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Dieses Thema hat 182 Antworten
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Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

19.01.2019 14:50
#151 Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten



Edgar Wallace: Die Tür mit den 7 Schlössern (La porte aux sept serrures)

Für manche Leute ist die 7 eine wahre Glückszahl; für die Bekannten von Lord Selford hingegen stellt sie einen bösen Fluch und eine große Gefahr dar. Denn in Anbetracht der üblichen Krimi-Habgier kann nur einer der sieben Verschwörer das Rennen um den Zugang zur Selford-Gruft mit ihren gefürchteten Geheimnissen und heißersehnten Schätzen machen.

Nach seiner längsten Wallace-Pause überhaupt kehrte Krimispezialist Alfred Vohrer zur Rialto-Serie zurück und bereicherte sie um ein atmosphärisches, in den Augen einiger Kritiker etwas trashiges Schauerstück. Tatsächlich geriet die „Tür“ ganz anders als seine hochgelobten „toten Augen“ – doch was sagt die Wallace-Community zu Schlüsselmorden, Erbstreitigkeiten und medizinischen Allmachtsfantasien?

Links:

Platzierung im Edgar-Wallace-Filmgrandprix 2014: Platz 21 von 36 (70,12 %)

Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

19.01.2019 21:00
#152 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten



Edgar Wallace: Die Tür mit den 7 Schlössern (La porte aux sept serrures)

Kriminalfilm, BRD / FR 1962. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Harald G. Petersson, Johannes Kai, Gerhard F. Hummel (Romanvorlage „The Door with Seven Locks“, 1926: Edgar Wallace). Mit: Heinz Drache (Inspektor Richard Martin), Sabina Sesselmann (Sybil Lansdown), Hans Nielsen (Warren D. Haveloc), Gisela Uhlen (Emely Cody), Werner Peters (Bertram Cody), Pinkas Braun (Dr. Antonio Staletti), Jan Hendriks (Tom Cawler), Eddi Arent (Kriminalassistent Holmes), Klaus Kinski (Lew Pheeny), Siegfried Schürenberg (Sir John), Ady Berber (Giacco), Friedrich Joloff (Hausmeister Burt), Horst Breitkreuz (Sergeant am Bahnhof), Eva Ebner (Ansagerin am Flughafen), Arthur Schilsky (Peter Livingston) u.a. Uraufführung (BRD): 19. Juni 1962. Uraufführung (FR): 6. Februar 1963. Eine Produktion der Rialto-Film Preben Philipsen Hamburg und der Les Films Jacques Leitienne Paris im Constantin-Filmverleih München.

Zitat von Die Tür mit den 7 Schlössern
Die Verbindung zwischen zwei Morden, welche an völlig unterschiedlichen Orten in London begangen werden, erkennt Scotland Yard nur dadurch, dass die beiden Opfer beinah identische Schlüssel bei sich trugen. Diese passen zu der mit insgesamt sieben Schlössern verriegelten Familiengruft der Selfords, um welche sich tödliche Machenschaften ranken. Auch Lew Pheeny, ein Einbruchsspezialist, der sein Können an der Tür zur Gruft erfolglos versuchte, wird getötet; auf den ermittelnden Inspektor Martin und seinen Assistenten Holmes werden mehrere Mordanschläge verübt. Welcher der Schlüsselbesitzer steckt hinter den Verbrechen und hofft, am Ende der Mordserie als einziger Überlebender den Selford’schen Familienschatz zu bergen?


„Wer es wagt, mich daran zu hindern, mein Werk zu vollenden, stirbt.“

Oft werden die Edgar-Wallace-Filme als „Märchenkrimis“ verlacht, deren überzogene und übermäßig vereinfachte Handlungsstränge Kritiker nicht recht ernstzunehmen in der Lage waren und sind. Während man gerade in den frühen Jahren der Rialto-Reihe durchaus vielfältige Gegenbeispiele harter oder innovativer Thriller findet, saßen die Macher im Laufe der Jahre zunehmend den selbstverbreiteten Klischees auf. „Die Tür mit den 7 Schlössern“ begründet in gewisser Weise jenen Abschnitt der Reihe, in dem besonders großzügig auf vorgefertigte Schablonen für typische Krimi- und Gruselmomente zurückgegriffen wird. So steht zum Beispiel eine Erbschaftsgeschichte im Mittelpunkt des Geschehens; angereichert wird sie durch den Macguffin der verstreuten Schlüssel, die ausgerechnet eine Gruft öffnen können, durch ein Ungeheuer mit übermenschlichen Kräften, einen größenwahnsinnigen Medizinscharlatan und unheimliche Szenen auf verschiedenen Schlössern bzw. Landsitzen sowie in deren Kellern oder Dachböden. Alfred Vohrers zweite Wallace-Arbeit wird aufgrund dieser nicht unbedingt revolutionären Melange üblicherweise deutlich unterhalb der vergleichsweise unverbrauchten „toten Augen“ einsortiert; ein den traditionellen Zutaten zugeneigter Zuschauer muss aber dennoch feststellen, dass die Mischung so effektiv zündet wie ein gutes Feuerwerk.

Dankenswerterweise basiert „Die Tür mit den 7 Schlössern“ auf einem außerordentlich starken Roman des King of Crime und transferiert dessen morbide Spannung recht buchnah auf die Kinoleinwand. Vohrer erweist sich hier noch als geschmackvoller Geisterbahnchef, der Schreckensmomente gut abstimmt und gleichzeitig zielstrebig durch die relativ komplexe Krimihandlung um den flüchtigen Lord Selford und sein Familiengeheimnis führt. Allein der Einstieg erscheint aufgrund der unverständlichen Entscheidung, die gedrehte Prätitelsequenz vor Kinostart zu entfernen und gleichzeitig auf eine einprägsame Titelmusik zu verzichten, ein wenig unrund. Sobald aber der zweite Schlüsselbesitzer auf waghalsige Weise von den Galgenvögeln Friedrich Joloff und Pinkas Braun ins Jenseits befördert wird, gleich beide besagte Schlüssel und die Zeichnung eines Wappens auftauchen und Lew Pheeny in Gestalt Klaus Kinskis seine Geschichte vom unaufbrechbaren Gruftschloss vorträgt, schraubt sich der Rätselfaktor in angenehme Höhen. Dort verbleibt er auch für den Rest des Films, denn selten hatte ein Wallace-Krimi eine derart illustre Schurkenrunde zu bieten: Neben Joloff brillieren ein verunsicherter Werner Peters und eine hartherzige Gisela Uhlen in ihren jeweils ersten Verpflichtungen der Reihe, wohingegen Pinkas Braun seine eher geradlinige Darstellung aus der „Orchidee“ in diesem Streifen massiv erweitern und zu einem regelrechten Frankenstein-Verschnitt ausbauen darf. Als Herrscher über Leben und Tod verleiht sein Dr. Staletti der „Tür mit den 7 Schlössern“ eine gewisse chillige Horrornote, die auch ein willkommenes Wiedersehen mit Ady Berber – Stalettis monströser Kreatur und damit einem ähnlich beängstigenden Part wie dem des „blinden Jack“ – ermöglicht.

Ähnlich wie die verwickelten Mysterien der Selfords und die Intrigen, welche die Codys und Staletti spinnen, wird auch die tragische Geschichte hinter dem operierten Giacco erst nach und nach enthüllt. Um der Wahrheit zum Sieg zu verhelfen, stellen sich mit Heinz Drache und Jan Hendriks zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten in den Dienst der Verbrechensaufklärung. Draches Inspektor Martin manifestiert umgehend den Ruf des neuen Blacky-Ersatzdarstellers als cooler, flapsiger und manchmal etwas ruppiger Zeitgenosse, der im Vergleich zum etablierten Serienhelden deutlich weniger Schwiegermutterqualitäten besitzt, wohingegen Hendriks als Tom Cawler nominell zwischen Gesetz und Verbrechen steht, aber aufgrund seines guten Charakters schließlich die helfende Hand ausstreckt, wo sie benötigt wird. Sabina Sesselmann erweist sich an der Seite beider Darsteller als starke Besetzung, denn sie kann ihre Leistung aus „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ ebenfalls vertiefen und damit auch ihre Sympathiewerte steigern. Dass sie danach nicht mehr in einem Edgar-Wallace-Film zu sehen war, erscheint ebenso verwunderlich wie die Tatsache, dass man Hans Nielsens zurückhaltend allwissende Darstellung des Anwalts Haveloc nicht zum Anlass nahm, ihm mehr und bessere Rollen in den Nachfolgeproduktionen anzubieten.

Obwohl es sich bei „Die Tür mit den 7 Schlössern“ um jenen Film handelt, in dem Siegfried Schürenberg zum ersten Mal seine Leib- und Magenrolle als Polizeichef Sir John ausfüllte, erscheint der Humor, für den hauptsächlich er und Arent verantwortlich sind, keineswegs überzeichnet. Noch agiert Sir John ähnlich seriös wie Schürenbergs Major Staines in „Der Rächer“ und auch Arents Humorration wurde im Vergleich mit „Das Rätsel der roten Orchidee“ wieder zurückgefahren und in trockenere Bahnen gelenkt (unvergessen sein „Schade, ich hatte ihn gerade erst vollgetankt“, als der mit Martin gemeinsam befahrene Wagen aufgrund einer heimtückischen Falle im Themsewasser der Havel untergeht). Apropos Havel: Für die Entdeckung, die Berliner Pfaueninsel zum Wallace-Drehort zu machen, gebühren Alfred Vohrer und Horst Wendlandt noch bei heutigen Sichtungen stehende Ovationen. Gerade vor dem Hintergrund der gediegenen Märchenhaftigkeit dieses Filmexemplars bieten Lennés englische Gartenlandschaften und die für Friedrich Wilhelm II. im Ruinenstil erbauten Landmarken wie Schloss, Kavaliershaus und Jacobsbrunnen eine optimale Ausbeute, die noch weiter durch gekonnte Ergänzungen wie das Gruft-Studioset sowie gekonnte Karl-Löb-Aufnahmen bei Nacht oder im fahlen Tageslicht der Drehmonate Februar – März veredelt werden.

Die „Tür“ lässt wenige Stereotype eines Edgar-Wallace-Krimis aus, bedient diese aber noch auf hochwertigem und nicht lediglich selbstreferenziellem Niveau. Gemeinsam mit einer löwenstarken Besetzung und einem reizvollen Plot kommt es deshalb zu einem abgerundeten Filmvergnügen, bei dem man stellenweise meint, die pure Essenz der Reihe vor sich zu haben. Minimale Abzüge für Musik, Anfangssequenz und das Fehlen einer Haupttäteralternative stören das Sichtungsvergnügen nur in unwesentlichem Umfang.

patrick Offline




Beiträge: 3.194

20.01.2019 10:34
#153 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Die Tür mit den sieben Schlössern (1962)



Regie: Alfred Vorher

Drehzeit: 26.02.1962 - 30.03.1962 (BRD/Frankreich)

Mit: Heinz Drache, Sabina Sesselmann, Eddi Arent, Hans Nielsen, Gisela Uhlen, Pinkas Braun, Werner Peters, Klaus Kinski, Jan Hendriks, Siegfried Schürenberg, Friedrich Joloff, Ady Berber


Handlung:

Eine Reihe ermordeter Personen hat als gemeinsames Merkmal einen gleich aussehenden Schlüssel bei sich. Es scheint bei den Verbrechen um das geerbte Vermögen des kurz vor seiner Volljährigkeit stehenden Lord Selford zu gehen. Dieses sollte hinter einer Tür mit sieben Schlössern verwahrt sein und dient als Magnet für habgierige Kriminelle. Inspektor Martin wird mit dem heiklen Fall betraut und erkennt, dass nun auch die hübsche Sybil Lansdown in Gefahr ist, da ihr im Falle des Ablebens des jungen Lord als seine Cousine dessen Vermögen zufallen würde. Aber wo befindet sich der Lord selbst, welcher es sich als Weltenbummler recht gut gehen zu lassen scheint, während sich langsam die Leichen stapeln...

Anmerkungen:


Nun beginnt jene Phase, in der Alfred Vorher sich die Wallace-Reihe regelrecht krallt und als Regisseur klar in den Vordergrund rückt. Man erkennt bereits seine Vorliebe für Schlangen und andere gewöhnungsbedürftige Tierchen. Etwas befremdend ist, dass dem Vorspann die Musik abhanden gekommen zu sein scheint. Die klassischen Schüsse werden erstmals präsentiert, allerdings noch nicht in der später gewohnten Form. Eine recht gefällige Melodie garniert dafür jene Szene, in der Inspektor Martin den toten Pheeny in seiner Wohnung vorfindet. Diese ertönt aus einem Erotikclub, der sich direkt gegenüber von Martins Wohnung befindet, sodass der Genuss einer eigenen kostenfreien Peep-Show im Mietpreis inbegriffen zu sein scheint. Freilich hat der vielbeschäftigte Inspektor keine Zeit für derlei Ablenkungen, gibt er sich doch nicht einmal einer Romanze hin - Ein Verzicht der bei Blacky nun wirklich nie ein Thema war.

Die erste Hälfte des Films verläuft nicht sonderlich spektakulär sondern nimmt sich recht viel Zeit für die Klärung, worum es in der Geschichte eigentlich geht. Nach und nach kommen dann die Wallace-typischen Gemäuer, Gänge und Nachtaufnahmen in's Spiel, welche der liebgewonnene Gruselatmosphäre ihren wohlberechtigten Raum geben. Heinz Drache, der nun erstmals für Rialto im Einsatz ist, knüpft mit seiner selbstsicheren, kaltschnäuzigen und etwas arroganten Art bei seiner Ermittler-Interpretation im Rächer an und übt damit eine recht starke Präsenz aus. Sabina Sesselmann vermochte seit den "Narzissen" noch immer nicht aufzutauen und wirkt nach wie vor recht unterkühlt, sodass man keinen wirklichen Zugang zu ihr findet. Das Thema Wallace war damit für sie gelaufen und sie hat in diesem Genre keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Viel zu dick aufgetragen sind der von Pinkas Braun dargestellte Dr.Staletti und dessen Experimente als "Mad Scientist", quasi als Westentaschenformat des klassischen Dr.Frankenstein. Rein darstellerisch ist Braun nichts vorzuwerfen, aber die dem Drehbuch entstammende Idee mit dem sich am Rande des Wahnsinns bewegenden Wissenschaftler ist derart überzeichnet, dass sie leider unweigerlich in's Infantile abgleitet. Seine Überwältigung erinnert an die Dramaturgie eines Schülertheaters und bewegt sich eigentlich in keinster Weise auf dem Niveau, das man vom Regisseurs der "Toten Augen von London" erwarten darf. Woher der Inspektor das Gottvertrauen nimmt, unter vorgehaltener Waffe einfach auf den Doktor zuzugehen und ihn psychologisch lediglich mit einigen, dessen Ego verletzenden, Worten in einen Zusammenbruch hineinzumanövrieren und wie einen Kasperl herumspringen zu lassen, erschließt sich in seiner extremen Unglaubwürdigkeit kaum. Auch das zottige Affenwesen hinter den Gitterstäben hat mehr von einem Jahrmarkts-Gag als von einem bedrohlichen Monster. Ich bin gewiss der Letzte, der sich an derartigen Elementen stößt - ganz im Gegenteil - aber ein bisschen professioneller hätte man hier ruhig inszenieren dürfen. Ady Berber wiederholt seinen bewährten Auftritt aus den "Augen", wirkt hier allerdings weniger furchteinflößend. Werner Peters darf als Betram Cody erstmals Wallace-Luft schnuppern und sich von Berber ermorden lassen. Schauspielerisch brilliert er vor allem im Gespräch mit dem Inspektor, wo er sichtlich in Verlegenheit geratend seine nervliche Anspannung köstlich zur Schau stellt. Man erkennt dabei durchaus seine darstellerische Kompetenz. Jan Hendriks hat nun wesentlich mehr Raum, sich in einer ambivalenten Rolle zu entfalten, als es bei seinem viel zu zurückhaltenden Auftritt in den Narzissen der Fall war. Klaus Kinski hat leider nur einen Gastauftritt, der als Leiche im Schrank des Ermittlers einen besonderen Gag beisteuert. Siegfried Schürenberg darf nun erstmals den Sir John mimen, wobei dessen intellektuellen Defizite glücklicherweise noch nicht überbetont werden. Der von ihm ausgehende Humor ist angenehm dezent und schimmert vor allem in jener Szene durch, wo er sich über das schlechte Abschneiden der englischen Nationalmannschaft empört, die zufälligerweise im selben Flieger saß, wie eines der Mordopfer.

Atmosphärisch ist vor allem die zweite Hälfte des Films interessant, wird doch dort wirklich nicht mit unterirdischen Gängen und mumifizierten Leichen, etc. gegeizt. Leider ziehen die doch allzu plump daherkommenden und bereits erwähnten "Mad-Scientist-Einlagen" das Ganze dann wieder ein schönes Stück nach unten.

Fazit:

Mit plakativen Grusel-Elementen angereicherter Wallace, der aber gerade in Bezug auf den verrückten Dr.Staletti zu sehr in's Lächerliche kippt und dadurch nicht umhin kommt zumindest punktuell in den Trash abzugleiten. Auch wirkt der Film insgesamt recht unrund. Ansonsten wird eine einigermassen anständige Unterhaltung geboten, die zumindest noch 3,5 von 5 Punkten rechtfertigt.

greaves Offline




Beiträge: 550

20.01.2019 12:18
#154 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Die Tür mit den 7 Schlössern


...ist ein Film der mir seit der ersten Sichtung vor ca.27 Jahren positiv in Erinnerung geblieben ist.

Spätestens ab jetzt geht bei mir die Wallace Reihe in eine Richtung,die mir sehr gefällt.
Was die ausgewählten Schauspieler betrifft, ist dass ganze Ensemble in meinen Augen TOP ausgesucht!
Heinz Drache passt sehr gut in diese Reihe und gibt den richtigen Wallacetatsch der mir gefällt.(klar,in ein paar Filmen nervt mich manchmal seine schnoddrige Art)Aber er passt wie die Faust aufs Auge und bringt Atmosphäre die ich mag.Eddi Arent macht sich gut auf der Seite des Gesetzes und fällt mir hier positiv auf. Siegfried Schürenberg als Sir John ist ab jetzt (fast)nicht mehr wegzudenken.Sabina Sesselmann gefällt mir hier wesentlich besser(Rolle )als in den Narzissen.Sonst für mich eine der schönsten Wallace Darstellerinnen!Jan Hendriks passt immer in Krimis,den ich auch in anderen Serien wie z.b der Kommissar usw.gern sehe.
Allen voran ist hier in meinen Augen und Ohren Pinkas Braun!!!Sein spiel bewundere ich immer wieder auf s neue.Und ich finde,dass die Tür seine beste Wallace Rolle war,wie er selbst einmal sagte.Ich könnte mir kein anderen Schauspieler als Doktor Staletti hier vorstellen.Das dämonische Spiel bringt er einfach toll herüber und macht einwenig Angst und er bringt es in seinem nächsten Wallace-Auftritt nochmals ähnlich rüber.Ich besitze noch ein paar andere Filme mit Pinkas Braun in der er keine Schurkenrollen spielt.Ehrlich gesagt sind aber Schurken das beste was zu ihm passt.(kürzlich erst gesehen im französischen Thriller K—Das Zeichen des Bösen,spielt er einfach toll!)
Bei Wallace hätte ich ihn gerne noch ein paarmal gesehen.
Hans Nielsen hier das erste mal bei Edgar Wallace.Er spielte immer gut,auch in anderen Krimis wie z.b bei Bryan Edgar Wallace Filmen. Er sieht immer in seinem Aussehen anders aus..Für mich einwenig wie der deutsche Christopher Lloyd..
Kinski s Rolle passt hier ,kurz und bündig.Werner Peters und Gisela Uhlen das erste mal dabei.

Der Drehort Pfaueninsel ist gut ausgewählt und gefällt mir immer wieder in den Wallace Filmen.Sieben Jahre zuvor,anno 1955 wurde hier auch schon ein Märchen inszeniert,dass aber nicht s/w und auf Edgar Wallace basierte,sondern farbig war und Aschenputtel hies.Die Meierei,Schloss Pfaueninsel und das Kavaliershaus sieht man damals schon in Farbe.
Ich glaube man hat zu der Tür mit den sieben Schlössern fast alle Drehorte gefunden,ausser das Büro (aussen von Warren D.Haveloc)noch nicht.Und die Strasse,wenn die Polizeiautos durch London düsen und Sir John auf alle Knöpfe gedrückt hat,wenn Grossalarm ist.

Schade das man die Anfangsszenen geschnitten hat. ..War die schon damals im Kino weg oder erst für s Fernsehen/Video??—das habe ich noch nicht gecheckt 😬

Die Musik von Peter Thomas ist gut untermalt im Film,leider gibt es keine richtige Titelmusik für den Film.

Alfred Vohrer hat hier einen tollen Wallace gedreht. Einer meinen Top Ten Wallace!

Von mir 5 von 5 Punkten

Dr.Mangrove Offline




Beiträge: 87

20.01.2019 13:57
#155 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Eine der bekannteren Verfilmungen, dementsprechend schon oft im Fernsehen gesendet und von mir seit meiner Kindheit immer wieder geschaut.
Es wurde schon viel über diesen Film geschrieben, deshalb nur ein paar kurze Anmerkungen:

Heinz Drache passt hier perfekt. Nicht unbedingt so sympathisch wie Fuchsberger, aber mal was anderes.
Der Dialog im Paternoster (sehr gelungen, wie ich finde) unterstreicht seine "hardboiled" Rolle:
(Drache): "Was suchen Sie denn da?"
(Sesselmann): "Ein Taschentuch. Haben Sie zufällig eins bei sich, Inspector?"
(Drache): "Ich heiße Richard."
(Sesselmann): "Scheußlicher Name!"
(Drache): "Von mir aus können Sie Richie zu mir sagen. Wollen Sie jetzt ein bisschen heulen?"
(Sesselmann): "Nee, die Nase putzen."
(Drache): "Ach so..."
Auch bei seinen späteren Auftritten als Kommissar Bülow wirkte er ja nicht gerade übermäßig empathisch...

In der Bahnhofsszene am Anfang erkennt man klar deutsche Züge - steht ja mittlerweile auch bei Wikipedia. Aber als Kind ist mir das nie aufgefallen.

Arent und Schürenberg spielen angenehm dezent. Ersterer zum Glück nicht so klamaukig wie bei der Orchidee, sondern mit mehr trockenem Witz und weniger Grimassen.
Letzterer wurde ja dann später zum Trottel vom Dienst - hier gibt er noch recht passabel den respekteinflößenden Chef. In den neueren Filmen kann ich ihn nur noch schwer ertragen.

Pinkas Braun spielt am Anfang großartig, aber den Nebenplot mit dem wahnsinnigen Wissenschaftler finde ich unglaublich albern und trashig.
Er, der jederzeit schlagfertig und kontrolliert ist, bekommt ausgerechnet einen Haschmich wenn Drache ihn als Scharlatan bezeichnet?
Und dann diese albernen Stimmen. Den Tiefpunkt erreicht die Farce, wenn er die Leinwand herunterreißt und dann den sterbenden Schwan gibt.
Das ist wirklich Provinztheater und unwürdig. Dazu passt dieser "Affe" im Käfig und die natürlich rauchenden Kolben, die zur Standardausrüstung wahnsinniger Wissenschaftler gehören.

Weitere Dinge:
- Warum ist Platz 36 im Flugzeug ganz vorne rechts?
- Die Fußballmanschaft mit Begleitung umfasst nur 20 Personen?
- Frau Uhlen sagt "Böckingham" wie manche damals auch "Lönsch" gesagt haben (Loriot z.B. im Flugzeugsketch) - oder man auch bis heute "Pömps" sagt. Weiß jemand, warum diese Aussprache entstand?
- Wenn Abgase in den Wagen geleitet worden wären, wäre der gute Haveloc ja nicht nur wie von Scotland Yard festgestellt viel früher gestorben an der Vergiftung - es muss doch auffallen, gerade bei dem damals ja noch stärkeren Gestank und der Rauchentwicklung?
- Die Codys führen ja keine Organisation sondern sind quasi auf sich gestellt. Cody muss ja sogar die schmutzige Arbeit im Flugzeug und als Taxifahrer machen. Wie kommen sie denn so schnell zu einem - noch dazu präparierten - Taxi?
- Ist es nicht absurd, dass Cody bei der geringsten Geräuschentwicklung einfach mal durch die Tür ballert - obwohl er doch weiß, dass seine Frau auch in dem Haus lebt und er sie vielleicht dabei treffen könnte? Ziemlich alberne Szene.
- Warum hat man den Schatz einfach in der Gruft gelassen, nachdem man dort den Leichnam des jungen Lords versteckt hatte? Da alle sieben Besitzer ja offenbar zu der damaligen Öffnung der Tür anwesend waren, hätte man ja damals auch gleich alles teilen können. Stattdessen hat man die Tür wieder geschlossen, sich in alle Winde zerstreut und davon gelebt, was Haveloc scheinbar "dem Lord" an Geld telegrafiert hat?
- Staletti hat täglich als einziger der sieben Leute Zugriff auf die Tür - und in all der Zeit hat er es nicht geschafft, das Ding in die Luft zu sprengen oder sonst irgendwie zu öffnen?

Insgesamt einer der besseren Filme, auch wenn Vohrer schon hier seinen Hang zu Effekthascherei und Trash zeigt, was sich später leider verstärken sollte.
Reindl hätte einen soliden Gruselkrimi daraus gemacht - Vohrer gelingt dies streckenweise nicht ganz.

3/5

Giacco Offline



Beiträge: 1.958

20.01.2019 14:03
#156 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

"Regisseur Vohrer hat das verwirrende Handlungsnetz nur selten parodistisch aufgelockert. Eher schon gerät er zuweilen in die Nähe unfreiwilliger Komik. "Halstuch"-Kommissar Heinz Drache, der hier einer siebenköpfigen Erbschleicherbande das Handwerk zu legen hat, wird mancher Mühe enthoben, weil sich die Gauner zum großen Teil selbst gegenseitig den Garaus machen. Ein Glück für ihn, denn er macht nicht den Eindruck eines sehr kombinationsfähigen Detektivs. Als erheiternde Karikatur steht ihm Eddi Arent als Assistent zur Seite. Unter den Schurken sind ein abgefeimtes Ekel in der Gestalt von Werner Peters, eine eiskalte Gisela Uhlen, ein präziser Gentleman-Gangster von Hans Nielsen und ein von Pinkas Braun personifizierter Miniatur-Frankenstein zu finden, den Drehbuch und Regie zum Schluss einen merkwürdigen seelischen Zusammenbruch austoben lassen. In einer sehr einprägsamen Charge Klaus Kinski. Und als liebliche Unschuld Sabina Sesselmann.
Karl Löb fotografierte ohne sonderlichen Aufwand. Um die zweckgerechte Grusel-Klangkulisse war Peter Thomas bemüht. Während sich der Film am Anfang noch bemüht ins Zeug legt, rutscht er gegen Ende mehr und mehr in die billige Action-Masche. - Am guten Geschäft kann jedoch nicht gezweifelt werden." (Film-Echo, Juli 1962)
Film-Echo-Note: 2,6 (54 Meldungen) / Erstnote: 2,2

"Die Tür mit den 7 Schlössern" war (nach "Bande des Schreckens") der zweite Wallace-Film, der schon in den 1960er Jahren im Fernsehen ausgestrahlt wurde (23.10.1967):
In Frankreich startete er bereits am 6.2.1963, was wohl daran lag, dass Produzent und Verleiher Jacques Leitienne an der Herstellung beteiligt war.
Frankreich: 471.614 Besucher (Paris: 64.796)
Spanien: 175.903 Besucher

Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

20.01.2019 14:50
#157 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Bin gerade bei eBay über ein sehr atmosphärisches Plakatmotiv gestolpert, das ich so noch nicht kannte. Drache sieht nur leider etwas komisch gezeichnet aus.
https://www.ebay.de/itm/Affiche-PORTE-AU...6gAAOSwqu9VLHEt


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Uli1972 Offline



Beiträge: 42

20.01.2019 20:17
#158 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

"Die Tür mit den sieben Schlössern" kehrt zum Teil wieder in klassische Wallace-Gefilde zurück. Hans Nielsen und Werner Peters sind als Darsteller definitiv eine Bereicherung. Die Story hat ein paar Ungereimtheiten, die in anderen Filmen allerdings deutlich ausgeprägter sind. Trotzdem fallen sie natürlich auf. Pinkas Braun als Doktor Staletti kann mich nicht überzeugen, was allerdings der Inszenierung geschuldet ist. Die allzu schnelle Wandlung vom exzentrischen und selbstherrlichen "Wissenschaftler" zum Häufchen Elend ist ein schlechter Witz. Ady Berber hatte man zuvor schon als "Monster" erlebt. Deshalb erzielt er bei mir nicht mehr die grosse Wirkung wie im Vorgänger. Ansonsten liefert der Film das, was ich von einem "Wallace" erwarte. Nicht mehr und nicht weniger.
3 von 5 Punkten.

Jan Offline




Beiträge: 1.489

20.01.2019 23:30
#159 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Zitat von patrick im Beitrag #3

Viel zu dick aufgetragen sind der von Pinkas Braun dargestellte Dr.Staletti und dessen Experimente als "Mad Scientist", quasi als Westentaschenformat des klassischen Dr.Frankenstein. Rein darstellerisch ist Braun nichts vorzuwerfen, aber die dem Drehbuch entstammende Idee mit dem sich am Rande des Wahnsinns bewegenden Wissenschaftler ist derart überzeichnet, dass sie leider unweigerlich in's Infantile abgleitet. Seine Überwältigung erinnert an die Dramaturgie eines Schülertheaters und bewegt sich eigentlich in keinster Weise auf dem Niveau, das man vom Regisseurs der "Toten Augen von London" erwarten darf. Woher der Inspektor das Gottvertrauen nimmt, unter vorgehaltener Waffe einfach auf den Doktor zuzugehen und ihn psychologisch lediglich mit einigen, dessen Ego verletzenden, Worten in einen Zusammenbruch hineinzumanövrieren und wie einen Kasperl herumspringen zu lassen, erschließt sich in seiner extremen Unglaubwürdigkeit kaum. Auch das zottige Affenwesen hinter den Gitterstäben hat mehr von einem Jahrmarkts-Gag als von einem bedrohlichen Monster.


Ich mag das Frankenstein-Sujet nicht übermäßig und war auch von dessen Adaption für Wallace nie sonderlich begeistert. Die Schlusssequenz jedoch, in der Doktor Grausam dingfest gemacht werden kann, hat was von einer kurzen aber heftigen Partitur. Der selbstsichere Inspektor Martin dirigiert die überlagend angeordnete Vielstimmigkeit aus dem Off bis zum totalen Verstummen. Warum sollte es unglaubwürdig sein, dass diese Vielstimmigkeit aus dem Kopf des Doktors dazu geeignet ist, diesen völlig außer Gefecht setzen zu können? Steletti ist schlicht geisteskrank und mit dieser Scharlatan-Partitur setzt sich der vermeintlich brillante Kopf selbst außer Gefecht. Von ihm bleibt - für jedermann sichtbar - nichts weiter als ein zusammengekrümmter Haufen, der fortan nur noch wie eine Hülle durch die Gegend geschleppt wird. Das ist nicht inszeniert - das ist bester Manier komponiert. Freilich wirkt das bis ins Äußerste theatral. Soll es ja auch. Ein schnödes Erschießen hätte den Inspektor zum Killer eines Kranken gemacht. Hier hat sich Drehbuchautor Wiedmann etwas viel Passenderes ausgedacht. Die Szene ist dick aufgetragen aber tatsächlich überaus nachhaltig und für mich mit das Beste an dem Film.

Garniert wird das tatsächlich mit diesem herumhüpfenden Affen - wer hätte das gedacht: es gab ihn schon weit vor seinem Kollegen aus Soho in einem Alfred-Vohrer-Film. Hier haben wir es quasi noch mit dem der Miniaturausgabe des Zottelviehs zu tun, das erst sechs Jahre später ausreichend ausgewachsen war, gut betuchte Herren um die Ecke bringen zu können. Der Affe mag hier noch klein und putzig gewesen sein (später war er bekanntlich groß und putzig), trägt aber vergleichbar ungeheuerlich zum Amüsement bei. Man hätte ihm auch noch einen bunten Luftballon in die Hand drücken oder einen bunten Hut aufsetzen können. Der Affe sagt: So wirklich ernst ist das alles hier bitte nicht zu verstehen. Oder wer denkt beim Anblick des Zehnjährigen in der Verkleidung vom vergangenen Fasching hinter den Gittern dort ernsthaft daran, dass eine Reihe von Endvierzigern hinter der Kamera diesen Affen zum Erschaudern des Publikums so drappiert haben? Solch' überdrehte Grotesken (auch gut: der Hase an der Leine im Buckligen oder die Stripperin im Blaue-Hand-Irrenhaus, deren Zwang es ist, sich permanent ausziehen zu müssen) machen mir die Filme gerade erst so liebenswert. Ohne derartige Zutaten könnte man am Ende noch auf den Gedanken kommen, dass die Macher zum Einen sich selbst und zum Anderen ihre Filme über Gebühr ernst nahmen. Das war gottlob nur selten der Fall!

Gruß
Jan

Gubanov Offline




Beiträge: 16.370

21.01.2019 07:48
#160 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Hmm, einige Besprechungen lesen sich so, als müsste man sich für das, was Wallace-Filme so typisch macht, regelrecht schämen. Ich halte es da mit @Jan: Was stört mich der Affe, wenn die Szene in Stalettis Labor doch so herrlich theatralisch ist? Dafür gibt es aus meiner Warte dicke Extrapunkte statt Punktabzug. (Ganz abgesehen davon, dass meine zoologischen Kenntnisse offenbar zu wünschen übrig lassen und ich bis heute nicht gecheckt habe, ob der Primat nun eine Kostümierung oder ein echtes Tier ist.)

@greaves: Die Prätitelsequenz muss schon vor Kinostart entfernt worden sein, sonst wäre sie bei der DVD-Rekonstruktion wieder eingefügt worden. Wo die Szene vor Havelocs Büro gedreht wurde, hat @florian hier festgestellt; unbekannt ist noch der Drehort der Innenaufnahme mit dem Paternoster.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 382

21.01.2019 15:30
#161 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Die Tür mit den sieben Schlössern - alleine der Titel bürgt schon für allerlei Geheimnisvolles und Schauerliches. Tatsächlich ist Wallace' gleichnamiger Roman eine starke Vorlage, die viel Potenzial für eine direkte Übertragung hat, aber auch durchaus noch Verbesserungsmöglichkeiten. Das hat man dann auch so, meist geschickt, umgesetzt.
Der Handlungsaufbau ist am Anfang recht sorgfältig, leider konnte das nicht bis zum Schluss durchgehalten werden. Ein immer wieder berechtigt geäußerter Kritikpunkt ist der Wegfall der Anfangsszene mit der recht brutalen Tötung eines gewissen Livingstone, die noch teilweise in einem Trailer erhalten ist. Hätte man da nicht irgendwie den Film wieder "zusammenstoppeln" können ? So wird dieser Mord immer mal erwähnt, was aber dem eigentlichen Handlungsverständnis nicht schadet.
Heinz Drache gibt seinen (offiziellen) Einstand bei Wallace, schnodderig, arrogant und nicht sonderlich einfühlsam, auf keinen Fall der "gute Bulle". Als seine Sybil in Lebensgefahr ist, hat er immer noch Zeit, seinem Assistenten ein paar Kartentricks zu zeigen. Eddie Arent als sein Kollege Holmes ist wirklich mit trockenem Humor und wenig Alberei ausgestattet, was dem Film sehr gut tut. Immerhin findet er immer mal eine wichtige Spur, wie den Landsitz Selford Manor inmitten des großen Kreises, den er auf eine Landkarte gemalt hat. Auch Siegfried Schürenberg ist noch nicht so senil wie später, doch ein Chef, den man ernst nehmen sollte. Sabina Sesselmann ist eine sehr hübsche Blondine, die mir hier in ihrer Rolle wesentlich besser gefällt als in den "Narzissen", was aber sicherlich an den Filmen selber liegt. Die Schurken sind erste Garde. Am besten gefällt mir das Ehepaar Cody. Werner Peters als unterwürfiger, aber trotzdem gefährlicher Bertram Cody und Gisela Uhlen als seine herrschsüchtige und gierige Frau Emily sind schon ein schrecklich-schönes Paar. Der Anwalt Haveloc (Hans Nielsen) gibt auch einen akzeptablen Schurken im bürgerlich-väterlichen Gewand ab, doch bleibt er irgendwie zu sehr im Hintergrund, als dass seine Entlarvung notwendig erscheint. Dagegen ist Pinkas Braun als "Mad Scientist" Dr. Staletti natürlich ein Bösewicht ersten Ranges, einer meiner Lieblings-Wallace-Schurken.
Allerdings, bei der jetzigen Sichtung muss ich auch zugeben, dass er es zum Ende doch sehr übertreibt. Bis dahin ist seine überlegen-kalte Intelligenz mit seinem diabolischen Grinsen wirklich eine Bereicherung, doch wenn er dann letztendlich überschnappt, ist das nicht nur eine Spur zu dick aufgetragen. Dagegen ist seine Kreatur Giacco nicht ganz so furchtbar wie der "Blinde Jake", trotzdem noch gruselig genug.
Auch alle anderen Schauspieler machen ihre Sache gut, besonders drollig finde ich immer den alten Knaben mit der Schirmmütze am Eingang der Bibliothek, wo Miss Lansdown arbeitet. Wer ist das eigentlich ? Echt lustig !

Die Handlung baut sich zum großen Teil recht logisch auf, natürlich gibt es auch, wie immer, einige Patzer.
Warum vergiftet der Hausmeister den Priester am Anfang nicht gleich endgültig ? Wollte Dr. Staletti aus purem Sadismus selber noch die Spritze ansetzen ?
Wer hat nun die Bremsschläuche des Polizeiautos von Dick Martin und Assistent Holmes durchgeschnitten, so dass dieses (schön vollgetankt) in den Fluten versank? Die Codies können es nicht gewesen sein, auch Staletti nicht, den sie erst später informieren konnten. Außerdem saß ja noch Mr. Holmes darinnen, als er auf seinen Chef warten musste, der gerade Mr. Cody verhörte. Das hätte Holmes doch mitbekommen müssen, aber vielleicht war er ja so voll und ganz mit dem Üben von Kartentricks beschäftigt... Trotzdem im Prinzip unmöglich.
Eigentlich sollte es doch genug Zeugen geben, die wissen müssten, wer im Flugzeug neben dem Ermordeten gesessen hatte. Gab es da keine Sitzzuordnung der Karten ? Offenbar nicht, denn wie hätte Cody direkt seinen Platz neben dem von Silva organisieren können ? Na, wie auch immer, jemanden im Flugzeug umzubringen ist ja wirklich riskant.
Dass Sybil Lansdown in ihrer Bibliothek ausgerechnet eng mit den Selfords verwandt ist, grenzt schon an einen schier unglaubwürdigen Zufall, geht aber auf Kosten des Autors.
Natürlich ist es schon seltsam, dass Bertram Cody ein - auch noch manipuliertes - Taxi besitzt, mit dem er die nichtsahnende Sybil entführen kann. Das wurde ja schon angemerkt. Ebenso unverständlich ist die Überleitung zur nächsten Szene, wo Sybil offenbar halbbetäubt in der Dachkammer sitzt. "Sie hat nur das halbe Glas ausgetrunken", raunen sich die Codies zu (oder so ähnlich). was ist da eigentlich zwischendurch passiert ? Gab es da vielleicht mal eine andere Passage im Drehbuch, wo Sybil in das Haus der Codies gelockt wurde, also freiwillig dorthin ging, und dann dort betäubt wurde ? So war es jedenfalls im Originalroman. Vielleicht hat man die Taxi-Entführung erst im Nachhinein eingefügt.
Und der vorgebliche Mordanschlag auf den Anwalt Haveloc... Natürlich hätte der doch die Abgase riechen müssen, auch das laute Geräusch beim Gasgeben bemerken müssen, wie es dann der Inspektor tat. Allerdings ist der ins Wageninnere geführte Abgasschlauch auch so ein unausrottbares Klischee für mysteriöse Morde oder Selbstmorde in Krimis.
Die ganze Geschichte mit Dr. Staletti und seinen Pawlowschen Hunde-Versuchen am Menschen passt genaugenommen gar nicht recht zum Rest. Warum macht er das ausgerechnet gerade dann, wo es eigentlich mit anderen Dingen schon genug zu tun gibt ? Es wirkt so, als ob er das Experiment an Cawler geplant hätte, doch dessen Entführung durch Giacco hat sich doch eher zufällig ergeben. Und wem hätte er den Kopf von Cawler eigentlich transplantieren wollen ? Dem Affen ? Was wollte er da überhaupt machen ? Ob er, der kurz zuvor noch in großartiger Dr. Faustus-Geste den Totenschädel in der Hand hielt und Pläne schmiedete, dann wirklich so zusammenbrechen würde, das kann man wohl anzweifeln. Irgendwie wirkt das Ganze wirklich zu aufgesetzt. Aber so schlimm ist es halt auch wieder nicht.
Ich frage mich auch immer wieder, wo plötzlich die uniformierten Polizisten herkommen, nachdem der verbrecherische Haveloc durch den Feuerlöscher außer Gefecht gesetzt wure. Hätten die nicht eher eingreifen können ?
Und die vermoderte Leiche im Sarkophag... Obwohl die Zeitangaben im Film sehr schwammig sind, kann man doch wohl davon ausgehen, dass die Verschwörer ihr Spiel schon eine Weile treiben. Im Buch waren es wohl schon an die zwanzig Jahre. Da hätte doch kein erwachsener Toter im Sarg liegen dürfen. Aber das ist spekulativ. Allerdings wurde ja schon richtig angemerkt, dass der Schatz in der Gruft hinter der Tür mit den sieben Schlössern wenig Sinn macht. Die Verschwörer lebten ja von den angeblichen Geldüberweisungen an den jungen Selford aus dem von Haveloc verwalteten Erbe. Im Buch lag hinter der berüchtigten Tür ja ein von allen unterschriebenes Geständnis, damit niemand auf den Gedanken kommen sollte, die anderen zu übervorteilen. Doch, wie wäre es weitergegangen. Hätte man einen jungen Lord Selford aus dem Hut gezaubert und sich dann das Erbe untereinander aufgeteilt ? Die Codies wollten ja über Sybil Lansdowns Erbansprüche an das Geld kommen. Offenbar gab es da keine gemeinsame Strategie. Im Prinzip wurde die ganze Sache nicht zu Ende gedacht.

Doch trotz aller tatsächlichen oder vermeintlichen Mankos - die Tür ist wirklich ein Film, der die liebgewonnenen Attitüden der Serie aufs Beste in sich vereint. Die Gebäude auf der Pfaueninsel passen wirklich gut in die Geschichte, nur das Geschrei der namensgebenden Vögel irritiert irgendwie. Die Kameraarbeit ist hervorragend. Schön die Passagen in Dick Martins Wohnung, die vorbeiratternden Züge, die rasselnde Uhr, die Erotik-Bar in der Nachbarschaft. Alles sehr stimmig gefilmt.Man hat sogar in einer Büro-Szene die "Skyline" von London, sprich Parlament und Big-Ben-Turm, als Hintergrundschatten eingefügt.
Besonders gut choreografiert finde ich immer die Szenen in der Dachkammer der "ehemaligen Mühle von Selford Manor". Das Terrarium mit den vielen Schlangen ist albern (Vohrer scheint tatsächlich Schlangen-Fetischist gewesen zu sein), doch das Spiel von Licht und Schatten mit der schwankenden Lampe, wenn Mrs. Cody unbarmherzig die blonde Unschuld unter Druck setzt, ist echt meisterlich.

Warum manche den Film langweilig finden, erschließt sich nicht, wahrscheinlich liegt es am zu Recht kritisierten Fehlen einer durchgängigen Filmmusik. Da wurde wirklich geschlampt. Doch auch hier gibt es Highlights, wenn Kinski als Lew Pheeny so unglücklich mit gebrochenen Augen aus dem Wandschrank fällt und die süßliche Barmusik herüberweht, oder auch das Ende von Mrs. Cody zu den Klängen von Bach.

Die Tür ist so ein richtiger Wohlfühl-Wallace, wenngleich auch mit kleinen Abstrichen.

Persönliche Wertung: 4,5 von 5 Punkten

schwarzseher Offline



Beiträge: 593

21.01.2019 18:14
#162 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Eddie Arent ist hier wirklich wohltuend dezent "humorvoll".Wie er seinem Chef kriecherisch schnell das Fußballergebnis verkündet.....leider 5:1 verloren....und natürlich von dem ebenfalls wohltuend noch nicht verblödetem Fußballfan Schürenberg keinen Dank erntet....das ist um Klassen besser als sein Dasein als Clown in einigen Filmen.
Übrigenz halte ich nicht viel davon die Filme nach jeder kleinen(oder etwas größeren ) Ungereimtheit zu sezieren.Als ich die Filme seinerzeit erstmals sah habe ich von alledem nichts (ok .oder fast nichts)gemerkt und es war mir auch egal.Und ehrlicherweise ist es mir auch heute noch egal.
Das hat den Filmen keinen Abbruch getan und ich glaube es war auch garnicht unbedingt gewollt.

Wenn ich sehe was uns heute teilweise für ein hanebüchener Unsinn in zB. Tatort und co als Story/Verhalten usw . verkauft wird...mit dem Anspruch eines "ernsthaften" Krimis.....da darf ein "Märchenkrimi" ruhig mal fünfe gerade sein lassen.

Der Unterhaltungsfaktor war/ist für mich trotzdem bei Wallace ungleich höher.

patrick Offline




Beiträge: 3.194

21.01.2019 20:54
#163 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #9
Warum sollte es unglaubwürdig sein, dass diese Vielstimmigkeit aus dem Kopf des Doktors dazu geeignet ist, diesen völlig außer Gefecht setzen zu können? Steletti ist schlicht geisteskrank und mit dieser Scharlatan-Partitur setzt sich der vermeintlich brillante Kopf selbst außer Gefecht. Von ihm bleibt - für jedermann sichtbar - nichts weiter als ein zusammengekrümmter Haufen, der fortan nur noch wie eine Hülle durch die Gegend geschleppt wird. Das ist nicht inszeniert - das ist bester Manier komponiert. Freilich wirkt das bis ins Äußerste theatral. Soll es ja auch. Ein schnödes Erschießen hätte den Inspektor zum Killer eines Kranken gemacht. Hier hat sich Drehbuchautor Wiedmann etwas viel Passenderes ausgedacht. Die Szene ist dick aufgetragen aber tatsächlich überaus nachhaltig und für mich mit das Beste an dem Film.



Natürlich ist der gute Staletti schwer geisteskrank. Aber woher nimmt der Inspektor die Gewissheit, dass er von Stimmen im Kopf außer Gefecht gesetzt wird. Ich nehme nicht an, dass er sie auch hören kann, es sei den er wäre medial begabt, was ich aber auch nicht annehme. Geisteskranke sind in der Regel unberechenbar und reagieren dann auch nicht so vorhersehbar. Da ich ja einige (filmische) Erfahrungen mit diversen Dr.Frankensteins habe möchte ich darauf hinweisen, dass diese im finalen Showdown meistens in irgendwelchen Flamen, zusammenstürzenden Gebäuden, durch Stürze, durch ihre eigene Kreatur, etc. um's Leben kommmen (und wieder auferstehen). In keinem mir bekannten Film ist das Außer-Gefecht-Setzen des Doktors so plump inszeniert wie hier und auch kein anderer Wallace-Film der Frühphase fiel derart in den Trash ab, zumindest nicht in meiner Wahrnehmung.

patrick Offline




Beiträge: 3.194

21.01.2019 21:01
#164 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #10
(Ganz abgesehen davon, dass meine zoologischen Kenntnisse offenbar zu wünschen übrig lassen und ich bis heute nicht gecheckt habe, ob der Primat nun eine Kostümierung oder ein echtes Tier ist.)



Ich bin auch kein Zoologe, aber der Affe sieht wahnsinnig unnatürlich aus. Für mich ist das entweder ein Kind oder ein Liliputaner im Kostüm.

Jan Offline




Beiträge: 1.489

21.01.2019 22:43
#165 RE: Wallace der Woche (11): Die Tür mit den 7 Schlössern (1962) Zitat · Antworten

Zitat von patrick im Beitrag #13
In keinem mir bekannten Film ist das Außer-Gefecht-Setzen des Doktors so plump inszeniert wie hier und auch kein anderer Wallace-Film der Frühphase fiel derart in den Trash ab, zumindest nicht in meiner Wahrnehmung.

Es erschließt sich mir weiterhin nicht wirklich. Gerade plump ist es in meinen Augen selbst dann nicht, wenn ich Deiner Argumentation zu folgen versuche. Plump, was ich mit einfallslos und tausendfach erprobt in enge Verbindung bringe, wäre das klassische Bumm-und-Aus gewesen. Warum soll denn Inspektor Martin nicht das Wort als Waffe benutzen? Gerade weil er Staletti ja gut kennenlernen konnte in diesem Punkt, nutzte er folgerichtig diese Maßnahme. "Die größte Torheit eines Menschen ist es, den anderen zu unterschätzen!" hatte Staletti den in Taschenspielertricks ja nicht unbegabten Inspektor doch geradezu aufdringlich selbstverliebt bei ihrem ersten Aufeinandertreffen belehrt. Was dieser vermeintliche Doktor für ein Typus ist und wie man ihn am besten packen kann, hatte er damit schon ganz zu Beginn klar und deutlich aber ebenso unbeabsichtigt verraten. Das dürfte sich Richy gut gemerkt haben, um dann in der Vita des selbsternannten Doktors zu forschen: "Staletti, Sie sind gar kein Arzt! Sie haben nie ein Examen bestanden. Sie sind ein jämmerlicher Scharlatan!". Das alles ist in sich so logisch wie es der Pistolenschuss, das brennende Laboratorium oder die von den Toten auferstandene Kreatur an dieser Stelle nie sein könnten.

Gruß
Jan

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