Zitat von Fabi88 im Beitrag #251Es mag also eine Minderheitsmeinung sein, die ich vertrete, aber ich konnte auf die Schnelle nun nur unsere Grand-Prix-Ergebnisse von 2019 finden, wo "Der schwarze Abt" auf Platz 20, noch hinter "Das Geheimnis der weißen Nonne", "Die Gruft mit dem Rätselschloss" und "Der Gorilla von Soho" einlief - also auch für viele andere eingefleischte Wallace-Fans nicht zu den Highlights gehört.
Schockierend, dass bei dieser Umfrage selbst die so Wallace-untypische "Nonne" und der scheußliche "Gorilla" (immerhin eine Schändung eines der absoluten Klassiker der Reihe) vor dem "Abt" kamen!
Fake-News! Der Abt war Platz 18. Nonne 22, Gruft 32, Gorilla 35.
Der Wallace Grand-Prix ist für mich leide rnicht massgebend, da Gubanov damals massiv Fuchsberger Paraderollen gepuscht hatte. Und wie Du richtig schriebst Fabi ist das mit dem Flow Deine persönliche Meinung. So lange nicht belegt ist, dass beim Abt finanzielle Erwägungen und zeitliche Bedingungen (Nähe am Buch oder eher frei nach Edgar Wallace) eine Rolle spielten darf man dem Regisseur nicht anlasten das die Tricks billig erscheinen und darin weiter Negativpunkte suchen um der negativen Überschrift einer vorgefassten Meinung "Abt - hätte ein guter Wallace sein können von Ewok aus 2005" gerecht zu werden. Da muss ich Savini Recht geben.
Gruss
Havi17
Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt (Jimi Hendrix)
Die Rüstungsindustrie ist eine der größten Gefährdungen der Menschheit. Albert Einstein
Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. Albert Einstein
Zitat von Fabi88 im Beitrag #255Den (fehlenden) Rhythmus sehe ich gerade als Hauptkritikpunkt. Alles läuft im selben gemächlichen Tempo ab - selbst die Schlägerei in der Abtei. Man schaue sich vergleichend einmal Reinls Inszenierung bei der Schlägerei im parallel gedrehten "Der Würger von Schloss Blackmoor" an. Statt Spannung (etwas flotter und bedrohlicher inszenierte Mord- und Actionsequenzen) und Entspannung (das Tempo wieder etwas herausnehmende Dialog- und Humor-Szenen) - eigentlich DAS Merkmal der Wallace-Filme! - gibt es hier beim "Abt" nur ein gleichbleibendes Tempo - man kann es natürlich auch als "Flow" bezeichnen. Selbst wenn Lord Chelford Leslie durch die Gänge schleift und von Puddler, Alford und Co verfolgt wird, bekommt Gottlieb keine richtige Spannung und Angst um Leslie erzeugt.
Zumindest in diesem Punkt sind wir uns völlig einig! Auch für mich hatte Gottlieb (im Unterschied zu Reinl und Vohrer) kein Gespür für Rhythmus und Spannungsaufbau, weder hier noch in seinen anderen Krimis. Von Atmosphäre und Schauspielführung verstand er dagegen durchaus etwas, wie man auch bei diesem Film gut sehen kann. Aber gerade weil es im "Abt" keinen Haupttäter gibt, sondern vielmehr die Verbrecher einander übel mitspielen, wird vom Zuschauer Konzentration verlangt, weshalb es tödlich ist, wenn er zwischendurch das Interesse am Geschehen und dadurch den Überblick verliert. Zu den großen Stärken dieses Films zählt für mich neben Besetzung, Musik und Stimmung auch das Drehbuch, das ich für eines der am besten durchdachten der Reihe halte (siehe frühere Beiträge zur Begründung) und dessen Qualitäten ich erst nach mehrmaligem Sehen (und durch den Vergleich mit der Romanvorlage) erkennen konnte.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #251Es mag also eine Minderheitsmeinung sein, die ich vertrete, aber ich konnte auf die Schnelle nun nur unsere Grand-Prix-Ergebnisse von 2019 finden, wo "Der schwarze Abt" auf Platz 20, noch hinter "Das Geheimnis der weißen Nonne", "Die Gruft mit dem Rätselschloss" und "Der Gorilla von Soho" einlief - also auch für viele andere eingefleischte Wallace-Fans nicht zu den Highlights gehört.
Schockierend, dass bei dieser Umfrage selbst die so Wallace-untypische "Nonne" und der scheußliche "Gorilla" (immerhin eine Schändung eines der absoluten Klassiker der Reihe) vor dem "Abt" kamen!
Fake-News! Der Abt war Platz 18. Nonne 22, Gruft 32, Gorilla 35.
Oh, ich habe noch einmal nachgeschaut und bin tatsächlich ein paar Beiträge darüber bei "Jans" persönlicher Liste gelandet. Platz 18 widerspricht aber ja der Tendenz immerhin nicht.
Zitat von Havi17 im Beitrag #257Der Wallace Grand-Prix ist für mich leide rnicht massgebend, da Gubanov damals massiv Fuchsberger Paraderollen gepuscht hatte. Und wie Du richtig schriebst Fabi ist das mit dem Flow Deine persönliche Meinung. So lange nicht belegt ist, dass beim Abt finanzielle Erwägungen und zeitliche Bedingungen (Nähe am Buch oder eher frei nach Edgar Wallace) eine Rolle spielten darf man dem Regisseur nicht anlasten das die Tricks billig erscheinen und darin weiter Negativpunkte suchen um der negativen Überschrift einer vorgefassten Meinung "Abt - hätte ein guter Wallace sein können von Ewok aus 2005" gerecht zu werden. Da muss ich Savini Recht geben.
Wie konnte eine Einzelperson (Gubanov) denn bei einem System, bei dem viele Nutzer Punkte vergaben so viel "puschen"? Ich habe damals nicht Teil genommen, aber selbst bei nur 3 Teilnehmern könnte man ja mit Fug und Recht behaupten, dass "Der schwarze Abt ist einer der besten Wallace-Filme" keine Mehrheitsmeinung ist.
Zitat von Savini im Beitrag #258Zumindest in diesem Punkt sind wir uns völlig einig! Auch für mich hatte Gottlieb (im Unterschied zu Reinl und Vohrer) kein Gespür für Rhythmus und Spannungsaufbau, weder hier noch in seinen anderen Krimis. Von Atmosphäre und Schauspielführung verstand er dagegen durchaus etwas, wie man auch bei diesem Film gut sehen kann. Aber gerade weil es im "Abt" keinen Haupttäter gibt, sondern vielmehr die Verbrecher einander übel mitspielen, wird vom Zuschauer Konzentration verlangt, weshalb es tödlich ist, wenn er zwischendurch das Interesse am Geschehen und dadurch den Überblick verliert. Zu den großen Stärken dieses Films zählt für mich neben Besetzung, Musik und Stimmung auch das Drehbuch, das ich für eines der am besten durchdachten der Reihe halte (siehe frühere Beiträge zur Begründung) und dessen Qualitäten ich erst nach mehrmaligem Sehen (und durch den Vergleich mit der Romanvorlage) erkennen konnte.
Problematischerweise halte ich Rhythmus, Spannungsaufbau und Atmosphäre für einige der wichtigsten Elemente eines Krimis. Dass Gottlieb nur eines davon zufriedenstellend bedient, finde ich schon schwierig. Zumal ich eben der tollen Atmosphäre (die ich ja eigentlich auch so in Erinnerung hatte!) in sofern widersprechen würde, weil sie durch schlecht umgesetzte Licht-Settings, wackelnde Kulissen und Co in Mitleidenschaft gezogen wird. Selbst, wenn man die Bildgestaltung weniger kritisch sieht als ich, ist ein beträchtlicher Teil davon Richard Angst zuzugestehen, während ohne die Musik von Martin Böttcher ebenfalls der Film ein völlig anderer wäre. Bliebe also die Schauspielführung. Da würde ich in sofern nicht widersprechen, weil die meisten Schauspieler hier wirklich gute Leistungen abrufen. Allerdings darf Joachim Fuchsberger beispielsweise in den Reinecker-Mehrteilern eine ähnlich breite Palette spielen, Harry Wüstenhagen agierte unter Jürgen Roland ("Der grüne Bogenschütze") und Alfred Vohrer ("Die toten Augen von London") alles andere als "schwächer" und auch Werner Peters glänzt in "Die Tür mit den sieben Schlössern" meiner Meinung nach sogar mit noch intensiverem Spiel. Das sehr Charakter-orientierte Buch gab hier fast allen Schauspielern einfach eine gute Basis zur Entfaltung.
Und noch einmal zur Klarstellung: ich gebe dem Film ja keine glatte Note "6", ich halte ihn nur für kein Highlight!
Zitat von Havi17 im Beitrag #257Der Wallace Grand-Prix ist für mich leider nicht massgebend, da Gubanov damals massiv Fuchsberger Paraderollen gepuscht hatte. Und wie Du richtig schriebst Fabi ist das mit dem Flow Deine persönliche Meinung. So lange nicht belegt ist, dass beim Abt finanzielle Erwägungen und zeitliche Bedingungen (Nähe am Buch oder eher frei nach Edgar Wallace) eine Rolle spielten darf man dem Regisseur nicht anlasten das die Tricks billig erscheinen und darin weiter Negativpunkte suchen um der negativen Überschrift einer vorgefassten Meinung "Abt - hätte ein guter Wallace sein können von Ewok aus 2005" gerecht zu werden. Da muss ich Savini Recht geben.
Wie konnte eine Einzelperson (Gubanov) denn bei einem System, bei dem viele Nutzer Punkte vergaben so viel "puschen"? Ich habe damals nicht Teil genommen, aber selbst bei nur 3 Teilnehmern könnte man ja mit Fug und Recht behaupten, dass "Der schwarze Abt ist einer der besten Wallace-Filme" keine Mehrheitsmeinung ist.
Im Laufe der Zeit "entwickelten sich durch viele Beiträge" Filme mit Blacky-Paraderollen als besonders gut. Der Abt ist keine übliche Blacky-Paraderolle. So entstehende Legenden können im Laufe der Zeit unbewusst Filme gegenüber anderen überbewerten und Meinungen beeinflussen.
Gruss
Havi17
Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt (Jimi Hendrix)
Die Rüstungsindustrie ist eine der größten Gefährdungen der Menschheit. Albert Einstein
Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. Albert Einstein
Zitat von Fabi88 im Beitrag #259Zumal ich eben der tollen Atmosphäre (die ich ja eigentlich auch so in Erinnerung hatte!) in sofern widersprechen würde, weil sie durch schlecht umgesetzte Licht-Settings, wackelnde Kulissen und Co in Mitleidenschaft gezogen wird. Selbst, wenn man die Bildgestaltung weniger kritisch sieht als ich, ist ein beträchtlicher Teil davon Richard Angst zuzugestehen, während ohne die Musik von Martin Böttcher ebenfalls der Film ein völlig anderer wäre.
Ähnlich wie bei Rückprojektionen oder "amerikanischen Nächten" muss man sich allerdings fragen, ob diese Eindrücke nicht teils auch durch unsere heutigen Sehgewohnheiten bedingt sind und ob das damalige Publikum sich daran auch störte. Bei anderer Gelegenheit hatte ich ja schon den Filmhistoriker Marcus Stiglegger erwähnt, der in einem Audiokommentar sagte, seine Studenten würden ihn bei bestimmten Formen der Darstellung oft fragen, ob die Zuschauer das nicht damals absurd gefunden hätten; seine Antwort sei, dass man es zu der Zeit eben gewohnt gewesen sei, dass bestimmte Sachen im Film eben so aussehen würden. Und was wären speziell die Wallace-Filme ohne ihren trashigen Charme? Man denke nur an Vohrers Vorliebe, Schaufensterpuppen ausführlich beim Fall zu zeigen.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #259Bliebe also die Schauspielführung. Da würde ich in sofern nicht widersprechen, weil die meisten Schauspieler hier wirklich gute Leistungen abrufen. Allerdings darf Joachim Fuchsberger beispielsweise in den Reinecker-Mehrteilern eine ähnlich breite Palette spielen, Harry Wüstenhagen agierte unter Jürgen Roland ("Der grüne Bogenschütze") und Alfred Vohrer ("Die toten Augen von London") alles andere als "schwächer" und auch Werner Peters glänzt in "Die Tür mit den sieben Schlössern" meiner Meinung nach sogar mit noch intensiverem Spiel. Das sehr Charakter-orientierte Buch gab hier fast allen Schauspielern einfach eine gute Basis zur Entfaltung.
Wüstenhagen und Peters waren für mich generell exzellente Schauspieler; Peters hatte in der "Tür" insofern noch einen Vorteil, als Bertram Cody im Roman sowohl optisch als auch charakterlich genau auf ihn zugeschnitten ist, während Fabrian Gilder in der Buchvorlage deutlich anders aussieht. Das mit dem besonderen Gespür bei Gottlieb sehe ich eher darin, wie Schauspieler in Szenen miteinander agieren. Man achte nur auf die erste Szene zwischen Wüstenhagen und Peters, bei der der eine zu Beginn auftrumpfend und der andere duckmäuserisch auftritt, was sich innerhalb von wenigen Minuten völlig umkehrt. Natürlich verstand auch Vohrer viel davon; es wurde ja schon erwähnt, dass seine Qualitäten (durch seine Vergangenheit als Synchronregisseur) eher als im Bereich der Action lagen. Aber gerade weil Gottlieb woanders Defizite aufwies, sticht dieses Talent bei ihm besonders hervor. In einem anderen Forum meinte übrigens jemand, die Interaktion von Fuchsberger und Arent in der "gelben Schlange" sei einer der Pluspunkte dieses Films, trotz seiner sonstigen Schwächen.
Zitat von Havi17 im Beitrag #260Im Laufe der Zeit "entwickelten sich durch viele Beiträge" Filme mit Blacky-Paraderollen als besonders gut. Der Abt ist keine übliche Blacky-Paraderolle. So entstehende Legenden können im Laufe der Zeit unbewusst Filme gegenüber anderen überbewerten und Meinungen beeinflussen.
Ich habe damals am Grand-Prix nicht Teil genommen und ihn auch nicht verfolgt, aber ich selbst hatte nun ja ausgeführt, dass es kaum eine Rolle bei Wallace gibt, in der Fuchsberger so stark/differenziert spielt wie hier? Ich würde daher gerade beim "Abt" von einer Paraderolle sprechen. Ein sehr guter Film wird nur allein daraus auch noch lange nicht. Und nun Gubanov Hochschreiben anderer Fuchsberger-Rollen, Ewok "vorgefasste Meinung" und Grand-Prix-Ergebnissen absolute Bedeutungslosigkeit anzudichten um einen Film zu verteidigen spricht eher für eine persönliche Verletzung, die ich nicht ganz nachvollziehen kann. Noch einmal zur Klarstellung: Ich habe den Film im Rahmen meiner Sichtungsreihe nach Ewigkeiten mal wieder gesehen und meine Anmerkungen in den Thread geschrieben, ohne mir die zahlreichen vorigen Beiträge durchzulesen. Ich bezog mich also nirgendwo auf Beiträge oder Einschätzungen von Gubanov, Ewok oder sonstwem, sondern habe nur geschildet, wie ich den Film nun wahrgenommen habe und niemandem das Recht abgesprochen den Film zu seinen persönlichen Lieblingen zu zählen. Ich hatte den Film ja - ähnlich wie Du ihn noch immer einordnest - als wohlig-gruseligen, gemütlichen Wallace mit schöner Musik und viel Atmosphäre in Erinnerung und war enttäuscht, dass es so viele handwerkliche Mängel und Rhythmus-Probleme gibt, dass ich ständig aus der Handlung gerissen wurde, die für meinen Geschmack noch dazu viel zu viel auf Dialogebene anstatt durch tatsächliche Handlungen erzählt wird. Ich halte den Film einfach nicht für einen der besten der Reihe und habe dies (aus meiner Sicht ausführlich) mit Argumenten erklärt. Vor allem von Richard Angst' Kameraarbeit war ich schwer enttäuscht. Die wackelnden Wände können einem ja trotz mehrfacher Sichtung nie aufgefallen sein oder die Fledermäuse als ganz bewusst trashige Geisterbahn-Einsprengsel interpretiert werden - mich stören sie. Daran ändert ja auch die mögliche Beeinflussung eines Grand-Prix vor 6 Jahren nicht viel. Ich habe nun auch noch einmal bei Joachim Kramp nachgelesen, der diesen - bzw. alle 63er-Wallace-Filme - als schwache Beiträge der Reihe sieht. Da würde ich mich anschließen - gerade nachdem es 1961 mit "Die toten Augen von London" und 1962 mit "Das Gasthaus an der Themse" in den Jahren zuvor echte Highlights gab.
Zitat von Havi17 im Beitrag #257So lange nicht belegt ist, dass beim Abt finanzielle Erwägungen und zeitliche Bedingungen (Nähe am Buch oder eher frei nach Edgar Wallace) eine Rolle spielten darf man dem Regisseur nicht anlasten das die Tricks billig erscheinen und darin weiter Negativpunkte suchen um der negativen Überschrift einer vorgefassten Meinung "Abt - hätte ein guter Wallace sein können von Ewok aus 2005" gerecht zu werden. Da muss ich Savini Recht geben.
Darauf hatte ich auch vergessen einzugehen. Der Aspekt "Nähe zum Roman" wurde von mir ja gar nicht negativ ausgelegt. Das Drehbuch ist ja durchaus gelungen, aber es ist Aufgabe des Regisseurs dieses dann ansprechend umzusetzen, spätestens bei den Proben vielleicht auch den ein oder anderen Satz zur stärkeren Pointierung unter den Tisch fallen zu lassen oder Wege zu finden, Bilder und Aktionen für nur im Dialog erzählte Handlung zu finden und so weiter. Kaum ein Regisseur setzt ein Drehbuch 1:1 für die Leinwand um. In früher Phase werden dem Autoren Änderungswünsche mitgeteilt, sprich Regisseur und Autor arbeiten gemeinsam an der letzten Fassung - das kenne ich aus persönlicher Erfahrung sogar noch von heutigen Vorabendserien so. Manchmal arbeitet ein Regisseur dann sogar in letzter Instanz selbst noch einmal das Drehbuch um für die Drehfassung. Entweder ist Gottlieb aus den bekannten Gründen (Wunsch-Verpflichtungen alle nicht geglückt, Zeitdruck) wirklich extrem spät zum Projekt gestoßen und konnte nicht mehr viel in der Vorbereitung (um-)gestalten oder er hat die Punkte schlichtweg nicht erkannt, an denen für einen besseren Rhythmus Handlungsbedarf besteht. Meinetwegen war der fehlende Rhythmus und die starke Dialoglastigkeit sogar eine bewusste Entscheidung - dann bedient Gottlieb leider nicht das, was ich (und nebenbei viele andere) von einem Wallace-Film erwarten. Das sahen ja nachweislich Rialto und Constantin ähnlich. Und zu sagen, man könne einem Regisseur die Effekte nicht anlasten ist dann wirklich eine merkwürdige Behauptung. Die Atmosphäre nicht etwa der Musik von Martin Böttcher, Richard Angst' Kameraarbeit und den Kulissen von Wilhelm Vorwerg und Walter Kutz und die Schauspielleistungen von Fuchsberger, Regnier und Co nicht diesen, sondern Alles mehr oder weniger Gottlieb allein zuzuschreiben, dann aber bei den Effekten Budget, Zeit oder andere Gewerke als Grund vorzuschieben, ist inkonsequent. Der Regisseur trägt die künstlerische Verantwortung und trifft wesentliche Entscheidungen selbst, bzw. delegiert andere an die entsprechenden Gewerke - diese haben natürlich dann in ihrem Bereich mal mehr oder weniger großen Einfluss auf das Endergebnis. Er hätte sich ganz simpel komplett gegen den Einsatz dieser Effekte entscheiden können, die wahrscheinlich nicht einmal so konkret im Drehbuch standen oder sie zumindest anders lösen können. Er hätte auf die wackelnden Wände auch mit weiteren Takes reagieren können oder durch eine andere Auflösung dem Umstand, dass die Kulissen anfällig für Wackler waren, entgegen kommen können. Wenn ich Szenen primär mit 1-2 Schwenks und ohne Zwischenschnitte durcherzähle, spare ich Filmmaterial und erfreue den Produzenten, wenn aber ohnehin schon typischerweise bei langen Takes aufgrund von Texthängern oder weil die Marken nicht getroffen werden, Wiederholungen nötig sind, ist es wenig hilfreich, wenn noch wackelnde Kulissen dazustoßen. Eine weitere mögliche Reaktion wäre ja direkt nach dem ersten Drehtag gewesen, darum zu bitten, die Kulissen mit einer zusätzlichen Stütz-Wand zu versehen um diese Probleme für die nächsten Drehtage zu minimieren. Ich weiß natürlich nicht, ob es aus irgendwelchen Gründen Unterbrechungen gab, aber aus dem Drehzeitraum 17. April bis 28. Mai ergeben sich unter Abzug von Wochenenden und Feiertagen ganze 28 Drehtage - identisch zum "Zinker" und "Würger" und ein Drehtag mehr als das Kammerspiel "Das indische Tuch" - und somit ein Drehverhältnis von knapp 3 Minuten am Tag, was für einen Kinofilm knapp bemessen, aufgrund der überschaubaren Anzahl an Locations und vieler Studioszenen aber absolut machbar war. Die Zeit war also tatsächlich knapp - was man ja beispielsweise an der Szene mit Fuchsberger, Böttcher und Pferd sieht, die sicher nicht auf ausdrücklichen Wunsch bei Nieselregen stattfand. Aber gegenüber Vohrer beim "Zinker" hatte Gottlieb nicht mehr Zeitdruck - ein Großteil entstand ja im Studio und die meisten Außenaufnahmen im Park Klein-Glienicke nahe der Studios. Wie ich ja bereits ausführte, hatten Vohrer, Reinl, Ashley und Co bei den Rialto-Filmen nicht nur größtenteils ähnliche Casts, sondern auch große Teile des selben Drehstabs - von Kamera über Szenenbild zum Komponisten - und wahrscheinlich auch etwa das selbe Budget, aber haben in meinen Augen allesamt sauberere Arbeiten abgeliefert. Zu Savinis Anmerkungen komme ich diesbezüglich später noch. Um mal ein prominentes Beispiel heranzuziehen: Spielberg beispielsweise hat die Effekte bei "Der weiße Hai" natürlich auch nicht selbst gestaltet, aber er hatte (gemeinsam mit den Gewerken wie Kamera, Licht, Szenenbild und Schnitt) zu verantworten diese 1. möglichst glaubhaft und 2. wirkungsvoll einzusetzen. "Der weiße Hai" ist insofern ein gutes Beispiel, weil ursprünglich wesentlich mehr Aufnahmen von dem mechatronischen Hai geplant und gedreht wurden, diese sich allerspätestens im Schnitt aber als zu wenig überzeugend erwiesen und Spielberg und sein Cutter daraufhin entschieden die Effekt-Einsätze auf ein Minimum zu reduzieren. Ebenso hat Spielberg ja später bei "Jurassic Park" bewusst entschieden, Dinosaurier nur selten bildfüllend zu zeigen, weil er sich der Begrenzungen der damaligen VFX durchaus bewusst war und daher viel mit Geräuschen aus dem Off arbeitete oder dann doch vermehrt noch auf die gute alte Mechatronik setzte. Es überrascht heute, wenn man die tatsächlichen Effekteinsätze in "Jurassic Park" zählt, wie wenig es doch sind, wie wirkungsvoll diese aber doch eingesetzt sind und daher auch heute noch überzeugen. Es ist auch nicht nur eine rein kreative Entscheidung gewesen, viel im Halbdunkel und Schatten stattfinden zu lassen, sondern schlicht, weil Effekte sich so eher verspielen. Und natürlich sahen amerikanische Filme in den 70ern oder 90ern anders aus als überschaubar budgetierte deutsche Filme aus den 60ern, aber es geht schlicht darum, dass es auch in den 60ern genügend deutsche Regisseure gab, die im Stande waren einen Film ohne wackelnde Kulissen und fragwürdige Effekte auf die Beine zu stellen. Wenn Gottlieb die Einstellung mit den Fledermäusen an der Decke so wahnsinnig wichtig war, dann hätte er die Gestaltung dieser Fledermäuse entweder so früh in Auftrag geben können, dass sie wirklich gut werden oder wenn es ein später Einfall war, die nicht ganz geglückte Umsetzung gemeinsam mit Richard Angst über den Einsatz von Licht, Nebel und Unschärfen etwas mehr "verstecken" können. Ich persönlich habe ja schon geäußert, dass diese Einstellung rein gar nichts erzählt und hätte sie dann spätestens im Schnitt rausgeworfen. Dass Vohrer bei "Der Zinker" eine ganze Menagerie einsetzen konnte, entschuldigt ja nicht, dass Gottlieb uns hier eine lange Nahaufnahme von Plastikfledermäusen präsentiert, die tatsächlich an die Geisterbahn in der örtlichen Kleinstadt erinnert. Das werfe ich im übrigen ja auch Reinl bei "Der Würger von Schloss Blackmoor" vor. Wenn ein Vogel so wenig überzeugend aussieht, dann zeige ich das Nest nur von schräg unten und erzähle den Vogel auf der Tonspur. Selbst der Einsatz einer Aufnahme von einem Vogel in seinem Nest aus dem Archiv hätte dort rein erzählerisch die selbe Funktion gehabt. Bei der betreffenden Szene handelt es sich aber um eine reine Komik-Szene zur Auflockerung, sie findet nicht in einer Spannungssequenz wie beim "Abt" statt - und es ist ein Nachahmer aus der zweiten Reihe, kein Rialto-Vorzeigefilm. Auch, wenn ich mich nun gerade etwas zu sehr an der einen Szene aufhänge, obwohl es ja zig weitere fehlerhafte gibt: Wenn die Fledermäuse nicht so dolle aussehen, dann plane ich die Einstellung etwas offener und platziere sie im Hintergrund oder an den Seiten. Oder ich schwenke nur einmal schnell von der Decke über die Fledermäuse runter zu Peters und Scholz. Frei nach Maurice Messer in "Der Hexer": "DA GIBT ES HUNDERT MÖGLICHKEITEN!". Oder waren es gar tausend?
Die Überschrift "Abt - hätte ein guter Wallace sein können von Ewok aus 2005" nun noch heranzuziehen ist vergebene Liebesmüh, weil ich einfach auf den letzten Beitrag reagiert habe und mir der zwischenzeitlich erfolgte Wechsel der Überschrift von "Bewertet: "Der schwarze Abt" (1963, 13)" zu "Abt - hätte ein guter Wallace sein können" gar nicht aufgefallen ist. Wahrscheinlich wurden da irgendwann einmal zwei Threads zusammengelegt? Wobei ich ja mit einem Satz erwähnt habe, dass ein Tausch des Regie- und Kamerateams der parallelen Projekte "Würger" und "Abt" wohl der Qualität des "Abtes" sehr entgegengekommen wäre. Da ich das Drehbuch und die Besetzung beim "Abt" durchaus gut finde, hätte ja tatsächlich ein guter Wallace-Film daraus werden können. Denn mehr sage ich ja gar nicht: Der Film ist kein Highlight der Reihe, obwohl Besetzung, Musik und die Figur des unheimlichen Abtes eigentlich gute Zutaten gewesen wären. Aber ich sehe ganz einfach wenig plausible Gründe dafür, "Der schwarze Abt" als qualitativ besser als beispielsweise Filme wie "Die toten Augen von London" oder "Die Bande des Schreckens" zu sehen. Und um dann vielleicht die internationale Sicht der Dinge einzubeziehen: Bei der IMDB gibt es ja dankenswerterweise die erweiterte Suchfunktion, wo man mit Zeiträumen, Herkunftsländern, Genres und Co sozusagen "Bestenlisten" erzeugen kann. Unter den westdeutschen Kriminalfilmen, die zwischen 1959 und 1969 im Kino liefen, landet "Der schwarze Abt" auf Platz 22 unter den Rialto-Wallace-Filmen, wenn man noch Weinert-Wilton und Bryan Edgar Wallace einbezieht, noch weiter unten. Er teilt sich mit 5,8 Punkten die Wertung beispielsweise mit "Der Rächer", "Das Ungeheuer von London-City", "Das Geheimnis der chinesischen Nelke" oder (bezeichnenderweise) "Das siebente Opfer" - übrigens auch mit "Der Bucklige von Soho". Dass man im Ausland (vor allem in Amerika) wohl bei Wallace und Verwandten eher die flotteren Vertreter mit trashigem Charme, etwas skurrilen Einfällen und Co erwartet und dies entsprechend in die Wertung einfließt, muss man natürlich dabei berücksichtigen. Beim hiesigen Moviepilot-Bewertungsdurchschnitt liegt er mit 6,1 etwas besser und auf einem Level mit "Der Zinker" - den sehe ich aber auch längst nicht unter den besten Wallace-Filmen überhaupt. "Der grüne Bogenschütze" kassiert hier nur 5,8 Punkte - und den finde ich tatsächlich noch schwächer als den "Abt". Worüber diskutieren wir also überhaupt? Wenn man aus persönlichen Gründen (erster Wallace-Film, Vorliebe für bestimmte Schauspieler, Fan des Romans oder was auch immer) einem Film immensen Wohlfühlbonus entgegenbringt, sei es demjenigen ja unbenommen. Ich persönlich habe auch eine Schwäche für "Die Welt ist nicht genug", weil es der erste Bond-Film war, den ich mit meinem Vater im Kino geschaut habe, nehme aber zur Kenntnis (und kann nachvollziehen), dass er oft eher ins letzte Drittel der Bond-Filme eingeordnet wird. Wenn "Der schwarze Abt" so großartig sein soll, erwarte ich da etwas mehr Argumente - gerade weil beispielsweise auch die holprigen bis hilflosen Szenenwechsel auf eine einfallslose Auflösung hinweisen.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #259Zumal ich eben der tollen Atmosphäre (die ich ja eigentlich auch so in Erinnerung hatte!) in sofern widersprechen würde, weil sie durch schlecht umgesetzte Licht-Settings, wackelnde Kulissen und Co in Mitleidenschaft gezogen wird. Selbst, wenn man die Bildgestaltung weniger kritisch sieht als ich, ist ein beträchtlicher Teil davon Richard Angst zuzugestehen, während ohne die Musik von Martin Böttcher ebenfalls der Film ein völlig anderer wäre.
Ähnlich wie bei Rückprojektionen oder "amerikanischen Nächten" muss man sich allerdings fragen, ob diese Eindrücke nicht teils auch durch unsere heutigen Sehgewohnheiten bedingt sind und ob das damalige Publikum sich daran auch störte. Bei anderer Gelegenheit hatte ich ja schon den Filmhistoriker Marcus Stiglegger erwähnt, der in einem Audiokommentar sagte, seine Studenten würden ihn bei bestimmten Formen der Darstellung oft fragen, ob die Zuschauer das nicht damals absurd gefunden hätten; seine Antwort sei, dass man es zu der Zeit eben gewohnt gewesen sei, dass bestimmte Sachen im Film eben so aussehen würden.
Ich schaue ja extrem viele "alte" Filme, behaupte also durchaus im Kopf von jetzt auf gleich den "Schalter" auf die Sehgewohnheiten der 20er, 30er oder eben 60er Jahre umlegen zu können. Bei "Der Frosch mit der Maske" und "Der Würger von Schloss Blackmoor" habe ich die Umsetzung der Rückprojektionen ausdrücklich gelobt, bei "Die toten Augen von London" die Lösung mit den permanent vernebelten Autoscheiben als kreativ und eben nicht negativ auffällig bewertet. Man muss ja den Wallace-Filmen (sowohl Rialto als auch CCC und Kurt-Ulrich) zu Gute halten, dass sie ja (zumindest zu Schwarz-Weiß-Zeiten und auch später noch meist) auf echte Nachtaufnahmen setzten und es die angesprochene "amerikanische Nacht" bei Wallace so gut wie nie gab. Ich vergleiche den "Abt" ja ausdrücklich nicht mit heutigen Produktionen, sondern (als Teil einer chronologischen Sichtung) mit den Filmen davor und danach. Und bei früheren Wallace-Filmen mit vielen Bauten wackelte Nichts so auffällig und selbst Vohrer präsentierte uns höchstens mal die skurrile "Buckelkatze" mit eingebauten Leucht-Augen als extravagantes Requisit, aber nicht als "reales Tier". Mit anderen Worten: Alles, was ich bei Gottliebs "Abt" kritisch anmerke, haben zeitgleich entstandene Filme besser hinbekommen - teils sogar mit geringeren Budgets.
Zitat von Savini im Beitrag #261Und was wären speziell die Wallace-Filme ohne ihren trashigen Charme? Man denke nur an Vohrers Vorliebe, Schaufensterpuppen ausführlich beim Fall zu zeigen.
Die Schaufensterpuppen bei "Die toten Augen von London", "Der Zinker" und "Das indische Tuch" waren relativ alternativlos - ein Stunt wie bei "Die Bandes des Schreckens" mit der Treppe hatte nicht diese immense Höhe, so einen Todessturz nur im Off zu erzählen und dann die Leiche auf dem Boden zu zeigen, einfach nicht spektakulär genug. Und während die Puppe in "Die toten Augen von London" stark zu erkennen ist, fand ich den Effekt beim "Zinker" und erst recht später bei "Das indische Tuch" sogar halbwegs überzeugend. Bei Vohrer entsteht der "Trash" eher durch skurrile Regieeinfälle, die aber in der Regel humoristisch eingebettet sind (die Aufnahmen durch den Mund, ständig von den Decken hängen Skeletten und Ähnlichem). Bei Reinl sind die Rialto-Wallace-Filme eigentlich frei von "Trash", während man sie bei seinen "misslungeneren" Arbeiten wie "Der Teppich des Grauens" eher auf Zeitdruck und mangelndes Budget zurückführen kann - und sie dort vor allem in Form von hier und da unausgegorener Kameraarbeit und holprigem Schnitt daher kommen. Dieser trashige Charme - primär in der Vohrer-Variante - funktioniert (im positiven Sinne) eben am Besten bei den (halb-)ironischen Beiträgen wie "Das indische Tuch" oder vor allem den späten Farb-Wallace-Filmen. Hier beim "Abt" wird uns aber ein sehr ernster Kriminalfilm mit Themen wie Nervenkrankheiten, unfreiwilligem Muttermord und dem Fokus auf Charaktere und ihre Loyalität, bzw. Betrug untereinander präsentiert, in dem sogar Eddi Arent nicht klamaukig eingesetzt wird. Da finde ich persönlich handwerkliche Fehler und schlechte Effekte dem Ganzen eher abträglich. Ohne, dass es so etwas dort gibt, aber dem Theater-haften, eher komischen und keinerlei Logik gehorchenden "Das indische Tuch" hätte ich wackelnde Wände eher verziehen als dem "Abt". Bezeichnenderweise gibt es dort - obwohl noch mehr Studioanteil als beim "Abt" und einem Drehtag weniger - keine handwerklichen Mängel. In Punkto "Effekt" ist nur das zerbrechende Glas in Kinskis Hand nicht absolut perfekt, weil bei genauerem Hinsehen zum Schutz in der Handfläche angebrachte Pflaster zu sehen sind. Das verspielte sich aber zumindest im Kino sicherlich damals, weil die Einstellung Teil eines Zooms und extrem kurz ist und der Fokus des Zuschauers stark auf Kinskis Spiel gelenkt ist. Davon abgesehen sind aber die Handgreiflichkeiten zwischen Nielsen und Kinski samt Stuhlsturz super und sehr glaubhaft umgesetzt, während der Ringkampf zwischen Arent und Abt wie Zeitlupe und fast improvisiert wirkt. Ja, Arent ist die komische Figur, aber Musik und Setting sind auf Spannung ausgelegt. Wenn der Ringkampf nur halbernst sein sollte, muss man auch hier Unentschlossenheit in der Inszenierung konstatieren. Und auch so Sachen wie der angesprochene Sockel, der umhergeschoben wird, als hätte er das Gewicht eines Aktenkoffers sind Regiesache und von Vohrer und Reinl in vergleichbaren Situationen überzeugender gelöst worden. Da kommt dann auch die angesprochene Schauspielführung ins Spiel. Warum sehe ich die körperliche Anstrengung nicht, die den Effekt "verkauft"? Wieso nutzt ein angeblich so erfahrener Handwerker wie Gottlieb hier keine "unterdrehte Nahaufnahme" des sich bewegenden Sockels? Das wirkt schludrig oder halbherzig. Noch gar nicht erwähnt habe ich die visuelle Umsetzung der Szene mit Fuchsberger, Böttcher und Peters: Die Kamera wartet (im Wissen um die folgenden Handlungen) auf Fuchsbergers Händen, die dann (einen Ticken zu spät) nach Peters greifen. Das hätten schon damals die wenigsten Regisseure so umgesetzt oder hätten zumindest erst im Moment der Bewegung von Fuchsbergers Gesicht runter auf die Hände geschwenkt. Da stimmt weder die Motivation der Kamera, noch das Timing so richtig.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #259Bliebe also die Schauspielführung. Da würde ich in sofern nicht widersprechen, weil die meisten Schauspieler hier wirklich gute Leistungen abrufen. Allerdings darf Joachim Fuchsberger beispielsweise in den Reinecker-Mehrteilern eine ähnlich breite Palette spielen, Harry Wüstenhagen agierte unter Jürgen Roland ("Der grüne Bogenschütze") und Alfred Vohrer ("Die toten Augen von London") alles andere als "schwächer" und auch Werner Peters glänzt in "Die Tür mit den sieben Schlössern" meiner Meinung nach sogar mit noch intensiverem Spiel. Das sehr Charakter-orientierte Buch gab hier fast allen Schauspielern einfach eine gute Basis zur Entfaltung.
Wüstenhagen und Peters waren für mich generell exzellente Schauspieler; Peters hatte in der "Tür" insofern noch einen Vorteil, als Bertram Cody im Roman sowohl optisch als auch charakterlich genau auf ihn zugeschnitten ist, während Fabrian Gilder in der Buchvorlage deutlich anders aussieht. Das mit dem besonderen Gespür bei Gottlieb sehe ich eher darin, wie Schauspieler in Szenen miteinander agieren. Man achte nur auf die erste Szene zwischen Wüstenhagen und Peters, bei der der eine zu Beginn auftrumpfend und der andere duckmäuserisch auftritt, was sich innerhalb von wenigen Minuten völlig umkehrt. Natürlich verstand auch Vohrer viel davon; es wurde ja schon erwähnt, dass seine Qualitäten (durch seine Vergangenheit als Synchronregisseur) eher als im Bereich der Action lagen. Aber gerade weil Gottlieb woanders Defizite aufwies, sticht dieses Talent bei ihm besonders hervor. In einem anderen Forum meinte übrigens jemand, die Interaktion von Fuchsberger und Arent in der "gelben Schlange" sei einer der Pluspunkte dieses Films, trotz seiner sonstigen Schwächen.
Natürlich ist die Szene zwischen Wüstenhagen und Peters toll, aber sie ist auch einfach gut geschrieben! Das Drehbuch gibt hier ja vor, dass zu Beginn Wüstenhagen die Oberhand hat, am Ende jedoch Peters. Das setzt Gottlieb in Punkto Schauspielführung gut um, aber selbst Jürgen Roland schaffte wunderschöne Interaktionen mit wechselnder Oberhand zwischen Fröbe und Wüstenhagen beim "Bogenschützen" und ich fand das Spiel von Peters und Uhlen in "Die Tür mit den sieben Schlössern" als Ehepaar grandios - vor allem wenn noch Hendriks hinzustieß. Gottlieb teilt sich das Händchen für Schauspielführung also bestenfalls mit Vohrer, Reinl, Roland und Co. Für die Filme spielten optische Vorlagen aus den Romanen auch keinerlei Rolle. Die Wallace-Filme waren reine Unterhaltungsfilme, teilweise wurden ja sogar Filmvorhaben und ganze Drehbücher getauscht, nachdem die Besetzung schon unter Vertrag stand - oder Schauspieler kurzerhand aus einem Karl May-Film in einen Wallace "geschoben" und andersherum. Für Schauspieler wie Kinski schrieb man die Rollen irgendwann natürlich gezielt, aber auch anders herum hatten die meisten Schauspieler irgendwann ihr Profil und waren "erste Wahl", wenn die Rolle passte. Wenn ich in einem Drehbuch (nicht dem Roman!) die Rolle eines Sekretärs, der als Buchmacher seinen Chef ausgequetscht hat und versucht sich die Ehe mit einer Frau zu erpressen lese, kann ich mir da sehr gut Werner Peters vorstellen - fernab jeglicher optischen Beschreibungen im Roman. Es ist ja nun wirklich nicht so, als hätte Gottlieb ihn da in einer genialen Eingebung völlig gegen seinen sonstigen Typ besetzt und zu ungewohnten Hochleistungen getrieben. Seine Rolle ähnelt sehr der in "Die Tür mit den sieben Schlössern" oder gar der in "Der Fluch der gelben Schlange" - man könnte Gottlieb hier also ebenso gut Einfallslosigkeit unterstellen. Die Herangehensweise, Gottliebs Schauspielführung zur Stärke umzudeuten, weil seine Defizite in anderen Bereichen so groß waren, finde ich schwierig. Man findet in "Die Gruft mit dem Rätselschloss" mit dem scheinbar völlig führungslos agierenden Eddi Arent und dem wirklich nervtötend spielenden O.W. Fischer in "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" ja ebenso starke Beispiele für nicht geglückte Schauspielführung in Gottliebs Werken. Gelungene Schauspielführung äußert sich meiner Meinung nach viel eher darin, dass ein Regisseur auch limitierte Schauspieler zu überzeugenden Leistungen führt. So war ich überrascht, was Edwin Zbonek beispielsweise aus Chris Howland in "Der Henker von London" herausholte. Auch Harry Riebauer spielt dort im Vergleich zu "Der Würger von Schloss Blackmoor" sehr überzeugend - was allerdings natürlich auch an der passenderen Rolle liegen mag. Zum letzten Punkt: Joachim Fuchsberger und Eddi Arent hatten schon bei "Der Frosch mit der Maske" auf Anhieb eine tolle Chemie. Dass diese in weiteren Filmen selten so stark zu Tage kam, lag ja auch darin begründet, dass sie selten wieder so eng miteinander agierende Figuren spielen durften/mussten. In "Das Gasthaus an der Themse" stört Arents Figur die Polizeiarbeit ja eher und in "Die seltsame Gräfin" haben sie keine markanten, gemeinsamen Szenen. Aber in "Der Fluch der gelben Schlange", "Die toten Augen von London" oder sogar in "Zimmer 13" ist (trotz schlecht geschriebener Rolle für Arent) die Chemie super - weil aber auch schon im Buch Freunde, bzw. enge Kollegen angelegt sind. Dass Gottlieb dies beim "Fluch" besonders ausgestaltet wird sicherlich auch ausdrücklicher Wunsch Brauners gewesen sein, der hier ja einmalig mit Fuchsberger und Arent zwei Zugpferde der Rialto-Reihe einsetzen durfte. Um nun noch Sherlock Holmes zu zitieren: "Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hst, dann ist das, was übrig bleibt, die Wahrheit, wie unwahrscheinlich sie auch ist." Franz-Josef-Gottlieb arbeitete bei seinen insgesamt fünf (Bryan) Edgar Wallace-Filmen sowie "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" mit sage und schreibe fünf verschiedenen Drehbuchautoren (+ schrieb ein Buch selbst) und mit drei unterschiedlichen Kameramännern. Trotzdem ist keiner dieser sechs Filme als absolutes Highlight unter den Gruselkrimis der 60er zu bezeichnen und teilen (trotz diverser Autoren!) unter ähnlichen dramaturgischen und rhythmischen Problemen. Ob man ihm nun zu Gute hält, dass er bei "Der Fluch der gelben Schlange" und "Die Gruft mit dem Rätselschloss" nicht gerade die besten/typischsten Wallace-Romane umsetzen durfte oder O.W. Fischer sich leider als Fehlbesetzung in "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" herausstellte - die Trefferquote bleibt eklatant niedrig. Da "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" in Punkto Bildgestaltung fast haargenau aussieht wie "Der schwarze Abt", obwohl nicht Richard Angst, sondern Godofredo Pacheco dafür verantwortlich zeichnete und Richard Angst wiederum mit anderen Regisseuren in "Die seltsame Gräfin" gute und im ebenfalls 1963 gedrehten "Der Henker von London" sogar wirklich tolle Kameraarbeit leistete, geht scheinbar die visuelle Gestaltung seiner Filme (die beim "schwarzen Abt" teilweise in die Hose ging) zu großen Teilen wohl auf seine Rechnung. Das klingt nun nach Total-Verriss, aber natürlich gab es damals gute Gründe, warum Gottlieb überhaupt sechs Krimis drehen durfte. Denn er hielt verlässlich die Drehpläne ein und man bekam in etwa den Film heraus, den man sich beim Lesen des Drehbuchs vielleicht vorstellte. Die damaligen Sehgewohnheiten, bzw. Erwartungen an Konsum-Ware wie Kino-Krimis waren sicherlich auch nicht ganz so hoch - man sah die wenigsten Filme mehr als einmal und einiges, was einem nun spätestens bei der zweiten Sichtung auffällt, lief unbemerkt am Zuschauer vorbei. Zudem gab es damals natürlich auch Regisseure (Zehetgruber, Akos von Rathony), die mit teils ähnlichen Budgets noch schwächere Filme ablieferten. Aber beim Vergleich zu den Regisseuren anderer Wallace-Filme der Rialto zieht er in meinen Augen sogar gegen Jürgen Roland (dessen "grünen Bogenschützen" ich beispielsweise für misslungen halte) den Kürzeren, weil dieser zumindest eine eigene Handschrift und Ideen (auch wenn ich sie doof finden mag) einbrachte. Harald Reinls "Der Teppich des Grauens" ist absolut kein guter Film - das fängt aber schon beim Drehbuch an und aus richtig guten Drehbüchern wiederum ("Der Frosch mit der Maske" oder "Der unheimliche Mönch") schuf Reinl wirklich tolle Filme. Alfred Vohrer konnte aus guten Drehbüchern ("Die toten Augen von London") ebenfalls tolle Filme machen, aus den schwächeren ("Das indische Tuch" und die späteren Farb-Filme) aber zumindest flotte, unterhaltsame Unterhaltung. Bei Gottlieb kamen aus richtig guten Drehbüchern wie beim "Abt" nur "okaye" Filme heraus, mit schwächeren Drehbüchern wie "Die Gruft mit dem Rätselschloss" dann noch schwächere Filme.
Zitat von Savini im Beitrag #261Das mit dem besonderen Gespür bei Gottlieb sehe ich eher darin, wie Schauspieler in Szenen miteinander agieren. Man achte nur auf die erste Szene zwischen Wüstenhagen und Peters, bei der der eine zu Beginn auftrumpfend und der andere duckmäuserisch auftritt, was sich innerhalb von wenigen Minuten völlig umkehrt. Natürlich verstand auch Vohrer viel davon; es wurde ja schon erwähnt, dass seine Qualitäten (durch seine Vergangenheit als Synchronregisseur) eher als im Bereich der Action lagen. Aber gerade weil Gottlieb woanders Defizite aufwies, sticht dieses Talent bei ihm besonders hervor..
Ja, absolut, jetzt wo Du es schreibst. Schön dass Du hier Gründe aufführst, ich fand nicht nur diese Szene besonders, sondern eben den ganzen Flow, das Tempo, das sich durch den Film zieht einfach gut. Und nicht zu vergessen, Gottlieb hat dem blassen Alford im Roman hier mit Blacky richtig Leben eingehaucht. Vielleicht ist es auch Wüstenhagen, der wie bereits erwähnt, mit Sparringspartner Peters glänzt, wobei er mir im Bogenschützen mit seinem Talent noch mehr zur Geltung kommt. Doch wir sind hier wieder beim sezieren. Der Film hat einen sehr hohen Unterhaltungswert und gefällt mir deshalb heute noch nach zigmaligem Anschauen immer besser. Danke Savini, dass Du mich hier angepieckst hast
Gruss
Havi17
Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt (Jimi Hendrix)
Die Rüstungsindustrie ist eine der größten Gefährdungen der Menschheit. Albert Einstein
Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. Albert Einstein
Zitat von Savini im Beitrag #261Das mit dem besonderen Gespür bei Gottlieb sehe ich eher darin, wie Schauspieler in Szenen miteinander agieren. Man achte nur auf die erste Szene zwischen Wüstenhagen und Peters, bei der der eine zu Beginn auftrumpfend und der andere duckmäuserisch auftritt, was sich innerhalb von wenigen Minuten völlig umkehrt. Natürlich verstand auch Vohrer viel davon; es wurde ja schon erwähnt, dass seine Qualitäten (durch seine Vergangenheit als Synchronregisseur) eher als im Bereich der Action lagen. Aber gerade weil Gottlieb woanders Defizite aufwies, sticht dieses Talent bei ihm besonders hervor..
Ja, absolut, jetzt wo Du es schreibst. Schön dass Du hier Gründe aufführst, ich fand nicht nur diese Szene besonders, sondern eben den ganzen Flow, das Tempo, das sich durch den Film zieht einfach gut. Und nicht zu vergessen, Gottlieb hat dem blassen Alford im Roman hier mit Blacky richtig Leben eingehaucht. Vielleicht ist es auch Wüstenhagen, der wie bereits erwähnt, mit Sparringspartner Peters glänzt, wobei er mir im Bogenschützen mit seinem Talent noch mehr zur Geltung kommt. Doch wir sind hier wieder beim sezieren. Der Film hat einen sehr hohen Unterhaltungswert und gefällt mir deshalb heute noch nach zigmaligem Anschauen immer besser. Danke Savini, dass Du mich hier angepieckst hast
Gruss
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Und wieder ein umfassender Beitrag mit einer Fülle von Belegen, bei denen ich nur auf einige eingehen kann (viele der anderen Argumente erscheinen mir durchaus stichhaltig).
Zitat von Fabi88 im Beitrag #262Die Zeit war also tatsächlich knapp - was man ja beispielsweise an der Szene mit Fuchsberger, Böttcher und Pferd sieht, die sicher nicht auf ausdrücklichen Wunsch bei Nieselregen stattfand.
Nieselregen ist mir hier bisher nie aufgefallen; darauf muss ich bei nächster Gelegenheit mal achten.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #262es die angesprochene "amerikanische Nacht" bei Wallace so gut wie nie gab
Wurde an der Anfangsszene des "Abtes" nicht früher kritisiert, dass sie für nachts viel zu hell sein und dadurch unfreiwillig komisch wirke?
Zitat von Fabi88 im Beitrag #262Und bei früheren Wallace-Filmen mit vielen Bauten wackelte Nichts so auffällig und selbst Vohrer präsentierte uns höchstens mal die skurrile "Buckelkatze" mit eingebauten Leucht-Augen als extravagantes Requisit, aber nicht als "reales Tier". Mit anderen Worten: Alles, was ich bei Gottliebs "Abt" kritisch anmerke, haben zeitgleich entstandene Filme besser hinbekommen - teils sogar mit geringeren Budgets.
Das mit der "wackelnden Wand" ist mir beim "Abt" bisher nie aufgefallen, selbst beim "Mönch" nicht, bevor Joachim Kramp es im Audiokommentar ansprach. Anders sieht es z. B. mit den aufgebrochenen Türen aus Pappmache im "Buckligen" oder Felsblöcken uas demselben Material im "Schatz im Silbersee" aus.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #262Die Schaufensterpuppen bei "Die toten Augen von London", "Der Zinker" und "Das indische Tuch" waren relativ alternativlos - ein Stunt wie bei "Die Bandes des Schreckens" mit der Treppe hatte nicht diese immense Höhe, so einen Todessturz nur im Off zu erzählen und dann die Leiche auf dem Boden zu zeigen, einfach nicht spektakulär genug. Und während die Puppe in "Die toten Augen von London" stark zu erkennen ist, fand ich den Effekt beim "Zinker" und erst recht später bei "Das indische Tuch" sogar halbwegs überzeugend.
Um mit dem letzten Satz zu beginnen: Bei den "toten Augen" fand ich es umgekehrt am besten gelöst, während mir speziell beim "Tuch" schon beim ersten Sehen störend auffiel, dass es sich um eine Puppe handelt (beim "Zinker" zumindest bei der wiederholten Sichtung). Dass es auch anders gefilmt werden kann, bewies Reinl in der "weißen Spinne".
Zitat von Fabi88 im Beitrag #262In Punkto "Effekt" ist nur das zerbrechende Glas in Kinskis Hand nicht absolut perfekt, weil bei genauerem Hinsehen zum Schutz in der Handfläche angebrachte Pflaster zu sehen sind. Das verspielte sich aber zumindest im Kino sicherlich damals, weil die Einstellung Teil eines Zooms und extrem kurz ist und der Fokus des Zuschauers stark auf Kinskis Spiel gelenkt ist.
Interessanterweise bestand Kinski laut Christos Tses darauf, hier ein echtes Glas zu zerbrechen, obwohl ihm eines aus Zucker angeboten worden war; ebenso stieß er sich für eine Einstellung eine Spritze in den Arm (was in der gekürzten Fassung früher nicht zu sehen war).
Zitat von Fabi88 im Beitrag #262Aber in "Der Fluch der gelben Schlange", "Die toten Augen von London" oder sogar in "Zimmer 13" ist (trotz schlecht geschriebener Rolle für Arent) die Chemie super - weil aber auch schon im Buch Freunde, bzw. enge Kollegen angelegt sind.
Ein anderer Faktor bei diesen Filmen (und dem zuvor von dir genannten "Frosch") besteht natürlich darin, dass Arents Rolle für die von Fuchsberger der zentrale Stichwortgeber ist. Beim "Gasthaus" dagegen hat Wade viel mehr gemeinsame Dialoge und Interaktion mit Dr. Collins und Sir John, bei der "Bande" hat Long deutlich mehr mit Nora, Sir Archibald und verschiedenen Assistenten zu tun, beim "Hexer" redet Higgins mehr mit seiner Verlobten und Warren, teilweise auch mit Sir John.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #262Franz-Josef-Gottlieb arbeitete bei seinen insgesamt fünf (Bryan) Edgar Wallace-Filmen sowie "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" mit sage und schreibe fünf verschiedenen Drehbuchautoren (+ schrieb ein Buch selbst) und mit drei unterschiedlichen Kameramännern. Trotzdem ist keiner dieser sechs Filme als absolutes Highlight unter den Gruselkrimis der 60er zu bezeichnen und teilen (trotz diverser Autoren!) unter ähnlichen dramaturgischen und rhythmischen Problemen. Ob man ihm nun zu Gute hält, dass er bei "Der Fluch der gelben Schlange" und "Die Gruft mit dem Rätselschloss" nicht gerade die besten/typischsten Wallace-Romane umsetzen durfte oder O.W. Fischer sich leider als Fehlbesetzung in "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" herausstellte - die Trefferquote bleibt eklatant niedrig. Da "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" in Punkto Bildgestaltung fast haargenau aussieht wie "Der schwarze Abt", obwohl nicht Richard Angst, sondern Godofredo Pacheco dafür verantwortlich zeichnete und Richard Angst wiederum mit anderen Regisseuren in "Die seltsame Gräfin" gute und im ebenfalls 1963 gedrehten "Der Henker von London" sogar wirklich tolle Kameraarbeit leistete, geht scheinbar die visuelle Gestaltung seiner Filme (die beim "schwarzen Abt" teilweise in die Hose ging) zu großen Teilen wohl auf seine Rechnung.
Das ist natürlich ein Argument, wenn hier ein bestimmter Stil durchscheint, anders als bei Reinl und Vohrer, die zu dieser Zeit bevorzugt mit Kalinke und Bartsch (auch wenn Letzterer eher Überarbeiter gewesen zu sein scheint) bzw. Löb und Petersson/Reinecker zusammenarbeiteten.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #262aus richtig guten Drehbüchern wiederum ("Der Frosch mit der Maske" oder "Der unheimliche Mönch") schuf Reinl wirklich tolle Filme. Alfred Vohrer konnte aus guten Drehbüchern ("Die toten Augen von London") ebenfalls tolle Filme machen, aus den schwächeren ("Das indische Tuch" und die späteren Farb-Filme) aber zumindest flotte, unterhaltsame Unterhaltung. Bei Gottlieb kamen aus richtig guten Drehbüchern wie beim "Abt" nur "okaye" Filme heraus, mit schwächeren Drehbüchern wie "Die Gruft mit dem Rätselschloss" dann noch schwächere Filme.
Beim "Mönch" sehe ich das mit dem Drehbuch anders, aber bei seinen beiden Mabuse-Beiträgen machte Reinl aus absolut verworrenen ("Stahlnetz") oder lächerlichen ("Krallen") Drehbüchern flotte und spannende Filme, "Zimmer 13" wäre bei jemand anders sicher weniger zügig ausgefallen, so dass inhaltliche Schwächen viel deutlicher zu erkennen wären.
Hier mal ein erster Teil zu meinen Anmerkungen zum "Schwarzen Abt". Weiteres werde ich in den nächsten Tagen nachliefern, wenn ich den Film mal wieder komplett gesichtet habe.
Der Einstieg in das Filmgeschehen und die Dramaturgie finde ich ausgesprochen gut. Natürlich ist hier von Anfang an die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers gefordert, denn die Vorstellung der einzelnen Charaktere und Zusammenhänge geht Schlag auf Schlag; durch hervorragend inszenierten Szenen, die allesamt glänzende Schauspieler, schlagfertige Dialoge und pointierte Übergange zur jeweils nächsten Szene bieten. Bis auf Inspektor Puddler und Kriminalassistent Horatio erscheint jede Figur zwielichtig und verdächtig. Lediglich den Einführungen von Dr. Loxon und Lady Chelford werfen hier einige Fragen auf, da sie letztlich Kenntnisse zur Romanvorlage erfordern. Diesbezüglich empfehlenswert ist auf jeden Fall der Rückblende-Podcast zum Film. Beim Drehbuch merkt man deutlich die Handschrift von Johannes Kai alias Hanns Wiedmann, dessen Stärke das geschickte Zusammenfassen in Dialogen ist, wenn wichtige Handlungselemente es nicht virtuell in den Film geschafft haben.
Die Ausstattung des Films ist für die CCC-Studio-Ära der Reihe überdurchschnittlich. Die Innenräume des Schlosses, das Büro von Fabian Gilder, das Innenleben des Jagdhauses und insbesondere die Bauten der Abtei verleihen dem Film erstklassige Kulissen. Ich kann mich noch an lebhafte Diskussionen zu VHS-Zeiten erinnern, in denen es darum ging, ob es sich überhaupt um Filmbauten oder nicht doch um irgendeine echte Ruine handelt. Auf Blu-Ray ist mir inzwischen aufgefallen, dass man im Hintergrund einiger Abtei-Szenen sogar eine Backstein-Außenwand der CCC-Studios erkennt.
Leere Wände hinter geöffneten Türen (oder in diesem Fall auch oberhalb des Brunnens, in den Arent fällt) waren in den CCC-Studios ja leider Standard. Wackelnd Wände gab es allerdings schon vorher und in unzähligen anderen alten Filmen auch. Ein "elastisches Gewölbe" à la "Schwarzer Abt" gibt es übrigens auch in Farbe in der CCC-Großproduktion "Die Hölle von Macao" (1966/67) zu sehen, für deren Bauten Hans-Jürgen Kiebach und Ernst Schomer verantwortlich waren. Offensichtlich griffen die beiden auf den gleichen CCC-Bauschaum wie Wilhelm Vorwerg und Walter Kutz zurück. 🤣
Generell ist anzumerken, dass die Filmgeschichte ihre Ursprünge beim Varieté-Theater hat. Kulissen, die als solche erkennbar waren, gehörten einfach zu den damaligen Sehgewohnheiten. Das änderte sich im Wesentlichen erst ab den 1960er Jahren, als ARRI und andere Hersteller kleinere und außerdem schallgedämmte Handkameras entwickelten und man nicht mehr für alle möglichen Innen-Aufnahmen ein Atelier benötigte. Gleiches gilt natürlich für Autofahrten, die nunmehr viel einfacher ohne Rückprojektion auf der echten Straße realisiert werden konnten.
Die Atmosphäre und die Ausleuchtung im "Schwarzen Abt" sind für mich ebenfalls große Pluspunkte. Bei den Außenaufnahmen sowieso. Wenn einige Gewölbe-Szenen "zu hell" erscheinen, kann dies auch an der Digitalisierung liegen. Leider fehlt mir beim Schwarzen Abt ein Vergleich mit einer Kinokopie, aber bei den beiden DVDs und der Blu-Ray gibt es bereits sichtbare Unterschiede. Möglicherweise waren die Szenen im Gewölbe einschließlich der Fledermaus-Angriffe auf den damaligen Verleih-Kopien dunkler gefiltert als auf dem Negativ, welches ja die Grundlage für die erste DVD und die Blu-Ray ist. Bei der zweiten DVD erscheint mir der Rand der Gewölbe-Szenen dunkler und der (helle) Fokus mehr auf die Bildmitte ausgerichtet. Eine sehr gute Doku mit einem Überblick zum Thema Digitalisierung historischer Filme (einschließlich Hell-Dunkel-Nachbearbeitung) gibt es übrigens hier zu sehen:
Ob man da bei den Wallace-Digitalisierungen auch so gründlich gearbeitet hat wie bei den Beispielen in der Doku, wage ich mal zu bezweifeln.
Wenn es um die Atmosphäre im "Schwarzen Abt" geht, darf selbstverständlich die Arbeit von Star-Kameramann Richard Angst nicht unerwähnt bleiben. Das Scope-Format, lange Kamerafahrten auch bei Innenaufnahmen, zahlreiche Spielereien mit der Tiefenschärfe, insbesondere wenn sich Thomas Fortuna oder Lord Chelford im Hintergrund heranschleichen, sind hier besonders hervorzuheben. Eine vergleichbare Qualität brachte hier ab der CCC-Studio-Ära der Reihe m. E. nur Ernst W. Kalinke hin. Karl Löb arbeitete diesbezüglich zwar handwerklich gut aber stets viel "unbeweglicher" und konventioneller.
Abgerundet wird das ganze von der stimmungsvollen Musik Martin Böttchers, für diesen Film genau der richtige Komponist.
Allgemein möchte hier heute noch anmerken, dass ich in den vielen lesenswerten Beiträgen überhaupt keine "persönlichen Verletzungen" feststellen kann. Der Eindruck, dass einzelne Filme "verteidigt" werden, liegt natürlich in der Natur der Sache. Immerhin geht es um verschiedene Geschmäcker und eine langlebige Filmreihe, die von erstklassigen Filmen bis zum Trash alles bietet.
Ich habe mir im Laufe der Zeit auch viel mehr Gelassenheit bei Filmen, die mir weniger oder nicht liegen, angewöhnt. Die Wallace-Filme sind nun einmal so wie sie sind. Ein vermurkster "Gorilla von Soho" lässt sich nicht mehr rückgängig machen und ein Harald Reinl wird uns nicht mehr zeigen können, wie er einen Farb-Wallace inszeniert hätte. Aber mal sehen, was uns die KI noch bieten wird.
Zitat von Jan-Eric im Beitrag #267Allgemein möchte hier heute noch anmerken, dass ich in den vielen lesenswerten Beiträgen überhaupt keine "persönlichen Verletzungen" feststellen kann. Der Eindruck, dass einzelne Filme "verteidigt" werden, liegt natürlich in der Natur der Sache. Immerhin geht es um verschiedene Geschmäcker und eine langlebige Filmreihe, die von erstklassigen Filmen bis zum Trash alles bietet.
Ich habe mir im Laufe der Zeit auch viel mehr Gelassenheit bei Filmen, die mir weniger oder nicht liegen, angewöhnt. Die Wallace-Filme sind nun einmal so wie sie sind. Ein vermurkster "Gorilla von Soho" lässt sich nicht mehr rückgängig machen und ein Harald Reinl wird uns nicht mehr zeigen können, wie er einen Farb-Wallace inszeniert hätte. Aber mal sehen, was uns die KI noch bieten wird.
Danke für Deine interessanten, sachlichen Ausführungen. Bei Richard Angst selbst liegen wir ja gar nicht so weit auseinander, nur sind hier im "Abt" Sachen wie die Kamin-Stimmungen einfach nicht geglückt und haben auch Nichts mit Nachbearbeitung und Co zu tun. Überhaupt waren damals Nachbearbeitungen im heutigen Sinne (Beeinflussung der Kontraste, Aufhellen einzelner Bereiche und Co) gar nicht möglich. Gerade bei günstigen Produktionen hieß es daher, dass der beabsichtigte Look mittels Wahl des Filmmaterials, der Optiken, Einsatz von Filtern und natürlich der Lichtgestaltung am Set entstand - und "sitzen" musste. Meinetwegen wurden die Szenen in den Katakomben am Ende etwas dunkler in die Kinopositive gedruckt, aber da sich das menschliche Auge (gerade im Kino ohne "neutralisierende" Lampen oder Fenster) nach wenigen Momenten daran gewöhnt, stellt es die Kontrastunterschiede wieder her. Soll heißen: Die Fledermäuse bleiben auch bei dunklerem Print gut zu erkennen. Dass es in anderen Filmen wie "Die Hölle von Macao" wackelnde Sets gibt, ist ja gut und schön, bei allen (!) Rialto-Wallace-Filmen bis zu diesem Zeitpunkt fielen diese aber (zumindest mir) nicht auf, womit mein Punkt bleibt, dass andere Regisseure durch zusätzliche Takes, Auflösung oder Notlösungen im Schnitt dafür sorgten, dass keine Wackler zu sehen sind. Dort gibt es höchstens, vor allem bei Vohrer, die bekannten Schwenks über schleichende Füße, die das Studio durch den Estrich/Beton oder was auch immer verrieten. So etwas verbuche ich aber tatsächlich unter der Kategorie, die Du ganz richtig unter "damalige Sehgewohnheiten" verbuchst. Allerdings waren diese Sehgewohnheiten 1963 selbst in Deutschland durch zahlreiche US-Produktionen auch in Sachen Studiokulissen längst andere und nicht mehr auf den Theater-Vergleich gepolt. "Der Zinker" fiel mir diesbezüglich ebenfalls schon auf, weil dort durch ein paar etwas zu kahle Sets und fehlende Strukturen an den Wänden der Studiocharakter ein wenig stärker hervortrat, aber sie wackelten nicht! Die Studiobauten im "Abt" gefallen mir ja durchaus. Dass sie es rein vom Material her nicht ohne Wackler aushalten, wenn etwas oder jemand dagenfällt, ist klar. Dann muss man entsprechende Stellen, wo es dramaturgisch notwendig ist, vorher verstärken oder es über den Schnitt kaschieren. Wenn man natürlich außer der Halbtotalen keine andere Perspektive gedreht hat, kann man da schwerlich im Schnitt reagieren. Die Vorwürfe (die ich selbst ja gar nicht getätigt habe), dass die Katakomben teils zu hell ausgeleuchtet sind, schlagen wiederum in die Kerbe, die ich ja schon nannte. Andere leuchten Katakomben gleichmäßig aus, damit man etwas erkennt und geben dem Zuschauer über eine Öffnung ins Freie den Blick auf eine helle Lichtquelle (den Mond oder Straßenlaternen), so dass im Unterbewusstsein der Kontrast zwischen dunklen (=eigentlich unbeleuchteten) Katakomben und dem tatsächlich Nachtlicht wieder zurecht gerückt wird oder arbeiten zumindest nit Abstufungen. Richard Angst (oder Gottlieb?) stellt aber immer irgendwo hinter einen Torbogen einen Scheinwerfer, der in den Hintergrund knallt und setzt im Vordergrund für das nötige Grundlicht dann noch eine wesentlich schwächere Lichtquelle. Draußen ist dann anstatt des Torbogens oder anderer Elemente halt dichter Nebel oder ein Baum. Es ist extrem kontrastreich, wirkt aber (auch für 60er-Verhältnisse) extremst artifiziell. Um auch das noch einmal einzuordnen: Ich habe in den vergangenen zwei Jahren nahezu ausschließlich Filme aus den 60er Jahren (wieder) gesehen - von Cary Grant- und Rock Hudson-Vehikeln über Mario Bava- und sonstige italienische Horror- und Gruselfilme hin zu Filmen wie "Gesprengte Ketten". Es gab sogar Wiederbegegnungen mit Francis Durbridge-Mehrteilern wie "Ein Mann namens Harry Brent". In letzter Zeit kamen mir so gut wie gar keine aktuellen Produktionen vor die Linse. Ich bin also wirklich "drin" in den damaligen Sehgewohnheiten und wurde dennoch von einigen Aspekten des "Abtes" aus der Handlung gerissen. Der Grundsatz "wenn einem technische und handwerkliche Fehler auffallen, dann hat der Film auch ganz andere Probleme", stimmt extrem häufig. Deswegen komme ich ja zu dem Schluss, dass (mich) die Handlung, bzw. Inszenierung nicht ausreichend fesselt, dass ich wackelnde Kulissen übersehe. "Beim Drehbuch merkt man deutlich die Handschrift von Johannes Kai alias Hanns Wiedmann, dessen Stärke das geschickte Zusammenfassen in Dialogen ist, wenn wichtige Handlungselemente es nicht virtuell in den Film geschafft haben." ist genau eines der Probleme. Alter (auch damals schon lange, lange gültiger) Leitsatz: "Show, don't tell"! Lasse nicht Figuren die Handlung erzählen, lass sie handeln! Wenn eine Szene daraus besteht, dass Werner Peters (ohne nachvollziehbare Motivation) im Auto in die Parklücke neben dem Auto von Mary Wenner fährt, um dort dann im Dialog ein bisschen Exposition zu erzählen, dann kann man es als kreativ bezeichnen, dass er sie zumindest nicht irgendwo auf dem Gehweg abfängt, es bleibt aber eine Szene, die schon seit Urzeiten bestehenden Konventionen von Szenen unterlaufen. Nicht nur ein Film sollte möglichst immer Protagonist, Antagonist und Konflikt haben, sondern auch jede Szene für sich. Genau deswegen wird hier beispielsweise die Szene zwischen Gilder und Gine gelobt: Gine geht als Protagonist mit einem klaren Ziel in die Szene, es gibt einen Konflikt und Gilders eigene Ziele werden deutlich, die denen Gines entgegenstehen und am Ende scheint Gilder sein Ziel zu erreichen. Ebenso die Szene mit Gilder und Leslie Gine: Der Zuschauer sympathisiert mit Leslie und hofft, sie könne sich der Situation mit Gilder entziehen, ihr Ziel ist Flucht, Gilder als Antagonist will ihr körperlich nahe kommen. Die Lösung des Konflikts kommt von außen durch den Auftritt Alfords. Gerade sämtliche Szenen mit Friedrich Schoenfelder als Dr. Loxon sind aber bloße Exposition. Weil Loxon gar keine eigenen Ziele hat, bzw. sie nicht erzählt werden, wird er zum reinen Stichwortgeber degradiert und darf im Dialog wiederum nur Exposition liefern - der Zuschauer schaltet tendenziell ab. Es gibt zu viele Szenen im Film, die nur der Exposition und Erklärung dienen, bzw. im besten Falle zwar die Haupthandlung vorantreiben, für sich genommen dramaturgisch aber nicht funktionieren. Man achte diesbezüglich auf Vohrers "Die Tür mit den sieben Schlössern" - egal, wie man zu ihm steht - dort dienen die ständigen Zaubertricks nicht nur der Belustigung, sondern werden permanent in Szenen eingesetzt, die ansonsten eigentlich nur Exposition liefern und erfüllen so dramaturgische Funktionen. Konkret an einem Beispiel: Klaus Kinski will Heinz Drache seine Erlebnisse erzählen - an und für sich recht langweilig. Vohrer (bzw. der Drehbuchautor) setzen zu Beginn jedoch den Konflikt, dass Drache ihm gar nicht zuhören will, bzw. nicht glaubt und wesentlich mehr Interesse am Demonstrieren seiner Kunststücke hat. Noch dazu poltert die Bahn am Haus entlang und hängt die Kette der Wanduhr ständig aus - es wird hier nochmal ein weiterer Konflikt zwischen Drache (will eine korrekt laufende Uhr) und der Bahn/Uhr, die ständig aushakt aufgebaut. Der Zuschauer folgt all diesen Konflikten und bekommt die Exposition - fast unbemerkt! - quasi nebenbei geliefert. Bei Gottliebs "Abt" gibt es in meinen Augen zu viele Szenen, in denen die handelnden Figuren eben nicht handeln, weil sie abseits der Erzählung von Exposition keinerlei Ziele und somit keine Konflikte haben. Natürlich gibt es Ausnahmen wie die beiden oben genannten, oder die Szene zwischen Fuchsberger und Drache, wo der eine den anderen beruhigen und per Schlafmittel sedieren und der andere den anderen konfrontieren und reizen will, aber oftmals werden die Ziele der Figuren nicht klar genug. Das kann man so handhaben, was die Gesamthandlung betrifft, dann muss man aber Wege finden, diese Szenen über neue, kleine Nebenhandlungen interessant zu gestalten. Dass aber ja auch die Haupthandlung nicht stringent genug ist, wird ja allein dadurch deutlich, dass es genug Leute gibt, die nach dem Film immer noch rätseln, ob es nun zwei oder drei Äbte gab und wer nun wann welcher war und warum. Dass der Beginn stimmungsvoll ist, gebe ihm absolut! Nebelschwaden, Nahaufnahme des Abts, wirkungsvoller Zoom bei Todesschrei seines Opfers, dazu die Böttcher-Musik - toller Einstieg! Wenn auch die Halbtotale, wo der Abt eigentlich total exponiert in der Ruine herumsteht wie bestellt und nicht abgeholt und jeden Moment entdeckt werden könnte, wenn sein Opfer nicht zufällig vorher abbiegen würde, etwas holprig wirkt. Aber da kann ich ihm geben, dass der Abt bei Entdeckung sein Opfer einfach frontal erstochen hätte. Wackelig wurde es dann für mich, als nach den Titeln anstatt schöner Montagesequenzen fast nur Halbtotale folgen und diese Kaminstimmung im Schloss nicht überzeugt. Wenn dann immer mehr Figuren auftauchen, die alle irgendwie mysteriös sind, aber nur Informationen austauschen, anstatt zu handeln, braucht man schon viel Aufmerksamkeit - das ist richtig. Dann wäre aber der direkte Griff zum Drehbuch oder Roman schon beinahe eine sinnvolle Alternative.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #268 Wackelig wurde es dann für mich, als nach den Titeln anstatt schöner Montagesequenzen fast nur Halbtotale folgen und diese Kaminstimmung im Schloss nicht überzeugt. Wenn dann immer mehr Figuren auftauchen, die alle irgendwie mysteriös sind, aber nur Informationen austauschen, anstatt zu handeln, braucht man schon viel Aufmerksamkeit - das ist richtig. Dann wäre aber der direkte Griff zum Drehbuch oder Roman schon beinahe eine sinnvolle Alternative.
Roman, leider nicht. Wenn sich ein Buch nahe am Roman bewegt, so ist das grundsätzlich positiv, das war Anfangs die Vorgabe der rsten Filme! So lange nicht belegt ist, dass beim Abt finanzielle Erwägungen und zeitliche Bedingungen (Nähe am Buch oder eher frei nach Edgar Wallace) eine Rolle spielten, darf man dem Regisseur nicht anlasten das die Tricks billig erscheinen und darin weiter Negativpunkte suchen und den Film immerfort zu sezieren. Was das Drehbuch betrifft, so hat Gottlieb dem blassen Alford im Roman nicht nur hier mit Blacky richtig Leben eingehaucht! Wer das Buch gelesen hat, wird zustimmen, dass Gottlieb hier harte Arbeit leisten musste. Und nochmal, wenn man zu diesem Zeitpunkt eben noch nicht "frei Nach Wallace" gedreht hat und eben noch "gefangen" an der Nähe der Romanvorlage ist, kann ich nur konstatieren dass Gottlieb diesen Balanceakt meisterlich aus damaliger Sicht umgesetzt ha und mir das auch heute noch valide gefällt. Und wenn man aus heutiger Sicht mit allen Filmen danach einen Maßstab anlegt, dann ist es einfach nicht zulässig daraus Qualitätsvergleiche zu ziehen, denn die Rahmenbedingungen der späteren Filme sind nicht die Gleichen.
Gruss
Havi17
Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt (Jimi Hendrix)
Die Rüstungsindustrie ist eine der größten Gefährdungen der Menschheit. Albert Einstein
Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. Albert Einstein
Zitat von Fabi88 im Beitrag #268 Wackelig wurde es dann für mich, als nach den Titeln anstatt schöner Montagesequenzen fast nur Halbtotale folgen und diese Kaminstimmung im Schloss nicht überzeugt. Wenn dann immer mehr Figuren auftauchen, die alle irgendwie mysteriös sind, aber nur Informationen austauschen, anstatt zu handeln, braucht man schon viel Aufmerksamkeit - das ist richtig. Dann wäre aber der direkte Griff zum Drehbuch oder Roman schon beinahe eine sinnvolle Alternative.
Roman, leider nicht. Wenn sich ein Buch nahe am Roman bewegt, so ist das grundsätzlich positiv, das war Anfangs die Vorgabe der rsten Filme! So lange nicht belegt ist, dass beim Abt finanzielle Erwägungen und zeitliche Bedingungen (Nähe am Buch oder eher frei nach Edgar Wallace) eine Rolle spielten, darf man dem Regisseur nicht anlasten das die Tricks billig erscheinen und darin weiter Negativpunkte suchen und den Film immerfort zu sezieren. Was das Drehbuch betrifft, so hat Gottlieb dem blassen Alford im Roman nicht nur hier mit Blacky richtig Leben eingehaucht! Wer das Buch gelesen hat, wird zustimmen, dass Gottlieb hier harte Arbeit leisten musste. Und nochmal, wenn man zu diesem Zeitpunkt eben noch nicht "frei Nach Wallace" gedreht hat und eben noch "gefangen" an der Nähe der Romanvorlage ist, kann ich nur konstatieren dass Gottlieb diesen Balanceakt meisterlich aus damaliger Sicht umgesetzt ha und mir das auch heute noch valide gefällt. Und wenn man aus heutiger Sicht mit allen Filmen danach einen Maßstab anlegt, dann ist es einfach nicht zulässig daraus Qualitätsvergleiche zu ziehen, denn die Rahmenbedingungen der späteren Filme sind nicht die Gleichen.
Ich will das nicht nach jedem Beitrag wiederholen müssen, aber da Du hier nun fast exakt das selbe nun zum dritten Mal schreibst, sprich "immerfort" wiederholst: Ich vergleiche den Abt mit den Filmen davor, nicht mit späteren! Ich habe zwar auch "Das indische Tuch" nun bereits wieder gesehen, aber der entstand wenige Monate später, hatte also nicht plötzlich massiv andere Bedingungen. Bzw. der Film hatte dann noch einen Drehtag weniger, keine Außenaufnahmen und wohl daher auch weniger Budget, daher wäre es nicht einmal "unfair" ihn zum Vergleich heranzuziehen. Also brauche ich keinen Vergleich zu späteren Filmen um festzustellen, dass andere Regisseure (mit teils noch mehr Auflagen!) in meinen Augen sauberere Arbeit geliefert haben und Richard Angst bei "Die seltsame Gräfin" keine (teils nicht nur gestalterisch, sondern tatsächlich auch) technisch misslungenen Aufnahmen zeigte. Die Bücher zu "Das Geheimnis der gelben Narzissen" oder "Das Gasthaus an der Themse" nahmen sich teils sehr große, spätestens "Der Zinker" sogar extrem große Freiheiten. "Der schwarze Abt" ist dann plötzlich wieder romangetreu, während mit "Das indische Tuch" anschließend ein nahezu komplett freies Script zur Umsetzung kam. Das Drehbuch zum "Abt" stammte noch aus 1962 und es wurde nur darauf zurückgegriffen, weil die anderen geplanten Projekte aus unterschiedlichen Gründen (noch) nicht umgesetzt werden konnten. Gerhard F. Hummel, laut Kramp und anderen die treibende Kraft hinter der "Wallace-Nähe" vieler Filme, schied 1963 aus und hatte zwar möglicherweise beim "Abt" noch ein wenig Mitspracherecht, aber sicher nicht mehr die "Macht" das Buch komplett vor Änderungen zu bewahren. Ansonsten hätte er auch bei der Planung von "Das indische Tuch" noch durchgedrückt, dass Egon Eis' Roman-getreueres Drehbuch zur Umsetzung gekommen wäre. Dass Gottlieb hier also "meisterlich einen Balanceakt" ausführen musste, sehe ich nicht so. Sowohl Constantin als auch Rialto waren sich sicherlich einig im Ziel: Gottlieb sollte einen spannenden Gruselkrimi abliefern und möglichst viele Zuschauer ins Kino locken. Wenn er also dafür Änderungen am Buch vorgenommen oder auch nur vorgeschlagen hätte, die sich etwas oder etwas stärker vom Roman entfernen, hätte sich (siehe die vorher produzierten "Das Gasthaus an der Themse" und "Der Zinker") niemand dagegen groß gewehrt. Dann einigen wir uns als Kompromiss darauf, dass Gottlieb sich gegenüber Wallace' Romanvorlage verpflichtet fühlte und daher keine großen Änderungen vornahm und zudem das Budget geringer als bei den Wallace-Filmen von 1961 und 1962 war? Dann ist Dein Standpunkt "Gottlieb hat aus dem Budget das Beste gemacht und wackelnde Wände und miese Effekte liegen am fehlenden Geld, die Romannähe finde ich als Freund der Romane prinzipiell gut." und dem gegenüber - und wohl unvereinbar - steht dann mein Standpunkt: "Vohrer, Reinl, Roland und andere hatten oder weniger das selbe Geld, aber handwerklich sauberere Endergebnisse und Gottlieb hatte die Verantwortung Budgetbeschränkungen nicht sichtbar werden zu lassen, selbst wenn es diese gab. Und wenn das Endergebnis dadurch spannender und spektakulärer ausgefallen wäre, hätte ich mich über Abweichungen zum Roman gefreut."
"Der schwarze Abt" ist aber vielleicht tatsächlich eine Art "Wendepunkt" in der Rialto-Wallace-Reihe. Vielleicht zum letzten Mal kam hier ein Film ins Kino, der sich nahe an den Roman hielt. Spätestens mit "Zimmer 13" nahmen Stil-Elemente zentrale Rollen ein, die man so bei Wallace eigentlich nicht geschrieben fand - Frauenmorde, Nachtclubs und Co.