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Dieses Thema hat 170 Antworten
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Count Villain Offline




Beiträge: 4.784

27.08.2025 10:02
#151 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · Antworten

So, als nächstes war die "Orchidee" dran. Sie hat mir tatsächlich besser gefallen als damals beim Wallace der Woche. Was aber nichts daran ändert, dass es eine einzige Räuberpistole bleibt. Aber immerhin eine, die einen sehr hochwertigen Eindruck macht und noch dazu mit Marisa Mells großartiger Ausstrahlung aufwarten kann. Tatsächlich schade, dass sie in der Schwarzweiß-Ära nur einmal verpflichtet wurde.

Zitat von Savini im Beitrag #149
Ach ja: Von welcher der beiden Banden wurde eigentlich Chefinspektor Tetley bestochen? Vermutlich nicht von Minelli, da er sonst kaum an der Falle bei der Erpressung Shelbys (die diesen das Leben kostete) festgehalten hätte, obwohl dieser zahlen wollte.


Das war mit großer Sicherheit O'Connors Bande. Nicht nur konnte man der gegnerischen Bande bei der geplanten Übergabe einen Schlag versetzen, wie du schon geschrieben hast, sondern Tetley hat sein Konto bei Dorris' Bank, die O'Connor als Schaltzentrale in London dient. Folgerichtig wurde Dorris dann natürlich auch nur von Minelli erpresst.

Zitat von Savini im Beitrag #149
Eher wäre zu erwarten, dass er seine Frau von seinen Leuten überwachen ließe; es ist überhaupt komisch, dass er das trotz Präsenz einer Konkurrenzbande nicht schon längst tun lässt. In jedem Fall müsste er sich doch darum interessieren, wer der Fremde war, der seine Frau bedroht hat. Auch wenn Edwin Tanner seinen Namen nicht genannt haben sollte, könnte Cora doch eine Beschreibung geben; und Minelli weiß, wie O´Connor aussieht (im Tabakladen erkennt er ihn sofort).


Was mich stutzig gemacht hat ist, dass Minelli zwar weiß wie O'Connor aussieht, seine Frau aber nicht.

Zitat von Savini im Beitrag #149
Im Grunde handelt sie schon vorher "out of character", als sie ihren Mann beschattet, weil sie Verdacht geschöpft hatte.


Na ja, dass sie nicht nur das naive Frauchen ist, zweigt sich auch schon früher im Film. Zum einen weiß sie genau, dass ihr Mann kriminellen Aktivitäten nachgeht und zum anderen fällt sie ja einmal selbst in "Gangstersprache" zurück. Sie wird es als Gangsterbraut also auch faustdick hinter den Ohren haben trotz ihrer neuen Rolle als englische Upperclassdame. Außerdem ist sie am Ende schlau genug, um eins und eins zusammen zu zählen. Sie erkennt Edwin Tanners Wagen in der Nähe des Tatorts wieder und schließt dann ganz von selbst, dass der Mann , der sie vormals bedroht hat, O'Connor sein muss. Das ist schließlich der einzige Grund, um ihn niederzuschießen.

Zitat von Savini im Beitrag #149
Mich amüsiert, dass Mrs. Moore, Scotland Yard und Dorris überzeugt sind, in Schottland sei man vor dem Zugriff der Gangster sicher. Als ob diese nicht auch dorthin jemanden schicken könnten. Und wieso sind Weston und Allerman nach dem Tod von Minelli und Steve so überzeugt, dass der Rest der beiden Banden das Land verlassen würde und sie nicht unter neuer Führung weitermachen könnten?


Letzteres hat man doch in vielen Filmen, dass einfach nur der Kopf der Schlange abgeschlagen bzw. die Spinne im Netz ausgeschaltet werden muss, damit alles wieder gut wird. Das würde ich jetzt nicht so hoch hängen. Und Ersteres ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Nicht nur, dass Schottland quasi das "Frei" im Fangen-Spiel ist, nachdem man einen Mordversuch lebendig überstanden hat, scheint man ja auch direkt sicher zu sein. Dabei hindert doch eigentlich niemand die Gangster daran, es bei Dorris und Drood noch weiter zu versuchen. Gerade dann sollte es doch erstes Ziel sein, sie zu töten, um die Schmach wieder gut zu machen und die Überlegenheit zu beweisen.

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #126
Auch in ihrem Gehabe erweisen sich die Gangster trotz Maschinengewehr-Rumgeballer eher als Schmalspurganoven, denn was ist das für Gangsterboss, der sich in seinem Hotelzimmer einfach mal so ohne Warnung überfallen lässt ? Oder - Gipfel der Peinlichkeit - der große Kerky Minelli, welcher sich von seiner hysterischen Ehefrau dazu bequatschen läßt, wie ein stammelnder Schuljunge bei der Polizei anzurufen und sich für den Drohbrief an Miss Ranger zu entschuldigen. Das alles nur, weil ein bis dato unbekannter Orchideenforscher Mrs. Minelli ein paar Gruselgeschichten von Schrumpfköpfen erzählt. Würde so ein rücksichtsloser Verbrecherboss handeln ?


Das zieht sich bis nach unten durch. Wirklich rücksichtslose Gangster hätten doch sicher beim Mord an Tanner auch Lilian und Parker erschossen anstatt den Butler nur tanzen zu lassen. Immerhin hätten die beiden sie identifizieren können. Aber gut, wir wissen ja, dass die "Orchidee" nie als ernsthafter Gangsterfilm geplant war.

Zitat von Savini im Beitrag #149
Wieso ist Lilian bei der Durchsicht der Bücher so überrascht, dort ein Konto des verstorbenen Mr. Tanner zu finden? Sie weiß doch schon längst, dass er dort ein Konto hatte.


Sie durchsucht ja nicht die Kontobücher, sondern die Übersicht über die Schließfächer. Und dessen Existenz (oder zumindest kompletten Inhalt) konnte Edwin Tanner als neuer Direktor der Bank vermutlich irgendwie geheim halten. Wobei man sagen muss, dass der Kauf einer Bank auch eine ziemlich hohe Ausgangsinvestition für seine Unternehmungen in London ist. Ob sich das wirklich gerechnet hat? Vor allem wenn man auch die Risiken der weiteren Straftaten bedenkt.

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #128
Und warum hat er das überhaupt gemacht ? Einfach erben wäre doch nun das Beste gewesen. Wieso hätte man ihn verdächtigen sollen ? Er hätte sich ja als frischgebackener Halbmillionen-Erbe selber erpressen können, um den Verdacht von sich abzulenken...


Vielleicht hat er an Agatha Christie gedacht. In die "Morde des Herrn ABC" wurde schließlich am Ende auch derjenige überführt, der geerbt hat und nicht der vermeintliche Serienkiller.

Zitat von Savini im Beitrag #149
Wobei ich bei der ersten Sichtung einige Zeit tatsächlich Parker in Verdacht hatte!


Was mir sonst noch aufgefallen ist: Warum spioniert Parker Lilian hinterher? Woher kennt Weston Parker? Woher weiß Parker, dass Mrs. Moore erpresst wird? Insofern: Nicht verwunderlich. Und dass am Ende ein Diener der eigentliche Schurke ist, ist in den Romanen doch auch schon mal vorgekommen, wenn ich mich nicht irre.

Count Villain Offline




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27.08.2025 10:10
#152 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · Antworten

Zitat von Marmstorfer im Beitrag #140
Adrian Hoven lässt allerdings das nötige Charisma vermissen und gibt einen recht farblosen Ermittler ab.


Das Schicksal teilt er mit Harry Meyen. Wobei ich sagen muss, dass es in beiden Fällen nur bedingt an den Schauspielern liegt. Die Rollen geben auch nicht viel her. Denn sowohl Angel als auch Weston erreichen kriminalistisch nicht wirklich etwas. Die Charaktere sind als Yard-Beamte einfach nicht stark und hauptsächlich auf das Reagieren beschränkt.

Savini Offline



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27.08.2025 16:10
#153 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #151
Sie wird es als Gangsterbraut also auch faustdick hinter den Ohren haben trotz ihrer neuen Rolle als englische Upperclassdame.

Ich meine auch, dass sie in der Romanvorlage deutlich "tougher" (und nicht so über weite Strecken naiv und zickig) gezeichnet ist wie im Film.
Zitat von Count Villain im Beitrag #151
Letzteres hat man doch in vielen Filmen, dass einfach nur der Kopf der Schlange abgeschlagen bzw. die Spinne im Netz ausgeschaltet werden muss, damit alles wieder gut wird. Das würde ich jetzt nicht so hoch hängen.

Gut, bei Organisationen mit einem maskierten Haupttäter, dessen Komplizen sich teilweise selbst untereinander nicht kennen, fällt ein Auseinanderbrechen der Organisation sicher leichter. Aber unter hartgesottenen Profis wie hier wäre sicher der eine oder andere vorhanden, der die Organisation übernehmen würde, statt Hals über Kopf das Land zu verlassen.
Zitat von Count Villain im Beitrag #151
Nicht nur, dass Schottland quasi das "Frei" im Fangen-Spiel ist, nachdem man einen Mordversuch lebendig überstanden hat, scheint man ja auch direkt sicher zu sein. Dabei hindert doch eigentlich niemand die Gangster daran, es bei Dorris und Drood noch weiter zu versuchen. Gerade dann sollte es doch erstes Ziel sein, sie zu töten, um die Schmach wieder gut zu machen und die Überlegenheit zu beweisen.

Bei der letzten Sichtung kam es mir auch komisch vor, dass Parker nach dem abgeschossenen Flugzeug auch umgehend seine Stelle bei Drood aufgegeben zu haben scheint, weil er fürchtete, es könnte nun langweilig werden.
Dass man es beim Oberst nicht erneut versucht, fällt wirklich auf, bei Dorris weniger. Denn sobald Minelli von dessen Überleben und dem "Verrat" erfährt, lässt er Babyface ja gleich bestrafen, und dann shceint für ihn erstmal die Sache mit dem Tabakladen Vorrang zu haben (zu deren Unsinnigkeit wurde ja schon etwas geschrieben).
Zitat von Count Villain im Beitrag #151
Sie durchsucht ja nicht die Kontobücher, sondern die Übersicht über die Schließfächer. Und dessen Existenz (oder zumindest kompletten Inhalt) konnte Edwin Tanner als neuer Direktor der Bank vermutlich irgendwie geheim halten.

Gut, aber was glaubt sie, dort finden zu können?
Zitat von Count Villain im Beitrag #151
Wobei man sagen muss, dass der Kauf einer Bank auch eine ziemlich hohe Ausgangsinvestition für seine Unternehmungen in London ist. Ob sich das wirklich gerechnet hat? Vor allem wenn man auch die Risiken der weiteren Straftaten bedenkt.

Was ich mich bei der letzten Sichtung gefragt habe: Hat Edwin Tanner die Bank vor oder nach dem Mordanschlag gekauft? Danach hätte er doch sicher ein anderes Pseudonym verwendet, da er als O´Connor bereits begraben wurde. Und wenn es davor geschah, hätte er doch sicher nicht ein Jahr gewartet, bis er in London aktiv würde.
Zitat von Count Villain im Beitrag #151
Was mir sonst noch aufgefallen ist: Warum spioniert Parker Lilian hinterher? Woher kennt Weston Parker?

Vielleicht wurde die Beschattung mit anschließender Enttarnung Parkers eingebaut, um die ansonsten langweilige Szene in der Teestube sowohl mit einem Spannungsmoment als auch mit Komik zu versehen? Vielleicht kannte Weston Parker, weil er ihn nach dem Mord an Lord Arlington befragt hat?
Zitat von Count Villain im Beitrag #151
Woher weiß Parker, dass Mrs. Moore erpresst wird?

Vielleicht ist etwas an die Presse durchgesickert?
Zitat von Count Villain im Beitrag #151
Und dass am Ende ein Diener der eigentliche Schurke ist, ist in den Romanen doch auch schon mal vorgekommen, wenn ich mich nicht irre.

Nicht umsonst ist im englischsprachigen Raum "The butler did it" die Entsprechung zum hiesigen "Der Mörder ist immer der Gärtner". Und Butler namens "Parker" gab es in Kriminalromanen ja öfter.

Savini Offline



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27.08.2025 16:21
#154 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #151
Was mich stutzig gemacht hat ist, dass Minelli zwar weiß wie O'Connor aussieht, seine Frau aber nicht.

Es kann natürlich sein, dass sie nicht SO stark in die Geschäfte ihres Mannes eingebunden ist.

Savini Offline



Beiträge: 1.049

27.08.2025 16:24
#155 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #152
Zitat von Marmstorfer im Beitrag #140
Adrian Hoven lässt allerdings das nötige Charisma vermissen und gibt einen recht farblosen Ermittler ab.


Das Schicksal teilt er mit Harry Meyen. Wobei ich sagen muss, dass es in beiden Fällen nur bedingt an den Schauspielern liegt. Die Rollen geben auch nicht viel her. Denn sowohl Angel als auch Weston erreichen kriminalistisch nicht wirklich etwas. Die Charaktere sind als Yard-Beamte einfach nicht stark und hauptsächlich auf das Reagieren beschränkt.

Ein interessanter Vergleich! Denn in beiden Fällen erscheint der Nebenbuhler, bei dem sich am Ende herausstellt, dass er zur "anderen Seite" des Gesetzes gehört, als die weitaus interessantere Figur, was den Inspektor gerade in den gemeinsamen Szenen unweigerlich blass und langweilig wirken lässt.
Ich ertappe mich dabei, Edwin Tanner deutlich sympathischer zu finden. Außerdem ist er in der Lage, jemanden wirklich vor den Gangstern zu schützen, was Weston im Grunde nie gelingt (Drood half sich selbst, der Plan zur Rettung von Dorris scheint von Allerman zu stammen).

Count Villain Offline




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27.08.2025 19:26
#156 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #153
Gut, bei Organisationen mit einem maskierten Haupttäter, dessen Komplizen sich teilweise selbst untereinander nicht kennen, fällt ein Auseinanderbrechen der Organisation sicher leichter. Aber unter hartgesottenen Profis wie hier wäre sicher der eine oder andere vorhanden, der die Organisation übernehmen würde, statt Hals über Kopf das Land zu verlassen.


Theoretisch ja, praktisch haben wir aber keine hartgesottenen Profis sondern eher Spielzeuggangster im Film.
Aber man schaue nur mal auf das James Bond Franchise. Spectre gab es auch immer nur mit Blofeld oder gar nicht. Selbst ohne die Zwangspause der Figur/Gruppe durch die Rechtefrage hätte man wahrscheinlich die Organisation nie von einem anderen Charakter übernehmen lassen.

Außerdem ist die Frage, wie viele Leute am Ende überhaupt noch übernehmen könnten. Bandenkrieg untereinander, Babyface bestraft, Flugzeug abgeschossen, Steve tot. Bleibt ja fast nur noch Polinski übrig. Gut, Steve lässt sich am Ende auch noch von zwei namenlosen Herren abholen, aber ob die so hoch in der Hackordnung stehen, um solche Ambitionen zu haben?

Zitat von Savini im Beitrag #153
Dass man es beim Oberst nicht erneut versucht, fällt wirklich auf, bei Dorris weniger. Denn sobald Minelli von dessen Überleben und dem "Verrat" erfährt, lässt er Babyface ja gleich bestrafen, und dann shceint für ihn erstmal die Sache mit dem Tabakladen Vorrang zu haben (zu deren Unsinnigkeit wurde ja schon etwas geschrieben).


Das mit Dorris ist ein guter Punkt.

Zitat von Savini im Beitrag #153
Gut, aber was glaubt sie, dort finden zu können?


Das weiß keiner. Sie durchsucht die Schließfächer für Weston (ich will immer Wesby schreiben...), weil dessen Befugnis nur die Konten umfasst. Und dass sie dann als erstes bei Tanner als interessantestem Namen auf der Liste reinschaut, ist doch nachvollziehbar. Und nachdem die Anwälte im Zuge der Nachlassverwaltung und Testamentsvollstreckung alle Dokumente daraus entnommen hatten, hätte es auch leer sein bzw. an die Bank zurückgegeben sein müssen, anstatt weiter auf seinen Namen zu laufen.

Zitat von Savini im Beitrag #153
Was ich mich bei der letzten Sichtung gefragt habe: Hat Edwin Tanner die Bank vor oder nach dem Mordanschlag gekauft? Danach hätte er doch sicher ein anderes Pseudonym verwendet, da er als O´Connor bereits begraben wurde. Und wenn es davor geschah, hätte er doch sicher nicht ein Jahr gewartet, bis er in London aktiv würde.


Ich habe keine Ahnung. Sicher ist nur, dass er die Bank schon in Chicago gekauft hat.

Interessant auch die Frage, wie das Konsortium als neues Direktorium mit der Bank kommuniziert hat. Dorris beschäftigt sich schließlich laut eigener Aussage nicht mehr mit den laufenden Angelegenheiten, obwohl er dort noch im Büro sitzt. Außerdem wird der einzige Name, der ihm untergekommen ist, wohl kaum einzig der Name auf dem Scheck gewesen sein. Da muss es auch Verträge geben und zumindest Anwälte, die für das Konsortium handlungsbefugt sind. Dorris wird wohl kaum seine Bank an jemanden verkauft haben, der Briefe nicht mit Namen unterschreibt oder am Telefon anonym bleibt.

Zitat von Savini im Beitrag #153
Vielleicht wurde die Beschattung mit anschließender Enttarnung Parkers eingebaut, um die ansonsten langweilige Szene in der Teestube sowohl mit einem Spannungsmoment als auch mit Komik zu versehen? Vielleicht kannte Weston Parker, weil er ihn nach dem Mord an Lord Arlington befragt hat?


Ersteres sicherlich. Und um ihn verdächtig zu machen. Aber innerhalb des Films gibt es keinen wirklichen Grund.

Wston ist erst zum Erpressungsdezernat gekommen, als Arlington schon tot war. Aber wer weiß, vielleicht hat Parker früher mal lange Finger gemacht.

Zitat von Savini im Beitrag #155
Ein interessanter Vergleich! Denn in beiden Fällen erscheint der Nebenbuhler, bei dem sich am Ende herausstellt, dass er zur "anderen Seite" des Gesetzes gehört, als die weitaus interessantere Figur, was den Inspektor gerade in den gemeinsamen Szenen unweigerlich blass und langweilig wirken lässt.
Ich ertappe mich dabei, Edwin Tanner deutlich sympathischer zu finden. Außerdem ist er in der Lage, jemanden wirklich vor den Gangstern zu schützen, was Weston im Grunde nie gelingt (Drood half sich selbst, der Plan zur Rettung von Dorris scheint von Allerman zu stammen).


Stimmt. Das ist auch eine auffällige Gemeinsamkeit.

Savini Offline



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28.08.2025 08:26
#157 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #156
Bleibt ja fast nur noch Polinski übrig.

Dazu wollte ich auch noch etwas schreiben: Mir erscheint es untypisch, dass Polinski im Film weder stirbt noch sonstwie bestraft wird, da er immerhin ein Mörder ist und in Minellis Organisation relativ weit oben zu stehen scheint (als direkter Ansprechpartner seines Bosses).

Count Villain Offline




Beiträge: 4.784

28.08.2025 08:31
#158 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · Antworten

Stimmt. Obwohl zumindest der Mord an Babyface quasi mit stillschweigender Duldung der Polizei geschah. Was ich auch schwachsinnig finde. Hätte man gut als Falle aufbauen und Polinski einkassieren können.

Savini Offline



Beiträge: 1.049

28.08.2025 15:12
#159 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · Antworten

Bei der erneuten Sichtung ist mir etwas zur Musik dieses Films aufgefallen. Dazu würde ich gerne etwas schreiben, auch wenn das entsprechende Stichwort aus einem anderen Thread stammt:

Zitat von Count Villain im Beitrag Entspannung durch Hochspannung
Peter Thomas hat sich bei diesem Film besonders ausgetobt. Überall findet sich verspielte Musik, die oftmals auch als die Szene verstärkender Soundeffekt daherkommt. Exemplarisch seien genannt Minellis Betreten des Schiffs, der eingebaute Big Ben in der Titelmelodie, Parkers Lesen des Erpresserbriefs, Parker mit dem Silbertablett, Oberst Droods Jagdhörner, Parkers schwerbewaffnetes Patrouillieren mit militärischen Trommeln, der deutsche Schlager aus der Musikbox, Edwin Tanners Lustspielmusik-Thema, der schwelgerische Abschluss des Gangstertreffens.

Dieser Film war erst der zweite Beitrag von Thomas zur Reihe; aber verglichen mit der "Gräfin", die sich auf eine Handvolle Themen beschränkten und bei der das Titelthema auch innerhalb des Films sehr dominant war und der auf die "Orchidee" folgenden "Tür", in der es nur sehr wenig Musik und keinen wirklichen Soundtrack gibt, sind seine Kompositionen hier auffallend vielschichtig:
Man vergleiche nur etwa die Titelmusik und das "spannende" Thema beim Finale in der Bank miteinander! Was mir hier besonders auffiel und was so kein anderer Beitrag der Reihe hatte waren mehrere Leitmotive, die einzelnenn Figuren zugeordnet sind. Ansonsten gab es das innerhalb der Reihe meist nur beim maskierten Mörder (oft war es dann zugleich das Titelthema), manchmal auch bei der weiblichen Hauptfigur (etwa beim "unheimlichen Mönch"). Hier dagegen haben gleich drei Figuren ein eigenes Thema: Beim "schönen Steve" hören wir Klänge, die sich nach "amerikanischer Großstadt" anhören, bei Cora Minnelli klingt es eher nach Luxusleben, und Edwin Tanner bekommt (zumindest dann, wenn er Lilian eine neue Orchidee überreicht) eine "exotisch" und "lateinamerikanisch" klingende Musik verpasst.
Dsss extra für die Szene, in der Parker auf dem Dache Wache schiebt, eine ebenso militärisch wie humoristisch klingende Musik geschrieben wurde (die perfekt mit Arents Körpersprache harmoniert) wurde schon erwähnt, ebenso wie Droods Musik, die zugleich nach Militär und Jagd klingt.
Und bei den Treffen der beiden Gangsterbanden wurde jeder der beiden ein spezielles Stück zugeschrieben: Bei Minellis Leuten hört man "Mary Had a Little Lamb", bei denen des "schönen Steves" "Auld Lang Syne".
Übrigens fällt auf, dass "Mary" hier gepfiffen wird. Ob Thomas meinte, dadurch wirke es besonders "amerikanisch"? Ein paar Jahre später ließ er den "Jerry Cotton Marsch" auch pfeifen, um ihn akustisch auf USA zu trimmen.

Martin Böttchers Kompositionen aus dem Krimigenre wirken im Vergleich geradezu eintönig; oft variiierte er in erster Linie das Titelthema und schrieb jenseits davon nur relativ wenige Stücke.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.784

28.08.2025 16:32
#160 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #159
Und bei den Treffen der beiden Gangsterbanden wurde jeder der beiden ein spezielles Stück zugeschrieben: Bei Minellis Leuten hört man "Mary Had a Little Lamb", bei denen des "schönen Steves" "Auld Lang Syne".


Das ist mir noch gar nicht aufgefallen. Du hast vollkommen Recht!

Zitat von ProfChallenger im Beitrag #144
Als ich kürzlich wieder DAS RÄTSEL DER ROTEN ORCHIDEE angeschaut hatte, kamen mir wie üblich die Außenaufnahmen sehr deutsch vor. Nach Kramp jedoch sei dieser Film, der erste nach FROSCH und NARZISSE, der auch vor Ort in London gedreht wurde. Diese Information finde ich in anderen Quellen allerdings nicht bestätigt und kommt mir auch ein wenig seltsam vor. Weiss da jemand ein wenig mehr und kann bestätigen welche Szenen wenn ja in Großbritannien gedreht wurden?


Das Ablegen und Auffinden von Lord Arlingtons Leiche am Anfang wurde ganz sicher in London gedreht. Man sieht den Big-Ben-Glockenturm und die Themse und beides schaut nicht nach Rückprojektion aus. Die Fassade des Hauses, in dem Weston mit Lilian Tee trinkt, müsste auch eine Londonaufnahme sein. Und das sind jetzt nur die Dinge, die mir als erstes aufgefallen sind. Auch die Straße bei der Runde des Postboten nach dem Vorspann scheint mir sehr englisch zu sein.

Savini Offline



Beiträge: 1.049

28.08.2025 18:08
#161 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #160
Auch die Straße bei der Runde des Postboten nach dem Vorspann scheint mir sehr englisch zu sein.

Allerdings wurde der Briefträger von dem deutschen Kleindarsteller Horst Breitkreuz gespielt, den man dafür sicher nicht extra nach London geholt hätte. Diese Szene dürfte also in Hamburg gedreht worden sein.

Count Villain Offline




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28.08.2025 20:10
#162 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #161
Allerdings wurde der Briefträger von dem deutschen Kleindarsteller Horst Breitkreuz gespielt, den man dafür sicher nicht extra nach London geholt hätte. Diese Szene dürfte also in Hamburg gedreht worden sein.


Du hast Recht. Das wird Hamburg sein. Spricht für die Sorgfalt des Drehs, wenn man da an die Laternen und Gartenzäune in der "Gräfin" zurückdenkt...

Savini Offline



Beiträge: 1.049

28.08.2025 20:51
#163 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #162
Spricht für die Sorgfalt des Drehs, wenn man da an die Laternen und Gartenzäune in der "Gräfin" zurückdenkt...

... oder auch an die linksgesteuerten (teilweise sogar Polizei-)Autos in manchen Filmen oder den Bus mit Ausstieg an der rechten Seite.
Aber da Hamburg und England über Jahrhunderte hinweg kulturell und wirtschaftlich eng miteinander verbunden waren, war es vielleicht nicht so schwer, dort einige Häuser mit "britisch" wirkender Architektur zu finden.

Savini Offline



Beiträge: 1.049

01.09.2025 10:19
#164 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · Antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #126
Es gibt sicher noch viele weitere Unstimmigkeiten, doch was für mich immer vollkommen unklar bleibt, ist der Hintergrund, warum Edwin Tanner das Testament gefälscht und alles auf Lilian Ranger übertragen hat. Um den Verdacht von sich abzulenken, wie er sagt. Er verzichtet also auf eine halbe Million Pfund, um seinem Onkel eine Lektion zu erteilen, weil der die zehntausend Pfund Erpressungsgeld nicht zahlen wollte ? Wieso sollte er überhaupt in Verdacht kommen, da zwischen ihm und den Gangstern ja erst Mal überhaupt kein Zusammenhang bestand. Ein besseres Alibi hätte er sich nicht wünschen können. (...) Aber was wollte Tanner/O'Connor mit dem Originaltestament mit ihm als Haupterben machen, später vorlegen, wenn Gras über die Sache gewachsen ist ? Irgendwie fehlt da wirklich der Sinn.

Bei der erneuten Sichtung ist mir eine (zugegebenermaßen etwas gewundene) Erklärung für diesen Punkt eingefallen:
Wenn Edwin Tanner nach der Ermordung seines Onkels dessen Erbe gewesen wäre, hätte Scotland Yard sicher mit einer erneuten Erpressung gerechnet und ihn daher beobachten lassen oder sich zumindest regelmäßig erkundigt, ob ein entsprechender Brief bei ihm eingetroffen wäre. Wenn nicht, wäre das sicher verdächtig erschienen.
Natürlich hätte er sich (wie du in einem späteren Beitrag meintest) zum Schein "selber erpressen können". Aber in diesem Fall hätte die Polizei ihn sicher beschattet (ob mit seiner Zustimmung oder ohne diese), um bei der Geldübergabe zuzuschlagen. Das hätte ein ZU riskantes Doppelspiel erfordert.
Aus seiner Sicht war es da die einfachere Variante, ein Testament zugunsten von Lilian Ranger zu fälschen, aber zugleich durch manipulierte Bankauszüge den Eindruck zu erwecken, dass die Erbschaft nur aus Schulden bestünde, weshalb sie diese nicht antreten würde und das Geld in den Schließfächern der Bank verblieben, wo er es am Ende abholen will, um damit ins Ausland zu verschwinden. Dass er das gerade in dieser Nacht tut, hängt wohl damit zusammen, dass der "schöne Steve" nun tot ist und Tanner seine Geschäfte nicht mehr auf die gewohnte Weise fortsetzen kann.
Übrigens hat er Lilian für den kleinen Betrug zumindest angemessen entschädigt, indem er sie zunächst auf seine Art vor Minellis Leuten schützte und ihr danach eine Stelle in seiner Bank verschaffte (natürlich ohne als ihr Arbeitgeber in Erscheinung zu treten).

Klingt diese Erklärung jetzt logisch?

Count Villain Offline




Beiträge: 4.784

01.09.2025 11:25
#165 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #164
Übrigens hat er Lilian für den kleinen Betrug zumindest angemessen entschädigt, indem er sie zunächst auf seine Art vor Minellis Leuten schützte und ihr danach eine Stelle in seiner Bank verschaffte (natürlich ohne als ihr Arbeitgeber in Erscheinung zu treten).


Tja, wenn der Schurke mehr für die Heldin tut als der Inspektor. Dessen Weisheit beschränkt sich darauf, Fenster und Türen verschlossen zu halten. Dann lieber Südamerika mit Edwin Tanner als Schutzhaft im Yard.

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