in den Bewertungsthreads kamen die "Italo-Walllaces" bisher nicht so gut weg - was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Ich sehe die Co-Produktionen mit Italien als mutigen und gelungenen Schritt innerhalb der Gesamtreihe. Die Filme als "verkappte Softpornos der 70-er" zu bezeichnen halte ich für übertrieben. Ich finde es sehr gut, dass man mit den Filmen dem Zeitgeist gefolgt ist (weg vom 50er/60er Jahre-Muff vgl. New Hollywood usw). Über "Das Gesicht im Dunkeln" kann man sicher streiten, aber "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" und "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" sehe ich als absolute Highlights der gesamten Serie. An dieser Stelle lässt sich ein Zitat von Joachim Kramp aus dem Hallo-Buch, S. 238 passend einfügen:
"Den allermeisten heutigen Wallace-Fans gefallen diese Filme nicht, weil in ihnen eine ganz andere Atmosphäre herrscht als in den ersten achtundzwanzig. [...] Wer sie jedoch in der damaligen Zeit im Kino life miterleben konnte, denkt etwas anders darüber."
Meinetwegen.... Das Zitat von Joachim Kramp mag zutreffend sein. Dennoch darf ja schließlich jeder seinen eigenen Geschmack behalten dürfen... Star Wars finde ich z.B. auch schlecht, obwohl es objektiv betrachtet nicht unbedingt schlecht sein muss. Über Geschmack lässt sich halt nicht streiten. Gruß, Ewok
Kommt ganz darauf an, mit welchen Maßstäben man diese Filme misst. Als "Edgar Wallace-Filme" sind sie (meiner Meinung) unterdurchschnittlich, da eben diese typischen "Gewürze" wie z. B. Grusel, nebliges London und ein konstanter Spannungsaufbau fehlen - geschweige denn brauchbare Darsteller :-). Als reiner Krimi betrachtet sind sie durchaus annehmbar. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich würde auch sagen, dass die Filme als klassische Wallacefilme nicht viel hergeben. Ich fand die Filme "damals" auch total bescheiden. Mittlerweile finde ich die Filme (Gesicht mal aussen vor) klasse und sehe sie als ziemlich gelungene Vertreter des Giallogenres (und nicht als Wallacefilm!). Daher kann ich auch sehr gut nachvollziehen, dass die Filme hier bei einigen nicht so gut wegkommen.
Zumindest "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" halte ich für einen sehr guten Film und ich freue mich bereits auf die DVD. Als Wallacefilm jedoch kann ich ihn nicht akzeptieren! ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Es ist auch irrelevant, was "die meisten Deutschen" denken, denn die meisten Deutschen denken nur Scheiße. Das sollte man nicht als Maßstab wählen.
Die Filme sind mir weitaus lieber als solch "trashige" oder muffige Filme wie Hand, Gorillla und Co, mit denen man noch versucht hat das typische Wallace-Flair zu erhalten. Wie Joachim schon im Hallo-Buch schreibt hat sich damals sozial sowie kulturell vieles geändert und somit war es auch Zeit für neue Akzente innerhalb der Wallace-Reihe. Und ob man Filme wie "Der Hund von Blackwood Castle" umbedingt als WALLACE-Filme bezeichnen kann, nur weil ein gewisser Grusel-Touch vorhanden ist, sei mal dahin gestellt.
Über dieses Thema könnte man stundenlang diskutieren. Grundsätzlich müsste mach alle Filme spätstens ab DER HEXER nicht mehr als "echte" Wallace-Filme bezeichnen, da die meisten ausser dem Titel nichts mehr mit Wallace gemein haben. Bei den Italo-Filmen kam man aber gänzlich von der alten Tugend ab und wollte was völlig neues erschaffen. Den Erfolg (oder nicht???) kann man ja sehen. Wobei noch bemerkt werden sollte, dass in den 70ern wahrscheinlich niemand mehr Interesse an einem Film mit dem 60er Jahre Flair hatte und dieser beim Publikum wahrscheinlich auch durchgefallen wäre. Mir persönlich gefallen die Italo-Wallace nicht. Von den späten Farbfilmen finde ich nur noch DIE TOTE AUS DER THEMSE und DER MANN MIT DEM GLASAUGE gut.
Ich habe die Filme damals im Kino gesehen und mir, sowie den meisten meiner Freunde und Bekannten haben sie auch nicht gefallen. Sie hatten einfach nichts mehr mit dem von allen geliebten Wallace Flair zu tun. Das in den 70ern ein anderer Zeitgeist herrschte mag schon stimmen, aber ich kann mich erinnern, das damals auch immer wieder die alten Wallace Filme mit relativ großem Erfolg in manchen Vorstadtkinos liefen, was die Aussage, das die alten Filme niemand mehr interessierten wieder relativiert.
ich habe mich ja schon mehrfach als Farb-Wallace-Verächter geoutet und wollte nur noch mal meinen Senf dazu geben. Es ist schön, dass wir alle unterschiedlicher Auffassung sind und nicht alle der gleichen Meinung.
Für mich ist und war die Einführung der Farbe der Todesstoss der Serie. Es ist ja nicht so, dass zu Zeiten der s/w-Filme es nicht auch schon Farbfilme gegeben hätte oder ein Harald Reinl es nicht auch in Farbe könnte (siehe Karl May). Die meisten s/w Wallace-Filme waren Kunstwerke, die ganz bewusst so gemacht wurden wie sie waren. Die die Lichtverhältnisse im s/w-Bereich genauso ausgenutzt haben, wie sie es zur Dramaturgie brauchten. Es waren zwar teilweise primitive Verhältnisse (siehe das Thema Requisiten-Recycling), aber nicht umsonst nutzen auch heute wieder Photographen die künstlerischen Qualitäten von s/w-Aufnahmen. Ich empfinde sie weder als muffig, noch als albern. Wenn meine Tochter heute einen Eddi Arent oder Siegfried Schürenberg sieht, kann sie zumindest noch schmunzeln. Sieht und hört sie aber einen Stefan Behrens als Assistenten oder Hubsi von Meyrinck, dann empfindet sie das nur noch als dämlich. Also, eine Weiterentwicklung sehe ich da überhaupt nicht, eher einen Abstieg vom Kunstwerk zum Trash. Aber ok, lassen wir den Vergleich zwischen s/w und Farb-Wallace für einen Moment und vergleichen die Farb-Wallace mit anderen Farb-Krimis dieser Zeit wie etwa "11 Uhr 20" von Herbert Reinecker oder den Farb-Durbridges "Wie ein Blitz" und "Das Messer". Wenn ich diese dann miteinander vergleiche, fällt mir immer wieder diese unterirdische Qualität besonders der Italo-Wallace auf.
Aber ok, dass ist nur meine persönliche Meinung und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
In Antwort auf: Aber ok, lassen wir den Vergleich zwischen s/w und Farb-Wallace für einen Moment und vergleichen die Farb-Wallace mit anderen Farb-Krimis dieser Zeit wie etwa "11 Uhr 20" von Herbert Reinecker oder den Farb-Durbridges "Wie ein Blitz" und "Das Messer". Wenn ich diese dann miteinander vergleiche, fällt mir immer wieder diese unterirdische Qualität besonders der Italo-Wallace auf.
Da kann ich mich der Meinung nur von Klaus anschließen. Wäre Babeck oder 11 uhr 20 im Rahmen der späten Wallace-Filme erschienen, wären die späten Wallace-Filme nach meinem Geschmack wirklich anders, aber gut geworden. Der inhaltliche Sprung wäre zumindestens von SW-Wallace zu 11Uhr20, Babeck usw. kleiner gewesen als von SW-Wallace zu den Italo-Pseudo-Wallace-Filmen.
Na ja, das ist aber Interpretationssache. Nur weil die Filme plötzlich farbig wurden, sollen sie automatisch schlechter geworden sein??? Das kann man so nicht sagen, da "Der Bucklige von Soho", "Die blaue Hand" durchaus mit den besten der s/w-Reihe mithalten können. Ich würde eher sagen, dass ein eindeutiger "Niveaverlust" spätestens mit dem Auswechseln der Hauptdarsteller begründet ist, d. h. dass ab "Der Gorilla von Soho" mit Horst Tappert und seinem schusseligen und überaus albernen Hilfskommissar die Polizeiarbeit hier sehr trottelig dargestellt wurde. Ein Hubert von Meyernschreck als Chef von Scotland Yard, einfach nur peinlich. Dieser Mensch hatte mich schon in "Im Banne des Unheimlichen" (eigentlich der letzte wirklich gute Wallace) aufgeregt. Fuchsberger und Drache hatten anscheinend gemerkt, dass sich die Reihe allmählich "totläuft" und sind noch rechtzeitig abgesprungen - auch wenn ich der Meinung bin, dass die restlichen rein deutschen Produktionen besser gelungen wären, hätten Fuchsberger oder Drache den Inspektor gespielt.... Aber das ist Wunschdenken. Ich möchte auch hier darauf hinweisen, dass es bereits während der s/w-Reihe bereits sehr minderwertige Wallace-Filme (z. B. "Verrätertor", "Geheimnis der gelben Narzissen" usw.) gab, nicht erst seit der Farbzeit!!!
ewureuab
(
Gast
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Beiträge:
11.01.2005 10:59
#13 RE:Wallace Co-Produktionen mit Italien - eure Meinung?
ich liebe die italienischen wallace! solange ist ein klassiker des gialli! durch diese filme bin ich erst auf dieses genre gekommen. die beiden bryan edgar wallace gialli sind meisterwerke ihres genres. ich liebe "cat o`nine tails" absolut.
In Antwort auf:Kommt ganz darauf an, mit welchen Maßstäben man diese Filme misst. Als "Edgar Wallace-Filme" sind sie (meiner Meinung) unterdurchschnittlich, da eben diese typischen "Gewürze" wie z. B. Grusel, nebliges London und ein konstanter Spannungsaufbau fehlen - geschweige denn brauchbare Darsteller :-). Als reiner Krimi betrachtet sind sie durchaus annehmbar. Nicht mehr und nicht weniger.
Zum Teil sehe ich das auch so,es gibt einfach kein Wallace-Flair mehr,die drei Filme sind mir eindeutig zu Italienisch,solche Krimis würde ich mir nie und nimmer anschauen würde nicht das Prädikat Wallace trauf stehen da muß man leider durch.
mal eine ganz blöde Frage. Was genau ist eigentlich ein "Giallo"? Wird diese Genre mit anderen Maßstäben gemessen als andere Krimis? Ich habe den Begriff jetzt schon häufiger hier gelesen, aber kenne ihn leider so nicht. Ich habe jetzt irgendwie mehrfach durch die Blume verstanden, als wären diese Italo-Wallace zwar sch...-Wallace-Filme, also Giallo aber goil. Ist das eine Kategorie wir "Trash-Horror"?