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Dieses Thema hat 290 Antworten
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Jan-Eric Offline



Beiträge: 40

24.02.2025 22:36
#271 RE: Der schwarze Abt - Hätte ein guter Wallace sein können! Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #269
So lange nicht belegt ist, dass beim Abt finanzielle Erwägungen und zeitliche Bedingungen (Nähe am Buch oder eher frei nach Edgar Wallace) eine Rolle spielten, darf man dem Regisseur nicht anlasten das die Tricks billig erscheinen und darin weiter Negativpunkte suchen und den Film immerfort zu sezieren.


Dem stimme ich absolut zu.

Ähnlich sehe ich das mit "Schlussfolgerungen", dass z. B. eine Szene "billig" gewesen sein soll, weil sie im Nieselregen spiel. Abgesehen davon, dass uns keine Quelle vorliegt, aus der das hervorgeht, finde ich die Szene äußert gelungen. Der Nieselregen passt zur getrübten Stimmung und auch zum Krimi-Genre im Allgemeinen. Und ich kann mir vorstellen, dass die Kamera- und Lichttechnik für so eine Szene mindestens so gefordert ist wie bei einer Szene bei klarem Himmel.

Es wird mir hier auch viel zu sehr seziert. Und es wird wohl übersehen, dass die Wallace-Filme nun einmal keine Hollywood-Blockbuster mit fünf Monaten Drehzeit und drei Monaten Postproduktion sind. Auch waren weder CCC-Film noch Rialto-Film Konzerne wie MGM oder Universal, die über dutzende festangestellte Dramaturgen, Trick-Spezialisten und 100 Studio-Hallen verfügten.

Ich hatte ja auch schon meine Gelassenheit erwähnt, wenn es um Filme der Reihe geht, die mir geschmacklich nicht so liegen. Sprich: Ich fühle mich nicht berufen, andere zu bekehren und hier seitenweise Negatives zu bestimmen Filmen zu schreiben. Wie bereits gesagt: Die Wallace-Reihe hat von sehr guten Filmklassikern bis Trash alles zu bieten. Und ich respektiere die Fans des ganzen Spektrums.

Und seinen wir doch mal ehrlich: Wenn ich mir durch ein paar Filmfehler wie eine wackelnde Kulisse, eine künstliche Fledermaus oder eine Schaufensterpuppe meinen ganzen Filmgenuss vermiesen würde, wäre ich bei den Wallace-Filmen irgendwie falsch. 🤣

Jan-Eric Offline



Beiträge: 40

24.02.2025 23:07
#272 RE: Der schwarze Abt - Hätte ein guter Wallace sein können! Zitat · Antworten

Zitat von Fabi88 im Beitrag #270
Ich will das nicht nach jedem Beitrag wiederholen müssen, aber da Du hier nun fast exakt das selbe nun zum dritten Mal schreibst, ...


Entschuldige bitte, aber wer hat denn gesagt, dass Du das musst? Ich habe eher den Eindruck, dass man drei vier Punkte zu einem Deiner Kommentare schreibt, und dann kommen drei seitenlange Beiträge von Dir zurück, sodass man gar nicht mehr weiß, wo man überhaupt anfangen soll. 🫣

Da ich mir in der Zeit lieber dreimal den Schwarzen Abt anschaue, hier nur ein weiteres Beispiel, mit dem ich nicht einverstanden bin:

Zitat von Fabi88 im Beitrag #270
Sowohl Constantin als auch Rialto waren sich sicherlich einig im Ziel: Gottlieb sollte einen spannenden Gruselkrimi abliefern und möglichst viele Zuschauer ins Kino locken. Wenn er also dafür Änderungen am Buch vorgenommen oder auch nur vorgeschlagen hätte, die sich etwas oder etwas stärker vom Roman entfernen, hätte sich (siehe die vorher produzierten "Das Gasthaus an der Themse" und "Der Zinker") niemand dagegen groß gewehrt.


So lange wir keine Quellen für irgendwelche datailierte Vorgaben seitens Constantin konkret zum "Schwarzen Abt" haben, ist das reine Spekulation. Was jedoch durch Joachim Kramp und seine Gespräche mit Gerhard F. Hummel usw. bekannt ist: 1963 achtete man nicht nur auf Romantreue sondern auch darauf, dass die Serie abwechslungsreich sein sollte. Es ist schlicht nicht bekannt, wie Constantin-Film reagiert hätte, wenn Wendlandt für den "Abt" ein "Zinker"- oder "Gasthaus"-ähnliches Drehbuch vorgelegt hätte. Es ist sogar eher davon auszugehen, dass man den "Schwarzen Abt" ganz bewusst anders als die Vohrer-Vorgänger gestaltete. Und ganz unabhängig davon stand auch nicht immer jeder Drehbuchautor zur Verfügung, weil er bereits mit anderen Projekten beschäftigt war. Was dann später daraus wurde, als man beispielsweise fast durchgehend Alfred Vohrer als Regisseur beschäftigte, ist ja dann auch noch mal eine Geschichte für sich.

1963 wurde bei jedem einzelnen Film noch hart zwischen Constantin-Film bzw. Gerhard F. Hummel und Horst Wendlandt verhandelt. Wendlandt hatte schon vorher und aber spätestens nach seinen Winnetou-Erfolgen auch noch andere Ambitionen als nur Wallace und Karl May. Von den Projekten, die Horst Wendlandt 1965 bei einer Pressekonferenz ankündigte (z. B. ein Remake von "Der Mann, der Sherlock Holmes war" mit Stewart Granger) wurde beispielsweise kein einziges realisiert, obwohl Wendlandt da schon deutlich mehr Einfluss hatte als noch 1963.

Fabi88 Offline



Beiträge: 4.132

25.02.2025 12:10
#273 RE: Der schwarze Abt - Hätte ein guter Wallace sein können! Zitat · Antworten

Zitat von Jan-Eric im Beitrag #271
Ähnlich sehe ich das mit "Schlussfolgerungen", dass z. B. eine Szene "billig" gewesen sein soll, weil sie im Nieselregen spiel. Abgesehen davon, dass uns keine Quelle vorliegt, aus der das hervorgeht, finde ich die Szene äußert gelungen. Der Nieselregen passt zur getrübten Stimmung und auch zum Krimi-Genre im Allgemeinen. Und ich kann mir vorstellen, dass die Kamera- und Lichttechnik für so eine Szene mindestens so gefordert ist wie bei einer Szene bei klarem Himmel.

Es wird mir hier auch viel zu sehr seziert. Und es wird wohl übersehen, dass die Wallace-Filme nun einmal keine Hollywood-Blockbuster mit fünf Monaten Drehzeit und drei Monaten Postproduktion sind. Auch waren weder CCC-Film noch Rialto-Film Konzerne wie MGM oder Universal, die über dutzende festangestellte Dramaturgen, Trick-Spezialisten und 100 Studio-Hallen verfügten.

Großes Missverständnis! Die Leute, die meinen Kritikpunkten nicht zustimmen wollen, haben ja das Budget quasi als Verteidigung ins Spiel gebracht. Mein Hinweis auf die Nieselregenszene sollte eigentlich eine Brücke bauen. Wenn man massig Zeit hat und Geld keine Rolle spielt, wirft man bei Nieselregen den Drehplan um und zieht Szenen im Studio vor oder wartet, bis der Regen aufhört oder oder oder.
Dass man die Szene bei Nieselregen durchzog, ist aus meiner Sicht ein Zeichen für einen engen Drehplan, bei dem man auf Witterung keine Rücksicht nehmen konnte. Also eher Punkt für Dich oder Havi.
Dass es der Szene schadet oder billig wirkt, habe ich mit keiner Silbe behauptet.
Und auch dieser polemische Hollywood-Blockbuster-Vergleich ist unangemessen. Ich merke, dass es hier riesige Fans des Films gibt, denen Lichtsetzung, Dramaturgie und Co absolut Schnuppe sind und respektiere das. Es sind ja in der Tat Unterhaltungsfilme, die für den einmaligen Konsum im Kino produziert wurden. TV-Ausstrahlungen, geschweige den Veröffentlichungen auf VHS, DVD, Blu-Ray und Streaming und nähere Betrachtung ("Sezierung") hatte niemand der Beteiligten damals im Kopf. Das Alles weiß ich und berücksichtige ich. Aber die Kameraarbeit beim "Frosch mit der Maske", den "toten Augen von London" oder der "Tür mit den sieben Schlössern" ist einfach technisch sauberer. Dafür muss ich nun nicht MGM oder Universal heranziehen. Es ist doch legitim das anzumerken?
Ich habe nun mittlerweile "Der Henker von London" gesehen und Richard Angst lieferte dort großartige Kameraarbeit ab, auch und vor allem bei stimmungsvoller Lichtsetzung - er konnte es also! Warum er das beim "Abt" nicht in der selben Qualität zeigen konnte, weiß ich nicht. Aber wenn mich die Bilder nicht überzeugen, überzeugen mich die Bilder nicht. Havi hat hier letztens im Nebenforum eine TV-Schmonzette auseinander genommen - da fiel ihm auch nicht ein Budget und Rahmenumstände einzubeziehen. Vielleicht gab es da für das Produktionsjahr ein minimales Restbudget und man schob noch eine extrem günstig runtergekurbelte Produktion ein, für dessen Drehbuchentwicklung zu wenig Zeit war? Dass das Endergebnis Murks war, darf er aber natürlich so äußern! Dann darf ich den "Abt" aber ebenso als nur "solide", nicht "großartig" bezeichnen, selbst wenn das Budget möglicherweise niedriger war als bei anderen Wallace-Filmen?
Dass es verschiedene Geschmäcker gibt und gerade bei Wallace die Erwartungen unterschiedliche sind - einige sind schon glücklich, wenn Kinski und Arent auftauchen und Rest ist egal, andere wollen schräge Einfälle und kostümierte Mörder, wieder andere lehnen Alles außer klassischen Whodunits ab und wollen eine halbwegs logische Krimihandlung mit Mitratepotential, andere lieben die Peter Thomas-Musik - ist mir doch absolut bewusst. Dass es Fans der Romannähe und behäbigen Erzählweise vom "Abt" gibt, ist doch schön, dann liegt mir vielleicht schon der Roman (nie gelesen) einfach nicht.
Dass ich für mich selbst sage, dass ich den "Abt" nicht für ein Highlight der Reihe halte ist doch kein Versuch einer "Bekehrung"? Schreiben wir jetzt bei jedem Film nur noch "Einige werden ihn mögen, andere nicht"? Man darf doch wohl eine kritische Meinung äußern und - was ich nicht einmal getan habe - eine Punktewertung oder Ähnliches vornehmen?
Wir haben doch nun die Essenz herausgearbeitet, denn mittlerweile wird ja zumindest das Wackeln der Wände und Co gar nicht mehr angezweifelt, es ist einigen nur egal und das ist doch in Ordnung? Ich finde die Handlung nicht packend genug, so dass mir diese technischen Unsauberkeiten (die faktisch da sind!) einfach ins Auge fielen. Unterhaltsam ist der Film ja dennoch und bei Moviepilot reichte es für eine Wertung von 6.0 Punkten. Es gibt nur Wallace-Filme, die ich beispielsweise mit 8 Punkten bewerte.
Zitat von Jan-Eric im Beitrag #271
Und seinen wir doch mal ehrlich: Wenn ich mir durch ein paar Filmfehler wie eine wackelnde Kulisse, eine künstliche Fledermaus oder eine Schaufensterpuppe meinen ganzen Filmgenuss vermiesen würde, wäre ich bei den Wallace-Filmen irgendwie falsch. ��

Ich halte Filme wie "Der Frosch mit der Maske" oder "Die toten Augen von London" selbst ohne "Edgar Wallace"-Siegel für wirklich gute Filme, die eben keine oder kaum Fehler enthalten und mit damaligen internationalen Filmen durchaus mithalten konnten. Nun also zu behaupten, ich sei bei dieser Filmreihe (die noch dazu ein Beweggrund für mein Filmstudium war) an der falschen Adresse ist eine gewagte Aussage. So langsam wird hier "Der schwarze Abt" zum heiligen Gral und absoluten Gradmesser der Wallace-Reihe hochstilisiert.
Gegenüber vielen Filmen der Reihe sehe ich den "Abt" einfach als schwächer, nicht mehr und nicht weniger.
Dass "Das Geheimnis der gelben Narzissen" und "Der grüne Bogenschütze" und erst Recht Filme wie "Der Gorilla von Soho" noch schlechter sind, ändert ja Nichts an meiner Meinung zum "Abt" - die bei der nächsten Sichtung im Übrigens schon wieder eine andere sein könnte. Es wird so dargestellt, als hätte ich "Der schwarze Abt" als Bodensatz der Filmgeschichte bezeichnet...
Mit "Mord in Rio", "Die schwarze Kobra", "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" oder "Der Fluch der gelben Schlange" gab es 1963 schwächere Krimis, aber gerade weil die Rialto-Reihe bis zu diesem Zeitpunkt exakt dafür stand, sowohl dramaturgisch, als auch inszenatorisch, handwerklich und optisch hochwertiger als die Konkurrenz mit geringen Budgets zu sein, finde ich es etwas enttäuschend, dass alle drei Wallace-Filme der Rialto im Jahre 1963 (auch in Punkto "Hochwertigkeit") nicht rundum überzeugten. Mit "Die weiße Spinne" und "Der Henker von London" gab es 1963 (aus meiner persönlichen Sicht und auf allen gängigen Portalen auch Bewertungs-mäßig) bessere Krimis als den "Abt" und den "Zinker". "Die weiße Spinne" macht sein geringes Budget mit nahezu perfektem Timing, originellen Einfällen und einem gut getakteten Drehbuch ohne Ruhephasen wett. Am hochwertigsten kommt da tatsächlich "Der Henker von London" rüber - was nicht zuletzt an Richard Angst' Kameraarbeit liegt, der dort eine ganz ähnliche Atmosphäre aufbaut wie beim "Abt" aber die Bilder einfach besser gestaltete und die Lichtsetzung in so gut wie jeder Szene auf den Punkt brachte.
Nach Bewertungen liegt übrigens für das Jahr 1963 unter all diesen Filmen "Das indische Tuch" weit vorn - ich persönlich hatte mit ihm aber nicht mehr Freude als mit dem "Abt" und halte es da mit Joachim Kramp, der 1963 allgemein für ein sehr schwaches Jahr in der Rialto-Wallace-Reihe sah.

Jan-Eric Offline



Beiträge: 40

25.02.2025 22:56
#274 RE: Der schwarze Abt - Hätte ein guter Wallace sein können! Zitat · Antworten

Zitat von Fabi88 im Beitrag #273
Mein Hinweis auf die Nieselregenszene sollte eigentlich eine Brücke bauen. Wenn man massig Zeit hat und Geld keine Rolle spielt, wirft man bei Nieselregen den Drehplan um und zieht Szenen im Studio vor oder wartet, bis der Regen aufhört oder oder oder.


Ohne Beleg bleibt es reine Spekulation, dass die Szene nicht so gewollt ist. Dass es in Krimis bzw. in eher traurigen Szenen nieselt oder sogar regnet, ist kein Alleinstellungsmerkmal des "Schwarzen Abtes". Deine Behauptung, dass man als Regisseur bei Regen dies oder das "oder oder oder" zu machen habe, nur keine Szene im Regen zu drehen, ist m. E. an den Haaren herbeigezogen.

Zitat von Fabi88 im Beitrag #273
Dass es der Szene schadet oder billig wirkt, habe ich mit keiner Silbe behauptet.


Warum sollte man sonst einen "engen Drehplan" haben, den Du unterstellst? Im Übrigen waren die Drehtage bei allen Edgar-Wallace-Filmen planmäßig gleich lang kalkuliert, soweit ich weiß 30 Tage. Beim "Schwarzen Abt" fanden sie von 17. April bis 28. Mai 1963 statt (die reinen Drehtage natürlich abzüglich der freien Tage). Beim Wallace-Film "Die Gruft mit dem Rätselschloss", der im Unterschied zum "Schwarzen Abt" auch London-Aufnahmen enthielt, fanden die Dreharbeiten z. B. entsprechend vom 18. Februar bis 26. März 1964 statt.

Zitat von Fabi88 im Beitrag #273
So langsam wird hier "Der schwarze Abt" zum heiligen Gral und absoluten Gradmesser der Wallace-Reihe hochstilisiert.


Keineswegs. Aber seitenlange Behauptungen ohne Belege, um den Film durch reine Spekulationen wie "enger Drehplan" abzuwerten, hat weder "Der schwarze Abt" noch ein anderer Film verdient. Eine ähnlich Diskussion gab es ja schon zu Deiner Behauptung, dass die Darsteller in "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" günstig waren, ohne dass wir die Gagen und Verträge kennen. Bemerkenswerter Weise hast Du sogar Chris Howland als Beispiel genannt, der ja bei den Karl-May-Filmen nachweislich zu den am höchsten bezahlten Darstellern gehört. Aber auch da endete die Diskussion in einer Dauerschleife, sinngemäß: Ja, aber 1961 hat er "nur" Schlagerfilme gemacht. An dieser Stelle weise ich mal darauf hin, dass Schlagerfilme bis zur Beat-Welle ab 1963 äußerst erfolgreich waren. "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn" (mit Chris Howland) gehörte zu erfolgreichsten deutschen Spielfilmen der Kinosaison 1961/62.

Und wie schon gesagt: Mir gefallen einige Filme der Wallace-Reihe gar nicht. Dennoch würde ich hier in keinem entsprechendes Unter-Forum die entsprechenden Fans mit Spekulationen überhäufen, nur um meine Meinung zu festigen.

Gegen sachliche Beiträge mit Belegen, dass z. B. ein Drehbuch im letzten Moment gekippt oder terminlich noch nicht ausgereift war, hat hier allerdings niemand etwas. Auch über Geschmack lässt sich streiten, aber Geschmack ist nichts, das man mit erfundenen "Fakten" wie "strenger Drehplan", "billige Schauspieler" etc. vermischen sollte.

Fabi88 Offline



Beiträge: 4.132

27.02.2025 12:49
#275 RE: Der schwarze Abt - Hätte ein guter Wallace sein können! Zitat · Antworten

Zitat von Jan-Eric im Beitrag #274
Zitat von Fabi88 im Beitrag #273
Mein Hinweis auf die Nieselregenszene sollte eigentlich eine Brücke bauen. Wenn man massig Zeit hat und Geld keine Rolle spielt, wirft man bei Nieselregen den Drehplan um und zieht Szenen im Studio vor oder wartet, bis der Regen aufhört oder oder oder.


Ohne Beleg bleibt es reine Spekulation, dass die Szene nicht so gewollt ist. Dass es in Krimis bzw. in eher traurigen Szenen nieselt oder sogar regnet, ist kein Alleinstellungsmerkmal des "Schwarzen Abtes". Deine Behauptung, dass man als Regisseur bei Regen dies oder das "oder oder oder" zu machen habe, nur keine Szene im Regen zu drehen, ist m. E. an den Haaren herbeigezogen.

Dir ist der Nieselregen nach eigenen Angaben nie aufgefallen, jetzt soll Gottlieb ihn fest eingeplant oder sogar selbst (durch Mitarbeiter) erzeugt haben? Wie sehr kann man etwas verteidigen, was gar nicht angegriffen wird?
Wo habe ich Gottlieb vorgeschrieben, er habe die Szene bei Nieselregen nicht zu drehen? Bitte die Stelle zitieren.
Natürlich kenne auch ich mehr als genug Filme, die Regen als dramaturgisches oder zumindest visuelles Merkmal einsetzen - habe ich sogar selbst schon oft genug getan.
Aber frage einmal Regisseure und Kameraleute, welche Witterung sie sich für Außendrehs wünschen - da wird Nieselregen sicherlich als Allerletztes genannt. Optimal ist bewölkter Himmel mit relativ gleichbleibendem, weichen Sonnenlicht, weil man keine Anschlussprobleme und noch halbwegs die Chance hat, mit künstlichem Licht oder Reflektoren aktiv zu gestalten. Hellster Sonnenschein ist suboptimal, weil die Sonne wandert und man die Szene nachher kaum zusammengeschnitten bekommt. Abhilfe schaffen Diffusoren und Ähnliches, die aber natürlich entsprechend Personal und Zeit benötigen - beides hatten die Wallace-Filme in der Regel (relativ). Deswegen sind die Außenszenen auch in allen Wallace-Filmen der Rialto mindestens ordentlich - wie übrigens auch beim "Abt". Kritisiert habe ich sie nämlich mit keiner Silbe, auch wenn mir diese Position nun (auch noch) zugeschoben wird.
Schnee ist je nach Film und Genre auch eine feine Sache, er sollte nur bereits gefallen sein und liegen bleiben und (auch hier wegen der Anschlüsse) nicht im On fallen - siehe genau ein Film zuvor bei "Der Zinker".
Regen ist vor allem bei Nachtaufnahmen beliebt - und sei es nur in Form von Wetdowns, also oft künstlich benässtem Untergrund, in dem sich Licht spiegelt. Wenn man unbedingt (aus dramaturgischen Gründen) Regen braucht, dann wünscht man sich eher starken Regen und oft führt kaum ein Weg daran vorbei diesen selbst zu erzeugen und dabei vor allem für dicke Tropfen zu sorgen, weil die Kamera sie sonst kaum einfängt. Vielleicht kann man noch für die Totale auf einen richtigen Guss hoffen (bzw. die Drehplanung spontan danach richten) und dann bei den Nahaufnahmen selbst mit Schläuchen oder eigens gebauten Vorrichtungen nachhelfen um die Anschlüsse zu bekommen.
Nieselregen aber ist das undankbarste überhaupt, weil zwar einerseits durch den bewölkten Himmel das Grundlicht relativ konstant ist, es dadurch aber kaum hartes Licht gibt, dass die Tropfen überhaupt sichtbar werden lässt. Außerdem ist Nieselregen in der Regel Alles andere als konstant, weil er entweder relativ kurzzeitig fällt oder nur Vorphase eines richtigen Regengusses ist. Wenn man also mehrere Einstellungen hat, kann es gut passieren, dass man in der Totalen leichten Niesel-, in einer Nahen gar keinen und in der nächsten Nahen starken Regen hat und die Anschlüsse kaum noch passen. Auch wenn man, wie hier beim "Abt", nur eine Halbtotale dreht und auf Schnitt verzichtet, ist das aus mehreren Gründen dennoch recht heikel und kaum "erwünscht". Im schlimmsten Falle sieht man den Regen gar nicht, aber bereits erste Wasserflecken auf den Kostümen und irritiert den Zuschauer damit nur. Wenn man mehrere Takes macht, ist es gut möglich, dass beim letzten Take der Nieselregen aufgehört hat, aber die Kostüme der Schauspieler bereits von den vorherigen (+ Proben) nass sind, was - zumindest unterbewusst - Fragen beim Zuschauer hinterlässt.
Und, das muss ich ja scheinbar nach jeder meiner Anmerkungen 20x zusätzlich erwähnen: Gottlieb macht hier keinen Fehler!
Der Drehplan sah die Szene für diesen Drehtag wahrscheinlich schlicht und einfach vor, er hielt sich daran und arbeitete mit den äußeren Bedingungen, die herrschten - fertig ist die Laube. Dass er sich zu der Auflösung der Szene in einer einzigen Einstellung (erinnere ich recht?) entschloss, zeigt an dieser Stelle handwerkliches Können, da er sich darüber klar war, dass mögliche zusätzliche Einstellungen möglicherweise Anschluss-mäßig nicht passen. Also "schnell" eine Halbtotale der Szenen zu drehen, bevor es möglicherweise stärker regnet, ist eine kluge (/"richtige") Vorgehensweise. Da die Kleidung von Fuchsberger und Böttcher trocken ist, war es wahrscheinlich auch der erste Take. Eine relativ lange Szene als "One-Take" in den Kasten zu bekommen, die schauspielerisch überzeugt, bei der die Kamerabewegungen passen und auch noch das Pferd halbwegs mitspielt, ist eine gute Leistung.
Nur darauf wollte ich hinaus: Gottlieb wird hier auf die Witterung reagiert, sie sich so aber kaum gewünscht haben.
Und andersherum: Wenn Gottlieb unbedingt Regen erzählen wollte, hätte er das Ziel verfehlt - Dir ist er ja nie aufgefallen.
Mir ist der Nieselregen tatsächlich auch nur im Hintergrund auf dem Teich aufgefallen. Und es war auch hier eine bloße Feststellung. Havi hatte mehr oder weniger behauptet, Gottlieb könnte hier ja weniger Zeit und Geld erhalten haben, als Reinl und Co. Dass der Zeitplan eng(er) gewesen sein könnte, hat ja Nichts mit den Gesamttagen zu tun. Ein Teil der Außenaufnahmen vom und beim Schloss entstand im Sauerland bei Schloss Herdringen - wie auch diese Szene mit Blick auf den Teich und das Schloss im Hintergrund. Die restlichen Außenaufnahmen fanden im Park Klein-Glienicke in Berlin statt. Zwischen den beiden Drehorten lagen also weit über 400km (und je nach Transportmittel auch noch die (Teil-)Durchquerung der damaligen DDR). Für Schloss Herdringen (und dafür braucht man weder wilde Spekulation, noch Einsicht in die damaligen Dispos) werden also nur wenige Drehtage zur Verfügung gestanden haben. Die Möglichkeit spontan im Studio zu drehen und am nächsten Tag nach außen zurückzukehren, war logischerweise ausgeschlossen. Man musste in einem engen Zeitplan alle geplanten Szenen und Einstellungen mit dem Schloss durchbekommen. Da viele davon eher bei Nacht spielten, gab es möglicherweise sogar nur einen einzigen Tag - aber das ist nun tatsächlich pure Spekulation.
28 Drehtage waren es übrigens insgesamt hier - wie bei vielen Wallace- und Konkurrenz-Filmen zur selben Zeit auch. Für "Frosch" und Co gab es übrigens noch mehr Drehtage - in der Zwischenzeit waren also durchaus Einsparungen vorgenommen worden. Wir drehen uns aber im Kreis, weil ich die Rahmenbedingungen für die Außenszenen ja von Beginn an im Blick hatte und deren Umsetzung nie kritisiert habe. Die (technisch und handwerklich) weniger gelungenen Aspekte beziehen sich auf die Studio-Szenen, für die relativ gesehen wohl am meisten Zeit zur Verfügung stand.

Zitat von Fabi88 im Beitrag #273
Dass es der Szene schadet oder billig wirkt, habe ich mit keiner Silbe behauptet.


Warum sollte man sonst einen "engen Drehplan" haben, den Du unterstellst? Im Übrigen waren die Drehtage bei allen Edgar-Wallace-Filmen planmäßig gleich lang kalkuliert, soweit ich weiß 30 Tage. Beim "Schwarzen Abt" fanden sie von 17. April bis 28. Mai 1963 statt (die reinen Drehtage natürlich abzüglich der freien Tage). Beim Wallace-Film "Die Gruft mit dem Rätselschloss", der im Unterschied zum "Schwarzen Abt" auch London-Aufnahmen enthielt, fanden die Dreharbeiten z. B. entsprechend vom 18. Februar bis 26. März 1964 statt.[/quote]
Ich habe nun oben nochmals darauf hingewiesen, dass 28 Tage damals die Regel waren, bzw. es hier und da mal mehr oder (bspw. "Das indische Tuch" als reiner Studiofilm) weniger gab. Mit einem engen Drehplan hatten die Regisseure spätestens ab 1961, als ganze fünf Edgar Wallace-Filme von der Rialto (teils parallel) hergestellt wurden, also alle zu "kämpfen". Wie ich ja auch bereits ausführte, arbeiteten andere Regisseure da schlicht und einfach sauberer.
Also wie hätten wir es denn nun gern? Die Argumentation wird langsam arg schwammig: Ich darf Gottlieb nicht dafür kritisieren, dass er unsauberer arbeitet als Reinl, Vohrer und Co, weil er ja möglicherweise weniger Zeit und Geld hatte, aber wenn ich dieser Argumentation entgegenkomme und hier und da enge Drehpläne als Grund akzeptiere, ist es wiederum Spekulation und unzulässig.

Zitat von Fabi88 im Beitrag #273
So langsam wird hier "Der schwarze Abt" zum heiligen Gral und absoluten Gradmesser der Wallace-Reihe hochstilisiert.


Keineswegs. Aber seitenlange Behauptungen ohne Belege, um den Film durch reine Spekulationen wie "enger Drehplan" abzuwerten, hat weder "Der schwarze Abt" noch ein anderer Film verdient. Eine ähnlich Diskussion gab es ja schon zu Deiner Behauptung, dass die Darsteller in "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" günstig waren, ohne dass wir die Gagen und Verträge kennen. Bemerkenswerter Weise hast Du sogar Chris Howland als Beispiel genannt, der ja bei den Karl-May-Filmen nachweislich zu den am höchsten bezahlten Darstellern gehört. Aber auch da endete die Diskussion in einer Dauerschleife, sinngemäß: Ja, aber 1961 hat er "nur" Schlagerfilme gemacht. An dieser Stelle weise ich mal darauf hin, dass Schlagerfilme bis zur Beat-Welle ab 1963 äußerst erfolgreich waren. "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn" (mit Chris Howland) gehörte zu erfolgreichsten deutschen Spielfilmen der Kinosaison 1961/62.

Und wie schon gesagt: Mir gefallen einige Filme der Wallace-Reihe gar nicht. Dennoch würde ich hier in keinem entsprechendes Unter-Forum die entsprechenden Fans mit Spekulationen überhäufen, nur um meine Meinung zu festigen.

Gegen sachliche Beiträge mit Belegen, dass z. B. ein Drehbuch im letzten Moment gekippt oder terminlich noch nicht ausgereift war, hat hier allerdings niemand etwas. Auch über Geschmack lässt sich streiten, aber Geschmack ist nichts, das man mit erfundenen "Fakten" wie "strenger Drehplan", "billige Schauspieler" etc. vermischen sollte.[/quote]
Meine Kritikpunkte ließen anfangs den Drehplan komplett außer Acht, der "strenge Drehplan" und inhaltliche Vorgaben wurden von Verteidigern des Films ins Spiel gebracht - wobei ich bisher noch immer nicht verstehe, warum ein Film, dem ich immerhin 6.0 ("ganz gut" im Moviepilot-Schema) zugestehe verteidigt werden muss.
Und ich werte keinen Film mit "enger Drehplan" ab. Ganz im Gegenteil wertet das Wissen um die Zahl der Drehtage und sonstige Bedingungen in meinen Augen Filme wie Edgar G. Ulmers "Detour" oder einige von Mario Bavas Filmen sogar extrem auf! Irgendwo in einem Nebensatz hatte ich nun ja auch bereits Harald Reinl erwähnt, der im selben Jahr mit sichtlich geringem Budget (etwas billig wirkende, kleine Studio-Sets, Szenen mit extrem halligem Ton an realen Drehorten usw.) durch kreative Auflösung mit vielen verbindenden Einstellungen, Fokus auf Aktion und gutem Timing aus "Die weiße Spinne" einen sehr unterhaltsamen Krimi machte.
Wenig Drehtage macht per se keinen schlechten Film. Es wird dann problematisch, wenn ein Film sich so viel vornimmt (1000 Locations, viele Actionszenen usw.), dass es unmöglich ist, dies innerhalb des gesetzten Drehplans in zufriedenstellender Qualität hinzubekommen. Das sehe ich beim "Abt" nicht. Die zusammenstürzende Decke ist der einzige "Action"-Effekt, ansonsten gibt es eine Schlägerei - der Rest sind Dialoge! In anderen Wallace-Filmen gab es Schießereien, Szenen mit Autos und Booten und andere aufwändige Sachen. Beim "Abt" wackeln Wände oder das ausgeschnittene Gemälde bei Dialogszenen. Ich wüsste nicht, warum man darauf nicht hinweisen darf?
Hat hier Nix zu suchen, aber "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn" war der Debütfilm der "Piran-Film" und daher ein extrem erfolgreicher, aber eben kein teurer Film! Das war kein geplanter Erfolg, bei dem eine große Produktionsfirma mit sattem Bankkonto in allen Produktionsbelangen mit Geld nur so um sich warf. Auch kam bei dieser Art Filme erwiesenermaßen oft zusätzliches Geld von Musikproduzenten, die bestimmte Musiker/Schauspieler in den Filmen unterbrachten.
Wo dieser Film nun also ein Argument dafür sein soll, dass Brauner Howland bereits für "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" eine Spitzengage zahlte, erschließt sich mir nicht. Zumal dann zumindest Brauner dafür kritisiert werden dürfte, warum er die Howland-Gage nicht lieber in einen erfahrenen Krimi-Drehbuch-Autoren investierte. Aber hier zeigt sich doch schon ein deutlicher Unterschied meiner Kritikansätze, den man schon böswillig übersehen muss:
Bei "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" stelle ich nur fest, dass der Film eben nicht mit riesigem Budget versehen wurde und drehe dem Regisseur Klingler daraus keinen Strick - das äußert sich ja auch im Drehbuch und den Sets, eben nicht nur den Schauspielern.
Bei "Der schwarze Abt" stelle ich fest, dass der Film trotz (wahrscheinlich) ähnlichem Budget, hochkarätiger Besetzung und wie du richtig sagst: ähnlich kalkulierter Drehzeit - in meinen Augen nicht so gelungen ist, wie vorige Wallace-Filme der Rialto. Der Film ist also keinesfalls wegen Produktionsbelangen "abgewertet", sondern ich stelle fest, dass die Rialto hier genauso arbeitete wie bei den anderen Produktionen zuvor, die Inszenierung aber nicht so geglückt ist und mich persönlich Kulissen-Wackler und Ähnliches stören, die es so in vorigen Wallace-Filmen schlicht und einfach nicht gab.
Ich hoffe sehr, dass wir zukünftig nicht in allen Threads diese Herangehensweise an Argumentationen haben. Wenn jemand nun schreibt "XY ist Peter Thomas schwächste Musik innerhalb der Wallace-Reihe", kann man zustimmen oder dagegen argumentieren. Aber wenn dann jetzt jedes Mal jemand um die Ecke kommt und schreibt "Aber vielleicht hatte Peter Thomas während er sie schrieb eine Grippe und außerdem stand möglicherweise sein Lieblings-Gitarrist bei den Aufnahmen nicht zur Verfügung?", dann hat doch jegliche Kritik seinen Sinn verloren?

Wir diskutieren auf komplett unterschiedlichen Ebenen, stelle ich fest. Ich beziehe Produktionsbedingungen und Co (teils sogar zum Vorteil der Filme!) ein, Du nimmst den Film wie er ist.

Dann tu ich dies abschließend auch einmal um hier wieder auf das eigentliche Thema zu kommen und lasse sämtliche Betrachtungen von Handwerk, Technik und einzelner Inszenierungs-Merkmale einmal raus:
"Der schwarze Abt" ist meiner Meinung nach nur ein durchschnittlicher Wallace der Rialto. Ein guter, atmosphärischer Einstieg, tolle stimmungsvolle Musik von Martin Böttcher und eine klassische Besetzung stehen auf der Haben-Seite, aber teils verschlepptes Tempo und zu unklar erzählte Handlung mit zu vielen mysteriösen Figuren und keiner Person mit klarem Identifikationspotential, lassen ihn leider nie so packend und unterhaltsam werden, wie vorige Filme der Reihe.

Jan-Eric Offline



Beiträge: 40

27.02.2025 22:37
#276 RE: Der schwarze Abt - Hätte ein guter Wallace sein können! Zitat · Antworten

Zitat von Fabi88 im Beitrag #275
Dir ist der Nieselregen nach eigenen Angaben nie aufgefallen, jetzt soll Gottlieb ihn fest eingeplant oder sogar selbst (durch Mitarbeiter) erzeugt haben?


Da scheinst Du mich mit @Savini zu verwechseln. Mir ist der Nieselregen sogar schon auf der alten VHS aufgefallen. Abgesehen davon: Ob der Nieselregen eingeplant war oder nicht, hängt nicht davon ab, ob es einem Zuschauer aufgefallen ist oder nicht. Ich beharre übrigens gar nicht darauf, dass er eingeplant war. Es könnte sein, aber auch nicht. Ohne Belege ist beides Spekulation. Und da helfen auch keine seitenlangen Ausführungen.

Gleiches gilt für die Gage von Darstellern, Drehbuchautoren usw.

Irgendwo hattest Du mal geschrieben, dass Du Dich nicht gerne wiederholst, tust es aber seitenlang. Außerdem ist es nicht das erste Mal, dass Du Dich offensichtlich angegriffen fühlst, wenn man bestimmte Behauptungen (ohne Belege) in Frage stellt.

Das ist für mich keine ernst zu nehmende Basis für eine Diskussion.

Und zur Richtigstellung: Die folgenden Zeilen Deines letzten Beitrags sind Zitate von mir. Da scheint einiges durcheinander geraten zu sein.

Zitat von Jan-Eric im Beitrag #274
Warum sollte man sonst einen "engen Drehplan" haben, den Du unterstellst? Im Übrigen waren die Drehtage bei allen Edgar-Wallace-Filmen planmäßig gleich lang kalkuliert, soweit ich weiß 30 Tage. Beim "Schwarzen Abt" fanden sie von 17. April bis 28. Mai 1963 statt (die reinen Drehtage natürlich abzüglich der freien Tage). Beim Wallace-Film "Die Gruft mit dem Rätselschloss", der im Unterschied zum "Schwarzen Abt" auch London-Aufnahmen enthielt, fanden die Dreharbeiten z. B. entsprechend vom 18. Februar bis 26. März 1964 statt.

Keineswegs. Aber seitenlange Behauptungen ohne Belege, um den Film durch reine Spekulationen wie "enger Drehplan" abzuwerten, hat weder "Der schwarze Abt" noch ein anderer Film verdient. Eine ähnlich Diskussion gab es ja schon zu Deiner Behauptung, dass die Darsteller in "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" günstig waren, ohne dass wir die Gagen und Verträge kennen. Bemerkenswerter Weise hast Du sogar Chris Howland als Beispiel genannt, der ja bei den Karl-May-Filmen nachweislich zu den am höchsten bezahlten Darstellern gehört. Aber auch da endete die Diskussion in einer Dauerschleife, sinngemäß: Ja, aber 1961 hat er "nur" Schlagerfilme gemacht. An dieser Stelle weise ich mal darauf hin, dass Schlagerfilme bis zur Beat-Welle ab 1963 äußerst erfolgreich waren. "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn" (mit Chris Howland) gehörte zu erfolgreichsten deutschen Spielfilmen der Kinosaison 1961/62.

Und wie schon gesagt: Mir gefallen einige Filme der Wallace-Reihe gar nicht. Dennoch würde ich hier in keinem entsprechendes Unter-Forum die entsprechenden Fans mit Spekulationen überhäufen, nur um meine Meinung zu festigen.

Gegen sachliche Beiträge mit Belegen, dass z. B. ein Drehbuch im letzten Moment gekippt oder terminlich noch nicht ausgereift war, hat hier allerdings niemand etwas. Auch über Geschmack lässt sich streiten, aber Geschmack ist nichts, das man mit erfundenen "Fakten" wie "strenger Drehplan", "billige Schauspieler" etc. vermischen sollte.

Havi17 Offline




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28.02.2025 13:52
#277 RE: Der schwarze Abt - Hätte ein guter Wallace sein können! Zitat · Antworten

Ich lese Eure Beiträge fleissig mit, die Art und Weise wie "die Qualität" eines Films eingeordnet wird unterliegt dabei sehr unterschiedlichen Ansätzen. Eine Wiederholung von Aussagen nützt dabei m.E. nichts. Man sollte sich einmal selbst die Frage stellen, warum man so ist. Siehe hier Rezensionen

Gruss
Havi17

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Jan-Eric Offline



Beiträge: 40

01.03.2025 01:14
#278 RE: Der schwarze Abt - Hätte ein guter Wallace sein können! Zitat · Antworten

Danke für Deinen sehr interessanten Beitrag zu den Rezensionen, @Havi17

Ich hatte ja schon erwähnt, dass sich auch über Geschmack streiten lässt. Und natürlich kann einem ein Film auch geschmacklich nicht gefallen, weil es handwerkliche und damit ganz objektive Fehler in einem Film gibt.

Was ich halt etwas mühsam finde, ist ein Satz wie dieser:

Zitat von Fabi88 im Beitrag #275
Hat hier Nix zu suchen, aber "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn" war der Debütfilm der "Piran-Film" und daher ein extrem erfolgreicher, aber eben kein teurer Film!


Dass ein Film ein Debütfilm einer Produktionsfirma ist, macht ihn doch nicht automatisch zum Erfolg. Erfolgreich machten diesen Film die zahlreichen Stars, die seinerzeit in den Top 10 der Hitparaden waren. Musikvideo-Kanäle oder Youtube gab es damals noch nicht. Auch verfügte ein damaliger Teenager nicht einfach so mal über den Fernseher der Eltern, falls überhaupt vorhanden. 1960 gab es in West-Deutschland gerade einmal 3,5 Millionen Haushalte mit einem Fernseher. Für junge Leute ansprechende Musiksendungen gab es ohnehin kaum.

Hinzu kommt, dass der Film groß von Constantin-Film vermarktet wurde. Die später im eigenen Verleih veröffentlichten Piran-Produktionen erreichten diese Popularität nicht mehr. 1965 ging die Firma in Konkurs.

Dass der Film nicht teuer war, müsste ebenfalls präzisiert und belegt werden. Wenn da irgendjemand Belege und Zahlen hat, glaube ich das gerne.

Leider finden sich in den Beiträgen von @Fabi88 viele Aussagen, die nicht belegt sind. Es stört mich ja gar nicht, wenn jemand schreibt: "Ich kann halt mit dem Film X nichts anfangen, finde ihn langweilig, den Erfolg heute nicht nachvollziehbar, weil ... Aber Danke für die Infos." Aber einfach mal ins Blaue hinein irgendwelche Vermutungen zu machen und in Dauerschleife darauf zu beharren, obwohl (nicht nur ich) hinterfragen oder widerlegen, geht für mich nicht in Ordnung.

Falls es interessiert: Ich habe den Film "Am Sonntag will mein Süßer ..." lange nicht gesehen, er traf auch nicht meinen Geschmack. Kann sein, dass ich das anders bewerte, wenn ich ihn mal wieder sichte. Aber bei den Fakten sollte man schon bleiben.

Und natürlich auch gerne wieder zum Thema "Der schwarze Abt".

Fabi88 Offline



Beiträge: 4.132

01.03.2025 21:43
#279 RE: Der schwarze Abt - Hätte ein guter Wallace sein können! Zitat · Antworten

Zitat von Jan-Eric im Beitrag #276
Und zur Richtigstellung: Die folgenden Zeilen Deines letzten Beitrags sind Zitate von mir. Da scheint einiges durcheinander geraten zu sein.

Ja, man muss leider bei Zitatketten hier immer selbst noch zahlreiche "{/quotes}" selbst per Hand einfügen und so, da gerät dann gern mal etwas durcheinander, Sorry dafür!

Zitat von Havi17 im Beitrag #277
Ich lese Eure Beiträge fleissig mit, die Art und Weise wie "die Qualität" eines Films eingeordnet wird unterliegt dabei sehr unterschiedlichen Ansätzen. Eine Wiederholung von Aussagen nützt dabei m.E. nichts. Man sollte sich einmal selbst die Frage stellen, warum man so ist. Siehe hier Rezensionen

Es tut mir Leid, aber ich muss mich dann doch erneut wiederholen: Ich schreibe hier gar keine Rezensionen. Prinzipiell schreibe ich zwar schon welche, aber wenn, sieht das formal und inhaltlich komplett anders aus. Ich schreibe nur aktuelle Eindrücke und Anmerkungen zu den Wallace-Filmen auf, die ich gerade gesehen habe. Das kann mal positiv sein (inszenatorische Glanzpunkte und andere Aspekte, die mir im von mir sonst gern verschmähten "Das indische Tuch" auffielen) oder eben eine massive Häufung von Filmfehlern und Schludrigkeiten sein, die andere Rialto-Wallace-Filme eben nicht aufweisen. Im Zuge meiner "Verteidigung", wie Jan-Eric es nennt, habe ich mich irgendwann dazu hinreißen lassen, meine Moviepilot-Wertung von 6.0 zu erwähnen und doch ein Kurz-Fazit in Bewertungs-Art zu schreiben und habe das Ganze dadurch verwässert. Es ging mir nie darum irgendeine Wertung vorzunehmen.

Zitat von Jan-Eric im Beitrag #278
Ich hatte ja schon erwähnt, dass sich auch über Geschmack streiten lässt. Und natürlich kann einem ein Film auch geschmacklich nicht gefallen, weil es handwerkliche und damit ganz objektive Fehler in einem Film gibt.

Ich habe scheinbar nicht sauber herausgearbeitet, dass Geschmack und meine Anmerkungen komplett getrennt zu sehen sind, weil ich ja gar keine Rezensionen anstrebe und meine Wertung oft nur indirekt äußere oder ganz raus lasse.
Bei "Der Würger von Schloss Blackmoor" gibt es beispielsweise auch viele Unzulänglichkeiten, die ich dort auch erwähne, rein geschmacklich gefällt er mir aber zumindest ein kleines bisschen besser als der "Abt". Ich weiß allerdings gar nicht, ob ich das dort überhaupt erwähnt habe, weil das gar nicht der Zweck meiner Anmerkungen war. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich Kameraarbeit und Schnitt gelobt und den ein oder anderen Einfall, sowie andererseits einige Setbauten kritisiert. Es geht also nicht um eine Bewertung von Filmen, sondern tatsächlich Bewertung handwerklicher Aspekte, die nicht zwingend mit meiner persönlichen Bewertung der Gesamtqualität des Films einhergehen müssen.
Wenn ich jetzt eine Rezension zu "Der schwarze Abt" schreiben müsste, würde ich natürlich weniger auf Filmfehler und inszenatorische Wackligkeiten eingehen, bzw. diese nur am Rande erwähnen. Auch bei einigen Filmen, die ich persönlich sehr mag, gibt es sicherlich technische "Fehler" oder nicht optimal gelöste Situationen.
Dass ich den "Abt" ganz persönlich nicht ganz so gern mag, liegt also gar nicht an wackelnden Kulissen und misslungener Lichtsetzung, sondern primär an der trägen Vortragsweise und der Verschiebung des Fokus von einer packenden Kriminalfilmhandlung auf Ränkespiele und die Beziehungen der vielen Personen untereinander. Darauf war ich kaum eingegangen, weil der Hauptgrund für meinen ersten Post eigentlich war, dass ich "Der schwarze Abt" als inhaltlich nur durchschnittlichen, dafür aber visuell einen der schönsten Wallace-Filme in Erinnerung hatte und eben dies sich bei der neusten Sichtung als fragwürdig herausstellte, weil gerade Richard Angst' Arbeit eben nicht makellos ausfiel.
Man kann denn immer noch an einem verregneten Sonntag nachmittag in den Player werfen und sich unterhalten lassen, aber für einen richtig guten Grusel-Krimi fehlt in meinen Augen deutlich Rhythmus, mehr "Abt" und vor allem auch klare Identifikationsfiguren.
"Grundproblem" ist vielleicht, dass ich ja ursprünglich nur einen Sammel-Thread zu den Kameraleuten gestartet hatte und nun auch weiterhin die Filme sehr mit dem Fokus auf die Bildgestaltung verfolge und entsprechende Anmerkungen mache. Wenn ich zu einem Film Nichts schreibe, liegt das nicht am Geschmack, sondern weil sie handwerklich unauffällig waren. Zum Schreiben motiviert bin ich, wenn mir etwas außergewöhnlich gutes ins Auge fällt oder eben das Handwerk nicht so gut gelungen ist.
Ich kenne die Wallace-Filme alle (mehr oder weniger) auswändig, deswegen achte ich bei der aktuellen Sichtungsreihe verstärkt auf Produktionsaspekte, Kameraarbeit, Lichtgestaltung, Sets und vielleicht hier und da dramaturgische Kniffe. Meine Anmerkungen konzentrieren sich daher meist auch auf diese Aspekte, ohne daraus wie gesagt eine Aussage über die Gesamtqualität oder das Unterhaltungspotential ableiten zu können.
Möglicherweise schaue ich die Filme in ein paar Jahren nochmals und schreibe dann normale Rezensionen oder zumindest nur persönliche Wertungen.

Zitat von Havi17 im Beitrag #277

Dass ein Film ein Debütfilm einer Produktionsfirma ist, macht ihn doch nicht automatisch zum Erfolg. Erfolgreich machten diesen Film die zahlreichen Stars, die seinerzeit in den Top 10 der Hitparaden waren. Musikvideo-Kanäle oder Youtube gab es damals noch nicht. Auch verfügte ein damaliger Teenager nicht einfach so mal über den Fernseher der Eltern, falls überhaupt vorhanden. 1960 gab es in West-Deutschland gerade einmal 3,5 Millionen Haushalte mit einem Fernseher. Für junge Leute ansprechende Musiksendungen gab es ohnehin kaum.

Dass die Tatsache "Debütfilm" automatisch zum Erfolg führte, habe ich nicht aussagen wollen. Ganz im Gegenteil, viele Debütfilme sind gleichzeitig schon "Abschiedsfilme". Mein Punkt war, dass es kaum Fälle gibt und gab, wo eine Produktionsfirma vom Start weg über Budgets verfügte wie gestandene Produktionsfirmen - wenn, dann weil sie aus Abspaltungen, Tochterfirmenkonstrukten oder Umstrukturierungen entstanden.
Zitat von Havi17 im Beitrag #277

Dass der Film nicht teuer war, müsste ebenfalls präzisiert und belegt werden. Wenn da irgendjemand Belege und Zahlen hat, glaube ich das gerne.

Bei "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn" spricht einfach sehr viel dagegen, dass es sich um eine riesige, teure Produktion handelte. Alfred Bittins war vor allem als Produktionsleiter tätig und Regisseur Franz Marischka drehte zuvor drei Schlagerfilme für die Tele. Bittins (oder die Finanziers, denn Bittins wird auch oft als Produktionsleiter oder Herstellungsleiter aufgeführt) nahm eine handvoll Musikstars, den erprobten Marischka, ließ diesen ein Drehbuch schreiben und zog mit Cast und Crew für die Dreharbeiten nach Jugoslawien (deswegen auch der Name "Piran-Film"). Man leistete sich auch keine große Premiere, wie sie für vom Verleih für wahrscheinlich gehaltene Großerfolge üblich sind, sondern setzte auf einen Massenstart. Es lassen sich zu den Dreharbeiten so nette Anekdoten finden, wie dass man kein Geld für Komparsen hatte und daher die gerade für die jeweilige Szene nicht benötigten Darsteller in dieser Funktion durch den Hintergrund laufen ließ. Der Titel des Films kam sogar gegen Protest des Regisseurs zu Stande, weil man unbedingt vom gleichnamigen Erfolgsschlager profitieren wollte und er wurde daher nachträglich noch (gesungen von Dany Mann) eingebaut. Das schreit förmlich wieder nach der damals typischen "Musikproduzent, bzw. Label bringt seine Künstler bei einem Filmprojekt unter"-Muster.
Wenn man noch die bei Kinofilmen übliche Vorlaufzeit (zwischen Abschluss der Dreharbeiten in der Regel zwei Monate bis Kinostart) einbezieht, konnte man die von dir angesprochene Anwesenheit vieler beteiligter Sänger und Sängerinnen in der damals aktuellen Hitparade zu Kinostart gar nicht absehen. Da kam wohl einfach sehr viel glücklich zusammen.
Wirkliche Erfolge lassen sich jedenfalls selten planen, Filme mit zahlreichen Stars aus der Hitparade gab es zeitgleich etliche, die meisten waren aber weit entfernt von den 3,7 Millionen Zuschauern, die "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn" erreichte. Wie Du selbst schreibst, erreichten weitere Piran-Filme nach selbem Muster diesen Erfolg auch nicht wieder - was kaum (nur) am Verleih lag. Der Film traf damals einfach einen Nerv, so wie sich auch die Zuschauerzahlen einiger Wallace-Filme (ob extrem hoch oder überraschend schwach) kaum immer schlüssig erklären lassen. Es war häufig ein ganzes Netz aus Aspekten: Sei es ein günstiger Starttermin in den Ferien, wenig Konkurrenz im selben Genre, der zeitgleich erfolgte (aber kaum bei der Produktion planbare) Hitparaden-Erfolg eines mitspielenden Sängers oder einer Sängerin, eine zufällige Nähe zu aktuellen Tagesereignissen und und und.

Mit Deinem ganz richtigen Einwand, dass es damals in recht wenigen Haushalten überhaupt Fernseher gab, stützt Du übrigens unfreiwillig weite Teile meiner Chris Howland-Argumentation im "Koffer"-Thread.
Es gab damals weder Musikvideos noch YouTube, Sänger und Sängerinnen für Leinwandrollen zu besetzen war daher (zumindest bei Debüts) ein großes Risiko für Produzenten, weil man kaum Anschauungsmaterial ihrer Telegenität, bzw. "Bewegtbildeignung" hatte. Nicht jeder Sänger hat genug Präsenz um eine riesige Leinwand zu füllen und bei mangelndem Schauspieltalent gerät so mancher Auftritt in einer Sprechrolle schnell zur Peinlichkeit.
Während heute bekannte Basketballsportler nebenbei noch Rap-Alben aufnehmen und YouTube-Kasper plötzlich Hauptrollen in Kinofilmen spielen, haben damals Sänger primär ihr Geld mit Musik verdient und Schauspieler (in der Regel) die Finger gelassen von Musik. Natürlich gab es auch dort schon Ausflüge ins andere Metier oder Universalgenies, bzw. Künstler, die in beiden Fächern (ähnlich) erfolgreich waren, aber in den allermeisten Fällen dienten Auftritte von Musikern in Spielfilmen dem Verkauf von Platten und Auftritte von Schauspielern in Fernsehshows dem Verkauf von Kinotickets. In Kriminal-, Kriegs-, Sci-Fi- oder Horror-Filmen oder Dramen finden sich auch in den 50er und 60er Jahren kaum Auftritte von Sängern oder Sängerinnen. Entweder haben sie einen Gesangsauftritt (= Werbung für ihre Platten und Zusatzeinnahme für den Filmproduzenten) oder der Produzent sah in ihnen wirkliches Schauspieltalent, bzw. setzte sie nur der Optik wegen in einer kleinen Rolle mit wenig oder ganz ohne Text ein. Die große Ausnahme sind eben die Revue-, bzw. Schlagerfilme, in denen oft sogar die Handlung um bestimmte Musiknummern herum gebaut wurde - im Prinzip Dauerwerbesendungen.
Wenn man sich einige sehr gut recherchierte Beiträge zu Filmen wie "Hotel der toten Gäste" im Netz anschaut, bekommt man auch viele Belege für die "Musiker als externe Beistellung"-Methode, die ich hier erwähne.

Zitat von Jan-Eric im Beitrag #276

Leider finden sich in den Beiträgen von @Fabi88 viele Aussagen, die nicht belegt sind. Es stört mich ja gar nicht, wenn jemand schreibt: "Ich kann halt mit dem Film X nichts anfangen, finde ihn langweilig, den Erfolg heute nicht nachvollziehbar, weil ... Aber Danke für die Infos." Aber einfach mal ins Blaue hinein irgendwelche Vermutungen zu machen und in Dauerschleife darauf zu beharren, obwohl (nicht nur ich) hinterfragen oder widerlegen, geht für mich nicht in Ordnung.

Falls es interessiert: Ich habe den Film "Am Sonntag will mein Süßer ..." lange nicht gesehen, er traf auch nicht meinen Geschmack. Kann sein, dass ich das anders bewerte, wenn ich ihn mal wieder sichte. Aber bei den Fakten sollte man schon bleiben.

Auch da liegt unser Missverständnis wieder in völlig unterschiedlichen Sichtweisen. Du hast den Eindruck, dass enge Drehpläne, geringe Budgets, Produktionsfirmen als Eintagsfliege und andere Aspekte meine Art dafür sind "ich finde den Film langweilig" zu äußern. Ich aber rede überhaupt nicht über meinen Geschmack oder Nachvollziehbarkeit von Erfolg.
Ja, ich mag prinzipiell Revue- und Schlagerfilme nicht. Aber dass die Budgets dort nicht vergleichbar waren mit denen von "Der Tiger von Eschnapur" oder "Wartezimmer zum Jenseits" muss man nicht mit den Kalkulationen belegen und sie sagen auch nichts darüber aus, ob der Erfolg angemessen oder nachvollziehbar ist.
Die Leute sind da im Oktober 61 in Massen reingerannt, weil ein sommerlicher Gutelaune-Film im Herbst dankbar angenommen wurde - zumal die Kubakrise auch in Deutschland sicherlich für Unruhe sorgte, von der man sich Ablenkung erhoffte. Wenn noch dazu der gleichnamige Schlager noch in allen Ohren war und einige der Mitwirkenden gerade mit ihren aktuellen Songs in der Hitparade vertreten waren, half das sicherlich auch. Möglicherweise ist es ja sogar der beste deutsche Musikfilm der frühen 60er, völlig egal! Es sei dem Film der Erfolg doch absolut gegönnt, auch wenn ich persönlich spätestens bei der ersten Gesangseinlage abschalten würde.

Zitat von Jan-Eric im Beitrag #276
Und natürlich auch gerne wieder zum Thema "Der schwarze Abt".

Sehr gern! Auch hier bin ich weit davon entfernt den Erfolg nicht nachvollziehen zu können, nur weil ich Anmerkungen zu Produktion und Umsetzung habe, die kritischer Natur sind.
Der Krimidurst beim Publikum war auch 1963 groß! Im Herbst 1962 hatte "Das Gasthaus an der Themse" sagenhafte 4 Millionen Zuschauer erreicht, der CCC-Wallace "Der Fluch der gelben Schlange" erreichte ab Februar 63 2 Millionen Zuschauer und der Weinert-Wilton-Film "Die weiße Spinne" mit Kinostart im April wohl immerhin etwa 1,6 Millionen, wo schließlich auch mit "Der Zinker" einer der bekanntesten Wallace-Romane auf die Leinwand kam und 2,9 Millionen Zuschauer erreichte. Im Mai startete dann noch "Die schwarze Kobra" und verkaufte geschätzte 1,2 Millionen Tickets.
"Der schwarze Abt" startete pünktlich zu den Sommerferien im Juli und hatte (nach zusätzlichen Schnitten) eine Freigabe ab 12. Noch dazu war mit Fuchsberger, Kinski und Arent ein ebenso klassisches Trio auf der Leinwand wie beim "Zinker" mit Drache, Kinski und Arent. Der Romantitel war bekannt und der Abt war nach langer Zeit wieder ein Mörder im schaurigen Kostüm wie einst "Der Frosch mit der Maske" - der Hai aus dem "Gasthaus" war ja beispielsweise nicht mehr als ein simpler Froschmann. Noch dazu fokussiert sich der Kinotrailer sehr auf Action und Grusel und das Filmplakat ist vielleicht eines der gelungensten der Reihe. Man darf ja nicht übersehen, dass damals die großen drei Faktoren für den Erfolg des nächsten Teils vor allem "Qualität des letzten Films", "Trailer+Filmplakat" und "Mundpropaganda" waren.
Die einzige "ähnliche" Konkurrenz war der kurz zuvor im Kino gestartete Bryan Edgar Wallace-Film "Der Würger von Schloß Blackmoor", der mit knalligem Klischee-Titel, Reinl-Regie und Karin Dor lockte, aber eben "nur" eine FSK16-Freigabe erhielt. Erst Mitte September kam dann der nächste nennenswerte Grusel-Krimi ins Kino - nämlich "Das indische Tuch" - es ist daher wahrscheinlich, dass "Der schwarze Abt" sich recht lange in den Kinos hielt.
Er löst ja auch durchaus einige der Versprechen ein - gerade vor dem Hintergrund "Grusel für die ganze Familie" bzw. Jugendlichen als Zielgruppe. Diese dürften ausreichend mit Arent gelacht und sich bei den Auftritten des Abts gegruselt haben und es gibt viele bekannte Wallace-Gesichter zu sehen. Die Musik versetzt einen ja auch in die passende Stimmung.

Giacco Offline



Beiträge: 2.749

02.03.2025 12:08
#280 RE: Der schwarze Abt - Hätte ein guter Wallace sein können! Zitat · Antworten

Noch etwas zu den Schlagerfilmen (auch wenn es hier nicht hingehört):
Die Teenagerstars Conny und Peter Kraus hatten 1959 dieses Genre enorm belebt und fortan waren damals Musik- und Schlagerfilme zumeist ein sicheres Geschäft.
1959
La Paloma (5,2 Mio. Bes.)
Mandolinen und Mondschein (4,5)
1960
O Sole mio (5,3 )
1961
Am Sonntag will mein Süßer ... (3,6)
Adieu, Lebewohl, Goodbye (3,5)
Schön ist die Liebe am Königssee (3,4)
Drei weiße Birken (3,3)
Im schwarzen Rössl (3,3)

Deine Aussage, der Film "Am Sonntag .." "traf damals einfach nur einen Nerv" dürfte damit widerlegt sein.
(Ich hab jetzt mal die Zahlen von "inside Kino" übernommen, obwohl diese mit Vorsicht zu genießen sind, da es sich nur um Schätzungen handelt.

"Am Sonntag will mein Süßer ..." war übrigens eine Auftragsproduktion von Constantin-Film, die somit auch den finanziellen Rahmen vorgegeben hat und bei diesem Projekt sicher nicht knauserig war. Dass es keine Premierenfeier gab, ist doch kein Beweis für irgendwas. Bei dieser Art von Filmen war es ohnehin eher die Ausnahme.
Außerdem verließ man sich bei den Schlagerfilmen ja nicht nur auf die Gesangsstars, sondern kombinierte diese mit bekannten und populären Schauspielern, in diesem Fall z.B. Harald Juhnke, Karin Dor, Adrian Hoven usw.
Zur Bewegtbild-Eignung von Sängern und Sängerinnen: Es gab ja auch vor Studio B Fernsehsendungen, in denen diese Interpreten auftrate. Bereits 1959 hatten Stars wie Caterina Valente, Peter Kraus u.a. eigene Shows in denen sie erfolgreiche Kollegen, aber auch Nachwuchssänger vorstellten Daneben gab es zahlreiche andere Sendungen. Die hießen beispielsweise "Schlagerbummel", "Melodie & Rhythmus", "Musikalisches Rendezvous", "Wir machen Musik" usw. Dass nur relativ wenige Haushalte einen Fernseher besaßen stimmt zwar, aber zu beliebten und interessanten Sendungen kamen immer Freunde und Nachbarn, so dass das Wohnzimmer meist voll war. Außerdem standen in den Clubzimmern diverser Lokalitäten TV-Geräte, die für interessierte Gäste eingeschaltet wurden. Dadurch wurden immer viele Zuschauer erreicht.
Das von Dir angesprochene "Hotel der toten Gäste" ist ein Sonderfall, da der Produzent K.H.Busse nicht nur Film- sondern auch Plattenproduzent war. Er hatte bereits einige Schlagerfilme produziert und wollte nun auf der erfolgreichen Krimi-Welle mitschwimmen. Klar, dass er beides miteinander zu kombinieren versuchte.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.911

02.03.2025 12:24
#281 RE: Der schwarze Abt - Hätte ein guter Wallace sein können! Zitat · Antworten

@Fabi: In Deinem sehr langen Beitrag hast Du mich ein paarmal zitiert, obwohl die Aussagen nicht von mir stammen. Und wenn Du wie hier einen Film als ganzes bewertest, dann ist das automatisch eine Rezension, auch wenn Du ggf.noch Dinge außer acht läßt.

Gruss
Havi17

Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt (Jimi Hendrix)
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Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. Albert Einstein

Jan-Eric Offline



Beiträge: 40

02.03.2025 13:43
#282 RE: Der schwarze Abt - Hätte ein guter Wallace sein können! Zitat · Antworten

Hallo zusammen, ich versuche mich mal kurz zu fassen:

Zitat von Fabi88 im Beitrag #279
Bei "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn" spricht einfach sehr viel dagegen, dass es sich um eine riesige, teure Produktion handelte. Alfred Bittins war vor allem als Produktionsleiter tätig und Regisseur Franz Marischka drehte zuvor drei Schlagerfilme für die Tele. Bittins (oder die Finanziers, denn Bittins wird auch oft als Produktionsleiter oder Herstellungsleiter aufgeführt) nahm eine handvoll Musikstars, den erprobten Marischka, ließ diesen ein Drehbuch schreiben und zog mit Cast und Crew für die Dreharbeiten nach Jugoslawien (deswegen auch der Name "Piran-Film").


Da steckt schon wieder sehr viel selbst Zusammengereimtes drin. Ergänzend zum Beitrag von @Giacco hier noch ein paar weitere Fakten:

Ein Produktionsleiter (Unit Production Manager) ist nicht gleichzusetzen mit dem Produzenten. Wie der englische Begriff etwas deutlicher macht, ist ein Produktionsleiter der jeweilige Manager, der im Auftrag des Produzenten für die Planung und Durchführung eines Films verantwortlich ist. Hinter der Piran-Film steckte nicht der Produktionsleiter Alfred Bittins, der ja nur einzelne Filmprojekte leitete, sondern der in den Credits nicht genannte Stuttgarter Betriebsausrüstung- und Gummiwaren-Unternehmer Egon Häbe. Dieser wollte in den 1960er Jahren ins Filmgeschäft einsteigen und nahm mit Constantin-Film, genauer gesagt mit Gerhard F. Hummel Kontakt auf. Man vereinbarte die Herstellung der drei Auftragsproduktionen: "So singt und küsst man in Tirol", "Am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln gehen" sowie "Freddy und das Lied der Südsee". 1962 produzierte Piran-Film für die Gloria-Film den Film "Die Post geht ab". Bis zum Konkurs der Piran-Film vertrieb Häbe seine Filme dann selbst.

Zitat von Fabi88 im Beitrag #279
Man leistete sich auch keine große Premiere, wie sie für vom Verleih für wahrscheinlich gehaltene Großerfolge üblich sind, sondern setzte auf einen Massenstart.


Ergänzend zu den Ausführungen von @Giacco habe ich noch anzumerken, dass es auch bei einem "Massenstart" vom Verleih bzw. Produzenten organisierte Star-Tourneen mit Premierenfeiern in verschiedenen Städten gab. Artur Brauner setzte z. B. ganz bewusste auf solche Premierenfeiern in der "Provinz", weil regionale Zeitungen viel größer über solche Veranstaltungen berichteten (und damit kostenlose Werbung machten) als größere Zeitungen über einmalige Uraufführungen in West-Berlin, Essen oder München, wo diese ja nichts Ungewöhnliches waren.

Zitat von Fabi88 im Beitrag #279
Der Titel des Films kam sogar gegen Protest des Regisseurs zu Stande, weil man unbedingt vom gleichnamigen Erfolgsschlager profitieren wollte ...


Auch wenn der Regisseur hier protestiert haben mag: Die kurzfristige Umbenennung von Filmtiteln, die dann einem aktuell erfolgreichen Schlagertitel entsprachen, war überhaupt nichts Ungewöhnliches. Beispiele:

Das 1959 realisierte Filmprojekt "Das Liebeslied der Gondoliere (La Paloma)" bzw. "Eine Mondnacht in Venedig" erhielt letztlich den Titel "Mandolinen und Mondschein", nachdem mit Willy Hagara, Peter Alexander und Perry Como (Original-Version) gleich drei Sänger mit dem gleichnamigen Schlager einen großen Hit landeten, der wochenlang in den deutschen Charts war.

Das 1961 begonnenen Filmprojekt "Babysitter Boogie" hatte zwar bereits einen erfolgreichen Schlager als Titel, wurde aber kurzfristig in den bei der Fertigstellung aktuelleren Schlagertitel "Adieu, Lebewohl, Goodbye" umbenannt.

Das 1962 entstandene Film-Remake "Die Leute mit dem Sonnenstich" wurde vom Constantin-Filmverleih kurzfristig in "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" umbenannt, als sich dieser Schlager zu einem Dauerbrenner entwickelt hatte. Dadurch entstand nach den eigentlich schon abgeschlossenen Dreharbeiten noch die Rahmenhandlung mit Bill Ramsey und Edith Hancke.

Dass man in den Film "Am Sonntag will mein Süßer ..." neben der Vorspann-Musik von der seinerzeit sehr erfolgreichen Schallplatte der Old Merry Tale Jazzband auch noch eine Szene mit Dany Mann einbaute, ist auf Chris Howland zurückzuführen, der seinerzeit eine Beziehung mit Dany Mann hatte. Howland vermittelte Dany Mann 1961 auch einen neuen, lukrativeren Schallplatten-Vertrag beim Kölner Label Electrola.

Fabi88 Offline



Beiträge: 4.132

02.03.2025 23:42
#283 RE: Der schwarze Abt - Hätte ein guter Wallace sein können! Zitat · Antworten

Ich möchte zu Beginn anmerken, dass ich die Kuba-Krise versehentlich ein Jahr vordatiert habe. Diese hat also nun wirklich gar keinen Einfluss auf "Am Sonntag..." gehabt.

Schlagerfilme haben allerdings auch keinerlei Einfluss auf "Der schwarze Abt" gehabt und hier im Thread somit gar Nichts zu suchen. Der Startpunkt für diese endlose Diskussion war ja auch nicht "Der schwarze Abt", sondern "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" und da auch nur Chris Howland.
Ich weiß gar nicht mehr, wieso das hier her herübergeschwappt ist. Sorry also, dass ich es durch Reaktionen dann auch zu sehr habe ausfransen lassen.
Wenn das Thema weiterhin für sooo wichtig erachtet wird, bitte ich um Eröffnung eines entsprechenden Threads zu "Finanzierung von Revuefilmen" oder "Schlagerfilm-Bewertungen".

Daher nur abschließende Anmerkungen von mir:

@Giacco: Du nennst für 1959 einen und für 1960 zwei richtig erfolgreiche Schlagerfilme (>4 Millionen Besucher). Wahrscheinlich wolltest Du das damit gar nicht sagen, aber aus drei richtig erfolgreichen Filmen dieser Art abzuleiten, dass quasi jeder weitere Film in diesem Stile im Folgejahr mit sicheren 3,5 Millionen Kinobesuchern geplant werden konnte, ignoriert die große Anzahl an Filmen, die ihre Kosten gerade so oder gar nicht einspielten. Schlagerfilm=sicherer Riesenerfolg ist eine Gleichung die so eben nicht zwangsläufig aufging. Sonst hätte Ähnliches ja auch für spätere Trends wie "Gruselkrimis", "Euro-Spy" oder "Italo-Western" gegolten - auch dort gab es aber Projekte, die eigentlich von Thematik und oft sogar der Besetzung ein "sicherer Erfolg" gewesen sein müssten, aber eben wegen Timing, großer Konkurrenz oder Ähnlichem nicht so abschnitten, wie erhofft.
Ich drehe den Spieß jetzt mal um, damit es deutlicher wird:
1959: "Der Frosch mit der Maske" - 3,2 Millionen Zuschauer
1960: "Die Bande des Schreckens" - ebenfalls 3,2 Millionen Zuschauer
1961: "Die toten Augen von London" - 3,4 und "Das Geheimnis der gelben Narzissen" 3,5 Millionen Zuschauer
1962: "Die Tür mit den sieben Schlössern" - 3,2 und "Das Gasthaus an der Themse" - 4 Millionen Zuschauer
1963: "Der Zinker" und "Der schwarze Abt" mit immerhin 2,9 bzw. 2,7 Millionen Zuschauern
Anhand dieser Liste könnte man den Eindruck haben, ein Produzent mit dem Verfilmungsrecht eines Wallace-Roman hätte die Garantie zum Geldrucken. Selbst, wenn ich die Liste um Grusel-Krimis ("Mabuse", "Weinert-Wilton", "Bryan Edgar Wallace" und Co) ergänze und die Schwelle auf 1,5 Millionen Zuschauer heruntersetze, gab es aber 1964 mit "Die Gruft mit dem Rätselschloß" (1,3 Millionen Zuschauer) und "Wartezimmer zum Jenseits" (geschätzte ~800.000 Zuschauer) üble Pleiten für die Rialto, die weit unter dem gewohnten Schnitt lagen und teils sogar die (günstiger produzierte) Konkurrenz untertrafen. Wo doch Wallace so eine todsichere Marke mit regelmäßigen >3 Millionen Zuschauern war und auch die meisten Grusel-Krimis von Brauner und Co meist sicher die Million übertrafen? Filme wie "Mord in Rio" oder "Das Haus auf dem Hügel", die weit unter 500.000 Zuschauer erreichten, gibt es ja auch noch.
Darauf wollte ich hinaus: Nur, weil es eine handvoll extrem erfolgreicher Schlagerfilme gab, waren nicht auch alle anderen sichere Erfolge und quasi mit dem Schlagen der ersten Klappe bereits an der Kinokasse refinanziert.
1961 gab es sicherlich mehr als nur 5 Revue-/Schlager-Filme. Ausgerechnet diese fünf trafen einen Nerv, andere (trotz vielleicht ähnlicher Produktionsbedingungen und Budgets) eben nicht. Dabei sind diese fünf ja auch noch von unterschiedlichem Aufwand, Stil und Co.

Dass es schon ab 1959 Musiksendungen im Fernsehen gab, ändert Nichts an der kaum zu beurteilenden "Bewegtbild-Eignung" - Die Sänger und Sängerinnen traten dort auf und sangen ihren Hit. Auch aus kleinen Gesprächen drum herum ließ sich doch kaum eine Wertung über das vorhandene Schauspieltalent ableiten. Wenn Sänger XY einen Hit hat, diesen in einer Musiksendung zum Besten gab und Filmproduzent YZ den Herren dann für die ernste Rolle in einem Krimi besetzte, konnte das arg in die Hose gehen.
Meine Sicht auf Musiker im Film bleibt die selbe: Ein Großteil der Sänger und Sängerinnen blieb Sänger und Sängerin auch auf der Kinoleinwand, ein Teil davon, der sich als einigermaßen talentiert erwies (Chris Howland unter anderem) durfte dann auch mal kleine Sprechrollen übernehmen - und dennoch weiterhin musikalische Einlagen bringen. Der allerkleinste Teil aber schaffte den Sprung zu Sprechrollen in Filmen, die nicht um Musik herum gebaut wurden oder Musik als Handlung hatten. Chris Howland gehört auch hier dazu, nicht zuletzt aufgrund der recht unkonventionellen Besetzung für die Rolle des Eddi Arent-Ersatzes in "Das Geheimnis der schwarzen Koffer". Dabei bleibe ich auch nach wie vor: Die wenigsten Produzenten und Regisseure dürften sich beim Lesen eines an die Edgar Wallace-Reihe angelehnten Drehbuchs bei der Rolle direkt Chris Howland vorgestellt haben. Eddi Arent, Ralf Wolter, Walter Giller, Peter Vogel, Harald Juhnke und Co wären allesamt naheliegender gewesen. Das ist nach wie vor auch keinerlei Wertung oder gar die Behauptung, die anderen hätten es besser gemacht, sondern einfach eine Feststellung. Brauner hatte hier einen richtigen Riecher, was "Die weiße Spinne", "Winnetou 1. Teil" und andere Filme zeigen, aber naheliegend war dies nicht.

Zitat von Jan-Eric im Beitrag #282
Ein Produktionsleiter (Unit Production Manager) ist nicht gleichzusetzen mit dem Produzenten. Wie der englische Begriff etwas deutlicher macht, ist ein Produktionsleiter der jeweilige Manager, der im Auftrag des Produzenten für die Planung und Durchführung eines Films verantwortlich ist.

Ich springe hier schon wieder über ein weiteres Stöckchen in eine weitere Strohmann-Diskussion, aber mir sind die Gewerke durchaus bekannt. Danke dennoch für die Erläuterung, obwohl ich beides an keiner Stelle gleichgesetzt habe.
Jetzt bist Du es jedoch, der Historisches mit Aktuellem vermischt. Denn während wir heute (nicht zuletzt wegen häufigen internationalen Co-Produktionen und deutschen Produktionen für internationale Firmen wie Netflix) eine Angleichung der Bezeichnungen und Job-Profile haben, haben sich die Gewerke in Deutschland, Frankreich oder anderen Ländern historisch lange Zeit eigenständig entwickelt - und somit oft auch anders als in den USA oder Großbritannien. Bei einer Produktion von 1961 also einen deutschen Produktionsleiter gleichzusetzen mit einem amerikanischen "Unit Production Manager" im heutigen US-Studiosystem, ist wenig zielführend - auch wenn es von der Jobbeschreibung in diesem Falle gar nicht so grob falsch ist. Aber die damaligen Unterschiede begannen bei Job-Titeln und gingen weiter bei Themen wie "Wer sagt was an" oder Zuständigkeiten.

Zitat von Jan-Eric im Beitrag #282
Hinter der Piran-Film steckte nicht der Produktionsleiter Alfred Bittins, der ja nur einzelne Filmprojekte leitete, sondern der in den Credits nicht genannte Stuttgarter Betriebsausrüstung- und Gummiwaren-Unternehmer Egon Häbe. Dieser wollte in den 1960er Jahren ins Filmgeschäft einsteigen und nahm mit Constantin-Film, genauer gesagt mit Gerhard F. Hummel Kontakt auf. Man vereinbarte die Herstellung der drei Auftragsproduktionen: "So singt und küsst man in Tirol", "Am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln gehen" sowie "Freddy und das Lied der Südsee". 1962 produzierte Piran-Film für die Gloria-Film den Film "Die Post geht ab". Bis zum Konkurs der Piran-Film vertrieb Häbe seine Filme dann selbst.

Danke für die interessanten Infos! Aber es ist auch hier ein Strohmann, den du aufbaust, weil ich ja explizit schrieb, dass Bittins meist als Produktionsleiter arbeitete - sogar Finanziers bei der Piran habe ich (wenn auch mit Fragezeichen) angemerkt. Denn ganz richtig: Bei "Am Sonntag..." steht er in allen gängigen Datenbanken als Produzent in den Credits - der von Dir angesprochene Egon Häbe verfügte ja höchstwahrscheinlich nicht über das nötige Netzwerk in der Branche. Bittins war in diesem Falle sogar Herstellungsleiter (also übergeordnet für die Herstellung aller Piran-Filme zuständig) und ganz konkret dann auch Produktionsleiter bei "Am Sonntag...". Damit ist eigentlich auch nur gesagt, dass Häbe sich mit Bittins einen Fachmann einkaufte, der dann gleich 2-3 Stufen in der Produktions-Hierarchie abdeckte - und scheinbar sogar den "Produzenten"-Credit erhielt? Der Erkenntnisgewinn ist für uns nun aber gering. Bei einer Produktionsfirma, die ein Gummiwaren-Unternehmer gründete, die quasi nur aus Bittins als Herstellungsleiter, Produktionsleiter und möglicherweise sogar Produzent bestand und (anfangs zumindest) keine eigenen Projekte realisierte, sondern nur im Auftrag von unterschiedlichen Verleihern arbeitete, klingt für mich mit jeder Info mehr nach "geringe Budgets", anstatt dies zu entkräften.
Bei einer Auftragsproduktion im herkömmlichen Sinne sorgt der Produzent für die Zwischenfinanzierung und Herstellung, darf sich über eine Fixsumme sowie (häufig) eine Gewinnbeteiligung freuen, die Herstellungskosten des Films trägt am Ende aber im Grunde der Auftraggeber - hier die Constantin - ebenso wie der Großteil des Gewinns dort landet.

Zitat von Jan-Eric im Beitrag #282
Zitat von Fabi88 im Beitrag #279
Man leistete sich auch keine große Premiere, wie sie für vom Verleih für wahrscheinlich gehaltene Großerfolge üblich sind, sondern setzte auf einen Massenstart.


Ergänzend zu den Ausführungen von @Giacco habe ich noch anzumerken, dass es auch bei einem "Massenstart" vom Verleih bzw. Produzenten organisierte Star-Tourneen mit Premierenfeiern in verschiedenen Städten gab. Artur Brauner setzte z. B. ganz bewusste auf solche Premierenfeiern in der "Provinz", weil regionale Zeitungen viel größer über solche Veranstaltungen berichteten (und damit kostenlose Werbung machten) als größere Zeitungen über einmalige Uraufführungen in West-Berlin, Essen oder München, wo diese ja nichts Ungewöhnliches waren.

Das ist ja Alles richtig, aber Filme, die bewusst als "Leuchtturm"-Projekt und "heißes Eisen" geplant sind, also bei denen enorm viel Geld investiert wurde (denn darum dreht sich die unnötige Diskussion ja), bekamen eigentlich immer eine große Premiere vom Verleih. Und für die von Dir angesprochenen Star-Tourneen gibt es explizit bei "Am Sonntag..." keinerlei Nachweis. Bei Brauner, Du schreibst es selbst, waren es im übrigen häufig eben tatsächlich Premieren, sprich "feierliche Uraufführungen" vor dem bundesweiten Start, nur eben in der Provinz. Massenstart ist Massenstart.

Zitat von Jan-Eric im Beitrag #282
Zitat von Fabi88 im Beitrag #279
Der Titel des Films kam sogar gegen Protest des Regisseurs zu Stande, weil man unbedingt vom gleichnamigen Erfolgsschlager profitieren wollte ...

Auch wenn der Regisseur hier protestiert haben mag: Die kurzfristige Umbenennung von Filmtiteln, die dann einem aktuell erfolgreichen Schlagertitel entsprachen, war überhaupt nichts Ungewöhnliches. Beispiele:

Das 1959 realisierte Filmprojekt "Das Liebeslied der Gondoliere (La Paloma)" bzw. "Eine Mondnacht in Venedig" erhielt letztlich den Titel "Mandolinen und Mondschein", nachdem mit Willy Hagara, Peter Alexander und Perry Como (Original-Version) gleich drei Sänger mit dem gleichnamigen Schlager einen großen Hit landeten, der wochenlang in den deutschen Charts war.

Das 1961 begonnenen Filmprojekt "Babysitter Boogie" hatte zwar bereits einen erfolgreichen Schlager als Titel, wurde aber kurzfristig in den bei der Fertigstellung aktuelleren Schlagertitel "Adieu, Lebewohl, Goodbye" umbenannt.

Das 1962 entstandene Film-Remake "Die Leute mit dem Sonnenstich" wurde vom Constantin-Filmverleih kurzfristig in "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" umbenannt, als sich dieser Schlager zu einem Dauerbrenner entwickelt hatte. Dadurch entstand nach den eigentlich schon abgeschlossenen Dreharbeiten noch die Rahmenhandlung mit Bill Ramsey und Edith Hancke.

Dass man in den Film "Am Sonntag will mein Süßer ..." neben der Vorspann-Musik von der seinerzeit sehr erfolgreichen Schallplatte der Old Merry Tale Jazzband auch noch eine Szene mit Dany Mann einbaute, ist auf Chris Howland zurückzuführen, der seinerzeit eine Beziehung mit Dany Mann hatte. Howland vermittelte Dany Mann 1961 auch einen neuen, lukrativeren Schallplatten-Vertrag beim Kölner Label Electrola.


Ich habe es ja nicht als ungewöhnlich, sondern gerade als gewöhnlich für einen Musik-Film bezeichnet, der äußeren Zwängen verpflichtet ist.
Ich zweifelte an, dass es sich um einen autark produzierten, sauteuren Film handelt, sondern vielmehr eine Auftragsproduktion mit überschaubarem Budget und vielen Musikern, die möglicherweise sogar von externen Geldgebern untergebracht wurden. Dass die filmische Kreativität der Beteiligten zusätzlich eingeschränkt wird, weil jemand dieser externen Einflussnehmer (Constantin, ein Plattenproduzent, ein Label,...) einen bestimmten Song oder Künstler promoten wollte und Du jetzt nochmal drei weitere Filme nennst, bei denen genau dies auch der Fall war, stützt ja die ganze Argumentation. Danke also für Deine Mühen, damit unterstreichst Du im Grunde meinen Punkt.


Bemerkenswert, dass in meiner Abwesenheit drei Antworten auf diesen ganzen Schlagerfilm-Komplex eingegangen wird, aber mit keiner Silbe auf "Der schwarze Abt", dem ich immerhin am Ende nochmal einen Absatz gewidmet habe - eigentlich um endlich wieder zum eigentlichen Thema des Threads zu kommen.
Weiteres abseits davon also bitte per privater Nachricht oder in eigenen, passenderen Threads.
Zu "Der schwarze Abt" habe ich nun mehr geschrieben, als zu manch anderem Wallace, zu dem es (beispielsweise in Punkto Bildgestaltung) vieles zu schreiben gäbe. Ich würde mich aber freuen, wenn dies nun auch wieder andere hier tun um den Thread wieder zu seinem Kern zu führen.

Jan-Eric Offline



Beiträge: 40

03.03.2025 11:10
#284 RE: Der schwarze Abt - Hätte ein guter Wallace sein können! Zitat · Antworten

Es bringt generell ziemlich wenig, hier verschiedene Genres wie Schlagerfilme und Krimis gegeneinander auszuspielen. Beide Genres hatten ihre Erfolge und ihre Misserfolge.

Im Unterschied zu Dir können @Giacco , @Havi17 oder auch ich jedoch mit Fakten und Zahlen aufwarten, die einige deiner Schlussfolgerungen widerlegen. Stattdessen drehst Du vieles dann wieder so hin, als ob sie Deine Behauptungen stützen würden.

Ein neues Beispiel ist der Satz:

Zitat von Fabi88 im Beitrag #283
Du nennst für 1959 einen und für 1960 zwei richtig erfolgreiche Schlagerfilme (>4 Millionen Besucher). Wahrscheinlich wolltest Du das damit gar nicht sagen, aber aus drei richtig erfolgreichen Filmen dieser Art abzuleiten, dass quasi jeder weitere Film in diesem Stile im Folgejahr mit sicheren 3,5 Millionen Kinobesuchern geplant werden konnte, ignoriert die große Anzahl an Filmen, die ihre Kosten gerade so oder gar nicht einspielten.


Auch hier ist festzustellen: Im Unterschied zu Dir hat @Giacco Zahlen und Quellen genannt hat. Und warum konstruierst Du Argumente gegen Aussagen, die jemand "wahrscheinlich gar nicht sagen wollte" und auch tatsächlich nicht gesagt hat? Das ist doch kein fairer Diskussions-Stil.

Und natürlich gerät eine Diskussion außer Rand und Band, wenn man in ellenlangen Beitragen immer wieder neue Mutmaßungen in den Raum wirft, die auf dem persönlichen Geschmack oder Gefühlen basieren, aber als Tatsachen dargestellt werden.

Fabi88 Offline



Beiträge: 4.132

04.03.2025 22:10
#285 RE: Der schwarze Abt - Hätte ein guter Wallace sein können! Zitat · Antworten

Aus Rücksicht auf die anderen Forenmitglieder und die Lesbarkeit des Threads habe ich nun per PM geantwortet. Falls es jemandem gibt, der die Diskussion gern weiter verfolgen will (was ich persönlich bezweifle), können wir wie gesagt gern einen eigenen Thread dafür eröffnen, wo ich dann meine Antwort auch gern nochmal öffentlich poste.
Nun aber endlich zurück zum "Abt"!
Wenn man auf Seite 1 zurückspringt, sind übrigens schon die ersten vier Beiträge direkt eher kritisch, bzw. schlagen in die Kerbe, dass ein besserer Film daraus hätte werden können - das ist also längst kein neues Phänomen im Zuge eines wesentlich späteren Grand-Prix oder Ähnliches gewesen. In den Beiträgen danach wird teilweise sogar die Handlung (nicht nur die Umsetzung) kritisiert, andere bezeichnen ihn als "Durchschnitts-Wallace" - wirkliche Fans lese ich kaum. Warum hier also nun plötzlich so ein "Feuer" drin ist, erklärt sich mir nach wie vor nicht.

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