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Dieses Thema hat 171 Antworten
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greaves Offline




Beiträge: 522

02.12.2018 12:19
#136 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · Antworten

Die Bande des Schreckens


Dieser Film bleibt mir bis heute,seit dem ersten mal sehen vor bald 30 Jahren in guter Erinnerung.

Die Schauspieler wie z.b Eddi Arent,Ulrich Beiger,Dieter Eppler ,Fritz Rasp,kennen wir ja schon vom Frosch mit der Maske.
Karin Dor gibt ihr Wallace Debüt in diesem Film.Die anderen wie Alf Marholm,Karl Georg Saebisch waren im roten Kreis dabei und sind hier das letzte mal in einem Edgar Wallace zu sehen.
Was mir auffällt ist hier Joachim Fuchsberger.Er spielt hier bestimmter,harscher,als im Frosch.Und ab der Bande spielt er in seinen folgenden Filmen so weiter.

Londonaufnahmen stammen wie es aussieht wieder von der Konserve.(gibt aber sicher noch einen Drehort davon ,der man in die Bildergalerie aufnehmen kann).

Die anderen Drehorte sind gut ausgewählt.Was uns sonst noch fehlt in der Bildergalerie ist der Drehort KIRCHE, am Anfang,wo Blacky Fuchsberger mit seinem MG davor gezwungenermassen wegen eines Nagelbretts angehalten wird.

Die Titelmusik passt gut zu dem Film —ist aber sicher nicht der Burner. ..

Mir persönlich gefällt die Bande des Schreckens sehr gut und platziert sich zu meinen Top 5 Wallace s/w Filmen

Darum gebe ich ihm 5 von 5 Punkten

Gubanov Offline




Beiträge: 16.124

02.12.2018 14:31
#137 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · Antworten

Zitat von greaves im Beitrag #9
Was uns sonst noch fehlt in der Bildergalerie ist der Drehort KIRCHE, am Anfang,wo Blacky Fuchsberger mit seinem MG davor gezwungenermassen wegen eines Nagelbretts angehalten wird.

Diese Kirche treibt mich in den Wahnsinn! Wo steht die bloß? Sieht ja nicht wirklich nach Stadt Hamburg, sondern eher nach Umland aus, könnte aber sowohl nördlich davon in Schleswig-Holstein als auch südlich davon in Niedersachsen liegen, wenn man die sonstigen Drehorte des Films bedenkt.

Interessant wäre auch, herauszufinden, wo die Wasseraufnahmen entstanden, aber das dürfte (inklusive Sheltons alter Hütte) kaum mehr möglich sein.

Eine Kirche dagegen müsste eigentlich leicht zu finden sein. Eigentlich ...

Elford Offline




Beiträge: 1.015

02.12.2018 17:05
#138 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #10
Zitat von greaves im Beitrag #9
Was uns sonst noch fehlt in der Bildergalerie ist der Drehort KIRCHE, am Anfang,wo Blacky Fuchsberger mit seinem MG davor gezwungenermassen wegen eines Nagelbretts angehalten wird.

Diese Kirche treibt mich in den Wahnsinn! Wo steht die bloß? Sieht ja nicht wirklich nach Stadt Hamburg, sondern eher nach Umland aus, könnte aber sowohl nördlich davon in Schleswig-Holstein als auch südlich davon in Niedersachsen liegen, wenn man die sonstigen Drehorte des Films bedenkt.

Interessant wäre auch, herauszufinden, wo die Wasseraufnahmen entstanden, aber das dürfte (inklusive Sheltons alter Hütte) kaum mehr möglich sein.

Eine Kirche dagegen müsste eigentlich leicht zu finden sein. Eigentlich ...


Anlässlich der Wochensichtungen sollte nun auch dieses Rätsel gelöst werden:

Es handelt sich hierbei um die Christuskirche im Roosensweg in Othmarschen, gar nicht mal so weit von der Elbchaussee entfernt.





https://de.wikipedia.org/wiki/Christuski...urg-Othmarschen)

greaves Offline




Beiträge: 522

02.12.2018 17:34
#139 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · Antworten

🎉🎉🎉🎉🎉🎉🎉😃👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻toller Fund 😃👌🏻👍🏻DANKE Elford 👌🏻🎉😃

Gubanov Offline




Beiträge: 16.124

02.12.2018 20:54
#140 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · Antworten

So viel zum Thema Umland. Danke, @Elford, dass mir jetzt weitere Stunden der Suche erspart bleiben. Die Bildvergleiche sind auch gleich in der Bildergalerie gelandet:

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.446

02.12.2018 21:08
#141 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · Antworten

Nicht nur Mrs. Revelstoke steht über den Dingen, sondern auch Elford, was (angeblich) noch unentdeckte Drehorte angeht. Tolle Entdeckung, bzw. Enthüllung - und Gubanov kann wieder beruhigt schlafen.

Zum Film: ein Genuss! Reinl gelang ein grandioser Reißer, der das Konkurrenzprodukt aus dem Hause Kurt Ullrich locker in den Schatten stellt. Wobei letzterer aus rechtlichen Gründen keine weiteren Wallace-Filme mehr herstellen ließ (@patrick) - gewollt hätte er sicherlich. Besonders die Auftritte der Galgenhand sind unglaublich effektiv inszeniert - da läuft es einem eiskalt den Rücken herunter. Mitverantwortlich dafür ist freilich auch die einnehmende Performance von Otto Collin als Clay Shelton in der Prätitelsequenz.

Meckern kann man natürlich trotzdem - vieles wurde hier schon benannt. Zu Beginn wird die Todesliste reichlich schnell abgehakt, im wahrsten Sinne des Wortes ein Overkill. Einige Dialoge wirken etwas papiern (Crayley: "Das Morden muss endlich aufhören"), furchtbar auch der Staatsanwalt vor der Hinrichtung zum Henker: "So tun sie's doch!" - gespielt wie im Laientheater - das hätte Reinl einfach weglassen müssen. Und warum "Herr Holder" von Nora Sanders (schon wieder eine Sanders) nicht einfach als Sergeant Holder angesprochen wurde, wird für immer ein Geheimnis der Filmemacher bleiben. Auch dass Crayley immer als Tierfreund bezeichnet wird (ist das ein Beruf?), mutet etwas seltsam an, aber gut - es gibt ja auch einen Wetter.

Wenn man den Fall aus der kriminalistischen Perspektive betrachtet, bleiben natürlich noch Fragen offen. Wie lange lebten Sheltons Ehefrau und die gemeinsamen Söhne unter ihren jeweiligen Tarnidentitäten. War der Polizei die Existenz von Sheltons Familie überhaupt bekannt?. Ansonsten hätte man doch in diese Richtung ermitteln müssen. Letztendlich kann Long den Fall ja nur aufklären, weil sein Vater einst mit Mrs. Revelstoke verheiratet war, und der Ring dem Erpresserschreiben an Sir Godley Long beigelegt war - genau genommen erfährt der Wetter alles in jenem Gespräch mit seinem Vater, dass dem Zuschauer aus dramaturgischen Gründen natürlich vorenthalten bleibt ("Das war so." Schnitt)

Das Finale im Golfhotel zählt natürlich zu den dramatischsten und spannendsten der Serie - Karin Kernkes Filmtod erinnert an jenen von Eva Pflug im "Frosch" (an einen Stuhl gefesselt, zudem sagt sie beinahe das gleiche). Die Darsteller spielen ohne Fehl und Tadel - Fuchsberger trägt den Film mühelos, auch wenn man auf den Blacky-Gag besser verzichtet hätte. Auch an Karin Dors Leistung gibt es nicht das geringste auszusetzen - sie spielt die klassische Wallace-Rolle der bedrohten Unschuld überaus sympathisch. Beiger, Eppler, Saebisch, Flickenschildt und Rasp in prägnanten Nebenrollen garantieren die gewohnte schauspielerische Qualität. Alf Marholm kommt vor dem Finale etwas zu kurz und fällt bis dahin nur durch seine theatralische "Ich bin ruiniert"-Tirade nach Monkfords Ermordung auf. Bei der allerersten Filmsichtung wusste ich bei seiner "Demaskierung" damals gar nicht, welche Rolle diese Person vorher im Film gespielt hatte. Fuchsberger und Dor begründen hier ihren Ruf als Krimi-Traumpaar - kurioserweise war dies auch schon der letzte Wallace-Film, der für beide mit einem gemeinsamen Happy-End endete - ansonsten lebten sie ihre Liebe vor der Kamera in der Folge vor allem in Konkurrenzproduktionen aus. Eddi Arent gelingt eine exzellente komödiantische Darstellung und lässt es nicht zu, dass seine potenziell alberne Rolle zur Witzfigur degradiert wird.

Die Musik von Heinz Funk hat zwar kein Ohrwurmpotenzial, wirkt aber durchaus spannungsfördernd und passend, etwa in der Szene, wenn der tote Crayley entdeckt wird (ein wenig fühlte ich mich an Oskar Sala erinnert). Bemerkenswert im Übrigen, dass der dänische Szenenbildner Erik Aaes auch diesen Film ausstatten durfte, obwohl in Bendestorf und nicht in Hellerup gedreht wurde. Offensichtlich war man von seiner Arbeit für "Frosch" und "Kreis" so überzeugt, dass man keinesfalls auf ihn verzichten wollte.

Archibald Finch Offline




Beiträge: 24

03.12.2018 12:42
#142 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · Antworten

Edgar Wallace - Die Bande des Schreckens habe ich das erste mal auf DVD gesehen vor ca. 12-14 Jahren. Ich schenkte damals die Edgar Wallace DVD Edition meinen Eltern zu Weihnachten, noch am Heilig Abend guckten wir dann die Bande des Schreckens. Dieser Film hat mir sofort gefallen. Er ist bis heute, für mich, einer der Hightlights der Serie. Er ist gruselig, greift doch die Galgenhand Shelton's nach Rache nach dessen vollzogener Todesstrafe. Die Liste der zu ermordenen Personen wird doch erst recht schnell abgearbeitet nur muss ich sagen das mich das nicht weiter stört. Was mich einzigst stört ist wie schon angesprochen, der Tod des Richter's. Wenn jemand sicher sein will das einer stirbt, die Treppe ansägen, wohl eher nicht. Da müsste die Galgenhand oder die Bande doch schon drauf hoffen, das der Richter sich das Genick bricht. Es hätte auch weniger passieren können beim Sturz aus nicht mal ganz drei Metern.

Die Besetzung des Filmes ist jedoch astrein ausgewählt. Joachim Fuchsberger als junger Inspektor, Karin Dor noch echt jung in diesem Film passt sehr gut in ihre Rolle. Die Debüt-Rolle von Elisabeth Flickenschild ist auch herrlich undurchsichtig. Später kommt noch ihre Glanzrolle im Gasthaus an der Themse. Fritz Rasp und Ulrich Beiger waren in den ersten Wallace Filmen oft zu sehen. Beiger gewohnt ein ziemlich schmieriger Typ, wenn ich es so sagen darf. Dem man doch schon in Vermutung hat, das er was mit der Bande zu tun hat. Rasp hier eher in einer seiner sympatischten Rolle als Sir Goodley Long. Die Rolle des Eddi Arent als Fotograf der Mordkommission passt nicht direkt zu einem Gruselfilm jedoch lockert er den Film entscheidend auf. Dieter Eppler's Rolle: Da kommt man doch echt im Nachhinein ins Grübeln! Schreckt diese Bande doch vor gar nichts zurück, nicht mal vor der Hinrichtung des eigenen Sohn bzw. Bruders. "Verräter werden getötet".

Die Filmmusik von Heinz Funk muss ich hier leider etwas wiedersprechen. Ich mag sie irgentwie einfach nicht. Für die damalige Zeit um 1960 okay aber aus heutiger Sicht nicht. Ich möchte dieses dem Film jedoch nicht anlasten.
Ansonsten hat der Film viel gruseliges, es lädt ein zum miträtseln. Das Finale im Hotel als die Galgenhand unter der Maske ihr wahres Gesicht zeigt. Ich hätte damit nicht gerechnet das der Film so ausgeht.
Ein Absoluter Höhepunkt der Serie ich würde gerne 5 von 5 Punkten hier zurück lassen.

patrick Offline




Beiträge: 3.132

03.12.2018 20:45
#143 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · Antworten

Zitat von Marmstorfer im Beitrag #14
Alf Marholm kommt vor dem Finale etwas zu kurz und fällt bis dahin nur durch seine theatralische "Ich bin ruiniert"-Tirade nach Monkfords Ermordung auf. Bei der allerersten Filmsichtung wusste ich bei seiner "Demaskierung" damals gar nicht, welche Rolle diese Person vorher im Film gespielt hatte.




Meine erste Sichtung der Bande ist locker 35 Jahre her. Aber ich glaube mich zu erinnern, dass es mir damals genauso ging.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.124

04.12.2018 14:51
#144 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · Antworten

Kurios. Für mich war Alf Marholm in seinen zwei Auftritten immer einer der markantesten Charakterköpfe. Ich hätte ihn sehr gern in weiteren Wallace-Rollen gesehen, weil ich denke, dass er sowohl bei den "Guten" als auch den "Bösen" gut aufgehoben war, aber gerade Mitte der 60er ist seine Filmografie doch ziemlich spartanisch.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.256

04.12.2018 14:55
#145 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · Antworten

Ich denke auch, dass gerade diese "Ich bin ruiniert"-Tirade ihn im Verlauf relativ erinnerungswürdig macht. Verwirrend ist im Finale doch höchstens sein legerer Aufzug, der ihn dann etwas fremd wirken lassen könnte. Und damit ist die Kleidung gemeint und nicht der leere Schacht.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.124

04.12.2018 15:15
#146 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · Antworten

Der Aufzug für Little Heartsease ist auch nicht leger, sondern einfach eine ziemlich komische Planung. Mich wundert ja, dass die Logikpolizei noch keine Ermittlungen zur Position des Aufzugschachts angestellt hat, der immerhin mittig durch ein Hotelzimmer gebrochen wird. Das wird dann in Zukunft sicher nicht mehr todgeweihten Bankiers, sondern nur noch rabattierten Pauschalreisenden angeboten.

DanielL Offline




Beiträge: 3.776

04.12.2018 23:47
#147 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · Antworten

Nach ihren beiden ersten Erfolgen stößt der Constantin Filmverleih selbstbewusst weitere Wallace-Projekte an, die Hamburger Phase beginnt.

Und wieder einmal: Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, Sir! #4

Wie fast jeder große Wallace-Verbrecher hat auch Clay Shelton Identitätsschwindel drauf. Der Mörder, Erpresser und Fälscher ist als Oberst Brodley dabei, falsche Wechsel einlösen, als er enttarnt und verhaftet wird. Zum vierten Mal in Folge spielt dann eine Hinrichtung eine gewichtige Rolle. „Es wird ein ziemliches Gedränge geben, aber es ist Platz genug in der Hölle.“ So kündigt der Verurteilte seine über den Tod hinaus gehende Rache an und legt damit den Grundstein zur geradlinigen Crime-Story. Ein toter Verbrecher scheint weiter zu morden. Eine Liste mit Bedrohten, denen nach dem Leben getrachtet wird. Was der RÄCHER vermasselte, schafft die BANDE DES SCHRECKENS in Perfektion: Man hatte man die Idee, die „Galgenhand“ aus dem Roman auch plakativ on-Screen auftreten zu lassen. Im ersten Akt ist sie nur kurz und aus der Ferne zu sehen, etwas Übernatürliches liegt in der Luft. Aber man folgt ganz den Krimi-Regeln. Später ist klar, dass jemand sein Erbe antritt und mit einer Shelton-Maske die Rache vollzieht. 18 Jahre vor John Carpenters HALLOWEEN ein wenig Michael-Myers-Feeling.

Anders als die anderen Lime oder Lightman agierte der echte Clay Shelton als Einzeltäter oder hielt seine Verbündeten zumindest im Hintergrund. Die Organisation, die „Bande des Schreckens“ kommt hier erst durch Rachegelüste zum Vorschein und offeriert eine „Familienbande des Schreckens“. Clay Shelton muss einen unglaublichen Einfluss auf seinen Clan gehabt haben, dass seine Hinterbliebenen solch eine Theater auf die Beine stellen. Da werden Maskeraden aufgetragen, weitere Scheinidentitäten angenommen, besondere Mordapparate gebaut usw. usf. Auch sonst wusste Clay Shelton wohl zu begeistern. Wie konnte er es schaffen, eine erst seit 6 Wochen frisch und wohl vermögend verheiratete Lady Long „umzudrehen“? Und warum zum Teufel sammelte er so fürchterliche Uhren?

By the way: Hier zeigt sich einmal mehr die Verstrickungen der „guten Häuser“. So findet man auch in der Historie von Godley Long Geheimnisse, über die er lieber den Mantel des Schweigens hüllt. Die Frühphase zeichnet der Prunk aus, den man zu sehen bekommt, wenn die besten Kreise in Abendgarderobe feiern. Und die Verbindungen zwischen Oberklasse und Unterwelt, die es in fast jedem Wallace-Roman gibt. Zwar fährt man ja später noch gerne (einen bestimmten) Rolls Royce aber die Vorweg’sche CCC-Filmbautenkunst transportiert diese Stimmung nicht mehr.

Yard-Chef zu sein ist auch keine Freude. Erst lernten wir zwei alte Hasen kennen, die wollten, aber auf Druck der Öffentlichkeit fast pensioniert wurden. Jetzt hat Sir Archibald einen jungen Inspektor der sich frisch durch die Verhaftung Sheltons ausgezeichnet hat, aber nicht mehr will. Biedere Bankgeschäfte statt Inspektorenjob. Aber verschiebt sich denn ja erstmal bis auf unbestimmte Zeit. Ganz nett ist es, den Held mit einem kleinen Tick auszustatten, wie Wallace das ja gern mal machte. Long ist „Wetter Long“. Dadurch bekommen die sonst ja so schablonenhaften Inspektorentypen wenigstens ein bisschen Kante.

Interessant finde ich es zu beobachten, wie die Bewertungen, was als glaubwürdig akzeptiert wird, auseinandergehen. So empfinde ich die Golfwoche und die damit verbundene örtliche Eingrenzung der handelnden Personen recht elegant gelöst. Revelstoke, Monkford und Henry verkehren ohnehin in einer Gesellschaft. Überhaupt scheint die Golfwoche ein wichtiges Ereignis der Gutbetuchten zu sein, bei dem Gesehen und Gesehen werden das Motto ist. Vieles was unter der „Logikpolizei“-Brille erwähnt wird, finde ich überhaupt nicht relevant für eine letztendliche Bewertung, aber gerade unter der Perspektive, die ich mir im Rahmen dieses Besprechungsformats einräume, immerhin amüsant. So wird ja auch häufig der rote Kreis unterm Teller beim Rialto-Vorgänger erwähnt. Selten bis gar nicht hat jemand erwähnt, wie umständlich das Engagement der „Bande“ resp. „Galgenhand“ ist: Einen Mann Namens Ulanen-Harry als Auftragskiller engagieren, sich dann aber gleich an Ort und Stelle wegen Nichterfüllung selbst die Hände schmutzig machen. Unbemerkt in das Haus des Richters eindringen, dort unbemerkt eine Treppe ansägen, usw. Das könnte man jetzt natürlich ewig weiterführen. Man findet es in jedem Wallace-Film, aber manche Dinge scheinen eher „Aufreger“ zu sein, als Andere.

Das war gut: Reinl und sein Alternativ-Kameramann Benitz funktionieren prächtig. Es kann nur Spaß an der Sache gewesen sein, wie sie Nebendarsteller verdächtige Grimassen schneiden lassen, Schatten an der Gardine vorbeihuschen lassen usw.
Das war schlecht: Eine „Kevin allein zu Haus“-Falle weniger im Finale wäre mehr gewesen.
Bemerkenswert: Immerhin hat man auch erstmalig London-Establisher drehen lassen, die man zu Beginn des Films sieht, statt wieder auf alte Archivbilder zurückzugreifen (In FROSCH und KREIS sah man jeweils den Picadilly Circus mit Außenwerbung für den 1952er-Kinofilm THE THIEF mit Ray Milland).
Moment des Films: An der Wand reflektiert das Themsenwasser, während die Kamera langsam auf die gefesselte Nora Sanders samt ihrer großen Rehaugen zufährt. Ein Beispiel der tollen Bildregie.
Moment zum Vergessen: Long geht mit Monkford ins Leichenschaus. Beide starren auf den toten, absolut identisch ausschauenden Monkford-Zwillingsbruder. Long fragt ernsthaft „Erkennen sie ihn?“.
Bonmot: „Wenn ich dieses Hotel als Leiche verlasse, bekommen sie kein Trinkgeld!“
Krimi-Phrasenschwein: „Der (Tee) schmeckt wirklich merkwürdig“

Gruß,
Daniel

Count Villain Offline




Beiträge: 4.256

05.12.2018 08:34
#148 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · Antworten

Zitat von DanielL im Beitrag #20
Interessant finde ich es zu beobachten, wie die Bewertungen, was als glaubwürdig akzeptiert wird, auseinandergehen. So empfinde ich die Golfwoche und die damit verbundene örtliche Eingrenzung der handelnden Personen recht elegant gelöst


Ich auch, wie ich schon in Roman-Besprechungsthread schrieb. Immerhin gehört ein nicht geringer Teil ohnehin zu den Verschwörern. Misstrauen über diesen "Zufall" ist in diesem Fall sogar berechtigt.

Zitat
So wird ja auch häufig der rote Kreis unterm Teller beim Rialto-Vorgänger erwähnt. Selten bis gar nicht hat jemand erwähnt, wie umständlich das Engagement der „Bande“ resp. „Galgenhand“ ist: Einen Mann Namens Ulanen-Harry als Auftragskiller engagieren, sich dann aber gleich an Ort und Stelle wegen Nichterfüllung selbst die Hände schmutzig machen. Unbemerkt in das Haus des Richters eindringen, dort unbemerkt eine Treppe ansägen, usw. Das könnte man jetzt natürlich ewig weiterführen. Man findet es in jedem Wallace-Film, aber manche Dinge scheinen eher „Aufreger“ zu sein, als Andere.



Ich denke, das ist immer auch eine Frage, wie es dem Zuschauer verkauft wird. In einem eher nüchternen Krimi wie dem Kreis, fallen Logikfehler deutlicher auf. In einem Reißer wie der Bande, ist man bereit mehr zu schlucken.

Dass man in der Situation lieber hätte Long erschießen sollen statt Ulanen-Harry, steht natürlich außer Frage. Wobei man hier natürlich noch einen Unterschied zu dem angesprochenen "Fehler" im Kreis sieht. Ob eine bestimmte Handlung wie das Anbringen der Farbe unter dem Teller nahezu unmöglich ist oder ob einfach nur ein Charakter unlogisch, bzw. dumm handelt, ist schon ein Unterschied.

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.446

05.12.2018 17:42
#149 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #18
Ich denke auch, dass gerade diese "Ich bin ruiniert"-Tirade ihn im Verlauf relativ erinnerungswürdig macht.


Mittlerweile ja. Aber bei der Erstsichtung im Alter von 12 Jahren war ich in jener Szene noch so von der Art und Weise wie Monkford getötet wurde beeindruckt, dass ich den jammernden Hoteldirektor eher als Klischee, denn als Filmfigur wahrgenommen habe und sich mir dessen Äußeres nicht nachhaltig eingeprägt hat - zumal ich Marholm bis dahin nie in einem anderen Film gesehen hatte (es war ja nicht so, dass ich damals noch keine Schauspieler kannte, aber für die Schwarzwaldklinik war ich ganz einfach zu jung ).

patrick Offline




Beiträge: 3.132

05.12.2018 21:22
#150 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · Antworten

Optisch halte ich Alf Marholm für nicht sonderlich charakteristisch. Allerdings gehören die Szenen im dunklen Hotel genau zu jenen, die sich mir - ich war damals wohl auch ca.12 - als besonders Wallace-typisch und nachhaltig eingeprägt haben. Marholm hat mich mit seinem gestreiften Oberteil an einen Seemann oder Sträfling erinnert. Der Aufzugschacht, das Gadget im Telefon und der gestreifte Marholm gehören für mich zu den nachhaltigsten und schönsten Wallace-Erinnerungen aus der Zeit, als ich das Genre entdeckte und in Ermangelung von SAT-TV, Viedeorecorder, etc. immer lange warten musste, bis endlich wieder mal ein Wallace im Fernsehen kam. Das war dann immer wie Weihnachten und Ostern zugleich.

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