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Dieses Thema hat 78 Antworten
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 Filmbewertungen
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Lord Low Offline




Beiträge: 563

08.08.2016 19:28
#76 RE: RE:Bewertet: "Das Gasthaus an der Themse" Zitat · antworten

Wo wurden denn die Schaufenster-Szenen gedreht?

Ray Online



Beiträge: 774

03.09.2016 21:55
#77 RE: RE:Bewertet: "Das Gasthaus an der Themse" Zitat · antworten

Das Gasthaus an der Themse (BRD 1962)

Regie: Alfred Vohrer

Darsteller: Joachim Fuchsberger, Brigitte Grothum, Elisabeth Flickenschildt, Richard Münch, Jan Hendriks, Heinz Engelmann, Klaus Kinski, Eddi Arent, Rudolf Fenner, Siegfried Schürenberg, Hans Paetsch u.a.



Nachdem man mit "Die Tür mit den sieben Schlössern" das Boot wieder auf Kurs gebracht hatte, gingen die Produzenten mit "Das Gasthaus an der Themse" den nächsten Schritt. Erstmals sind aus dem Off die legendären Worte "Hallo, hier spricht Edgar Wallace" zu hören (Leider mit falscher Aussprache, nämlich "Wällace", was dann doch eher "abturnt". Aber egal, eine weitere entscheidende Weichenstellung.). Hiermit wurde der Seriencharakter weiter in den Vordergrund geschoben, um sich von der Konkurrenz noch mehr abzugrenzen. Auch inhaltlich ging man einen Schritt weiter, indem man erstmals einen vom Roman abweichenden Täter präsentierte und mit der Figur des Hais eine vortreffliche Eigenkreation erschuf, die sich perfekt bei den bisherigen Phantomen einreihen konnte. Überhaupt zeigt sich die Reihe formal auf dem Höhepunkt: sowohl vor als auch hinter der Kamera hat man das Personal gefunden, mit dem man in eine erfolgreiche Zukunft schreiten sollte, zum jetzigen Zeitpunkt gibt es zudem noch keine allzu relevanten Abgänge zu vermelden (Leute wie Fritz Rasp oder Ulrich Beiger waren natürlich ein Segen, aber standen nicht so sehr im Vordergrund.). Es handelt sich darüber hinaus um den einzigen Wallace-Film, in dem Fuchsberger, Arent, Kinski und Schürenberg vereint waren.

Dies dürften die Gründe sein, warum der Film heute einen derart exzellenten Ruf genießt und häufig mit "Die toten Augen von London" in einem Atemzug genannt wird. Vereinzelt wurde hier vorsichtige Kritik geäußert, ohne dass es den Betreffenden möglich war, diese näher zu umschreiben.

Ein Kritikpunkt ist ja bereits häufiger aufgetaucht. Er betrifft die Auflösung, die doch sehr offensichtlich ausschließlich darauf aus ist, den Betrachter "ins Bochshorn zu jagen". Doch wie schon richtig gesagt wurde, gab es in der Folge häufiger Fälle, in denen Täter entlarvt wurden, die der Zuschauer beim Miträtseln von vornherein ausklammerte bzw. die mit dem eigentlichen Geschehen (vermeintlich) nichts zu tun haben.

Nicht sonderlich glücklich war es, für die Rolle der 18-jährigen Leila Smith die damals 27-jährige Brigitte Grothum auszuwählen. Ihr bemüht kindlich-naives Auftreten ist alles andere als überzeugend. Geradezu doppelmoralisch erscheint es zudem, wenn Inspektor Wade der Figur Heinz Engelmanns bei seinem Bestreben, Leila heiraten zu wollen, vorhält, dass Leila minderjährig sei und dann am Ende höchstselbst mit ihr "rumschlawinert".

Im Übrigen ist es vor allem die Frage, ob man eher der Schlösser- oder mehr der Kaschemmenromantiker ist. Ich würde mich als ersteren bezeichnen. Auch wenn das Hafenmilieu eine nette Abwechslung bietet, fühle ich mich persönlich auf alten Schlössern eher (bei Wallace) zu Hause.

Das ist freilich jammern auf allerhöchstem Niveau, denn der Film bietet eine Vielzahl an postiven Aspekten, welche die negativen nahezu aufwiegen. Joachim Fuchsberger kehrt nach seiner bisher größten Pause von zwei Filmen zurück und scheint in Sachen Engagement und Dynamik auf seinem Höhepunkt. Siegfried Schürenberg zeigt sich bei seinem zweiten Auftritt stark verbessert, daher wird er in der Mitte des Films auch sträflich vermisst. Klaus Kinski fügt seinem Kuriositätenkabinett an illustren Figuren mit der des Mr Gubanow eine weitere hinzu. Seine russischen Sprichwörter sind nicht nur noch viel amüsanter als die chinesischen vom Kollegen Christopher Lee alias Ling Chu, sondern auch deutlich erheiternder als das im ersten Drittel ständig von Seiten von Eddi Arent vorgetragene "Darauf wäre ich nie gekommen!". Wie er sich regelmäßig als "Gubanow, Gewürze Im- und Export" vorstellt, avanciert zum Running-Gag und bleibt in Kopf und Ohr hängen. Die Fieslinge, allen voran die Flickenschildt, aber auch Jan Hendriks oder Heinz Engelmann machen ihre Sache sehr gut, kommen aber nicht ganz an die Darbietungen ihrer Vorgänger in "Die Tür mit den sieben Schlössern" heran. Mit Rudolf Fenner und Hela Gruel hat man noch zwei bewährte "urige" Typen parat, die für das "uselige" Flair rund ums Mekka sorgen. Hans Paetsch macht aus seinem kurzen Auftritt als Rechtsanwalt ein Kabinettstückchen. Er wirkt ganz so, als habe er in seinem Leben keine andere Rolle gespielt. Bei Richard Münch muss man sagen, dass seine Rolle sicher nicht ganz einfach zu spielen war. Denn einerseits tritt er relativ oft auf, darf er aber dabei auch nicht sonderlich auffallen, um möglichst keinen Verdacht zu erregen. Dafür macht er seine Sache ganz ordentlich.

Ganz besonders gelungen sind die Action-Szenen und die Figur des Hais. Die Eröffnungssequenz ähnelt derjenigen von "Die toten Augen von London" insoweit, als auch hier ein Argloser langsam aber sicher in die Falle tappt. Das überlegene Phantom liegt auf der Lauer und macht den Zuschauer in den wenigen Sekunden bis zur Tatausführung zum "Mitwisser". Outfit und Mordwaffe sind wesentlich stimmmiger und bedrohlicher als etwa beim grünen Bogenschützen, weil sie eben nicht nur "Show" sind, sondern davon abgesehen ihren Zweck erfüllen. Die Verfolgung am Ende kommt sehr dynamisch herüber, was vor allem dem Einsatz einer Handkamera zu verdanken ist.

Das Titelthema von Martin Böttcher gehört sicherlich zu den besten. Auffällig ist, dass Böttcher Sounds wie etwa Stimmen einbaute, was später zum Markenzeichen von Kollege Thomas werden sollte. Der aufmerksame Zuschauer und -hörer registriert zudem, dass jene Soundeffekte aus dem Film entnommen wurden. So stammt der Hilfeschrei von der Frau, die den zweiten Toten im Juweliergeschäft findet und die Töne der Kuckucksuhr aus der Wohnung von Anne Fuller. Leider ist die musikalische Untermalung während des Films ein wenig spärlich ausgefallen.


"Das Gasthaus an der Themse" bietet formal alles, was man von einem Wallace-Film erwartet und zählt dennoch nicht zu den allerbesten Vertretern der Reihe. Trotzdem sehr gute 4,5 von 5 Punkten.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.846

04.09.2016 09:16
#78 RE: RE:Bewertet: "Das Gasthaus an der Themse" Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #77
Der aufmerksame Zuschauer und -hörer registriert zudem, dass jene Soundeffekte aus dem Film entnommen wurden. So stammt der Hilfeschrei von der Frau, die den zweiten Toten im Juweliergeschäft findet und die Töne der Kuckucksuhr aus der Wohnung von Anne Fuller.


Das ist mir noch nie aufgefallen. Sehr cool!

Ray Online



Beiträge: 774

05.09.2016 20:06
#79 RE: RE:Bewertet: "Das Gasthaus an der Themse" Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #78
Zitat von Ray im Beitrag #77
Der aufmerksame Zuschauer und -hörer registriert zudem, dass jene Soundeffekte aus dem Film entnommen wurden. So stammt der Hilfeschrei von der Frau, die den zweiten Toten im Juweliergeschäft findet und die Töne der Kuckucksuhr aus der Wohnung von Anne Fuller.


Das ist mir noch nie aufgefallen. Sehr cool!



Mir bisher auch nicht. Hatte mir aber zwischen meiner letzten und der vorgestrigen Sichtung die CD "Best of Edgar Wallace" zugelegt, sodass mir das Titelthema wesentlich präsenter war als sonst. Daran wird es wohl liegen.

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