Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 155 Antworten
und wurde 11.189 mal aufgerufen
 Filmbewertungen
Seiten 1 | ... 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11
Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.439

07.02.2019 18:58
#151 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Es gibt gerade viel zu tun, deswegen hänge ich mit den WdW-Sichtungen zurzeit leider etwas hinterher. Ich gelobe Besserung.

Wie der "Fälscher" hat mir auch die "Gräfin" diesesmal erstaunlich gut gefallen. Stimmig im Aufbau, solide in der Inszenierung, hervorragend im Schauspiel. Lil Dagover gelingt eine geradezu ikonische Darstellung der Titelrolle, und man darf mit Fug und Recht behaupten, dass das Gros des Publikums sie heute in erster Linie mit der "Gräfin" in Verbindung bringt. Ich finde auch nicht, dass sie es mit ihrer Theatralik extrem übertreibt; stattdessen meine ich bemerkt zu haben, dass die Rolle bewusst so gestaltet wurde, dass sich das "Seltsame" der Figur erst im Verlauf der Filmhandlung immer mehr herauskristallisiert. In ihren ersten Szenen wirkt die Gräfin noch vergleichsweise normal und nur dezent schrullig-exzentrisch. Später steigert sich das peu à peu - und im Finale gibt es dann kein Halten mehr - das spitze, beinahe gesungene "Ich habe ihn getötet!" und das abschließende "Niemand!" dürfte jedem, der diesen Film auch nur einmal gesehen hat, noch in bester Erinnerung sein.

Die anderen Schauspieler setzen ebenfalls prägnante Duftmarken. Sowohl Kinski als auch Arent absolvieren jeweils einen ihrer besten Auftritte. Marianne Hoppe und Rudolf Fernau geben denkwürdige Gastspiele. Bei Fernau wundert man sich, dass er nur einmal in der echten Reihe mitwirkte, war er doch im 60er-Jahre-Krimi eigentlich omnipräsent. Unverständlich, dass die Rialto ihn nie wieder engagierte. Brigitte Grothum überzeugt als unschuldig in Lebensgefahr geratene Protagonistin auf ganzer Linie und es fällt dem Zuschauer leicht mit ihr mitzufiebern, auch wenn letzteres in meinen Augen nicht zwangsläufig ein Qualitätsmerkmal darstellt.

Das Wallace-Debüt von Peter Thomas muss als gelungen erachtet werden, wenngleich sein Score noch nicht so geschmeidig und experimentierfreudig daherkommt, wie spätere Arbeiten. Das kitschig-melodiöse Stück "In the Ancestral Gallery" hätte von Baky allerdings nicht als Schlussmusik auswählen sollen, da es das dramatische Ableben der Gräfin unnötig abmildert. Erst der spektakuläre Selbstmord und unmittelbar danach die Musik wie aus einem barocken Kostümfilm.

Dass man sich die Motivlage ein bisschen selbst zusammenreimen muss, ist sicherlich nicht ganz falsch, aber wie der Count schon treffend bemerkt hat, liegen alle relevanten Informationen vor. Das mysteriöse Verhalten von Rechtsanwalt Shaddle fügt sich insofern gut ins Geschehen ein, als dass ansonsten wenig "graue" Figuren auftreten, da die Intentionen fast aller anderen Charaktere eindeutig sind.

Unterm Strich ein gelungener, eigenständiger Beitrag, der mal wieder unter Beweis stellt, was für eine großartige, abwechslungsreiche Filmreihe die Edgar-Wallace-Filme doch darstellen.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.995

07.02.2019 21:12
#152 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Sehr schön, wieder einen Wallace-Kommentar von dir zu lesen - auf dass dir trotz Zeitnot nicht die Luft ausgehen möge.

Deiner Deutung der Gräfin-Rolle bzw. ihres darstellerischen Aufbaus kann ich nur zustimmen; Dagover zeigt hier kein blankes Overacting, wie es ihr manche Kritiker vorwerfen, sondern eine klare schrittweise Progression von einer herkömmlichen Verdächtigenrolle zur titelgebenden "seltsamen" Gräfin.

Das Argument bzgl. der Abschlussmusik kann man wohl durchgehen lassen, aber mich persönlich hat sie nicht wirklich gestört, weil ein Kontrapunkt zum sehr aufgeheizten, theatralischen Finale für meine Begriffe auch ganz gut passt, um die Gemüter der Kinogänger wieder abzukühlen. Gerade wenn ich im Nachgang mit der Musik zu "Das Rätsel der roten Orchidee" vergleiche, die den Film stellenweise einfach noch klamaukiger macht, muss ich Thomas' Erstlingswerk für die Wallace-Serie nochmals als besonders gelungen hervorheben.

veronica Offline




Beiträge: 8

22.02.2019 20:27
#153 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

In Memoriam Arild Rafalzik, Buchautor, Musik- und Filmproduzent, verstarb am 20.02.2018 viel zu früh im Alter von 61 Jahren in München

Wer war Herr Rafalzik?
Arild Rafalzik machte sich in Joachim Fuchsbergers „heut Abend“ und mit seinen Ausstellungen für das Filmfest München einen ersten Namen. Seine Filmbegeisterung und sein bewusster Blick hinter die Kulissen brachten ihn auf unterschiedliche Weise mit einer Vielzahl von Stars (Hepburn/Belmondo) und Filmschaffenden (Wise/Donen) zusammen.
Seine Biographie über den Schauspieler Lex Barker war der maßgebliche Vorreiter für eine Welle an Film-Genre-Büchern deren Autoren (Kramp/Tses) er bei ihren Erstlingswerken unterstützten.

Da ihm die damaligen CD-Soundtrack-Produktionen nicht zusagten, verlagerte Arild Rafalzik ab 1996 seinen Schwerpunkt auf Veröffentlichung von Filmmusiken. Am bekanntesten wurden seine CD-Reihen „Deutsche Filmkomponisten“ (für Bears Family Records) und die „Kriminalfilm-Musiken“ (Edgar-Wallace-Preis). Für letztere Soundtrack-Reihe begeistere sich auch George Clooney und nahm fünf Tracks aus der CD des Komponisten Peter Thomas mit in seinem Film „Confessions Of A Dangerous Mind“.

http://arild-rafalzik.de/CDs04.htm

Baal1985 Offline



Beiträge: 53

01.03.2019 15:37
#154 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Ich habe den Film heute zum ersten Mal seit über 20 Jahren wieder gesehen. Damals fand ich ihn furchtbar wirr und einfach nur zusammenhanglos.

Musik:
Gut prägnante Melodien, die gezielt eingesetzt werden, aber manchmal einfach extrem platt oder übertrieben wirken. Ich denke dabei vor allem an die Szene in der das Schloss zum ersten Mal gezeigt wird oder die erwähnte Schlussmusik. Letztere hätte wohl besser in einen Kinder- oder Heimatfilm gepasst. 4/5

Drehbuch:
Ich war schon begeistert von Stemmles Drehbuch zu "Der Henker von London" und das hier ist genauso gut. Die Geschichte wird gut erklärt. Die Langatmigkeiten, die viele hier bemängeln kann ich nicht finden. Das Einzige, was mich wirklich zur Weißglut bringt sind die teilweise extrem unnötigen und platten Dialoge.Die braucht der Film gar nicht, da die Bilder aussagekräftig genug sind. Immer wieder wird erklärt, wie sehr der Sohn das Theater mag. Fernau tut Fuchsberger eine Tablette in den Whiskey und fragt:"Warum sind sie so skeptisch? Glauben sie etwa ich hätte ihnen etwas hinein getan?" #Aua

Es gibt nur eine Sache, die ich an der Geschichte nicht verstehe: Welche Rolle spielt der Rechtsanwalt, bzw. Fritz Rasp? Woher weiß er, dass Ms. Reedle in Gefahr ist?

4/5

Schauspiel:
Es gibt keinen Charakter,der mir nicht gefällt. Kinski spielt die gleiche Rolle wie meist, aber eben auch so überzeugend wie noch nie. Seine Beweggründe werden ja auch gut genug erklärt.
Fuchsberger wirkt am Anfang etwas deplatziert, aber nur weil man seine Rolle noch nicht genau kennt. Die Dagover spielt eigentlich auch nicht überzogen, außer im Finale vielleicht. Das ist insgesamt sehr theatralisch und hätte auf der Bühne besser funktioniert. Eddy Arent macht sich in einer etwas ernsteren Rolle ganz gut. 4/5

Ästhetik:
Die Bilder hauen mich wirklich um. Sie sind immer passend gesetzt und fangen auch das Tempo des Films ein. Besonders gut gefallen mir diese düster ausgeleuchteten Szenen. Dadurch wirkt der Film manchmal wie ein Stummfilm. Aber das hat auch einen gewissen Charme. 5/5


Insgesamt 4/5. Ein schön schauriger Film, der manchmal arg übertrieben wirkt.

Andreas Offline




Beiträge: 411

24.06.2019 22:52
#155 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Die SELTSAME GRÄFIN ist ein seltsamer Beitrag. Er hat gute Momente, die typisch Wallace sind. Aber er hat auch schlechte Momente. Als ich ihn zum ersten Mal sah, da ahnte ich die Lösung, die nun wahrlich nicht überraschend ist. Die Schauspieler agieren teilweise völlig übertrieben; die Kulissen wirken wie Theaterpappe. Andererseits besitzt er eine Grundspannung, obwohl seine Effekte lediglich "Wallace-Fan-Service" sind. Mehr als 2,5 /5 Punkten kann ich nicht geben.

Count Villain Online




Beiträge: 4.216

10.08.2019 21:09
#156 RE: Wallace der Woche (09): Die seltsame Gräfin (1961) Zitat · Antworten

Der schurkische Nachschuss: Originäres Wallace-Roman-Feeling optimal auf die Leinwand gebracht. Das Zusammenspiel zwischen UFA-Stars und "jungen Wilden" funktioniert und fasziniert. 5 von 5 Punkten.

Seiten 1 | ... 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11
 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen