szene mit dem fingierten Mordanschlag mit der zahnlosen Mamba, mit der sich Sutton unverdächtig machen will, die strotzt geradezu vor Unlogik. Das ist nun wirklich bewusste Irreführung des Zuschauers ! (Warum eigentlich sollte der Zinker Sutton auch töten wollen ?).
Und wie kann Millie Trent den verrückten Krischna als "Zinker" beschuldigen, wenn sie doch genau um das Doppelleben ihres kriminellen Mannes weiß ?
Warum schmilzt das Schlangengift nicht, wenn es der Mörder stundenlang in seiner merkwürdigen Apparatur herumträgt ?
Und das unter Todesdrohung erzwungene Geständnis am Ende des Filmes mit heimlich mitgeschnittenen Tonbandaufnahmen - welcher Richter hätte das vor Gericht gelten lassen ? Mal ehrlich, ein bisschen mehr Realismus hätte dann doch nicht geschadet. Wenn der irre Krischna seinen Herrn und Meister nicht durchlöchert hätte, dann wäre der Zinker wohl durch die Unfähigkeit der Polizei wieder freigekommen. Ich glaube, das waren die schlimmsten Patzer, aber die reichen ja auch.

Daneben war der Zinker mit seinem Schlangengift-Schussgerät immer einer der gruseligsten Wallace-Mörder meiner Kindheit. Tatsächlich ist die erste Hälfte des Filmes sehr schwungvoll inszeniert. Besonders gut finde ich auch immer die Stelle, mit der die Graeme-Gangster den großen Unbekannten mit seinem schicken Jaguar in einen Hinterhalt locken und er geradeso entkommt, oder auch den effektvollen Mord an Leslie, wenngleich man hier die Puppe sehr auffällig wahrnimmt. Dann erst setzt sich der etwas ermüdende und manchmal alberne Kammerspiel-Charakter durch, so, als wäre dem Regisseur nichts Sinnvolles mehr eingefallen.
Besonders die abwechslungsreiche Musik von Peter Thomas sticht hier sehr positiv hervor, was man in späteren Produktionen nicht immer behaupten kann. Die Schauspieler sind alle richtig gut. Heinz Drache übertreibt es diesmal mit seiner Ungeduld und Unhöflichkeit anderen gegenüber. "Softskills"-Seminare für leitende Angestellte gab es damals ganz offensichtlich noch nicht. Auch Eddi Arent hätte sich manchmal ein wenig zurückhalten können, doch irgendwie ist er auch ganz witzig. Der noch lebende Wallace-Star (oder StarIn ?) Barbara Rütting (liegt vielleicht doch an der veganen Ernährung...) ist nun alles andere als das kleine schützenswerte Mädchen, aber auch sie fällt ja auf den charmanten jungenhaften Günter Pfitzmann herein, zumindest im Film.
Alles in allem, trotz wirklich eklatanter Logik-Abstriche und schleppender zweiter Hälfte, immer noch ein guter Wallace-Krimi.

Persönliche Wertung: schlechte 4 von 5 Punkten

Dr.Mangrove Offline




Beiträge: 41

10.02.2019 00:00
#158 RE: Wallace der Woche (14): Der Zinker (1963) Zitat · antworten

Der Zinker gehört zu den bekanntesten Verfilmungen und wird in einem Atemzug mit Hexer, Frosch & Co. genannt.
Ganz ehrlich: ich verstehe nicht warum. Ich kann auch nicht nachvollziehen, warum einige hier 4 von 5 Punkten vergeben - obwohl man selber aufzählt, welche Unzulänglichkeiten der Film so alles versammelt...

Positiv sehe ich, dass man einige neue und unverbrauchte Drehorte zu sehen bekommt - und das in ansprechendem Winter-Ambiente mit viel Schnee.
Der Rest ist handwerklich zwar längst nicht so verunglückt wie Gottliebs gelbe Schlange, aber ein Meisterwerk ist der Film nun wirklich nicht.

Er fängt recht stimmungsvoll an - und das wars. Es geschieht kaum etwas bis zur genüsslich ausgewalzten Enttarnung des Zinkers, die so wenig überraschend ist wie in kaum einem Film zuvor.

Es scheint gerade so, als ob Vohrer nichts Spannendes mehr nach den ersten paar Takten eingefallen wäre - und deshalb die Darsteller versuchen mussten, die langweilige Geschichte irgendwie zu retten.
Dies führt aber zu einem Overkill in Sachen Klamauk und Übertriebenheit. Eddie Arent, Agnes Windeck und Siegfried Schürenberg addieren sich in Sachen Nervensägerei dermaßen, dass es einfach zu viel wird.
Schürenberg spielt Sir Fielding genau wie seinen Sir John - ob nun von ihm selber so ausgelegt oder vorgegeben, wer weiß. Auch Kinski mimt - welch Wunder - den Irren mit dem entrückten Lächeln, allerdings ohne der Geschichte irgendwelche Impulse zu geben.

Die Musik finde ich ebenfalls nur mäßig, zumindest das Hauptthema.

Heinz Drache ist ein guter Kontrast zu den anderen, allerdings wie auch in seinen anderen Rollen alles andere als empathisch. Da hat er echt nichts besseres zu tun, als der enttäuschten und traurigen Beryl den Tipp zu geben, dass sie für ihren nächsten Roman bei ihm um Rat fragen soll. Kein Wunder, dass Drache als Inspektor irgendwie nicht der Frauenschwarm war.

Ich habe den Film nur für diese Gelegenheit hervorgeholt und kann mir nicht vorstellen, dass ich ihn in nächster Zeit nochmal sehen werde.
Weit entfernt vom späteren Vohrer-Trash und besser als Gottliebs Rohrkrepierer - dennoch allenfalls mittelmäßig: 2.5 / 5

greaves Offline




Beiträge: 454

10.02.2019 10:10
#159 RE: Wallace der Woche (14): Der Zinker (1963) Zitat · antworten

Der Zinker

Hab ich auch 1992 auf Sat 1 gesehen.

Und gestern wieder einmal auf blu Ray und das noch zu Heinz Drache s 96.Geburtstag!

Dieser Stil/Atmosphäre gefällt mir an den Wallace Filmen und so stimmt für mich das ganze Wallace-Feeling.Der Film ist für mich gut besetzt mit Heinz Drache,Barbara Rütting Eddi Arent,Klaus Kinski,Günter Pfitzmann,Agnes Windeck,Siegfried Schürenberg,Jan Hendriks,Inge Langen u.a. (Frau Rütting ist die einzige noch unter uns lebenden der von mir genannten Schauspieler..Sie hat mir letztes Jahr noch 3 Autogrammkarten von ihr geschickt).

Was mir immer gut gefällt ist die ich grün/rote Titelcredits -Farbe die wie beim Gasthaus an der Themse und in folgenden Filmen noch kommen.
Die Musik passt zum Thema,aber mein Favorit unter den Wallacesounds ist sie nicht..
Die Aussenaufnahmen sind gut gelungen und das winterliche Berlin kommt hier zum zweiten mal zum Einsatz.Am Nebel wurde nicht gespart.
In diesem Film sieht man das Gebäude vom Wannseeforum das erste mal.Es hat 1965 noch einmal einen Auftritt in einem Wallace Krimi.
Ab diesem Film der Rialto Reihe drehte man (ohne die Co-Produktionen mit England gerechnet) in den CCC Studios von Artur Brauner,die man diesmal auch für Aussenaufnahmen genutzt hat.

Für diesen Film sind noch ein paar andere Locations offen,die man meines Wissens ,zum Teil noch nicht gefunden /fotografiert hat.

Für mich ist der Zinker ein gelungener Edgar Wallace Film

Ich gebe ihm 4,5 von 5 Punkten

Giacco Offline



Beiträge: 1.701

10.02.2019 11:19
#160 RE: Wallace der Woche (14): Der Zinker (1963) Zitat · antworten

"Auf diese zwölfte Wallace-Verfilmung passt der Slogan "Im Dutzend billiger" erfreulicherweise nicht, denn sie ist die beste der bisherigen Serie. Der Film-Zinker ist in einer Londoner Tierhandlung angesiedelt. Die Hauptrolle spielt ein böses, kleines Reptil: eine schwarze Mamba. Sie liefert den Giftstoff für die Todesspritze des Zinkers.
Eine zuverlässige Besetzung erfüllt alle Regieanweisungen. Bis auf Klaus Kinski, als Tierpfleger und Helfer des Zinkers, überspielt niemand. Heinz Drache als Inspektor setzt die Pointen des knallharten Humors überlegen. Schauspielerisch zuverlässig ist Barbara Rütting als Krimi-Autorin, etwas verkrampft und larmoyant dagegen Inge Langen als leidende Geheim-Gattin. Für die forsche alte Dame von Agnes Windeck, die tapfer den Zinker zum Geständmis zwingt, standen wohl die "Ladykillers" Modell. Günther Pfitzmann ist befriedigend in der Titelrolle. Eddi Arent gelang die Parodie auf einen Reporter vortrefflich."

Film-Echo-Note: 2,3 (75 Meldungen) / Erstnote: 1,6

In Frankreich startete "Der Zinker" noch im selben Jahr (4.12.63). Französischer Coproduzent war diesmal Jacques Willemetz, der aber auch nur finanziell am Projekt beteiligt war.
Frankreich: 487.595 Besucher (Paris: 42.520 in 2 Wochen)
Spanien: 239.147 Besucher

schwarzseher Offline



Beiträge: 432

10.02.2019 11:30
#161 RE: Wallace der Woche (14): Der Zinker (1963) Zitat · antworten

Ehrlich gesagt geht einem das epische aufzeigen von "Unzulänglichkeiten" etwas auf den Zünder.Ist das der "Zeitgeist "? In einigen Jahren werden nur noch einige naive Altfans einfach so sagen ....der Film ist für mich immer noch genauso toll wie früher.Egal ob der Zinker mit der Maske jetzt aus seinem Steinschlossgewehr zehn mal geschossen hat (obwohl ja das Pulver eigentlich nass sein müsste)oder jetzt doch wirklich jeder hätte wissen müssen das Drache und Fuchsberger immer zu den guten gehören ,oder wieso entkommt yx mit seinem Wagen obwohl die Gangster gefühlte 1000 Schuss aus einer MP darauf abfeuern ,warum wird Kinski immer in die Story eingebaut ? (ganz einfach ..weil er ein toller Psycho war )usw usw usw.
Humoreinlagen ....mal ganz gut,mal total daneben .......
Die Filme hatten und haben ihre eigene unverkennbare Atmosphäre und Wirkung ,deshalb sind viele Fans noch hier (glaube ich wenigstens)

Das man über Schauspieler ,Musik usw usw . trefflich diskutieren kann ist selbstverständlich/geschmackssache und interessant für alle aber wer nur Logikfehler sammelt hat eine andere Einstellung zu den Filmen (wie zB. ich )

Zu Zinker : meine Lieblingsszene ...der böse Mörder sitzt A. Windeck hilflos gegenüber und begreift das die alte Schachtel ihn reingelegt hat

Gubanov Offline




Beiträge: 15.714

10.02.2019 17:31
#162 RE: Wallace der Woche (14): Der Zinker (1963) Zitat · antworten

Ich finde es super, dass sich verschiedene Rezensenten auf unterschiedliche Aspekte der Filme stürzen und dadurch auch Aspekte zur Sprache kommen, auf die du und ich bisher nicht geachtet haben. Das muss ja auch nicht zur Schlussfolgerung führen, dass wir die betreffenden Filme jetzt kritischer sehen - eben gerade weil die Bewertung immer eine subjektive Sache ist (umso mehr bei solchen jahrelang, tlw. seit Kindheitstagen bekannten Produktionen). Ich finde es spannend, welche (nachvollziehbaren) Vorwürfe hier und in anderen Threads vorgebracht werden, auch wenn die einzelnen Punkte für meine Begriffe oft nicht wertungsrelevant sind oder ich sie eben manchmal auch einfach anders sehe. Demnach werde ich mich nicht schämen, dem "Zinker" auch diesmal wieder volle, dicke 5 Punkte zu attestieren und ihn in meinem Ranking vor "Frosch", "Gasthaus" oder "Fälscher" einzureihen. Die Lobrede ist aber noch ein Weilchen in der Mache.

patrick Offline




Beiträge: 3.006

10.02.2019 20:31
#163 RE: Wallace der Woche (14): Der Zinker (1963) Zitat · antworten

Würden nicht verschiedene Aspekte diskutiert, wären die Threads hier wohl ziemlich leer und unser Forum würde aussterben.

Meine Persönliche Einstellung den Filmen gegenüber ist recht einfach gestrickt. Haben sie urtypische Wallace-Atmosphäre und einen angemessenen Unterhaltungswert, bin ich großzügig mit Punkten, egal welche Fehler sie aufweisen. Die Filme sind frei erfundene Märchen und als solche betrachte ich sie auch. Logik ist mir da nicht sonderlich wichtig, die haben wir im Alltag (oder auch nicht). Ich bewerte mit dem Herzen und nicht mit dem Kopf. Besonders der nächste Wallace der Woche ist so ein Kandidat mit vielen Mängeln, die mir aber schnuppe sind, weil mich der Film ganz einfach wunderbar unterhält.

Trotzdem darf hier natürlich frisch und frei über Logik diskutiert werden und ich lasse mir`s auch nicht nehmen die Berichte zu lesen. Irgendwie ist's ja ganz unterhaltsam, was alles aufgedeckt wird, auch wenn mir vieles nach zig Sichtungen gar nie aufgefallen ist, weil mein selektives Auge nicht drauf abgerichtet ist. Ich denke aber, dass auch die Logik-Detektive unter den Mit-Foristen sich eher ein Spiel daraus machen, denn wäre dieser Aspekt wirklich so wahnsinnig wichtig, würde man sich kaum im Wallace-Forum wahnsinnig heimisch fühlen, hat doch gerade dieses Genre ganz andere Stärken. Dr.Oberzohn hat den Zinker immerhin trotz der vielen Kritikpunkte mit 4 Punkten bewertet, was verrät, dass diese wohl doch nicht so sehr in's Gewicht fallen. Würde man in Sachen Logik wirklich ganz konsequent Kritik üben, müsste man sich mal schon die Frage stellen, warum ein Verbrecher eine Froschmaske, Mönchskutte, etc. trägt oder warum er sich die Mühe macht, eine teleskopartige Schuss-Vorrichtung mit gefrorenem Schlangengift als Munition zu basteln, wo es doch sehr viel einfachere Wege gibt, jemanden um die Ecke zu bringen. Aber das ist eben Wallace und gerade Dank solcher Unlogik lieben wir die Filme auch.

florian Offline




Beiträge: 347

10.02.2019 20:57
#164 RE: Wallace der Woche (14): Der Zinker (1963) Zitat · antworten

Auch wenn ich mich nicht in der Reihe der fleißigen Schreiberlinge zum WdW angemeldet hatte, so sei es mir doch gestattet, hier einige Zeilen zum Zinker zu schreiben.
Mit diesem Film wurde meine Wallace-Leidenschaft geweckt oder besser formuliert, ich wurde durch ihn mit dem Wallace-Virus infiziert.

2.Oktober 1973. Das ZDF änderte just an diesem Tage seine Programmstruktur. Das Abendprogramm begann nun schon um 19.30 Uhr mit 90 Minuten-Spielfilmen. Damit wollte man den Zuschauer schon frühzeitiger an den Bildschirm bringen. Vor allem wollte man aber der ARD ein Schnippchen schlagen.
Der Zinker war der erste Film in dieser neuen Sendefolge; insgesamt zeigte das ZDF bis Juni 1974 insgesamt 16 Wallace-Filme. Einige Filme trugen das Prädikat einer gewissen Brutalität und so gab es die Bande, die Augen, den Frosch, die Tür an Samstagen nach der Sportschau, i.d.R. also nach 23.20 Uhr.

Der Zinker sowie mein 2.Film (Neues vom Hexer) lösten bei mir als 11jähriger Knirps wahre Begeisterungsstürme aus. Ich kaufte von nun ab Fernsehzeitschriften wie Hör Zu, Gong, TV etc. Natürlich wurde vor Kauf geprüft, dass auch unterschiedliche Fotos vorhaben waren. Diese schnitt ich akkurat aus. Auch die Texte und Schauspielerangaben wurden dann in einen Ordner geklebt.
Dieses eigen gebastelte Edgar-Wallace-Filmbuch war lange Zeit mein Schatz.
Später schenkte mir ein guter Freund das Pauer-Buch. Hier erfuhr ich nun von Filmen, von denen die ich zuvor noch nie gehört hatte. (Der Mann mit dem Glasauge oder Zimmer 13, der Bucklige von Soho ).
Mit dem Pauer-Buch konnte ich mir eine Datei anlegen. Ich kaufte Karteikarten und listete nun pro Karte Schauspieler oder Regisseure auf. Somit war es mir nach sehr aufwändiger Arbeit möglich, schnell zu ermitteln, in welchen Filmen Werner Peters mitspielte oder wo Freddy Vohrer Regie führte.

Heute kann man das Ganze nur müde belächeln. Wir haben eine überaus komfortable Bibliothek mit Fachbüchern zur Verfügung, können jeder Zeit das Internet nutzen, können uns mittels Videos, Szenen 5x anschauen. (Ich hatte damals noch nicht einmal einen Videorecorder).

Zurück zum Zinker. Bereits damals erkannte ich, dass der Film in Berlin gedreht wurde. Der Juwelier-Überfall am Theodor-Heuss-Platz wurde sofort identifiziert. Die schwarz-weiß-Szenen, gepaart mit der Musik (hier speziell die Szene, wo sich die Mamba über die Tischplatte mit dem Bild von B.Rütting bewegt) haben bleibende Eindrücke hinterlassen.
Eine Szene empfand ich damals schon merkwürdigt und sie stört mich eigentlich noch heute. Das automatisch sich zur Seite drehende Metallbett.
Aber egal. Der Zinker ist für mich schon ein Meilenstein und liegt häufiger im Player.
Und mein Edgar-Wallace-Filmbuch? Es existiert nicht mehr. Spätestens mit dem ersten Buch von Joachim ging es dann über den Jordan.

Jan Offline




Beiträge: 1.378

11.02.2019 09:36
#165 RE: Wallace der Woche (14): Der Zinker (1963) Zitat · antworten

Zitat von florian im Beitrag #10

Zurück zum Zinker. Bereits damals erkannte ich, dass der Film in Berlin gedreht wurde. Der Juwelier-Überfall am Theodor-Heuss-Platz wurde sofort identifiziert.


Tatsächlich war mir bis eben nicht bewusst, dass diese Szene am Theodor-Heuss-Platz entstanden ist. Der Drehortvergleich in der Bildergalerie ist aber eindeutig. An dem Haus bin ich schon unzählige Male vorbeigelaufen und habe das nie in Verbindung gebracht. Den Diner gibt es da aber - glaube ich - heute nicht mehr.

Zum Zinker:
Der Film gehört zweifellos zu den vorzeigbarsten Qualitätsprodukten der Reihe. Nicht zuletzt durch das Ultrascope-Aufnahmeverfahren verströmt die Produktion eine gewisse Wertigkeit, die sich auch anhand des Kulissenbaus und den überaus stimmungsvollen Nachtaufnahmen im trockeneisvernebelten, schneebedeckten Berlin zeigt. Bedingt durch eben jenes, erstmals bei der Wallace-Serie eingesetzte, Verfahren sind die Bilder erheblich ruhiger als zuvor. Die Kamera erfasst die Akteure häufig einander gegenübersitzend in der Totalen oder sogar Supertotalen, wobei der Abstand zwischen den Personen schon sehr großzügig gewählt werden konnte, das berühmte "Schuss-und-Gegenschuss" nahezu überflüssig wurde. Schnelle Kamerafahrten gibt es ob der heftigen (und wohl auch schweren) Kamera gar nicht, wilde Schwenks sind ebenso wenig vorhanden wie der Einsatz einer Handkamera. Alleine durch die Ultrascope-Bilder setzt der Zinker ein Ausrufezeichen und hebt sich schon rein optisch deutlich von seinen Vorgängern ab. Nicht erspart hat Regisseur Alfred Vohrer seinem arrivierten Kameramann Karl Löb bei den ganzen Hochglanzbildern, die Kamera in einer Mundhöhle, unter dem Boden eines Waschbeckens oder in einem brennenden Kamin zu positionieren. Diese technischen Spielereien des Regisseurs sind vielleicht für die zu erzählende Geschichte nicht wirklich von Belang, reichern die Optik des Films aber in gewohnt bizarrer Art und Weise an und bilden einen Gutteil des typischen Wallace-Flairs. Last not least muss in puncto Optik neben den hübschen Schneeaufnahmen des winterlichen Berlins erwähnt werden, dass man für den Zinker erstmals wieder nach London reiste um einige Szenen mit Darstellern (Drache, Rütting und Arent) vor Ort zu drehen. Diese Originalaufnahmen verleihen dem Film zusätzliches Flair und letztlich auch eine gewisse Professionalität. Selbst für die entsprechenden Requisiten sorgte man am Zeitungsstand: "SNAKE KILLS MAN" steht dort zu lesen.

Dann das exquisite Ensemble. Mit Günther Pfitzmann, Agnes Windeck, Barbara Rütting, Inge Langen, Siegfried Wischnewski, Wolfgang Wahl und Albert Bessler werden erstmals unbekannte und auch unverbrauchte Wallace-Gesichter in der ersten Reihe präsentiert. Zudem sind die alten Platzhirsche Drache, Schürenberg, Hendriks, Arent und Kinski so besetzt, wie man es erwarten darf. Noch klassischer kann ein Wallace-Cast kaum sein an der Stelle. Dass die weibliche Hauptrolle gerade die durchaus gestandene Barbara Rütting erhielt und dass ihre harsche Nebenbuhlerin Inge Langen ebenso wie Rütting auch nicht wirklich zur Riege der unschuldigen Mädchen zu zählen ist, ergibt sich nicht zuletzt aus der an verdächtigen Köpfen eher mager gehaltenen Geschichte.

Einen wahren Glanzlichtauftritt darf, das muss an dieser Stelle noch einmal separat erwähnt werden, Heinz Drache verbuchen. Im besten aller seiner Wallace-Auftritte dominiert er die Handlung durch sein exzessives Alphatier-Gehabe sehr konsequent. An Inspektor Elford gibt es keine Zweifel, Inspektor Elford behält den Überblick und gedenkt nicht, sich mit Nebensächlichkeiten, Schwätzern oder allzu langsamen Gesellen in seiner Umgebung abzugeben. Inspektor Elford gehört zu den klassischen Vertretern männlich dominierter Hauptrollen. Ohne Fehl und Tadel. Dieser Typus ist leider etwas aus der Mode gekommen, genau genommen mag es ihn so nie gegeben haben - abseits der Leinwand. Da wir es hier aber in allen belangen mit reiner Fiktion zu tun bekommen, ist der Charakter Elford eine durch und durch konsequente Fiktion. Ganz nebenbei ergeben sich aus diesem Gehabe zahlreiche überaus amüsante Szenen. Der Polizeiarzt ist dem Inspektor in seinen Erklärungen zu langsam, der Beamte mit der Schreibmaschine redet zu viel, Sergeant Lomm hat wenigstens stets ein Feuerzeug parat. Undifferenziert bleibt das Spiel Draches dennoch nicht. In einigen Szenen kann der Inspektor auch anders - so beispielsweise bei Mrs. Mulfort und ihrer Geschichte vom verstorbenen Ehemann oder an der Themse mit der enttäuschten Beryl Stedman.

Das Buch verzichtet darauf - anders als nahezu alle Vorgänger - das Rätselraten um den Hauptverbrecher dadurch aufrecht zu erhalten, dass es unzählige Figuren gibt, die letztlich alle mehr oder weniger als Täter infrage kommen könnten. Vielmehr ist Harald G. Peterssons Buch konsequenter und deutlich aufwändiger gestrickt. Geschickt legt Petersson die Fährte zunächst auf Beryl Stedman und dann auf Millie Trent. Auch scheut das Buch nicht davor, die alte Mrs. Mulford diesbezüglich in der Schwebe zu halten, indem es ihr eine Art Kollaboration mit dem Wärter Brownie zuschiebt. Ihr "Kann ich mich noch auf Sie verlassen?" kann durchaus auch anders interpretiert werden, als es die alte Dame meinte. Insofern stimme ich zwar zu, dass es im Zinker erheblich weniger Verdächtige als üblich gibt. Jedoch tut das der Spannung keinen Abbruch. Zumal die Überführung des Zinkers tatsächlich ein nettes kleines Kabinettstückchen ist.

Will man dem Zinker ernsthaft etwas anlasten, muss man m.E. recht lange suchen und wird dann wohl am ehesten bei Schnittmeister Hermann Haller fündig. Die Anschlussfehler, die er im Schneideraum produzierte, sind leider allzu zahlreich. Sowohl im Büro des Inspektors als auch bei Mrs. Mulfort passt da zum Teil gar nichts wirklich. Auch die berühmten Schürenberg-Beine unter dem Tisch - hervorgerufen durch eine simple Kopie der zuvor aufgenommenen Einstellung - gehören zu den Versäumnissen des Schnittmeisters. Das wirkt sich unter dem Strich zwar nicht nennenswert auf den hohen Qualitätslevel der Produktion aus, gehört dennoch aber zu den kleinen und letztlich eigentlich auch vermeidbaren Ärgernissen.

Fazit: "Der Zinker" ist eines der unstrittigen Vorzeigeprodukte der Wallace-Welle; edel in der Anmutung, ausgefallen und kurzweilig in der Inszenierung, erstklassig und für die Reihe z.T. auch wegweisend besetzt. Auch der bisweilen etwas unzulängliche Schnitt kann nicht vereiteln, dass ich 5 von 5 Punkten verteile.

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