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Dieses Thema hat 191 Antworten
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Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.490

11.04.2019 21:53
#181 RE: Bewertet: "Die Tür mit den 7 Schlössern" (1962, 10) Zitat · Antworten

Auch ich war von der "Tür" positiv überrascht - und muss mich doch sehr wundern, wenn ich auf meine Grand-Prix-Rangliste von 2014 gucke, wo der Film gerade mal Platz 28 belegt. Gut, das dürfte auch der verständlicherweise niedrigen Bepunktung in den Kategorien "Titelsequenz" und "Musik" geschuldet sein, aber ich war tatsächlich nie ein großer Fan des Films, obwohl ich mich doch bei Vohrer eigentlich immer gut aufgehoben fühle. Aber nun muss ich konstatieren: atmosphärisch und darstellerisch ist der Film erstklassig. Es stimmt schon - die "Tür" ist ein "Richtungsfilm" - erstmals verbreitet ein Wallace-Film diese wunderbare (West-)Berliner Wohlfühl-Atmosphäre (insbesondere natürlich durch den erstmaligen Einsatz der Pfaueninsel geprägt), die für Vohrers Wallace-Schaffen so essentiell werden sollte. Und dann diese Darsteller-Riege... Eine typische Vohrer-Besetzng - mit Drache, Uhlen, Hendriks, Schürenberg, Berber, Kinski und Braun. Es ist kein Zufall, dass die für die Reihe so wichtigen Schauspieler Drache und Schürenberg hier erstmals bei der Rialto eingesetzt wurden. Drache spielt so selbstsicher und arrogant, dass es eine wahre Freude ist; trotzdem erscheint er alles andere als unsympathisch. Das Zusammenspiel mit dem in einer Assistenten-Rolle einmal mehr überzeugenden Eddi Arent gehört zu den großen Stärken der Produktion. Werner Peters habe ich noch nicht erwähnt - er spielt hier seine wohl beste Wallace-Rolle - bedauerlich und merkwürdig, dass Vohrer ihn erst wieder in "Perrak" besetzte. Aber vielleicht hatte Peters bei all den Gottlieb-Filmen (allein sieben zwischen 1963 und 1965) auch einfach keine Zeit.

Leider baut die überzeugend entwickelte Geschichte spätestens mit dem Tod der Codys etwas ab - die Entlarvung des Haupttäters ist dann auch keine wirkliche Überraschung mehr. Der Film trudelt so ein bisschen aus; es fehlt ein richtiger Knalleffekt. Die zurückgenommene Musik von Peter Thomas ist gar nicht schlecht, bleibt aber von all seinen Wallace-Soundtracks am wenigsten im Gedächtnis. Es fehlt ein einprägsames Hauptthema, und dieses fehlt, weil ein richtiger Vorspann fehlt. Der Count hat diesen Umstand mit dem Begriff "Antiklimax" schon überaus treffend beschrieben. Ein einmaliger Fauxpas innerhalb der Reihe, der sich zum Glück nicht wiederholen sollte, und der einem den Einstieg in den Film gehörig vermiest. Warum man so vorging (und darüber hinaus die Eröffnungssequenz entfernte) bleibt unklar. Sollte die Szene tatsächlich noch auftauchen (die Blu-ray-Veröffentlichung steht schließlich noch aus), würde jeder Wallace-Fan wohl freiwillig in die Havel hüpfen. Allein, mir fehlt der Glaube...

Andreas Offline




Beiträge: 435

28.06.2019 21:19
#182 RE: Bewertet: "Die Tür mit den 7 Schlössern" (1962, 10) Zitat · Antworten

Im Vergleich zum voran gegangenen Teil macht die TÜR wieder richtig Spaß. Unterhaltung, Spannung und Spaß müssen Maßstab für die Bewertung sein und nicht Logik oder ähnliches. Die Tür hat eigentlich alles, was ein Wallace braucht: Toller Cast, abstruse Geschichte, Gruselelemente und Witz. Und ein verrückter Schere. Leider ist die Musik verunglückt. Für den charmanten Streifen, der auch bei jüngster Sichtung nicht langweilt, gibt es starke 4/5 Punkte.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.402

10.08.2019 20:56
#183 RE: Bewertet: "Die Tür mit den 7 Schlössern" (1962, 10) Zitat · Antworten

Der schurkische Nachschuss: Mustergültiger Wallace-Grusler mit einigen beeindruckenden Darstellerleistungen. Das entschädigt mehr als genug für die nicht vorhandene Titelmusik und den wenig überraschenden Inhalt der Gruft. 5 von 5 Punkten.

Savini Offline



Beiträge: 251

05.05.2021 14:50
#184 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #155
Frau Uhlen sagt "Böckingham" wie manche damals auch "Lönsch" gesagt haben (Loriot z.B. im Flugzeugsketch) - oder man auch bis heute "Pömps" sagt. Weiß jemand, warum diese Aussprache entstand?


Vielleicht wurde sie in älteren Wörterbüchern so angegeben? Jedenfalls kommt es bei deutschen Filmen oder Synchronfassungen aus dieser Zeit öfter vor, dass das "u" innerhalb eines Wortes wie ein "ö" gesprochen wird, obwohl ein kurzes "a" korrekt wäre. "Böckingham" findet sich auch in der deutschen Fassung einer "Musketier"-Vaerfilmung mit Gene Kelly und Vincent Price, "Morreh" (für "Murray") u. a. in "Sherlock Holmes´ größter Fall", "Ein seltsames Paar" oder "Dracula jagt Mini-Mädchen", "Starbuck" wurde in der "Moby Dick"-Verfilmung von 1956 teilweise "Starböck" ausgesprochen.
Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #155
Die Codys führen ja keine Organisation sondern sind quasi auf sich gestellt. Cody muss ja sogar die schmutzige Arbeit im Flugzeug und als Taxifahrer machen. Wie kommen sie denn so schnell zu einem - noch dazu präparierten - Taxi?

Ähnliche Autos kommen auch im "Mönch mit der Peitsche" und im "Verrätertor" zum Einsatz, bei Letzterem gibt es zusätzlich noch eine Vorrichtung, um Betäubungsgas hineinzuleiten. Vielleicht gab es im England der Wallace-Filme einen Wagenhändler, der auf solche Fahrzeuge spezialisiert war?

Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #155
Ist es nicht absurd, dass Cody bei der geringsten Geräuschentwicklung einfach mal durch die Tür ballert - obwohl er doch weiß, dass seine Frau auch in dem Haus lebt und er sie vielleicht dabei treffen könnte? Ziemlich alberne Szene.

Nicht unbedingt. Cody ist den ganzen Film über das reinste Nervenbündel. Und wenn ich wüsste, dass jeden Augenblick der praktisch unbesiegbare Ady Berber vorbeikommt und es auf mich abgesehen hat, würde ich auch nach der Devise "erst schießen, dann fragen" verfahren.
Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #155
Warum hat man den Schatz einfach in der Gruft gelassen, nachdem man dort den Leichnam des jungen Lords versteckt hatte? Da alle sieben Besitzer ja offenbar zu der damaligen Öffnung der Tür anwesend waren, hätte man ja damals auch gleich alles teilen können. Stattdessen hat man die Tür wieder geschlossen, sich in alle Winde zerstreut und davon gelebt, was Haveloc scheinbar "dem Lord" an Geld telegrafiert hat?

Die Sache mit dem Familienschatz wirkt tatsächlich, als habe man sie in letzter Minute eingefügt, weil die Leiche im Sarg allein nicht ausreichend erschien. Die einzige Erklärung, die mir einfiele, wäre die, dass man den Toten schnell hineinbrachte, die Truhe nicht bemerkte und die Verschwörer (oder zumindest einige von ihnen) erst im Nachhinein davon erfuhren, man einander aber zu wenig traute, um die Schlüssel freiwillig herzugeben.

Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #155
Staletti hat täglich als einziger der sieben Leute Zugriff auf die Tür - und in all der Zeit hat er es nicht geschafft, das Ding in die Luft zu sprengen oder sonst irgendwie zu öffnen?

Eine Sprengung wäre in dem engen Gang wahrscheinlich zu riskant gewesen; da hätte dem Doktor zu leicht die Decke auf den Kopf fallen können. Und für andere Möglichkeiten hat er dann ja mit Lew Pheeny einen Profi engagiert, mit dem bekannten Ergebnis.

Savini Offline



Beiträge: 251

05.05.2021 15:23
#185 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #161
Warum vergiftet der Hausmeister den Priester am Anfang nicht gleich endgültig ? Wollte Dr. Staletti aus purem Sadismus selber noch die Spritze ansetzen ?

Wäre der Priester sofort tot gewesen, hätte das eventuell schon jemand festgestellt, bevor Dr. Staletti sich ihm hätte nähern können. Dann hätte er keine Chance gehabt, an ihn heranzukommen und seine Taschen zu durchsuchen.

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #161
Eigentlich sollte es doch genug Zeugen geben, die wissen müssten, wer im Flugzeug neben dem Ermordeten gesessen hatte. Gab es da keine Sitzzuordnung der Karten ? Offenbar nicht, denn wie hätte Cody direkt seinen Platz neben dem von Silva organisieren können ? Na, wie auch immer, jemanden im Flugzeug umzubringen ist ja wirklich riskant.

Nummerierte Plätze müsste es eigentlich schon damals gegeben haben. Was den Mord im Flugzeug angeht: Bei Agatha Christie gab es einen solchen zwar auch ("Tod in den Wolken"), aber dort hat der Täter es so arrangiert, dass Zeugen nicht zu befürchten waren (wer den Roman kennst, wird die Sache verstehen). Selbst wenn niemand in der Nähe saß und Cody Silva den Mund zugehalten haben sollte, wäre es schon sehr riskant, jemanden zu erstechen; sei es wegen der Blutflecken auf der eigenen Kleidung oder weil zufällig eine Stewardess oder ein Flugzeug auf dem Weg zur/von der Toilette hätte vorbeikommen können. Und wieso hat nicht schon beim Aussteigen nach der Landung jemand bemerkt, dass dort ein Mann mit einem Messer in der Brust sitzt?
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #161
Ebenso unverständlich ist die Überleitung zur nächsten Szene, wo Sybil offenbar halbbetäubt in der Dachkammer sitzt. "Sie hat nur das halbe Glas ausgetrunken", raunen sich die Codies zu (oder so ähnlich). was ist da eigentlich zwischendurch passiert ? Gab es da vielleicht mal eine andere Passage im Drehbuch, wo Sybil in das Haus der Codies gelockt wurde, also freiwillig dorthin ging, und dann dort betäubt wurde ? So war es jedenfalls im Originalroman. Vielleicht hat man die Taxi-Entführung erst im Nachhinein eingefügt.

Den ersten Drehbuchentwurf schrieb Hand Wiedmann, danach wurde dieser von Harald G. Petersson überarbeitet. Vielleicht stammt der zitierte Dialog noch aus der früheren Fassung? Gerade Wiedmann hielt sich ja relativ eng an die Romane und übernahm aus diesen (stärker als andere Autoren) ganze Dialogpassagen, weshalb es mich nicht wundern würde. Dazu könnte wohl nur Joachim Kramp etwas sagen, der die Drehbuchversionen ja gelesen hat!
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #161
Die ganze Geschichte mit Dr. Staletti und seinen Pawlowschen Hunde-Versuchen am Menschen passt genaugenommen gar nicht recht zum Rest. Warum macht er das ausgerechnet gerade dann, wo es eigentlich mit anderen Dingen schon genug zu tun gibt ? Es wirkt so, als ob er das Experiment an Cawler geplant hätte, doch dessen Entführung durch Giacco hat sich doch eher zufällig ergeben.

Beim ersten Sehen fühlte ich mich bei den Szenen im Labor plötzlich "im falschen Film". Ob auch diese erst von Petersson eingefügt wurden?
Was das mit den "anderen Dingen" angeht: Die Codys sind tot, und von der anrückenden Polizei konnte er nichts wissen. Da dachte er wohl, alle Zeit der Welt zu haben. Selbst wenn das Experiment nicht geplant war, so brachte ihm sein Faktotum einen gesunden, kräftigen jungen Mann, und er hatte zusätzliche eine intelligente junge Frau als Zeugin seiner Brillanz. Die Gelegenheit lässt sich doch kein mad scientist entgehen.

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #161
Ich frage mich auch immer wieder, wo plötzlich die uniformierten Polizisten herkommen, nachdem der verbrecherische Haveloc durch den Feuerlöscher außer Gefecht gesetzt wure. Hätten die nicht eher eingreifen können ?

Entweder sind diese durch den Ganz von Selford Manor her gekommen, oder aus der anderen Richtung (durch die Gruft). Dass sie nicht früher eingegriffen haben, lag wohl daran, dass uniformierte Polizisten in England traditionell keine Schusswaffen tragen.


Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #161
Und die vermoderte Leiche im Sarkophag...

Wenn ich diese sehe, werde ich übrigens den Verdacht nicht los, dass es sich hierbei um einen geschminkten Ady Berber handeln könnte.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #161
Doch, wie wäre es weitergegangen. Hätte man einen jungen Lord Selford aus dem Hut gezaubert und sich dann das Erbe untereinander aufgeteilt ? Die Codies wollten ja über Sybil Lansdowns Erbansprüche an das Geld kommen. Offenbar gab es da keine gemeinsame Strategie. Im Prinzip wurde die ganze Sache nicht zu Ende gedacht.

Vielleicht sollte ein Unfall inszeniert werden, bei dem Tom Cawler entweder tatsächlich ums Leben kam (ein Mitwisser weniger) oder zumindest scheinbar getötet wurde, so dass die Codys auf diese Weise an den Besitz gekommen wären.

Was die (später noch genauer diskutierte) Sache mit Martins Wagen angeht: Die geölte Straße und das Umleitungsschild waren aus meiner Sicht weniger das Problem; viel eher schon die Frage, wie Staletti und/oder seine beiden Helfer (Giacco und der Hausmeister) das so schnell arrangiert haben sollen, wenn Selford Manor nur eine Meile entfernt ist und die Codys nach Martins Abgang erstmal noch andere Sachen besprechen.

Savini Offline



Beiträge: 251

05.05.2021 15:26
#186 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #174
Zitat von Ray im Beitrag #173
Gefühlt erstmalig aufgefallen ist mir der Hinweis auf Codys Täterschaft an den ersten Morden: am Flughafen wird auf einen Mann mit auffälligen Schuhen geblendet und beim Besuch von Inspektor Martins bei den Codys der "Hausherr" als der Inhaber dieses Schuhwerks durch auffälliges Einblenden identifiziert.


Wobei das schon Mittelteil und Schluss dieser "Hinweis"-Folge ist. Der Beginn liegt im entfernten Anfangsmord, wo vom Täter sicher nur eben dieses Schuhwerk zu sehen war. Erst damit - also der direkten Verknüpfung mit einem Mord (auf dem Flugplatz heißt das ja nur, Cody war im Flugzeug und das ermittelt die Polizei ohnehin ganz einfach) - ergeben die späteren Zooms eigentlich erst wirklich Sinn.

Dazu kommt noch eine Sache: Unmittelbar bevor Cawler Martin zu den Codys führt, hebt er einen Hut auf und bezeichnet diesen als "das gute Stück vom Chef". Das konnte ich vor dem Erscheinen von Joachim Kramps Buch nicht einordnen; dort heißt es (unter Berufung auf das Drehbuch), dass das Gesicht von Codys Mörder durch einen Hut verdeckt sei. Das erklärt natürlich die ansonsten unnötige Einlage.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.402

05.05.2021 18:29
#187 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #186
dass das Gesicht von Codys Mörder durch einen Hut verdeckt sei.


Cody wurde von Giacco getötet und der hatte ganz bestimmt keinen Hut auf.

Savini Offline



Beiträge: 251

05.05.2021 20:02
#188 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Ich meine natürlich Livingstons Mörder.

Savini Offline



Beiträge: 251

15.06.2021 19:45
#189 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #184
Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #155
Die Codys führen ja keine Organisation sondern sind quasi auf sich gestellt. Cody muss ja sogar die schmutzige Arbeit im Flugzeug und als Taxifahrer machen. Wie kommen sie denn so schnell zu einem - noch dazu präparierten - Taxi?

Ähnliche Autos kommen auch im "Mönch mit der Peitsche" und im "Verrätertor" zum Einsatz, bei Letzterem gibt es zusätzlich noch eine Vorrichtung, um Betäubungsgas hineinzuleiten. Vielleicht gab es im England der Wallace-Filme einen Wagenhändler, der auf solche Fahrzeuge spezialisiert war?

Ein weiterer Kunde dieses Autohändlers scheint übrigens auch Blackstone-Edward zu sein, der einen solchen Wagen in "Zimmer 13" einsetzt, um Denise Marney zu entführen.

Savini Offline



Beiträge: 251

21.07.2021 13:00
#190 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Ich wollte etwas zum Drehbuch schreiben: Sowohl Ronald M. Hahn und Volker Jansen (im "Lexikon des Horror-Films") als auch Meinolf Zurhorst (im "Lexikon des Kriminalfilms") monieren eine zu hohe Anzahl an Zufällen.
Wer das schreibt, kennt offensichtlich nicht die Romanvorlage! Denn wer den Roman mehr als einmal liest, stellt fest, dass Edgar Wallace es hier gerade im ersten Drittel maßlos übertreibt:
Es beginnt schon damit, dass Dick Martin Lew Pheeney vorübergehend festnimmt, weil er (zu Unrecht) verdächtigt wird, einen bestimmten Einbruch begangen hat; dabei erwähnt er bereits seinen Auftrag, von dem er später (als er von sich aus zu Martin kommt) ausführlicher erzählt.
Danach verärgert der Inspektor mit einer respektlosen Bemerkung seinen Vorgesetzten Sneed, der ihn daraufhin zur Strafe in eine Bibliothek schickt, in der ein Buch verschwunden ist (was für eine Bagatelle!). Zufällig hat dort gerade Sybil Lansdown Dienst und zufällig wurde das Buch tatsächlich von Dr. Staletti entwendet, bei dem Martin zufällig dann auch prompt seinen "alten Bekannten" Tom Cawler antrifft. Nachdem der (nunmehr ehemalige) Inspektor Lord Selford erfolglos um die halbe Welt verfolgt hat (wobei er zufällig in dessen Hotelzimmer ein Löschblatt mit dem Namen Cody fand) macht sein Schiff bei der Rückfahrt halt auf Madeira, wo er zufällig auf einer anderen Barkasse Sybil wiedersieht (von der er bisher nicht einmal den Namen kannte).
Sicher ist Kommissar Zufall bei Edgar Wallace öfter im Einsatz (Beispiele müssen den Kennern seiner Romane nicht genannt werden), aber dass ist mir dann doch zu viel des Guten.
Da empfand ich es als Verbesserung, dass sich das Drehbuch bemüht, die Anzahl der Zufälle zu reduzieren bzw. etwas glaubwürdiger zu machen.
So hat Pheeney etwa durch das Wappen und den Blick auf den Tachometer noch Hinweise gegeben, die auf Selford Manor hindeuten, wodurch die erste Begegnung mit Dr. Staletti direkt mit dem Fall zu tun hat. Und dass Martin später beim zweiten Besuch von Havelocks Büro (als er sich nach einem Bild erkundigte) auf Sybil trifft, die wegen Silvas Brief dort erscheint, ist deutlich realistischer (der Anwalt der Familie ist für beide als Ansprechpartner naheliegend) als die Begegnung am anderen Ende der Welt. Auch den Besuch bei den Codys wegen des Namens in der Passagierliste finde ich gelungener als die Sache mit dem Löschblatt (Cawler musste doch wissen, dass Martin seine Spur verfolgte). Ebenso war es eine Verbesserung, dass nach dem Anschlag auf Martin im Park Cody Staletti nicht mehr allein, sondern in Begleitung seiner Frau besuchte; das belauschte Gespräch der beiden ist eine ganz gute Erklärung für die Entscheidung des Doktors, sie saus dem Weg zu räumen. Den Dialog zwischen Cawler und seiner Tante, in der er sie zur Rede stellt, kommt so im Buch nicht vor, bringt das Verhältnis beider zueinander aber ganz gut auf den Punkt; im Roman gibt es zwei Szenen (eine Auseinandersetzung mit Bertram Cody, nachdem Sybil betäubt wurde, und die Flucht durch den Park), in der er ähnliche Dinge sagt; aber an beiden Stellen hätte es im Film das Erzähltempo gehemmt, weshalb diese Platzierung ein guter Einfall war.
Das hinter der Tür verborgene Geständnis ist zwar für ein Buch eine ganz gute Enthüllung, hätte im Film aber zu trocken gewirkt; außerdem sind eine Leiche und ein Schatz viel effektvoller. Beim ersten Lesen war ich enttäuscht bis verärgert, dass in der Gruft nichts weiter als ein Schulheft verborgen war.
Interessant wäre natürlich, ob das Reduzieren der Zufälle im Anfangsteil auf Wiedmann zurückging. Vorstellen könnte ich es mir, da er beim "Fälscher" ja auch einen dramaturgisch nicht sehr gelungenen Romananfang geschickt anpasste, ohne sich zu sehr von der Vorlage zu entfernen.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 536

23.07.2021 14:48
#191 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Dazu fällt mir noch ein, dass die Version mit der Weltreise am Anfang ja irgendwie irgendwem zu teuer war, hab ich jedenfalls mal irgendwo gelesen. Obwohl ich das nie so recht verstanden habe, man hätte ja, wie in der guten alten Film-Zeit üblich, die Reise von Dick Martin sowie dem angeblichen Selford mittels einer Karte und einem animierten Pfeil darstellen können. Zwischenstationen als Bilder einblenden sowie vielleicht eine entscheidende Zwischenstation irgendwo in Spanien drehen können und dann behaupten, es wäre irgendwo auf den Antillen oder sonst wo. Hauptsache Meer, Sonne und ein paar Sukkulenten. Auch ein paar südländisch aussehende Chargen hätte man doch analog zu ähnlichen Filmen organisieren können. So ist alles im nebligen (Pseudo-)England geblieben, aber eigentlich macht ja gerade das den Reiz aus, obwohl ich die andere Sache auch gut gefunden hätte.
Das brennende Schloss am Ende ist natürlich zu aufwändig gewesen. Deswegen wurde die Handlung ja wohl auch komplett umgeschrieben und der Frankenstein-Faktor erhöht.
Weiter finde ich die Dramatisierung gelungen, dass Cody seine geliebte Emily versehentlich erschießt, obwohl sie ja im Roman an Herzschlag stirbt.
Kriminalistisch gab es noch zwei Ergänzungen. Einmal der Kreis, den der «Holmes im Westentaschenformat» auf die große Landkarte gezeichnet hat und damit auch für den Zuschauer nachvollziehbar Selford Manor gefunden hat. Zum anderen der fingierte Mordanschlag auf Havelock mit den Auspuffgasen, der zwar eigentlich unglaubwürdig ist, andererseits aber eine Erklärung liefert, warum sich der Urheber verdächtig macht.
Und verständlicherweise sind der Schatz hinter der ominösen Tür einschließlich des Gerippes des unglücksamen Lords sehr überlegt ausgeführte Änderungen, die eigentlich Wallace selber so hätte schreiben können, das Geständnis aller Beteiligten hätte er ja als Draufgabe beilegen können. Obwohl dann natürlich die Logikfrage berechtigt ist, was der Schatz für die Verbrecher einen Sinn bringt, wenn er unaufgeteilt in der Gruft dahindämmert.

Savini Offline



Beiträge: 251

23.07.2021 18:31
#192 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Was die Weltreise angeht, so stelle ich es mir schwer vor, diese wirklich sinnvoll unterzubringen: Einmal, weil sie viel ZU exotisch für eine Serie gewesen wäre, die sich in erster Linie auf ein Phantasie-England konzentrierte (anscheinend dasselbe, in dem auch die Serie "Mit Schirm, Charme & Melone" spielt, speziell in der Farb-Phase von letzterer).
Aber auch, weil Martin dazu (wie im Roman) schon zu Beginn aus dem Polizeidienst hätte ausscheiden und auf eigene Faust ermitteln müssen. Denn als aktiver Inspektor in einem Mordfall, mit dem der junge Lord zu tun haben könnte, hätte er zur Not auch die örtliche Polizei bitten können, eine Begegnung zu arrangieren, statt ihn persönlich in mehrere Länder zu verfolgen.
Dass das brennende Schloss durch die Szenen in Stalettis Labor kompensiert wurden, könnte durchaus sein; gerade diese passen stilistisch nicht so ganz zu den ersten zwei Dritteln des Films. Ob sie daher eher auf Peterson zurückgehen? Übrigens kam mir der Gedanke, ob vielleicht "Die Rache des Würgers" von Ed Wood hier Pate stand. Denn anders als andere von Woods "Filmen" lief dieser definitiv damals auch in den bundesdeutschen Kinos.

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #191
Und verständlicherweise sind der Schatz hinter der ominösen Tür einschließlich des Gerippes des unglücksamen Lords sehr überlegt ausgeführte Änderungen, die eigentlich Wallace selber so hätte schreiben können, das Geständnis aller Beteiligten hätte er ja als Draufgabe beilegen können.

Interessanterweise heißt es im Roman ja zu Beginn des Geständnisses, dass der alte Lord vorgehabt habe, sich zusammen mit seinem Vermögen hinter der Tür beisetzten zu lassen, an der er bereits neue Schlössern anbringen ließ; die Schlüssel sollten seinem Sohn erst zu dessen 25. Geburtstag ausgehändigt werden, damit dieser beim Erhalt des Erbes noch nicht zu jung und unreif wäre.

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