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Count Villain Offline




Beiträge: 4.769

01.06.2021 17:25
#166 RE: Bewertet: "Die seltsame Gräfin" (8) Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #161
Und wieso ist Shaddle im Finale überhaupt dabei, obwohl die Gräfin doch befürchten muss, dass Mary Pinder reden wird? War eventuell im Drehbuch ursprünglich Chesney Praye vorgesehen?


Gegenfrage: Warum sollte er nicht dabei sein? Da geht es doch letztendlich darum, Mary Pinder auf elegante Weise loszuwerden (mit Geld ins Ausland abschieben). Und jede Lösung, die nicht mit Mord und Totschlag endet, dürfte doch in seinem Sinne sein. Er wollte doch nicht die Gräfin ans Messer liefern, sondern nur Lois schützen.

Zitat von Savini im Beitrag #161
Aber später, bei der Gefangennahme der beiden Frauen sind Mrs. Rookes und der Pfleger informiert und machen mit (ein ähnliches Problem gibt es auch beim "Testament"-Remake).


Wobei Freiheitsberaubung und Mord noch zwei ganz unterschiedliche Dinge sind. Nur weil sie bei dem einen mitmachen, müssen sie von dem anderen doch noch lange nichts wissen.

Zitat von Savini im Beitrag #165
Im Vorspann stehen zwei Drehbuchautoren und laut Joachim Kramp hat Stemmle Gutbrods Version stark überarbeitet? Ob das ursprüngliche Drehbuch NOCH originalgetreuer war (ähnlich wie das des "Rächers") und manche der Abweichungen (etwa Kinskis Rolle und ihre Aktionen erst nachträglich hinzugefügt wurden? Diese Frage hätte wohl nur unser vor 2011 verstorbenes Mitglied beantworten können.


Da müsste man jetzt die Fragen stellen, wie Joachim Kramp damals an diese Infos gekommen ist und ob man dieselbe Quelle nicht heute auch noch benutzen könnte.

Savini Offline



Beiträge: 1.025

01.06.2021 20:37
#167 RE: Bewertet: "Die seltsame Gräfin" (8) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #166
Zitat von Savini im Beitrag #161
Und wieso ist Shaddle im Finale überhaupt dabei, obwohl die Gräfin doch befürchten muss, dass Mary Pinder reden wird? War eventuell im Drehbuch ursprünglich Chesney Praye vorgesehen?


Gegenfrage: Warum sollte er nicht dabei sein? Da geht es doch letztendlich darum, Mary Pinder auf elegante Weise loszuwerden (mit Geld ins Ausland abschieben). Und jede Lösung, die nicht mit Mord und Totschlag endet, dürfte doch in seinem Sinne sein. Er wollte doch nicht die Gräfin ans Messer liefern, sondern nur Lois schützen.

Aber würde die Gräfin so sehr auf seine Loyalität vertrauen, dass er nichts gegen sie unternehme, selbst wenn Mary Pinder in seiner Gegenwart enthüllt, dass die Gräfin eine Mörderin ist und eine Unschuldige 20 Jahre ins Gefängnis brachte?

Zitat von Savini im Beitrag #161
Aber später, bei der Gefangennahme der beiden Frauen sind Mrs. Rookes und der Pfleger informiert und machen mit (ein ähnliches Problem gibt es auch beim "Testament"-Remake).


Wobei Freiheitsberaubung und Mord noch zwei ganz unterschiedliche Dinge sind. Nur weil sie bei dem einen mitmachen, müssen sie von dem anderen doch noch lange nichts wissen.[/quote]
Natürlich ist Beihilfe zur Freiheitsberaubung strafrechtlich eine andere Sache. Aber so besessen wie Bresset davon war, Margaret zu töten, hat er sicher ihren Namen in Gegenwart der Pfleger öfter genannt. Und wenn eben diese Frau ein paar Wochen später in der Anstalt festgehalten wird, käme mir das komisch vor.

Zitat von Savini im Beitrag #165
Im Vorspann stehen zwei Drehbuchautoren und laut Joachim Kramp hat Stemmle Gutbrods Version stark überarbeitet? Ob das ursprüngliche Drehbuch NOCH originalgetreuer war (ähnlich wie das des "Rächers") und manche der Abweichungen (etwa Kinskis Rolle und ihre Aktionen erst nachträglich hinzugefügt wurden? Diese Frage hätte wohl nur unser vor 2011 verstorbenes Mitglied beantworten können.


Da müsste man jetzt die Fragen stellen, wie Joachim Kramp damals an diese Infos gekommen ist und ob man dieselbe Quelle nicht heute auch noch benutzen könnte.[/quote]
Hat Joachim Kramp nicht die verschiedenen Drehbuchfassungen gelesen? Zumindest anhand seiner Beiträge hier und mancher Bemerkungen in seinem Buch hatte ich zumindest diesen Eindruck.

Savini Offline



Beiträge: 1.025

01.06.2021 20:39
#168 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #163
Was die "Bereicherung" angeht: Ich finde es witzig, dass so oft betont wurde, der Film beginne stark und hänge später durch. Für die Spannung zu Beginn sorgen fast durchgehend Stuart Bresset und die von ihm ausgehenden Aktionen (Anrufe, Anschläge); ohne diese wäre der Film sicher noch viel langweiliger.

Eine kleine Selbstkorrektur: ich meinte, "ohne diese wäre der Film sicher noch als viel langweiliger kritisiert worden".

Savini Offline



Beiträge: 1.025

21.07.2021 14:46
#169 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Um einen älteren Beitrag zu ergänzen:

Zitat von Savini im Beitrag #163
Ich finde es witzig, dass so oft betont wurde, der Film beginne stark und hänge später durch. Für die Spannung zu Beginn sorgen fast durchgehend Stuart Bresset und die von ihm ausgehenden Aktionen (Anrufe, Anschläge); ohne diese wäre der Film sicher noch viel langweiliger.
Im Roman gibt es zu Beginn "nur" das versuchte Überfahren und die Pralinen (dass diese vergiftet sind, erfährt man dort später; es dürfte aber kaum überraschend sein).
Ansonsten sorgt dort allenfalls das Stalken durch Michael Dorn für eine "mysteriöse" Stimmung; aber da er im Film von "Blacky" verkörpert wird, war dort von vornherein klar, dass er rechtschaffene Motive haben muss.

Im Buch hat Dorns Stalken bereits einige Zeit vor Beginn der Handlung begonnen, worüber sich die Lois und Lizzy wundern. Ansonsten passiert wenig Spektakuläres, bis auf das versuchte Überfahren. Erst nach und nach wird Lois bewusst, dass es jemand auf sie abgesehen hat (spätestens ab der Sache mit dem Balkon). Für einen Film wäre das zu wenig gewesen. Da Dr. Tappat Arzt ist und es im Roman an einer Stelle heißt, er habe während seiner Zeit in Indien Menschen entmündigt, war es naheliegend, ihn zum Leiter einer Anstalt und zum "Herrn und Meister" eines Irren zu machen. Auch wirkt die Anstalt als Schauplatz im Film besser als die Farm der Vorlage gewesen wäre.
Dass Mike Los (bzw. dort Maragret) nach ihrer Flucht auch im "zweiten Finale" anwesend sind, wirkt auch besser und abgerundeter als wenn Lizzy und Selwyn allein dort die Sache beenden; zumal beide Figuren im letzten Drittel des Films sehr in den Hintergrund treten.
Eine weitere Verbesserung sehe ich bei der Szene im Frauengefängnis: Dass Mr. Shaddle Mary Pinder verteidigt hat und deswegen seine Angestellte dorthin schickt, um einige Dinge im Zusammenhang mit der bevorstehenden Entlassung zu regeln, ist in sich logisch.
Im Buch dagegen wird die junge Frau wegen einer ganz anderen Gefangenen nach Telsbury geschickt; da es ihr letzter Besuch dort ist, schlägt der Direktor ihr einen Rundgang vor. Von allen Frauen dort fällt ihr zufällig ausgerechnet Mary Pinder auf, weshalb sie nach dieser fragt. Eigentlich dürfte der Direktor ihr darüber keine Auskunft geben; aber zufällig hat er gerade an diesem Morgen noch einmal in ihrer Akte gelesen und daher das Bedürfnis, mit jemandem über den Fall zu sprechen. Und zufällig erwähnt er noch, dass die im Gefängnis geborene Tochter durch eine Ungeschicklichkeit eine Brandverletzung am Arm erhielt - nachdem Lois zufällig wenige Stunden vorher von Lizzy noch auf ihre Narbe am Arm angesprochen worden war (ob sie sich diese nicht entfernen lassen wolle).
Die Änderung vereinfacht die Sache an dieser Stelle nicht nur, sondern entfernt auch die etwas zu gewollt wirkende Verkettung von Zufällen. Eine gute Entscheidung!

Count Villain Offline




Beiträge: 4.769

30.09.2022 09:46
#170 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #146
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #145
Wenn ihr Bruder nun jünger gewesen wäre, was ja nicht klar ist, wie wäre da eigentlich die Erbfolge gewesen ? Hätte da nicht Lady Moron, oder bessergesagt ihr Sohn als nächster männlicher Nachkomme des ursprünglichen Lord, den Titel und den Besitz tatsächlich geerbt ? Keine Ahnung, zumal das englische Erbrecht, gerade auch beim Adel, doch recht komplex ist und mit allerlei Seltsamkeiten aus dem Mittelalter aufwartet. Da habe ich gerade erst einen schönen klassischen Krimi gelesen, bei dem es um eine solche delikate Rechtsfrage ging, die dann auch das Mordmotiv war.


Zwei Möglichkeiten:

1. Ihr Bruder war nicht jünger.
2. Es wird in direkter Linie vererbt, aber Männer haben das Vorrecht.


Da es durch den Tod der Queen mit der Erbfolge mal wieder ein Thema war: Zur Zeit des Films kam die zweite Option - zumindest im englischen Königshaus - zur tatsächlichen Anwendung. Männer haben das Vorrecht. Daher steht Elizabeths Tochter Anne auch hinter ihren jüngeren Brüdern in der britischen Thronfolge. Die gleichberechtigte Erbfolge von Frauen und Männern wurde erst vor wenigen Jahren beschlossen und wird auch nicht rückwirkend angewendet (Anne ist in der Thronfolge daher auch nicht aufgestiegen).

Savini Offline



Beiträge: 1.025

29.04.2025 11:51
#171 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Vor einigen Wochen kam in der Reihe "Kein Mucks!" ein Hörspiel von 1958 an die Reihe, an dem Marianne Hoppe und Ernst Schröder beteiligt waren:https://www.ardaudiothek.de/episode/kein...a/ard/14124367/
In seiner anschließenden Moderation ging Bastian Pastewka ab 01:06:10 genauer auf die Karriere beider ein, wobei er sich einige Minuten der "seltsamen Gräfin" widmete. Danach folgten ein paar Seitenhiebe auf Herbert Reineckers sehr spezielle Namensgebung und den Stil der von ihm verfassten Dialoge sowie auf den Trailersprecher der "Nylonschlinge" und sogar ein Satz zu den "Todesstrahlten des Doktor Mabuse" ("der Titel war besser als der ganze Film").
Für viele Forumsmitglieder gibt es also sicher gleich mehrere Gründe, hier hineinzuhören!

Savini Offline



Beiträge: 1.025

06.05.2025 14:22
#172 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Es wurde bereits öfter erwähnt, dass bei Peter Thomas´ erster Beitrag zur Serie sein späterer Stil noch nicht so recht zu erkennen sei und er sich teilweise eher an früheren Kompositionen anderer orientiert habe, speziell an denen von Heinz Funk.
Mir ist besonders bei zwei aufeinanderfolgenden Szenen Musik aufgefallen, die sehr an Funk erinnerte, besonders an die, die dieser für den "Bogenschützen" geschrieben hatte: Als Lizzy im Park von Bresset attackiert wird und direkt danach, als Margaret überfahren werden soll.
Das ist insofern ein ironischer Zufall, da in beiden Filmen bekanntlich Schloss Ahrensburg als Kulisse diente und Jürgen Roland Josef von Baky bekanntlich nach dessen Herzinfarkt ablöste.

Savini Offline



Beiträge: 1.025

23.05.2025 14:43
#173 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Veranlasst durch Bastian Pastewkas Bemerkungen habe ich diesen Film neulich mal genauer unter die Lupe genommen. Dabei sind mir einige Besonderheiten aufgefallen:
Neben der gehäuften Mitwirkung von UFA-Namen fällt auch auf, dass der Film relativ viele Frauenrollen hat, sowohl bei den zentralen Figuren (die Gräfin, Margaret, Lizzy, Mary Pinder) als auch bei Nebenrollen (die Aufseherin Mrs. Rookes, das Dienstmädchen der Gräfin). Die "Gräfin" dürfte einer der wenigen Wallace-Filme sein, der den Bechdel-Test problemlos bestehen könnte!
Ebenfalls untypisch erscheint, dass die weibliche Hauptfigur deutlich mehr Screentime haben dürfte als die männliche und dass letztere erst im letzten Drittel des Films (nach der Konfrontation mit der Gräfin) zur wirklich durchgehenden Rolle wird.
Dadurch, dass Margaret Reedle relativ viel Raum erhält, bleibt auch mehr Platz zur schauspielerischen Entfaltung und für die emotionale Anteilnahme, zumal diese Figur psychisch wirklich viel durchmacht! Sie hat denn auch einige emotionale Ausbrüche, etwa als ihr klar wird, wer ihre wahre Mutter ist, den Nervenzusammenbruch nach dem erneuten Anruf, die Stelle, als sie Dr. Tappat anfleht, sie aus der Zelle herauszulassen und sie danach im Käfig erst von Stuart Bresset und dann vor der Frau mit einer Puppe zurückschreckt. Insofern wurde hier die Stimmung der Romanvorlage ganz gut getroffen, deren erstes Drittel sogar komplett aus ihrer Sicht erzählt wird (was sich bei einer Verfilmung im Stile dieser Reihe natürlich nicht komplett übernehmen ließ).
Im Zusammenhang mit Brigitte Grothums Figur fiel einmal das Wort "bodenständig", was ich sehr treffend finde. Man denke nur an ihre erste Szene, als sie schlaftrunken im Pyjama aus dem Bett kommt, barfuß und mit leicht zerzausten Haaren; Karin Dor sah man gelegentlich auch im Schlafanzug oder Nachthemd, aber diese sah darin trotzdem immer noch deutlich "damenhafter" aus. Gleiches gilt für ihre Genervtheit über den erneuten Anruf am nächsten Morgen (vor dem ersten Mordanschlag) oder ein kleines Detail, das mir erst jetzt so richtig auffiel: Als sie nach Lektüre der Prozessakten und dem erneuten Anschlag in ihre Wohnung kommt, trinkt sie erstmal einen kleinen Schluck zur Beruhigung.
So viel Raum, sie emotional auf eine Figur einzulassen, hat man als Wallace-Zuschauer selten.
Ironischerweise trifft Letzteres auch etwas auf Klaus Kinskis Rolle zu, die einerseits typisch, andererseits aber auch wieder untypisch ist: Typisch durch ihren Wahnsinn und die Ausbrüche, untypisch wiederum dadurch, dass sie (anders als sonst in der s/w-Phase) überlebt und außerdem extrem mitleiderregend wirkt, da relativ schnell klar wird, dass Bresset von Dr. Tappat ausgenutzt wurde (er holt ein Foto aus der Tasche).
Die Angabe bei Christos Tses, Harry Wüstenhagen sei hier ursprünglich geplant gewesen, erscheint mir komisch: Einmal, weil das weder bei Joachim Kramp noch bei Tobias Hohmann steht (die ansonsten öfter zunächst geplante Besetzungen anführen), aber vor allem, weil Bresset für mich eigentlich die Kinski-Rolle schlechthin bei Edgar Wallace ist.
Auch Eddi Arents Rolle ist angenehm zurückhaltend und bietet sogar ansatzweise schauspielerische Herausforderung, selbst das Happy End des Romans kann man bei der letzten Filmeinstellung erahnen.
Einerseits heißt es über den Film (etwa bei deutscher-tonfilm oder in einer Besprechung der "TV Spielfilm") hier seien die meisten Figuren undurchsichtig, andererseits wurde hier im Thread bemerkt, die Fronten seien eigentlich klar. Beides zusammen erscheint mir zutreffend, da es relativ viele Figuren gibt, von denen eine Bedrohung ausgeht (Tappat, Praye, Bresset), die mehr zu wissen scheinen als sie sagen können/dürfen (Mary Pinder, Shaddle, Mike Dorn) oder deren Motive/Haltungen zunächst unklar sind (Addams, Shaddle).
Schauspielerisch ein teilweise starker Film, aber zugleich auch durch die bedrückende, düstere Atmosphäre und den sehr geringen Humoranteil einer der düstersten Beiträge der s/w-Phase. Der Kontrast zur unmittelbar folgenden "Orchidee" könnte kaum größer sein, auch in Bezug auf die Musik von Peter Thomas.

Fabi88 Offline



Beiträge: 4.116

23.05.2025 15:31
#174 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Interessante Beobachtungen und Bemerkungen!
Die starken Frauenrollen werden ja mit dem Titel schon etwas angedeutet.
Aber ganz richtig, wie Du schon schreibst, ist es weniger die Gräfin als Margaret, die im Mittelpunkt steht. Im Grunde erhalten hier sogar Margaret und Lizzy über weite Strecken die Screentime, die ansonsten die Herren, wie beispielsweise Fuchsberger und Arent im "Frosch" erhielten. Am Ende müssen (ganz zeitgemäß) natürlich wieder die alten Rollenbilder hergestellt werden, aber ich fand den Film gerade deswegen spannend, weil er immer als "altmodischer Sonderling" in der Reihe gilt, in der Figurenzeichnung, gerade bei den jungen Protagonisten aber ganz im Gegenteil relativ frisch wirkt.
Der Film allgemein gehörte bei der aktuellen Sichtungsreihe zu den positiven Überraschungen für mich. Handwerklich sehr sauber, teilweise (auch heute noch) sehr bedrückend inszeniert und packend. Dass die Explosion hier glaubwürdiger und besser inszeniert ist, als beim britische Co-Produktions-Prestige-Projekt "Das Geheimnis der gelben Narzissen", hatte ich dort im Thread ja auch mal erwähnt.

Savini Offline



Beiträge: 1.025

23.05.2025 22:52
#175 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Zitat von Fabi88 im Beitrag #174
Am Ende müssen (ganz zeitgemäß) natürlich wieder die alten Rollenbilder hergestellt werden

... wobei es am Ende interessanterweise Margaret und Selwyn sind, die Mike Dorn das Leben retten! Eine solche Rettung durch die Herzensdame gab es zuvor natürlich schon in der "Bande" und durch die Sidekick-Figur in den "toten Augen", aber hier ist es eben die Kombination von beiden, was die Situation so ungewöhnlich macht - nachdem der Held im Zweikampf (mit einem etwa 30 Jahre älteren, hageren und versoffenen Gegner!) den Kürzeren gezogen hat.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #174
weil er immer als "altmodischer Sonderling" in der Reihe gilt

Interessanterweise wurde er bereits bei seiner Premiere von der damaligen Presse mitunter als angestaubt kritisiert (siehe die bei Christos Tses zitierten Pressestimmen).
Zitat von Fabi88 im Beitrag #174
Handwerklich sehr sauber, teilweise (auch heute noch) sehr bedrückend inszeniert und packend.

Was die bedrückende Atmosphäre angeht: Nachdem ich seinerzeit die s/w-Wallace auf Video aufgezeichnet habe, wurde die "Gräfin" besonders stark gemieden. Als ich später im Geist die Titelmusiken der einzelnen Filme durchging, fiel mir ein, dass ich hier nicht einmal diese wusste.
Mein Gedanke war jedenfalls früher, dass dieser Film eigentlich ideal wäre, um Paranoia zu bekommen! Ein deutlich anderes Gefühl als der wohlige Grusel, den Filme wie der "Abt" oder die "toten Augen" bei mir auslösten.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.769

23.05.2025 23:34
#176 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Die Titelmusik ist jetzt auch nicht wirklich eingängig, da sind die swingenden Melodien späterer Filme leichter zu merken. Die Gräfin gewinnt auch sehr durch die Bluray-Qualität.

Fabi88 Offline



Beiträge: 4.116

26.05.2025 11:23
#177 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #175
Zitat von Fabi88 im Beitrag #174
weil er immer als "altmodischer Sonderling" in der Reihe gilt

Interessanterweise wurde er bereits bei seiner Premiere von der damaligen Presse mitunter als angestaubt kritisiert (siehe die bei Christos Tses zitierten Pressestimmen).

Eben dies meinte ich.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #174
Handwerklich sehr sauber, teilweise (auch heute noch) sehr bedrückend inszeniert und packend.

Was die bedrückende Atmosphäre angeht: Nachdem ich seinerzeit die s/w-Wallace auf Video aufgezeichnet habe, wurde die "Gräfin" besonders stark gemieden. Als ich später im Geist die Titelmusiken der einzelnen Filme durchging, fiel mir ein, dass ich hier nicht einmal diese wusste.
Mein Gedanke war jedenfalls früher, dass dieser Film eigentlich ideal wäre, um Paranoia zu bekommen! Ein deutlich anderes Gefühl als der wohlige Grusel, den Filme wie der "Abt" oder die "toten Augen" bei mir auslösten.[/quote]
Da ging es mir ähnlich. Die Titelmusik hätte ich wohl auch früher immer zuordnen können, aber den Film habe auch ich längst nicht so oft in den Player geworfen wie den "Hexer" oder die "Mönche".
Als Jugendlicher waren mir Schauwerte und wohlige Sonntag-Nachmittag-Gursel-Atmosphäre sowie Arents Blödeleien verständlicherweise wichtiger als differenzierte Figurenzeichnung, gute Bildgestaltung oder durchdachte Dramaturgie. Dass es bei der "Gräfin" in eben dieser Figurenzeichnung viele Grautöne gibt, der Tod des Butlers (der ja auch jemand anderes ist, als er zu sein scheint) den Zuschauer in der Art der Inszenierung durchaus mitnimmt anstatt augenzwinkernd zu unterhalten, Arent ungewohnt ernst daher kommt, auch beispielsweise Kinski nicht einfach nur "böse und irre" ist und man selbst mit der Gräfin am Ende bei ihrem Selbstmord in gewisser Weise mitfühlt, macht diesen Film in gewisser Weise zu etwas Besonderem innerhalb der Reihe. Es gibt keine bloßen auf den ersten Blick erfassbaren Karikaturen wie sonst, alle Figuren werden von Buch und Regie ernst genommen - selbst Lizzy, die man anfangs (mit der Seherfahrung der vorigen Wallace-Filme) vorschnell als weibliches Arent-Pendant abstempeln will, entpuppt sich ja als dramaturgisch wichtige Figur und wandelt sich in gewisser Weise. Man hat den Eindruck, von Baky und wahrscheinlich schon Gutbrod mit seinem einzigen Wallace-Drehbuch nahmen die Vorlage ungewohnt ernst. Stemmle verfasste dann ja die Endfassung des Buchs und ich finde beispielsweise die Art, wie die Charaktere behandelt werden seinem "Der Henker von London" gar nicht unähnlich. Ich will bei der Gelegenheit aber auch darauf hinweisen, dass "auf den ersten Blick erfassbare Karikaturen" super funktionieren können - viele Figuren in "Die toten Augen von London" sind beispielsweise so gestaltet und es ist aus meiner Sicht super so.
Reinls "Der Fälscher von London" atmet annähernd einen ähnlich "ernsten" Geist wie die "Gräfin", Roland und Vohrer setzten bei ihren Beiträgen im selben Jahr auf wesentlich mehr Augenzwinkern und ironische Distanz.
Dagegen sind die extrem archaischen Zustände in dem privaten Sanatorium hier wirklich bedrückend ausgestaltet. Auch die von Dir angesprochene Paranoia, die die ständigen Telefonanrufe beim Zuschauer auslöst, ist direkter als es der wohlige Nervenkitzel anderer Wallace-Filme ist.
Das klingt jetzt mehr nach euphorischer Besprechung, als es sollte. "Die seltsame Gräfin" ist kein Meisterwerk und auch nicht unter den absoluten Highlights der Reihe, aber er setzt einfach andere Schwerpunkte als viele andere Filme der Reihe, was ihn vielleicht für "ältere" Zuschauer (im Gegensatz zu den Wallace-Spektakeln mit Jugendlichen und Familien als Zielgruppe) interessanter macht, bzw. erst bei erneuter Begegnung viele Jahre nach der Erstsichtung schätzen gelernt wird. Im Gegenzug ist er für Freunde der eskapistischen Filme (an die man beim Namen "Wallace" denkt und die beispielsweise "Der Wixxer" parodiert) natürlich sperriger. Dass es in diese Richtung nicht weiterging, ist also (mal ganz abgesehen vom Tod von Bakys) absolut verständlich.

Zitat von Count Villain im Beitrag #176
Die Gräfin gewinnt auch sehr durch die Bluray-Qualität.

Das kommt bei diesem Film absolut hinzu! Die wirklichen Wallace-Klassiker setzen ja auf starke Kontraste und retten viele Elemente der Bildgestaltung selbst noch auf durchgenudelte VHS-Kassetten herüber, "Die seltsame Gräfin" ist auch in diesem Punkt (Kamera: Richard Angst!) wesentlich feinstufiger gearbeitet, was in schlechter Qualität dann leider schnell flach/matschig wirkt. Auf der Blu-Ray ist die gelungene Lichtsetzung erst wirklich wahrzunehmen.
Auch die Tonspur ist fantastisch restauriert.

Savini Offline



Beiträge: 1.025

26.05.2025 12:06
#178 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Zitat von Fabi88 im Beitrag #177
Es gibt keine bloßen auf den ersten Blick erfassbaren Karikaturen wie sonst, alle Figuren werden von Buch und Regie ernst genommen - selbst Lizzy, die man anfangs (mit der Seherfahrung der vorigen Wallace-Filme) vorschnell als weibliches Arent-Pendant abstempeln will, entpuppt sich ja als dramaturgisch wichtige Figur und wandelt sich in gewisser Weise. Man hat den Eindruck, von Baky und wahrscheinlich schon Gutbrod mit seinem einzigen Wallace-Drehbuch nahmen die Vorlage ungewohnt ernst.

Interessanterweise entspricht das mit der "Wandlung" Lizzys zu einer ernsthafteren Figur auch dem Roman, wo es natürlich noch mehr Raum erhält (etwa durch ihre Beziehung zu Selwyn).
Zitat von Fabi88 im Beitrag #177
Stemmle verfasste dann ja die Endfassung des Buchs und ich finde beispielsweise die Art, wie die Charaktere behandelt werden seinem "Der Henker von London" gar nicht unähnlich.

Inwiefern?
Zitat von Fabi88 im Beitrag #177
Auch die von Dir angesprochene Paranoia, die die ständigen Telefonanrufe beim Zuschauer auslöst, ist direkter als es der wohlige Nervenkitzel anderer Wallace-Filme ist.

Wobei ich das mit der Paranoia weniger auf die Anrufe und Mordanschläge bezogen meinte, sondern eher darauf, dass Margaret lange nicht weiß, worum es geht und wem sie noch vertrauen kann. Für den Zuschauer ist zwar klar, dass Mike Dorn sie beschützen will, aber dadurch, dass sein Auftraggeber Mr. Shaddle nicht mit allem herausrückt, ist das auch kein zu großer Wissensvorsprung.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #177
der eskapistischen Filme (an die man beim Namen "Wallace" denkt und die beispielsweise "Der Wixxer" parodiert)

Wobei der zweite "Wixxer"-Film sich ja schon teilweise bei der "Gräfin" bedient, etwa bei dem Mordanschlag auf dem Balkon, die Irrenstalt und speziell die Gigur des Chucky Norris, der teilweise auf Stuart Bresset basiert (teilweise natürlich auch auf Frank Keeney).

Fabi88 Offline



Beiträge: 4.116

27.05.2025 12:47
#179 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #178
Zitat von Fabi88 im Beitrag #177
Stemmle verfasste dann ja die Endfassung des Buchs und ich finde beispielsweise die Art, wie die Charaktere behandelt werden seinem "Der Henker von London" gar nicht unähnlich.

Inwiefern?

Auch dort gibt es keine Karikaturen, bzw. die eine (dafür wirklich große), die Howland spielt hat einen doppelten Boden und somit zumindest am Ende auch Tiefe. Selbst Butler und Polizeiarzt oder der frisch aus dem Gefängnis freigelassene Gangster sind ausformulierte Charaktere, die merkbar Lebensgeschichten mitbringen und nicht einfach nur für die Dramaturgie oder vordergründige Effekte (Lacher und Co) handeln. Das liegt sicherlich auch in Teilen an Zbonek (beim Filmportal kann man seine Anmerkungen zum Treatment lesen - er war also außergewöhnlich früh in das Projekt eingebunden), aber ist im Ansatz eben ähnlich zu dem, was ich bei der "Gräfin" feststelle.

Zitat von Savini im Beitrag #178
Wobei der zweite "Wixxer"-Film sich ja schon teilweise bei der "Gräfin" bedient, etwa bei dem Mordanschlag auf dem Balkon, die Irrenstalt und speziell die Gigur des Chucky Norris, der teilweise auf Stuart Bresset basiert (teilweise natürlich auch auf Frank Keeney).

Absolut richtig, dass hatte ich vergessen! Chucky Norris ist aber ja eher ein Konglomerat aus diversen Kinski-Rollen und die Figur (wie auch Irrenanstalt und Balkon) werden hier ja in einem anderen Kontext behandelt. Dass die "Gräfin" weitaus weniger eskapistisch wirkt, liegt ja nicht an diesen Elementen, sondern daran, wie sie inszeniert und eingesetzt werden. Irrenanstalten gab es ja auch in anderen Wallace-Filmen, ohne dass diese eine ähnlich bedrückende Wirkung entwickelten.

Savini Offline



Beiträge: 1.025

27.05.2025 13:40
#180 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Zitat von Fabi88 im Beitrag #179
Auch dort gibt es keine Karikaturen, bzw. die eine (dafür wirklich große), die Howland spielt hat einen doppelten Boden und somit zumindest am Ende auch Tiefe. Selbst Butler und Polizeiarzt oder der frisch aus dem Gefängnis freigelassene Gangster sind ausformulierte Charaktere, die merkbar Lebensgeschichten mitbringen und nicht einfach nur für die Dramaturgie oder vordergründige Effekte (Lacher und Co) handeln.

Sind Gerechtigkeitsfanatiker, die sich für ihre Taten jedes mal aufs neue einen historischen Strick aus dem Museum holen und dabei mit einer Pferdekutsche (!) durch das London des Jahres 1963 fahren, nicht doch etwas überzeichnet? Oder pensionierte Richter, die mit ihrem Butler Mordprozesse in den eigenen vier Wänden nachspielen oder Mörder, die die Leiche des eigenen Bruders als Mumie an ein Museum verkaufen, ohne dass es dort jemandem aufzufallen scheint? Und ein wahnsinniger Wissenschaftler, der Frauen enthauptet, um deren Köpfe für medizinische Experimente zu verwenden, erscheint mir jetzt auch nicht unbedingt eine realistische Figur zu sein.
Im Vergleich finde ich im Bereich der Rialto-Reihe den "Fälscher" relativ realistisch, was die Figuren und ihre Motive angeht (abgesehen von Arents kurzen Auftritten), ähnlich den "roten Kreis" oder sogar den "schwarzen Abt", wenn man von Arents Rolle absieht (ob die dargestellten Formen des Wahnsinns überzeugend sind, sei dahingestellt).

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